Test: Spitifire Audio BBC Symphony Orchestra Library

16. Mai 2020

All-in-one Orchester Paket

spitfire audio bbc symphony orchestra

Spitifire Audio BBC Symphony Orchestra, Orchester-Library

Die Software-Schmiede Spitfire Audio bietet mittlerweile eine immens große Palette an Sounds und Samples an. Ihre Firma gründeten die beiden Briten Christian Henson und Paul Thomson schon vor vielen Jahren, wobei sie sich in den Anfangsjahren auf die professionellen Filmmusiker in Hollywood konzentrierten und diese mit exklusiven Orchester-Samples versorgten. Im Verlauf der Jahre erweiterten sie ihren potenziellen Kundenkreis und versorgen nun schon länger alle Interessierten, egal ob Hobby-Musiker oder Profi.

Download und Installation

Mit dem BBC Symphony Orchester hat sich die Firma ein namhaftes Orchester als „Sound-Quelle“ ausgesucht, das weltweit bekannt ist und bereits auf eine über 90-jährige Geschichte zurückblicken kann. So groß das Orchester ist, so lang zieht sich auch der Download der BBC Symphony Orchestra Library. Knapp 600 GB – und damit wohl eine der größten Sound-Librarys überhaupt – bedarf es auf die eigene Festplatte zu laden. Da ist es nicht verwunderlich, dass Spitfire Audio die Library alternativ auf einer zusätzlich zu erwerbenden separaten SSD-Festplatte anbietet. Da spart man sich die Zeit des Downloads, der Versand aus England wird aber sicherlich auch ein paar Tage dauern. Hat man die Samples auf der einrn oder anderen Art und Weise vorliegen, geht es an die Installation. Vom Download-Manager wird dies auf Wunsch direkt nach dem Download gestartet, stellt entsprechend keine Hürde dar und läuft in einem durch.

spitfire bbc orchestra library test

Anstatt auf den sonst üblichen Kontakt-Player zu setzen, basiert das BBC Symphony Orchestra auf dem hauseigenen Sample-Player von Spitfire Audio. Dieses Plugin muss also zwingend installiert und genutzt werden. Die Vorteile des hauseigenen Plugins sind die Reduktion der Speichergröße, denn das BBC Orchestra hat zunächst 1,4 TB Daten mit sich gebracht. Durch eine, wie Spitfire Audio sagt, verlustfreie Kompression konnte die Library-Größe auch dank des eigenen Plugins auf unter 600 GB reduziert werden. Hinzu kommt, dass man einige gewünschte Features nicht in Kontakt umsetzen konnte, u. a. die Möglichkeit, alle Mikrofonsignale ohne Gefahr eines Crashs zu implementieren. Mit AU, VST2, VST3 und AAX ist das Plugin zu allen gängigen DAWs kompatibel.

Als All-in-one Library bringt das BBC Symphony Orchestra alle vier großen Sektionen eines Orchesters mit sich, d. h. Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Percussion sind alle mit an Bord. Einzeln, wie Spitfire Audio es beispielsweise beim Symphony Orchestra macht, lassen sich die Sektionen nicht erwerben.

spitfire bbc orchestra library test

Plugin-GUI und Arbeitsweise

Relativ groß und auch deutlich größer als die bisherigen Kontakt Instrumente von Spitfire Audio fällt das GUI des BBC Symphony Orchestras aus. Es lässt sich ohne Probleme skalieren und damit an die eigene Bildschirmgröße anpassen.

spitfire audio bbc symphony orchestra

Die wichtigsten Parameter wie Expression und Dynamic sind zentral im GUI untergebracht (links die beiden Fader mit virtuellem Metering), ebenso das große Drehrad, das sich mit unterschiedlichen Funktionen/Parametern belegen lässt. Am unteren Rand des GUI lässt sich durch die einzelnen Artikulationen schalten, rechts davon befinden sich die Einstellungen für die Keyswitches, dem Round-Robin Verhalten, Okativierung/Transponierung und mehr.

spitfire audio bbc symphony orchestra gui

Mixer-Sektion für die Holzbläser

Zu den weiteren Parametern wie beispielsweise dem Mix der unterschiedlichen Mikrofonsignale sowie detaillierteren Parametern wie Release, Tightness und mehr kommt man mit Hilfe der drei kleinen Buttons. Ein Grund, wieso das BBC Symphony Orchestra so viel Speicherplatz benötigt, sind die ausufernden Mikrofonsignale, die Spitfire Audio aufgezeichnet hat. Es stehen satte 20 (!) Signalarten zur Auswahl, die allesamt individuell zusammengemischt werden können. Meines Wissens nach gibt es keine Library, die so viele Individualsignale bietet.

