Blue Box: Rhodes Chroma Polaris, Analogsynthesizer

20. August 2016

Unterschätzter Klassiker

Vorwort zum Chroma Polaris

Polyphone Analogsynthesizer sind gerade im Trend. Seit 25 Jahren gab es keine so große Auswahlmöglichkeit mehr an polyphonen Analogsynthesizern wie heute. Und sieht man sich die aktuellen Ankündigungen an, wird der Hype wohl einige Zeit auch so bleiben. Trotz allem sind auf dem Gebrauchtmarkt günstige Alternativen zu finden, die vor allem klanglich deutlich zu aktuellen Produkten variieren und trotzdem bezahlbar sind. Als Beispiele seien genannt der Kawai SX-240 oder der Roland Jupiter JX10, die beide unter 1.000 Euro kosten (der JX10 liegt sogar MIT Controller PG-800 unter 1.000 Euro) und über mehr Möglichkeiten verfügen als ihre populären (und daher heute kostspieligeren) Kontrahenten Roland Juno-106, Roland Juno-60 oder Korg Polysix.

Wer in dieser Riege aber allzu gerne in Vergessenheit gerät, ist der weit unterschätzte Rhodes Chroma Polaris. Mit dem Rhodes Chroma hat er zwar nur wenig gemeinsam, dennoch ist der Chroma Polaris für mich klanglich ein ganz großer Wurf. Und genau an dieser Stelle scheiden sich die Geister, werden ihm oft Attribute nachgesagt, die eher auf digitale Synthesizer zutreffen, die meines Erachtens aber alle unzutreffend sind.

Einziges Manko, der Rhodes Chroma Polaris arbeitet mit Folientastern, die wiederum über ein Flachbandkabel an das Mainboard angeschlossen sind. Genau dieses Flachbandkabel ist die Schwachstelle des Chroma Polaris und gibt in der Regel seinen Geist auf. Zum Glück gibt es aber im Netz genügend Tutorials für den Austausch dieses Kabels. Doch Vorsicht, der Austausch ist nicht gerade einfach. Und noch ein zweites Manko wäre zu nennen: Der Chroma Polaris findet nach und nach eine wachsend Fangemeinde, was zur Verknappung an Angeboten und zum steigenden Preisen führt. Ein restaurierter Polaris kostet heute daher bereits ca. 1.300 Euro, was aber angesichts seiner Möglichkeiten immer noch ein akzeptabler Preis ist.

Rhodes Chroma 2

Vintage-Freunde sollten den Polaris auf jeden Fall einmal angetestet haben, denn ob man ihn am Ende mag oder nicht, der Polaris hat seinen unverwechselbaren Charakter – und das ist bei heutigen polyphonen Analogsynthesizern selten geworden.

Viel Spaß nun mit dem BLUE BOX Report von Theo Bloderer aus dem Jahr 2008, der aber bezüglichen Preisen und Bildern überarbeitet wurde. (Einen Dank an Darkboneus für die zusätzlichen Bilder)

Euer Peter Grand

Rhodes Chroma Polaris Überblick

Die Vintage-Ecke ist ja wirklich reich an interessanten Facetten. Eines der äußerst kuriosesten und bei weitem unterschätzten Instrumente ist der Rhodes (Fender) Chroma Polaris…

Der Rhodes Chroma Polaris hatte es schon erscheinungstechnisch nicht leicht. 1984 war kein guter Termin für die Veröffentlichung eines Analogsynthesizers. Wie auch Elka Synthex, Roland Jupiter-6 oder Sequential T-8 (um nur einige zu nennen), erlag der Polaris der ungünstigen Marktsituation des neu angebrochenen digitalen Zeitalters. Zudem war dem großen Bruder Rhodes Chroma als unerreichbares Vorbild und zeitlosem Klassiker nicht im Geringsten Paroli zu bieten.

Historisch gesehen ist der Chroma Polaris ein kleiner Meilenstein in der Synthesizer-Geschichte. Wogegen der große Chroma noch ein Spätwerk der Firma ARP darstellte, wurde der Polaris als (erster) von Fender/Rhodes selbst entwickelter und völlig neu konzipierter Synthesizer auf den Markt gebracht. Optisch stellt das Instrument eine sehr eigenwillige und aus heutiger Sicht einzigartige Kombination von DX-ähnlichen Bedienelementen (Folientaster) und rein analoger Hardware (große und sehr professionelle Fader) dar. Auch technisch ist der Polaris eine der wenigen wirklich leistungsstarken Kreuzungen im Schnittpunkt der analogen zur digitalen Welt. Mit VCOs und weiteren echten analogen Klangbausteinen versehen, bietet der Synthesizer ein äußerst leistungsfähiges MIDI-Interface, das die Steuerung jedes (!) Parameters via MIDI-CC erlaubt. Ähnlich leistungsfähige Systeme gab es um 1984 eigentlich kaum, Oberheim Xpander/Matrix-12 und Roland MKS-80 wären hier vielleicht zu nennen. Auch die Tastatur konnte mit umfangreichen Velocity-Funktionen glänzen und machte den Polaris so zu einer Goldgrube für den passionierten Keyboarder.

