Blue Box: EMS-Rehberg Synthi Logik, Modularsystem

16. August 2014

Modular-System im Aktenkoffer.

Die Ahnen

Wird von den Synthesizern der Manufaktur EMS (Electronic Music Studios) gesprochen, so verbinden viele Leute das sofort mit ganz großen Namen auf den Bühnen dieser Welt. Bekannte Musiker wie Pink Floyd, Brian Eno, Jean Michel Jarre, Depeche Mode, Wolfgang Dauner, Tangerine Dream, Kraftwerk sowie viele Künstler aus den Bereichen der Avantgarde setzten diese außergewöhnlich klingenden Instrumente ein.

The EMS Family

Die EMS Familie v.l.n.r.: VCS-3 „The Putney“ mit Keyboard DK-1 „The Cricklewood“,
Synthi „A“ mit Keyboard-Sequencer „KS“, Synthi „E“ und Synthi Logik.

 

Als David Cockerell 1969 seinen ersten in Serie hergestellten Synthesizer, das Modell VCS-3 „The Putney“, der Öffentlichkeit vorstellte, gab es praktisch bis dato keine Alternativen auf dem Markt, diese Klangmaschinen gehören damit zu den Urgesteinen der Synthesizertechnik.

Big Logik-System

Der große kommerzielle Erfolg beruhte hauptsächlich auf seiner kompakten Bauform und dem hervorragendem Klang. Der VCS-3 war schließlich der erste transportable und zugleich auch modulare Synthesizer.

EMS ging dann kurze Zeit später sogar noch einen Schritt weiter und verpackte die gesamte Technik in einen schlichten Aktenkoffer, der Synthi A war geboren.
Der nachfolgend erschienene digitale Keyboard-Sequencer „KS“ war wegweisend. Mit Sensortasten ausgestattet fand er seinen Platz im Kofferdeckel und ergänzte ganz hervorragend dieses System.

Besonders innovativ war das ungewöhnliche Steckfeld für das Routing der Audiosignale und der Steuerspannungen. Statt die Bedienelemente auf der Frontplatte unübersichtlich mit Patchkabeln zu verhängen, werden hier kleine Pins auf einer Steckmatrix verwendet, die man gerne auch mit dem Spiel „Schiffe versenken“ assoziiert.

Für viele waren die EMS Modelle Synthi A und AKS finanziell jedoch absolut unerschwinglich und so erschien dann im Jahre 1975 dann eine deutlich abgespeckte Version zum günstigeren Preis: der Synthi E.

Der kleinere „E“ ist, wie das große Vorbild Synthi A/AKS, ebenso direkt in einem Aktenkoffer montiert worden. Er ist sofort an seinem knallgelben Bedienpanel zu erkennen. Statt der teuren Steckmatrix hatte man für die Verbindungen der Steuer- und Audiosignale jedoch einfache Patchkabel mit kleinen Bananensteckern vorgesehen.

Klangbeispiele
Forum
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    Tyrell  RED 143

    Bernie, klasse Bericht. Leider sieht man die EMS so gut wie überhaupt nicht auf dem Gebrauchtmarkt, sonst hätte ich schon längst zugeschlagen :-)

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      Bernd-Michael Land  

      Einige Synthi A, E und Logik stehen seit Jahren verstaubt in den Schränken von irgendwelchen Musikschulen herum, der Computer hat sie als Unterrichtsmittel immer mehr verdrängt. Mit etwas Glück kann man da noch etwas finden, oft für kleines Geld.

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      Yo

      Hallo, kurze Info –
      Ich verkaufe gerade meinen Logik über Ebay!

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    bugler  

    Sehr interessant und spannend geschriebener Beitrag. Und tolle Sounds!
    Ob es an dem raren Angebot ähnlicher portabler Synths liegt, dass so viele Eurorack-User sich ihre Systeme in einem bestimmten Baumarkt-Koffer mit 19-Zoll-Innenmaß einbauen?

