Vergleichstest: PreSonus StudioLive vs t.mix 24.12 Digitmischpult

29. August 2019

Welches Digitalpult unter 800,-€ gewinnt den Vergleich?

Digitalpult mit Fadern unter 800 Euro. Zwei Kandidaten treten gegeneinander an: the t.mix 24.12 Digitalpult (links) und PreSonus StudioLive 16.0.2 USB Digitalpult

Digitale Mischpulte gehören mittlerweile zum Beschallungs- und Produktionsalltag dazu. Neben vielen Modellen im mittleren und oberen Preissegment, die fest am Markt etabliert sind, ragen immer auch einige günstige Produkte der Einsteigerklasse heraus. Doch gerade für den Einsteiger ist es mitunter schwierig zu entscheiden, welches Digitalpult für ihn richtig ist. Wir schauen uns zwei heiße Kandidaten unter 800 Euro an und vergleichen: In den Ring treten das PreSonus StudioLive 16.0.2 USB und das the t.mix 24.12 Digitalpult.

Digital-Mischpult: Die Einstiegsklasse

In der Einstiegsklasse gibt es bei den Digitalpulten grob gesprochen zwei Gruppen: Die erste Gruppe verzichtet auf Bedienelemente und setzt stattdessen ein Tablet zur Abbildung der Benutzeroberfläche und Steuerung ein. Eigentlich jeder Hersteller hat mittlerweile ein typisches Tablet-Pult im Programm. Die zweite Klasse setzt auf eigene Bedienelemente. Diese kosten zwangsläufig Geld und somit muss in der Regel kostensparend gearbeitet werden. Dies geschieht häufig durch Verzicht auf Motorfader und speicherbare Gain-Regler, kleinere Displays, Verzicht auf Touch Screen-Bedienung und eine geringere oder überhaupt nicht vorhandene Erweiterbarkeit. Um Entwicklungskosten einzusparen, bedienen sich die Hersteller häufig bei eigenen teureren Produkten und specken diese kräftig ab. Schön  zu beobachten ist das zum Beispiel bei Behringer und PreSonus.

PreSonus – mit dem StudioLive zum Erfolg

Ich erinnere mich noch gut an die Einführung der StudioLive-Serie. Das StudioLive 16.4.2 rühmte sich als erstes Digitalpult einer analogen Oberfläche und sollte daher von Umsteigern sofort und ohne langwierige Einarbeitungszeit einsetzbar sein. Bis dahin waren bei vielen Veranstaltungen vor allem digitale Mischpulte von Yamaha anzutreffen, die aber vielen Tontechnikern aufgrund eines mangelhaften Bedienkonzepts ein Dorn im Auge waren. Für viele Techniker war der Übergang von einem analogen Pult zu beispielsweise einem Yamaha 01V vergleichbar mit dem Soundtüftler, der anstelle eines Jupiter88 nun plötzlich einen DX7 vor der Nase hatte.

Trotzdem waren die digitalen Mischpulte aus dem Hause Yamaha ein voller Erfolg und sie waren weltweit vor und auf der Bühne anzutreffen. PreSonus wollten nun ein digitales Mischpult entwickeln, das die Vorzüge der analogen Welt mit denen der Digitalwelt verbindet. Ein kompletter Channel Strip mit vielen Reglern und Schaltern/Tastern wurde quer über die Pultbreite angelegt und entsprach im Wesentlichen dem, was man in vertikaler Form an einem analogen Mischpult antrifft. Aus der digitalen Welt lieh man sich die Speicherbarkeit der meisten Parameter, Noise Gates, Kompressoren und Limiter in jedem Kanalzug, digitale EQs und Effektprozessoren. Per FireWire wurden zudem alle Kanäle über eine einzige Kabelverbindung und in bester Qualität für das Recording an einen Computer übergeben beziehungsweise konnten auch wieder zurück auf das Pult gespielt werden. Dies ermöglichte nicht nur einfaches Live-Recording und einen virtuellen Soundcheck, sondern auch den Einsatz des Mischpults in einer Studioumgebung. PreSonus gab demzufolge dem neuen Produkt den Namen StudioLive. Ein besonderer Clou jedoch war die iPad App, die es den Nutzern gestattete, das Mischpult bequem von einem iPad aus zu steuern und somit sich bei der Mischung frei im Raum zu bewegen.

