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Workshop: How To Make Stranger Things Music with Synthesizer

How To Make "Stranger Things" im Selbstversuch

31. August 2022

Nachdem wir uns im letzten Artikel um mobile Techniken und mobiles Arbeiten gekümmert haben, schmeißen wir die Klimaanlage im Studio an, werfen uns in bequeme Arbeitsklamotten und fangen wieder mit Logic Pro an. Im ersten Teil des Artikels geht es noch einmal grundlegend um Wege der Einbindung von Vintage-Gear. Während es im zweiten Teil sich in einem Track Deconstruct darum geht, wie man mittels zeitgenössischem und vintage Gear den Sound im Stile von „Stranger Things“ daheim erzeugen kann. Also stellen wir uns einfach vor, es gibt eine neue Staffel und die soll ein „Theme“ bekommen. Nun wäre eine Cover-Version intellektuell ziemlich flach. Also einfach mal gucken, was wir bei Carpenter, Morricone so gelernt haben.

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Zur Einstimmung für all jene, die STRANGER THINGS nicht kennen, hier das originale Titelthema:

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Soft- und Hardware für die Musik von Stringer Things

Welche Ausstattung wird benötigt?

Was brauchen wir? Unsere Materialliste, aber selbst wenn man von dieser Liste nichts oder wenig hat, kann man immer noch kompensieren und mit vorhandenem Equipment experimentieren.

Instrumente

  • Sequential Prophet Rev2 8/16 Voice
  • Sequential Prophet 3
  • Yamaha Reface CS
  • Roland Juno-106 (ein System 8 geht auch)
  • Roland System 8 mit Jupiter-4 Plug Out
  • EHX Super Space Drum
  • Korg M1
  • einen Kollegen mit einer E Gitarre
  • eine Roland TR 707 (oder ein Sampler-Kit gerne auch für LinnDrum)
  • eine LinnDrum Version 2 (oder das LinnDrum tuned down Kit des Logic Drum.Machine Designers)
  • Ein Yamaha Piano und Streicher, das Steinway und die Streicher aus dem MODX sind passend
  • Moog Model 15, die iOS Apps geht super

Effekte und Gedöns

  • einen typischen Phil Collins Reverb
  • einen typischen NLR mit Chorus aus den 80ern, Roland DEP 5 o. ä.
  • Bandecho und oder Echo für den Ping und Arpeggios
  • Roland SDE-1000 und 2500 als LoFi-Delay 
  • Stereo-Delays, Multitap-Delay gerne Boss SE-50 und SE-70, Boss RPD-100
  • einen klassischen symphonischen Reverb für Piano, Streicher und Orgel, z. B. SPX90/900
  • einen Chorus für tiefe Bässe, Boss RCE-10
  • Space Dimension Chorus, heute Klark Teknik BBD-320
  • einen Clicktrack vom Tape (heute vom NAKAMICHI DRAGON) Tempo 164
  • EHX Clockwork als Clock/Clicktailer, teilt die Clock auf 82
  • ACME 4 oder eine Box die aus Click -> MIDI CLOCK generiert. 
  • USB-Audiointerface mit mindestens zwei FX-Sends und Returns, je mehr, desto besser
  • ein anständiges Mischpult, damit wir bei den Takes und Tracks nicht durchdrehen, z. B. ZED428 als kleine „Inline-Konsole“ eingebunden
  • 2 MOTU 828 an den 16 Post-Direct-Outs des ZED 428

Setup und Vorbereitung

Diesem Teil sollten wir genügend Zeit und Raum geben. Aus zwei Gründen. Je besser und fehlerfreier das Setup, umso einfacher und problemloser die Aufnahme und der anschließende Mixdown. Grund zwei, wir sind gedanklich in den Achtziger Jahren. Alles was hier nicht eingerichtet war, konnte nicht genutzt werden. 

