Workshop Modular Synthesizer: Famous Vintage Filter

15. September 2018

Von Moog bis Wasp alle FIlter-Klassiker

SSM – Wasp – Korg PS – A-100. Das wäre die Kurzanleitung zum zweiten Teil des Filter-Exkurses, der sich besonderen Filter-Konzepten der Synthesizer-Geschichte widmet. In Teil 3 sehen wir uns dann den Filter des Oberheim Xpanders gesondert an, da er einige Überraschungen bereit hält.

In ihrem historischen Zusammenhang betrachtet und getestet werden dabei die Filtermodule A-105 VCF „SSM 24dB Low Pass“, A-124 VCF5 „Wasp Filter“ und A-127 VCRF „Triple Voltage Controlled Resonance Filter“.

Vergleich von EDP Wasp und Doepfer A-124 Wasp Filter

Beginnen wir mit dem WASP Filter, das – wie schon beim A-106-6 VC Xpander Filter in Gegenüberstellung zum Oberheim Xpander – einen interessanten Vergleich zum originalen

EDP WASP

erlaubt. Derselbige Synthesizer ist ohne Zweifel ein äußerst originelles Stück Synthesizer-Geschichte. Schließlich wurde bei wenigen Produkten (mit Ausnahme mancher EMS-Synthesizer) eine derart ungewöhnliche Werbe-Schiene gefahren (man erinnere sich an die eigenartigen WASP Zeichnungen und Grafiken in gelb-schwarzer Farbe), kaum ein Synthesizer der letzten 40 Jahre wurde in ähnlicher Weise „billig“ verarbeitet (hier wäre höchstens noch der BME-700 zu nennen) … und kaum ein Instrument klingt – ungeachtet seines Scherzartikel-Aussehens – derart voluminös und zugleich eigenständig wie der EDP Wasp.

Die englische Wespe ist definitiv kostengünstig verarbeitet

Zu seinen Besonderheiten gehören – neben Folientastatur, Batteriefach, eingebautem Lautsprecher und flotter Kunststoff-Chassis – klangliche Feinheiten, die man bei vielen monophonen Synthesizern (auch noch heute) vergeblich sucht. So können beide Hüllkurven in den Repeat-Modus versetzt und für ungewöhnliche Auto-Repeat Effekte genützt werden, die Trigger-Geschwindigkeiten bis in den Audio-Bereich erlauben (wohlgemerkt für VCF und VCA separat!). Noise ist nicht nur als Audio- sondern auch als Modulationsquelle verfügbar.

Schließlich aber ist es das 12 dB Multi-Mode-Filter, das dem klanglichen Kraftzwerg EDP Wasp zur kleinen Goldgrube werden lässt. Und genau hier setzt das Wasp Filter des Doepfer A-100 Modular Systems an.

Das Multi-Mode Filter ist für den ungewöhnlichen Wasp-Sound mit verantwortlich

A-124 VCF5 Wasp Filter

A-124 VCF5 Wasp Filter

Diesmal machen wir es kurz und bündig, denn alle schönen Worte münden vielfach in jener Frage, um die es – zumindest auf den ersten Blick – geht: „Klingt das A-124 Wasp Filter wie der originale … Wasp?“ „Nein, tut es nicht“. Das ist jedoch nur ein kurzes Resümee mit dringendem Hinweis, den folgenden Absätzen unbedingt Beachtung zu schenken.

Wasp Filter (oben Mitte) und EDP Wasp

Augenfällig – bzw. ohrenfällig – ist die Tatsache, dass das A-124 Wasp Filter eine deutlich andere Filter Resonanz aufweist als der Wasp. Zumindest als der hier zum Vergleich herangezogene Wasp, um genau zu sein. Bei hoher Resonanz kommen beim A-124 Störgeräusche hinzu, die eher an den Korg MS-20 denn an die englische Wespe erinnern. Die beim Doepfer-Modul sehr eigenwillige (Selbst) Resonanz des Filters ist somit der klanglich markanteste Unterschied zum Original. Doch – wie um hier einen entsprechenden musikalischen Ausgleich zu schaffen – gibt es beim A-124 zwei Pluspunkte gegenüber dem EDP Wasp.

BandPass Ausgang des A-124 WASP Filter

Erstens lassen sich BandPass bzw. Low/HighPass getrennt abgreifen. Zwei Filter-Ausgänge sind grundsätzlich von Vorteil und sehr schön (wenngleich die absolute Krönung natürlich das bereits getestete A-106-6 Xpander Filter mit seinen beachtlichen 8 gleichzeitigen Outputs darstellt). Nun, mit zwei unterschiedlichen Ausgängen kann man die Klangkreationen immerhin bereits im Stereo-Modus weiter verarbeiten.

Zweitens – und dieses Features ist wirklich exzellent – lässt sich beim A-124 Wasp Filter der Filtertyp mittels Poti stufenlos (!) von Low- zu HighPass überblenden.