Mehr noch: Eine weitere App erlaubte den Musikern Zugriff auf das Digitalpult und das Erstellen eigener Monitormischungen. Aus heutiger Sicht kann man sich kaum noch vorstellen, welches Aufsehen PreSonus mit diesem Konzept in der Branche verursachte. Verzichten musste man im Vergleich zu einem Yamaha 01V auf digitale Schnittstellen wie zum Beispiel ADAT und auf Motorfader. Gerade letzteres war später neben der Unterstützung von Android Tablets und Smart Phones ein lange gehegter Wunsch der StudioLive-Gemeinde. Neben dem Klassiker StudioLive 16.0.4 brachten PreSonus noch den großen Bruder StudioLive 24.4.2 und später den kleineren Ableger StudioLive 16.0.2 heraus. Ein größeres Software Update spendierte den Digitalpulten später noch die Smaart Tools, um auf einfache Art und Weise Messungen durchführen zu können. Das Konzept ging auf und bis zum Markteintritt von Behringer mit der X32-Serie wurden unzählige StudioLive-Pulte verkauft. Doch Behringer hat nicht geschlafen und seine Pulte mit all dem ausgestattet, was den StudioLive-Digitalpulten fehlte: Motorfader, speicherbare Gains, Farbdisplay, Erweiterbarkeit mit digitalen Ein- und Ausgängen und Netzwerktechnik (AES50, Dante per Erweiterungskarte), Android-Apps und mit dem P-16 Monitoring System und dem dazugehörigen Protokoll gleich noch ein dem teuren AVIOM Personal Monitoring System ebenbürtiges System.

Statt dem in der Windows-Welt verhassten FireWire nutzt Behringer die USB2-Schnittstelle und verzichtet für die Fernsteuerung auf einen externen PC oder Mac. Doch vor allem die vielen weiteren Features wie DCA Gruppen, Insert-Effekte, mehr und besser klingende Effektprozessoren, flexiblere EQs und vieles mehr waren es, die selbst hartgesottenen PreSonus-Usern klar machten, dass die Tage des StudioLive gezählt sind. Nachdem trotz lauter Rufe im PreSonus User-Forum auch das StudioLive AI ohne Motorfader und nennenswerte Modernisierungen daherkam und Behringer zudem mit der Firmware 2.0 ein Major Update für die X32 Plattform kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, wanderten immer mehr PreSonus-User zu Behringer ab. Erst mit der StudioLive Series III zieht PreSonus wieder einigermaßen mit Behringer gleich, kann aber angesichts der jüngsten Preispolitik kaum mithalten. Dennoch gibt es bei allem Wettkampf unter den Digitalpulten einen Kandidaten der Classic Serie, der bis heute erhalten geblieben ist und sich großer Beliebtheit erfreut: Das StudioLive 16.0.2 USB.

Special-Zwei-Digitalmixer

Viele Funktionen auf kleinem Raum und trotzdem gut zu bedienen

the t.mix – Thomann Eigenmarke mit dem gewissen Etwas

Die Thomann Eigenmarke the t.mix stellt seit Jahren dem Einsteiger an bekannte Produkte angelehnte Mischpulte zu günstigen Preisen zur Verfügung. Oftmals besitzen die Kopien Features, die das Original nicht besitzt und sind angesichts der günstigen Preise eine gute Alternative. Bei den Digitalpulten sind es die Produkte t.mix 20.12, t.mix DM20 (und DM20R) sowie t.mix 24.12. Letzteres Digitalpult stellt das Flaggschiff der Serie dar. Touch Display, Motorfader, 24 Kanäle, 12 DCA Gruppen, Displays pro Kanal für Kanalbeschriftungen und vieles mehr lassen bei diesem Preis aufhorchen. Ein Expansion Port verspricht zukünftige Erweiterungen wie Digitalschnittstellen.

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Die äußere Erscheinungsbild des the t.mix 24.12 ist prima

Digital-Mischpult mit Fadern unter 800 Euro – zwei Konzepte

Beide Mischpulte kosten ungefähr gleich viel, könnten aber verschiedener nicht sein. Während sich das PreSonus StudioLive 16.0.2 USB recht altbacken gibt, wirkt im Vergleich dazu das the t.mix 24.12 wie ein modernes Digitalpult und von den Features her überlegen. Bei genauerem Hinsehen merkt man jedoch, dass jedes Pult für sich genommen Features bietet, die das jeweilige andere Pult nicht hat. Das fängt bei den Bedienkonzepten an und hört bei der Schnittstellenausstattung auf. Es macht deshalb keinen Sinn, die beiden Pulte Feature für Feature gegenüber zu stellen, denn dann würde den ungleichen Kampf schon alleine aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Features sofort das the t.mix 24.12 für sich entscheiden. Es soll in diesem Vergleich eher darum gehen, die Stärken beider Produkte aufzuzeigen und zu klären, für wen welches Digitalpult geeignet ist.