Rhodes Chroma 1

Aufbau

An den Rhodes Chroma angelehnt, ist der Aufbau des Polaris einfach gesagt eine stark reduzierte Variante desselben. Er ist 6-stimmig und bietet pro Stimme 2 VCOs, 1 VCF, 1 VCA und 2 ENVs (und weniger Modulationsmöglichkeiten). “Einem Juno-106 also ähnlich” höre ich es schon flüstern. Nun, erstens hat der Polaris gegenüber dem Juno noch ein ganzes Meer an Extras (die Würze in der Suppe sozusagen), und zweitens spielt der Polaris klanglich in einer völlig eigenständigen (Ober) Liga. Vielleicht wäre er am ehesten noch mit dem Jupiter-6 zu messen, doch letztlich sind die klanglichen Qualitäten beider Instrumente in sehr unterschiedlichen Bereichen gelagert – Vergleiche hinken da also immer nach.

Rhodes Chroma 4

Extras

Da die Grundausstattung des Rhodes Chroma Polaris prinzipiell klassischer Natur (und daher selbsterklärend) ist, wenden wir uns gleich mal besagten Besonderheiten des kleinen Chroma zu. Immer wieder stößt man beim Polaris auf professionelle Features, die man sonst eigentlich von kaum einem anderen Instrument kennt. Nehmen wir zum Beispiel die Tonhöheneinstellung der Oszillatoren. Bei fast allen Synths gibt es hier Scalings, man steppt also die Fußlagen von 16’ bis 2’ hinauf, in Oktaven oder in Halbtonschritten. Sehr selten wird auch die völlig “freie” Einstellung mittels eines über das gesamte Audiospektrum (stufenlos) gehenden Potis ermöglicht. Beim Polaris funktioniert das ganz anders. Er nützt die Tastatur als Eingabe der Tonhöhe. So kann man VCO1 (Transpose) drücken und gleichzeitig das C5 (zum Beispiel), und schon ist der Oszillator auf diesen “Nullpunkt” gestimmt.

VCOs

VCOs

Bei VCO2 gibt man nun (zum Beispiel) C1 ein, und schon hat man zwei VCOs im Abstand von 4 Oktaven. Einfacher geht es ja kaum. Das Schöne daran ist, dass man die Tastatur quasi als “optisches Hilfsmittel” verwenden darf. Ich finde es sehr gelungen, die Tonhöhe durch Drücken der entsprechenden Taste zu bestimmen, denn damit lässt sich ja auch musikalisch gleich eine gewisse Vorstellung verknüpfen. Bei allen anderen (herkömmlichen) Systemen ist man meist an Zahlen gebunden und beschäftigt sich eher mit Fußlagen, Halbtonschritt-Zahlen oder Hertz-Angaben statt mit konkreten Tönen bzw. mit dem Keyboard (der unmittelbaren “Musik”).

Auch für OSC SYNC ist die unkomplizierte (und in weitem Bereichen mögliche) Verstimmung der VCOs ein Segen. Diese SYNC-Funktion ist klanglich übrigens äußerst ergiebig, ebenso wie der sehr gelungene RING MOD Abteilung des Polaris.

Damit sind also schon zwei weitere Highlights genannt, wobei vor allem der (analoge) Ringmodulator zu den Leckerbissen gehört. 1984 war dieses Modul bei vielen Polysynths gar nicht mehr anzutreffen, und wenn, dann (Beispiel: Elka Synthex) oft nur als digitaler Ringmodulator, was klanglich dann doch einen durchaus hörbaren Unterschied macht.

