Test: RØDE RØDECaster Pro, Production Studio

8. April 2019

Mikro auf und los!

rode rodecaster pro

Podcasts gibt es eine gefühlte Ewigkeit und werden immer wieder als trendiges Medium neu entdeckt. Das nutzt auch die Branche und viele Anbieter schnüren Einsteigerpakete fürs „Personal Podcasting“ zusammen. Der australische Mikrofonhersteller RØDE geht einen Schritt weiter und präsentiert mit dem RØDECaster Pro die weltweit erste und eigenständig nutzbare Podcast-Produktionsstation. Dabei wendet sich RØDE vorwiegend an Medienschaffende, die nicht primär mit Audiotechnik vertraut sind und ein Gerät suchen, mit dessen Hilfe man im Handumdrehen sendefähiges Audiomaterial erstellen kann. Zur NAMM 2019 wurde bereits das erste Update angekündigt, das seit Anfang März für alle erhältlich ist. Wir wollten dieses abwarten um das Gerät auf aktuellem Stand zu präsentieren. Überhaupt ist Nachhaltigkeit bei RØDE ein Thema, weitere Funktionen sollen entsprechend nachgereicht werden. Im Prinzip ist der RØDECaster Pro nach dem AI-1 das zweite Interface, dieses haben wir hier getestet.

Schick sieht er schon mal aus und leuchtet wie Tokio bei Nacht. Hier das offizielle Vorstellungs-Video:

Jeder kann heute ein Star werden oder glaubt es zumindest, die Selbstwahrnehmung spielt da so manchen Streich, aber das ist ein anderes Thema. Ich bin zwar der Auffassung, dass der Erfolg einer Audiosendung primär am Inhalt zu messen ist, die Sprachverständlichkeit muss aber in allen Abhörsituationen passen. Ohne Erfahrung ist das nicht ganz trivial, denn schließlich ist es ein weiter Weg von der guten Stimme bis in den Computer. Dann noch Nachbearbeiten, Publizieren und ein Jingle muss auch noch her. So wäre die Frage zu klären, was der RØDECaster Pro mit einem Preis von rund 650,- Euro anders oder besser macht als spezielle Einsteigerpakete. Eines sei vorweg verraten, Kenner werden bei den Begriffen Aphex Aural Exciter und Big Bottom aufhorchen. Hören wir zu Anfang doch mal, wie das Teil so klingt.

Der RØDECaster Pro im Überblick

RODECaster Pro Seite

Im Prinzip ist er gleichermaßen Digitalmixer mit Bluetooth, vierkanaliger Kopfhörerverstärker, Effektprozessor, Jinglemaschine und Audiorecorder. Daraus folgt, dass man bei vorhandener Steckdose mit Mikrofon und Speicherkarte direkt loslegen kann.

Der RØDECaster Pro eignet sich genauso gut für Live-Shows und Videoanwendungen, denn das Audiosignal lässt sich auch per USB an den Computer oder ein Smartphone schicken. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Audiorecorder ist auch das direkte Mitschneiden von Telefongesprächen ohne Loopback möglich und vermeidet, dass der Gesprächspartner sich selbst hört. Daher ist der RØDECaster Pro sogar für wissenschaftliche Zwecke interessant, wenn Telefoninterviews in hoher Qualität zum Transkribieren aufgezeichnet werden sollen.

RODECaster Pro ausgepackt

Beim Auspacken wird man als Einsteiger direkt gefeiert. „Nice“ würde wohl der Newcomer dazu sagen und hätte das Gefühl, dass alleine der Kauf des Produkts den Erfolg garantiert. Spaß beiseite, jung geblieben würde ich das unkritisch zielgruppenorientiert nennen. So thront das Gerät unter einigen Papp-Flyern, die nicht nur den RØDECaster Pro selbst, sondern auch Bedienungshinweise zeigen und das Beschriften der Pads ermöglichen.

