Test: SPL Track One MKII, Voice Channel

7. Juli 2018

Klassiker seit 16 Jahren

Vorwort zum SPL Track One MKII

Der SPL Track One MKII ist ebenfalls eines jener Geräte, das (bis auf die neue silbergraue Oberfläche) seit 2002 bis heute in unveränderter Form gebaut wird. Es gibt wohl keinen besseren Beweis für die Qualität eines Produktes als ein Lebenszyklus von bislang 16 Jahren (!!!).

Ein Toningenieur eines sehr renommierten Tonstudios für Werbespots hat mir vor Jahren einmal anvertraut: „Unsere Geheimwaffe für jede Art von Sprecheraufnahme ist das SPL Track One.“ Kurz vor Veröffentlichung dieser Zeilen habe ich ihn nochmals angerufen und soeben gefragt, ob das immer noch so sei – und er bejahte.  Ich übergebe nun an Hagen Wächter, der sich für uns nun die neueste Version angesehen hat, den SPL Track One MKII.

Ein erster Blick

Auf den ersten Blick macht der SPL Track One MKII auch gleich einen positiven Eindruck. Das Gehäuse ist solide und erscheint gut verarbeitet, das Design ist einfach und überschaubar und die silbergraue Frontplatte verleiht dem SPL Track One MKII ein edles Aussehen. Das war’s dann übrigens schon an Neuerungen gegenüber dem Vorgänger. Facelifting nennt man so etwas – und ist in diesem Fall gelungen.

Auf eben dieser Frontseite finden sich folgende Module. Die Mikrofon-Vorstufe mit Line/Instrument-Wahlschalter, 48 Volt Phantomspeisung und LowCut. Ein zuschaltbarer, regelbarer De-Esser, ein zuschalt- und regelbarer Compressor/Limiter sowie ein zuschaltbarer semiparametrischer 3-Band-EQ und ein Output-Regler mit dazugehöriger Anzeige.

Die Rückseite erscheint ebenfalls aufgeräumt und übersichtlich. Sie wartet mit Ein- und Ausgängen in XLR und sym. Klinke auf. Es besteht weiter die Möglichkeit, einen Ground-Lift zu schalten und den Track One über eine Klinkenverbindung mit einem weiteren Track One zu koppeln. Wahlweise dann als Master oder Slave. Der AD-Input ist ohne den optionalen Digitalkonverter ohne Bedeutung.

Ein Wort zur Bedienungsanleitung

Die Bedienungsanleitungdes Track One ist einfach klasse. Ich war zeitweise versucht, sie einfach abzuschreiben. Es wird nichts versprochen, was der Track One nicht auch hält. Und sie ist überschaubar und klar verständlich. Darüber hinaus liefert sie einem alle nötigen Steckerbelegungen (die erfreulicherweise auch auf der Rückseite des Track One noch einmal zu finden sind) und Frequenzverläufe, die von Nutzen oder Interesse sein könnten. Daran könnten einige Firmen sich mal ein Beispiel nehmen!

Testbedingungen

Der SPL Track One MKII befand sich für den Test im Grundzustand. Das heißt so, wie er ab Werk geliefert wird und ohne die optionalen Lundahl-Übertrager oder den ebenfalls optionalen Digitalkonverter. Über den Mic-Eingang wurden Stimme und Gitarre aufgenommen. Die Stimme über ein Rode NS 2. Die Gitarrenanlage von einem Shure SM 57. Über den Line-Eingang wurde schließlich noch einmal zusätzlich ein Signal aus dem SansAmp von Tech 21 direkt auf den Track One geschickt. Abgehört wurde über ein Mackie 1604 und Yamaha NS 10 Studio.

