Interview: Ludwig Rehberg, Grandseigneur der EMS-Synthesizer

25. Mai 2019

EMS, Synthi, Vocoder = Rehberg

Ludwig Rehberg von EMS

Zum heutigen Vocoder-Special, empfehlen wir auch dieses Interview mit Ludwig Rehberg. Martin Andersson führte es für uns im Jahr 2012:

Grandseigneur der deutschen Synthesizer

Er ist der Grandseigneur der deutschen Synthesizer: Ludwig Rehberg programmierte Klänge für Pink Floyd, kümmerte sich um das Sounddesign vom Film „Das Boot“, ist eng mit Martin Gore befreundet und beliefert heute noch Jean-Michel Jarre mit seinen Instrumenten. Er ist der Mann hinter EMS Rehberg, einer kleinen Firma im schwäbischen Ditzingen, die sich um Vertrieb, Wartung und zum Teil auch Entwicklung der ursprünglich britischen Instrumente von EMS kümmert.

Ludwig Rehberg holt mich mit seinem Cayenne („den fahre ich nur, weil ich für Porsche den Klang der Motorengeräusche untersuche“) am Bahnhof in Ditzingen ab. Wir fahren in sein Testlabor, oder sollte man besser sagen: Verkaufsraum? Wie auch immer. Auf ungefähr 12 Quadratmetern im Haus seiner Eltern stehen zwei Synthi 100, EMS Vocoder, eine Filterbank sowie der bekannte Synthi AKS. An der Wand zahlreiche Fotos großer Künstler, daneben eine schwarze Platine („Das war der Prototyp des ersten digitalen Sequencers“). Zusammen basteln wir am Synthi AKS rum, er zeigt mir einige seiner Lieblingsklänge, wir sprechen über dies und das und schließlich auch über seine Geschichte mit EMS.

Synthi „A“ mit Keyboard-Sequencer „KS“

Martin Andersson:
Wie begann Ihre Zusammenarbeit mit EMS?

Ludwig Rehberg:
Anfang der 70er hatte ich ein Musikgeschäft in Stuttgart an der Königsstraße. Eine Goldgrube war das. Wir waren die Exoten und haben relativ viel Geld verdient mit Marshall Verstärkern, Gibson Gitarren, Hammond Orgeln und so weiter. Im Rahmen einer Musikmesse in England sah ich im Russel Demo-Studio ein Konzert von Bee Gees, die da so ein seltsames Instrument mit blinkendem Licht auf der Bühne hatten. Wie sich herausstellte, war dies ein Prototyp des Synthi AKS. Sie gaben mir die Adresse der kleinen Firma EMS im Londoner Vorort Putney. Und so traf ich Peter Zinovieff und David Cockerell, die ganz begeistert waren, dass sich da ein Deutscher für ihre Instrumente interessiert. Ein Jahr später habe ich meinen Anteil am Musikgeschäft an meinen Partner verkauft und bin mit diesem Geld nach England. Bei EMS war ich v.a. fürs Marketing und die Finanzierung zuständig und kam so mit allen Kunden in Kontakt, die ich auch bei der kreativen, musikalischen Arbeit unterstützte.

Martin Andersson:
Sie hatten ja auch Kontakt zu den großen britischen Bands der 70er Jahre.

Ludwig Rehberg:
Ich hatte das Glück, dass ich bei Pink Floyd im Studio war und für sie ein paar schöne Sounds und Sequenzen programmierte. Depeche Mode waren damals noch nicht bekannt, doch wohnten sie bei uns um die Ecke. Wir haben teilweise ihre Verstärker repariert. Später begannen sie mit unseren Instrumenten zu experimentieren. Der Kontakt hält bis heute an, v.a. mit Martin Gore. Früher haben wir ihnen mit den Reparaturen geholfen und heute machen sie ein paar gute Geschäfte mit uns. Die anderen Sachen kennen Sie ja, steht ja auch alles auf meiner Homepage.

Ludwig Rehberg am Synthi 100

Martin Andersson:
Stießen Sie in der Anfangszeit auf viel Unverständnis? Schließlich waren Synthesizer damals in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt.