Doch braucht man das? Ich persönlich bin mit den bisherigen 4-6 Signaltypen, die Spitfire Audio beispielsweise im Symphony Orchestra oder den Chamber Strings bietet, sehr gut ausgekommen. Hiermit lässt sich klanglich bereits viel gestalten und die Samples lassen sich gut an andere Räumlichkeiten, seien es Aufnahmen echter Orchester-Sektionen oder andere Librarys, anpassen.

spitfire audio bbc symphony orchestra gui

Effekte und weitere Einstellungen

Mit dem BBC Symphony Orchestra setzt Spitfire Audio die Messlatte nun ein gutes Stück weiter hoch und es wird sicherlich Komponisten geben, die die sich hieraus ergebenden klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten zu schätzen wissen. Geht man die einzelnen Signal-Optionen durch, ergeben sich tatsächlich die unterschiedlichsten Ergebnisse, was sowohl räumlich als auch atmosphärisch, also welche Emotionen möchte ich beim Zuhörer wecken, dienlich sein kann. Hinzu kommt, dass die Library vermutlich auch mit weniger Mikrofonsignalen nicht signifikant günstiger wäre. Von daher … einem geschenkten Gaul … und so fort.

Bedienung und Klang

Das Plugin für das BBC Symphony Orchestra erlaubt das Laden eines einzelnen Instruments bzw. einer Sektion. Für die komplette Streicher-Sektion mit Violinen 1 und 2, Violas, Celli und den Bässen muss das Plugin entsprechend fünfmal geladen werden. Voreingestellt ist das Plugin so, dass zunächst alle Artikulationen geladen werden, was bei den Streichern schon etwas dauern kann, denn diese decken mit insgesamt 20 Spielweisen ein weites Feld ab, erfordern entsprechend aber auch eine etwas längere Ladezeit. Die komplette Liste aller Artikulationen findet ihr hier (nach unten scrollen).

spitfire audio bbc symphony orchestra

Je nach Instrumentengruppe bietet das BBC Orchester teilweise auch alternative Patches. So liegen alle fünf Streicher-Sektionen als komplette Sektion und mit dem Zusatz „Leader“ versehen vor. Hierbei hat Spitfire Audio die aufzeichnenden Mikrofone direkt über dem ersten Spieler platziert, was in einem deutlich intimeren Sound resultiert.

Bis man sich das komplette BBC Symphony Orchestra in die DAW geladen hat, kann schon etwas Zeit vergehen, hier bietet es sich möglicherweise an, mit Vienna Ensemble Pro zu arbeiten, eine Art Host-Software, mit der mehrere Computer im Netzwerk verbunden werden können, um Ressourcen des Hauptrechners zu schonen und Ladezeiten zu verringern. Innerhalb des BBC Orchesters lassen sich auf Wunsch aber auch eigene Presets anlegen, die RAM-schonender und schneller zu laden sind. Schön ist, dass man die Preset im Browser des Plugins kurz vorhören kann. So vermeidet man unnötige Ladezeiten.

Als Systemvoraussetzung gibt Spitfire Audio auf dem Mac OSX Version 10.10 sowie als Minimum einen 2,8 GHz i5 Rechner mit 8 GB (besser 2,8 GHz i7, 16 GB RAM) an. Auf dem PC geht es ab Windows 7 los. Auch hier empfiehlt Spitfire Audio einen Rechner mit einem 2,8 GHz i5 (quad-core) oder AMD Ryzen 5 Prozessor (besser: Intel 2,8 GHz i7 (six-core) oder AMD R7 2700).

Der Klang des Orchesters bzw. der Samples ist sehr gut und unterscheidet sich, beispielsweise zur Symphony Reihe von Spitfire, deutlich. Für mich bietet der Sound mehr Charakter und er lässt sich, vor allem im Hinblick auf die Streicher, durch die vielfältigen Signal-Optionen und dem oben erläuterten Leader-Preset, detailliert formen und gestalten.

Die Anzahl und Bandbreite der Artikulationen ist sehr gut, wobei es je nach Instrument/Sektion aber nicht unbedingt mehr Auswahl gibt, als es die vermeintlichen Mitbewerber von East West, Orchestral Tools, Native Instruments etc. bieten. Praktisch sind die „Effekte“, d. h. die Einstellungsoptionen für Tightness, Release und mehr. Hiermit lässt sich je nach Instrument und Artikulation beispielsweise der Startpunkt des Samples, der Ausklang oder spezielle Spielweisen festlegen.