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    MidiDino  AHU

    Ich danke ebenfalls für den ausführlichen Bericht und die vielen Soundbeispiele. Ich hatte mir ersatzweise eine Sample-CD auf Ebay-UK mit Sounds von einem „EMS-Synthi“ (2008, soundcollector, S1000) besorgt und viele davon in meinen alten E4 eingelesen … Von was für einem Gerät gesampled wurde, weiß ich freilich nicht.

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    TobyB  RED

    Hallo Bernd,

    Super geschrieben, seidem ich mal den „Ollen!“ David Gilmour in „Classic Albums“ auf dem kleinen blauen hab schrauben sehen, wolte ich den haben, jetzt brauch ich einen ganz dringend.

    Grüße

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    Andreaz Vogel

    Auch von mir ein großes Dankeschön für den Bericht über ein Gerät, das mir bisher leidlich unbekannt war…
    Insbesondere die ausführlichen Soundbeispiele machen viel Spaß, wahrscheinlich ähnlich wie dir beim Erstellend.

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      Bernd-Michael Land  

      Ja, das Patchen macht mit dem Logik schon viel Spaß, durch die Reduktion auf das Nötigste verliert man auch nie den Überblick und kommt recht schnell ans Ziel.
      Die Soundbeispiele sind übrigens nur mit einem Synthi Logik erstellt, wurden direkt eingespielt und nicht mehr mit Effekten nachgearbeitet. Als Sequencer kam ein kleiner Voice of Saturn und der Moonmodular M569 zum Einsatz.

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        Andreaz Vogel

        Yep. Ich kann mich nur wiederholen: Die Sound sind wirklich große klasse und man merkt, dass sie mit Freude gebaut wurden.
        In der Tat sind es ja die technischen Reduktionen, die das Arbeiten häufig so fruchtbar machen…

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      TobyB  RED

      Hallo Andreas,

      guck mal ob du irgendwo das Video Classic Albums Pink Floyd Dark Side Of The Moon auftreiben kannst, David Gilmour äussert sich darin, wie mit dem EMS System die Sequenzen von „On the Run“ entstanden sind
      https://www.youtube.com/watch?v=3rU_ei_x0Ag

      Ich hab die Sequenz mal versucht mit EHX Ringtone, 8 Step Programmer und Small Stone hinzubekommen, ich behalte das Ergebnis im Giftschrank ;-)

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        Bernd-Michael Land  

        ich hab das Intro auch mal nachgebaut und mit dem AKS auch recht gut hinbekommen. Das war mal für eine Pink-Floyd Coverband. Die wollten das Intro 3 Minuten lang und mit anderen Filterverläufen haben, weil sie da immer die Bandmitglieder vorstellen. Das ist aber auch nicht besonders schwierig.

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          TobyB  RED

          Hallo Bernd,

          mittlerweile weiß ich was ich das falsch gemacht habe, lernen gehört ja dazu :-) Ich könnte mich ja noch mal dran versuchen, schwierig ist es nicht, aber sicher genial :-)

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        Andreaz Vogel

        Moinsen Toiby.
        Jetzt kommt mein Outing:
        Ja, ich mag Pink Floyd.
        The piper at the gates of Dawn: Großes Album
        A saucerful of Secrets: Darauf schwebe ich gerne ab
        Ummagumma: So muss Rockmusik dieser Dekade klingen
        Atom Mother Heart: Tiefes Seufzen
        Aber danach wird es echt mau. Und Dark side of the Moon und noch viel schlimmer, Wish you were here, sind ganz ganz übles kitschbesoffenes Earcandy, das meine Ohren bluten lässt. Esoterischer Stadionrock mit ganz viel Ihhgitt und Gänsehaut, allerdings die fiese Variante, vor Ekel….
        Diese Meinung ist sicherlich hier in der Community bei Leuten unserer der gar der Vorgängergeneration nicht mehrheitsfähig, aber ich kann und will mit diesem Zeuchs nix anfangen.
        Und auch aus historischer Sicht sind die beiden genannten und von mir soeben bespuckten Alben ordentlich irrelevant. Da hatten Can (auf die ich übrigens nix kommen lass) und Konsorten schon deutlich frischeren und orginelleren Sound am Start.
        Puuhhhh, das musste jetzt mal kurz raus, nicht zuletzt auch ob der für mich verwunderlichen Bewunderung für das mittlere Werk dieser Band :)
        Meine 7 Cent für heute; ich duck mich jetzt und bin weg…..

