Blue Box: Yamaha SS-30 String-Synthesizer

11. November 2017

Reap the wild wind

Yamaha SS30 B

Yamaha SS-30 von 1977

Der Yamaha SS-30 nimmt unter den zahlreichen String-Synthesizern der 70er Jahre eine Ausnahmestellung ein. Obwohl das Instrument auf der für die Gattung üblichen Frequenzteiler-Technik basiert, ähnelt es in einigen Punkten doch mehr einem Synthesizer. So besitzt jede der 49 Tasten eine eigene Hüllkurve für die Lautstärke. Vor allem aber verfügt der Yamaha SS-30 über zwei (!) Oszillatoren, die gegeneinander verstimmt werden können. Zusammen mit der für String-Synthesizer so typischen Ensembleeffekt-Schaltung und einer zusätzlichen Vibratoeinheit liefert der Yamaha SS-30 einen unglaublich fetten Klang. „It’s richer sounding than the ARP Solina String Synth“, stellt Vintage Synth fest, um das Instrument am Ende doch nur mit „Humdrum“ (also „langweilig“) zu bewerten. Das mag am Gesamtklangcharakter liegen, der sich vom beliebten Solina-Weichspülersound doch stark unterscheidet.

Bright and cutting

Der Klang des Yamaha SS-30 polarisiert. So lässt etwa Stephen Parsick, den AMAZONA.de-Lesern bekannt als iggy_pop, kaum kein gutes Haar daran: „I think it´s one of the most overrated pieces of gear. It certainly does have a distinct sound but it tends to be on the bright and cutting side.”

„Bright and cutting“ – das beschreibt ziemlich genau den Ultravox-Stringsound. Der Yamaha SS-30 hat – nicht nur bei der Edelschnulze „Reap the wild wind“ – den Sound dieser „Neuen Romantiker“ mitgeprägt. Aficionados dieser Band kommen um das Instrument also gar nicht herum. Aber nicht nur unter Ultravox-Fans hat der String-Synthesizer seine Anhänger: „It’s textures are richer, thicker and creamier due to detune facility over chorus.“ (Vintage Synth-Forum) String-Synthesizer sind ja vor allem als Teppichleger bekannt. Und der Yamaha SS-30 macht in der Disziplin „Flächen“ wahrlich keine schlechte Figur. Der durchsetzungsfähige Klang eignet sich aber auch hervorragend für Sololinien. Namentlich die Celli erzeugen auch bei monophoner Spielweise mächtig Druck.

Peter Forrest hat der Klang des Yamaha SS-30 jedenfalls überzeugt. In seinem Standardwerk „The A-Z of Analogue Synthesizers“ würdigt er den String-Synthesizer: „Even without the Orchestra modulation on, it sounds very good. And through a classy hall room reverb setting it sounds very, very good. It just goes to show that it’s better to do one thing well, than three things to a so-so standard.“ (Hier erlaubt sich Forrest einen kleinen Seitenhieb gegen die damals ebenso beliebten Multi-Keyboards.)

Rückblende

Berlin (West) Ende der 70er Jahre. Mehrere Bands treten im bekannten „Quartier Latin“ in der Potsdamer Straße auf. Die meisten haben „Keyboards“ dabei. (Die Punk-Gruppen spielten damals eher im SO36 in der Kreuzberger Oranienstraße.) Eine Hammond schleppt niemand mehr mit sich rum. Meist steht da ein Fender Rhodes oder Wurlitzer 200 A auf der Bühne, darauf geparkt eine Korg CX3 oder der Crumar Organizer T1, ganz oben thront ein Monosynth: Kein Minimoog – aber immerhin ist ein ARP Odyssey zu sichten, der Rest spielt Korg MS-20 oder (zweite Ausnahme) einen Yamaha CS-15D.

Eine klassische (kleine) Keyboardburg Ende der 70er Jahre: E-Piano, einmanualige Orgel, Mono-Synthesizer. Der Kaftan verweist auf den Einfluss eines gewissen Rick Wakeman.

Eine Abweichung gibt es noch: Das Instrument in der Mitte des Sandwichs kann auch mal ein Crumar Performer, Hohner String Melody oder Korg Delta sein. Ein Mellotron schleppte nämlich erst recht niemand mehr mit sich rum. Und bevor noch die erste Note gespielt war, wusste man Bescheid. Die mit der Orgel machten Rock, die mit dem String-Teil episch-versponnene „Kiffermusik“ – kein Stück unter 7 Minuten.

Country & Western

Ich (Set mit Orgel) mochte den Stringsound eigentlich immer schon und hätte deshalb ein ARP Solina oder Hohner String Melody gerne in mein Rig integriert; aber irgendwie war die Statik meines aus Bauhaus-Profilen zusammengeschusterten Keyboard-Ständers ausgereizt. Zwei, drei Jahre später kauften sich die Keyboarder dann alle einen Polysix oder Juno-60. Und einige wenige Glückspilze hatten schon zuvor ihre Ernährung auf Tütensuppen umgestellt und das Wort Urlaub aus ihrem Wortschatz gestrichen, um sich einen Prophet, Oberheim oder Rhodes Chroma leisten zu können. Und mit dem Poly-Synthesizer hatte man dann beides. Sozusagen „Country und Western“, bzw. Orgel und Strings. Und Bläser und Bässe und Effekte. Wow.

Doch dann besuchte ich im November 1981 das Ultravox-Konzert im Berliner Theater des Westens und konnte erleben, dass ein Oberheim oder ARP Synthesizer ein hübsches String-Ensemble mitnichten ausschließen. Und was war das für ein String-Synthesizer! An diesem Tag muss ich mich infiziert haben mit dem seltenen SS-30-Virus. Die Behandlung ist langwierig (man muss lange Ausschau halten) und leider auch teuer. Damals stillte ich meine Streichersehnsucht mit dem Polysix, der dank Ensembleeffekt ausgezeichnete Stringsounds liefert. Doch jetzt musste es halt der Yamaha SS-30 sein ;-)

Die dunkelbraunen Funktionstasten des Yamaha SS-30 sind farblich perfekt auf das Holzgehäuse abgestimmt

Schlichte Eleganz

Der String-Synthesizer ist ausgesprochen kompakt gebaut. Das 49-Tasteninstrument ist 96 cm breit und 35 cm tief. Mit 16 Kilo ist es kein Fliegengewicht, lässt sich aber noch gut unter den Arm klemmen. Die Yamaha-Designer hatten damals ein gutes Händchen: Der Yamaha SS-30 ist vermutlich der eleganteste Vertreter seiner Gattung, eingekleidet in ein Furnier aus Palisander. Welches bei meinem Exemplar freilich schon etwas abgeschrappt ist. Die Verarbeitung wirkt gediegen, die in dunklem Braun gehaltenen Kippschalter und Drehknöpfe verstärken noch den Edel-Look. Ein deutlicher Kontrast zum Tolex-gewandeten Roland RS-202 oder auch zum Logan String Melody (in Deutschland von Hohner vertrieben), das mit seinen gelben, blauen und roten Fadern ein wenig an Bontempi erinnert. Was man freilich auch mögen kann; klanglich gehört es ohnehin zu meinen Favoriten.

