Test: Steinberg UR24C, USB-Audiointerface

12. Juni 2020

Günstiges Audiointerface für Studios und DJs

steinberg ur24c usb audiointerface test

Steinberg UR24C, USB-Audiointerface

Da sitzt er in seinem Studio, der liebe DJ-Slash-Producer, vollgepackt mit teuerstem Audioequipment und er nutzt als Soundkarte das neue Steinberg UR24C Audiointerface für ganze 239,- Euro. Natürlich – das genügt ihm vollkommen, denn durch die integrierten DSP-Effekte, die zwei Class-A D-PRE Mikrofonvorverstärker und die Auflösung von 32 Bit/192 kHz hat er alles, was er für seine Arbeit braucht. Ja, ja, die Werbung. Das Steinberg Video zum brandneuen Audiointerface UR24C verspricht wirklich viel … zu viel? Schauen wir uns das kleine Kistchen mal an.

Ausstattung und Verarbeitung

Auf den ersten Blick nichts Neues. Auf der Vorderseite zwei Kombibuchsen (XLR/Klinke), wobei Input 1 Mikrofon, Line und HI-Z (Instrumente) unterstützt und Input 2 Mikrofon- und Line-Signale verträgt. Dazu kann man die 48 V Phantomspeisung aktivieren – allerdings nur für beide Eingänge gleichzeitig. Die LEDs über diesen Ports geben Auskunft über einen zu hohen Eingangspegel (Peak) und die aktivierte USB-Verbindung.

Steinberg_UR24C_frontMic

Daneben befinden sich die beiden Gain-Regler und das neue MIX-Poti. Hier kann man zwischen Input und DAW am Gerät mischen, wenn man beispielsweise zu einem Song aus iTunes, Spotify etc. jammen möchte.

Darüber noch der Schalter, bei dem man die Ausgangskanäle splitten oder zu einer Stereosumme zusammenschalten kann. Ein regelbarer Kopfhörerausgang und der größere Output-Regler mit leuchtendem LED-Ring komplettieren die Front. Wenn der Monitor-Modus auf DAW gestellt ist, leuchtet der Ring weiß; wenn der Monitor-Modus (Erklärung folgt weiter unten) auf DJ gestellt ist, leuchtet sie rot. Die Anzeige blinkt stetig, wenn die Stromversorgung nicht ausreichend ist.

Die Rückseite wirkt ähnlich aufgeräumt und gibt ebenfalls keine Rätsel auf: Links die Stromversorgung, bei der man zwei Optionen hat. Entweder man betreibt das Gerät USB-Bus-powered über einen echten USB-3-Port oder man gönnt dem Interface ein 5 V USB-Netzteil, so dass über USB 3 nur Audiosignale laufen – was klanglich natürlich die bessere Option ist.

Steinberg_UR24C_back

Daneben befinden sich die Anschlüsse MIDI In und Out als echte DIN-Buchsen, 2x Stereo-Line-Out und die Monitor-Ausgänge, die ebenso wie Line-Out als Klinkenbuchsen ausgeführt sind.

Zum Thema Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Meiner Erfahrung nach gehören die Steinbergs zu den am besten verarbeiteten Audiointerfaces am Markt. Nichts wackelt, alles ist stabil aus Metall und satt gefertigt. Ich kann hier nur ganz ausdrücklich ein großes Lob aussprechen. Als i-Tüpfelchen hat man sogar daran gedacht, die Beschriftung der hinteren Buchsen auch auf die Geräteoberseite zu drucken. Hier merkt man die Erfahrung des Herstellers in Sachen Studio- und Live-Einsatz.

Treiber, Software, DSP

Weniger glücklich macht mich die Software. Wie schon in meinem Test des UR816C erwähnt, bin ich nicht so begeistert, wie kompliziert es einem Steinberg macht, das Gerät in Betrieb zu nehmen. Ich will das hier nicht noch mal breittreten und mich deswegen mehr auf die Funktionalität konzentrieren, denn wenn man sich durch den Einrichtungsprozess gekämpft hat, dann läuft das UR24C sehr stabil und die Software mit dem kryptischen Namen dspMixFx URC ist dann auch weitestgehend problemlos zu bedienen.