PreSonus StudioLive 16.0.2 USB – ein modernisierter Mischpult-Klassiker

Beginnen wir mit dem StudioLive 16.0.2 USB. Eingangs wurde bereits erwähnt, dass das StudioLive 16.0.2 USB auf der Classic-Serie, also auf dem Ur-StudioLive basiert. Das Pult wurde zunächst schlicht unter dem Namen StudioLive 16.0.2 verkauft. Der Namenszusatz „USB“ deutet schon an, welches Upgrade das Pult später erfahren hat. Mit der Aktualisierung der StudioLive-Serie wurde die FireWire-Schnittstelle durch eine USB2-Schnittstelle ersetzt. Die übrigen Features sind geblieben. Diese Modernisierung war dringend notwendig, denn kaum noch ein Rechner besitzt FireWire. Zudem war die FireWire-Schnittstelle der StudioLive-Pulte stets recht zickig, wenn andere Chip-Sätze als der empfohlene von Texas Instruments genutzt wurden. Aktualisiert wurde zudem die Software aktualisiert. Statt der alten Universal Control-Software unterstützt das Digitalpult nun UC Surface und QMix-UC. Beide stehen für MacOS, Windows, iOS und Android zur Verfügung. Einer der großen Kritikpunkte der Classic-Serie ist damit ausgemerzt.

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Das PreSonus StudioLive 16.0.2 USB nimmt nicht so viel Platz auf dem Tisch weg wie das the t.mix 24.12. Ein kleiner Computer hat noch bequem Platz auf dem Regal.

Ansonsten können sich die technischen Daten sehen lassen: 12 Class A XMAX Mikrofonvorverstärker, 16 Line Eingänge, 4 Aux-Wege, hochauflösende Wandler mit 118 dB Dynamik und 24 Bit/48 kHz, 32 Bit-Fließkomma-Bearbeitung für Mixing und Effekte und unbegrenzter Aussteuerungsreserve, 18×16 USB2 Audio-Interface, 2 Effektprozessoren mit Hall und Delay, Fat Channel mit Hochpassfilter, Kompressor, Limiter, Downward Expander, semiparametrischer 3-Band-EQ, Panning, Phantomspeisung, Phasenumkehr, Presets, Szenenspeicher, Effektspeicher, 60 mm Fader für Kanäle, Aux-Sends und Master, LED-Aussteuerungsanzeigen pro Kanal, Locate-Funktion für Fader, MIDI-Steuerung für Szenen-Speicher, Effekte, Lautstärke-Regelung von Master und FX-Return. Gerade mit dem letzten Feature stand das StudioLive 16.0.2 innerhalb der Classic-Serie allein da, denn kein anderes Digitalpult hatte einen MIDI-Anschluss für die Fernsteuerung des Pults. Ein weiteres Feature des Digitalpults ist der regelbare Mono-Ausgang – perfekt, um einen Subwoofer anzusteuern oder einen Mono-Mix für die Nebenraum-Beschallung auszuspielen. Zusätzlich zu den symmetrischen XLR-Ausgängen des Masters und des Mono-Ausgangs stehen symmetrische TRS-Buchsen parallel zum Main L/R-Ausgang zur Verfügung sowie zwei weitere symmetrische TRS-Buchsen für den regelbaren Monitor-Ausgang.

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Die Rückseite präsentiert sich übersichtlich. Highlight ist die MIDI-Schnittstelle, die auch ein Fernsteuern einiger Funktionen erlaubt. Per USB2 werden alle Kanäle bidirektional an einen Computer übertragen.

