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Test: Torso Electronics T-1, Algorithmic Sequencer

13. Mai 2022

Intuitives Sequencing

Torso electronics t-1 test

Torso Electronics T-1, Algorithmic Sequencer

Die Firma Torso Electronics ist ein kleines Unternehmen, das in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen beheimatet ist. Hier hat man sich zur Aufgabe gemacht, neue Wege in der Konzeption von Musikwerkzeugen einzuschlagen. Der Torso T-1 Algorithmic Sequencer ist das erste Produkt und wurde schon einige zeitlang angekündigt, das Ganze startete als Kickstarter-Projekt. Ab und zu tauchte es bereits in Tonstudios auf und nun ist das Gerät auch in unseren Händen gelandet. Was es mit dem Sequencer auf sich hat, erfahrt ihr in diesem Test.

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test torso t-1

Torso Electronics T-1

Was kann man mit dem Torso T-1 machen?

Der Torso T-1 bietet unterschiedliche Generatoren zur Erzeugung euklidischer Rhythmen, Sequenzen, Arpeggien, Akkorde und Melodien. Je nach Konfiguration der Ausgänge kann der Torso T-1 als mehrspuriger Drumsequencer arbeiten, als 2-3 stimmiger CV/Gate-Sequencer und über MIDI mit Polyphonie. Die Basis bildet jeweils ein Pattern. Jedes Pattern kann aus 16 Spuren mit jeweils 16 Schritten bestehen. Patterns werden in Bänken gespeichert.

Aufbau und Anschlüsse des Sequencers

Torso T-1 ist äußerlich sehr stylisch und in schlichtem, eloxierten Schwarz gehalten. Das sehr solide wirkende Gehäuse besteht komplett aus Aluminium und die Gummifüße auf der Unterseite bieten enorm viel Rutschfestigkeit. Das Gerät ist auf jeden Fall bühnenkompatibel und bringt mit 815 g Gewicht genug Stabilität mit.

test torso t-1

Torso T-1

Auf der Oberfläche befinden sich 18 hochwertige und stabile Push-Encoder. Diese geben dank ihrer Rasterung ein gutes Feedback bei der Nutzung. Darunter finden sich 23 Pads mit Multicolor LEDs. Die Pads sind ein bißchen rutschig, aber dennoch präzise und kommen ohne Velocity- und Aftertouch-Funktion. Auf den Pads werden die Parameter der einzelnen Funktionen des Torso T-1 per farbiger LED dargestellt. Die Push-Funktion der Encoder dient bei Doppelklick der dauerhaften Parameterdarstellung auf den Pads. Andernfalls springt die Anzeige immer wieder in den Grundzustand.

Auf der Rückseite des Gehäuses befindet sich eine USB-C Buchse zur Stromversorgung und Anschluss an den Mac oder PC (USB MIDI). Es folgt ein MIDI-Trio im Klinkenformat nach Typ A. Mitgeliefert wird ein USB-C-Kabel und ein MIDI-TRS-Kabel (Typ A).

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T-1 Rückansicht

Weiter geht es mit vier Buchsen für Sync In und Sync Out sowie Clock und Reset. Es folgt ein CV-Modulation-Input und am Ende stehen vier CV- und zwei Gate-Ausgänge bereit. Damit stehen eine Menge Anschlussmöglichkeiten zur Auswahl. Aber die Flexibilität geht ja noch weiter.

test torso t-1

T-1 Rückansicht

Die genannten Ein- und Ausgänge, Updates sowie die MIDI- und Sync-Konfiguration werden über eine, im Download ca. 100 MB große (entpackt sind es ca. 250 MB), Konfigurationssoftware eingestellt.

Die CV/Gate-Konfiguration gestaltet sich interessant. Der Torso T-1 kann entweder 2-stimmig konfiguriert werden, mit Gate, Pitch und Velocity. Oder als 3-stimmiger Sequencer mit 3 Gate- und 3 Pitch-Kanälen. Oder aber als Drumsequencer mit 6 Gate-Ausgängen und im User-Modus ganz individuell. Es können zum Beispiel alle sechs Ausgänge nur Velocity-Werte ausgeben. Es stehen V- und S-Trigger zur Auswahl. Das Scanning kann Volt pro Oktave, 1,2 V pro Oktave oder Hz pro Volt sein.

test torso t-1

Konfiguration der CV/Gate-Ausgänge

Diese Einstellungen müssen jedoch jeweils in der Konfigurationssoftware vorgenommen werden. Sie werden nicht pro Pattern oder Bank gespeichert.

