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Test: Swissonic NT10A, aktiver Nahfeldmonitor

27. September 2021

Nahfeldmonitor im Legenden-Look

swissonic nt10a test

Swissonic NT10A, aktiver Nahfeldmonitor

Swissonic – klingt nach einer Schweizer Fluglinie, die im Überschallbereich unterwegs ist, ist aber eine der vielen Hausmarken vom Musikhaus Thomann. Die baut die Produkte ihrer breiten Palette aber nicht selber, sondern lässt sie (zumindest laut Thomann) von verschiedenen „namhaften Herstellern“ fertigen. Also so was wie Medion bei Aldi oder so. Und so haben auch die Swissonic-Produkte bei uns im Test oft recht positiv abgeschnitten, wie unlängst die Nahfeldmonitore Swissonic T204, die von meinem Kollegen Markus Galla mit „gut“ bewertet wurden. „Wie kann man zu diesem Preis überhaupt einen Studiomonitor konzipieren, der dazu noch einen wirklich guten Klang hat,“ fragte er in seinem Fazit. Große Fußstapfen also, in die Swissonic NT10A da treten. Und umso größer, da ihre augenscheinliche Ähnlichkeit zu den fast schon (warum auch immer) legendären Yamaha NS-10 M Studio sicherlich nicht zufällig ist. Von denen es inzwischen ja einige, zum Teil recht gute Klone gibt, wie etwa den Avantone Pro Cla-10A. Gehört der Swissonic NT10A auch in diese Riege?

Swissonic NT10A

Swissonic NT10A

Technisches zum Swissonic NT10A

Anders als beim Yamaha-Vorbild handelt es sich bei den Swissonic NT10A um aktive 2-Wege Monitore. Ausgestattet sind sie – wie die Swissonic T204 auch – mit einem Class-D-Bi-Amping Verstärker; es handelt sich also um einen Monitor mit zwei Verstärker-Endstufen. Ebenfalls wie die T204 liefern die NT10A 80 Watt Leistung, aufgeteilt in 50 Watt für den Tieftöner und 30 Watt für den Hochtöner. Den Frequenzbereich gibt der Hersteller mit 50 – 20.000 Hz an, die Crossover-Frequenz (aka Trennfrequenz, also die Frequenz, unterhalb der dann alle Töne geflissentlich an den Subwoofer weitergereicht werden) liegt laut Produktseite – wie bei den Yamaha-Boxen auch – bei 2.000 Hz.

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Swissonic NT10A

Einmal die Vorder- und einmal die Rückseite

Intermezzo: Wie die Yamaha NS10 zur Legende wurden

Immer wieder liest man ja geradezu ehrfurchtsvolle Zeilen über die Yamaha NS10-Monitore, die stellenweise ja schon als Qualitätsstandard gelten. Ein Fakt, der durch die vielen Nachahmer noch bekräftigt wird: So klingen (oder zumindest so aussehen) wie die Yamaha NS10 ist ein echtes Verkaufsargument. Aber warum eigentlich? Was hat es damit auf sich? Was ist das Besondere an den Monitoren mit der markanten weißen Bass-Membran? Weil wir bei AMAZONA.de der Sache ja gern mal auf den Grund gehen (und ich ja zugegebenermaßen gerne auch schon mal etwas abschweife), schauen wir mal eben nach, bevor es zurück zu den Swissair NT10A geht.

Die NS10 kamen erstmals 1978 auf den Markt; gleichzeitig hatte Yamaha auch die großen NS1000 im Angebot. Zu der Zeit waren die großen Klötze en vogue (die NS1000 wogen 39 kg und kosteten neu damals 3.400 DM), die eher kleinen NS10 – gedacht als preiswertere HiFi-Lautsprecher für den Heimgebrauch – verkauften sich da nur schleppend. Das änderte sich Anfang der 80er-Jahre, als die Musikszene im Umbruch war und Toningenieure auch Künstler wurden und sich einen Namen machten. Die dann auch in verschiedenen Studios gebucht wurden und einen Teil ihres Equipments mitbrachten – so auch kleinere Monitore. Was ein Teil der Erklärung für den aufkommenden Ruhm der NS10 ist.