Das sparsame Zubehör liegt direkt darunter, als da wären Netzteil mit verriegelbarem Netzkabel, Kaltgerätekabel und USB-Verbindung vom Typ-A auf Typ-C mit zwei Metern Länge, bei dem Preis hätte man ruhig ein dynamisches PodMic beilegen können. Dies ist ebenfalls neu und wird von RØDE aufgrund der exzellenten Abstimmung zum RØDECaster Pro empfohlen. Da wünscht man sich noch einen Schwanenhals um es direkt hinten anzustecken. Das pultförmige Gehäuse ist mit etwa 2,5 cm im Kern recht schlank und liegt nur auf der Vorder- und Rückseite auf. Mit 1,98 kg ist es recht leicht und 35 cm breit, 27,5 cm tief und misst an der dicksten Stelle 8,2 cm. Unter dem Gerät ist Platz um einen Organizer oder Notizblock unter zuschieben.

RODECaster Pro Rückseite

Die Rückseite umfasst vier verriegelbare XLR-Buchsen für die Mikrofone, den Mini-Klinkeneingang für Smartphones, vier 6,35 mm Kopfhöreranschlüsse, zwei Ausgänge für die Abhöre, den microSD-Schacht auch für Speicherkarten jenseits von 32 GB, USB Typ-C- und Kensington-Buchse sowie den Netzteilanschluss mit Schraubgewinde.

Das hat man sich gut überlegt, denn versehentliches Abziehen könnte fatale Folgen haben. Gleiches gilt für den Powerschalter, eine Softtaste mit weitem Hub, beim Abschalten erfolgt sinnigerweise eine Sicherheitsabfrage. Eigentlich fehlt nur noch ein Batteriefach, genügend Platz unterhalb ist schließlich vorhanden. Für Headsets liegen die Buchsen etwas ungünstig, man hätte besser Kopfhörer- und Mikrofonanschlüsse jeweils direkt nebeneinander platzieren sollen.

Das Kunststoffgehäuse ruht auf einem gummierten Untergrund, die Deckplatte aus schwarzem Aluminium ist damit verschraubt und zieht sich nach hinten über das Anschlussfeld. Wäre die Beschriftung auf die Kante gedruckt worden, könnte man sie auch von vorne lesen. Immerhin befinden sich die Mikrofonbuchsen auf Linie mit den zugehörigen Reglern. Rechts neben dem Touchscreen ist die großflächige Aufnahmetaste untergebracht. Im rechten Teil befinden sich fünf rastende Regler aus Aluminium für die jeweiligen Kopfhörerausgänge und die Hauptlautstärke. Diese sitzen ausreichend fest auf der Frontplatte und laufen absolut sauber. Ein fünfter zum ersten parallel geschalteter Kopfhöreranschluss in 3,5 mm Klinkenmanier befindet sich rechts an der Gehäusefront.

Die größte Fläche nehmen die acht 100 mm Kanalzüge ein. Die ersten vier bedienen die Mikrofonlautstärke, darauf folgen Smartphone, Bluetooth, USB und der Jingle-Player, so dass man auf insgesamt zwölf Kanäle kommt. Über den Bluetooth- und Mikrofonreglern befindet sich je eine Taste für den Direktzugriff auf Kanaleinstellungen. Unten befinden sich mit Ausnahme des Jingle-Players je zwei Tasten. Eine davon schaltet eine oder mehrere Kanäle über den Master-Kopfhörer zur besseren Kontrolle solo, der zweite mutet das Signal im Mix.

Über die anderen Ausgänge wird übrigens stets der Main-Mix ausgegeben. Ganz rechts befinden sich die nicht anschlagsdynamischen Trigger-Pads mit einer Kantenlänge von je drei Zentimeter. Insgesamt ist die Verarbeitung zwar gut, allerdings fühlt sich die Aluminiumdeckplatte nicht sonderlich wertig an. Die Ecken weisen geringe Spaltmaße auf und die Beschichtung wirkt irgendwie fragil. Das könnte in dieser Preisklasse durchaus besser gelöst werden, ein Gehäuse aus Vollkunststoff hätte mich deutlich mehr beeindruckt.