Ob man sich nun für das BBC Orchester, die Symphony-Serie von Spitfire oder eine ganz andere Orchester-Library entscheidet, hängt maßgeblich davon ab, welchen Sound man gerne nutzt oder benötigt. Meiner Meinung nach ist der Sound des BBC Orchesters etwas mehr „edgy“ und nicht so galant wie bei der Symphony-Serie.

BBC Symphony Orchestra Discover

Seit Kurzem bietet Spitfire Audio unter dem Namen „BBC Orchestra Discover“ eine abgespeckte Version der Library an. Für nur 49,- Euro kann man sich hierbei zumindest die Grundsounds des BBC Orchesters in die DAW holen.

spitfire audio discover bbc orchestra test

Allerdings bietet die Discover-Version nur einen Bruchteil der Artikulationen und Mikrofonpositionen. Für den Einstieg aber sicherlich nicht verkehrt. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Fazit

Mit dem BBC Symphony Orchestra erweitert Spitfire Audio seine Palette an Orchester-Sounds um ein weiteres, komplettes Orchester, das neben Streichern, Holz- und Blechbläsern auch Percussion-Klänge umfasst. Installation und Bedienung gehen leicht von der Hand, auch weil Spitfire erstmals nicht auf Native Instruments hauseigenen Player Kontakt setzt, sondern ein selbst entwickeltes Plugin einsetzt. Der Klang bietet viel Charakter und ist durchaus eigen, was ich absolut positiv meine.

Mit 999,- Euro wirkt das BBC Symphony Orchestra von Spitfire Audio zunächst einmal nicht günstig. Dafür erhält man aber vier komplette Sektionen, d. h. pro Streicher, Holz- und Blechbläser und Percussion zahlt man 250,- Euro – das ist im Verhältnis schon fast wieder als günstig zu bezeichnen. Wer ein All-in-one Orchester Paket sucht, sollte sich Spitfires neueste Kreation unbedingt anhören.

Plus

  • Klang
  • GUI
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 999,- Euro
Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      fitzgeraldo  

      Und wenn man bei spitfireaudio schon ein Benutzer-Konto eröffnet hat, kann man bei der Gelegenheit auch gleich sämtliche LABS-Instrumente kostenlos herunterladen. Die klingen z.T. ausgezeichnet und überbrücken die 14tägige Wartezeit locker …

  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Diese Version halte ich für die bislang beste von Spitfire, klanglich als auch dem Umfang nach. Ob sie allerdings auch für ‚Neue Musik‘ nutzbar wäre, geht aus dem Test nicht hervor. Die integrierte ‚Leader-Funktion‘ freut mich besonders, um auch kleine Ensembles berücksichtigen zu können.
    Klanglich gefällt mir, dass nicht ‚Eleganz‘, sondern ‚Charakter‘ im Zentrum steht, dies limitiert eine ‚Künstlichkeit‘ des Klangs.

    • Profilbild
      Luis Miehlich  

      Nach meinem Gefühl eignen sich die wenigsten Komplett-Orchester-Libraries wirklich für Neue Musik, die ja vom intensiven und kreativen Umgang mit erweiterten Spieltechniken lebt.
      Ich habe noch nicht mit dem BBCSO gearbeitet, aber aus der detailerten Liste an Patches, die es auf der Produktseite gibt geht schon hervor, dass man von den Techniken her maximal bis 1920 kommt. Ravel und Bartók bekommt man evtl. gerade noch nachprogrammiert, wenn man sehr kreativ ist, danach wird es schwierig.

      Von Spitfire gibt es z.B. noch Samples die mit dem London Contemprary Orchestra aufgenommen wurden, da gibt es deutlich abgefahrenere Artikulationen: https://www.spitfireaudio.com/shop/a-z/london-contemporary-orchestra-strings/

  2. Profilbild
    Asphyxer  

    Wie ordnet sich die Library im Vergleich zu anderen großen Libraries ein? Sicherlich ist ein Vergleich nicht so einfach, aber vielleicht möglich. Ich denke da an EW, NI, etc.

    • Profilbild
      Felix Thoma  RED

      Wie im Test bereits erwähnt, bietet das BBC Orchester meiner Meinung nach mehr Charakter als andere Libraries sowie mehr Einflussnahem auf den Klang (Mikrofonpositionen, Leader Sounds). Native Instruments ist mir oft zu „zahm“ und „nett“, ohne das als Kritik zu meinen. Mit den East West Orchestern habe ich schon lange nicht mehr gearbeitet, da kann ich leider nichts dazu sagen.

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