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Ein kleiner Exkurs in den Sound der Achtziger. Große Konsolen mit 24/48/72 Kanälen waren in den Studios Standard. Allerdings je nach Studio waren die Anzahl der Recording-Kanäle beschränkt, es gab damals schon die Möglichkeit, mehrere Reel to Reel via SMPTE zu synchronisieren. Aber um mal die 24 Spur analoge AMPEX ATR-124 zu ziehen, das Preisschild hier war heftig. Und in der digitalen Welt, damals noch Raketenwissenschaft, sah es mit Sony PCM-3324 auch nicht viel anders aus. Durchaus die Regel waren z. B. MCI SONY JH-110C. Im Semi-Pro-Bereich waren 16 Spuren die magische Grenze, berühmter Vertreter Fostex E-16, mit Halbzoll-Band und kabelgebundener Remote-Control. Fun Fact: Damals gab es noch das Berufsbild eines Tape-Operators und Cutters. Tätigkeiten, Band (mit oder ohne Bobby) auflegen, vor- und zurückspulen Timecode genau, Frame genau cutten mit einem Messer und Klebevorrichtung. Erstellen von Loops. Tonkopfreinigung und Bandarchivierung. Dieses Berufsbild fiel relativ früh der Digitalisierung im Studio zum Opfer, für digitale Bänder braucht man keinen Cutter mehr. 

All dies hatte auch Auswirkungen auf den Sound. Mal eben alle Einzelausgänge des Drumcomputers auf die Konsole legen. Nö. 24 Spuren. Den Synth in Stereo abnehmen, weil der es hergibt. Nein. Grundsätzlich wurde anders gerechnet. Beispielsweise so:

  • Spur 0, Clicktrack
  • Spur 1, Bass mono – 1 Track
  • Spur 2, Drums mono – 1 Track
  • Spur 3, Lead Synth – 1 Track Mixdown Stereo mit FX – 2 Track
  • Spur 4/5, Strings – 2 Track
  • Spur 6/7, Percussion –  2 Track
  • Spur 8/9, Pads – 2 Track
  • Spur 10 Vocals – 1 Track
  • Spur 11 Vocals Harmonie 1 – Track
  • Spuren 12 – 15 Overdubs 

In Summe 16 Spuren

Die Mischpulte waren damals in der Regel Inline-Pulte. Das Inline-Konzept trägt vor allem den Anforderungen im Recording-Bereich Rechnung. Jeder Kanalzug ist vertikal in zwei Kanäle geteilt und besitzt neben den Line/Mic-Inputs auch Ein- und Ausgänge für die Spuren des Multitrack-Recorders.

  • Das aufzunehmende Signal kann entweder über den Direktausgang zum zugeordneten Eingang des Recorders oder über die Subgruppen zur Erzeugung eines Zwischenmixes geleitet werden.
  • Die Subgruppen sind wiederum mit den korrespondierenden Track-Sends der Kanäle verbunden. Die Spuren des Recorders können bei laufender Aufnahme über die B-Kanäle abgehört werden, die in diesem Fall als Tape-Monitore dienen.
  • Im Mix werden dann die Eingangssignale mit einem Flip- oder Reverse-Schalter vertauscht und die Tracksignale über die A-Channels geführt.
  • Mit den B-Kanälen können die an den Eingängen angeschlossenen Line-Signale, z. B. Sequencer-gesteuerte Klangerzeuger auf die Stereosumme gemischt werden.

Was hier im Tonstudio des Autors ein ZED 428 Pult macht. Zwar hat dies keine vertikale Teilung. Aber es werden nur 16 Kanäle über die Direct-Outs an zwei MOTU 828 geliefert. Zurück kommt dann ein Bus-Signal auf 8 Kanälen, der dann auf 2 heruntergemischt werden kann. Vorteil: Ich muss die FX nicht sofort mit aufnehmen. Weiterer Vorteil, es ist möglich, die FX später via I/O und/oder Buszuweisungen „inline“ zu fahren und wenn nötig, den Multitrack als 2-Spur auszuspielen. Entweder Tape oder zweiter Mac.

Verteilung auf die Audiokanäle

Die Kanäle 1-8 gehen auf MOTU1 und 9-16 auf MOTU2. Im Mac sind diese als aggregiertes Audiogerät vereint. Über die OUTs und Sends können wir dann flexibel unsere Effekte DAW routen. Hier können wir mit Bussen und mit Channelstrips arbeiten. Beide 828 sind identisch konfiguriert, lediglich ist MOTU2 als Abhöre für die gesamte Kette konfiguriert.

