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Test: Sonicware LIVEN Bass & Beats Desktop Groovebox

Tischhupe oder ernstzunehmende Groovebox?

27. April 2022

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Die Firma Sonicware aus Japan mit dessen Mastermind Dr.Yo Endo legt mit gleich mehreren Hardware-Grooveboxen auf dem hiesigen Low-Price-Markt nach. Versprochen werden umfangreiche Groovebox-Funktionalitäten, viele Sounds und auch für Neueinsteiger beherrschbare Funktionen, die schnell zu einem Erfolgserlebnis führen können. Hier, jetzt und heute geht es um die Liven Bass & Beats im schreienden schwarz-violetten Outfit, das etwas 80er-Flair verbreitet und in einem Mädchen-Teenie-Zimmer nicht groß auffallen würde.

Ein Überblick zur Sonicware Liven Serie

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Die speziellen Grooveboxen als Dreiergespann!

Die Liven-Serie wurde mit der 8bit Warps Groovebox gestartet. Diese habe ich ebenfalls getestet. Den Testbericht findet man hier. Der nächste große Wurf war die Liven XFM Groovebox, die mein Kollege Valentin Zopp vor kurzem getestet hat. Den Grooveboxen von Sonicware ist allen etwas gemein. Der Hardware-Aufbau, die Größe, die Bedienelemente und die Anschlüsse sind identisch, höchstwahrscheinlich auch der Prozessor und die Leistungsfähigkeit. Nur der musikalische Inhalt und die Bedienung variieren. Jede Variante setzt sozusagen ihren Schwerpunkt.
Bei der Liven Bass & Beats liegt der Fokus und der Fun-Faktor auf dem Programmieren von Beats im Zusammenspiel mit einer Bass-(Melodie)-Sequenz. Aber nicht nur eine schnöde subtraktive Soundgestaltung liegt der Bass-Engine zu Grunde, nein, es handelt sich um eine Wavetable-Synthesizer -Struktur mit ziemlich vielen Einstellmöglichkeiten.

Das lässt aufhorchen! Die PCM-Drum- und FX-Sounds sind sehr umfangreich und befinden sich im nicht veränderbaren internen Sample-Speicher. In einfachen Worten: Wir haben einen Drumcomputer und einen Synthesizer, der auf Bässe spezialisiert ist, in einem Gerät. Sechs Stimmen kann die Audio-Engine pro Step gleichzeitig wiedergeben, egal ob es sich um Synthesizer- oder Drumsounds handelt. Garniert wird das Ganze noch mit einer Audio-Effekt-Einheit mit 12 verschiedenen Möglichkeiten. Wollen wir mal schauen, ob es sich um eine Teenie-Tischhupe handelt oder doch ein Gerät, das dem einen oder anderen ein spaßbehafteter Weggefährte sein kann? Knapp 250,- Euro wandern für die Bass & Beats über die Ladentheke. Für wen oder für was dieses Gerät geeignet ist und in welcher Qualität es erklingt, werden wir nun checken.

Der Lieferumfang

Die Sonicware Liven Bass & Beats kommt gepolstert verpackt in einem maßgeschneiderten Karton. Viel gibt es nicht auszupacken! Nur das Gerät nebst zwei qualitativ hochwertigen Plastik-Schablonen, die man dem Gerät überstülpen kann, um eine erleichterte Bedienung zu ermöglichen, einmal im Speziellen für das Programmieren des Bass-Synthesizers und zum Editieren eines Drumkits. Es gibt weder ein Netzteil, noch eine Anleitung. Das mit dem Handbuch ist nicht weiter tragisch – das lädt man sich auf sein Tablet und hat es ebenso griffbereit. Nur das mit dem fehlenden Netzteil hat mir etwas Kopfzerbrechen bereitet.

Zum Glück lässt sich die Soniware Liven Bass&Beats auch mit Batterien betreiben. Sechs AA-Batterien reichen aus, um das Gerät unabhängig betreiben zu können. Endlich konnte der Spaß losgehen!

