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Test: Walrus Audio Melee Wall of Sound, Effektpedal

The Final Wall of Sound

28. Februar 2023

Test: Walrus Audio Melee Wall of Sound, Effektpedal

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Walrus Audio ist ein Stück weit jedermanns liebste Pedalschmiede geworden. Die Pedale schaffen es, eine interessante Nische zu besetzen: Sie sind fast Boutique – zumindest vom Look und vom „Feel“ her, sprengen aber nicht den Rahmen. Sie sind oft einfach zu bedienen, sehen hervorragend aus auf dem Board und – das ist das Wichtigste – sie klingen. Das ACS1 klingt meines Erachtens besser als das Strymon Iridium – und das will was heißen. Sie haben mit dem Lore ein einfaches, aber höchst wirkungsvolles Ambient-Pedal geschaffen, mit dem Mira ein High-End-Kompressor-Pedal erster Güte auf den Markt gebracht und eins der variabelsten Fuzz-Pedale überhaupt mit dem Eos präsentiert. Kurzum: Die letzten Jahre waren für Walrus Audio ereignisreich und spannend – da ist die Frage durchaus berechtigt: Was soll da jetzt noch kommen?

Walrus Audio Melee

Walrus Audio Melee

Kundenbewertung:
(4)

Enter the Melee – eine pinke Stompbox mit Joystick. Eigentlich heißt es: Das Melee Wall of Sound, und das ist es, worum es hier geht – eine Soundwand sondergleichen zu erschaffen. Ganz konkret handelt es sich um eine Kombination aus High-Gain-Distortion und Reverb – und die schauen wir uns jetzt genauer an.

Walrus Audio Melee – Distortion- & Reverb-Pedal

Das Walrus Audio Melee Wall of Sound kommt ganz klar in der Tradition der restlichen Walrus Audio Pedale – und sieht einfach schnieke aus. Das Pedal ist, und das sollte man sich hier vor Augen führen, kein klassisches Verzerrer-Pedal – es ist ein Noise-Generator. Es ist nicht gebaut, um deinen Riffs Kontur zu geben, sondern um zu noisen. Es ist für die Shoegaze-/Post-Punk-Pose gebaut: knieend vorm Board, fuchtelnd, drehend – und am Wände errichten.

Test: Walrus Audio Melee Wall of Sound, Effektpedal

Das sind die Fakten: Distortion und Reverb – und die Signalkette zwischen beiden geswitcht werden. Wer jetzt denkt: Wozu sollte man Distortion hinter Reverb schalten, dem kann ich nur raten, es mal zu versuchen – lässt den Distortion-Sound um ein Vielfaches anschwellen. Darüber hinaus besitzt der Walrus Audio drei Reverb-Modi: Ambient, Octave oder Reverse. Kommen wir auf diese drei Reverb-Modi mal zu sprechen:

  • Ambient Reverb (pinke LED): riesiger Hall, der massive Sounds erzeugt und die Akkorde in einen schäumenden Klangteppich hüllt. Wer seine Melodien im Raum stehen lassen will oder wabernde Shoegaze-Melancholie sucht – hier bist du Zuhause.
  • Octave Down Reverb (gelbe LED): Ähnlich wie im Dark-Modus des Slö schwebt eine unheimliche untere Oktave in der Hallfahne. Absolut erfreulich – die Welt braucht weniger Shimmer-Reverbs, sondern mehr dunkle Oktaven!
  • Reverse Reverb mit Feedback (blaue LED): Hier kannst du dem Signal eine umgekehrte Hallfahne hinzufügen, um sanfte Melodien zu erzeugen oder die Rückkopplung zu übersteuern.

Das ist schon mal ordentlich. Diese drei Modi könnt ihr answitchen durch das gleichzeitige Drücken von Bypass und Sustain. Hinzu kommt jetzt eine Reihe von Features, die ein verblüffend cleveres Gesamtbild ergeben.