yamaha ns10m test

Ein anderer besagt, dass der Toningenieur Greg Ladanyi die Teile von einer Session in einem japanischen Studio mit in die USA brachte und sie in seinem Studio in L.A. verwendete. Wo sie dann auch von Kollegen gehört wurden, so dass die NS10 sich von L.A. über die USA ausbreiteten. Einer der wichtigsten Early Adaptors war bei dieser Geschichte Bob Clearmountain. Die Legende besagt, dass der gute Bob einen richtig schlechten Speaker gesucht habe, um zu testen, wie sich seine Mixes auf (schlechten) HiFi-Anlagen anhört. Clearmountain – bald ein Star seiner Zunft – gehörte zu den reisenden Ton-Ings, die NS10 immer im Gepäck. Eine andere Legende besagt, dass er sich angeblich weigerte, etwas über 85 dB zu hören (wenn das gewünscht war, drückte er Play und verließ den Raum) und Mixes ausschließlich über seine NS10 beurteilte. Ebenfalls angeblich hat er auch als erster Seidenpapier über den NS10-Hochtönern verwendet, weil ihm die zu dominant waren – was Yamaha dann in der Folgeversion NS10M selber korrigierte. Wie gesagt: Legenden und Anekdoten, aber nette und irgendwie auch plausible. Jedenfalls galten die Clearmountain-Mixes als das Nonplusultra und plötzlich wollte jeder seine Yamaha NS10 haben. Am Ende – als 2001 die Produktion aufgrund von Problemen bei der Beschaffung des Zellstoffs für die Treiber eingestellt wurde – hatte Yamaha weltweit mehr als 200.000 Paare davon verkauft und die NS10 standen in Tonstudios rund um den Globus. Gebraucht zahlt man heute für ein Paar Yamaha NS10M zwischen 400 und 600 Euro.

Die Yamaha NS10 sind 8 Ohm 2-Wege-Monitore, 215 x 382 x 199 mm groß und rund 6 kg schwer. Das Gehäuse besteht aus 2,5 cm dicker Pressspanplatte mit markantem Holzfurnier; der 180 mm Tieftöner hat eine Membran aus gepresstem Zellstoffpapier, die Spulenenden im unteren Zentrum der Bassmembran wurden schwarz verklebt, was dem Speaker (neben der weißen Farbe der Membran) sein unverwechselbares Merkmal gab.

Unverwechselbar ist auch der Klang der NS10, der sehr analytisch und nahezu klinisch ist, mit einer Portion zu viel Höhen, zumindest in der ersten Version und ein wenig flach. Dadurch deckt er (angeblich) Unzulänglichkeiten im Mix schonungslos auf, ist aber dadurch andererseits für seinen ursprünglichen Einsatzzweck als lauschiger HiFi-Speaker eher ungeeignet. „Wenn man es schafft, dass es auf der NS10 gut klingt, dann klingt es überall gut“, war damals der gängige Spruch. Der Frequenzgang ist nicht vollkommen flach, sondern im oberen Mitteltonbereich bei etwa 2 kHz um 5dB angehoben (wohl der Bereich, der für das menschliche Ohr am problematischsten klingt), der Bassbereich geht bei 200 Hz nach unten. Eine ausführliche Messung der Universität Southampton aus dem Jahr 2001 zeigt auch, dass die NS10 eine wesentlich schnellere Abklingzeit in den tiefen Frequenzen haben, wodurch Bassinstrumente im Mix besser ausbalanciert werden als bei anderen Nahfeldmonitoren. (mehr zu dieser Testreihe findet ihr hier.)

Es sollte aber abschließend auch nicht verschwiegen werden, dass es durchaus auch Musiker und Studiomenschen gibt, die die Yamaha NS10 für völlig überbewertet und vor allem auch für veraltet halten, da sich die Hörgewohnheiten und die Musikproduktion in den letzten 40 Jahren massiv geändert haben und die alten NS10 schon längst nicht mehr das Maß aller Dinge sind. Wollte ich nur der Ausgewogenheit halber erwähnt haben. Derart vorbereitet geht es zurück zu unserem eigentlichen Thema, den Swissonic NT10A.