Gehäuse, Anschlüsse und Qualität

Das kompakte Plastikgehäuse des Sonicware Liven Bass & Beats ist gut 5 cm kleiner als ein Blatt DIN A4 Papier und knapp 5 cm hoch. Das Gehäuse und die Beschaffenheit sind okay und liegen gut in der Hand. Man hat auch nicht das Gefühl, dass in dem Gerät nur Luft enthalten ist. Mit 790 g hat man schon was in der Hand und das Gewicht drückt die Gummifüße auf den Tisch. 15 kleine geriffelte Drehregler haben ein ordentliches Drehgefühl und der einzige Endlossregler „Value“ ist gerastert. Die mittlere Reihe ist mit 16 gummierten und beleuchteten Pads versehen. Der Druckpunkt ist etwas schwammig, aber dank der Beleuchtung bekommt man hier eine optische Rückmeldung. Dann folgen die 16 Sequencer-Step-Pads mit dazu passender LED und die Klaviatur zur Noteneingabe.

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Die Taster bestehenn aus Hartplastik, sind natürlich nicht anschlagsdynamisch, das Spielen oder Eingeben von Werten funktioniert aber prima. Das Live-Tappen von Beats macht Spaß und alles erfüllt seinen Zweck. Das Gehäuse ist hochwertig mit Parametern und Hinweisen bedruckt. Da gibt es nichts auszusetzen. Auch das vierstellige Display integriert sich oberhalb und zeigt Nummernwerte oder Abkürzungen.
Alle Anschlüsse liegen auf der Oberseite. MIDI-In/Out in Standardgröße, analoger Sync-In/Out, einen Kopfhöreranschluss und Stereo-Line-In und -Out in 3,5 mm Miniklinke stehen zur Verfügung. Da keine Einzelausgänge vorhanden sind, besteht die Möglichkeit, die Drums und den Bass/Synthesizer-Sound auf links und rechts zu stellen, um immerhin die einzelnen Signale getrennt nach zu bearbeiten. Als Brecher ist natürlich der eingebaute kleine frontseitige Lautsprecher zu bezeichnen. Zur Orientierung ist er gar nicht mal so schlecht, zu mehr aber auch nicht zu gebrauchen.

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Normale Frontansicht ohne aufgelegte Schablone

Die Bass-Wavetable-Synthesizer-Engine

Ein Sound setzt sich aus zwei unabhängigen, aber gleichzeitig ausgewählten Wavetables zusammen, dem noch ein Sub-Oszillator und ein Noise-Generator zur Seite gestellt werden. 64 verschiedene Wavetables werden angeboten. 128 Speicherplätze stehen zur Verfügung. Hier eine Übersicht:

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Bestimmt werden können die Wellenposition und die Startphase des Wavetables. Eine ziemlich große Auswahl, nämlich fünfzehn (!), gibt es noch bei den Oszillatoren-Shape-Typen, zudem achtzehn verschiedene LFO-Formen, die zum Takt in ebenfalls fünfzehn rhytmischen Unterteilungen mitlaufen können. Da kann jeder noch was dazulernen!
Als Noise Generatoren stehen 16 (!) Varianten zur Auswahl. White, pink, brown sind ja bekannt, aber es gesellen sich noch neun geräuschhafte, drei wasserartige und eine Vinyl-Noise-Quelle zum Klanggeschehen. Hoppla! Für den Sub-Oszillator stehen immerhin Sine, Square, Triangle, Sawtooth und Reverse-Sawtooth zur Verfügung. Das ist auch mehr als genug! Distortion befindet sich ebenfalls noch als Parameter mit an Bord. Natürlich gibt es auch die üblichen Parameter wie Envelope-Hüllkurven und LFO-Startpunkt.