Vom Design ähnlich gelungen wie den Yamaha SS-30 finde ich eigentlich nur noch Rolands VP-330. Die berühmte Solina Stringmachine kommt zwar auch im Holzoutfit daher, wirkt im Vergleich zum Yamaha SS-30 aber leicht trutschig und disproportioniert. Allein schon diese leere Fläche links der Tastatur. Wurde da früher der Aschenbecher abgestellt?

Im Schatten des Solinas

Für den Schönheitspreis konnten sich die Yamaha-Leute am Ende aber auch nichts kaufen. Denn gegen den Platzhirschen Solina hatte Yamaha keine Chance. Wer damals Rang und Namen hatte, spielte die Solina Strings: David Bowie hatte ein Solina auf Heroes und Low eingesetzt (und im Instrumental „Sense of doubt“ einen unerwartet bedrohlichen Charakter verliehen). Herbie Hancock verwendete das von ARP vertriebene Keyboard auf Chameleon. Und was wäre Pink Floyds „Shine on you crazy diamond“ ohne den silbrig schimmernden Solina Klang?

Die Werbung zum Yamaha SS-30 stellte selbstredend das Feature der zwei Oszillatoren heraus

Ein bisschen teuer

Vielleicht lag es auch ein wenig am Preis: Das Solina String-Ensemble wurde damals um die 2.500,- DM angeboten. Und ich erinnere mich, wie ich den Yamaha SS-30 beim Berliner Musikhaus Wiebach (längst pleite) auf dem ebenfalls von Yamaha stammenden E-Piano CP-35 (im gleichen schönen Holz-Look) stehen sah: Preis so knapp unter 3000,- DM. In dieser Preisklasse war dann auch ARPs sehr erfolgreicher Omni eine scharfe Konkurrenz. Zudem kam Yamahas String-Synthesizer in den USA gar nicht erst auf den Markt, weshalb er dort bis heute nur sehr selten zu finden ist.

In der Hoffnung, in Europa mehr Aufmerksamkeit und Kunden zu gewinnen, dienten die Japaner den String-Synthesizer einigen Acts als kostenloses Promotion-Instrument an. Und so kam – surprise, surprise – auch Ultravox-Keyboarder Billy Currie an seinen Yamaha SS-30. Dazu später mehr.

Der Detune-Knopf für den zweiten Oszillator sorgt für einen fetten Sound. Zusätzlich hat der Yamaha SS-30 auch einen Vibratoeffekt an Bord.

Die Kraft der zwei Herzen

Nach dem Einschalten glimmt ein kleines rotes Lämpchen. Auf der linken Seite gibt es einen Pitch-Regler, der die Grundstimmung festlegt. Dieser Regler erinnert sehr an das Pitch-Poti bei der großen CS-Reihe. Während bei den CS-Synthesizern der Doppelknopf jedoch für Grob- und Feinstimmung zuständig ist, besorgt der obere Knopf beim Yamaha SS-30 das Detuning. Und das ist für ein String-Ensemble nun doch eher ungewöhnlich.

Die Klangerzeugung des Yamaha SS-30 basiert auf klassischer Frequenzteilertechnik, mit der Besonderheit, dass zwei Oszillatoren eingesetzt werden

Wie eingangs bereits erwähnt, besitzt der Yamaha SS-30 tatsächlich zwei Oszillatoren. Steven Norgate hat dem Instrument eine eigene Website gewidmet, auf der er sein selbstgestecktes Ziel der (sehr aufwändigen) MIDIfizierung des String-Synthesizers dokumentiert. Norgate beschreibt, dass die beiden diskret aufgebauten VCOs ein 500 kHz-Signal liefern, das an zwei digitale YM25400 Tongeneratoren weitergegeben wird. Diese wiederum erzeugen zwei identische Oktaven, die dann durch LM3211-Frequenzteiler weiter heruntergeteilt werden: „Each cascades of these Digital Tone Generators output a divided down clock which is passed on to next generator board for further division. 500 kHz – 250 kHz – 125 kHz – 62,5 kHz.“

Golden prangt der Firmen-Schriftzug auf dem Yamaha SS-30, typisch für die E-Pianos der gleichen Ära (CP-20, 30, 25 und 35), die Synthesizer CS-15 D, 20M, 40M und 70M und die SK-Reihe

Auf Freemans Pfaden

Der Detune-Regler verstimmt die beiden Oszillatoren und das Ergebnis klingt einfach fetter als bei „normalen“ String-Synthesizern mit nur einem Oszillator. Oder – mit den Worten des Yamaha-Handbuchs: „a richer sound by giving a beating sound.“
Und das dürfte ganz im Sinne von Ken Freeman sein. Der Erfinder der Gattung Stringsynthesizer (der mangels Patentanmeldungen freilich so gut wie nichts daran verdiente) hatte bei seinen verschiedenen Prototypen zum Freeman String Symphonizer mit Oszillatoren nicht gegeizt. Prototyp 1 brachte es auf 12 Oszillatoren, die alle separat gestimmt werden mussten. Die brauchte er allerdings auch, nicht nur um über Frequenzteilung die einzelnen Oktaven zu bedienen, sondern vor allem auch, um die nötigen Schwebungen zu erzeugen. Denn ohne die klingt ein String-Synthesizer wie eine anämische Orgel.

Der eigentliche String Symphonizer war dann schon auf zwei Oszillatoren abgespeckt. Er verfügte aber über verzögertes Vibrato sowie einen weiteren Effekt, der Animation hieß, „in which case a progressively deeper 4,5 Hz vibrato was applied“. (Gordon Reid, SOS Februar 2007). Obwohl Acts wie Pete Sinfield, Jan Hammer, PFM und Caravan den Symphonizer einsetzten, erwiesen sich das Eminent Solina (später auch von ARP vertrieben) und der Crumar Stringman als überlegen: „Two European manufacturers whose string synths generated sounds that were considered to be warmer and more lush than the String Symphonizer’s.“ (G. Reid)

Der Yamaha SS-30 hat sich beim Ensemble-Effekt der Europäer bedient und  erweist gleichwohl mit seinen beiden Oszillatoren dem „Ur-Stringsynthesizer“ seine Referenz.