Schaut man sich die Oberfläche des Mischpults an, fallen sofort die vielen LED-Ketten und die jeweils darunter liegenden Encoder und Schalter auf. Hier liegt die Geheimwaffe des StudioLive 16.0.2, nämlich der querliegende Fat Channel, der einen analogen Signalpfad abzubilden versucht inklusive der typischen Insert-Effekte wie Noise Gate, Kompressor/Limiter, Expander. Alles ist beschriftet, leuchtet schön und ist sofort und ohne Blick in die Bedienungsanleitung verständlich. Wer jemals ein analoges Mischpult und Outboard Equipment wie Kompressor/Limiter/Noise Gate bedient hat, findet sich sofort zurecht. Es gibt für jede Funktion eine Taste, einen Encoder, einen Fader, einen Regler. Dies ermöglicht einen Workflow, der so an kaum einem Digitalpult mit (Touch-)Display Steuerung erreicht wird. Der Signalfluss ist sofort ersichtlich und entspricht immer Gain – Phasenumkehr – Hochpass – Noise Gate – Kompressor – EQ – Limiter – Fader. Einfacher geht es nicht.

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Der quer liegende „Fat Channel“ mit High Pass Filter, Gate, Kompressor, Limiter und 3-Band EQ. Jede Funktion verfügt über einen eigenen Button, einen Encoder sowie eine LED-Kette.

Der EQ ist ein semiparametrischer EQ, das bedeutet, dass sich für jedes Band die Einsatzfrequenz und der Gain einstellen lässt. Für das Mittenband lässt sich die Breite der Bearbeitung durch die HiQ-Taste beeinflussen, Tiefen- und Höhenband arbeiten wahlweise als Shelving-Filter (Kuhschwanz-Filter).

Da das Digitalpult über ein 18×16 Audio-Interface verfügt, können alle Kanäle einzeln per USB2 auf einem Computer aufgenommen werden. Pro Kanal ist dabei festzulegen, ob der Abgriff für die Aufnahme direkt nach dem Gain-Regler oder nach dem Fat Channel mit all seinen Bearbeitungen geschehen soll. Es kann also wahlweise das bearbeitete oder unbearbeitete Signal aufgezeichnet werden. Zwei Effektprozessoren arbeiten gleichzeitig und bieten Effekte von Hall bis Delay. Diese können in einigen Parametern editiert werden.

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Send-Pegel für FX A, FX B und Aux 1 bis 4 lassen sich bequem per Encoder pro Kanal einstellen. Das geht schnell und ist auch für Einsteiger sofort verständlich.

Wie es sich für ein Digitalpult gehört, sind die meisten Einstellungen des Pults speicherbar. Es gibt Szenen, die alle Einstellungen enthalten, Presets-Speicher für den Fat Channel und für die Effekte. Gut gelöst ist, dass die Einstellungen eines Kanals nicht nur gespeichert werden können, sondern auch das Kopieren auf einen anderen Kanal möglich ist. Es stehen 50 Presets zur Verfügung, die bereits gängige Einstellungen enthalten. Die Speicherplätze 51 bis 99 können frei belegt werden. Beim Speichern und Laden von Szenen ist zu beachten, dass die Stellung der Gain-Regler nicht gespeichert wird. Des Weiteren besitzt das Mischpult keine Motor-Fader. Per Locate-Funktion ist es möglich, die Fader auf den gespeicherten Wert zu stellen. Dazu wird mit den LED-Ketten in jedem Kanalzug der gespeicherte Wert angezeigt. Ist Locate aktiviert, kann jeder Fader auf die passende Position gebracht werden, ohne dass es zu hörbaren Lautstärkesprüngen kommt. Ist die richtige Position erreicht, signalisiert das Pult das. Dieser Kompromiss ist für Live-Zwecke weniger geeignet, da es einfach etwas dauert, alle Fader zu positionieren. Für das Studio funktioniert dies ganz gut, um einen Mix, der zuvor eingestellt wurde, wieder herzustellen.

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Das Display ist zwar klein, bietet keine Touch-Funktionalität und ist nicht grafikfähig, dafür aber sehr gut ablesbar. Hier spiegelt nichts.