Externe Effekte in der DAW

Fangen wir an mit einem einfachen Routing. An Send 1-2 hängen wir alle Dynamik-Prozessoren wie Kompressoren, EQ usw. An Send 3-4 haben wir alle Reverbs. Die Sends 1-2 sind stereo, während Send 3-4 entweder mono oder stereo sind. Die Returns sind aber immer stereo. In Szenario 1 können diese als Track 13-14 zurückgespielt werden. Oder gehen direkt auf den Summen Out der DAW. Letzteres kann sinnvoll sein, wenn wir aus dem Multitrack erst einen Premaster/Mixdown machen wollen. Wichtig ist. Wenn wir die Returns immer als Stereo benötigen, muss das Signal erst durch Sends 3-4 und dann durch Send 1-2. Da wir immer erst DRY einspielen, ggf. nur Instrumenten, FX sind Latenzen sekundär. 

Nun habe ich aber einen Lieblingschorus aber nur 4 In- und 4 Out-Kanäle. Kein Problem, in dem Falle bauen wir das so auf das DRY immer über 1-2 geht, während WET immer über die 3-4 kommt. Dementsprechend hauen wir das DRY-Signal auch in der DAW raus und legen das in dem Falle als FX-MIX-Channel an. In diesem Falle legen wir das DRY/WET-Verhältnis in der DAW fest. Da alle Signal immer zu 100 % im externen FX-Strang effektiert werden. Demzufolge gehören im externen FX WET auf 100 % und DRY auf 0 %. Je nach FX-Gerät kann hier hier sinnvoll sein, das Resultat durch einen Phasendreher in der DAW laufen zu lassen, in Logic > Utility > GAIN > Invert Phase.

Reihenfolge der Effekte

Okay, drei Stühle, vier Meinungen. Es hat sich aber sowas wie eine beste Handhabung herauskristallisiert. Zuerst Verzögerungseffekte, dann Raumeffekte, dann Kompression und EQ. Anschliessend Multi-FX und Finalizer. Allerdings kann es durchaus schon mal sinnvoll sein, dass nach einem Reverb ein langsamer Chorus kommt und den Reverb moduliert. Ebenso wenn man einen Sidechain-FX haben möchte auf eine Reverb-Fahne, macht der Kompressor vor dem Reverb keinen Sinn.

Generell ist aber die Verwendung von halbnormalisierten Pachtbays immer noch angebracht. Schon die Stecker an den FX und Fehlersuche und Setup wird einfacher. 

M/S Prozessing des Audiomaterials

Wir haben oben aufgelistet, dass wir mit maximal 16 -24 Spuren klarkommen müssen. Und damit kommen wir zum schmutzigen Geheimnis des Sounds der Achtziger Jahre. Fake-Stereo. Oder ökonomischer Umgang mit Ressourcen. Für den Höreindruck macht es z. B. keinen Unterschied, ob ich die Kick nun mono oder stereo aufnehme, es sei denn, ich heiße Gerry Marsden und führe die Pacemaker an und habe gerade „Ferry Cross The Mersey“ aufgenommen. Links das Orchester, Mitte Gesang, rechts die Band und die Kickdrum. Wenn ich das nun geschickt anstelle, kann ich Spuren sparen und doch einen großen räumlichen Sound haben. Stichwort M/S-EQing.

How To Make „Stranger Things“ – das Recording 

Am Anfang war die Idee. A-Moll tut nicht weh. Charakteristisch ist das Tempo von um die 82 bpm und ein Herzschlag-Beat. Also quasi ein leicht aufgeregter Herzschlag. Jeweils 1/8 auf die 1 und 2. Länge 16 Schritte. Der Kicksound als solches ist ein Layer aus der 707 Kick und für das Fleisch am Knochen eine tiefer gestimmte LinnDrum Kick. Die Linn Kick ist hierbei etwas leiser als die 707. Über beiden liegt ein Kuhschwanz-EQ mit einem 5 dB Boots bei 400 Hz und einer Absenkung ab 4040 Hz. Low-End senken ab 30 Hz ab. Das ist das richtige Beef. 