Der Yamaha SS-30 verfügt über zwei Cello- und drei Violinenregister. Die weißen Punkte über der Tastatur verweisen auf das Keyboardsplitting.

Der Himmel voller Geigen

Der Yamaha SS-30 bietet Celli in zwei Lagen. Bei den Violinen gibt es sogar drei Register: Viola (Bratsche) sowie Violine 1 und 2. Alle Register können frei miteinander kombiniert werden. Die Lautstärke kann allerdings nur sektionsweise – also für die Celli und die Violinen – verändert werden. Viola und Violine 1 tönen ausgesprochen satt und angenehm. Die hohen Violinen können dagegen (speziell im Vergleich zum Solina) etwas schrill klingen, wie im Soundbeispiel „Violine 2″ auch zu hören ist. Das lässt sich mit einem Equalizer zwar leicht kompensieren, ich habe aber alle Klangbeispiele bewusst ohne Filterung aufgenommen. Die hohen Violinen klingen ausgezeichnet, wenn man sie mit den tiefen Lagen kombiniert.

Celli und Violinen besitzen jeweils ein eigenes Brillanzpoti, mit dem die Klangfarbe aufgehellt werden kann. Hier wäre ein richtiges Filter, das für Spezialeffekte ordentlich in den Klang eingreift, einerseits schön gewesen. Umgekehrt wäre das Fehlen unabhängiger Filter-Hüllkurven dann wohl recht schmerzlich bewusst geworden.

Kein Klavier

Auch bei der Soundauswahl gibt sich der Yamaha SS-30 ganz puristisch: Weitere Instrumente wie etwa Klavier und Clavichord (Elka Rhapsody 610) oder Brass-Sounds (wie beim Solina oder Crumar Performer) sucht man vergeblich. Tangerine Dream haben ihren Elka-Stringsound mit den Klavier- und Cembalo-Klängen akzentuiert. Und „Shine on“ von Pink Floyd hat diese spezielle String/Brass-Mischung, bei der sich die unterschiedlichen Filterfärbungen mischen. Der Yamaha SS-30 beschränkt sich tatsächlich auf die eine Sache, die der Name „String-Synthesizer“ ja auch insinuiert. Das kann man bedauern oder aber auch gut finden – nach dem Motto, lieber eine Sache richtig machen. So wie es ein stolzer Besitzer formuliert hat: „A ’no gimmicks‘ classic. Promises strings and hell does it deliver!“

Streicherflächen, ein markanter Cellobass und Violinenregister, die auch solo hervorragend funktionieren – der Yamaha SS-30 ist ein echter Allrounder

Verkappter Bass-Synthesizer

Eine besondere Überraschung bieten die Celli. Normalerweise klingen Streichsynthesizer ohne Chorus schön schrecklich – im besten Fall nach Kirchenorgel. Der Cellosound des Yamaha SS-30 entfaltet seine betörende Wirkung hingegen auch ganz ohne Ensembleeffekt. Speziell die Celli profitieren von der Möglichkeit, die beiden Oszillatoren gegeneinander zu verstimmen. Das klingt voll und mächtig und vor allem klar konturiert, während die Ensembleschaltung den Klang gerne ins Wabern und Schwimmen bringt (was bei den Violinen ja auch genau beabsichtigt ist). Der Celloklang kann deshalb wie ein Bass-Synthesizer eingesetzt werden. Billy Currie merkt zu den Celli kurz und bündig an: „great sound“.

Jede Taste des Yamaha SS-30 besitzt unabhängige VCA-Envelopes, die freilich nur eingeschränkt zu regeln sind

Messa di Voce

Das gegeneinander Verstimmen bringt schon Bewegung in den Sound. Damit es nicht statisch klingt, braucht es aber noch mehr: eine Entwicklung des Klangs über die Zeit. Das, wofür bei einem Synthesizer die Hüllkurven zuständig sind. Und eben auch genau die neuralgische Stelle, an der sich der polyphone Synthesizer-Weizen von der Spreu der Multikeyboards und String-Ensembles trennt. Doch urteilen wir nicht vorschnell: Der Yamaha SS-30 hat – wie eingangs bereits erwähnt – an dieser Stelle noch ein As im Ärmel. Es besitzt nämlich für jeden Ton eine unabhängige Lautstärkehüllkurve. Dieses unabhängige Trigger-Verhalten jeder einzelnen Note ist dann sehr schön, wenn man nicht nur einfach über fette Bässe fette Akkorde legen möchte. Sondern auch mal polyphon-kontrapunktische Linien spielen möchte, die durchhörbar sind.

Leider ist nur das Sustain frei einstellbar, jeweils individuell für Celli und Violinen. Für die Einschwingphase – wiederum separat für die beiden Sektionen – gibt es lediglich einen Umschalter für schnellen oder langsamen Attack. Allerdings sind die Werte sehr musikalisch gewählt. Die schnelle Attack-Zeit eignet sich für eine Staccato-Spielweise, während das langsame Einschwingen einer „Portato“-Spielweise entspricht. Genau diesen „Bow“-Effekt hat Billy Currie von Ultravox beim Titelsong des Vienna-Albums mit Gewinn eingesetzt, wie er in einem YouTube-Video berichtet: „So it hangs over just a little bit. And that’s kind of violonistic – an orchestral way of doing something.”

Pizzicatoeffekte sind freilich nicht möglich. Und klar: Selbstverständlich wäre eine komplett frei einstellbare Einschwingzeit wie beim Sustain (eigentlich Release) schöner gewesen.

Auf dem Album „Vienna“ setzte Ultravox erstmalig den Yamaha SS-30 ein. Noch stärker prägte der String-Synthesizer den Sound der Nachfolgealben „Rage in Eden“ und „Quartet“.

Splitting-Tabelle

Um die verschiedenen Streichregister wirkungsvoll einzusetzen, kann das Instrument gesplittet werden. Allerdings nicht variabel, stattdessen bietet der Yamaha SS-30 drei Fixstellungen an. Ist die Splitting-Option nicht aktiviert, sind die Violinen auf dem gesamten Keyboard zu hören. In Position 1 bekommen die Celli die Töne bis zum eingestrichenen c zugewiesen. In Position 2 geht’s bis zum fis rauf und in Position 3 belegen die Celli die Tastatur bis zum zweigestrichenen C.