Steinberg_UR24C_DSPMix

Wie schon lange bei den Audiointerfaces aus Steinbergs UR-Serie, besitzt auch das UR24C einen integrierten DSP-Prozessor mit fest eingebauten Effekten.

Steinberg_UR24C_EQ

Neben einem Reverb (REV-X) und der Kompressor/Equalizer-Kombination („Sweet Spot Morphing Channel Strip“) finden sich auch vier Amp-Simulationen für Gitarre: Clean, Crunch, Drive und Lead. Es ist gut, gerade für Anfänger, hier ein paar Basiseffekte parat zu haben und über den internen DSP-Chip auch weitestgehend latenzfrei nutzen zu können, aber da es diese Suite mit dem SSP 3 Chip schon sehr lange bei Steinberg gibt, würde ich mich freuen, in kommenden Generationen mal ein Update zu sehen.

Das soll aber nicht die Tatsache mindern, dass die Mitbewerber in dieser Preisklasse hier gar nichts anzubieten haben. Leider kann man den Effekten nur eine eher durchschnittliche Qualität beimessen, wie man bei den Klangbeispielen hören kann.

Steinberg_UR24C_iPad

Die Treiber findet man auf der Steinberg Website. Für Apple wurde die USB-Verbindung class-compliant ausgelegt, so dass hier kein weiterer Treiber notwendig ist. Eine iPad-App ist ebenfalls verfügbar. Hier hat mir die Bedienung sogar besser gefallen als die dspMix Software (dazu später mehr).

Zur Abrundung der Software-Ausstattung kommt mit jedem UR24C noch die „Light DAW“ Cubase AI und die iPad-Version Cubasis LE, die für mobiles Arbeiten optimiert wurde.

Die Technik

Ein Wandler mit 192 kHz und sage und schreibe 32 Bit Auflösung bei einer maximalen Dynamik von 102 dB ist in dieser Preisklasse alle Ehren wert. Dazu noch die wirklich sehr guten Class-A D-PRE Mikrofonvorverstärker und eine ordentliche Stromversorgung über echtes USB 3.1 bzw. 5 V.

In Sachen Technik ist Steinberg mit dem UR24C somit am oberen Ende der Interfaces in dieser Preisklasse angesiedelt. Auch dafür möchte ich das Team aus Hamburg loben – auch wenn man natürlich auf die Ressourcen des Mutterkonzerns Yamaha zugreifen kann.

Steinberg_UR24C_DPRE

Der Monitor Mode

Das UR24C ist mit zwei separaten, umschaltbaren Monitor-Modi ausgestattet: DAW und DJ. Für die Produktion von Musik mit einer DAW, wie zum Beispiel Cubase, steht der DAW-Modus zur Verfügung. Er ermöglicht es, die Balance der Signale, die von der DAW sowie den Eingängen des UR24C ausgehen, einzustellen. Der DJ-Modus wurde speziell für Auftritte mit Backing-Tracks oder DJ-Software optimiert. Dabei kann man entweder den Mono-Master-Sound auf der rechten Seite des Kopfhörers ausgeben und den Mono-Cue-Sound auf der linken Seite oder beides in Stereo nutzen und mischen. Leider kann man den Monitor-Modus ausschließlich im Setup-Fenster der dspMixFx UR-C App umschalten und nicht am Gerät.

Steinberg_UR24C_Front_right

Auch immer häufiger anzutreffen: die Loopback-Funktion, bei der man das USB-Signal live in die DAW streamen kann, was beispielsweise für Podcasts sehr praktisch ist. Übrigens kann man die internen Effekte dem Loopback beimischen, was zumindest in Sachen Kompression und EQ die Sprachqualität verbessern kann.

Kritik

Grundsätzlich kann man für den aufgerufenen Preis von 239,- Euro nichts sagen! Wenn ich trotzdem ein paar Wünsche frei hätte, dann bitte ich um eine auskunftsfreudigere Peak-Anzeige auf dem Gerät, eine modernere DSP-Ausstattung und einen einfacheren Installationsprozess. Auch einen Mute-Knopf hätte ich gern gesehen.

Dann die Software. Ohne hier zu viel zu meckern: Wenn man die dspMix Software bei 100 % Darstellung auf meinem 5K iMac ansieht, dann ist das alles viel zu klein. Bei jedem höheren Zoomfaktor sieht das Ganze aber aus wie auf einem PC von 1989. Kleiner Tipp: „Dynamic Resize“ ist heutzutage kein Hexenwerk!