Das Kick-Pattern

Gated-Verb à la Phil Collins

Moog Brass

Der obligate Moog Bassbrass. Für Moog ist das ein Brot und Butter Sound, dennoch kann man hier viel falsch machen, hier nehmen wir einfachheitshalber Moog Model15 iOS oder Logic AU. Der Ausgangspunkt ist der Patch Moog Brass. Dem geben wir etwas Beef und passen ihn so an, bis er passt. Also Fußlage schön tief. Cutoff ganz langsam öffnen. Und nun der Trick. Das so erzeugte Pad klingt doch noch sehr clean und „digital“. Nun jagen wir das einmal durch unsere FX-Kette., bestehend aus ZED 428 Kanalzug, Roland SDE 1000/2500, Boss RCE-10. Das rohe Signal geben wir im Kanalzug des ZED428 mit Gain mehr Sättigung und EQ machen wir auch und nehmen das „POST“ über die Direct-Outs auf. SDE-1000/2500 geben den vintage Staub und den Rest macht der RCE-10. Dieser moduliert langsa, ganz langsam, so dass der Chorus nicht nur breit macht, sondern ab und an flanged. Letzteres ließe sich zwar mit dem internen Delay des Moog Model 15 auch realisieren. Löst aber nicht unser Soundproblem.

Der obligate Moog Brass Bass

Jupiter-4 Plug Sound

Der zweite Part im Intro ist ein Jupiter-4 Sound aus dem Plugout. Ob nun System 8 oder in the box, ist egal. Als Basis dient der Sound B5 „Heaven Pluck“, diesen gilt es nun so anzupassen, bis es pluck macht.  Und nun kommt der Trick. Linke Hand spielt das Grundmotiv des Moogbass, während die rechte Hand die Geisternoten zum Arpeggio liefert. Dieses läuft 1/4 Note Chord. Mit Condition und Circuit etwas spielen. Das Filtercutoff weisen wir einem Pedal zu und öffnen und schließen dieses langsam. Das wäre aber nicht nicht alles hier. Im Channelstrip befinden sich ein Tape-Delay und ein Stereo-Delay. Ebenso Chromaverb mit einem Non-Linear-Reverb, gefolgt von Kompressor und EQ mit einer Kuhschwanz-Absenkung an 2500 Hz. Wichtig ist hier, ins Delay zu spielen, sonst geht später die Wirkung verloren.

Der Pluck Sound für das System 8

Weniger Betonung ist hier mehr Ausdruck, die Geisternoten geben den Vibe

Bässe, Sequencer Bässe

Carpenters Brut und Morricones Beitrag

Hier können wir uns jetzt richtig austoben, denn unser Arrangement besteht aus 3 Bässen. Yeah! Bass 1 kommt vom Pro3 und wir nennen in Carpenter Brut. Basis hierfür ist der Patch Old Saw, allerdings hat der resultierende Klang nichts mehr damit gemein. Wir zeichnen unseren Basslauf im internen Sequencer auf und automatisieren im Nachgang das Filtercutoff. Den Bass nehmen wir Mono ab und jagen den Lauf durch die Yamaha SPX, hier das Preset Symphonie Multi als Ausgangspunkt, WET 10 % und DRY 90 %. Die Besonderheit hier ist, der FX-Anteil liegt auf den Seiten, in der Mitte haben wir das fast uneffektierte Signal.

Alternative zum Roland DEP-5

Der zweite Basspart ist ein CS-like Pad vom Prophet Rev2 16 Voice. Hier orientieren wir uns am Pattern MaxxFat. Dieses ist quasi das Gegenstück zu dem Moog Brass Pad. Während das Moog Pad im Filtercutoff aufmacht, macht der Filter hier im Prophet ganz leicht zu. Zum anderen ist dieses Pad auch ein Layer. Layer 1 Filtercutoff leicht zu in der Ausklingphase. Layer 2 ein leichter stummer Subbass. 

Mehr Vibe für Arp und Arp Bässe

Soweit, so gut, es fehlt aber noch ein klassisches Juno-106 Bass-Arpeggio. Dieses ist relativ einfach gehalten. Hat aber auch zwei Tricks: Filtercutoff und Hüllkurve ändern sich etwas und es wird mit Subbass gespielt. 

Im Arrangement verwenden wir dieses Bassmotiv dann als Topper und wiederholen es viermal.

Das Preset Big Synth

Chöre, Streicher, Backings

und die Orgel des Doctor Phibes

Die ursprüngliche Idee war, eine priginale Lowrey Orgel aufzunehmen. Zeitlich nicht realisierbar. Ein Wurlitzer im Blackpool Ballroom war auch nicht drin. Aber wir haben eine Korg M1 und u. a. die ORGAN PCM Card. Und hier nehmen wir das Rock Organ. Doctor Phibes werden wir damit nicht auferstehen lassen, aber vielleicht wecken wir einen Höllenhund, die Katzen aus der Nachbarschaft scheinen den Sound zu mögen. Der Orgelsound ist recht simpel. Intern wird der Sound auf 50 links und 50 rechts im Panorama verteilt. Den Sub benötigen wir nicht, Bass hätten wir genug. 

