Workshop: ModularGrid, Online-Planer für Modular-Synthesizer

21. Dezember 2019

Kreatives Tool zum Planen von Modular-Synthesizern

ModularGrid, Onlineplaner für Modularsynthesizer

ModularGrid, Online-Planer für Modular-Synthesizer

Workshop für ModularGrid

Wenn man sich mit dem Aufbauen eines Modular-Synthesizers beschäftigt, stolpert man früher oder später über ModularGrid, einer Online-Datenbank für Module, mit einer integrierten Funktion zum Planen von Modular-Synthesizer-Racks. Deswegen gehen wir heute der Frage nach, wie das so funktioniert und was die Seite so beliebt macht, vor allem in der Eurorack-Community. Es ist ja so, fängt man erst mal an, sich Gedanken über das Planen des persönlichen Modular-Synthesizers zu machen, stellt man sich unweigerlich Fragen, die man bei vorverdrahteten Synthesizern nicht hätte. Welche Module brauche ich? Wie viele Teileinheiten braucht mein Case? Welche Hersteller gibt es überhaupt? Wie hoch ist der Stromverbrauch meiner Module insgesamt und welche Stromversorgung braucht mein System dann? Also Fragen über Fragen und genau hier findet man mit ModularGrid ein Tool, das einem viel Kopfzerbrechen erspart.

Übersicht der Funktionen von ModularGrid

Als Modularchiv und System-Planer ist ModularGrid wahrscheinlich die einzige Seite im Internet, die sämtliche Hersteller berücksichtigt und es einfach macht, sein eigenes Rack zu planen. Am populärsten sind dabei die Euroracks (Doepfer Standard), aber es ist auch möglich, andere Systeme zu planen, z. B. Buchla, Serge, Frac, Modcan A, MOTM, MU oder die 500 Series (Racksystem für Studioanwendungen). Der Dienst ist nach Anmeldung kostenlos, aber beschränkt sich auf das Erstellen von zehn Racks mit einer eingeschränkten HP und Reihenanzahl, will man unbegrenzte HP und Cases, gibt’s den sogenannten Unicorn Account für einen Jahresbetrag. Die Seite bietet dabei folgende Dienste:

  • Datenbank mit über 8000 Eurorack-Modulen sämtlicher Hersteller mit allen notwendigen Infos (Funktion, Preis, Höhe, Breite)
  • Erstellen von Modular-Racks (mit Preisrechner, Stromverbrauch Rechner und einer Angabe für die Teileinheiten/HP und Tiefe)
  • Erstellen von Patches
  • Teilen der Racks mit der ModularGrid Community
  • Man kann sich Racks von anderen Usern anschauen und diskutieren
  • großes Forum/Online Community mit Einträgen zu vielen Modulen
  • News von Herstellern und Community News
  • Modul Toplisten
  • Marketplace zum Kaufen und Verkaufen von Modulen
  • TrueGrid online Modular-Synthesizer
ModulGrid

Und so sieht das dann zum Beispiel aus, hier ein einfaches Rack mit zwei Reihen und einigen Lücken.

ModularGrid in der Praxis

Die ModularGrid Seite hat eine unkomplizierte Oberfläche, nach dem Anmelden geht man einfach auf My Modular in der Menüleiste und schon kann man mit Edit ein Rack erstellen. Zuerst wählt man aus, wie viele Reihen und HP/Teileinheiten das Case haben soll. Mit dem kostenlosen Account kann man zehn Racks mit insgesamt 168 HP in maximal vier Reihen erstellen. Dann speichert man das Ganze und schon ist man auf der Seite mit den Modulen und dem noch leeren Case. Allerdings muss man sich in der Realität noch damit beschäftigen, welche Ausstattung das gewünschte Case hat, denn wo sich zum Beispiel die Stromversorgung befindet und wie viele Anschlüsse und Milliampere man zur Verfügung hat, muss man selbst in Erfahrung bringen und ist nicht auf ModularGrid implementiert, da die Racks dort eher Makulatur sind, also eine art Platzhalter-Funktion erfüllen und auch nur wenige zur Auswahl stehen.