Ludwig Rehberg:
Am Anfang hat mich das schon genervt, ich war 23 Jahre und hatte keine Ahnung, wie ich mit den kritischen Professoren auf der Messe argumentieren sollte. Florian Schneider von Kraftwerk hatte ähnliche Probleme. Die Leute meinten, ihre Musik sei künstlich, ätzend und steril. Und er antwortete: „Wächst ’ne Trompete auf dem Baum? Kann man Klaviere im Wald pflücken?“ Das sind alles technische Instrumente, selbst eine Orgel. Das einzige natürliche Instrument ist unsere Stimme. Beim WDR, die ein Studio mit dem Synthi 100 hatten, gab es viele Diskussionen, Musiker mit Musiker, Techniker mit Techniker, und da habe ich genau zugehört, wie sie die Elektronische Musik verteidigten. Karlheinz Stockhausen konnte sehr gut argumentieren, wieso er einen Synthi 100 mit zwölf Oszillatoren braucht und warum das so klingen muss.

Wenn ich mit Technikern diskutiere, gibt es andere Missverständnisse. Auch wenn eine Rechteckwelle auf dem Oszillographen perfekt aussieht, heißt das noch lange nicht, dass sie auch musikalisch gut ist. Ich weiß, was ich höre, z.B. wenn da Subharmonische fehlen. Und dann bastelt der Techniker wieder ein paar Stunden rum, das Rechteck sieht zwar genau gleich aus, doch wurden ein paar Widerstände in der Schaltung verändert, und schon klingt es besser. Das verstehe ich unter „Synthesizer bauen“. Das ist beim Geigenbauer ähnlich, der seine Hölzer aussucht und richtig lagern muss. Da gibt’s auch Diskussionen.

VCS-3 „The Putney“ mit Keyboard DK-1 „The Cricklewood“

Martin Andersson:
Wie lange waren Sie bei EMS in England?

Ludwig Rehberg:
Bis 1980. Ich habe fast 7 Jahre in London und Oxford gelebt. Und dann gab’s ein bisschen Stress mit Peter Zinovieff, der eine andere Einstellung hatte vom Geschäft. So haben wir uns getrennt.

Martin Andersson:
Und dann sind Sie zurück nach Deutschland und haben begonnen, die Synthesizer zu bauen?

Ludwig Rehberg:
Ja, wobei wir die Produktion zwischen Robin Wood (ehemaliger EMS Techniker, Anm. der Redaktion) in England und mir aufgeteilt haben: Robin produziert den VCS3, Synthi AKS und Synthi 100. Und wir bauen die Vocoder, Filterbänke und Synthi Logik und revidieren die alten Synthis. Das haben wir immer klar getrennt. Robin und ich nehmen uns auch gegenseitig keine Kunden weg. Grob gesagt, bedient er die USA und Großbritannien und wir Europa und Asien. Wobei es auch Ausnahmen gibt. Zum Beispiel Martin Gore, der von mir betreut wird, da wir uns schon lange persönlich kennen. Währenddessen eine Band aus Münster und Bielefeld Robins Kunde ist.

Synthi „E“

Martin Andersson:
Auf Ihrer Homepage wird der AKS für 7800 Euro gelistet. Kann ich ganz normal einen bei Ihnen bestellen?

Ludwig Rehberg:
Wenn Sie Geduld haben… Sie müssten etwa ein Jahr warten und würden dann ein komplett revidiertes Modell kriegen. Den letzten haben wir an Jean-Michel Jarre ausgeliefert. Er hat sieben Stück (also Synthi AKS und VCS3) auf der Bühne stehen, und den letzten bekam er im November. Wenn gebrauchte Geräte irgendwo angeboten werden, schauen wir sie uns an. Und klar nehmen wir unsere eigenen Geräte wieder zurück und bauen aus den guten Teilen wieder bessere zusammen. Die Lieferzeit ist also abhängig von dem, was wir haben und kriegen. Denn viele Teile können wir nicht mehr bestellen wie z.B. die Bodies (Koffergehäuse).