USB-Tricks mit dem StudioLive 16.0.2

Das StudioLive 16.0.2 USB ermöglicht es pro Kanal festzulegen, ob das Signal am analogen Eingang oder der USB-Rückweg als Signalquelle verwendet werden soll. Dies ermöglicht es nicht nur im Studio, einen Mix auf dem Pult zu erstellen, sondern auch im Live-Betrieb einen virtuellen Soundcheck mit einer Aufnahme vom letzten Gig durchzuführen und so schon einmal zum Beispiel EQs grob einzustellen. Und noch ein weiterer Trick ermöglicht es, das Pult um Features zu erweitern, die es selbst nicht besitzt: Externe Plug-ins. Nutzt  man eine Software, die es ermöglicht, Plug-ins Live zu nutzen (z. B. Waves MultiRack), können alle Eingangskanäle im Live-Betrieb an den Rechner geschickt, dort mit Effekten versehen und dann wieder ins Pult zurück geschickt werden – bei minimaler Latenz. Dies funktioniert auch mit der kostenlos mitgelieferten Software StudioOne und den darin enthaltenen Effekten. So lässt sich der Fat Channel des Digitalpults gehörig „aufpumpen“. Möchte man seine lieb gewonnenen Studio Plug-ins auch Live einsetzen, ist dies ein toller Weg. Da die meisten Computer ohnehin leistungsfähig genug dafür sind, entfällt ein teurer Plug-in Server.

Fernsteuerung Deluxe

Schon die alte iOS App zur Fernsteuerung der Classic StudioLive Mischpulte war ihrer Zeit weit voraus und ließ sich sehr gut auf dem iPad bedienen. Mit der neuen UC Surface Software ist die Bedienung des Pultes von einem iPad aus noch einmal einfacher geworden. Per QMix-UC ist es leicht, per Smart Phone einen eigenen Monitormix zu erstellen. Und möchte man den Gig kurzerhand mitschneiden, gelingt dies mit der kostenlosen Capture Software. Für den Mix wird das aufgezeichnete Capture-Projekt dann kurzerhand in Studio One übertragen. Ohnehin sind die PreSonus Hardware-Produkte optimal in Studio One integriert.

StudioLive 16.0.2 Digital-Mischpult – für wen?

Bevor wir uns dem the t.mix 24.12 zuwenden, schon einmal ein Zwischenfazit. Für wen ist das StudioLive 16.0.2 das richtige Pult? Antwort: Für alle, die von einem analogen Pult kommen oder den analogen Workflow vorziehen. Außerdem für all diejenigen, die gleichermaßen auf der Bühne wie im Studio arbeiten, denn das StudioLive 16.0.2 fühlt sich in beiden Welten gleichermaßen wohl und gibt mit all seinen Features ein tolles Studiopult ab. Die bewährten Class A XMAX Preamps stehen seit vielen Jahren für druckvolle und glasklare Ergebnisse.

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Alles übersichtlich und im Direktzugriff: Der größte Vorteil der StudioLive-Serie

the t.mix 24.12 Digital-Mischpult

Der Name verrät schon einiges über das Digitalpult. Das the t.mix 24.12 kommt mit 24 Eingangskanälen daher, alles auf kleinstem Raum. 24 analoge Gains, Acht Aux-Wege, 12 DCA Gruppen und zwei Main Outs runden das Bild ab. 12 + 1 Motorfader mit einer Länge von 60 Millimeter stehen zur Verfügung (12 für Kanäle/DCA/Auxwege, ein Fader für den Main Out). Zwei interne Effektprozessoren, 4-Band parametrischer EQ pro Kanal mit zusätzlich vielfältig konfigurierbaren Hoch- und Tiefpassfiltern, außerdem Kompressor und Noise Gate. Eine RTA-Funktion existiert ebenso wie Automix, um automatisch Kanäle, die nicht benutzt werden, in der Lautstärke abzusenken. Ein entweder den Main-Outs oder einem Aux-Weg zuweisbarer Graphic EQ ist ebenfalls enthalten.

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Durch das angeschrägte Bedienpanel lässt sich das Gerät auch ohne „krummen Rücken“ bedienen

Die Wandler des Pults arbeiten mit 24 Bit, 48 Kilohertz. Intern wird mit 32 Bit Fließkomma gerechnet. Die Dynamik beträgt 114 Dezibel. Der Geräuschspannungsabstand wird mit 111 Dezibel angegeben, der Klirrfaktor mit <0.01 Prozent (bei 1 Kilohertz). Der Frequenzgang beträgt laut Bedienungsanleitung 22 Hz bis 22 kHz (Toleranz ±1.5 dB). Die 48 Volt Phantomspeisung ist kanalweise schaltbar und hat eine Toleranz von ±3 Volt.