Eine Zuweisung der beiden LFOs an bestimmte Paramter ist machbar. Ach, apropos Hüllkurve: Der Bereich geht vom 0-5000 ms. Das sind maximal immerhin 83 Sekunden. Geregelt wird das aber wie gewohnt mit einer Parameterübersetzung von 0-127 auf dem Display. Ein Filter ist ebenfalls integriert und bietet Lowpass, Highpass, Bandpass und eine parametrische EQ-Variante. Der Frequenzbereich des Filters reicht von 70 bis 21000 Hz. Der Klang des Filters wird später noch bewertet. Es stehen auch verschiedene Shaper zur Verfügung, die man einem Klang überstülpen kann, um Klangverschiebungen oder Gate-Effekte zu erzeugen. Man sieht, die Bass-Synthesizer-Abteilung ist reichlich bestückt. Faktoren zum Experimentieren sind zur Genüge vorhanden.

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Bass&Beats mit aufgelegter Synthesizer-Schablone. Bitte großklicken, um die Parameter lesen zu können.

Zwei spezielle Parameter im Sonicware Liven Bass & Beats möchte ich noch erwähnen: den Machine-Gun-Effect und der Dimension-Regler. Beide Effekte haben einen eigenen Regler. Machine-Gun erzeugt abgehakte Synthdesizer-Verläufe, die sich auch an der BPM-Zahl orientieren, das Dimension-Poti ist für die Stereobreite zuständig. Eine breite Stereo-Soundwand kann somit für den Wavetable-Synthesizer geregelt werden. Das geht bei jedem Synthesizer-Sound.

Anbindung eines Teenage Engineering Pocket Operators

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Einfachste Anbindung der Pocket Operatoren von Teenage Engineering

Eine ganz alleinstehende perfekte Lösung hat Sonicware für die Nutzung von Pocket Operatoren von Teenage Engineering eingebaut. Über den Line-In werden sowohl die Sync-Daten als auch die Audiosignale mit Hilfe eines Stereo-Miniklinken-Kabels übertragen. Das Einstecken eines speziell geteilten Sync-Kabels über die Sync-In-Buchse ist nicht mehr notwendig. Ein Kabel genügt also, um entweder den Pocket Operator zu synchronisieren oder umgekehrt. Das klappt hervorragend und habe ich so in dieser Einfachheit nicht gesehen, eine ganz große Idee perfekt umgesetzt. Im Video demonstriere ich das auch. Genial!

Eingebaute Effekte + Side-Chain Kompressor

Ja, es sind 13 verschiedene Effekte eingebaut, die sich auf Send-Effekte und auf Insert-Effekte aufteilen. Dies ist allerdings fest vorgegeben. Angeboten werden drei Raumsimulationen, Chorus, Flanger, verschiedene Delays, Crush, Distortion, ein Low- und Highpass-Filter, ein Isolator und ein Kill-EQ. Das Editieren von tiefgreifenden Effektparametern ist nicht vorhanden und beschränkt sich einzig und allein auf das Hinzuregeln zum Klang. Die Effekte sind plakativ, aber nicht sehr hochwertig. Ich denke, das dürfte bei solch einer Vielfalt und dem niedrigen Preis klar sein. Aber trotzdem ist es schön, überhaupt welche spendiert bekommen zu haben und zumindest die verschiedenen Effektarten kennenzulernen. Neueinsteiger werden dankbar sein.
Es gibt jedoch noch eine ziemlich rare Besonderheit, die man ebenso zu den Effekten zählen kann. Das ist die Side-Chain-Funktion des eingebauten Kompressors, die sowohl eingehendes Audiomaterial über den Audioeingang, als auch den internen Bass/Synthesizer in der Lautstärke unterdrücken kann, um den gewünschten Pump-Effekt zu erreichen. Die interne Kickdrum löst dann den Pump-Effekt aus. Es werden also ordentlich Features bereitgestellt.

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Man beachte die Mixersektion!