Bei der Software (also dem VST Plug-in „Synthi AVS“) geht es natürlich ein bisschen schneller. Wenn jemand bei uns ein VST bestellt, frage ich ihn erst mal nach seiner Adresse und dass er mir das Ehrenwort gibt, dass er die Software nicht kopiert und auch nicht weitergibt. Ehrenwort. Word of honour. Das muss er unterschreiben. Und erst dann kriegt er die Software samt Seriennummer zugeschickt. Ich kenne also alle Kunden persönlich und gehe davon aus, dass sie sich an unsere Abmachung halten.

Klassiker: Synthi AKS

Martin Andersson:
Werden denn noch from scratch Hardware Synthis komplett neu gebaut?

Ludwig Rehberg:
Mit Ausnahme des Gehäuses ja. Robin zum Beispiel macht noch neue Frontplatten und neue Module. Nur das Gehäuse und die Patchboards kann man nicht mehr herstellen. Zum Glück haben wir viele Restbestände aufgekauft, als es sie noch gab. Irgendwann gehen sie zur Neige. Unser Angebot ist knapp und so richten sich die Preise auch nach den Kunden. Deswegen ist der Preis hochgegangen und hat sich in den letzten sechs bis sieben Jahren verdoppelt.

Martin Andersson:
Haben Sie auch neue Kunden?

Ludwig Rehberg:
Ja, es gibt welche. Gerade habe ich eine Anfrage eines österreichischen Hoteliers, der privat immer gerne mit Synthesizern spielte. Er wollte immer einen EMS, jetzt kann er sich einen leisten und steht auf der Warteliste.

Klassiker der EMS Vocoder 3000

Martin Andersson:
Im Netz hab ich mir Robin Woods’ Homepage angeschaut, die seit gefühlten 10 Jahren nicht mehr aktualisiert wurde.

Ludwig Rehberg:
Ja, da hat er auch kein Interesse daran. Der Robin, der macht, was er kann, ist aber nicht an Wachstum interessiert. Auch auf meiner Homepage sind in den letzten Jahren nur kleine Veränderungen gemacht worden, ein neuer Name auf der VIP Liste oder die aktuelle Preisliste. Sonst hat sich in den ganzen Jahren nichts geändert an unserem Internetauftritt. Wozu auch? Wir haben ja unsere Kunden. Schon oft bekam ich Anfragen von Studenten, die mir die Homepage neu gestalten wollen und als Entschädigung einen Synthi AKS vorschlagen. Da hab ich gesagt: „Hallo? Für Dich wohl ein guter Deal, aber vergiss es!“

Martin Andersson:
Sie sind ja auch bekannt für Ihre Sonderanfertigungen.

Ludwig Rehberg:
Klar, wir versuchen jeden Kundenwunsch zu erfüllen. Beispielsweise hat einer die MIDIfizierung seines Synthi E in Auftrag gegeben, obwohl ja genügend Midi/CV Interfaces auf dem Markt erhältlich sind. Doch er wollte eine integrierte Lösung, die wir für ihn entwickelten. Am Schluss war die MIDIfizierung teurer als der ganze Synthi E. In Berlin betreuen wir einen alten Kunden, einen Filmmusiker, der einen Schlaganfall erlitten hat und jetzt seine linke Hand nicht mehr bewegen kann. Für ihn haben wir einen speziellen Multitrack Sequencer konstruiert, ein kleines Kästchen, mit dem er schnell und einfach mehrere Spuren aufnehmen und anschließend modulieren kann. Keine Firma auf der Welt baut so etwas. Gehen Sie mal in ein normales Musikgeschäft, die lachen Sie aus, wenn Sie mit solchen Sonderwünschen kommen. Und wenn Florian Schneider eine Fernsteuerung für seinen EMS Vocoder 3000 möchte, dann kriegt er die natürlich auch. Für uns sind Modifikationen und Sonderanfertigungen ein zweites Standbein. Das kostet natürlich viel Zeit und auch Geld, doch die Kunden sind bereit, das zu zahlen.

Martin Andersson:
Wie stehen Sie zu den „EMS“ Modulen von Analogue Systems?

Ludwig Rehberg:
Das kann nur Robin Wood gemacht haben, ich wurde gar nicht gefragt. Es stört mich nicht, wenn jemand EMS kopieren möchte, denn eigentlich können wir auf Plagiate nur stolz sein. Mit Herrn Döpfer hatten wir ein bisschen Stress, als er begann, EMS Filter zu verkaufen, ohne das mit uns zu klären. Ein Telefonanruf hätte ja gereicht, er hätte hinschreiben können „agreed with EMS“, und die Sache wäre erledigt.

