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Test: Roland RD-88, Stagepiano

16. Dezember 2020

3.000 Tones, Effekte und mehr!

roland rd-88 test

Roland RD-88 Stagepiano

Die RD-Serie von Roland kennt man bereits seit über 30 Jahren. Anlässlich der NAMM Show 2020 hat die japanische Firma ihr neueste Kreation der Serie vorgestellt und das RD-88, das „den renommierten RD-Sound und die herausragende Spielbarkeit in einem leichteren, kompakteren und erschwinglicheren Instrument“ zu euch nach Hause bzw. mit euch auf die Bühne bringen will, haben wir uns einmal näher angeschaut.

Aufbau des RD-88

Tatsächlich präsentiert sich das RD-88 als leichtgewichtiges Stagepiano, bringt es doch nur überschaubare 13,5 kg auf die Waage. Die Maße sind mit 128,4 x 25,8 x 15,9 cm normal breit für ein Piano mit 88 Tasten, aber im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern kommt das RD-88 mit geringer Tiefe daher. Für Bühnen-Setups mit zwei oder drei Keyboards übereinander ist das praktisch, denn so verdecken die sich über dem Roland befindlichen Keyboards nicht die Bedienoberfläche des RD-88. Aber auch im Studio oder zu Hause im Wohnzimmer sieht man es gerne, wenn ein Tasteninstrument möglichst wenig Tiefe benötigt.

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roland rd-88 test

Das Gehäuse des RD-88 besteht aus Kunststoff und das Keyboard ist sehr gut verarbeitet. Für Roland typisch ist alles ordentlich gefertigt und verschraubt, die Bedienelemente machen allesamt einen sehr guten Eindruck. Die Drehregler sind auf der Außenseite geriffelt, entsprechend gut kann man hier zupacken. Die Tasten lösen mit einem gut hörbaren Klack aus, das grafikfähige LC-Display (Auflösung 128 x 64 Pixel) stellt alle Informationen gut dar.

Verglichen mit dem aktuellen Stagepiano-Flaggschiff von Roland, dem RD-2000 ist aber ein deutlicher Unterschied spürbar. Das RD-2000 bietet mit Metallgehäuse und Tastatur aus Holz/Kunststoff ein besseres haptisches Gefühl und erscheint insgesamt wertiger.

Pitchbend- und Modulationsrad fallen beim RD-88 kleiner aus als üblich. Das ist der kompakten Gehäuseform geschuldet, denn so konnte man diese oberhalb der Tastatur unterbringen. Größere Räder hätten dazu geführt, dass das Keyboard insgesamt breiter wird, denn nur links der Tastatur wäre hierfür entsprechend Platz gewesen. Trotz der kleinen Maße lassen sich die beiden angenehm nutzen. Für das gelegentliche Solo reicht das allemal aus.

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Überblick – Bedienoberfläche

Von links angefangen startet die Bedienoberfläche des RD-88 mit den gerade erwähnten Pitchbend- und Modulationsrädern. Es folgt ein kleines Gitter mit 15 Löchern, hinter dem sich einer der Lautsprecher des RD-88 verbirgt. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der zweite 2 x 2 cm messende Speaker, wobei das Keyboard zusätzlich zwei nach unten abstrahlende Tieftöner bietet. Auf einem Tisch sollte man das RD-88 entsprechend nicht platzieren, denn das würde den Klang doch arg negativ beeinflussen. Der Klang des Stagepianos ist sehr gut, druckvoll und bietet auch ein gutes Bassfundament.

roland rd 88 test

Die linke Seite der Bedienoberfläche ist zunächst dem Power-on/off und dem Master-Lautstärkeregler vorbehalten. Hinzu gesellen sich die Regler für die internen Effekte und den Equalizer sowie die individuellen Lautstärkeregler für Lower-, Upper 1 und 2 und den rückseitigen Mic/Line-Eingang. Ebenso lassen sich hier Splits und Layer erstellen.

roland rd 88 test

Nach dem Display und seinen Bedienelementen (Cursor-, Shift-, Exit- und Enter-Tasten) folgt der Sound-Bereich mit insgesamt zehn Buttons, über die man direkt in die einzelnen Sektionen (Piano, E.Piano, Clav/Mallet etc.) springen kann. Von dort aus kann man sich durch die einzelnen Sound-Einträge durchschalten.

Oberhalb der Sound-Wahltaster befindet sich eine weitere Reihe mit Bedienelementen. Neben dem One Touch Piano-Taster, mit dessen Hilfe man stets zum Haupt-Piano-Sound des RD-88 springt, lassen sich über die Taster Favoriten für die Lieblingsklänge anlegen, die Song-/Rhythm-Funktion steuern oder das interne Lautsprechersystem des Keyboards abschalten. Praktisch, dass man dies direkt von der Bedienoberfläche bewerkstelligen kann, denn bei anderen Keyboards muss man hierzu oftmals in die Tiefen der Menüs vordringen.

roland rd-88 test

Abgesehen davon erschließt sich die Bedienung des RD-88 insgesamt nicht allzu schnell. Das beiliegende Handbuch bietet zwar einen guten Überblick und die wichtigsten Funktionen erreicht man schnell; wenn es aber detaillierter wird, muss man beim RD-88 häufig im Menü umherwandern und die passende Funktion bzw. Parameter suchen.