Die Streicher kommen aus dem MODX. Und hier dann die Lush Strings. Da auch diese von Hause aus sehr clean und steril klingen, nehmen wir dieses auch erstmal DRY auf und jagen diese im Nachgang durch die FX-Sektion. Hier darf der Raum durchaus größer sein.

Der Chor. Hier müssen wir etwas genauer hinhören, wir haben eine „hmm“- und eine „höö“-Phrase. Sprich hier vocodert der Toby das CS-Pad durch das System 8. Für den Hall nehmen wir hier dann den Roland DEP-5 und geben dem CS und System 8 etwas Vintage-Vibe.

Da wir nun auch keinen CS-80 am Start haben und nun doch ein richtiges CS-Pad benötigen, kommt nun ein kleiner weißer Synthesizer ins Spiel. Hier der Trick, bei jeder zweiten Note kommt ein wenig Ringmodulation in der Decay- und Release-Phase ins Spiel. Dies gibt dem Pad-Sound sein Röcheln. 

Somit wäre die Backing-Sektion komplett.

Etwas Platinum Verb für die „707“

John Carpenters Ping-Sound

In Carpenter Filmen war die Glocke und der Ping immer ein wiederkehrendes Motiv. Hier kommt nun die EHX Super Space Drum zum Einsatz und gibt uns einen Ping. Diesem geben nun ein mono Echo/Delay. Diese hat bei 82 BPM 12 Wiederholungen. Nun rechnen wir mal nach. Die Kick hat 16 Schritte. Dadurch verschieben sich die Zählzeiten auf die das Ping, dies sorgt in Verbindung mit der stoischen Kick für Bewegung.

Ein iPad für eine Gitarre

Noch ein Synthsweep wäre too much, also muss GarageBand her, die E-Gitarre Hart Rock oder Roots Rock und dann über das Display gewischt. Part 1/2 der Sweet mit PingPong-Delay und Reverb aus der SPX. Fertig. Dies ist allerdings der Part, der am längsten in der Produktion gebraucht hat.

Das Piano und das Leitmotiv

Technisch gesehen nehmen wir hier das Preset CFX Shrine Piano in Mono und analog ab. Zunächst mischen wir den SPX Canyon Reverb (Long mercyless Reverb) hinzu. Und passen alles an, bis es sitzt. Danach EQ-Setting „Piano High“. Für die Einspielung legen wir uns die Kick als Klick auf das Ohr und dann ab in die Kiste. Tatsächlich hat es hier nur 3 Takes benötigt. 

Weitere Ideen wären hier das Rhodes via Roland JC 40 Combo. Allerdings ist dies dann im Rahmen der finalen Version rausgeflogen, da dies doch zu klischeehaft wäre.

Arrangement und endgültiger Aufbau

Bis hier hin war es einfach. Jetzt kommt der Teil, der sein muss, aber am wenigsten Spaß macht. Aufräumen des Projektes. Das heißt, alles was nicht mehr benötigt wird, fliegt aus dem Projekt und wir bereiten die Post-Produktion vor. Das heißt, sauber schneiden und noch sauberer loopen. Am Ende haben wir alles an seinem Platz und ein schön aufgeräumtes Projekt. 

Loops oder Stems? Hier muss man gucken, was man mit dem fertigen Projekt vorhat. Wenn man eine Live-Umsetzung in einem variablen Set vorhat, sind Loops mit Ausklang und fertige Loops die bessere Wahl. Apple Logic bietet hier für die entsprechende Export-Option, in der auch gleich die Loops mit Tags wie Tonart, Tongeschlecht, Stil, Tempo, Instrument versehen werden können. Somit kann ich dann recht schnell eine Liveperformance bauen. Allerdings muss ich dann Startpunkt und Endpunkt des Loops im Kopf haben und mich gegebenenfalls daran erinnern.

Stems haben allerdings den Vorteil, dass sie bei Zeit 0 anfangen und am Ende des Tracks ausklingen. Macht sich somit besser für Remixe von Audioinhalten, da ich quasi weiß, wo ich anfangen muss mit dem Import. Hier am Beispiel eines Remixes für KEBU.