Es gibt ja auch einen neuen kopierten Hifli, das legendäre Gitarreneffektgerät von EMS. Es ist aber nicht der Hifli. Der erste stand bei Pink Floyd auf der Bühne. Der hat ja extrem gerauscht und gebrummt, es war grausig. Heute ist das wieder angesagt, viele Gitarristen wollen einen dreckigen Sound. Doch damals haben wir uns geschämt, dass es rauscht und kracht.

Der erste digitale Sequencer der Welt: Prototyp des AKS Sequenzers von David Cockerell

Martin Andersson:
Wie würden Sie den Klang des AKS beschreiben?

Ludwig Rehberg:
Unique, ist doch klar. Das ist halt EMS. Es ist natürlich schwer, den Klang zu beschreiben. Wissen Sie, als ich zum ersten Mal einen ARP 2600 auf der Messe hörte, dachte ich „Hei, hat der einen fetten Filter.“ Es dauerte einige Jahre, bis ich das volle Potential der EMS Synthesizer erkannte. Dabei habe ich viel von unseren Kunden gelernt: Jean-Michel Jarre, Martin Gore oder auch Queen, als ich mit ihnen Radio Gaga einspielte.

Martin Andersson:
Wie sehen Sie die Zukunft des Synthi AKS?

Ludwig Rehberg:
Keine Ahnung. Hätten Sie mich vor 40 Jahren gefragt, ob man mit Synthesizern Geld verdienen könne, hätte ich es auch nicht gewusst. Ich kann nur hoffen, dass die Leute irgendwo auf der Welt ihre EMS Synthesizer pflegen oder zu uns zur Revision schicken, damit wir die Dinger so hinkriegen, dass sie wieder 1A laufen und klingen. Ob mit neuen oder alten Teilen, ist vollkommen wurscht. Vor kurzem bekam ich zwei AKS zur Revision aus einem Schweizer Opernhaus, die dort im Keller verstaubten. Nach einem halben Jahr sehen die wieder aus wie neu. Das sind Schätze. Jean-Michel Jarre meinte bei einem Konzert in der Frankfurter Oper über seine Synthesizer (ein paar EMS, ein paar ARP, Crumar und so weiter): „Die Synthesizer, die Sie hier sehen, sind die Stradivaris von heute.“ Ich finde, das stimmt auch. Damals war uns das nicht bewusst. Es hat ein paar Leute gebraucht, die mit diesen Instrumenten gute Musik machten, bis man ihren wahren Wert erkannte. Da sind Klänge drin, die Sie nur mit analogen Synthesizern hinkriegen. Der ARP 2600, der Minimoog und der AKS – das waren die drei festen Säulen der elektronischen Musik der Siebziger. Und wenn die Techniker weiterhin die Instrumente am Laufen halten, wird das noch eine Weile so bleiben.

Die EMS Rehberg Produkte

Nebst dem Synthi AKS baut EMS Rehberg noch ein paar andere interessante Geräte. Zum einen die beiden Synthis  E und Logik, die man auch als vereinfachte Versionen des AKS bezeichnen könnte, indes ohne Matrix. In der absoluten Oberklasse spielt das (sündhaftteure) Modularsystem Synthi 100 mit 12 Oszillatoren, 8 Filtern, zwei Joysticks und Halleinheiten und zwei Steckfeldmatrizen à 60 mal 60 Zeilen und Spalten. Das Instrument ist etwa so groß wie eine Studiokonsole, bestimmt ebenso schwer und wird auf Bestellung beim Kunden aufgebaut. Erwähnenswert sind auch die Vocoder von EMS. Die beiden Modelle 3000 bzw. 5000 gehören zu den besten (und teuersten) ihres Fachs und wurden seit Ende der 70er Jahre in zahlreichen Produktionen verewigt.

Klangbeispiele

Alle Klangbeispiele stammen vom Synthi AKS und wurden ohne Nachbearbeitung mit einem Zoom H1 eingespielt.