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Per MIDI und USB stehen 16 MIDI-Kanäle und Polyphonie zur Verfügung.

Torso T-1 besitzt ein eingebautes WiFi-Modul und verbindet sich per Ableton Link mit einer entsprechenden Gegenstelle. Ableton Link ist ein drahtloses Synchronisationsprotokoll, das dafür sorgt, Sequencer, DAWs etc. gleichzeitig zu starten/stoppen und synchron nach einem Master zu laufen. Dies ist vor allem für den Live-Betrieb sehr nützlich.

Das ausführliche englischsprachige Handbuch liegt als PDF vor und auf dem hauseigenen YouTube-Kanal findet man viele Tutorial-Videos zu den einzelnen Funktionen des Torso T-1.

Geliefert wird das Gerät in einem schlichten Pappkarton mit Schaumstoffhalterungen. Zusätzlich kann im Online-Shop ein schlichtes, schwarzes Carry-Case gekauft werden. Dieses ist nur etwas größer als der Torso T-1 und schützt das Gerät gut beim Transport.

Funktionen des Torso T-1

Wie eingangs beschrieben, bietet der Torso T-1 unterschiedliche Generatoren zur Erzeugung euklidischer Rhythmen, Sequenzen, Arpeggien sowie Akkorden und Melodien.

Euklidische Rhythmen bedeutet, dass rhythmische Schläge in einem bestimmten Zeitintervall so gleichmäßig wie möglich verteilt werden. Die Verteilung lässt sich rotieren und variabel anpassen und so entstehen ständig neue Rhytmusfiguren. Dies ist ein sehr intuitiver Ansatz zur Erstellung von Patterns, anders als die klassische Lauflichtprogrammierung.

Euklidische Rhythmen werden nach einem ähnlichen Ansatz zum Beispiel auch durch das Eurorack Modul Euclidean Circles von VPME generiert, das wir auf AMAZONA.de hier getestet haben.

Zum einen kann T-1 also hervorragend als Rhythmus-Sequencer genutzt werden. Entweder über MIDI an der Drummachine oder dem Rechner oder über Gate mit dem Eurorack. Zuerst wählt man die Anzahl an Steps und wie viele Pulses, also Trigger pro Pattern, platziert werden. Mit Rotate erfolgen die rhythmischen Verschiebungen und mit Cycle werden mehrere Pattern hintereinander gespielt. Das ist gut, denn pro Pattern stehen nur 16 Steps zur Verfügung. Durch die Anzahl der Cycles vervielfacht sich die Anzahl möglicher Steps. Und die Cycles lassen sich wiederum variieren. Es wird also nicht so schnell langweilig in der Sequenz.

test torso t-1

T-1 als Dirigent von ES Disting EX und MI Plaits

Über weitere Parameter können die Zeiteinteilung (Division), Akzente, Swing-Faktor und Ratcheting gesetzt werden. Es stehen eigentlich alle wünschenswerten Funktionen zur Verfügung, die auch von anderen Sequencern bekannt sind.

Aber es geht ja noch weiter. Wenn wir das Feld der Rhythmen verlassen, betreten wir das Feld der Melodiesequenzen und Akkordfolgen. Und auch hier lassen sich beeindruckende Dinge anstellen. Ich habe Torso T-1 mit der DAW verbunden und zunächst ein beliebiges Plug-in aufgerufen, um es mit T-1 zu steuern.

test torso t-1

T-1 mit Ableton Live und Omnisphere

Mit den oben genannten Parametern kann man zunächst wieder starten, zusätzlich kommen nun die Parameter wie Pitch, Scale, Voicing oder Phrase dazu. Diese entwickeln entweder einfache bis komplexe Arpeggien oder melodische Strukturen, nach einer vorgegebenen Notenskala. Wenige Tastendrücke und Reglerdrehs sind nötig, um ein- oder mehrstimmige Melodien und Akkorde zu erzeugen. Die Sequenzen können sich wiederholen, sie werden „gelockt“ oder auf Wunsch zufällig harmonisch weiterentwickeln. Auch hier können durch mehrere Cycles pro Track Variationen eingebunden werden, um die Abläufe lebendig zu halten.