Filtersound des Sonicware Liven Bass & Beats

Es handelt sich um ein digitales Filter. Die vier Filtervarianten des Sonicware Liven Bass & Beats verhalten sich beim Schließen und Öffnen recht musikalisch und analogartig. Kantige digitale Sprünge sind nicht zu vernehmen. Das ist eigentlich recht überraschend. Eine Selbstoszillation der Resonanz ist jedoch nicht möglich, was aber auch in dem Fall nicht verwundert. Filtersweeps und Frequenzverläufe sind gut machbar, aber Filtereskapaden sind der digitalen Bauart nicht zu entlocken. Alles in allem entsprechen die Filter im positiven Sinne den Erwartungen.

Funtionalität des Sequencers

Es gibt im Prinzip nur zwei separate Sequencer-Spuren, für die Drums und die Bass/Synthesizer-Spur. Die Länge kann maximal 64 Steps betragen. 128 Speicherplätze zum Sichern stehen bereit. Beide Einspielmöglichkeiten sind gegeben: Live-Recording oder eben die Step-Eingabe. Parameter Locks, also das Aufnehmen von Reglerbewegungen, sind möglich. Im Prinzip sind alle Editierarten der Noteneingabe vorhanden. Das ist auch sehr umfangreich eingebaut und alles ist im Prinzip bedacht. Copy und Paste, zumindest in rudimentärer Form, sowohl Undo und Redo sind vorhanden. Ganze Bars auf weitere Bars zu kopieren, ist bisher nicht eingebaut. Also Step 1-16 erstmal auf Step 17-32 zu kopieren, um sie dann zu ändern, ist momentan nicht möglich. Es muss bei längeren Sequenzen alles manuell eingegeben werden. Natürlich kann auch mit einem externen MIDI-Keyboard die Noteneingabe erfolgen.sonicware_bassandbeats_Aufbau

Worte zum Handbuch

Es gibt gute und schlechte Anleitungen zu solch komplexen Gerätschaften. Wir haben es hier mit einer eher schlechten Anleitung zu tun. Das Gerät ist vollgepackt mit Features und Menüebenen. Das ist ohne dieses Handbuch gar nicht zu bewerkstelligen. Es ist allerdings sehr sperrig und sehr sachlich verfasst. Im Handbuch wird natürlich alles schön strukturiert aufgelistet, aber das Zusammenwirken der verschiedenen Möglichkeiten wird eigentlich gar nicht erwähnt. Wie kommt man von hier nach dort? Geht etwas verloren, wenn ich diesen und jenen Knopf drücke? Soche Dinge eben. Man fühlt sich ziemlich allein gelassen in der Anleitung und dann auch am Gerät selbst. Das Meiste ist bei den Liven Geräten eben nicht intuitiv möglich. Es gibt auch nur eine englische Version. Das ist umso bedauerlicher, weil gerade der Preis und die entsprechende Zielgruppe evtl. gerade in anderen Ländern so den richtigen Zugang zu den Möglichkeiten eben nicht bekommen und das Gerät dann gefrustet in die Ecke gelegt wird.

MIDI-Anbindung des Sonicware Liven Bass & Beat

Die MIDI-Abteilung es Sonicware Liven Bass & Beats ist sehr umfangreich, auch ein Export von Patterns oder Klangparametern ist vorhanden und der Import ebenso. Die internen Parameter werden alle von MIDI-Controllern abgedeckt. Das Spielen von einem externen Keyboard ist sowieso gegeben und Anschlagsstärke wird dann im Sequencer auch aufgenommen. Sync-Optionen oder das Einspielen von anderen Wavetables über MIDI ist implementiert. Da kann man nicht meckern. Es ist alles vorhanden. Hier wird richtig geklotzt.