Artikel-Empfehlung „Vocoder“:

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Klangbeispiele
Forum
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    elektronalin

    Vielen Dank für das tolle und vor allem RARE Interview mit Ludwig Rehberg.

    Gerade in einer Zeit, in der alles so extrem kurzlebig und rasch wertlos ist, sind Firmen wie EMS wichtig.

    EMS hat garantiert bis zum Schluss seine Kunden, denn ihre Produkte haben ja mit ihren „Alleinstellungsmerkmalen“ die letzten Jahrzehnte durchgehalten, auch wenn ich mir letztendlich als Musiker durch diesen immensen Wertanstieg nie wieder einen leisten kann ;-)

    Elektronalin

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    Elegtrosmok

    Echt ein tolles interview und eine schöne Geschichte die sich hier mit EMS und den Synths verbindet. Leider kann man sich als interessierter Analog Musiker kaum mehr solch einen Schatz an elektronischer Tonalität leisten. Man darf gar nicht daran denken was einem hier auf Grund der Sammlerpreise an eigener Kreativität verschlossen bleibt.

    Großen Dank an Martin und Ludwig!

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      changeling  AHU

      Ich denke es gibt genug günstigere Alternativen mit denen sich ähnliche Ergebnisse erzielen lassen (auch das ist gut für die Kreativität). Mit einem Eurorack System ist man z.B. schnell flexibler als mit einem Synthi A, auch wenn es dann ein bisschen anders klingt.

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    balpirol  

    Mein allererster Synthie auf dem Gymnasium war ein AKS unseres Musiklehrers, dem meine Schulkameradin während unseres Referates gleich mal einen Pin des Steckfeldes – natürlich unbeabsichtigt – abbrach.
    Sehr ärgerlich, aber auch ein Zeichen dafür, daß diese Steckfelder – bis heute – nicht das non-plus-ultra sind.
    Natürlich liebe ich EMS ebenso wie PPG, Moog, Arp, Fairlight, Elka (Synthex), Yamaha (CS-Serie) oder Oberheim (2.Voice,4V,8V) oder Korg (MS-Serie, PS-Serie)
    Nichtsdestoweniger sind die Preise von EMS hinsichtlich Preis/Leistung völlig überspannt (siehe Porsche oder Mercedes)
    Wie schön, daß es (VCF-)Plagiate von Analogue Solutions gibt…

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    Regina

    Bin gerade auf dieses Interview gestoßen und in mir kamen liebe Erinnerungen hoch: Als junge Musiklehrerin an einer Gesamtschule in Göttingen hatte ich die Möglichkeit Anfang der 80ger 5 oder 6 dieser Symtheziser anzuschaffen. Es war ein ziemlicher Aufstand unter den älteren Kollegen, die Schüler aber waren begeistert und auch die MÄdchen bekamen bock auf die Technik. Dank Ludwigs Seminare war ich sogar in der Lage in Lehrerfortbildungen diese Geräe vorzustellen. Herzliche Grüße an den Ludwig!

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      iggy_pop  AHU

      Wahrscheinlich hat Herr Rehberg mittlerweile den kompletten Schwung wieder zurückgekauft.
      .
      Für 100 Euro pro Gerät.
      .
      Ein Grandseigneur? Naja, ich weiß nicht — die EMS-Geräte, die wirklich Geschichte geschrieben haben, sind nicht von Ludwig Rehberg entwickelt worden, sondern von den Leuten, die Peter Zinovieff um sich geschart hatte. Rehberg ist da erst deutlich später hinzugestoßen, und wenn ich den obigen Text lese, kann ich mir lebhaft vorstellen, wie das damals wohl abgelaufen sein muß (vor allem das äußerst mangelhafte Englisch mit schwäbischem Einschlag… brrrr!).
      .
      Die Amerikaner nennen sowas „bandwagon-jumping“.
      .

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        ISE500  

        Mag ja sein, daß der Herr Rehberg einige abschreckende Eigenschaften hat und das Gesamtbild alles andere als stimmig ist. Aber ob das am „schwäbischem Einschlag“ der Sprache liegt? Du bist ja ein Westentaschen-Rassist :) (und was bist du denn, Ruhrgebiet?)

