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Test: Roland Cloud TR-727, Drummachine Plug-in

14. Januar 2022

Die Königin des Latin Grooves

roland cloud tr727 test plug in

Roland Cloud TR-727, Drummachine Plug-in

Nachdem wir uns Ende des letzten Jahres das TR-909 Plug-in aus Rolands Cloud angeschaut haben, testen wir heute die Software-Version der TR-727. Doch bevor wir zum eigentlichen Test der Roland Cloud TR-727 kommen, springen wir zurück in das Jahr 1985.

Roland TR-727

Electronic, Hip Hop und Latin haben sich erfolgreich in den Barrios der Bronx vereinigt und feierten als Miami Bass, Electro oder Electric Boogaloo fröhlich Auferstehung. Die TR-808 war anno 1985 die Königin des Kick-Bass. Was fehlte? Klar, die Percussions und zwar nicht mehr nur die Kuhglocke, sondern Congas, Timbales, Bongo, Agogo, Cabasa, Maracas, Whistle, Quijada und die allseits „beliebten“ Star Chimes.

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Und hier kam die TR-727 und eigentlich auch die TR-707 ins Spiel. Die TR-707 ist nun aber eher Synthwave und früher House sowie auch Rock. Man höre hier Marshall Jefferson „Move Your Body“ und INXS „Need You Tonight“. 

Dabei lesen sich die technischen Daten der TR-727 aus heutiger Sicht sehr primitiv. PCM-Samples wurden mit 25 kHz und 8 Bit, einige Samples sogar nur mit 6 Bit wiedergegeben. Ebenso sorgten und sorgen Schwankungen in der internen Taktung, der D/A-Wandlung und nicht zuletzt die VCA-Schaltungen für mehr Leben im Anschlags- und Ausklingverhalten.

Diese Faktoren machten die TR-727 neben ihrer recht simplen MIDI- und Synchronisations-Implementierung zu einem Treiber perkussiver elektrischer Grooves.

TR-727 Originalpanel, wer mag, kann unter Options den Gilb einschalten

Editierungen einzelner Sounds war an der ursprünglichen Form lediglich von lauter und leise möglich. Eigene Patterns speicherte man auf einen der 64 Plätze ab und wer dann noch Geld übrig hatte, kaufte sich die MC-64(C), auch bekannt als Memory-Cassette, hinzu.

Roland hat sich in den letzten Jahren sehr erfolgreich bemüht, seine Geschichte in moderner Form weiterzuschreiben. Und hier landen wir bei ACB und in der Gegenwart. ACB ermöglichst es, den Charakter dieser Geräte einzufangen und in Soft- und in Hardware abzubilden. Und das authentisch. An dieser Stelle lassen wir die Signalverarbeitung und Aufzeichnung außen vor.

Stattdessen folgende zwei Tipps:

  • Nicht immer ist ein „perfekter“ rein digitaler Signalweg zielführend. Einfach mal raus aus der digitalen Box und rauf aufs analoge Tape.
  • Richtiger Groove entsteht durch gleichmäßige zeitliche Schwankungen des Taktes.

Installation des TR-727 Plug-ins

Und nun ein ganz harter Schnitt. Kommen wir zur Software und beginnen mit der Installation. Hier hat man nun die Qual der Wahl, dieses Plug-in entweder zu kaufen oder im Rahmen eines Mietkauf-Abos zu nutzen. So oder so muss ein Roland Cloud Konto eröffnet und der Cloud-Manager installiert werden.

TR-727 Panel 2

Roland hat hier die einstige Kritik verstanden und umgesetzt, so dass der Cloud-Manager seine Kinderkrankheiten mittlerweile überwunden hat. Das TR-727 Plug-in kann nun als VST(i) 3.6, AAX und AU installiert werden. Das heißt, alle großen DAWs sind dabei. Da Audio in hoher Auflösung immer wichtiger wird, unterstützt Roland Samplingrates von 44,1 kHz, 48 kHz, 88,2 kHz, 96 kHz, 176,4 kHz und 192 kHz.

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Geblieben ist die maximale Polyphonie von 11 Tönen. Hier hätte eine Änderung auch keinen Sinn ergeben, da es ja um eine originalgetreue Nachbildung geht. Ebenso wurden die ursprünglichen Begrenzungen auch beibehalten. Das heißt, maximal 16 Schritte pro Takt sowie acht Variationen (A-H) pro Pattern. Es können pro Bank 128 Patterns gespeichert werden. Anwender können eigene Bänke speichern.