Klang des Bass-Wavetable-Synthesizers

Fangen wir mal mit dem Positiven an. Die Klangerzeugung ist sehr umfangreich und ziemlich vielschichtig. Mit den Wavetables und den vielen Funktionen und Besonderheiten kann man eine ganze Menge an Vielfalt erzeugen. Das kann von einfach subtraktivartigen Bässen bis zu völlig verstörten Effektsounds mit reichlich Modulation und Wavetable-Durchläufen gehen. Je nachdem für welche Tonlage man einen Sound erzeugt, geht das wirklich von tiefen, wohlgeformten Subbässen bis zu hohen Synthesizer-Sounds. Das Wort „Bass“ im Produktnamen muss man nicht wörtlich nehmen. Da hier auch viele Noise-Quellen ebenso mitspielen, kann man darüber wirklich nicht meckern. Auch die Spielarten Mono/Legato, das Verteilen von Stimmen, das Detunen von den Oszillatoren oder die Stereobasisverbreiterung funktionieren sehr gut und lassen einen schon staunen.

Insgesamt kann man der Wavetable-Synthesizer-Abteilung einen hohen Klangerforschungsgehalt und großes Potential bescheinigen. Da wurde schon recht viel in dieser kleinen Kiste eingebaut. Die Soundengine selbst und da kommen wir zum negativen Aspekt, ist eher nicht im audiophilen Segment einzustufen. Es fehlt an Dynamik, an schneller Ansprache und an Obertonspektrum. Wo im Bassbereich noch alles ok ist, fehlt es eben an klarem Signal in den Höhen. Wenn zuviele Effekte oder Dinge passieren, schmiert das Signal auch gerne ab und es gibt Digitalisierungsartefakte oder das Signal übersteuert intern, auch wenn man zu wuchtige Bässe erzeugt. Zu sehr anlasten darf man das der Bass&Beats auch nicht, denn die Zielgruppe ist eben eine andere. Einem gehobenen Waldorf Synthesizer kann der Sound nicht im Ansatz Paroli bieten. Aber das muss ja auch nicht unbedingt sein. Schmutz und Artefakte kann man damit, wenn man es drauf anlegt, gut erzeugen. Das ist an geeigneter Stelle auch förderlich, je nach Geschmack. Noch mal in Stichpunkten: keine High-End Engine, Spaß am Klangforschen, eher für Bässe als für brilliante Obertonreiche Klänge! Die Vielfalt der Optionen ist toll. Wavetable-Synthesizer zu dem Preis ist in Ordnung. Punkt!

Klang der Drum Kits des Sonicware Liven Bass & Beat

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Bass&Beats mit aufgelegter Drum-Kit-Schablone. Bitte größer klicken!

Man kann ahnen, dass es sich bei den Drumsounds ähnlich verhält. Erstmal ganz positiv ist es, eine reichliche Auswahl stilistischer Varianten an Drums, Percussion und Effektsounds an der Hand zu haben. Viele Stilrichtungen werden abgedeckt und das auch recht plakativ. Und es sind sehr, sehr viele, um genau zu sein 350 Samples! Die Drumsounds sind teilweise recht cool und treffend (z. B. Hi-Hop) wiew auch für die Inspiration zum Grooven gut geeignet. Die elektronischen Kicks und die Snares begeistern von Anfang an. Die percussiven Klänge spiegeln auch die Klassiker der letzten Jahrzehnte wider. Wer Funk-/Rock- oder Latinsounds benötigt, wird auch hier fündig. Die Sprach- oder FX-Samples finde ich relativ frisch, sie nutzen sich jedoch schnell ab. Da man den Klangverlauf und die Tonhöhe ebenfalls verändern kann, sogar den EQ, gibt es doch eine große Spielwiese beim Zusammenstellen eigener Kits. Aus einem Standardsound hat man im Handumdrehen etwas anderes gezaubert. 128 Kits lassen sich im Gerät übrigens abspeichern.