Test: Walrus Audio Melee Wall of Sound, Effektpedal

Zwei 3-Wege-Schalter für Tone und Decay – das heißt: Ihr könnt die Klangfarbe eurer Distortion zusätzlich einstellen sowie die Länge der Hallfahne. Das ist eine Menge wert und bringt noch mal zusätzliche Variation in das Ganze. Doch worüber ich mich fast am meisten gefreut habe: den Momentary-Switch fürs Ramping. Man hält den Sustain-Schalter gedrückt, um die Hallfahne ansteigen zu lassen und sobald man loslässt, fällt die Fahne wieder auf den eingestellten Decay-Wert zurück. Der Sustain-Schalter kann auch in allen drei Programmen genutzt werden, was ihm zusätzlich die Möglichkeit gibt, eingefrorene, Pad-ähnliche Sounds zu erzeugen.

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Walrus Audio Melee Wall of Sound – der Joystick

Kommen wir zum Hingucker des Pedals – dem Joystick. Im Grunde genommen handelt es sich hier um mehr als ein Gimmick, sondern um ein intuitives „Interface“, mit dem man zwischen Reverb- und Distortion hin und her pendeln kann – und zwar ganz konkret in den Anteilen. Das heißt: Zwischen links und rechts lässt sich das Wet/Dry-Verhältnis des Reverbs einstellen – und ja, full wet ist drin – Gottseidank. Hoch und runter stellt den Anteil der Verzerrung ein, wobei ganz oben für die volle Verzerrung steht. Einfaches Konzept – das in der Praxis jedoch unheimlichen Spaß macht, lässt sich gar nicht anders sagen. Mit dem Momentary-Switch einen Pad-ähnlichen Sound einstellen, um diesen im nächsten Moment zwischen Himmel und Hölle pendeln zu lassen – wer an sowas Freude hat, für den ist das Melee eine kleine Offenbarung. Wollen wir also gar nicht länger rummachen, sondern uns ganz konkret der Frage widmen: Funktioniert das Melee Wall of Sound in der Praxis?

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So klingt das Walrus Audio Melee in der Praxis

Gleich vorweg – ich bin ein Noise-Connaisseur und deshalb vielleicht nicht ganz so objektiv bei diesem Thema, sondern durchaus enthusiastisch. Der JMT UNVO-1 und das Industrialectric 4046-M gehören zu meinen liebsten Büchsen – und die Frage, wie sich aus Distortion und Reverb Wall of Sounds einstellen lassen, beschäftigt mich  seit jeher. Doch ein einheitliches Gehäuse, das das Thema „Wall of Sound“ wirklich beim Namen nimmt und eine intuitive Bedienung erlaubt, gab es noch nicht. Ich experimentierte mit ZVex Fuzz-Pedalen und Boss-Reverbs, schickte Teisco Distortion durch das Mercury7 – dabei kamen durchaus starke Momente bei rum, aber das waren eher Unfälle. Einstellbare „Wall of Sounds“ sind in der Praxis schwer zu realisieren.

Bis jetzt. Holla die Waldfee – das Melee macht einen Spaß. Zunächst erstmal Distortion -> Reverb. Der Reverb ist selbstredend mit seinem digitalen Charakter Shoegaze pur – aber manchmal muss man sich von einem Pedal ein bisschen anleiten lassen und schauen, was man intuitiv rausholt. Das Melee ist – bei aller Farbenpracht – meiner Meinung nach für Doom, Sludge und Ambient Drone oder eben Post Metal ein formidables Pedal. Die Distortion ist dreckig, fuzzy und trotzdem wunderbar akzentuiert und kann für sich stehen. Als Spieler in diesen Bereichen kann ich das Melee wärmstens an Herz legen: Eine einfachere und kompaktere Lösung für die viel beschworene Wall of Sound gibt es glaube ich nicht.