Bedient wird das alles über einen 7 Zoll Touch Screen, kleine LCD-Screens in den Kanalzügen verraten, was dort gerade anliegt. Das klingt alles zunächst einmal super, wer genau aufgepasst hat, bemerkt jedoch auch gleich wesentliche Minuspunkte: Die Bedienung des Digitalpults findet fast ausschließlich über den Touch Screen statt, da es abseits der Gain-Regler und Fader kaum Regler gibt. Um den Screen herum sind zwar reichlich Taster angeordnet, aber nur ein Encoder zur Werteeingabe und ein weiterer für das Panorama. Die Position der 24 analogen Gain-Regler ist nicht speicherbar.

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Die nicht speicherbaren Gain-Regler sind beleuchtet. Das Display spiegelt stark.

Um 24 Kanäle plus 12 DCA-Gruppen auf so geringem Raum unterzubringen, sind diese auf mehrere Layer verteilt (Eingänge 1-12 und 13-24, DCA 1-12, Sends on Fader für Aux 1-8, FX 1, FX 2). Zwei LED-Ketten über dem Master-Fader zeigen den Pegel an. Wie schon das PreSonus StudioLive 16.0.2 lässt sich auch das the t.mix 24.12 fernsteuern. Dies geschieht wahlweise über USB oder Ethernet. Ein weiterer USB-Anschluss steht für die Audioaufnahme auf einem PC/Mac zur Verfügung. Dieser gibt das Stereo-Signal des Main-Busses aus.

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Der GEQ des the t.mix 24.12 – erneut sieht man das starke Spiegeln des Displays

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Der „Channel Strip“ des the t.mix 24.12 im Überblick. Von hier aus kann per Touch Display schnell auf die einzelnen Sektionen zugegriffen werden.

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Der PEQ-Screen des the t.mix 24.12. Egal wie man es dreht und wendet – die Spiegelungen bleiben auch innerhalb von Räumlichkeiten immer gut sichtbar. Im Freien dürfte sich der Effekt noch verstärken.

Ein Erweiterungsslot ist derzeit unbenutzt und wird von Thomann auch in der Bedienungsanleitung nicht erwähnt, lässt sich aber in Zukunft für das Nachrüsten von jetzt noch fehlenden Digitalschnittstellen nutzen. Thomann spricht von einem nicht näher bezeichneten Digitalmodul. Es existiert auch ein eigener Taster für das Routing zu und von diesem Modul, der nur dann aktiv ist, wenn dieses eingebaut ist. Es ist also zu erwarten, dass hier in Zukunft etwas angeboten wird. In China wird von Seikahu für das baugleiche Digitalpult DM 24.8 eine Dante-Karte angeboten. Es ist zu vermuten, dass diese auch bald in Deutschland erhältlich sein wird, sobald die erforderlichen Lizenzen eingeholt wurden.

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Die Rückseite des the t.mix 24.12: Derzeit wird von Thomann noch keine Karte für den Erweiterungsschacht angeboten.

Fernsteuerung

Das Thomann-Manual erwähnt Software für iPad, aber nicht explizit für PC/Mac. Da es eine passende Schnittstelle auf der Pultrückseite gibt, darf eine solche allerdings für die Zukunft erwartet werden. Die iPad App wirkt stellenweise etwas überfrachtet, angesichts der vielen Funktionen, die das Digitalpult bietet. Durch das größere iPad Display lassen sich aber viele Funktionen erst vernünftig bedienen.

the t.mix 24.12 Digital-Mischpult – für wen?

Das the t.mix 24.12 bietet eine Fülle an Features, die man bei dem Preis nicht erwarten würde. Dazu gehören vor allem der parametrische Vierband-EQ, Motorfader, DCAs und das Touch Display. Was das the t.mix 24.12 dennoch von „großen“ Digitalpulten unterscheidet, ist die fehlende Speicherbarkeit der Gain-Regler und das Fehlen von Encodern für die schnelle Bedienung der einzelnen Mischpultsektionen. Im Prinzip muss bis auf die Fader-Positionen, PAN, DCAs und Send-Pegel fast alles über das 7 Zoll Touch Display eingestellt werden. Dass 7 Zoll nicht gerade groß sind, merkt man spätestens dann und wünscht sich sofort den einen oder anderen Encoder herbei. Der Vorteil der Motorfader relativiert sich sofort wieder durch das Fehlen der speicherbaren Gains, denn im Prinzip werden diese nur notwendig, weil aufgrund des geringen zur Verfügung stehenden Platzes sonst keine 24 Kanäle plus 12 DCA-Gruppen hätten realisiert werden können. Schwer wiegt zum jetzigen Zeitpunkt noch, dass nicht alle Kanäle per USB aufgezeichnet werden können. Das beschränkt das Einsatzgebiet des the t.mix 24.12 derzeit auf den Live-Betrieb. Wann Thomann durch eine Erweiterungskarte die Möglichkeit der digitalen Aufnahme auf einem Computer oder gar die Anbindung von digitalen Stageboxen etc. möglich macht, ist derzeit noch nicht absehbar.