Was den Gesamtsound des Sonicware Liven Bass & Beats angeht, merkt man schon, dass die Samples arg vom Klang her gelitten haben, um diese in den Speicher zu drücken. Mag das bei den Kickdrums und Snares nicht wirklich auffallen oder ins Gewicht fallen, hört man doch deutlich die stark beschnittene Dynamik und die beschnittenen Höhen. Manches ist einfach zu brizzelig und blechern. Die HiHats können eben auch nicht richtig schneiden, das geben eben die ROM-Samples nicht her. Mit anderen Worten im Vergleich zur Bass-Engine: Die Drums (nicht die Kicks und Snare) klingen noch weniger gut als die Wavetable-Synthesizer-Engine, da es eben komprimierte ROM-Samples sind. Die Qualität der Drumsounds schwankt aber von Klang zu Klang. Es gibt ganz hervorragende Klänge wie die Kicks, so manch anderer Sound kann aber nicht überzeugen. Die Vielfalt und Menge an Klängen macht das aber wieder wett.

Die Bedienung des Sonicware Liven Bass & Beat

Sich zu orientieren, geschweige denn einigermaßen zurecht zu finden, ist eine echte Herausforderung. Gelinde gesagt, ist es sehr schwer und benötigt äußerste Konzentration, auch nach mehreren Sitzungen. Man verliert schnell die Orientierung! Da, wie oben erwähnt, die Anleitung zwar inhaltlich alles bietet, bleiben die Zusammenhänge, um von A zu B zu kommen, recht lange im Dunkeln. Ohne Anleitung geht gar nichts und man muss sie immer griffbereit haben. Welchen Knopf muss ich nochmal drücken, auf welcher Programmebene? Ab wann muss ich die Overlays auf das Gerät legen? Sich die Parameter auf der Bass- oder Beatebene zu merken, ist nicht möglich, ohne die Overlays zu nutzen, denn die dort zu bedienenden Parameter sind so gar nicht auf den Gerät beschriftet. Eine spontane Idee intuitiv umzusetzen, funktioniert nur nach intensiver und langwieriger Einarbeitungszeit, so dass jeder Handgriff automatisch erfolgen kann. Erst dann kann man von Workflow reden. Das mag vielleicht jeder anders für sich sehen, daher soll das nur als Hinweis dienen, inwieweit man bereit ist, diesen steinigen Weg zu gehen.

Ausblick (mehr geht nicht in das Format)

Die Sonicware Liven Serie ist vollgepackt mit innovativen Ideen und massig Features zu einem passablen einsteigerfreundlichen Preis. Das Format ist relativ klein, transportabel und zweckmässig im Aufbau. Hier bei dem Modell Bass&Beats merkt man ganz deutlich, dass ein „noch schneller und weiter“ in diesem Format nicht mehr möglich ist. Mehr geht einfach nicht mehr, ohne noch mehr Einschränkungen im Workflow hinnehmen zu müssen. Was würde folgen? Mehr Bedienelemente, ein aussagekräftiges Display und weitere „professionellere“ Eckdaten wären erforderlich. Meine Schlussfolgerung ist, dass zu diesem Preis das Maximalmögliche angeboten wurde und man mit gewissen Zugangshindernissen zu Beginn leben muss. Wer auf dem Weg des Erlernens der Bass&Beats stockt, verliert den Zugang zu dem Gerät. Es ist sozusagen eine harte Nuss, zumindest ist das meine Erfahrung mit dem Gerät.

Sonicware_Bass&beats_overview

Die Schablonen sollten immer griffbereit liegen!