Besonders schön: Stufenloses Überblenden von LowPass zu HighPass möglich

Solche „simplen“ Performance-Möglichkeiten sind äußerst nützlich. Gerade die feinen Zwischen-Nuancen bzw. klanglichen Veränderungen von LowPass zu HighPass (oder umgekehrt) erzeugen einen ungewöhnlichen und interessanten Klang-Charakter. Einmal am Ziel (LP bzw. HP) angekommen, ist der Sound ohnehin wie erwartet „gut“ und eben so, wie wir ihn von besagter Filterart her kennen. Doch die Zwischenstufen sind noch deutlich spannender! „Bauchiger“ LowPass-Klang mit einem zarten Häubchen an „sämigem“ HighPass-Charakter, das hat was! Genau dieses „manuelle“ Durchfahren ist bis heute auch der ungebrochene Reiz des schon öfters zitierten Oberheim SEM Filters. Eine sehr willkommene Zugabe, dass dies beim A-124 Wasp Filter ebenso möglich ist.

Klangliche Vergleiche zu Vintage-Vorbildern sind etwas heikel

Klanglicher Vergleich

Die folgenden Klangbeispiele stellen A-124 und EDP Wasp gleichzeitig gegenüber. Im ersten Soundfile – LowPass Filter – ist der Unterschied zwischen A-124 und EDP Wasp am deutlichsten gegen Ende hin (lange Filtersweeps) zu hören.

Weiter geht es mit der Betriebsart HighPass.

Im BandPass-Modus sind die klanglichen Unterschiede sehr gut zu hören. Verschiedene Filter-Sweeps beim A-100 bzw. EDP Wasp sollen das Heraushören jeweils eines der beiden Instrumente erleichtern.

Das folgende Beispiel will weniger klangliche Unterschiede, denn eher Klangstärken zu beiden Seiten aufzeigen. Während das Doepfer A-100 System mit dem A-124 Wasp Filter im rechten Kanal extrem Druck macht (und hart „brettert“) bzw. die „schmutzige“ Filter-Resonanz zu Effekt-Zwecken (im Verbund mit einem High-Speed LFO) gekonnt ausspielen kann, sticht der EDP Wasp mit einem sehr eigenen und vielleicht auch „humanen“ Klang im linken Kanal hervor. Der Wasp steuert zudem im Intro etwas „Noise“ und ein paar Auto-Repeat Effekte bei. Beim allerletzten Filtersweep klingen A-100 bzw. EDP Wasp interessanterweise völlig identisch.

Damit kommen wir auch schon zur Kernproblematik beim Klang-Vergleich. Zentrale Merkmale des EDP Wasp sind seine ungewöhnlichen Modulationsquellen und auch der sehr „eigene“ Charakter seiner Oszillatoren. Wie also soll man – mit anderen Oszillatoren und anderen LFOs – tatsächlich den Klang vergleichen können?

Das nächste Klangbeispiel zeigt speziell einige Stärken und besonderen Charaktereigenschaften des EDP Wasp (linker Kanal) auf, wie Noise-Modulation und vor allem Auto-Repeat. Das Doepfer A-124 Wasp Filter zur Rechten wird nur mit einigen wenigen Modulationen bedient.

Filter-Abteilung des EDP Wasp, Gesamtbereich mit Modulationsmöglichkeiten

Als Ausgleich dazu widmen wir uns nun speziell dem Doepfer Filter. Die zuvor erwähnte „unsaubere“ Filter-Resonanz des A-124 ist im folgenden Soundfile gesondert dargestellt. Zwei Filtersweeps – einmal ohne, einmal mit Resonanz – machen den besonderen Charakter der Filter-Resonanz deutlich.

Schließlich das absolute Highlight des A-124 Wasp Filters: Nach einleitendem Filtersweep wird der LowPass-Modus langsam zu HighPass übergeblendet (und wieder zurück). Zwei synchronisierte A-110 VCOs (zeitweise mit etwas Vibrato verziert) sind die alleinige Klangbasis.

Damit sei das A-124 Wasp Filter so weit beleuchtet. Obwohl es klanglich nicht ganz dem originalen EDP Wasp entspricht ist dies aus musikalischer Sicht keineswegs der Weisheit letzter Schluss. Statt dessen ist die Frage nach seinem Ausdruck und seinen Möglichkeiten entscheidend. Zugegeben, die verzerrte Filter-Resonanz mag nicht immer das sein, wonach man sucht. Zugleich entstehen jedoch gerade durch die „besondere“ Resonanz Klangeindrücke, die sich ausgezeichnet für Effekt-Klänge eignen. Als unbestrittenes Highlight sei schließlich das mehrfach erwähnte Überblenden von Low- zu HighPass zu nennen. Allein dieser Möglichkeit wegen ist das A-124 Wasp Filter als „sehr interessant“ einzustufen.

Weiter geht es mit dem A-105 SSM Filtermodul

Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.