Neben dem Handbuch liegen dem Keyboard das zum Betrieb notwendige externe Netzteil und ein Roland DP-2 Dämpferpedal bei.

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Tastatur und Anschlüsse

Beim RD-88 setzt Roland Tastatur-technisch auf Altbewährtes. Zum Einsatz kommt die PHA 4-Tastatur, die man bereits von anderen Stagepianos her kennt. So unter anderem die Modelle FP-10 und FP-60. Die Tastatur spielt sich sehr gut und die Sensorik setzt die Tastenbewegungen gut um. Auch bei leisen Passagen behält man stets die Kontrolle über den Ton. Die Ivory-Feel-Beschichtung sorgt dafür, dass die Tasten leicht angeraut sind und man auch bei schweißtreibenden Passagen stets einen guten Grip auf der Tastatur hat. Insgesamt also eine gute Kombination aus ordentlich gewichteten Tasten und geringem Gewicht.

Alle Anschlüsse des RD-88 hat Roland auf der Rückseite des Gehäuses untergebracht. Hierzu gehören der Anschluss für das externe Netzteil, zwei USB-Ports (einmal zum Anschluss an den Computer, einmal für USB-Speichermedien) und ein MIDI-DIN-Ausgang sowie Anschlüsse für drei Pedale (Damper, Footcontroller 1 & 2).

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Als Audioausgang dient ein Pärchen 6,3 mm Klinkenausgänge und ein Kopfhörerausgang. Externe Signale lassen sich über einen 3,5 mm Line-In und einen Mikrofoneingang (6,3 mm Klinke) dem RD-88 zuführen.

Praxis

Das RD-88 verfügt über mehr als 3.000 Tones – ja, richtig gelesen, das ist enorm viel. Wobei zunächst aufgeklärt werden muss: Beim RD-88 bestehen die Sounds aus mehreren Tones, d. h. ab Werk findet man im RD-88 zunächst „nur“ rund 300 fertige Scenes, die wiederum aus bis zu drei einzelnen Sounds bestehen. Insgesamt lassen sich im RD-88 400 dieser Scenes speichern. Hinzu kommt, dass das RD-88 durch Rolands neue ZEN-Core-Technologie erweitert werden kann, was dann zum Tragen kommt, wenn man das RD-88 an einen Computer anschließt. Was es mit ZEN Core auf sich hat, erfahrt ihr hier.

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Aber auch ohne ZEN-Core-Erweiterung ist die Palette der internen Sounds breit aufgestellt. Von klassischen A- und E-Piano-Sounds über Orgeln, Streicher, Synth-Pad und Lead-Sounds ist hier alles vorhanden, was man für die Live-Performance, den Proberaum oder zu Hause benötigt. Schaltet man durch die Sound-Einträge, so findet man viele alte Bekannte, vor allem die Sounds, die Roland mit den originalen Vorbildern getaggt hat und die schon in diversen anderen Roland Synthesizern und Pianos zum Einsatz kommen. Immer wieder aber kommen aber auch frische, moderne Sounds zum Vorschein, die dazu führen, dass das RD-88 eine gute Mischung aus klassischen und neuen Roland Sounds bietet.

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Mit 34 A-Pianos ist man Klavier-technisch beim RD-88 auf alle Fälle auf der richtigen Seite. Eine große klangliche Auswahl bietet das Stagepiano und qualitativ ist Roland hier ganz vorne mit dabei. Von für klassische Literatur einsetzbare Pianos über moderne und Pop-orientierte Sounds bis hin zu den passenden Mellow-Klängen ist hier alles vertreten.

Auch bei den E-Pianos gibt sich Roland keine Blöße und gibt dem Stagepiano 30 Sounds mit auf den Weg. Kantige Rhodes und Wurlitzer Sounds, teils drastisch mit Effekten bearbeitet, findet man hier genau so wie sanfte E-Pianos für Power-Balladen im 80er-Jahre-Stil.

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Die gute Qualität dieser ersten beiden Sektionen zieht sich in gleichem Maße durch die weiteren Bereiche hindurch. Schöne Orgeln, egal ob cleane Jazz-Orgeln, verzerrte B3s oder majestätische Pfeifenorgeln, Streicher – Solo und als Ensemble -, Bläser und schöne Synthesizer-Sounds sind im großen Maße vertreten. Wie bei den meisten Stagepianos üblich, können die Sounds nicht bearbeitet werden, die große Anzahl der Sounds macht das aber durchaus wett.

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Alle Sounds des RD-88 lassen sich auf die drei Tastaturzonen Lower sowie Upper 1 und 2 verteilen, wobei die drei Zonen frei auf den 88 Tasten des Keyboards verteilt werden können. Alle Einstellungen zusammen speichert man in einer Szene, von denen wie bereits erwähnt 400 maximal gespeichert werden können.