Remix Kebu Clear Skies – vorher

Kebu Clear Skies Remix – nachher

Wenn wir nun mit der Arrangementphase fertig sind, kommt das vorletzte Kapitel.

Das fertige Long Way Home Arrangement

Mixdown Stranger Things Soundtrack

Hier müssen wir uns eine strukturierte Arbeitsweise anlegen. Hier folgen wir dem klassischen Modell und fangen mit Drum und Bass an. Ich erinnere daran, dass wir bereits bei der Recording-Phase die Spurtypen mono und stereo festgelegt hatten. Ebenso für die verschiedenen Bässe. Aus ergonomischen Gründen macht sich hier ein Controller oder eine Remote wie Logic Remote gut. Zu diesem Zeitpunkt sind im Master-Channel noch keine Dynamik-FX zu platzieren. Generell steht zu diesem Zeitpunkt der Master-Volume auf 0! Für den gesamten Mixdown gilt bei -6 dB ist Schluss. 

Mixdown – nie wild kurbeln oder faden

Auch beachten, das USB -udiodevice und Logic kalibrieren sich beim Start gegeneinander. Wenn man nun das Interface gegen einen anderen Hersteller tauscht, muss man alte Projekte zumindest noch mal auf die Volumen-Summe bezogen anpassen. 

Am Ende des Prozesses haben wir unseren 2-Spur Pre-Master-Mixdown.

Mastern in Box oder out of the Box

Hier machen wir keine Glaubensfrage daraus, wer die Optionen für hybrides Mastern hat, nimmt diese, wer lieber in der Box mastert, macht das mit seiner Lieblings-Masterkette. Wir nehmen hier für unser Projekt an, dass wir Streaming und digitalen Download bedienen wollen. Also müssen wir den LUFS uns irgendwo zwischen -16 und -9 LUFS orientieren. Fertig ist „Stranger Things“.

In the Box Mastering

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Fazit

Generell sollte man sich bei solchen Projekten strukturiert vorgehen und sich einen ungefähren Ablauf vorgeben. Und zunächst mit dem Setup der einzelnen Elemente und Klangerzeuger beginnen. Für die reine Kompositionsphase ist ein Piano-Sound immer noch das Mittel der Wahl.

Für die Umsetzung in der Produktion ist es empfehlenswert, in Gruppen zu denken, also erst Clicktrack, dann die Drums. Dann Bässe. Und so weiter. Verzierungen und Ausschmückungen zum Schluss.

Kühlen Kopf heißt es beim Mixdown und Mastern, hier sind frische Ohren unverzichtbar. Generell ist die hier gezeigte Arbeitsweise nicht das Maß aller Dinge.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Tim

    Erst einmal: super Artikel, und mega cool mal so eine Anleitung zu lesen. Dabei hast du dir echt Mühe gegeben und es ist auch gut strukturiert. Bilder und Abschnitte passen. Solche Beiträge gibt es eigentlich viel zu wenig! Finde es auch mal cool, mal wieder ein Tutorial „zu lesen“ bei dem ganzen modernen YouTube / Video Dschungel. Vielen Dank.

    Als ein paar Anmerkungen würde ich gerne noch paar Sachen etwas streng kommentieren. Nehmt es mir nicht übel, aber das fehlt mir einfach zum Abrunden:

    Die Soundbeispiele zu den Details des Sound Designs hätte ich gerne im Fließtext gesehen. Bzw an Ort und Stelle, wenn es um die einzelnen Sounds entsprechend geht. Wäre doch ganz gut, wenn man immer da wo was spezielles beschrieben wird, direkt reinhören kann.

    Der Sound / das finale Stück – ich muss gestehen, dass mir da einfach Zuviel Stranger Things fehlt. Der Moog dudelt da 8 Minuten ohne das was passiert. Insgesamt ist der Gesamtrack mega lang. Für die vielen Beschreibungen an Sound Design fehlt mir da irgendwie deutlich viel Tiefe. Das sage ich jetzt mal so ehrlich direkt. Da du im Titel aber unmittelbar Dixon&Stein vorgibst, sollte das outcome dann schon näher sein.

    Manchmal wenn es um das kreative Arbeiten geht, würde ich es lockerer halten. zB wann wie wo Mastern oder die Gruppen anlegen. Das sind alles Dinge wo viele Artists einen unterschiedlichen Workflow haben.

