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Test: Supro Delta King 12 Combo BC, Gitarrenverstärker

18. Juli 2021

Röhren-Combo mit Vintage-Seele

Mehr als vier Jahrzehnte waren die Amps von Supro von der Bildfläche verschwunden, ehe sie im Jahr 2014 ein Revival erlebten. Seitdem wächst das Portfolio des Herstellers kontinuierlich an und verfügt mittlerweile neben einer stattlichen Anzahl von Combos, Topteilen und Boxen auch über eine Reihe von Pedalen, die in Zusammenarbeit mit den Spezialisten von Pigtronix entstanden. Alles stets analog bzw. auf Basis von Röhrenschaltungen entwickelt. Der mir zum Test zur Verfügung stehende Supro Delta King 12 Combo BC soll dabei dem Klang der klassischen britischen Amps der 1960er-Jahre eine Stimme geben: Ob das kleine Kerlchen das beherrscht und was man noch so alles mit ihm anstellen kann, soll der folgende Test zeigen.

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Supro Delta King 12 Combo BC – Facts & Features

Den Supro Delta King Combo gibt es in drei verschiedenen Variationen, erhältlich ist ein Combo mit einem 8″ Speaker, ein weiterer mit 10″ Lautsprecher und schließlich unser Testmodell, das mit einem 12″ großen Speaker bestückt wurde und eine Leistung von 15 Watt liefert. Befeuert werden Vor- und Endstufe von einer 12AX7- bzw. 6L6-Röhre, die aufgrund des nahezu geschlossenen Gehäuses auf der Rückseite dem Auge aber verborgen bleiben. Trotz des 12″ großen Lautsprechers, der aus eigener Fertigung stammt, sind die Maße des Combos mit 43 x 19 x 41 cm bei einem Gewicht von 13 kg recht kompakt ausgefallen, der Speaker füllt dafür aber das komplette Gehäuse nahezu bis in die kleinste Ecke aus. Auf der Unterseite sorgen vier Metallfüße für einen rutschfesten und stabilen Stand des Amps, allerdings auch für eine hohe Kratzgefahr auf glatten Oberflächen. Somit sollte man am besten ein paar Filzsticker aufkleben, damit der Amp das heimische Parkett im Wohnzimmer nicht vollkommen ruiniert. Der Tragegriff auf der Oberseite hat mit den 13 kg keine Probleme und ist auch für größere Hände bestens geeignet.

Rallyestreifen für schnelleres Spiel

Überzogen ist der Amp mit einem robusten schwarzen Tolex, dazu gab es noch ein paar „Rallyestreifen“, die sich vom Panel über die komplette Vorderseite bis zum Boden des Gehäuses erstrecken – das weckt Erinnerungen an das Design der Rennwagen der 60er-Jahre. Der Lautsprecher sitzt gut geschützt von einem robusten Bespannstoff hinter seiner Öffnung, die ihn allerdings etwas einengt. Aber gut, das scheint zum Konzept des Amps zu gehören und wurde wohl bei der Konstruktion berücksichtigt. Die Zeiten, in denen Produkte aus China wegen ihrer mangelhaften Fertigung negativ auffielen, scheinen lange vorbei zu sein und auch unser im Fernen Osten hergestellte Supro Delta King 12 Combo BC gibt hinsichtlich seiner Verarbeitung auch beim genaueren Begutachten ein überzeugendes Bild ab. Gewünscht hätte man sich vielleicht noch ein paar Kantenschoner, um den Amp beim Transportieren auch mal irgendwo gefahrlos anecken zu können. Dennoch kann man dem kleinen Combo einen gewissen Eyecatcher-Effekt nicht absprechen, das pechschwarze Gehäuse ist im Zusammenspiel mit den cremefarbenen Streifen und dem ebenso cremefarbenen Supro-Schriftzug einfach hübsch anzusehen.

Supro Delta King 12 Combo BC Stripes

Rallyestreifen für mehr Geschwindigkeit beim Spieler

Das Bedienpanel

Das Chassis des Verstärkers wurde von oben in das Gehäuse eingesetzt. Das ist erst mal nichts Ungewöhnliches, eher stört die Tatsache, dass die Beschriftung seitenverkehrt ist, wenn man sich vor dem Amp befindet. Etwas seltsam ist das schon, denn wenn es eine Topteil-Version des Supro Delta King geben würde, dann könnte man das ja noch verstehen – ein getrenntes Layout für einen Combo und ein Top wäre ja mit zusätzlichem Aufwand und entsprechenden Kosten bei der Fertigung verbunden. Den Amp gibt es aber ausschließlich in der Combo-Version, von daher wäre eine Ablesbarkeit der Beschriftung von vorne durchaus drin gewesen. Aber wer weiß, vielleicht plant Supro ja, den Delta King auch als Topteil zu veröffentlichen? Aber gut, allzu schwer gestaltet sich die Bedienung ohnehin nicht und nach ein paar Minuten Beschäftigung mit dem Amp sollte der Umgang mit der Handvoll Schaltern und Reglern auch im Halbschlaf funktionieren.