Vorverstärker

Leider offenbarte der Track One gleich beim Einpegeln eine kleine Schwachstelle. Das Einpegeln ist nämlich nur über eine Signal- und eine Clip-LED zu überwachen. Letztere ist dann auch noch von allen weiteren Signalkettengliedern beeinflusst. Man sollte sich also schon zu Beginn genug Reserven lassen, wenn man absehen kann, den Compressor und EQ stark nutzen zu wollen oder zu müssen. Der Fairness halber sei gesagt, dass dies nicht so dramatisch ist, wie es im ersten Moment klingt. Der Track One verfügt über genügend Headroom, als dass man nun permanent mit Clipping oder gar Verzerrung zu tun hätte. Nur wäre hier ein Umschalter schön gewesen, um die LED-Kette für den Ausgangspegel auch wahlweise als Input-Anzeige zu verwenden.

De-Esser

Der De-Esser arbeitet dagegen gleich sehr effektiv. Pegel- und Klangbildabhängig reduziert er störende Zisch- und S-Laute. Immer orientiert am Audiomaterial. Das Ergebnis ist mehr als nur zufriedenstellend! Optisch wird der De-Esser durch eine LED ergänzt, die unabhängig vom On/Off-Modus das Vorhandensein störender S-Laute anzeigt. Die Anmerkung in der Bedienungsanleitung ist durchaus zutreffend. Der De-Esser ist so einfach wie eine Handbremse zu bedienen!

Compressor

Auch der Compressor erscheint durchaus gelungen. In Anbetracht der Tatsache, dass er lediglich mit zwei Reglern für Compression und Make-Up zu bedienen ist, arbeitet er klanglich gut und unauffällig. Dies tut er dann in einem Bereich von +20 bis -50 dB bei einer maximalen Komprimierung von 1:3. Er wird dabei lediglich über „Compression“ eingestellt. Man sollte dabei ein wenig Feingefühl walten lassen, denn der Compressor im Track One funktioniert. Man muss den Regler für Compression nicht endlos über 12 Uhr hinausdrehen, um endlich einen Effekt zu erzielen. Schon bei wesentlich niedrigeren Einstellungen greift er sehr wirkungsvoll ein und klingt dabei immer neutral – also „nicht“. Und das soll er ja auch.

Über den Make-Up Regler kann die Pegelreduktion in einem Bereich von +/-9 dB aufgeholt werden. Auch dies funktioniert völlig problemlos. Sehr angenehm ist, dass man sich auch bei intensiver Nutzung des Make-Ups kein übermäßiges Rauschen mit hoch holt.

Wem der Compressor dann noch nicht genügt, der kann den eben diesen über einen Schalter in einen Limiter umschalten. Dabei sei angemerkt, dass dieser nicht als Peak-Limiter arbeitet. Es kommt immer mal eine Pegelspitze „durch“.  Attack- und Release-Zeiten sind schließlich automatisiert und verlangen dem Anwender keine zusätzliche Zeitaufwendungen ab. Gerade bei Produktionen, bei denen es auf Zeit ankommt oder für Radioanwendungen durchaus sinnvoll. Und auch der Unerfahrene, der mit einem hochwertigen Mic-Preamp arbeiten will, wird dies begrüßen.

Equalizer

Beim EQ hat SPL nun in die Trickkiste gegriffen. Zwar handelt es sich „lediglich“ um einen halbparametrischen EQ. Zusammengesetzt aus einem Low- und einem Mid/High-Band mit dazugehörigem Cut/Boost-Regler und einem zusätzlichen Air-Band Regler für die Obertöne.
Jedoch arbeitet auch der EQ ähnlich wie der Compressor dynamisch. Im Klartext bedeutet dies, dass der Q-Faktor, also die Bandbreite um die gewählte Centerfrequenz (Kernfrequenz), abhängig ist vom Wert der Verstärkung oder Absenkung über den jeweiligen Cut/Boost-Regler. Insofern greift der Cut/Boost-Regler nicht nur in die Verstärkung ein, sondern hat auch Einfluss auf die Frequenzwahl. Je höher der Boost-Wert ist, um so engbandiger arbeitet das Bandfilter um die gewählte Frequenz und umgekehrt. Dies gilt für Low- und Mid/High-Band gleichermaßen.
Die beiden Bänder reichen also im Grunde völlig aus, um die meisten Ansprüche mehr als befriedigend zu erfüllen.