Interessant ist der Stempelaufdruck: Kingston liegt am nordöstlichen Ende des Ontariosees in Kanada. Mein Yamaha SS-30 hat also schon etwas von der Welt gesehen.

Die letzten Sonnenstrahlen des Herbstes tauchen das Holzgehäuse des Yamaha SS-30 in ein warmes Licht.

Modulierter Sternenstaub

Ein doppelter VCO ist eine feine Sache, macht aber noch keinen Stringsynthesizer. Der Yamaha SS-30 hat natürlich noch mehr an Modulationsmöglichkeiten zu bieten: ein Vibrato, dessen Intensität frei eingestellt werden kann und das – wenn gewünscht – mit Verzögerung einsetzt.

Und – das A und O bei Stringern – die Orchestra-Schaltung. Die heißt mal Chorus, mal Ensemble-Effekt und verwandelt den orgelähnlichen Grundklang erst zum Stringsound. Erzeugt wird er durch den Einsatz mehrerer Eimerkettenspeicher (Bucket Brigade Bridges), die phasenverschoben mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten angesteuert werden. Es gibt nicht die eine Ensemble-Schaltung, sondern jeder Hersteller hat das Grundprinzip für sich leicht abgewandelt, vielleicht auch um Lizenzstreitigkeiten zu entgehen. Die Solina-Strings erzeugen ihren Ensembleklang zum Beispiel mit 2 LFOs, 2 Phaseshiftern, 1 Inverter, 3 Clockgeneratoren und 3 Delays. Der Yamaha SS-30 setzt 2 LFOs, 4 Phaseshifter, 3 Mixer, 3 Clockgeneratoren und 3 Delays ein, um den Orchestra-Effekt zu erlangen: „The SS-30 Orchestra chorus is a tweaked version of a classic design.“ (Steven Norgate)

Das Geheimnis jedes String-Synthesizers ist der Ensemble-Effekt, der beim Yamaha SS-30 „Orchestra“ heißt und für Celli und Violinen separat anwählbar ist.

A rich throbbing

Der Effekt kann für Celli und Violinen getrennt gewählt werden, was sehr wichtig ist. Denn nur so lassen sich seidige Streicher mit einem knochentrockenen Cellobass zusammenbringen, der fast schon an einen Synthesizerbass erinnert. Zwei Geschwindigkeiten bietet der Yamaha SS-30 an: Die langsame empfiehlt das Handbuch als geeignet für eine „liturgical selection“. Bei hoher Geschwindigkeit geht’s richtig zur Sache „to add a rich throbbing“. Allerdings erzeugt der Orchestra-Effekt einige Nebengeräusche, die im Arrangement zwar untergehen, wenn der Kanalzug allein offen ist, aber schon nerven können.

Neben der Geschwindigkeit ist entscheidend, ob der Effekt eher subtil wirken soll oder man richtig dick auftragen will. Das geschieht mit dem „Depth“-Knopf. Man kann sicher einiges am Yamaha SS-30 bemäkeln, aber beim Thema Modulation trumpft er eindeutig auf. Zwei Oszillatoren, dazu noch Vibrato und Orchestereffekt sorgen für einen satten Sound. Und weil dieser immer leicht höhenbetont ist, setzt er sich auch ideal gegen brettharte Sequencer-Linien und verzerrte E-Gitarren durch.

Die Kehrseite

Auf der Rückseite wird das Netzkabel eingestöpselt. Dort kann auch ein Sustain-Fußschalter und ein Lautstärkepedal (mein altes Yamaha FC-7 funktioniert hier wunderbar) angeschlossen werden. Leider gibt es nur einen einfachen Monoausgang. Stereo wäre schon schick gewesen, Einzelausgänge für Violinen und Celli übrigens auch.
Dann könnte man fast trockene Celli-Bässe mit „nassen“ Streichern kombinieren. Auch für abgedrehte Phaser- und Flanger-Effekte würde sich eine getrennte Abnahme anbieten. Ist nun mal leider nicht. Als echter Chorus-Fetischist hänge ich gerne den Boss-Chorus CE1 dran, was vor allem den Charme hat, dass der Chorus das Signal in die Stereobreite zieht. Und natürlich verbindet sich auch der Yamaha SS-30-Sound wunderbar mit einem schönen Phaser wie dem Electro Harmonix Small Stone oder MXR-100. Experimentieren kann man aber auch mit Flangern und Leslie-Effekten. Und ein guter Hall ist natürlich Pflicht.

Sehr schlicht sind die Anschlussmöglichkeiten des Yamaha SS-30 gehalten. Größtes Manko: leider nur ein Monoausgang.

Ultravox: Der geschenkte Gaul

Heute verbindet man vor allem New Romantic- und New Wave-Bands wie Magazine, Visage und speziell Ultravox mit dem Yamaha SS-30. Da mutet es schon eigenartig an, dass Ultravox-Keyboarder Billy Currie das Instrument quasi als Werbegeschenk aufgenötigt wurde. Und es war keineswegs Liebe auf den ersten Blick, wie Currie sich auf der Website von GForce Software erinnert: „I do admit though that I did not have a great relationship with the Yamaha SS-30 initially. Yamaha gave the gear to Ultravox in 1979-80 so I didn’t say ‘No thanks’.”

Ultravox hatte bei den frühen Alben mit John Foxx das Elka Rhapsody eingesetzt. Ihm gehörte Curries ganze Zuneigung, während er sich mit dem Solina-Sound so gar nicht anfreunden konnte: „The Solina was an instrument I didn’t really get on with the seventies, too silky.” An anderer Stelle lästert er über den „middle of he road”-Sound des Solinas, das die Mantovani-Ära heraufbeschwören würde. „And that did not appeal to me at all. Whereas the Elka Rhapsody had a character, it was emotional and it cuts through.”

Diesen eigenständigen Charakter muss Currie dann auch beim Yamaha SS-30 entdeckt haben. Seit Anfang der 80er Jahre gehörten zwei dieser String-Synthesizer zum festen Bühnenset von Ultravox. Teilweise wurden die Instrumente damals mit gräulicher Folie abgeklebt, um einen einheitlichen Look zu erreichen. Oder vielleicht störte das Holzfurnier auch das futuristische Image der Band.

Ansprechendes Profil – der Yamaha SS-30 überzeugt mit gutem Design

Vienna

Dem Elka Rhapsody blieb Currie aber zumindest im Studio treu. Auf den Alben „Vienna“ und „Rage in Eden“ (beide aus dem Jahr 1981) wurde es neben dem Yamaha SS-30 noch fleißig eingesetzt.