Dann Reverb -> Distortion – eine wundervolle Wall of Sound-Option. Es gibt viele Wege, diese Klangwand hervorzubringen, aber nichts funktioniert meines Erachtens so gut, wie einen Hall mit ordentlich Decay in die Verzerrung zu füttern. Raus kommt eine erhabene und wolkige Soundkulisse. Beim zweiten Beispiel D-R-1 handelt es sich jedoch wieder um Distortion in Reverb, um das Wall of Sound-Prinzip mit voranschreitender Decay-Länge in der Konstellation zu demonstrieren. Wie man es dreht und wendet, der Melee will ausprobiert werden.

An dieser Stelle versuchen wir die unterschiedlichen Reverb-Typen an ihre Grenzen zu bringen: Der Dark Reverb im Speziellen hat es mir zugegebenermaßen angetan. Einmal lassen wir beim Reverse-Reverb den Reverb in den Distortion laufen und einmal umgekehrt – die Ergebnisse sind gleichermaßen aufregend und inspirierend. Zwar lässt sich der Decay der Reverse-Hallfahne nicht wirklich einstellen, aber durch die verlängerten oder abgekürzten Delay-Zeiten lässt sich der Reverse-Reverb auf das eigene Spiel ausreichend anpassen.

Das Feature, das wahrscheinlich am meisten Spaß macht am Melee, ist die Freeze/Swell-Funktion, mit dem sich das Sustain in die Länge ziehen lässt und ausführliche Soundscapes gebastelt werden können. In beiden Reverbs agieren wir mit einer kurzen Hallfahne, die wir abwechselnd einfrieren und wieder verziehen lassen – einfach und intuitiv. Meiner bisherigen Erfahrung mit dem Melee nach muss ich sagen, dass das Füttern des Reverbs in die Distortion, kombiniert mit der Freeze-Funktion, großartige Sounds hervorbringt – wahrscheinlich meine Favoriten von all den Sounds, die in der kleinen rosa Box stecken.

Also – bloß nicht täuschen lassen vom farbenfrohen Äußeren. Wenn man will, kann man das Melee auf düstere, schwelende Art entfesseln, dass es sich gewaschen hat.

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Fazit

Wall of Sound in a box – anders lässt sich das Melee nicht einordnen. Für den geneigten Spieler ist es zweifelsohne eine Offenbarung. Die Routing-Optionen, unterschiedlichen Reverb-Typen und die Swell-Funktion machen einfach einen Heidenspaß, sind simpel, aber gut durchdacht. Und der Joystick? Mehr als ein Gimmick, sondern eine intuitive Möglichkeit, um den „golden spot“ für die eigenen Klangeinstellungen zu suchen und zu finden. Hut ab, Walrus Audio – das Teil bleibt wohl auf meinem Board.

Plus

  • Klangvielfalt
  • Routing-Optionen
  • Swell-Funktion
  • intuitive Bedienung

Preis

  • 339,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ollo

    Das liest sich ja mal sehr interessant. Allerdings drängt sich mir ja wie so oft bei Pedalen gleich die Frage auf, wie das Ganze wohl mit Synthesizern oder Drums klingt. 909-Drums oder Acidlines könnten da durchgeschickt bestimmt auch geil klingen.

    Schade, dass das ganze nur mono ist. Wobei Klangbeispiel 13 ja stereo ist, liegt da noch was anderes drauf?

  2. Profilbild
    Micki Meuser

    Vielen Dank für den Bericht. Das klingt interessant.

    Allerdings… ein Joystick auf einem (Fuss)Pedal… Klar, den Part mit dem Hinweis auf die „…Shoegaze-/Post-Punk-Pose gebaut: knieend vorm Board, fuchtelnd, drehend…“ habe ich gelesen, aber wie fragil ist so etwas? Und kann man den Joystick vielleicht doch mit dem Fuß bedienen? Gibt es etwa eine Feder, die den Joystick in die Mittenstellung zurückzieht? Lohnt es sich Ballettstunden zu nehmen? (Sorry Ironie) 🤐

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