Die Illumination sieht schon cool aus, die grauen Tasten leuchten halb hell und erstrahlen bei aktivierter Funktion. Einzig die Bluetooth-Taste leuchtet bei ausgeschaltetem Modul nicht, die Aufnahmetaste pulsiert nur dann dunkelrot, wenn eine Speicherkarte aufnahmebereit ist. Die Beleuchtung kann unabhängig vom Display gedimmt oder abgeschaltet werden, bei den großen Tasten sieht man allerdings deutlich, wo sich die LED befindet. Alle LEDs sind mehrfarbig, wie man es bei den Pads und farbcodierten Mikrofontasten sieht.

Der kontrastreiche und hochauflösende Touchscreen ist übersichtlich und reagiert zuverlässig, allerdings muss man die Symbole und Regler direkt treffen. Das finde ich gar nicht schlecht, denn dadurch werden Fehlbedienungen vermieden. Die Fader mit angenehmem Widerstand haben eine Fingermulde und sind auch für Grobmotoriker gut geeignet, schleifen aber in Teilen etwas und hätten besser gedämpft sein können. Die Pegeldarstellung erfolgt ebenfalls auf dem Touchscreen und ist für mich mit Seheinschränkungen gut zu erkennen. Das gilt nicht für den vertikalen Blickwinkel, Farb- und Kontrastveränderungen sieht man schon aus geringer Distanz.

Die inneren Werte des RØDECaster Pro

Das Benutzerinterface des RØDECaster Pro ist sehr einfach und übersichtlich aufgebaut. Das Zahnrad oben links führt ins Menü, während der Aufnahme wird ein Symbol zum Setzen von Markierungen eingeblendet. In der links abgesetzten Leiste springt man einen Punkt zurück oder direkt zur Hauptseite. Seit Firmware 1.1.0 hat man die Menüpunkte etwas mehr verschachtelt, trotzdem bleibt der Inhalt mit wenigen, großflächigen Symbolen stets übersichtlich. Die Systemsprache ist allerdings Englisch, daher muss man schon einige Begriffe kennen, wenn man die Grundeinstellungen vornimmt.

RODECaster Pro Hauptseite

Der RØDECaster Pro richtet sich primär an Sprachanwendungen, weshalb Musiker aufgrund fehlender Instrumenteneingänge enttäuscht werden. Playbacks könnte man zwar über TRRS, Bluetooth oder USB einspielen, für Instrumente bietet sich allerhöchstens die Miniklinkenbuchse an. Als Audio-Interface steht die intern fest definierte Auflösung von 24 Bit bei 48 kHz Abtastung zur Verfügung, ASIO oder asynchroner Modus gibt es nicht. Latenzarmes Arbeiten ist damit vor Allem unter Windows nicht gegeben, dafür ist er USB-Class-kompatibel und versteht sich auch mit Mobilgeräten. Seit Firmware 1.1.0 ist eine Multitracking-Option hinzu gekommen, die das 2×2-Interface bei Bedarf um ein weiteres mit 14 Spuren ergänzt. Die ersten beiden enthalten den Main-Mix, die übrigen zwölf orientieren sich an den Kanalzügen, so dass man auch das USB-Signal vom Computer ohne ausgeblendeten Rückkanal abgreifen kann. Die Einzelspuren können auch unbearbeitet übernommen werden, so dass man neben dem Main-Mix eine Rohfassung zur Nachbearbeitung hat.

Der integrierte microSD-Rekorder zeichnet nur den Main-Mix auf, man kann diesen in Verbindung mit dem Computer als Backup-Rekorder nutzen. Dabei ist das Format ebenfalls fest auf Linear-PCM bei 24 Bit Wortbreite und 48 kHz Abtastung vorgegeben, bei 8 GB stehen über sieben Stunden Aufnahmezeit zur Verfügung. Bei einer eigenständigen Lösung hätte ich einen integrierten MP3/AAC-Encoder erwartet, gleiches gilt für eine Schnittfunktion. Die Dateien liegen alle in einem Ordner und werden durchnummeriert, wie „POD00001.WAV“. Varianten stehen derzeit nicht zur Verfügung. Ist keine Speicherkarte eingelegt, kann mit der Aufnahmetaste ein Timer gestartet und über das Display genullt werden.

Klangbeispiele
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    Kingfisher  

    Mit einem Stereo Audio Eingang zum Anschluss von Instrumenten, Sampler und Co hätte ich mir das Teil vielleicht geholt, aber so.

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