In einem Interview hat Currie aufgedröselt, wie er die Stärken beider Instrumente beim Titelsong von Vienna verbunden hat. Für den gesamten Mittelpart benutzte er die Elka Stringmachine, deren Sustain-Klang er rühmt. Für den Chorus dagegen den Yamaha SS-30. „The chorus suited to the SS-30 because you could do a very slow fade in. If you’re able to create the feeling of a bow without sounding naff – like the Solina.” Zack, hat er dem Solina wieder eins mitgegeben. Wobei Steven Norgate völlig zu Recht darauf hinweist, dass auch der „slow attack“ des Yamaha SS-30 noch ziemlich fix ist. Aber vermutlich geht es Currie einfach darum, den Bogen-Effekt zu beschreiben – und der lässt sich ohne weiteres nachvollziehen.

Auf dem späteren Album „Quartet“ mit dem schmachtenden „Reap the wild wind“ war dann der der Yamaha SS-30 unangefochten der Herr im Ring. Wenn man böse wäre, könnte man also sagen, der String-Synthesizer begleitete den musikalischen Niedergang der Band. Wobei etwa beim Live Aid Konzert 1985 die Streicherklänge bei „Vienna“ vom Emulator kamen und – man traut es sich kaum zu sagen – auch von dem DX-7.

GForce hat bei der Entwicklung ihrer Virtual String Machine eng mit Keyboardern wie Billy Currie zusammengearbeitet

Als Ultravox 2012 ihr 11. Studioalbum „Brill!ant“ aufnahmen, erinnerte sich die Band wieder an ihre alten Signaturesounds. Bei den Live-Auftritten, wie auch der vorangegangenen „Rage in Eden“-Tour, wurde nun freilich Software eingesetzt. Die GForce Virtual String Machine lieferte sowohl die Klänge des Elka Rhapsody 610 als auch die Soundpalette des Yamaha SS-30.

Waldorf hat seine Hommage an die Zeit der String-Synthesizer in Hardware gegossen. Der „Streichfett“ beweist, dass diese Klänge nach wie vor gefragt sind.

Auch die New Romantic-Band „Visage“ setzte den Yamaha SS-30 ein

Devenir gris

Zum echten Markenzeichen – ähnlich wie bei Ultravox – wurde der Yamaha SS-30 bei Dave Formula. Er nahm das Instrument 1978 in sein Studio und Liveset auf. Man kann den String-Synthesizer auf den Visage-Alben „Visage“ (mit der New Romantic-Hymne „Fade to grey“) und „The Anvil“ hören. Außerdem auf den Magazine-Alben „Secondhand Daylight“, „The correct use of soap“, „Magic murder and the weather“. Sogar auf der Magazine-Reuniontour im Jahr 2009 war der Yamaha SS-30 mit von der Partie.

Dave Formula hat das Instrument später bei eBay verkauft (und dabei übrigens einen Preis von 934,- Pfund erzielt). Der Anzeigentext macht ohne viel Geschwurbel klar, was Dave in jahrelanger Praxis live und im Studio am Yamaha SS-30 schätzen gelernt hat: „It is a remarkably versatile string machine… with the ability to transform a track, when used as a full section, or as individual instruments: the cellos are particularly effective, solo, when used in staccato fashion. All in all, it records beautifully!”

Der Yamaha SS-30 verfügt nur über Brillanz-Regler für die beiden String-Sektionen. Aber hier hilft ein Mischer mit guten parametrischen Equalizern weiter.

Der Yamaha SS-30 – selten und teuer

Die umgerechnet gut 1000,- Euro (bei sehr niedrigem Pfundkurs) für Dave Formulas Yamaha SS-30 sind sicher auch der Prominenz des Besitzers geschuldet. Aber sehr viel billiger wird es nicht: Während ich diesen Artikel schreibe, werden drei dieser raren Instrumente angeboten. In Japan. Als Preise werden aufgerufen 450,- Euro für ein Gerät mit Macken und 600,- bis 700,- Euro für zwei voll funktionstüchtige Instrumente. Jeweils inklusive Versand aber ohne Zollgebühren. Das Teuerste der Angebote würde also bei ca. 900,- Euro landen. Da befindet man sich natürlich schon in Regionen, wo auch ein Polysix oder gar ein Juno-60 in Reichweite sind.

Der Yamaha SS-30 ist tatsächlich so rar, dass die Syntacheles-Liste ihn bisher noch gar nicht aufführt. Ich habe mich lange umgeguckt und mich am Ende für ein Festpreis-Angebot von „Vintageworks“ aus den Niederlanden entschieden. Mit 675,- Euro inklusive Versand war das sicher kein Schnäppchen. Aber dafür hat man die Garantie, ein funktionierendes Instrument zu erhalten, das bestens verpackt auf die Reise geschickt wird. Gert Verhoeven dreht sogar eigens kurze Videotutorials für seine Kunden, in denen er das Instrument komplett durchcheckt und erklärt.

Wenn man sein Instrument so gut eingewickelt aus dem Karton voller Verpackungschips holt, hat man gleich ein gutes Gefühl

Ein Königreich für einen Chip

Und trotzdem kann man bei diesen alten Geräten nie sicher sein, ob es im Falle eines Falles Ersatzteile gibt. Im Vintagesynth-Forum hat ein Yamaha SS-30-Besitzer die verzweifelte Frage gestellt, wo er den Tongenerator-Chip YM25400 auftreiben könne. Ein zentrales Bauteil, von dem der String-Synthesizer ja sogar zwei Stück besitzt. Die lakonische Antwort eines anderen Users: „Some are only in the tummy of the animal tree of the same name to be found.“ Interessanterweise lag meinem Instrument ein vier Jahre alter Quittungsbeleg eines Vorbesitzers bei. Es ging genau um einen der Tongeneratoren, der ausgetauscht werden musste. Kosten: 225,- Euro. Hoffentlich hält der Ersatzchip noch ’ne Weile ;-)

Gesuchtes Teil: Die beiden Tongeneratorchips YM25400 sollten nach Möglichkeit nicht schlapp machen

Die flache Oberseite des Yamaha SS-30 bietet reichlich Platz für jede Menge Effektgeräte

Strings of Pearls – Die Klangbeispiele

Es gibt insgesamt sieben Klangbeispiele, um den Klang der Register und die Modulationsmöglichkeiten vorzustellen. Dazu acht Minikompositionen, die den Einsatz verschiedener Effekte (Phaser, Flanger, Leslie, Chorale-Effekt) im Zusammenspiel mit dem String-Synthesizer dokumentieren, aber auch zeigen sollen, wie durchsetzungsfähig der Yamaha SS-30 selbst in dichten Arrangements ist. Außer diesen jeweils aufgeführten Spezialeffekten kommt nur ein Strymon Big Sky-Reverb zum Einsatz. Ein gutes Hallgerät hatte ja schon Peter Forrest als essentiell für den gepflegten Streichersound erachtet. Ich habe keine Equalizer oder Kompressoren eingesetzt.