the t.mix 24.12 vs PreSonus StudioLive 16.0.2

Das the t.mix 24.12 besitzt einen deutlichen Vorsprung hinsichtlich der Kanalzahl, der Vielzahl an Funktionen und der eventuellen zukünftigen Erweiterbarkeit. Was es trotz Motorfader nicht bietet, ist das exzellente Bedienkonzept des StudioLive 16.0.2 und die tolle Einbindung in ein Studio Setup. Auch MIDI ist nicht mit an Bord und die Preamps können den bewährten diskreten XMAX Preamps von PreSonus nicht das Wasser reichen. Was im Live-Betrieb noch nicht so sehr ins Gewicht fällt, ist für den Studiobetrieb umso wichtiger. Insofern wird nur das StudioLive seinem Namen wirklich gerecht. Die fehlende Möglichkeit, alle Eingangskanäle per USB2-Stream aufzuzeichnen, nimmt dem Besitzer des the t.mix 24.12 Digitalpults die Möglichkeit des Live-Recordings oder des virtuellen Soundchecks. Während beim StudioLive die Tablet- oder PC/Mac-Fernsteuerung optional ist, wirkt sie durch die fehlenden Bedienelemente des the t.mix 24.12 bei diesem schon fast als ein Muss. Das 7 Zoll Touch Display ist teils überfrachtet mit Bedienelementen und nicht immer gut zu bedienen. Manchmal fühle ich mich in die Anfangstage der digitalen Mischpulte zurückversetzt. Nicht alle Bedienschritte erschließen sich sofort beziehungsweise benötigen diese mehr Aktionen als bei der teureren Konkurrenz. Und noch einige weitere Details zeigen, dass man im Falle des the t.mix 24.12 für 800 Euro nicht die Qualität der nächsthöheren Preisklasse erreichen kann: Die Motorfader des the t.mix 24.12 laufen nicht wieder auf die exakte gespeicherte Position zurück, sondern bleiben jeweils etwas darüber oder darunter. Die Vorverstärker spielen befriedigend, haben aber recht wenig Gain. Das kann mancher kleine analoge Mischer besser. Mein Beyerdynamic DT770 Pro mit 250 Ohm ist am StudioLive 16.0.2 USB ohne Probleme zu betreiben, am the t.mix 24.12 hingegen nicht. Hier fehlt Leistung und es zerrt, da der Kopfhörerverstärker einfach nicht für 250 Ohm geeignet ist. Und das letzte, sehr störende Detail: Die Verbindung mit einem Laptop per USB zur Stereoaufnahme oder Zuspielung von Musik ist zwar möglich, aber von gut vernehmbaren Störgeräuschen (hohes Sirren) geprägt. Das the t.mix 24.12 bietet im Vergleich zum StudioLive 16.0.2 USB in allen Bereichen mehr Features und mehr Parameter, benötigt dafür aber auch eine längere Einarbeitungszeit und bietet mehr Raum für Fehlbedienungen. Die Effekte lassen sich flexibler einsetzen, da die Parametrisierung besser gelungen ist als beim StudioLive. Bei beiden Digitalpulten sind die Effekte nach heutigen Maßstäben jedoch nur Durchschnitt. Für die Audiobeispiele habe ich einen Drumloop aus Ableton Live per USB in die Digitalpulte geschickt und „live“ mit den Algorithmen und Parametern gespielt. Beim StudioLive beschränkte sich das vorwiegend auf das Aufrufen der Presets, während beim the t.mix 24.12 auch einige Parameterfahrten zu hören sind.