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          iggy_pop  AHU

          Englisch mit bayrischem oder schwäbischem Einschlag, grammatikalisch und idiomatisch falsch, geht überhaupt nicht — Günther Oettinger läßt grüßen, im Chor mit Edmund Stoiber. Soviel Professionalität muß sein, wenn man ernstgenommen werden will.
          .
          Könnten wir uns darauf verständigen, daß meine Kritik irgendwelcher Mundart gegenüber rein sprachästhetisch zu verstehen ist?
          .

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    AMAZONA Archiv

    Sehr interessanter Mann, sehr interessantes Gespräch.

    Und hier stolperte ich über diesen Satz:

    „Ich hatte das Glück, dass ich bei Pink Floyd im Studio war und für sie ein paar schöne Sounds und Sequenzen programmierte.“

    War das häufiger der Fall, dass Richard Wright andere ins Synth Programming und Sequencing eingebunden hat? Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit Pink Floyd Synthelementen nie warm wurde und deren Synthsounds selten als organisch, eher als steril, oberflächlich, plakativ und aufgesetzt empfinde.

    Also, nicht, dass das falsch verstanden wird. Nix gegen Rehberg und seine Arbeit. Aber es macht schon einen Unterschied, ob ich als Komponist/Co-Komponist etwas schraube oder als außenstehender „Mietschrauber“. Andere Beziehung zum Track und zur Soundgestaltung – so jedenfalls mein Empfinden. So liest sich das, als habe Wright nicht wirklich eine intensive Auseinandersetzung mit seinen Synths gesucht.

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      Dirk Matten  RED

      Sieh dir seine Homepage an, dann weißt du, auf welchem intellektuellen und künstlerischen Niveau er unterwegs ist.

      Ich habe mich schon im Herbst 1971 fremdgeschämt, als ich mit ihm einige Interessenten in Köln besucht habe. Er wollte u.a. Professor Hans-Ulrich Humpert, Professor für Elektronische Musik an der Musikhochschule in Köln, ein Bekannter aus meiner Jugendzeit in Paderborn und stiller Verehrer meiner Schwester, in dessen Wohnzimmer einen EMS AKS aufzuschwätzen, indem er immer wieder meinte, dieses Gerät habe „einen duften Sound“. Humpert war jedoch an einem, wie er sich ausdrückte, „Frequenzdemodulator“ interessiert, was Rehberg nicht kapierte. Ich habe ihn dann auf den vom ihm vertriebenen Pitch to Voltage Converter aufmersam gemacht. Die Schilderung eines weiteren Erlebnisses an diesem Tag, als er versuchte, auf eine verhältnismäßig krumme Tour einem Musikgeschäft einen EMS AKS anzudrehen, schenke ich mir hier, ist aber auf meiner Facebook Seite en detail nachzulesen. Ich habe mich dann doch schnell von ihm geschäftlich und privat distanziert. Besser so.
      http://www.emsrehberg.de

      Das mit entsprechenden Ergänzungen könnte durchaus ein mehrseitiges Kapitel aus meiner von vielen netten Menschen gewünschten, jedoch aus verständlichen Gründen nie erscheinenden Biografie „Herr Matten holt Ihnen einen runter“ darstellen.

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        AMAZONA Archiv

        Danke für die Info…. mindestens genauso interessant und mal was anderes als klassische Lobhudelei. Ja, aus der Entfernung klingen einige Namen größer, als sie dann wirklich sind. Da dampft dann einiges zusammen, wenn real mal Tacheles geredet wird.
        Jo, zum Pink Floyd Thema… bin da schon Jahre dran, zu ergründen, warum ich deren Sound nicht mag. Mal ab von den Kompositionen der Post-Syd Barrett Ära, die eh nicht mein Dingen sind. Vielleicht komme ich vor meinem Ableben doch noch mal hinter das Geheimnis auf der dunklen Seite des Mondes. ;-)