8000 Eurorack Module in ModularGrid

Die Module sind nach Hersteller, Funktionen, Höhe und Breite sortiert und meist mit guten Fotos reingestellt. Spätestens jetzt wird’s aber etwas unübersichtlich und das liegt nicht an der ModularGrid Seite, sondern eher an der Fülle von Herstellern. Dort findet man so ziemlich alles, was es auf dem Markt gibt. Sucht man zum Beispiel ganz unverbindlich nach LFOs, wird man ohne seine Auswahl zu spezifizieren ein bisschen erschlagen vom Überangebot, denn bei aller Praktikabilität der Seite muss man sich zumindest ein wenig auskennen, also Hersteller kennen, denen man vertraut und wissen, was man braucht. ModularGrid erspart einem also keinesfalls die Recherche auf YouTube, Testseiten oder dem Musikhaus des Vertrauens. Allerdings findet man im ModularGrid Forum zu vielen Modulen auch Einträge und kann sich dort nach Herzenslust austauschen und informieren. Hat man also den anstrengenden Teil mit der Recherche überwunden und ein Modul gefunden, das einem gefällt, kann man es einfach anklicken und oben im Case mit Drag and Drop hin- und herschieben, dabei wird einem auch angezeigt, wie viel Platz noch zwischen zwei Modulen ist. So füllt sich nach und nach das Rack mit Modulen. Eine Anzeige für den Preis, den Stromverbrauch, der Modultiefe und der Anzahl der Module erleichtert die Arbeit, die man ansonsten mit einem kariertem Block und Taschenrechner erledigen müsste enorm. Wenn das alles nun geglückt ist, kann man sein Rack speichern und mit der Community teilen. Außerdem kann man auch gleich ein virtuelles Patch-Beispiel erstellen, um Patch-Ideen zu teilen oder auch für sich selbst. Richtig genial aber finde ich die Datasheet Funktion, mit der man sich eine Liste mit den ausgewählten Modulen mit vollwertigen Informationen und schön übersichtlich anschauen kann.

ModulGrid-Datasheet

ModulGrid Datasheet, alle Details auf einem Blick

Die anderen Funktionen, wie das Kaufen und Verkaufen, das Forum und die Community-Anbindung sind willkommene Erweiterungen der ModularGrid Seite. Mit TrueGrid hat die Seite auch einen virtuellen Modul-Synthesizer im Browser, mit dem man sich mit einer sehr eingeschränkten Modulauswahl auch ein bisschen musikalisch betätigen kann, um vielleicht mal auszutesten, ob man Spaß am Patchen und Schrauben hat, das ist allerdings eher ein Gimmick als eine richtige Funktion.

ModulGrid-2

Das ist der TrueGrid Synthesizer, der auf ModularGrid im Browser bespielt werden kann

Die News-Sektion ist toll, um auf dem Laufenden zu bleiben, in der Modulübersicht befinden sich auch teilweise Module, die noch nicht auf dem Markt sind, dabei stolpert man auch gerne mal über Kuriositäten. Die Modul Toplisten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, vor allem als Einsteiger. Oft befinden sich dort Module auf den vordersten Plätzen, die sehr komplex und teilweise multifunktional sind, das ist an sich zwar nichts Schlechtes und manche der Module habe ich selber, aber man muss sich schon näher damit beschäftigen. Für mich ist es wichtig, wenn man sich ein System zusammen stellt, quasi seinen Idealsynthesizer im Kopf zu haben. Also was soll mein Synthesizer können, für welche Art von Musik solle er funktionieren und vor allem, wie soll er klingen? Ansonsten könnte es sein, dass man sich ein par Module zusammenstellt, die außer einer Topbewertung nicht besonders kompatibel sind und das Case dadurch essenzielle Funktionen nicht hat, z. B. MIDI-Anbindung, Multiples, Mixer und VCAs, von denen man immer genügend einplanen sollte.

Als Beispiel habe ich zwei Racks zusammengestellt. Unterhalb sieht man auch gleich die Funktionen, die den Stromverbrauch, den Preis, Tiefe und HP angeben. Nummer eins, ein etwas einfacheres, vielleicht auch typisches Einsteigersystem mit einer Synthvoice als Grundlage und zusätzlich noch VCO, Hüllkurven, LFO und Filter.

Modulgrid-3

Beispiel 1: Ein klassischer subtraktiver Synthesizer mit einer Reihe von 84 HP

Und ein größeres System mit Waveshapern, Through-Zero-VCOs, Sequencer und Lowpass-Gate. Beide Entwürfe beinhalten übrigens ein kleines DSP-Effektmodul, das mit 6 HP geradezu winzig ist.

Modulargrid-4

Beispiel 2: Ein etwas komplexerer Synthesizer mit 2 Reihen je 84 HP, mit Anleihen an East- und Westcoast-Synthese.