Swissonic NT10A

Die Abdeckung ist aufsteckbar

Die Swissonic NT10 ausgepackt: Sehen fast aus wie die NS10

Die Swissonic NT10A sind mit ihren Abmessungen von 215 x 382 x 198 mm fast exakt genauso groß wie die Yamaha-Vorbilder (215 x 382 x 199 mm), mit einem Gewicht von 6,5 kg aber etwas schwerer. Was natürlich daran liegt, dass die Swissonic Speaker aktiv, die Yamaha Speaker damals aber passiv waren und entsprechend weniger Elektronik an Bord hatten. Das Gehäuse besteht nicht mehr aus Pressspan, sondern aus MDF (Mittedichte Holzfaserplatten, haben eine feinere Spanstruktur als Pressspan), ist aber ebenfalls mit Echtholzfurnier verkleidet. Die beiden Membranen sind gegenüber denen der Yamaha NS10 mit 177,8 bzw. 3,175 mm geringfügig kleiner (180 bzw. 350 mm), deren Befestigung mittels großformatiger Inbusschrauben  entspricht ganz dem Vorbild.

Der augenfälligste Unterschied ist dann die abnehmbare (aufgesteckte) Stoffbespannung zum Schutz. Die verhindert dann zwar einerseits den Blick auf das markante weiße Papier der Bassmembran, verhindert aber andererseits auch wirkungsvoll dessen (nahezu unausweichlicher) Verschmutzung; selbst im Auslieferzustand ist die schon nicht mehr völlig blütenweiß, was schon etwas unschön ist. Und wer wie ich freilaufende großformatige Haustiere und neugierige Enkel zu Hause hat, wird diese Extrafeature sicherlich zu schätzen wissen. Nimmt man die Schutzkäfige ab, stellt man fest, dass Swissonic – anders als damals Yamaha, die unter dem Hochtöner groß im Querformat „Yamaha – NS-10M Studio“ plakatierten – darauf verzichtet hat, seinen Schriftzug auf der Frontseite anzubringen. Was auch klar ist: So bleibt die NS10-Illusion eher erhalten, als wenn da groß Swissonic NT10A stehen würde.

Mit zum Lieferumfang gehören zwei Kaltgerätekabel (ja, beide Boxen sind aktiv – es gibt ja auch Paare, bei denen nur eine regelbare Elektronik hat und die andere lediglich über ein Lautsprecherkabel verbunden wird) sowie ausreichend große Klebepads, um Boxen bzw. den Untergrund vor Kratzern zu schützen. Außerdem wird auch ein übersichtliches gedrucktes Handbuch mit augenfreundlicher Schriftgröße mitgeliefert (DIN-A-5 Querformat), bzw. deren zwei – eins auf Deutsch und eines auf Englisch. Wie immer an dieser Stelle mein heutiger Lieblingssatz aus den obligatorischen Sicherheitshinweisen: „Halten Sie das Gerät von offenem Feuer fern“ – kann man nicht oft genug sagen.

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Swissonic NT10A

Schaltwerk und Anschlüsse auf der Rückseite

Viel Elektronik und Anschlüsse auf der Rückseite

Auf der Rückseite hatten die passiven Yamaha NS10 damals nur die Anschlüsse für die Lautsprecherkabel; anfangs noch die zum Herunterdrücken mit der Federmechanik, spätere Modelle besaßen dann Schraubklemmen. So oder so wurde aber der blanke Draht eingespannt. Ganz anders da die aktiven Swissonic NT10A. Die nämlich offerieren uns gleich drei Anschlussmöglichkeiten: XLR (symmetrisch, 3-polig), große Klinke (symmetrisch) und eine Cinch-Buchse (unsymmetrisch) für Zuspielgeräte mit Line-Pegel – was recht praktisch ist, kann ich doch so mit einem passenden Kabel eben mal mein Smartphone dranhängen und die Gegend beschallen. Außerdem gibt es da noch einige Möglichkeiten zur Frequenzanpassung; da ist zum Beispiel ein Drehregler zur Anpassung der Mittenfrequenzen an die Raumakustik mit einer recht großen Bandbreite, die von -15 dB bis +6 dB reicht. Ihr erinnert euch vielleicht: Gerade im Mittenbereich waren die Yamaha NS10 ja um 5 dB angehoben; das kann man hier entweder emulieren oder ganz abstellen – und so einen der klanglichen Hauptaspekte der NS10 ganz umschiffen? Das hören wir uns gleich mal an.