  2. Profilbild
    Filterpad AHU

    Zugegeben war man zu Beginn mehr als verwirrt um was es sich hier handelt, sprich: Was um alles in der Welt ist „Stranger Things“? Neues Album, eine mir noch unbekannte Band? Dank Recherche kam Licht in’s Dunkel. Für alle Nichtabonenten von TV-Streamingdiensten jedenfalls erstmal ein Buch mit sieben Siegeln. Nichtsdestotrotz ein sehr ausführlicher und aufwendiger Bericht für einen Soundscape.

    • Profilbild
      Svenson73

      Respekt, in so einer Blase wäre ich auch gerne mal 😉 Weil, ich kenne kein Medium, welches in den letzten Wochen NICHT von Stranger Things berichtet hätte, insbesondere auch im Zusammenhang mit Kate Bush.

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        Interessant, obwohl ich immer denke in allem ‚up to date‘ zu sein. In dem Fall, gerade was Netflix, Prime und Co. anbelangt, ist man wohl immer noch in der Jura stehengeblieben. 😁 Aber ehrlich, bislang hat mich das (Streamingdienste) und auch die Berichte drumherum noch nicht wirklich interessiert. Schaue dennoch relativ viel Fernsehen. Aber da reichte mir bislang das übliche Angebot wie arte, Nachrichtensender oder Filme in K1. Nur von Trash-TV halte ich mich fern.

        • Profilbild
          Svenson73

          Vollkommen ok! Wobei der Streamingdienst, der Stranger Things ausstrahlt teilweise auch hochwertige Sachen zeigt, nicht nur im Bereich Film und Serien, sondern auch Dokus.

    • Profilbild
      ARIMUSIK

      Wer hatte das eben mit der Blase erwähnt? 😀 Das trifft wohl zu, wenn man in der synthetischen Welt unterwegs ist. Das MUSS einem doch übern Weg gelaufen zu sein. Das hat auch gar nichts mit dem Streamingdienst zu tun (kann man auch ganz normal kaufen) oder gar ob man das schaut oder nicht. Es war oder ist eines der wohl bedeutensten populärsten Synthesizergranaten des letzten halben Jahrzehnts. Mit fast 19 Mio. Aufrufen doppelt soviel wie Blade Runner.

      • Profilbild
        Svenson73

        Mein13jähriger Sohn hört fast nichts anderes mehr und entdeckt gerade Kate Bush, was mich umso mehr freut. Blade Runner Ist auf der Festplatte und wird der nächste Film sein, den er mit mir anschaut. Da bin ich mal gespannt.

        • Profilbild
          ARIMUSIK

          Diese legendären Filmsessions habe ich in vielen Jahren auch noch vor mir und freue mich drauf. :D Aber 13 Jahre und Blade Runner könnte zu früh sein. Ist (nicht schießen jetzt) genaugenommen ziemlich langgezogen gedreht. *g Und der In-Film-Soundtrack besteht im Grunde genommen auch nur aus ermüdendem Saxophongedöhns. (so, jetzt könnt ihr mich grillen *lol ) Der Film besteht eben leider nicht nur aus Intro und Outro. Und den Teil dazwischen muss man mit 13 erst einmal überstehen. Berichte ruhig danach!

  3. Profilbild
    mcclaneonfire

    Ich hab vor ner Weile mal die Retrologue Erweiterung „Neon Drifts“ bei Steinberg entdeckt. Da werden die unterschiedlichen Sounds gezeigt und einer davon geht genau in die Stranger Things Richtung. Der Sound heißt „Eleven“, etwa bei Minute 15:30 – gleich das Video auf der Expansion Seite.

    • Profilbild
      TobyB RED

      Mit Retrologue kannst du auf Jeden Fall Stranger Synths erzeugen. Cornel von Steinberg hat da ne Menge gemacht in diese Richtung

  4. Profilbild
    Oreillage

    Tagchen! Sehr cool aufgebauter Workshop und überraschend viele Instrumente. Ich hab mich vor ein paar Jahren für ein Schulprojekt mal an ein ähnliches Theme gesetzt. Hatte nur den Behringer Neutron und Roland Alpha Juno im Einsatz:
    https://on.soundcloud.com/XBgV