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          Bernd-Michael Land  

          Andreaz, die Geschmäcker sind da sicherlich verschieden. Ich hab damals „The Wall“ in der Dortmunder Westphalenhalle live erlebt und es war ein Hammerkonzert. Ich höre auch die späteren Alben sehr gerne, es gibt da sicherlich schlechteres.

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          TobyB  RED

          Hallo Andreas,

          möchtest du die Krone wieder haben? Ich hab diese Woche meinen spendablen ;-)

          Primär gings nur um den blauen EMS und „on the run“ Zu Pink Floyd, also die Alben aus den 80ern Final Cut und A Momentary Lapse of Reason, finde ich gelinde gesagt schwach. The Division Bell hatte dann wieder diese Momente. Bis Dark Side of the Moon teile ich deine Meinung nicht, die Alben die davor kamen, fand ich alle geil. Dafür hab ich so mit Can meine Schwierigkeiten, ich bin für die Musik(mit 43 Lenzen) zu jung und hab halt erst Ende der 70 angefangen zu hören. Und das ist dann einfach mal schon, Es wäre doof, wenn wir alle den gleichen Geschmack hätten. Um jetzt mal wieder die Kurve zu bekommen, gemessen an den Vorgänger Alben war T.D.S.O.T.M. ein anderes Album, a) das zentrale Thema „Lunatic“, b) Roger Waters schwang sich innerhalb von Pink Floyd zur Führungsfigur auf und c) die Besuche von Syd Barrett im Studio während der Session. Das gibt diesem Album eine Sonderstellung. Meine 5 ct dazu :-)

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    iggy_pop  AHU 1

    3.700 Euro für ein Gerät dieser Art sind ein stolzer Preis — das muß man haben wollen. Ich würde da lieber ein Serge Panel haben wollen.

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      Bernd-Michael Land  

      sicherlich kein Schnäppchen, dafür bekommt man aber ein generalüberholtes Gerät mit Garantie von EMS-Rehberg.
      Auf dem Markt sicher selten, aber manchmal schon um die 2.000 Euro zu bekommen und liegt damit also ähnlich wie der gelbe Synthi „E“, kann aber mehr.
      Kompakte Koffersynthies als „all in one“-System gibt es nicht viele, das scheint eine Marktlücke zu sein. Man sieht ja die hohe Nachfrage am neuen Buchla Easel und der ist auch nicht preiswerter zu haben.

      Viele möchten heute wieder einen kompakten analogen, möglichst auch modularen, Synthesizer mit auf die Bühne nehmen, weil sie ein modernes Set sehr gut klanglich damit ergänzen können.
      Viele aktuelle Musikrichtungen schreien ja geradezu danach.

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    studiodragon  

    Ja, ein intéressanter Bericht Bernie und wenn du über jede Kiste die du im Studio hattest ein Report schreibst, hast du ja noch einiges vor, lol….

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      Bernd-Michael Land  

      naja, über viele Synthesizer sind ja bereits Artikel geschrieben worden und einige hübsche Geräte besitze ich heute nicht mehr.
      Aber ein paar Maschinchen kann ich sicherlich noch anbieten.
      Ich bin halt auch ein gemächicher Schreiber und bis zum nächsten Artikel von mir wird es also wieder ein bischen dauern.

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    Markus Schroeder  RED

    Bernd, Deine Besprechungen sind einfach Oberklasse!

    Hätte ich meinen „Shootout“-Test zwischen Xils 4 und iVCS3 nicht schon vor einer Woche abgegeben, hätte ich gerne noch zu diesem Test verlinkt. Mal sehen was die Redaktion sagt.

    Anyway, EMS Synthi rocks :)

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