Auch die Bass- und Höhenfrequenzen können nachjustiert werden; allerdings nicht stufenlos wie die Mitten, sondern jeweils in den Abstufungen -2 dB, 0 dB und +2 dB. Ob das ausreicht und ob sich das überhaupt signifikant bemerkbar macht, werde ich natürlich ebenfalls gleich ausprobieren. Mit einem zuschaltbaren Tiefpassfilter kann ich die Trennfrequenz laut Handbuch zwischen 56, 80 und 100 Hz umschalten. Ein Volume-Regler, ein Kaltgeräteeinbaustecker (wieder so ein Scrabble-Traumwort) mit Sicherungshalter und ein Netzschalter komplettieren das Angebot auf der Rückseite. Die Anordnung der Bedienpanels gibt dann auch darüber Aufschluss, wie die Boxen aufzustellen sind, nämlich horizontal – also Tief- und Hochtöner neben- und nicht übereinander, mit den Hochtönern außen. Klar, man kann die natürlich auch gewohnt vertikal aufstellen, bekommt es dann aber eventuell mit Frequenzgangabweichungen und Phasenproblemen zu tun. Oder doch nicht? Immerhin gab es von den Yamaha NS10 ja sowohl vertikale als auch horizontale Versionen.

Swissonic NT10A

Ein Aufkleber zeigt, auf welche Seite die Box gehört (zeigt dabei aber fälschlicherweise die vertikale Aufstellung)

Aufgebaut und angeschlossen: Swissonic NT10A

Vorab kurz zu meinen sonst genutzten Settings: Für die neutrale Abhöre nutze ich (seit gut 30 Jahren schon) immer noch meine alten Fostex RM780 Reference Monitore, die – weil passiv – über einen ebenso alten Yamaha P2050 laufen. Und für die kleinen Dinge, die schnelle Abhöre und für den Bereich „wie klingt das auf kleinen, einfachen Monitoren“ stehen da zwei kleine Samson. Ich habe zwar immer wieder mal andere Speaker ausprobiert, aber irgendwie habe ich mich einfach daran gewöhnt – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Produziere ich im Hörfunkstudio beim WDR, so verlasse ich mich da auf die guten Geithain RL922K (ein Traum, leider mit gut 5.200 Euro pro Stück auch ein sehr teurer) und die Genelec 1030a. Das nur mal zu meinen Hörgewohnheiten/-erfahrungen.

Die Swissonic NT10A sind schnell aufgebaut und angeschlossen. Die Anschlusskabel sitzen bombenfest, auch wenn die XLR-Buchse keine Verriegelung besitzt. Was aber – in meinen Augen – einen guten Grund hat: Besser, jemand reißt aus Versehen das Kabel raus als den Monitor vom Sockel. Also: alles gut. Die Netzkabel sind mit einer Länge von 1,6 m einigermaßen ausreichend dimensioniert, die Schalter rasten gut spürbar ein und sitzen fest, die Drehregler für Volume und Mittenfrequenzen kratzen ein wenig (mechanisch, nicht akustisch) am Gehäuse, besitzen aber dafür eine gut spürbare Mittelstellung – da kann man auch schon mal im Blindflug auf der Rückseite nachregeln.

Swissonic NT10A

Selbst die Inbusschrauben wurden kopiert

So klingen die Swissonic NT10A

Erster Test: Kraftwerks „Musique non Stop” mit den markanten Roland TR-808 Drums. Was ich sofort feststelle: Die Swissonic geben ordentlich Gas, da muss ich – selbst bei vorsichtig aufgedrehtem Volume an den Boxen selber – am Pult massiv runterkurbeln, wenn ich möchte, dass meine Nachbarn mich morgen noch grüßen. Was mir auch gleich auffällt, ist die doch relativ große Stereobreite der NT10A – so viel an Raum bilden meine anderen Lautsprecherpaare nicht ab. Es ist nicht übertrieben viel, nicht „too much“, aber eben schon so viel mehr, dass es auffällt.

Der Kraftwerk-Track ist zwar ohnehin nicht sonderlich basslastig (bis auf die Bassdrum aus TR-808 und der tiefen Robo-Stimme), aber schon hier wird klar, dass der Keller nicht unbedingt die Lieblingsetage der Swissonic NT10A ist; zumindest das hat er mit den Yamaha-Vorbildern schon mal gemeinsam. Erste Maßnahme also: Der Bass-Anpassung die maximal möglichen +2 dB verpassen, damit hat der Track dann da schon mal etwas mehr Fundament. Wer die Swissonics besitzt, wird das vermutlich einmal machen und anschließend die Regler nie wieder anrühren. Nächster Schritt: Die Höhen um 2 dB absenken, die hier recht markant durchscheinen; es ist zwar schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal mit den Yamaha-Originalen zu tun hatte (die sind inzwischen ja doch nicht mehr so weit verbreitet in den Studios); aber aus meiner Erinnerung würde ich sagen, dass die Swissonic hier sogar noch einen drauflegen. Wie auch bei den Mitten – der Lieblingsspielplatz der NT10A, die sich hier regelrecht in die Trommelfelle bohren; sie besitzen eine Schärfe, die ich von meinen anderen Boxen nicht kenne. Hier aber lässt sich mit dem Mittenregler mit seiner großen Bandbreite von 21 dB einiges abmildern, falls das gewünscht wird; bei diesem elektronischen Track reicht mir aber die Mittelstellung.