A Tick of the Trail

Das Wortspiel im Titel deutet an, von wem dieses Soundbeispiel inspiriert ist. Tony Banks ersetzte sein Orgel-Leslie ab 1977 durch eine Kombination aus dem Boss Chorus CE-1 und dem MXR Phase 100. Genau diese Kombi habe ich hier eingesetzt. Gitarre und Mellotron-Chor vom Kurzweil, ein Moog-Bass sowie die wüst vor sich hintrommelnde DR-880 sorgen für zusätzliches Genesis-Flair.

All what I needed

Dass die monophonen Linien eine klare Stärke des Yamaha SS-30 darstellen, zeigt dieses Klangbeispiel. Erinnert sehr an die Achtziger: Die Gitarren tuckern vor sich hin und darüber läuft eine Synthesizerlinie oder – wie in diesem Fall – der String-Synthesizer.  Ähnliche Beispiele finden sich zum Beispiel bei den „Cars“ und anderen Bands dieser Periode.

Daydream

Dieses Beispiel bewegt sich auf den Spuren von Ultravox. Dazu gehören treibende Sequencer, die teilweise ungewohnten Akkordwechsel (das hat die Band mit Genesis gemeinsam) und der orchestrale Stringsound, für den der Yamaha SS-30 so typisch ist. Bei den akkordischen Passagen wird der String-Sound zusätzlich noch durch den Boss CE-1 geschickt. Und natürlich darf auch ein Sync-Synthesizersound nicht fehlen, der durch einen Flanger läuft – auch wenn der Synthesizer hier kein ARP Odyssey ist.

Oszillator-Detuning

Zwei Beispiele zur Verstimmung der beiden Oszillatoren: Die beiden Celloregister werden kombiniert – zunächst ohne Schwebung – dann mit Detuning. Die Orchestra-Schaltung ist deaktiviert. Ich finde, es klingt sehr mächtig. Beim tiefen C, was gehalten wird, kann man ein Störgeräusch wahrnehmen: Da war die MP3-Wandlung mal wieder überfordert.

Das zweite Beispiel führt den Detune-Effekt bei den Violinen vor. Zunächst das Violine 1-Register, das hier wie eine Orgelstimme klingt, ohne Schwebung. Dann setzt die Schwebung ein und zum Schluss werden die beiden anderen Violinen-Register zugeschaltet, was sehr sakral klingt. Dieses Beispiel zeigt auch sehr schön die Vorteile der unabhängigen Lautstärkehüllkurven. Bei den gegenläufigen Linien von Bass und Diskant lassen sich die Stimmen durch das unabhängige Triggern jeder einzelnen Note gut unterscheiden (was leider auch jeden kleinen Spielfehler erbarmungslos aufdeckt ;-)

Wenn der Klang des Yamaha SS-30 nicht zu schneidend werden soll, lässt man das Violine 2-Register einfach mal weg und stellt die Brillanz auf maximal 60-70 Prozent ein

First of his Name

Die Strings sind ein ausgezeichnetes Trägersignal für die Spezialprogramme des Strymon Big Sky. In diesem Fall wurde „Chorale“ ausgewählt. Im Random Mode klingt es tatsächlich ein wenig so, als ob ein Vocoder-Chor einen valyrischen Text artikulieren würde.

Let’s dance

String-Synthesizer wurden früher regelmäßig auch bei Disko-Produktionen gerne eingesetzt. Die Streicher wurden über ein passendes Performance-Preset meiner Yamaha Workstation gelegt. Selbst bei den monophonen Phrasen klingt es durch die gleichzeitige Auswahl zweier Register so, als ob die Strings eine Oktave spielen würden. Im Hintergrund grummelt noch ein Clavinet-Sound vom Kurzweil.

The Rains of Costellomere

Irgendwo zwischen Carpenters Helloween und Gothic ist dieses Beispiel anzusiedeln, bei dem der Stringsound durch einen Boss Flanger geschickt wird. Auch das Cello-Register im Bassbereich wird schön moduliert. Klavier und Chor verstärken die Doom-Atmosphäre.

Turning around

Macht auch Spaß: Cello-Bass und Violinen durch den Ventilator schicken. Was ein bisschen zu einer überzeugenden Orgelemulation fehlt, ist ein Key-Klick. Aber ansonsten gurgelt es doch schon ganz schön: „Keep on turning, turning around“.

Vibrato

Um das Vibrato vorzuführen, wurde der Ensemble-Effekt ausgeschaltet und auch die Oszillatorschwebung auf Null gesetzt. Bei den ersten Akkorde hört man den unmodulierten „Orgelklang“, bevor das Vibrato einsetzt. Damit lässt sich ein Sound à la Vox Continental erzielen.

Wall of Strings

Pink Floyds „Shine on you crazy diamond“ wird gerne als Paradebeispiel für den Einsatz des Solina String-Ensembles genannt. Nun, mit einem einzelnen Solina wird sich der Sound kaum befriedigend realisieren lassen. Rick Wright arbeitete damals mit einem wohl auf dem Minimoog erzeugten Brass-Fundament und mehreren Solina-Layern, die an verschiedene Mixerkanäle geschickt wurden und im Stereo-Panorama herumwandern. Ich habe eine Annäherung mit drei Layern versucht (und ein bisschen am Panoramaregler gedreht): 2 mal Yamaha SS-30 und ein Brass-Sound vom Kurzweil. Der Lead-Sound ist natürlich ein Moog, wobei sich der Prodigy sehr achtbar als Ersatz für den damals von Wright eingesetzten Minimoog schlägt.

Die Violinen-Register

Die Violas mit Slow Attack produzieren einen relativ realistischen Streichensemblesound. Mit dem mittleren Register (Violine 1, Fast Attack) lassen sich sehr schön durchsetzungsfähige Sololinien spielen. Die Violinen 2 mit langsamem Attack eignen sich für hohe ätherische Klänge à la Lohengrin. Allerdings wird der Yamaha SS-30 hier vom silbrig-schimmernden Solina-Klang klar ausgestochen. Das hohe Register des Yamaha ist deshalb vor allem für Kombinationen mit den tieferen Lagen geeignet. Hier liefert es dann die Obertöne, mit denen der Klang besser durch den Mix dringt. Auch Tutti-Streicher sind zu hören, das Fundament legt ein pochender Cellobass.