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          Dirk Matten  RED

          Er hatte nach meinen Beobachtungen nie einen großen Namen, bis ihn der Autor mit „Grandseigneur“ aufs Treppchen hochgelobt hat.
          Mitte der 80er Jahre besuche er mich unangemeldet in meiner Firma und meinte, er wolle jetzt „die Provision kassieren“. Nachdem ich ihn fragte „wofür“, meinte er, er habe vor Jahren meine Firma Herrn Farian empfohlen. Auf meine Frage, was er sich denn so vorstelle, meinte er „DM 10.000“. Ich habe ihm gesagt, ich würde ihn stattdessen gerne zum Essen einladen. Wir sind dann nach Bonn ins Maredo Steakhaus gefahren.
          Er hatte vorher noch von meinem Apparat aus telefoniert, den Hörer habe ich in seinem Beisein mit Sagrotan Spray desinfiziert. Fand er prima, wollt er sich auch zulegen. Verstanden hatte er es offensichtlich nicht. Ist nicht gelogen.

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            AMAZONA Archiv

            Hahaha…. gute Geschichte. Ja, ein ziemlich dreistes Auftreten des Herrn. Wollen wir dem Autoren aber kein Unrecht tun. Der Name Rehberg geistert schon seit vielen Jahren durch den Blätterwald im Fachmagazindschungel. So mag aus ’nem eigentlich kleinen Schneebällchen eine Lawine geworden sein. Liegt vielleicht auch in der Natur des Menschen, auf reines Namedropping von Prominenten, Künstlern etc. hereinzufallen. Nach dem Motto: Wer mit Pink Floyd, Martin Gore und Frank Farian zu tun hat, muss ja eine gewisse Autorität und Kompetenz innehaben.

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    AMAZONA Archiv

    Was mich auch stutzig macht, ist, dass ich keinerlei Credits von ihm finde in Bezug auf Pink Floyd oder Queen. Also auf discogs finde ich dahingehend nix. Und als ich gestern mal die Alben von PF in der englischsprachigen Wikipedia durchging, war zwar erkennbar, dass Wright tatsächlich häufig die Hilfe anderer Synthprogrammierer, Mietkeyboarder, Synthesisten in Anspruch nahm. aber der Name Rehberg taucht da nicht auf.

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      Dirk Matten  RED

      Vielleicht hat er ja anlässlich eines Besuchs des Studios, in dem Pink Floyd aufnahmen / mal aufgenommen hatten, „einen duften Sound“ eingestellt oder Töne auf der Sensortastatur gedrückt, ob jemand von der Band zugegen war oder ob etwas davon verwendet wurde, ist mir nicht bekannt. Aber die Nennung von bekannten Namen macht schon war her. Florian Schneider sagte mal zu mir, er habe nie was von Rehberg gekauft, der Name Kraftwerk wird aber auf der Website von Rehberg unter „vip´s“ (Achtung: Deppenapostroph) aufgeführt.

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          iggy_pop  AHU

          Nein, aber vielleicht hat Klaus Doldinger mal bei ihm einen Vocoder gekauft (oder geliehen), und seither betrachtet sich Herr Rehberg als Intimus und enger künstlerischer Mitarbeiter? Wer weiß?
          .

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            Llisa  

            Ich kann das nicht ausstehen wenn Leute sich mit fremden Federn schmücken… (wohl selber zu oft mitgemacht daß plötzlich andere Namen als der eigene auftaucht oder flüchtige Bekannte werden ‚ehemalige enge Mitarbeiter‘)

            Aber zum Glück gibt es Discogs und IMDB :-)

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    AMAZONA Archiv

    „vip´s“ (Achtung: Deppenapostroph)

    Hehehe! Ja, die Intellektüllenvariante.

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    klingend  

    Ich hatte auch mal das Vergnügen im EMS Rehberg Studio ein paar Töne aufnehmen zu dürfen und bei dieser Gelegenheit hatte mir Ludwig Rehberg erzählt, dass es EMS zeitweise nicht gut ging.

    Es gab den Computer-Synthi, der aufgrund eines Totalausfalls von einem Chip-Hersteller (vielleicht Pleite oder was auch immer) damals nicht produziert werden konnte und u. a. ein riesiges Loch in die Kasse von EMS gerissen haben muss.

    Peter Zinovieff hatte glaube ich auch irgendwann mal das Interesse an EMS verloren. So kam es mir in diversen Darstellungen zumindest vor.

    Rehberg hatte damals gehandelt und das Unternehmen vor dem Untergang gerettet.