Assignable Controls

Assignable Controls

Die ASSIGNABLE CONTROLs bedürfen noch einer unbedingten Erwähnung. Es ist ein Sammelsurium an äußerst nützlichen Features, alle in einer Sektion zusammengefasst. GLIDE entspricht Portamento und kann stufenlos eingestellt werden. Weiterhin darf mittels einer externen CV-Quelle, die rückwärts am Instrument angeschlossen wird, die LFO RATE (Geschwindigkeit) spannungsgesteuert werden (!), ebenso wie die VIBRATO Intensität, die TONHÖHE, die FILTER FREQUENZ und die LAUTSTÄRKE.

Levers (statt Wheels)

Levers (statt Wheels)

Das sind schon besondere Möglichkeiten, denn nicht zu vergessen: Alle Parameter können auch wie MIDI-CC gesteuert werden. Dies macht nun eine CV-Steuerung keinesfalls überflüssig, sondern darf als Zusatz und Erweiterung gesehen werden. Schließlich ist es ja sehr angenehm, wenn man das Filter in langsamen Sweeps über den (Polaris-eigenen) LFO moduliert, zusätzlich noch in zackigen Velocity-Sprüngen über MIDI steuert und schließlich gar noch über externe Module (Modularsystem oder Analogsequencer) traktiert – und das alles gleichzeitig! Auch ist die Umsetzung eines Modulationsvorganges über ein analoges Signal (CV) bzw. über ein digitales Signal (MIDI) nicht unbedingt dasselbe. In manchen Fällen sind die klanglichen Ergebnisse mit einem CV-Signal wesentlich ergiebiger bzw. überhaupt erst möglich.

Es gibt noch eine Unmenge an Extras, die den Rahmen dieses Berichtes sprengen würden. Ein ausgefuchster Sequencer (mit Metronom und Sync-Funktion), ein eigener Memory-Computer (der die freien Speicherplätze in den Bänken aufzeigt), Double- und Layer-Sounds (wenngleich alles letztlich nur über einen monophonen Ausgang geht), eine umfassende Tune-Funktion, und vieles mehr.

VCF

VCF

Sound

Dem Rhodes Chroma Polaris wird eine Beziehung von Name und Klang nachgesagt – viele behaupten, er klinge “kühl”. Polar(is) eben! Nun, wenn “kühl” im Sinne von “leblos” verstanden wird, bin ich nicht dieser Meinung (ganz im Gegenteil). Eines stimmt – weiche Pads à la Juno, Jupiter, JX oder Matrix/Xpander schafft der Polaris nicht. Und genau daher eignen sich die Vergleiche zu anderen Synths so wenig, da der Polaris völlig eigenständig und doch abartig GUT klingt. Hierbei hat der Polaris EINEN entscheidenden Vorteil gegenüber vielen seiner Mitbewerber: Er erlaubt die dynamische Klangkontrolle über das (sehr gute!) Keyboard (damit erwacht die Musik natürlich gleich mehr zum Leben) und zudem die Kontrolle aller Klangelemente via MIDI-CC.

 

MIDI

MIDI

Die Stärken des Polaris sind durchschlagende Sync-Sounds (zählen neben dem Prophet-5 und Moog Prodigy zu den besten, die ich kenne), raunende und farbenprächtige Ringmodulationen (womit der Polaris praktisch jeden Roland Synthesizer im Schatten stehen lässt, denn das Grobmetallische ist nie deren Stärke gewesen), ausgefallene Effekte und Quasi-Modularsystem-Klänge (MIDI CC Steuerung, Keyboard Velocity, zuweisbares CV-IN), starke Bläserriffs und vieles mehr. Zarte Klänge sind nicht so sehr sein Metier (der Polaris ist zu “herb” analog, einem aufgemotztem, polyphonen ARP-2600 mit härterem Filterklang ansatzweise entsprechend) und auch den “Deep-Bottom-End”, den ganz tiefen Bass eines polyphonen Oberheims, bekommt er nicht gebacken.

In der Praxis

Der Rhodes Chroma Polaris ist erstaunlich (früher wie heute). Seine Features sind – man beachte das Erscheinungsjahr 1984 – extrem professionell. Er hat MIDI vom Feinsten, eine genial zu spielende anschlagdynamische Tastatur und zudem diese herrliche, brachial-analoge Klangerzeugung. Obwohl er nicht größer als ein Juno-60 ist, wiegt er erstaunliche (knappe) 20 kg (die Hardware ist äußerst solide), bietet diese etwas gewöhnungsbedürftigen Chroma-Levers (anstelle von Wheels), und exzellente Fader (die qualitativ mit zu den Besten zählen, die es überhaupt gibt).