Alternative: Behringer X32 Producer Digital-Mischpult

Wer auf mehr als 12 Mikrofonkanäle angewiesen ist, kann sich noch eine weitere, nur unwesentlich teurere Alternative anschauen: Das Behringer X32 Producer Digitalpult bietet bis auf die Scribble Strips alle Funktionen des X32, hat 16 Mikrofoneingänge plus sechs TRS Line-Eingänge, Motorfader, speicherbare Gains, ist erweiterbar, besitzt mit AES50 und UltraNet digitale Schnittstellen, ebenfalls USB2 und kostet derzeit 1069 Euro. Ein umfangreiches Erweiterungsangebot durch Karten von Dante bis Multitrack-Recording auf SD-Karten oder durch digitale Stageboxen oder das ausgeklügelte Zubehör für die Ultranet-Schnittstelle steht jederzeit bereit. Andere Alternativen mit Fadern gibt es ansonsten leider nur zum doppelten Preis. Qualitativ und funktional ist das Behringer X32 Producer dem the t.mix 24.12 weit überlegen und damit auch  mein Geheimtipp für all diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Thema Digitalpult auseinander setzen möchten, aber nur über ein geringes Budget verfügen.

behringer-x32

Fazit

Unterm Strich wird das PreSonus StudioLive 16.0.2 USB seinem Ruf als „analoges“ Digitalpult für Bühne und Studio gerecht. Es ist nicht mit Features überfrachtet, sondern alles ist gut überlegt. Es eignet sich vor allem für diejenigen, die bisher gut mit analogen Pulten gefahren sind, sich aber etwas den Komfort eines digitalen Mischpults wünschen. Interessenten, die ein gutes Pult für das Heimstudio suchen, freuen sich beim StudioLive 16.0.2 USB zudem über das umfangreiche Software-Paket bestehend aus Studio One Artist und der Magic Plug-in Suite mit vielen bekannten und hochwertigen Plug-ins von Drittherstellern. Wer mehr als 12 Mikrofonkanäle und Fader benötigt,  findet außer dem the t.mix 24.12 in der Preisklasse bis 800 Euro keine Alternative. Eine andere Möglichkeit wäre, auf Fader zu verzichten und stattdessen auf die Tablet- oder PC/Mac-Steuerung zu vertrauen. Ist das der Fall, kommen gleich von mehreren Herstellern Alternativen in Betracht: Von X32 Rack über Soundcraft UI24R bis hin zum PreSonus RML16 AI gibt es gleich mehrere heiße Kandidaten unter 800 Euro.

Preis

  • PreSonus StudioLive 16.0.2 USB: 777,- Euro
  • the t.mix 24.12: 798,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Naja, ich wuerde eher ein X32 Producer oder ein gebrauchtes Yamaha pult kaufen (LS9-16 oder 01V96(i) sind mit geduld relativ leicht zu bekommen). So sehr ich das konzept der Presonus pulte damals genial fand, ist es im endeffekt leider so unflexibel wie ein analog pult. Das T.Mix erscheint fuer mich als eine studie wie man ein pult bauen kann wo selbst Yamaha denkt es sei nervig in der bedienung.

  2. Profilbild
    penishead  AHU

    Für 10-15 EUR mehr, wäre doch ein viel besseres Display drin gewesen. Hier darf man einfach nicht am anderen Ende sparen. Ich tippe mal, das zu den Chinesen nur gesagt wurde „hey wir hätten gerne ein 7″ Touch Display drin“, aber dann wurden die Details wohl entweder vergessen, oder es wurde erwähnt und die Chinesen haben halt das eingebaut, was eben im Zugriff war. So ist das eben manchmal, wenn man nicht haargenau mit Fernost alles bespricht.

  3. Profilbild
    SnowPig

    Danke für den interessanten Bericht!

    Habe lange mit dem MOTU Ultralite AVB gearbeitet, aber nun vor kurzem für sehr wenig Geld ein gebrauchtes 16.0.4 (FireWire) gekauft. Bin extrem glücklich mit dem Gerät. Es verbindet für mich die Soft- und Hardwarewelt in meinem Setup sehr angenehm.

  4. Profilbild
    Dandy Dust

    Kurze Frage:
    Ersetzt mir die Verwendung dieser Geräte die externe Soundkarte? Kann ich damit auch im normalen Gebrauch des Computers z.B. gleichzeitig die DAW fahren und daneben, z.b. Youtube sehen & hören?

    Hoffe die Frage ist nicht zu naiv…

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