    Aber gut, es gab ja sowieso in den 80ern diesen Hype um die digitalen Maschinen, wie DX7 und Co., was sich garantiert auch negativ auf Hersteller wie EMS ausgewirkt hat, die eher für hochwertige Luxus-Synthesizer standen.

    Mir gefallen die Geräte jedenfalls vom Aussehen und vom Klangerlebnis. Wenn man sich mal das Klangspektrum anschaut, dann weiß man was der feine Unterschied ist :)

    Was ich aber am meisten an Ludwig Rehberg trotz seiner Story und den Kontakten zu den Größen der Musik so mag, dass ist seine unprätentiöse Art.

    • Profilbild
      iggy_pop  AHU

      Dafür muß man nicht Herrn Rehberg fragen — ein Blick auf die EMS-Firmenhistorie mit zahlreichen Besitzerwechseln spricht Bände. EMS hatten leider auch ein Händchen für Absurdes, und der Computer Synthi oder der Synthi 50 (bzw. 200) waren nur ein paar von vielen Fehlgriffen (Polysynthi… Du meine Güte).
      .
      Ich glaube außerdem, daß die wenigsten Leute, die bei EMS (mit)gearbeitet haben, gute Geschäftsleute waren und nicht gut mit den erwirtschafteten Mitteln umgegangen sind. Das muß früher oder später Probleme geben.
      .
      Ich erinnere mich an eine Geschichte, wo eine Musikakademie ihre EMS-Bestände rauswarf für kleines Geld — jemand wollte dann bei Rehberg ein Kabel bestellen; die erste Frage lautete „Welche Seriennummer hat das Gerät?“ — „XXXX“ — „Ja, dann muß ich Sie bei der Polizei anzeigen, dieses Gerät ist uns als gestohlen gemeldet.“ — Aber ich habe es über (hier den Namen einer Synthesiser-Konifere aus den späten 1980ern eintragen) vermittelt bekommen.“ — „Ach so, ja, dann… ist das was Anderes.“
      .
      Kabel gab’s trotzdem nicht.
      .

  9. Profilbild
    Ashatur  AHU

    Wow Ditzingen das ist bei mir ums Eck. Hätte nicht gedacht das in meiner neuen Nachbarschaft solche Geschichte geschrieben wurde.

  10. Profilbild
    TimeActor  AHU

    GRANDSEIGNEUR…
    Hmm… weiß nicht.
    Für mich lesen sich die Äußerungen des Herrn Rehberg als sehr abgehoben fast schon versnobt. Habe beruflich auch direkt mit großen Herstellern in einer anderen Branche zu tun und kenne diese Sprache zu genüge!
    Wenn es nach mir geht mache ich mit solchen Leuten sehr ungern Geschäfte…Support funktioniert zumeist auch nicht selbst wenn man bittet oder gar bettelt.
    Das geht in der heutigen Zeit wo jeder hart für sein Geld arbeiten muss mal gar nicht.
    Auch wenn ich das Geld für einen VCS, Synthi A etc. über hätte (liebend gerne hätte ich einen!) …bei Rehberg würde ich jetzt nach dem lesen der Lektüre sicher nicht mehr anklopfen!

  11. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Spannendes Thema. Es ist mir schon lange ein Mysterium was Meister Rehberg nun wirklich mit den klassischen EMS Synthis zu tun hat. Er kommt im Interview schon ziemlich unsympathisch und eher wie Geschäftlhuber als ein Elektronikkünstler rüber (sowas kann natürlich auch täuschen aber die Kommentare hier scheinen es zu bestätigen).
    Abgesehen davon wird sein Name auf keiner der Englischsprachigen EMS Seiten erwähnt. Einträge seiner angeblichen Arbeit für Pink Floyd sind nicht vorhanden.
    http://ems.....ml#voc2000
    Das ein neuer EMS Synth unter Verwendung von Gebrauchtgehäusen oder sogar Komplettgeräten für 7-8k€ erhältlich ist scheint mir bei Gebrauchtpreisen jenseits der 10k€ unlogisch.
    Irgendwie ist da der Wurm drin. Vielleicht eher „Catch me if you can“ als Stradivari? Nick Knatterton übernehmen Sie!

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