swissonic nt10a test

Dann versuche ich es mal mit einem Song mit einer etwas größeren Bandbreite als der ohnehin etwas mittige Kraftwerk-Track: „Cry Me a River“ (Tania Maria) aus der „Audiophile Music Collection“, eine ruhige jazzige Nummer mit Trio-Besetzung (Kontrabass, Drums, Piano) plus einer Sängerin in Alt-Lage. Meine kleinen Samson trennen da sehr sauber und liefern ein ausgewogenes Klangbild; auf meinen Fostex klingt das zwar linearer und nicht ganz so plastisch – ehrlicher eben – aber dennoch werden alle Lagen gut bedient. Bei den Swissonic NT10A dagegen dominieren die hohen Pianolagen und der Gesang; gerade letzteren finde ich hier schon fast eine Spur zu aufdringlich, zu scharf im Mittenbereich. Da hilft es ein wenig, den Mittenregler ganz runterzudrehen. Trotzdem aber neigen die NT10A jedoch dazu, bei lauteren Passagen im zentralen Bereich etwas zu verkleben und ganz leicht zu zerren. Oder liegt es da am Song?

Da muss was Klassisches her: Schumanns Sinfonie Nr.4 in D-Moll. Hier treibt es die Streicher immer wieder mal von unten in luftige Höhen und bilden die Hörner durch akzentuierte Einwürfe ein sattes Fundament. Schaffen die Swissonic NT10A das? Was mir hier gut gefällt, ist das breite Stereobild; bei geschlossenen Augen ist das ein Gefühl wie mitten im Konzertsaal. Das Klangbild ist mir hier aber wieder zu sehr auf die Mitten fixiert, die Hörner klingen etwas blechern, die Bässe grummeln tief unten, ohne das Ganze aber wirklich zu stützen. Das hört sich seltsam flach an.

swissonic nt10a test

Zum Schluss krame ich mal ein paar eigene Produktionen raus, an denen ich zurzeit hin und wieder rumbastele (ein paar meiner alten Game-Soundtracks neu auflegen). Die stecken alle noch mixtechnisch in den Kinderschuhen und sind meist nur Skizzen. Auf meinen Boxen hören die sich trotzdem schon einigermaßen annehmbar an, auf den Swissonic wird das klangliche Frühstadium aber schon deutlicher. Man ist ja ohnehin geneigt, anfangs von allem etwas zu viel zu machen; vermutlich würden mir die NT10A helfen können, Höhen und Mitten etwas zurückzunehmen; dafür würde ich dann aber wohl darüber ein Zuviel an Bässen draufpacken, denn die sind auch hier deutlich unterpräsentiert.

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Fazit

Beginnen wir mit den positiven Aspekten: Die Swissonic NT10A sind solide verarbeitet, sehen den Yamaha NS10 äußerst ähnlich, bieten einiges an Möglichkeiten, um am Klang und den Frequenzen zu schrauben, haben ordentlich Power und glänzen mit viel Raumgefühl. Klanglich dagegen können sie – zumindest mich – nicht so recht überzeugen: Zu viel Augenmerk auf den Mitten, eine Spur zu präsent in den Höhen, dafür zu wenig Fundament im Bass, so dass es – je nach Track und trotz Nachregulieren – in meinen Ohren teilweise sogar leicht matschig klingt, vor allem, wenn man die Monitore mal weiter aufdreht.