  5. Profilbild
    ARIMUSIK

    Da ich mich mit dem ursprünglichen Introsong (eigene Coverversion) auch schon sehr intensiv beschäftigt habe möchte ich behaupten, dass das gelistete Instrumentarium mit allen Zusatzeffekten völlig irrelevant ist. Der eigentliche Zauber liegt wie so oft in der Komposition und dem Detailreichtum in der Tiefe. Es ist nicht DER EINE Analogsound, sondern ein wirklich gutes Zusammenspiel von klassischen Sounds vieler normaler Synthesizer mit typischen musikalischen Mustern aus der damaligen Zeit. All das vermisse ich hier im Beispiel irgendwie total. Es klingt leer, überhaupt nicht nostalgisch, detailarm und einfach nicht gut komponiert. Würde der Artikel nicht zumindst schreibtechnisch ums Thema Stranger Things gehen, würde man das musikalisch überhaupt nicht erkennen. Als Vorschlag zur Audition für einen Gamesoundtrack ginge das vielleicht durch.

    Ich bin mir sicher, dass es trotzdem Spaß gemacht hat! 😉
    Und die Idee finde ich auch grandios, einen Sound bzw. Soundstil nachzubauen. Der Marti Fischer (bitte selbst recherchieren) macht das großartig und unterhaltsam. Auch die detaillierte Beschreibung, wie welcher Klang entstanden ist, liest man als Synthman bestimmt gern. Da könnte man bestimmt „battlen“, wie man den gleichen Sound viel einfacher hinbekommt. Ich würde dann gern einen Folgeartikel lesen, plattformübergreifend (nix mit Mac only und Tonnen an Outboard) und mit breitverfügbaren Klangerzeugern, die jeder haben kann.

    • Profilbild
      TobyB RED

      Hallo Ari, viele Wege führen zum Ziel. nur gibt teilweise das Equipment schon den Weg vor. Ich geh da immer pragmatisch ran. Hier war es halt so, dass jenes Setup noch am Start war und ich dann einfach losimprovisiert hab. Ich habe auch bewusst die ungeschnittene Langfassung hier hochgeladen. Das diese nun Längen hat ist mir klar. Aber davon an, es gab und gibt Anfragen von Labeln den Track zu veröffentlichen. Allerdings werde ich diesen Track so lassen und selber veröffentlichen.

  6. Profilbild
    CDRowell

    Danke für die Tipps in dem Selbsttest. Ich habe es probiert und: Klingt doch gut… Da steckt mal viel Wissen hinter dem Tut. – Respekt!

  7. Profilbild
    costello RED

    Hi Toby, ein Superworkshop. Hardwareeffekte gescheit in den DAW-Workflow einzubinden, ist ein sehr spannendes Thema. Wie Du so schön schreibst: „Alles was hier nicht eingerichtet war, konnte nicht genutzt werden.“ Daran scheitert es bei mir meist, weil ich viel zu ungeduldig bin und immer gleich loslegen will. Lustig fand ich den Hinweis zum Clicktrack: „heute vom NAKAMICHI DRAGON“. Ist das nicht ein State of the Art-Kassenttendeck aus den 80ern? Hat vielleicht nicht jeder zu Hause rumstehen ;) Den Track Long Way Home finde ich super. Wie sich über dem düsteren Moog-Ostinato immer wieder neue Themen entwickeln – sehr Carpentermäßig. :)

    • Profilbild
      TobyB RED

      Guten Morgen aus der Sommerfrische Mr. C, externe Effekte einbinden ist nur einmal schwierig. Ich hab mir halt mein Setup erabeitet und versuche das nach Möglichkeit so zu lassen. Wenn ich nicht grade wieder auf Shopping Tour war, passt das. Da ich für das ZED428 derzeit keinen Ersatz sehe, sind dem Shopping Grenzen gesetzt. Das Nakamichi Dragon war wohl mal Referenzklasse. Es klingt immernoch sehr gut. Eigentlich ein Frevel es für Clicktracks zu benutzen. Ich benutze oft die Hinterbandkontrolle zur Sättigung. Den Clicktrack kann man auch in der DAW basteln. Oder mit MPC oder Akai Force. Mittlerweile gibts ja auch wieder Tapes zu kaufen. Die Ostinato sind nun kein Hexenwerk. Ich hab im Prinzip dazu improvisiert und nebenbei die Auffzeichnung laufen lassen.

  8. Profilbild
    Örli

    Sensationeller Workshop! 👍 Da ich auch mit Logic Pro arbeite, kann ich tatsächlich so einiges „abgucken“ obwohl ich komplett anders vorgehe… 😄

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