Steinberg_UR24C_DSP_Peak

Der Klang

Sobald man das Gerät in Betrieb genommen hat und als „normales“ Audiointerface einsetzt, fällt einem sofort der knackige und dynamische Klang auf. Bei aktuellen Produktionen, wie Dua Lipas „Don’t show up“, hüpfen die Bässe förmlich aus den Chassis und trotzdem bleibt die Stimme stabil im Raum. Auch bei anspruchsvollen Produktionen, wie die Live Aufnahme von Suzanne Vegas „Marlene on the Wall“, bringen die eingesetzten Wandler viel Schmelz und Atmosphäre rüber. Klar, wenn man es ganz genau nimmt, dann könnte das Verhältnis von Transiente und Sustain bei Al Di Meolas „Till there was you“ etwas ausgewogener sein, aber hey: Was Steinberg hier abliefert, ist aller Ehren wert.

In Sachen Wandler und Wiedergabe von Konserven klingt der Steinberg UR24C also schon mal sehr überzeugend. Wie sieht es mit den D-PRE Vorverstärkern aus? Da diese im Wesentlichen baugleich mit den Preamps der anderen UR-C Audiointerfaces von Steinberg sind, gibt es hier keine schlechte Überraschung. Durch die eingesetzte Darlington Schaltung bleibt die Dynamik über jede Lautstärkeeinstellung gleich gut und das Eingangssignal wird stets neutral und luftig wiedergegeben.

Steinberg_UR24C_Lilly

Katze Lilly ist noch etwas skeptisch

Die Gitarren-Samples wurden mit 96 kHz und 32 Bit direkt in Logic Pro X aufgenommen, ohne weitere Effekte und Bearbeitung. Die Samples wurden dann als WAV-Dateien exportiert.

Zuerst meine Fender Telecaster Thinline, aufgenommen direkt über HI-Z ohne weitere Effekte, das klingt doch sehr erfreulich. Die Gitarre hat genügend Druck und das Signal wird auch schön aufgelöst.

Dann folgen drei weitere Samples, jeweils mit den Onboard-Effekten Clean, Crunch und Drive. Da muss man nicht sehr geschult sein, um festzustellen, dass das im Proberaum sicher ausreicht, aber nicht für Höheres geeignet ist.

Steinberg_UR24C_clean

Steinberg_UR24C_drive

Und abschließend dann noch eine Stimmenaufnahme, vorgelesen aus Stephen Kings „The Shining“. Einmal mit dem „Feld-Wald-und-Wiesen-Mikrofon“ Shure SM58 (dynamisch) und parallel mit dem Sennheiser e865s Kondensatormikrofon. Auch hier kann man den D-PRE Preamps nur ein sehr gutes Zeugnis ausstellen. Die 44,1 kHz/32 Bit Aufnahmen klingen sehr realistisch und dynamisch und auch mit der 48 V Phantomspeisung kommt das Steinberg UR24C sehr gut zurecht.

Fazit

Betrachtet man also das Gesamtpaket Steinberg UR24C, dann gibt es überwiegend sehr Erfreuliches zu berichten: tolle, gut ausgestattete Hardware, top verarbeitet und klanglich innerhalb seiner Preisklasse sehr überzeugend. Grundsätzlich kann man das Audiointerface jedem empfehlen, der in seinem Homestudio gute Audioqualität sucht, aber wenig Inputs und Outputs benötigt. Und durch den Monitor-Mode können sich auch angehende DJs über das UR24C freuen!

Auf der Negativseite stehen immer noch die etwas seltsame Registrierungsprozedur von Steinberg, die recht veraltete Software dspMixFx und die mittelmäßige Qualität der internen Effekte. Da dies aber keine Dealbreaker sind, ist mir das Steinberg UR24C auf jeden Fall ein „sehr gut“ wert.

Plus

  • guter Klang
  • sehr gute Verarbeitung
  • gute Ausstattung

Minus

  • DSP-Effekte nur Mittelmaß
  • überflüssig komplizierter Setup-Prozess
  • Software nicht mehr taufrisch

Preis

  • 239,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    vssmnn  

    Ich würde mir für ein kleines Homestudio nie mehr ein Interface mit nur einem Kopfhöreranschluss zulegen.
    Hier pennen viele Hersteller.