GUI der Roland Cloud TR-727

Die Oberfläche und die Bedienung orientieren sich an der TR-Logik. Dieses Prinzip wurde mit der TR-808 eingeführt und das macht sich auch im Zeitalter der Maus am Bildschirm gut. Denn alle Bedienelemente sind nur einen Klick weit entfernt. Wenn ich es möchte und brauche, kann ich die TR-727 so bedienen. Aber ich kann ihr auch Steroide verpassen. Und das als Panel bezeichnete Gitter zur Eingabe von Schritten nutzen.

TR-727 Panel 1

Was uns dazu führt, dass die TR-727 zwei Betriebsarten kennt, einmal als Drumcomputer in der Box oder Soundmodul. Ersteres erreichen wir durch Anwahl von Start und Stop mit der DAW. Wann immer nun die DAW wiedergibt oder aufnimmt, läuft die TR-727 los.

Deaktivieren wir „Position Lock To DAW“, kann das Plug-in als Soundmodul genutzt werden, was im Falle von Logic Pro X und oder Mainstage extrem anzuraten ist, weil in Verbindung mit den MIDI-Loops, Step-Sequencer oder Drummer ganz andere rhythmische Variationen möglich sind und dies die TR-727 im Kontext noch einmal aufwertet.

Pattern- und Kit-Browser

Extra-Funktionen der Roland Cloud TR-727

Roland wäre nicht Roland, hätte es dem Plug-in nicht noch Zugaben verpasst: Besitzer der TR8s/TR6s können so beispielsweise zuvor erstellte Patterns einfach per Klicken und Ziehen auf diese Maschinen verschieben, was die Organisation und Vorbereitung von Live-Auftritten wesentlich vereinfacht. Die Integration existierender Hardware ist durchaus ein Pluspunkt, der für die Cloud und auch das TR-727 Plug-in spricht. 

Interner Step-Sequencer

Ebenso können – wie bei den anderen TRs auch – die Parameter Tune, Gain, Level und Panorama und FX editiert werden und entsprechend in Logic automatisiert werden.

Etwas fischig ist das Konzept der Subouts, denn diese können zwar aktiviert werden (also alle Instrumentenausgänge plus Summenausgang), aber dann muss man die Subausgänge in Logic zunächst suchen. An dieser Stelle ist die Bedienungsanleitung nämlich sehr dürftig.

Bei der MIDI-Implementation lässt Roland wiederum keine Federn. Etwaige TR6s/TR8s sind einfach und schnell eingebunden und über MIDI gemappt. 

TR 727 – verschiedene Spurtypen, MIDI-Region und Step-Sequencer

Die ersten Schritte mit der virtuellen TR-727 macht man am einfachstem im Pattern-Mode und wählt hier den Step sowie das Instrument. Pro Step stehen drei verschiedene Substeps sowie neun verschiedene Flams zur Verfügung. Ebenso kann jedes einzelnes Instrument separat mit Shuffle versehen werden.

An sich keine Besonderheit, dennoch erwähnenswert: Die Variationen werden mit den Notenwerten 24-31 (A-H) via MIDI angesprochen. Die Werte 32 und 33 sind „Start Sequencer“ und „Stop-Sequencer“.

Bänke und Kits können via Programm-Change angesprochen werden. Auch hier erfolgt die Organisation im Roland Stil, so dass in einer Bank jeweils ein Kit liegt. Bänke können lokal abgesichert werden. In Summe gibt es 128 Bänke und 128 Kits.

Das Erstellen von Grooves ist in der TR-727 Plug-in-Version sehr gut und produktiv gelöst. Generell macht es aus Benutzersicht Sinn, die TR-Metapher weiterzuführen, denn an diese Bedienung ist man gewohnt und man kommt schnell zu musikalisch verwertbaren Ergebnissen. Im Umkehrschluss heißt das auch: Komme ich mit der Bedienung der TR-727 klar, bereitet mir die Bedienung der TR und TB keine Kopfschmerzen.

Clever gelöst ist die Integration der Roland Hardware. Endlich nicht mehr schwitzen, wie ich den Song aus der DAW auf die Bühne bekomme.  

Dementsprechend problemlos gestaltet sich die Produktion und die Wiederverwertung existierender Patterns. Auf C3 sitzt die Bongo und auf D4 Star-Chimes. Dies macht im Roland Universum Sinn, da zum Beispiel die TR707 mit C1 – Kick beginnt und auf G#2 die 707 Cowbell liegt. So kommen die Drummer sich nicht in die Quere. 