Über die Taste „Ext Ctrl Setting“ lässt sich auch ein externes MIDI-Gerät einbinden und über die Zonen des RD-88 spielen. Dabei kann darüber entschieden werden, ob die interne und externe Zone gleichzeitig oder getrennt voneinander angesteuert werden soll, ob die MIDI-Daten über USB und MIDI-DIN rausgeschickt werden oder nur über einen Anschluss, welcher MIDI-Kanal, welche MSB- und LSB-Befehle etc. genutzt werden sollen. Die Einstellungen werden zusammen mit der Szene gespeichert, so dass man sich für Live-Setups unterschiedliche Settings vorbereiten kann.

Effekte

Um die Sounds des RD-88 anzupassen, bietet das Stagepiano eine große Effektsektion. So lässt sich für jede Zone ein Multi-Effekt auswählen und justieren; zusätzlich gibt es für jede Szene einen weiteren Multi-Effekt. Eine Auswahl von 90 Effekt-Presets bietet das RD-88 und die Effekte lassen sich löblicherweise detailliert bearbeiten. Die Qualität ist gut und die diversen Effekte wie Rotary, Auto Wah, Step Phaser, Ring Modulator etc. lassen sich gewinnbringend einsetzen.

Allerdings kostet es stets relativ viel Zeit, die Effekte passend einzustellen, denn direkt von der Bedienoberfläche aus kann man lediglich den Effektanteil regeln. Um den Effekt zu aktivieren, auszuwählen und einzustellen, ist stets der Gang ins Menü nötig. Das zieht sich, vor allem, wenn man für alle drei Zonen unterschiedliche Effekte einstellen möchte und dann noch der Szenen-Effekt ausgewählt werden will usw. Intuitiv und schnell erreichbar ist das definitiv nicht.

roland rd-88 test

Global lassen beim RD-88 sich dann noch ein Chorus/Delay (8 Typen) und ein Reverb (6 Typen) sowie ein Master-Kompressor und Equalizer einbinden. Für die Mic/Line-Eingänge stehen zusätzlich ein Input Reverb und EQ zur Verfügung.

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Fazit

Mit dem RD-88 ist Roland ein gutes Stagepiano gelungen. Die Sound-Auswahl ist groß, die Verarbeitung tadellos. Wer auf der Suche nach einem Stagepiano für die Bühne, den Proberaum oder den Einsatz zu Hause ist, sollte sich das RD-88 unbedingt näher anschauen.

Punkten kann das RD-88 mit seinen Sounds, der möglichen Erweiterung durch Rolands ZEN-Technologie und durch die Effekte. Nicht gut gelöst ist dagegen die Bedienung. Viel zu oft muss man in den Tiefen des Menüs nach den passenden Einträgen suchen. Und wenn man komplette Setups anlegen möchte (inkl. aller drei Zonen), artet das in viel Arbeit aus.

Plus

  • großes Sound-Repertoire
  • gute Verarbeitung
  • große Effekt-Sektion
  • Preis-Leisungs-Verhältnis

Minus

  • viele Funktionen/Parameter in den Tiefen des Menüs versteckt

Preis

  • 1.122,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    vssmnn  AHU

    Fragen:
    – Reissen die Töne beim Programmwechsel ab?
    – Wieviele Stimmen hat das Gerät, z.b. bei Piano / Orgel Programmen

    • Profilbild
      Felix Thoma  RED

      Hi Vssmnn. Die Polyphonie beträgt 128 Stimmen und ich meine mich zu erinnern, dass die Töne beim Wechsel nicht gehalten werden. Das kläre ich aber nochmals ab.

  2. Profilbild
    Haurein  

    Da hatte ich mich gerade gefreut und eingelesen – und zack – war der Test schon zu Ende. Bischen kurz, oder?

    Über die Qualität der vielen anderen Sounds keine Aussage. Die Rhythmussektion wurde auch komplett ignoriert. Gibts da Variationen, Fill-ins? Wieviel Rhythmuspatterns gibt es und wie ist die Qualität?

    Das alles würde ich gerne wissen.

    • Profilbild
      Felix Thoma  RED

      Hallo Haurein. Die Rhythmussektion dient beim RD-88 eher als Metronom-Ersatz, nicht zu vergleichen mit einem Entertainer Keyboard, d.h. keine Intros/Endings oder Fills, einfach Loops die im Tempo mitlaufen. Grundsätzlich ist die Soundqualität des Keyboards sehr hoch, aber bei so vielen Sounds ist auch vieles guter Durchschnitt. Pianos, Orgeln, Streicher und Synthesizer Sounds finde ich sehr gut, der Rest rangiert (mit Ausnahmen) bei „gut“.

  3. Profilbild
    Deepmind  

    Mal ehrlich, 3 Zonen?
    das ist warlich kein Kunststück.
    Schon vor 30 jahren wußte Roland wie es geht in eine 61/76er Tastatur
    8 Zonen unterzubringen (JV-80/90/1000).
    So hätte man das Teil auch als Masterkeybord verwenden können .
    bischen Programieraufwand und fertig.
    Manchmal fragt man sich wirklich was die Entwickler im Kopf haben?

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