Für wen ist die Sonicware Bass & Beats interessant

Für Neueinsteiger, für Musikinteressierte, die ihre ersten Schritte machen wollen, um zu jammen, zu rappen oder dazu zu singen. Diese können absolut zugreifen. Die Kiste ist musikalisch ziemlich flexibel. Mal einen coolen Groove programmieren, Bass dazu geben und ein paar Effekte einbauen, um dann einen minimalistischen Song zu performen, geht wunderbar. Wer auch einen flexiblen Wavetable-Basssynthesizer mit vielen Möglichkeiten als Ergänzung sucht, der nicht unbedingt aalglatt klingen muss, der ist hier auch richtig. Für ein kleines Live-Setup dank der umfangreichen Sync-Optionen und des Audioeinganges, gerade für die Pocketoperatoren, reicht das auch völlig. All die, die einen rhymtischen Begleiter für was auch immer benötigen, haben sogar mit dem internen Lautsprecher immer eine akkustische Hilfe parat. Allein als Drumcomputer macht die Bass&Beats auch keine schlechte Figur.

Ein paar Tipps zum Beginn

  • Die Bass&Beats hat verschiedene Ausgangslautstärken und werksseitig ist sie auf „mittel“ eingestellt. Mit Tastenkombination würde ich empfehlen, gleich auf volle Lautstärke zu stellen. Das macht über Kopfhörer viel mehr Fun. Die globale Lautstärke ist natürlich trotzdem mit dem Volume-Regler einstellbar. Es kommt nur wesentlich mehr Schub heraus.
  • Zu Beginn ist der Lautsprecher immer an. Auch dieser lässt sich mit einer Tastenkombi generell ausschalten.
  • Die beiden Overlays sollte man immer dabei haben, denn ohne diese ist man beim Programmieren von Bässen und Beats einfach aufgeschmissen.

Einblicke zum Klang und zur Bedienung findet man wie gewohnt in meinem Video, das allerdings die Vielfalt der Funktionen der Bass&Beats nur in Kürze darstellen kann.

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Fazit

Die Sonicware Liven Bass & Beats Groovebox bietet so viele Möglichkeiten, dass man gar nicht alles in diesem Test erwähnen kann. Sonicware haben mit der Liven Bass&Beats eine eierlegende Wollmilchsau entwickelt und mit massig Features vollgepackt. Mehr kann man bei dem Preis nicht in einem Gerät anbieten. Man bekommt sozusagen zwei Geräte in einem. Dass darunter die Bedienbarkeit leidet, wurde hier bewiesen. Wer es darauf anlegt, kann das Gerät erlernen und große Schritte machen, sogar wenn die Materie neu für einen ist. Zäh muss man sein und es wollen! Klanglich teilweise toll, aber auch durchwachsen und für eine Zielgruppe geschaffen, die unbefangen an Sound und Bedienung herangeht. Für alle anderen gilt ausprobieren, ob es nicht genau dieser Sound ist, der den vorhandenen Platz im Song noch ausfüllen kann. Der Wavetable-Synthesizer in der Bass&Beats ist doch ziemlich umfangreich und – haste nicht gesehen – für 249,- Euro. Eine Bewertung zu fällen, fällt schwer. Vieles ist gelungen, vieles aber auch ganz und gar nicht. In der Melange bleibt daher nur ein Befriedigend.

Plus

  • Bass&Beats ist vollgepackt mit Funktionen
  • vollständiger Drumcomputer enthalten
  • Wavetable-Synthesizer mit unheimlich vielen Parametern
  • klangliche Vielfalt ist enorm
  • MIDI- und Sync-Funktionalitäten
  • vielfältige Effekt-Sektion
  • Line-In mit Side-Chain-Funktion
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Bedienung ist kompliziert und eine große Hürde
  • zu viele Menüebenen
  • fehlende Dynamik der Klänge
  • dem Gesamtsound fehlt das Obertonspektrum (Brillanz)
  • Sound übersteuert intern leicht
  • Klangspektrum der internen ROM-Drum-Samples eingeschränkt und zu komprimiert
  • kein Netzteil im Lieferumfang

Preis

  • 249,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Numitron AHU

    Hi, würde gerne wissen warum die user auf „finger weg“ bewertet haben.
    Kann das jemand erklären, ist das gerät wirklich so schlimm?
    Danke im voraus.