Rhodes Chroma 6

Zwar ist der Chroma Polaris etwas seltener am Gebrauchtmarkt zu finden, doch liegen die geforderten Preise erstaunlicherweise meist zwischen schlanken 1.300 Euro. Selbst wenn nun die – allgemein in helle Verantwortungslosigkeit umschlagende – Vintage-Preiswucherei den Polaris erfassen sollte, selbst wenn er also 1.500 Euro kosten sollte – dieses Instrument ist es (meiner Meinung nach) absolut wert! Wo für einen Jupiter-8 schon weit über 6.000 Euro hingeblättert werden (für einen an sich strikt klassischen und keinesfalls sehr ungewöhnlichen Synthesizer, dessen Tastatur weder anschlagdynamisch, noch sonst wie besonders ausgezeichnet zu spielen ist), dürfte der Wert des Polaris weit über den (bis heute) geforderten Preisen von unter 1.300 Euro liegen.

Worauf beim Kauf zu achten ist: Die Folientaster sind eine der zwei Schwachstellen des Polaris. Diese sollten unbedingt im guten Zustand sein – eine Reparatur der Folienoberfläche bzw. des Panels ist unter Umständen nämlich teils gar nicht möglich. Zweitens ist noch das Netzteil zu nennen, das schon beim Chroma für erheblichen Unmut unter Musikern sorgte. Das Netzteil meines Polaris gab jedenfalls schon 6 Stunden nach Erhalt des Instruments den Geist auf. Dieses Problem wurde jedoch ohne weiteres von einem Fachmann gerichtet und seither läuft der Polaris so gut und zuverlässig, wie man es sich nur wünschen kann.

YouTube Video-Demo

Zum Abschluss wie üblich ein YT-Video, der die Qualitäten des Polaris einmal aus einer anderen Richtung beleuchtet:

Fazit

Der Chroma Polaris ist klanglich eine eine Wucht. Der Polaris ist ein Instrument ohne Kompromisse: Was er nicht kann (softe Strings zum Beispiel), das kann er nämlich wirklich nicht (auch nicht im Ansatz), doch seine (vielfältigen) Stärken übertrumpfen einen Großteil aller anderen Polysynths (sogar jene, die wesentlich mehr Kultstatus und allgemeines Ansehen genießen als er selbst). Seine Lead- und Sync-Sounds sind fantastisch (auch bedingt durch das ausdrucksstarke Keyboard), die Effekte teils einzigartig (z.B. durch den VC-LFO, was bei einem Polysynth äußerst selten ist) und so ergibt sich in der Summe ein Musikinstrument, nach dem Ausschau zu halten es sich lohnt.

Plus

  • vielseitiger und charakterstarker Analogsound

Minus

  • anfällige Folientaster

Preis

  • laut Syntacheles-Liste (August 2016)
  • ca. 1.300 Euro
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Unglaublich, was dieser Synth so kann. Teilweise sehr atmosphärisch.

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    AMAZONA Archiv

    Die Zeit verändert die Sichtweise. Im KEYBOARDS-Test 5/1985 hat der Chroma Polaris lange nicht so gut abgeschnitten. Das größte Problem lag im Dollar-Wechselkurs, das Gerät kostete stolze DM 7500,-. Gerade die als "große und sehr professionelle Fader" hochgelobten Schieberegler hat Tester Gerald Dellmann damals kritisiert: "Die Schieberegler machen mir nicht den stabilsten Eindruck. Da sie weit über die Oberkante der Seitenteile des Chassis herausragen, ist zu befürchten, dass man bei häufigem Transport bald mit ein paar Stümpfen arbeiten muss. Auch die etwas schwergängigen Spielhilfen haben mich beim Chroma schon ein wenig gestört." Die gravierendsten MINUS-Punkte wurden im PLUS/MINUS-Kasten des KEYBOARDS-Tests besonders hervorgehoben: erstens die Schieberegler, zweitens die fehlende Lautstärkeregelung der VCOs. Gegen den Chroma sprach 1985 vor allem die Übermacht des halb so teuren DX7.

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    AMAZONA Archiv

    Na ja, damals in den Tests wurden hauptsächlich die Features der Geräte bewertet und nicht so sehr der Klang. Und da hat ein DX-7 eben einiges mehr zu bieten. Bei den meisten Tests stehen auch einfach lapidar drei Sätze zum Filter drinnen, aber nie etwas zum Klang. Und da haben die verschiedenen Synhts eben ihre Unterschiede. Auch das Speed-Verhalten der Envelopes wird in den Tests nie erwähnt. Es ist schon interessant, wie der Abstand sich auf die Wahrnehmung auswirkt.

