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Test: Victory RK50H, Gitarrenverstärker

2. Oktober 2018

Ein Pausenbrotkasten der speziellen Art!

Victory RK50H titel

Lunchbox Amps haben Hochkonjunktur! Mit dem Victory RK50H hat der britische Hersteller dem amerikanischen Gitarristen Ritchie Kotzen nunmehr einen Signature-Amp auf den Leib geschneidert, der auf die ganz speziellen klanglichen Vorlieben des Künstlers eingeht, zumal es sich bei Kotzen um einen der ganz, ganz wenigen Gitarristen handelt, die nicht nur handwerklich virtuos und spieltechnisch extravagant auf der Gitarre unterwegs sind, sondern auch im Vergleich zu vielen anderen singenden Gitarristen über eine hervorragende Sologesangsstimme verfügt.

Transportabel muss es sein …

Ich traf Ritchie Kotzen das erste Mal 2005 am Flughafen, wo wir beide unsere Instrumente am Sperrgepäck-Schalter auf dem Weg zum Busan Festival in Südkorea eincheckten, um dort am nächsten Tag jeweils eine Show zu spielen. Schon damals jammerten wir uns gegenseitig die Ohren voll, wie problematisch es teilweise ist, mit denen vom Promoter gemieteten und zuweile komplett runtergerockten Verstärkern vor Ort einen passablen Sound zu kreieren. Gut klingende Amps der Lunchbox Klasse oder gar elektrotechnische Ausnahmeerscheinungen wie der Kemper-Amp lagen noch in weiter Ferne.

Anscheinend hat sich ein weltweit erfolgreich tourender Musiker wie Ritchie Kotzen bis heute den praktischen Aspekt in Sachen transportabler Sound auf die Fahne geschrieben, kann sein Signature-Modell doch im Notfall dank der Abmessungen 342 mm x 185 mm x 185 mm und einem Gewicht von knapp acht Kilogramm auch in einem ganz normalen Koffer transportiert werden. Da sich der Transport der kompletten persönlichen Backline rund um den Globus nur noch für Acts der Stadionliga lohnt, braucht man vor Ort „nur“ ein paar passende Cabinets zu finden und schon ist man, ohne zu große Abstriche tätigen zu müssen, sehr nah an seinem persönlichen Sound. Die transportfreundliche Lösung des Verstärkers wird noch zusätzlich von einem mitgelieferten Softbag unterstützt, in dem nicht nur der Amp, sondern aufgrund von zwei innen- und zwei außenliegenden Taschen auch die beiden mitgelieferten Fußschalter sowie Kleinkram, wie Plektren oder Saiten, transportieren kann.

Victory RK50H - Seitenansicht

— Victory RK50H —

Der Aufbau des Victory RK50H

Zuerst galt es, nach Auspacken des Amps die Fenster zu öffnen und die Hände zu waschen. Der Kunststoffgriff des Verstärker müffelte leider auch noch nach zwei Tagen dermaßen stark nach Lösungsmitteln, dass man für den Transport nur das Gehäuse anfassen konnte. Bei einem Amp jenseits der 1.100,- Euro Marke eigentlich ein Unding!

Victory RK50H - Tragegriff

— Müffelte leider stark nach Lösungsmitteln – Victory RK50H Tragegriff —

Würde sich noch ein wenig Orange auf dem Gehäuse des Victory RK50H ausmachen lassen, so könnte man aufgrund des in jungfräulichem Weiß gehaltenen Gehäuses fast glauben, man hätte einen Orange Verstärker der Tiny Terror Kategorie vor sich stehen. Sechs übergroße Regler auf der Frontseite lassen sehr schnell erkennen, dass es sich um einen einkanaligen Amp handelt, was der präferierten Spielweise von Herrn Kotzen geschuldet ist. Anstatt durch eine Kanalwahl den Verzerrungsgrad zu ändern, arbeitet RK sehr viel mit dem Volume-Poti der Gitarre, was eine sehr große Interaktion mit dem Amp gewährleistet. Zudem basiert sein Gitarrenmodell auf einer Telecaster und er schlägt die Saiten mit den Fingern anstatt mit einem Plektron an.

Neben den Standards wie Gain und Master sucht der geneigte User die übliche Dreiband-Klangregelung vergeblich, lediglich ein Tone-Regler erlaubt die Rücknahme des Höhenbereichs. Bei einer Tele ist dies durchaus eine sinnvolle Einrichtung, inwieweit jedoch der Normalbürger von dieser Reduzierung profitiert, wird sich im Praxistest noch zeigen. Weiter rechts befindet sich eine fest verbaute Tremoloeinheit, welche in Geschwindigkeit und Intensität regelbar ist. Rechts außen schließlich befindet sich der Stand-by-Schalter, der je nach Schaltrichtung zwischen 50 Watt (High) und 9 Watt (Low) wählt.

Rückseitig verfügt der Verstärker über insgesamt drei Lautsprecherausgänge, welche sich in 1×16 Ohm und 2×16 Ohm bzw. 1×8 Ohm aufsplittet. Wer 2×8 Ohm benötigt, muss sich eine spezielle, serielle Schaltung basteln oder nach Cabinet-Mergern von Drittanbietern Ausschau halten. Als kleine Besonderheit hat der Victory RK50H einen Damping-Schalter im Programm, der die Auslenkung des Lautsprechers eher offen bzw. komprimiert gestaltet.

Victory RK50H - Rückseite

— Victory RK50H – Rückseite —

Da der Verstärker ebenfalls über 6L6 Endröhren betrieben werden kann, liegen des Weiteren drei Messpunkte plus Stellschraube an, bei der die Spannungswerte entsprechend angepasst werden können. Abschließend finden wir noch einen seriellen Effektweg, den manuellen Boost-Schalter und zwei Fußschaltereingänge, mit den denen die Funktionen Reverb, Tremolo und Boost aktiviert werden können. Ach ja, der Netzschalter nebst Feinsicherung, Kaltgerätestecker und Spannungswahl ist hier ebenfalls zu finden.

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