Der Mann im Kaftan (siehe Seite 1) heute: Costello beim Einspielen des Sync-Sounds für das Klangbeispiel „Daydream“.

Fazit

Dave Formula hat es auf den Punkt gebracht. Der Yamaha SS-30 besitzt die Fähigkeit, ein Musikstück zu verwandeln und zu prägen. Genau das erwarte ich von einem inspirierendem Musikinstrument. Deshalb fallen die ganzen „es wäre eigentlich schön gewesen, wenn“-Aussagen in diesem Report (von denen es zugegebenermaßen einige gibt) für mich am Ende nicht so stark ins Gewicht. Wirklich entscheidend ist, welchen Grundklang man bevorzugt: den schmeichel-seidigen Solina-Klang oder den strahlend-schneidenden Yamaha SS-30-Sound. Daraus ließe sich übrigens auch ein Argument für eine gute Software-Lösung ableiten: Denn sonst stapeln sich im Studio am Ende zehn verschiedene String-Keyboards, die alle ein wenig unterschiedlich tönen. Ich halte es aber mit dem Yamaha SS-30-Besitzer „Malone“: „Never sell an SS-30. They are only for buying, and much playing.“ Ob man dafür wirklich doppelt so viel bezahlen will, wie für ein ebenfalls fantastisch klingendes Hohner String Melody und manchmal auch deutlich mehr als für den amtlichen Solina-Sound, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Plus

  • ausgezeichneter Stringsound
  • Detune-Möglichkeit dank zweier Oszillatoren
  • eigene Lautstärkehüllkurve pro Taste

Minus

  • Keine Einzelausgänge für Celli und Violinen
  • kein Stereo
  • eingeschränkte Klangregelung
  • Attack kann nicht frei eingestellt werden

Preis

  • Angebote für funktionstüchtige SS-30 aus Japan 600,- bis 700,- Euro inklusive Versand, ohne Zoll
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Bei dem Titel bin ich natürlich hängengeblieben. ? Schöne Demos, die mich in eine längst vergangene Zeit zurückführten. Danke für die Zeitreise und einen weiteren, schönen Testbericht.

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      costello  RED

      Hallo Peter, Du bist ja ein Frühaufsteher – danke für Deinen lieben Kommentar. Ja, der SS-30 verführt zu solchen Zeitreisen in die Ära von Ultravox, den Neuen Romantikern oder Bands wie Simple Minds. Die Musik war unter der oft kühlen und stilisierten Oberfläche sehr emotional. Das hat mir gut gefallen.

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    Piet66  RED

    Klasse Bericht Costello über einen begehrenswerten Synthesizer, auf den ich schon immer ein Auge geworfen habe.
    Anstatt dieses edlen Schwergewichts wurde es dann doch „nur“ ein Siel Orchestra, der allerdings wesentlich besser klingt als es das äußere Erscheinungsbild zunächst vermuten lässt.

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      costello  RED

      Hallo Piet 66, das Siel Orchestra mag vom Look her erstmal etwas billig wirken. Der Klang aber ist über jeden Zweifel erhaben. Und es hat zusätzlich zu den Strings noch mit Reed, Brass und Piano tolle Zusatzregister. Ein Supergerät!

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    AMAZONA Archiv

    Sehr schöner Bericht, der dem Gerät absolut gerecht wird. Ja das ist der Ultravox Sound. Der SS-30 klingt einfach anders als ein Logan, Solina oder Crumar, aber trotzdem sehr gut. Die Soundbeispiele zeigen dies eindrücklich. Super gemacht!

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      costello  RED

      Danke Marko! Wenn ich den Platz hätte – ich würde sie mir alle hinstellen. Ich liebe diese alten Stringmachines! Wenn es jetzt nicht der SS-30 geworden wäre, hätte ich mich übrigens für ein Logan (Hohner) entschieden. Noch vor dem Solina (to silky ;-)

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        AMAZONA Archiv

        Das Logan/Hohner String Melody hat für mich mit Abstand den schönsten Stringsound überhaupt. Dann folgt der Crumar Performer B und der ARP Quadra. Man kann nie genug Strings haben. ;)

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          spacelight  

          Ich habe mir letzte Woche den Crumar Multiman S zugelegt, nicht zuletzt wegen Marco´s Demo des Performers der den gleichen Klangcharakter hat und bin ganz erstaunt wie zeitlos schön das Teil klingt nur mit Hall und bisschen Chorus , mit Phaser natürlich 70ér pur. Da ist was im Sound das fehlt dem Streichfett. Den SS-30 hatte ich auch nicht auf dem Schirm , aber ein toller Testbericht und super Demos…

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            costello  RED

            Der Streichfett ist gut; aber diesen typischen „Sternenstaub“ – den haben halt nur die alten Kisten. Glückwunsch zum Multiman!

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              TobyB  RED

              Hallo Costello,

              dafür hatte der Streichfett in der alten Firmwareversion so „schöne“ Artefakte, die man mit externen FX schön animieren kann. Generell ist beim Fett die externe Effektierung sinnvoller. Da die internen FX „matschen“ Für ganz Faule durch ein Lexicon MX 200 und hier Tapedelay und Chorus im Cascadenmodus beimischen. Oder eine Electric Mistress oder Jarres olle Karre, den Small Stone nehmen.

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              spacelight  

              „Sternenstaub“ das trifft es ganz gut , danke !!
              Der Streichfett klingt auch gut , hat noch ein größeres Soundspektrum , Hall – und Ensembleeffekt und aber auch diese periodischen „digitalen Geräusche“ .

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    AMAZONA Archiv

    Wunderbarer Artikel! Danke. Ein echter Liebesbeweis für die SS-30. Tolle Klangbeispiele, man bekommt über die im Artikel genannten Referenzen hinaus eine sehr präzise Vorstellung vom Potential dieses charakter-Instruments. Insbesondere „Wall of strings“ hat mich beeindruckt. Den Trick mit den gedoppelten Strings kannte ich noch nicht. Kommt voll an den Floyd sound ran, wie ich finde. Fehlt nur noch ein echter Plattenhall. Und dann die West-Berlin Anekdoten. „Musik Wiebach“ das das noch jemand kennt :-))) Solche Artikel machen Amazona zu dem was es ist, mehr als nur ein Drückerportal für Gear. Nochmal: Danke!