    Georg.

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    Bei mir muss dieser Synth immer als Beispiel dafür herhalten, dass selten nicht automatisch gut ist. Fast niemand kann ein Urteil über ihn überprüfen, ich habe ihn auch nur einmal (bei der Vorstellung) und wollte das auch nicht nochmal tun. Vor allem die Tastatur war unter aller… Die Verarbeitung war mies und den Klang hat zu der Zeit wirklich niemand gebraucht und ich frage mich, ob sich das heute geändert hat. Aber über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten.

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    AMAZONA Archiv

    Ich finde den Test ein wenig zu euphorisch. Da wird der Polaris in einem Atemzug mit Syntex, Jupiter 8 und ähnlichen gedacht. Man vergleich nur, welche Einstellungsmöglichkeiten man hinsichtlich Pitch-Bending und Modulation mit der linken Hand beim Jupiter 8 hat – und dann schaue man sich die zwei bescheidenen Schieberegler des Polaris an. Dasselbe gilt auch für alles anderem mit der Hand anfassbaren Teile: Beim Jupiter wirkt es teuer und wertig, beim Polaris billig und klapprig.

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    AMAZONA Archiv

    Ich halte meinen Polaris als kleinen Schatz versteckt … im Schrank, als Ersatzteillager fuer meinen Matrix-12!

    Der Polaris ist NICHT sehr flexibel. Er kann Wellenform sweeping von Triangle zu Sawtooth, hat Anschlagdynamik und das ist es dann schon. Die Tastatur ist nicht grossartig und man kann die Anschlagdynamik auch nicht feinjustieren. Die LFOs laufen nur mit Triangle im Freerun mode, mit Square sind die synchronisiert. Die Filterresonanz ist nur in 7 Stufen zu verstellen und die Lautstarkehuellkurve ist keine vollwertige ADSR.

    Es gibt nicht viel, was ich an dem Polaris mag, zumal die Membrantasten das zeitige gesegnet hat (man kann aber alles uber CC# kontrollieren, wenn man wirklich will). Nichtsdestotrotz, der eine oder andere mag sich an die spezielle Architektur, die doch sehr an ARP erinnern ergoetzen. Es ist halt nicht mein Ding…

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    AMAZONA Archiv

    Danke für die guten Kommentare – dazu ein paar Gedanken. Ich habe den Polaris mit SerNr 45. Zumindest dieses Modell hat Fader aller erster Klasse. Schwergängiger, größer und – nach meinem Gefühl – professioneller als die des Jupiter-8. Auch ist die Tastatur ziemlich vom Feinsten, vor allem reagiert die Anschlagdynamik perfekt. In gewissen Bereichen ist der Polaris natürlich unterlegen, keine Frage (zb in der genannten Controller Sektion). Doch um die technischen Details geht es gar nicht so sehr. Ich denke, dass der Polaris viele Freunde dort finden wird, wo Standard-Analog-Sounds der Schiene Roland Juno/Jupiter bzw. vieler Oberheims einen mitunter etwas angestaubten oder nun schon "abgehörten" Eindruck hinterlassen. So gesehen ist der Polaris (als Ergänzung im Setup verstanden)ein intensives Antesten absolut wert – das ist meine Empfehlung.

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    AMAZONA Archiv

    Hallo,
    also erst einmal freue ich mich sehr, wenn sich mal wieder einer mit den alten "Schinken" beschäftigt.
    Dazu muss ich sagen, dass ich einen Polaris und Polaris II besitze und auch den Chroma mit Expander. Tatsächlich ist das größte Manko die digitale Rasterung und die wenigen Modulationsmöglichkeiten. Aber der Grundklang ist kräftig und schön, da verliert sogar ein Jupiter 8 oder andere große Synthies. Mein Chroma, der leider auch die Rasterung besitzt, wurde deshalb auch etwas modifiziert, so daß er mehr Möglichkeiten besitzt. Auch sind beim Polaris öfter die flachen Verbindungskabel unter dem Panel defekt. Der "große Bruder" Chroma ist natürlich eine Welt für sich, da er diese geniallen und brachialen Layersounds besitzt, die jeder kennen sollte.

  9. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich habe bisher noch keinen polyphonen Analog-Syntheziser unter den Fingern gehabt der solche sehr überzeugende E-Piano-Sounds bringt. toll!!
    Besondern wenn man den Polaris über Midi mit einer guten aktuellen Tastatur spielt.