Das erinnert mich etwas an Eurorackmodule wie NI Marbles oder QuBit Bloom. Beide Module kenne ich recht gut und habe sie viel genutzt. Die generative Weiterentwicklung von Melodien im T-1 gehen über die Möglichkeiten der genannten Module hinaus. Allein schon durch die Polyphonie entstehen da ganz neue Möglichkeiten.

Handhabung im Tonstudio

Zuerst lasse ich die Konfigurationssoftware laufen und verbinde Torso T-1 per USB mit meinem Rechner. Das klappt auf Anhieb problemlos und der Sequencer wird von der DAW als MIDI-Device erkannt.

Danach habe ich mir die ersten Videos angeschaut und Schritt für Schritt die Funktionsmodule ergründet. Ein Herumspielen mit den Encodern ist zwar möglich, mir war es jedoch nicht auf Anhieb möglich, die Struktur und den Workflow einfach so zu verstehen. Daher empfehle ich, die Tutorial-Videos zum Einstieg anzuschauen, es sind immer nur wenige Minuten Spieldauer. Danach geht es  schnell und einfach, wenn man sich an der Lernkurve etwas abgearbeitet hat. Ich konnte erste mehrspurige Sequenzen relativ schnell erstellen. Diese Zeit muss sein.

Aufgrund der Konstruktion und des vorgegeben Workflows entstehen die meisten Patterns im Torso T-1 eher intuitiv als geplant. Es ist weniger ein gezieltes Programmieren, sondern mehr ein „sich aufbauen“ und variieren der Parameter, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Dadurch eignet sich Torso T-1 als Inspiration sehr gut und man wird immer wieder aufs Neue überrascht. Allerdings fehlt mir eine Art Undo-Funktion. Wenn es dann doch mal nicht so klingt wie erwartet, wäre es sinnvoll, die letzten Eingabeschritte rückgängig machen zu können. Natürlich können die Parameter auf den Grundzustand zurückgeregelt werden. Aber nicht immer weiß man noch, welche Encoder vorher gedrückt und gedreht wurden. Undo wäre eine hilfreiche Option für die Zukunft.

test torso t-1

T-1 und Moog Matriarch – eine gute Verbindung

Nachdem ich das erste Pattern erstellt hatte, habe ich ein zweites und drittes Pattern hinzugefügt, das ich aus dem ersten Pattern kopiert hatte. Durch die Rotation konnte ich die Trigger verschieben und groovige Akzente setzen, Ghost-Notes und Variationen, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Es steckt ein enormes Potential an Kompositions- und Arrangierhilfe in dieser schwarzen Kiste. Gefällt mir das, was ich gerade höre? Ein Druck auf Record in der DAW und die ganzen MIDI-Daten des Torso T-1 werden aufgezeichnet. Dort kann ich anschließend prima weiterarbeiten.

Die Beschriftung der Parameter sind auf dem Gehäuse neben den Encodern und Pads aufgedruckt. Die Lesbarkeit der grauen Schrift für die Unterfunktionen ist allerdings in dunkler Umgebung nicht gut. Ein wenig Licht sollte in der Nähe des Gerätes vorhanden sein.

Weitere Funktionen des Torso T-1

Gerade wichtig für die Live-Performance ist die Möglichkeit, einzelne Tracks in einem Pattern stummschalten zu können.

Über CC-Tracks werden MIDI-Control-Change-Messages pro Step versendet und können moduliert werden.

Alle Parameter können über regelbare Zufallsfunktionen moduliert und Parameter können über mehrere Spuren gleichzeitig geändert werden.

Die Basis bildet immer ein Pattern. Jedes Pattern kann aus 16 Spuren mit jeweils 16 Schritten bestehen. Torso T-1 speichert 16 Patterns in 16 Bänken. Das sollte für viele Performances ausreichen. Das Speichern von Patterns und Bänken ist on the fly möglich.