Ich kann mir vorstellen, die NT10A gelegentlich als Zweit- oder Dritt-Speaker zur Kontrolle einzusetzen (um Mitten und Höhen auch wirklich ausreichend zurückzunehmen), aber als Main-Monitor fehlt mir da einfach die Ausgeglichenheit, wie sie zum Beispiel die Focal Alpha Evo 65 (349,- Euro, Stück) oder die günstigeren Swissonic T204 (119,- Euro, Stück) bieten. Aber da jeder anders hört, anders mixt und andere Präferenzen hat, sollte letztendlich auch jeder am besten selber probehören.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • sehen den Yamaha NS10 sehr ähnlich
  • XLR, Klinke und Cinch (ach für Smartphones etc.) als Eingang
  • viele Möglichkeiten zur Frequenzveränderung
  • viel Power
  • Standby-Abschaltung

Minus

  • zu mittenbetont
  • im Bass etwas schwach auf der Brust
  • beginnen gerade bei größeren Lautstärken ein wenig zu matschen

Preis

  • 298,- Euro (Paar)
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Forum
  1. Profilbild
    fanatic  AHU

    Ich stelle mir vor das der Test von günstigen Monitoren ein teils undankbares Unterfangen ist. Aber muss denn, um krampfhaft noch mehr positives zu finden, die optische Nähe zum Yamaha Original in den Plus Bereich?
    Wenn es tatsächlich als Positiv gewertet wird möchte ich bitte wissen warum? Stehe da komplett auf dem Schlauch.

    Einen m-audio Venom im Gehäuse eines Nordlead 4 fänd ich eher grenzwertig.

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      Stimmt, hin und wieder sollte ich meine teilweise etwas verqueren Gedankengänge erläutern :-) Zum einen wollte ich diesen Pluspunkt eigentlich erst mit einem Smiley versehen und mit einem „immerhin“ ergänzen, aber das sah dann etwas unseriös aus. Zum anderen sind die Yamaha-Boxen nun mal Kult, und wer keine mehr bekommen kann, schmückt sich sein Studio dann vielleicht mit täuschend echten Plagiaten. Laufen ja auch genug Typen mit der falschen Rolex und Frauen mit einer falschen Prada-Tasche rum :-) Aber das ist natürlich ein „Pluspunkt“, der nicht weiter in die finale Bewertung eingeflossen ist.

      • Profilbild
        fanatic  AHU

        Ok;)
        Zum Posen ideal.
        So machen die Sinn. Oder als Soapopera-Deko…..
        Aber wer im Glashaus sitzt…. Ich habe beispielsweise meine günstige Abhöre übergesprüht um die Herkunft zu verschleiern!….. Man weiss ja nie ob mal doch die Presse vor der Tür steht…
        Crazy…

        Damit komme ich zum Standardfazit: Man soll die Abhöre idealerweise aus dem ff kennen um den Mix beurteilen zu können.
        Teuer und linear ist klasse. Wenn man die Abhöre kennt geht‘s auch günstiger.

  2. Profilbild
    Lapin  

    den test fand ich lustig zu lesen, die boxen selbst sind definitiv nix für mich.
    hoff die kauft sich kein amateur als hauptstudiomonitore weil er den namen und den look wiedererkennt. für 300 paarpreis gibts sicher alltagstauglichere studioboxen

    was anderes ists wahrscheinlich wenn man die gezielt als zweitmonitore fürs mixen von zb. vocals anschafft, aber wer so spezialisiert unterwegs ist kann sich wahrscheinlich auch die avantone leisten

  3. Profilbild
    AMOS omb  

    Also ich bin der klaren Überzeugung seine Abhöre sehr gut kennen ist super wichtig. Nicht umsonst schleppen viele Profis ihre Beschallung mit ins Studio. Ansonsten halte ich einen heutigen Mix für schwieriger als früher, in Bezug auf die Hörer. Die meisten hören heute ohnehin Mp3 Kram, über irgendwelche unterirdischen Zuspieler/Abhören. Da hört sich selbst ein guter Mix, unter Umständen, schon mal nicht grad super an. Und wenn man sich hauptsächlich darauf konzentriert, werden sich die Anspruchsvolleren Hörer bedanken. Ja ich weiß der Mix muss überall gut klingen. Das ist jedoch selbst im Professionellem Bereich alles andere als üblich. Also letzendlich immer alles mit Abstriche behaftet. In der Klassik geht das besser, da wird man sich wohl weniger drum kümmern wie das auf einen Bluetooth Quäker klingt. Die Super Monitore sind halt das Eine, aber selbst damit den Mix beurteilen ganz etwas anderes. Dazu kommen noch Vorlieben des Hörers, der Eine findet den Sound ganz super, den anderen ist zu wenig Druck, den anderen zuviel…………..

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