Fazit

ModularGrid macht Spaß, die Seite ist gut programmiert und mit Community und News-Angebot perfekt vernetzt. Viele Funktionen sind super nützlich, um mal schnell eine Konfiguration auszuprobieren und erleichtern einem durch das kinderleichte Ummontieren und Verwerfen von Modulen die Planung von Modular-Racks enorm. Vor allem, wenn es um das Errechnen des Stromverbrauchs und des Preises geht, die Summierung der HP oder das Ermitteln der Tiefe eines Moduls, finde ich das Angebot von ModularGrid toll. Um sich allerdings gerade als Einstiger in der Modularwelt besser zurechtzufinden, kommt man um eine ausgiebige Recherche trotzdem nicht herum und da kann ModularGrid auch vom eigentlichen Ziel ablenken, ein funktionales Modulsystem aufzubauen, an dem man auch Spaß hätte. Aber wenn man mit den Grundbausteinen und den verschiedenen Herstellern schon vertraut ist, kann man viel damit anstellen und sein Wissen vertiefen und mit anderen Nerds austauschen.

Plus

  • schnelles Erstellen von Racks/Cases
  • Rechenfunktion für Preis, Stromverbrauch, Tiefe und HP
  • Community Anbindung
  • Übersicht über die Hersteller
  • die Newssektion ist sehr aktuell und wird von Herstellern gepflegt
  • kostenloser Account bietet erst mal ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten

Minus

  • für Einstiger etwas verwirrend, aufgrund der schieren Anzahl an Herstellern und Modulen

Preis

  • Account kostenlos
  • Upgrade zum Unicorn Pro Account: 19,90 Euro im Jahr
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich habe Modular Grid genutzt, als ich mit dem Doepfer Modular Planer nicht mehr weiterkam. Zum Planen, Experimentieren etc. ist es sehr praktisch; zudem erhalte ich Infos über Module, von denen ich noch nie gehört habe…

    • Profilbild
      Frank Prager  RED

      Ja, ist praktischer. Außerdem ist der Planer nicht mehr aktuell, viele neuere Module kann man nicht bei Doepfer einfügen, ich glaube auch das Doepfer dafür keine Zeit mehr hat und sowieso auf ModularGrid verweist.

  2. Profilbild
    penishead  AHU

    Modulargrid ist der heilige Gral für jeden Eurorack Anwender. Ohne dieses Tool könnte man nur schwer seine Racks planen. Einfach genial programmiert.

  3. Profilbild
    nDa_ViD-19 aka Dave the Butcher  AHU 1

    Ich bin eigentlich verwundert, dass ein so professionelles Tool noch immer kostenlos ist. Ist aber höchstwahrscheinlich im Interesse der Hersteller. THUMBS UP für so eine geniale Anwendung.

    NUR DIE KATZE NERVT, MIT IHREM „CLEAN UP THE MESS“ ;-)

  4. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Ganz toll ist auch das Handling. Es kommt ja vor, dass man sein Case umbaut, ein neues Modul kauft, andere verkauft etc. Dann kann man z.B. einfach ein Modul entnehmen und neben (!) dem Case ablegen, wieder per Drag&Drop reinziehen oder einfach löschen. Sehr schön gemacht, auch wenn es manchmal kleine Fehler gibt.

    Außerdem kann man sich vorschlagen lassen, wie die Module platziert werden. Hab ich aber nie gemacht. Ich denke mal, dass dann die nicht nach Logik sondern ausschließlich dem Platzbedarf nach geordnet werden.

    Modular Grid ist m.E. unverzichtbar, es hat mir am Anfang das Leben wirklich erleichtert. Ich teile die Meinung des Autors überdies, dass die Fülle an Modulen erschlagend ist. Daher ist umfassende Beratung im Vorhinein unabdingbar. Am besten man fragt einen guten (Modular-)Freund, der schon ein wenig Erfahrung hat oder quatscht einfach hier jemanden bei Amazona.de an :-).

  5. Profilbild
    monopuls  

    Die Wucht in Tüten! Ein Jahresbeitrag von 20 Euro ist auch nicht übertrieben. Schön auch, dass man DIY Module selbst einstellen darf.
    Insgeheim wünsche ich mir auch eine VCV Abteilung, der Übersicht wegen.

    UND KEINE BESCHWERDEN ÜBER DIE KATZE ? HIER!

  6. Profilbild
    solitud  

    Vielen Dank für das tolle Review und das positive Feedback! Falls jemand noch Fragen, Bug Reports oder Feature Wünsche hat, könnt ihr gerne an mich weiterleiten, ich bin der MODGrd Programmierer.
    Und lese als Synth Enthusiast seid über zehn Jahren bei Amazona mit. Danke auch für die informative und unterhaltsame Seite!

    • Profilbild
      Frank Prager  RED

      Danke auch zurück, das finde ich echt interessant dass du der Programmierer bist. Bin irgendwann random über deine Youtube Videos gestolpert, die Trainingsanzüge prägen sich ein, die Welt ist klein ;)

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