Konkret arbeitet das Low-Band in einem Frequenzbereich von 30 bis 720 Hz und ist um +/-14 dB zu verstärken. Beim Mid/High-Band liegen die Werte bei 650 Hz bis 14 kHz und +/-12 dB.
Über das Air-Band kann man schließlich noch Einfluss auf den Hochtonbereich um 17,5 kHz nehmen. Das Air-Band arbeitet als Filter mit Glockencharakteristik und einer Dynamik von +/-10 dB.
Die Aufgabe des Air-Bandes ist es, beispielsweise Stimmen im Obertonbereich wieder Brillanz und Präsenz verleihen, die durch mancherlei Gründe (starke Kompression, schlechtes Mikrofon etc.) schnell verlorengehen können. Dies funktioniert mehr als gut. Man hat in der Regel immer noch Spiel nach oben und sollte ab und zu einmal gezielt wieder runterregeln und/oder vergleichen. Ähnlich wie bei Enhancern stellt sich schnell ein gewisser Suchteffekt ein.

Eingangs schon kurz erwähnt, sei hier auch noch mal der Low Cut genannt. Bei 50 Hz einsetzend ist er eine sinnvolle und sehr funktionale Ergänzung zur EQ-Sektion, um beispielsweise Trittschall auszublenden, ohne einen merklichen Einfluss auf das Nutzsignal zu nehmen, wie dies bei 80 Hz  Schaltungen mitunter schon passieren kann.

Mit dem Output-Regler kann man das Ausgangssignal nun von -20 bis +6 dB dämpfen bzw. verstärken. Angezeigt wird dies über PPM-Output-LED-Kette. Hier findet man auch noch eine zum Compressor gehörige Gain-Reduction LED-Kettenanzeige sowie die schon erwähnten LEDs für S-Laut-Erkennung, Clipping und anliegendes Signal.

Inserts?

Zur Rückseite des Track One sei nur noch gesagt, dass man hier einen Insert-Punkt leider vergeblich sucht. Dieser wäre besonders für das schnelle Einschleifen von anderen Prozessoren wie einem Röhrenprozessor, einem Klangeffekt oder einem zusätzlichen vollparametrischen EQ schön gewesen.
Diesen hätte man dann auch für ein externes Expander/Gate nutzen können, das der Track One leider auch nicht bietet. Gerade bei atmungsstarken oder undisziplinierten Sängern kann einem ein solches das Leben schon ein wenig erleichtern.

Fazit

Der SPL Track One MKII ist eine runde Sache. Die wesentlichen Bearbeitungsmöglichkeiten für alle erdenklichen Arten von Klangquellen stehen einem zur Verfügung. Und das in einer wirklich hochwertigen und klanglich sehr ansprechenden Qualität. Gerade Letzteres sei hier noch mal unterstrichen. Der Track One KLINGT einfach gut!

Plus

  • gut verarbeitet
  • sehr gut arbeitender De-Esser
  • funktionaler, neutraler Compressor
  • raffiniert konstruierter, gut klingender EQ
  • hohe Dynamik
  • rauscharm
  • toller Gesamtklang
  • verständliche Bedienungsanleitung

Minus

  • LED-Kette zum Einpegeln fehlt
  • Expander/Gate wäre schön gewesen
  • fehlender Insert-Punkt

Preis

  • Ladenpreis: 879,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Wir (im Verlag) hätten ein solches Gerät für Sprachaufnahmen gut einsetzen können. Veranwortlich wäre dafür Engine Hedda gewesen. Auf ihrem DAW-Kanal wurde stattdessen eine komplexe Struktur aus ‘Floorfish’ (de-esser), ‘dominion’ (signal modeller) und ‘Bombardier’ (Compressor) angelegt, bevor die Aufnahme in die Summe, ins ‘Mastering’ geht. Vielleicht wäre der Aufwand geringer gewesen. Die gefundene Lösung ist jedoch auch nicht schlecht ;-)

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