    3 Sterne von mir.

    Jörg

  10. Profilbild
    atropa

    eine sehr ausführliche und und klare huldigung
    eines der interssantesten synthies der je gebaut wurde…
    ergänzen möchte ich dass es jetzt neue panels gibt!!david d rocco der eigentliche mastermind des synths supportet die kiste heute noch und die panels können bei ihm bestellt werden, was ich bereits getan habe, funzt ganz wunderbar..
    http://www.....eplacement

    einfach fantastisch das der vater des polaris sich heute noch um sein baby kümmert.

  11. Profilbild
    Florian Anwander  RED

    Ok, dieser Artikel hat schon einige Jährchen auf dem Buckel, aber ich darf jetzt mal kurz ein paar Fehler (von Theo und von Kommentarschreibern) korrigieren:

    1.) Der Ringmodulator ist digital (sorry Theo), das ist ein einfaches EXOR-Gatter (ein Baustein für 15 Cent) in dem die beiden Rechteck-Schwingungen kombiniert werden.
    2.) Die VCOs produzieren Sägezahn und Rechteck, aber kein Dreieck (sorry Cord). Was Theo nicht erwähnt und Cord misachtet: In der Sägezahn-Einstellung moduliert die Pulsweitenmodulation den Sägezahn zwischen der Grundwelle und einem eine Oktave höheren Sägezahn hin und her (technisch wird das sehr einfach durch Kombination von Saw und Pulse erzielt).
    3.) Der Polaris kann phantastische String- und Pad-Sounds bieten. Gerade die erwähnte Modulation des Sägezahn in Verbindung mit dem polyphonen, nicht gesyncten LFO pro Stimme produziert wunderbar flirrende Streicher. Das gleiche mit langsamer LFO-Frequenz und abgedämpftem Filter schenkt einem butterweiche Flächen.
    […gleich gehts weiter….]

    • Profilbild
      Florian Anwander  RED

      […Fortsetzung…]

      4.) Die Fader sind aller erste Qualität. Ich renoviere öfters Jupiter- oder Juno-Synths; was mir da unter die Finger kommt ist grausam. Ich habe bisher zwei Chroma Polaris für Kunden überholt und besitze seit kurzem auch selbst einen. Die Fader laufen immer butterweich und ohne Aussetzer.
      5.) Die Folientastatur ist – wie Theo richtig anmerkt – der Schwachpunkt des Polaris. Aber sie ist inzwischen reparabel, bzw es gibt seit 2012 Ersatzmembranen von Paul D. DeRocco. Man suche in Netz nach „Rhodes Chroma Polaris Membrane Panel Replacement“. Der erste Hit führt einen zur großartigen rhodeschroma.com-Webseite. Dort findet man die Kontaktdaten von Paul. Die Folie kostet ca 300 Euro incl. Versand, Zoll und Mehrwertsteuer (Stand 2016).

      Was Theo zum Preis anmerkt gilt angenehmerweise heute noch. Einen Polaris bekommt man für 1000 bis 1200 Euro. Für einen Jupiter 6 darf man inzwischen das doppelt hinlegen. Also: Immer noch ein echter Schnäppchentipp!

  12. Profilbild
    byBass

    ich besitze auch einen Polaris und wundere mich
    über die im Test genannte spannungsgesteuerte
    CV-Steuerung. Ich nutze ein Pedal um Cutof etc
    während des Spiels zu steuern…aber ist es möglich
    die Spannungssteuerung von einem anderen Synth
    aus zu steuern und wenn über welchen Eingang?
    (kann ja nur Pedal sein, oder?)

    • Profilbild
      Florian Anwander  RED

      Hallo

      Mal wieder nach langer Zeit:

      > wundere mich über die im Test
      > genannte spannungsgesteuerte
      > CV-Steuerung.
      ich wüsste auch nicht wie man extern mit einer Steuerspannung den Polaris ansteuern soll. Der Pedal-Eingang wird intern mit einem 200kOhm Widerstand auf +12Volt gezogen. Hängt man extern ein Pedal (=regelbarer Widerstand) dran, dann zieht dieser Widerstand den Eingang von den interen 12V runter auf eine Spannung die dem Widerstand des Pedals entspricht. Im Prinzip kann man da zwar statt des Pedals eine externe Spannung reinführen, aber die wird immer mit den interen 12V vermengt. Und wenn der Ausgangswiderstand der externen Schaltung nicht klein genug ist, dann wird die externe Spannung recht wenig bewirken.

      Von daher sollte man sich zumindest nicht allzuviel davon versprechen.

      Gruß
      Florian

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