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      So mal die Beispiele von PHead sehr cool klingen. Klar, es ist vermutlich in erster Instanz Stanalone interessant bzw. in Verbund mit weiteren Geräten der Familie oder auch den Korg Volcas. Aber genau das macht es allen Anschein nach wiederum gut. Zugegeben habe ich auch schon dutzende Wertungen abgegeben, ohne das Gerät je in der Hand gehabt zu haben. Aber dann bevorzugt für mich von überzeugenden Geräten. Aber jeder wie er meint.

    • Profilbild
      chardt

      Was ich Testbericht und Demo entnehme:
      – Klang ist eher so lala
      – Sequenzer nur 64 Steps, keine Verkettung, kein Song-Modus
      – Bedienung nur mit den Overlays und Handbuch möglich, Handbuch ist nicht so toll

      Das ist gut, so habe ich glatt 250 € gespart! ;)

      Aber wenn Deine Anforderungen genügend anders sind, ist es ja vielleicht was für Dich?

      • Profilbild
        [P]-HEAD (S.Bernhardt) RED

        Das Pattern-Chaining ist möglich. Einen Songmodus gibt es nicht. Ich empfehle, erstmal die Anleitung zu studieren bevor man sich das Gerät zulegt, um zu sehen was alles so enthalten ist. Dann kann man überlegen ob man damit zurechtkommt oder nicht.

        • Profilbild
          chardt

          Hallo Stefan, Danke für die Info! Leider habe ich in den drei Testberichten zu den verschiedenen Liven keine Infos zu den diesbezgl. Fähigkeiten des Sequenzers gefunden.

  2. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo [P]-Head,

    Herzlichen Dank für deinen interessanten Artikel! So wie du ein Artikel beschreibst bin ich ja fast gezwungen es zu kaufen ;-) Bisschen Quatsch natürlich aber du lässt ein „Gerät“ schon sehr appetitlich aussehen! :-) Dabei wieder ein tolles Video von dir, was wünscht man sich noch mehr? ;-)

    Obwohl der Bass & Beats interessant ist, finde ich aus der Liven Reihe der 8bit Warps bisher noch am interessantesten. Zeit für mich den mal lokal bei meinem Händler aus zu probieren!

    Vielen Dank und viele Grüße, Garfield.

    P.S.: Ist es unter dein Penis-Head Maske nicht sehr warm? Oder nimmst du nur Videos im Winter auf damit es bloß nicht zu warm wird? ;-)

  3. Profilbild
    lunatic AHU

    Ach, eigentlich wäre das ja ein lustiges Gerät für diesen schmalen Preis.
    Streckenweise macht das sicher laune, aber abgesehen vom leichten toys ‘r‘ us look, der sound ist wirklich grenzwertig….
    Klingt alles irgendwie nach napster mp3. Ich mag es durchaus auch mal sperrig, eindimensional, überkomprimiert und billig aber das ist mir hier irgendwie zu viel des Schlechten.
    Das da Druck rauskommt kann ich mir überhaupt nicht vorstellen und ein übereifriges Möglichkeiten-Eldorado auf kleinstem Raum: nee. Lass mal. Nett gemeint

  4. Profilbild
    t.goldschmitz RED

    Hey, hey Mister P… aus dem Text:
     
    >>> Der Bereich geht vom 0-5000 ms. Das sind maximal immerhin 83 Sekunden
     
    Öhhmmm. Nö, das wären irgendwie genau 5 Sekunden und zwar auf die Millisekunde genau ;)

        • Profilbild
          Killnoizer

          Ein Sequenzer mit max 64 steps ist in der Preisklasse doch ganz schön viel, incl. Synthesizer und FX ist das eigentlich eine gute Mischung. Schade das es doch am Sound fehlt … Aber für etwas mehr als 200€ traue ich dem mehr zu als allen anderen Kisten in der Range !

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