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Fazit

Torso T-1 ist ein algorithmischer Sequencer, der durch seinen eigenständigen Aufbau und dem zugrunde liegenden Bedienkonzept besticht. Es lassen sich schnell vom einfachen Drumpattern bis zu komplexen Akkordfolgen Ergebnisse erzielen. Schnell – allerdings nur, wenn das Bedienkonzept vom Nutzer gut verstoffwechselt wurde. Denn ohne eine gewisse Einarbeitungszeit erschließen sich die Parameter nicht von selbst.

Torso T-1 verfügt über die Schnittstellen USB, MIDI und CV/Gate. Letztere lassen sich per Software individuell anpassen, dadurch erhält man viel Flexibilität. Per Ableton Link kommuniziert T-1 drahtlos mit anderen Devices.

Das Gerät selbst ist sehr solide und bühnentauglich gebaut. Die aufgedruckten Parameter der Unterfunktionen neben den Encodern und Pads lassen sich bei schwacher Beleuchtung nur schlecht lesen. Dafür ist die Haptik der Encoder und der Pads sehr präzise ausgeführt.

Torso T-1 richtet sich in erster Linie an Musiker, die sich inspirieren lassen wollen und denen an Improvisation und generativer Weiterentwicklung von Kompositionen gelegen ist. Die gezielte Programmierung und das Abspielen von Sequenzen ist nicht der Fokus dieses Gerätes. Belohnt wird der Nutzer mit einem Werkzeug zur Erzeugung neuer Patterns und Sequenzen, es dient damit als Inspirationmotor und Kompositionswerkzeug.

Plus

  • schlüssiges Bedienkonzept
  • flexible Anschlussmöglichkeiten
  • solide Bauweise
  • inspirierend

Minus

  • kein Display, alle Parameter werden durch die LED-Buttons dargestellt
  • Beschriftung im Dunkeln zum Teil schlecht lesbar
  • keine Undo-Funktion

Preis

  • 649,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    mdesign AHU

    das teil ist bestimmt spannend und inspirierend. allerdings bin ich nicht sicher, ob das premium-preisschild den kreis der nutzer am ende nicht doch zu klein für ausreichend umsatz werden lässt. im prinzip ist das ganze ja ’nur‘ eine software mit ein paar simplen pads und reglern, die bei vergleichbarer midi controller hardware nur wenig kostet – die software-entwicklung war teuer und muss nun wieder reinkommen. die sollte auf möglichst viele schultern verteilt werden, dann wird’s leichter. wäre ich fürs marketing verantwortlich, würde ich noch einen kleinen bruder für eur 249 konzipieren, um die weniger kaufkräftige oder -willige klientel abzuholen. premium allein kann gefährlich sein.

  2. Profilbild
    chalaco

    Die Frage ist : Braucht man das wenn man eien Keystep Pro hat? Diese Euklidischen Funktionen klingen verlockend. Eine SEquenz erstellt und dann noch ein wenig Euklidisieren schon hat man den Song fertig. Aber gibt es das nicht auch als kostenlosen VST? :P

    • Profilbild
      VMNN

      Der Beatstep Pro ist ein tolles Gerät, aber er kann leider nicht Polyphon arbeiten und hat auch keine 16 Spuren mit quasi endlosen Steps. Das kann man nicht vergleichen. Der T1 hat ein komplett anderes Konzept. Ich habe ihn über die Kickstarter Kampagne bekommen, wodurch er deutlich günstiger war. Ein Mega gutes Gerät, welches ich nicht mehr hergeben werde…

    • Profilbild
      CDRowell

      BSP zeigt bei mir auch seit Jahren wie hohe Qualität mit nem vernünftigen Preis sinnvoll definiert. Da bestätigt sich deine Meinung.

  3. Profilbild
    *modular*

    Das ist ein spannendes Gerät. Ich würde es sehr begrüßen wenn auf Dauer der Preis noch sinken würde.

  4. Profilbild
    banalytic

    finde diesen sequenzer auch extrem interessant… mich schreckt leider auch der preis etwas ab bisher… aber mal schauen :)

  5. Profilbild
    THo65

    außer der Polyphonie kann mein Beatstep Pro das auch….und vielleicht kommt von Arturia ja mal ein entsprechendes Update.
    Ich halte das Gerät für komplett überteuert.

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