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      Filterpad  AHU

      @vssmnn: Es ist natürlich ein Unding von mir auf einer Seite wo ein Steinberg vorgestellt wird einen anderen Hersteller zu nennen, aber dann schau dir einfach mal das Focusrite an. Dieses „Typ: Scarlett“ gibt es auch mit 2 Kopfh-Ausgängen und kostet nicht wesentlich mehr. Die integrierte Software funktioniert auch problemlos.
      @Jörg: Katze Lillly ist der Knaller! Gibt ihr doch nen Job in der Red. Der Peter hat sicherlich nichts gegen einen weiteren Equipment-Kritiker ;)

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        Coin  AHU

        Die „neue“ Serie von Focusrite heisst Clarret.
        Außer dem kleinsten Modell haben die alle 2 Kopfhörerausgänge.
        Und mein Scarlett 8i6 hat in der 3. Gen auch 2 geschenkt bekommen.
        Sorry Steinberg für das Offtopic ^^

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Mein Tipp, den YouTube-Kanal von Julian Krause schauen.
    Seine Tests sind messtechnisch unterlegt und sehr ausführlich.
    Steinberg Geräte sind auch getestet worden.

  3. Profilbild
    Asphyxer  

    Und wieder kein 2. Kopfhörer-Anschluss. Ich bin nicht so in der Technik, weiß also nicht, wieviel teurer ein zusätzlicher Anschluss wäre. Natürlich unabhängig regelbar.
    Wäre schön, wenn das zukünftig Standard würde.

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      Coin  AHU

      Sorry, das ist in der Budget Klasse einfach nicht drin.
      Da musst Du schon etwas mehr investieren.
      Es ist unrealistisch sowas in der Preisklasse zu fordern.

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        vssmnn  

        Für 580 DM ;-))) kann man sowas schon erwarten.
        Die Chips sind fast so billig, wie Vogelfutter.

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          Coin  AHU

          Uuh, Sorry, hab das mit dem UR22 MK2 verwechselt.
          Dann empfehle ich das:
          Focusrite Scarlett 8i6 3rd Gen für 259 Eu
          2 Kopfhörerausgänge kriegt man bei Steinberg
          erst mit dem UR44 für 279 Euro.
          Das ist dann aber nicht mehr so kompakt.

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                JensNieco  

                Hab ein Tascam 16/8, die Treiber sind top, seit ver. 3.0 kann Buffer runter bis auf 4 Samples eingestellt werden, hab selber nur ein Pentium mit 2 Kerne deswegen sind max. 32 bei mir möglich, aber bei 48khz sind da wirklich gute Latenzen möglich. Nach jedem großen Windows 10 Update kommen erst Test Treiber und später die Finalen. Preis/Leistung wirklich gut.

            • Profilbild
              wolftarkin  

              Das hat zwar 2 Kopfhörerausgänge, aber nur einen Volume-Regler! Was ist das für ein Murks?
              Bei den Steinbergs, die zwei Ausgänge haben, sind auch zwei Regler vorhanden.

  4. Profilbild
    JensNieco  

    Ich hatte das kleine Steinberg für wenige Tage zuhause, also sofern die Preamps nicht besser geworden sind und hier wird ja gesagt das es die selben sind so kann ich das Interface zumindest für Micro Geschichten nicht empfehlen, hatte zeitgleich ein M-Audio da und im vergleich klang das Mic beim Steinberg sehr dumpf und rauschte ohne ende, beim M-Audio klang es im vergleich Glass klar, auch der Kopfhörer Verstärker ist im vergleich nicht gut gewesen.

  5. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Danke für die rege Diskussion. Ich möchte nochmal klar machen, dass das Interface durchaus sehr gut ist und auch sehr gut klingt. Die Nachteile sind aus meiner Sicht das Software Thema und die mittelmäßigen DSP Effekte.
    Nur ein Kopfhörerausgang ist eine Produkteigenschaft. Wenn man mehr möchte, dann muss man halt ein Gerät suchen, das mehr davon hat. Das „überrascht“ einen doch nicht nach dem Kauf? Und den meisten Anwendern im Homestudio reicht ein KH Ausgang völlig.

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