Generell kann man die Samples mit dem FX-Regler bearbeiten und den Samples-LoFi-Charakter verpassen. Wer dann fernab von „4 on the Floor“ Percussion-Spuren braucht, kann hier sowohl mit dem internen Plug-in-Sequencer und Last-Step oder in einem der verschiedenen Spurtypen Loops und Patterns erstellen.

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Fazit

Die TR 727 – hier als Plug-in – verrichtet ihren Dienst klaglos und sehr authentisch. Die TR-Reihe aus der alten Welt in die neue Welt zu holen, ist begrüßenswert. Und dieser Ansatz funktioniert nun mittlerweile auch im gesamten Konzept der Roland Cloud.

Plus

  • Sound authentisch
  • Arbeitsfluss
  • Integration in Logic und Ableton
  • Hardware-Steuerung
  • Integration von TR6S/TR8S

Preis

  • CORE Membership Abo: $ 29.99
  • PRO Membership Abo: $ 99,-
  • Ultimate Membership Abo: $ 199,-
  • Lizenz (Kauf): 149,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    pestomusic  

    Danke für den Test, beim Soundbeispiel TR727_8 fehlt eigentlich nur noch eine Vocalspur von Gwen Guthrie oder Princess. :)
    Welcher Synth spielt denn die Bassline, wenn ich fragen darf?

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Danke :-)

      Das ist ein Sequential Pro 3 mit einem Minimoog Wavetable aka Zombiebass ;-) Ich hätte für Gwen Guthrie aber eher so einen Beat aus der Linn Drum und angereichert mit einer 707 gemacht. Das geht gut ab. So wie in Ain t Nothin Goin On But The Rent.

  2. Profilbild
    lunatic  AHU

    Schöner Bericht Toby!
    Hatte ich mich doch in den 90ern so sehr an die 909 Sounds (bzw. 808) gewöhnt, daß es sich später fremd anfühlte mit anderen Sets zu arbeiten. Ähnlich geht es mir mit den 727 Sounds. Ich habe hier wirklich viele Module stehen die percussion bereitstellen, aber die Sounds der 727 passen oft sofort. Liegt natürlich nicht daran das die Ingenieure damals gezaubert hätten und die anderen (Korg/Kawai/Akai/Yamaha/Ensoniq/Emu….) schlechter gewesen wären, NEIN, meine Öhrchen haben die 727 Sounds gefühlt zig tausendmal auf Vinyl gehört. Somit sind sie einprogrammiert im Hirn als: Richtig! Legit! Done!
    Es muss nicht immer alles außergewöhnlich sein.

    Übrigens wirklich sympathische Beispiele, Toby. Mein sidewalk durchs Wohnzimmer dazu wurde mit kopfschütteln quittiert….

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Danke, ich bin neulich in die Achtziger abgebogen, ich glaub ich muss wieder zurück in die Zukunft. ;-) Ich ich find die 707 und 727 Sounds nach wie vor für mich interessanter als 909 und 808. Wobei ich die auch sehr mag. Aber diese beiden passen eigentlich immer für eine Pop und sonstige Nummer. Sitzen immer gut im Mix und wenn es zu dünn ist, doppeln und unter die Kick vielleicht eine noch tiefere Kick legen. Fertig. Das ganze dann hier noch mit einem Basslauf auflockern.

      • Profilbild
        eddy23

        „Danke, ich bin neulich in die Achtziger abgebogen“

        Du bist ja net nur abgebogen, Du bist sogar in dieser Dekade abgehauen ;)

        Tut gut mal wieder in der Vergangenheit zu wandern, eh?

  3. Profilbild
    chain25  

    Bombastische Soundbeispiele!
    Es wird Zeit mal wieder die 12er Vinyl Box „The History of House Sound of Chicago“ rauszukramen.

  4. Profilbild
    MichBeck  

    Was wäre Inner City‘s „Big Fun“ ohne die 727?
    Rattert immer noch gut.

    Hach Toby, jetzt hast Du mich wieder hungrig gemacht.

    Werd den kleinen Drummer mal aus den Schrank holen und wieder ein bisschen rumjammen.

  5. Profilbild
    TEEEMEY

    Wow gebraucht ist die 727 aber echt super teuer geworden!
    Die tr8 gibts gebraucht für zum Teil unter 200€.
    Finde die ist echt eine wirklich gute Alternative.

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Die TR8 ist eine gute Alternative, selbst wenn du die TR7x7 Extension ist das nicht so teuer. Ich selber habe die gesteste SW, die TR8, die TR6s mit Original Samples und einen Satz Eproms für die Linndrum.
      Je nachdem was anliegt nehme ich eine der Varianten.

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