Supro Delta King 12 Combo BC Panel

Richtiger Durchblick nur von der Rückseite aus

Gehen wir die Bedienelemente auf dem Panel von links nach rechts mal durch. Zunächst wäre da die Eingangsbuchse, gefolgt von einem Volume-Regler und zwei Kippschaltern, die mit „Boost“ und „Drive“ das Signal zum Andicken bzw. zum Zerren bringen. Es folgt eine Dreiband-Klangregelung sowie ein Reverb-Poti, das die Hallspirale im Innern des Combos ansteuert. Ja, der Supro Delta King 12 Combo BC besitzt nicht etwa einen schnöden Digitalhall, sondern einen echten Spring-Reverb, der gut verpackt in einer Kunststoffhülle am Boden des Gehäuses untergebracht wurde. Ein Mastervolume-Poti regelt die Lautstärke der Endstufe, und zu guter Letzt sorgen ein Power- sowie ein Stand-by-Schalter für das Aktivieren des Combos bzw. für röhrenschonenden Betrieb in Spielpausen. Sowohl die Regler als auch die Schalter geben ein robustes Bild ab und dürften dem neuen Besitzer über viele Jahre keinerlei Probleme bereiten.

Sinnvolle Anschlussbuchsen

Drei weitere Buchsen befinden sich im hinteren Teil des Chassis, darunter ein Anschluss für einen Fußschalter, der sowohl den Booster als auch den Drive-Modus aktivieren kann. Im Programm von Supro gibt es zwar kein passendes Modell, jeder handelsübliche Schalter mit einem Stereo-Stecker kann jedoch diesen Job übernehmen. Mit dem Line-Out kann das Signal der Vorstufe für das Direct-Recording genutzt werden und über den Power-Amp Input gelangt man ohne Umschweife direkt zur Endstufe des Delta King – praktisch, wenn man etwa das Pedalboard oder einen Modeller/eine Vorstufe hier direkt einklinken kann. Beide Buchsen zusammen können aber auch als Effektweg betrachtet werden, was die Flexibilität des kleinen Combos natürlich enorm erweitert.

Supro Delta King 12 Combo BC Anschlussbuchsen

Sinnvolle Anschlüsse

Supro Delta King 12 Combo BC – Praxis-Check

Nach dem obligatorischen Warm-up der Röhren überrascht der Supro Delta King 12 Combo BC zunächst einmal mit einem unglaublich niedrigen Rauschspektrum und man muss sich in der Tat noch ein zweites Mal vergewissern, ob denn der Stand-by auch wirklich umgelegt wurde! Der Hersteller hat mit seiner Ansage darüber, dass der Sound des Amps nach den frühen britischen Klassikern klingen soll, nicht zu viel versprochen. In der Tat hat man vom ersten Ton an das Gefühl, einen Amp von der Insel im Stile eines Marshall, Vox, Hiwatt oder Orange an der Strippe zu haben. Durchsetzungsfähig und Mittenbetont tönt es aus dem Speaker, dazu ist der Klang mit reichlich Obertönen garniert und besitzt eine ausgesprochen gute Dynamik, so wie man sie von einem guten Röhren-Amp erwarten kann.

Der Equalizer reißt zwar keine Bäume aus, aber das muss er auch gar nicht, denn der Grundsound ist bereits so gut, dass man nur geringfügig etwas daran ändern möchte. So erstreckt sich das Klangbild von warmen Clean-Sounds, die auch bei höheren Lautstärken noch wirklich sauber bleiben, über saftigen Crunch unter Zuhilfenahme des Boost-Effekts bis hin zu Leadsounds bei zusätzlich zugeschaltetem Drive-Schalter und entsprechend kräftigen Pickups der verwendeten Gitarre. Doch selbst Singlecoils können hier eine Menge bewirken und einen singenden Lead-Sound zaubern – wer noch mehr Gain benötigt, der kann ja einen zusätzlichen Booster verwenden. Ein dickes Lob verdient zudem der Reverb, klingt er doch wunderbar nach Retro und so, wie man es mit einer digitalen Reproduktion auch heute noch kaum hinbekommt.

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Supro Delta King 12 Combo BC – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich den Supro Delta King 12 Combo BC zusammen mit einer Gibson Les Paul Standard verwendet. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal in Logic Audio ohne weitere Effekte aufgezeichnet wurde.

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Fazit

Mit dem Delta King 12 Combo BC präsentiert Supro einen erstklassig verarbeiteten und typisch britisch klingenden Röhren-Combo, der neben seinem großartigen Sound für Blues und Rock sinnvoll ausgestattet wurde, schick aussieht und dabei zu einem mehr als fairen Preis angeboten wird.

Plus

  • Klang
  • extrem rauscharm
  • sehr gute Verarbeitung
  • Qualität Reverb
  • sinnvolle Anschlüsse
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • -

Preis

  • 649,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  AHU

    Ich finde 650,- Euronen für einen Amp, dessen Innereien aus dem Reich der MItte kommen, der für seine Zerrsounds einen integrierten (Halbleiter-)Zerrer bemüht und der einem vorgaukelt, ein Design aus der Vergangenheit zu sein, einfach zu teuer. Zumal dieses Mittengemetzel IMHO wie ein billiger Transistoramp aus den 70ern klingt.

    Ich weiß nicht, wer sich solche Amps kaufen soll: Der Vintage-Liebhaber wohl eher nicht – der kauft ein Original. Der unwissende Anfänger hoffe ich auch nicht, weil für das gebotene viel zu teuer. Bleibt wohl nur der Nerd, der sowieso alles, was sich nicht bei 11 in Luft auflöst, mit nach Hause schleppt:)

    Hier haben wieder ein paar findige Geschäftsleute einen alten Namen reaktiviert und noch ein cleveres Marketing mit dem passenden Stichwörtern (Tube, Vintage, Sprin-Reverb) versehen und schon kann abgesahnt werden.

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