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      costello  RED

      Danke für Dein nettes Feedback! Beim Pink Floyd-Sound ist auch das Brass-Fundament sehr wichtig. Die Solina alleine gibt das nicht her. In dem wunderbaren Rick Wright-Artikel von Klaus Rausch berichtet der Floyd-Experte Bernd Pfeffer, dass für die Bläser-Akkorde damals mit Multitrack-Aufnahmen des Minimoogs gearbeitet wurde. Hier noch mal der Link:
      http://bit.ly/2hrfvni

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    AMAZONA Archiv

    Also, da liest und hört man die Liebe zu dem Instrument wirklich raus. Da gibt man schon 5 Sterne allein für die Leidenschaft, die einem da entgegenspringt. M.E. Für Progressive Rock und Psychedelic Rock ’ne wirklich gut verwendbare Maschine. Setzt sich mit diesem schneidenden Sound gut im Arrangement und im Mix durch. Bezogen auf eigene musikalische Bedürfnisse, wäre der Streicherlieferant allerdings eher 2. oder 3. Wahl.

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      costello  RED

      Danke Wellenstrom! Ganz genau: Der bright and cutting Sound schneidet im Mix wie ein heißes Messer durch Butter. Aber ich muss Dir widersprechen: Ein SS-30 würde ganz phantastisch zu der Atmosphäre Deiner Musik passen. Ich höre da Human League raus, John Foxx, Joy Division, auch David Sylvian. Also mindestens einen ARP Omni solltest Du schon am Start haben ;-)

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        AMAZONA Archiv

        Hahaha… ja, die ARPs haben wirklich was. Der ARP Quadra, den du ja hier auch vor einiger Zeit so schön und vorbildlich beackert hast, hatte es mir auch ziemlich angetan. Aber für Hardware fehlt mir da eindeutig was an Platz in meiner kleinen Bude. Da gäbe es dann nur die Wahl zwischen Musik machen ODER wohnen. Aber virtuell hat man da ja einige Emulationen am Start. Und hier erwähntest du ja auch die Gforce VSM. Denke, es wird auf so’n Gforce Paket aus M-Tron Pro und VSM hinauslaufen.
        Übrigens ein weiteres großes Lob von mir, weil du dich nicht nur ausführlich mit den Kommentaren auseinandersetzt, sondern einer von wenigen bist, die sich auch mit dem musikalischen Background und Material der Kommentatoren auseinandersetzen und versuchen, deren Standpunkt zu verstehen. Das ist in dieser allgemein egozentrischen digitalen Ära, die generell, ich nenne sie mal – „oberflächenzentriert“ – geworden und geprägt ist, sehr selten geworden, dass da jemand so in die Tiefe geht.

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          costello  RED

          Ich glaube, mit GForce triffst Du eine gute Wahl. Sogar der olle Solina-Verächter Currie sagte, dass die Wiederbegegnung mit Elka, SS-30 und sogar der Solina via VSM ihn sehr berührt hätte.
          Danke für Deine Wertschätzung meiner Versuche, in den Antworten auch auf den musikalischen Background einzugehen. Das fällt natürlich leichter, wenn es in den Profilen SoundCloud-Links oder wie bei Dir auch einen weiterführenden Web-Link gibt. Aber ganz abgesehen davon: Ich mag Deine Mucke :-)

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    k.rausch  RED

    Klasse Artikel über den Stringer, den ich von allen am wenigsten mag, vom Delta mal abgesehen :) Und deine Audio Tracks zeigen deutlich, dass nur oberflächliches Hinhören allen den fast gleichen Klang attestiert. Nö, die sind sämtlich ganz schön verschieden und der SS30 besonders – im doppelten Wortsinn. Cooler Beitrag zum hier stetig wachsenden Vintage Keys Archiv.

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      costello  RED

      Danke Klaus! Du magst Deine Strings also am liebsten seidig-schimmernd? Ja, der Klang des SS-30 polarisiert absolut. Wenn ich es etwas gefälliger schwurbeln lassen möchte, dann muss halt der Opus 3 an den Start ;-)

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        k.rausch  RED

        Das Solina ist mir zu brav, habs eher mit dem String Melody II und Godwin Symphony. Hatte schon welche, bin aber seit einer Weile der Spielverderber und mir reichen nun gut gemachte Samples davon. Hab mir da schon die ganze Familie vorgeknöpft. Nur Opus 3 fehlt noch :)

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    iggy_pop  AHU

    Es ist ja nicht nur der klirrend-kalte, schneidende Gesamtklang — der als solcher sicherlich seinen Nutzen in einem dichten Arrangement hat –, es sind die äußerst limitierten Hüllkurven, die im Vergleich zu anderen Stringgeräten äußerst begrenzte Release-Zeit und die nur stufenweise schaltbare Einschwingzeit (die, wie man’s auch dreht oder wendet, immer zu kurz ist — ohne Volumenpedal geht es nicht), die Tiefe der Chorus-Modulation (nie genug), die Verstimmung zwischen den Generatoren (Mann, das klingt aber wirklich sowas von verstimmt) — kein Wunder, daß bei Ultravox der SS-30 in der Regel durch ein Yamaha E-1010 gespielt wurde, um Teilen der Mankos entgegenwirken zu können.
    .
    Ich habe meinen SS-30 1997 aus Schottland bekommen (damals gab es noch Kleinanzeigen im Future Music), angeblich hatte das Gerät ursprünglich mal der britischen Sängerin Barbara Dickson gehört. Ich habe den SS-30 dann 1999 an einen Kollegen verkauft, der ihn mir 2007 als freundliche Dauerleihgabe für einige Jahre zur Verfügung stellte. Kaum, daß ich ihn einschaltete, merkte ich, warum ich mich 1999 von ihm getrennt hatte (siehe oben) — und ihn nicht zurückkaufen wollte, als sich die Gelegenheit ergab. Trotzdem habe ich ihn hier eingesetzt für die dreifach „geflangedte“ Fläche sowie für das Cello:
    https://ramp1.bandcamp.com/track/lighthouse
    .
    Ich bleibe dann doch lieber beim Roland RS-202, der liegt mir eher (aber nur der 202, der 505 fällt für mich in dieselbe Kategorie wie der SS-30).
    .
    Tomita hat den SS-30 übrigens ebenfalls verwendet auf dem Ravel-Album — für mich 1987 der Grund, mich auf die Suche nach einem SS-30 zu begeben, und vielleicht auch der Grund für meine hochgesteckten Erwartungen.

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    costello  RED

    Nanu, stand hier nicht gerade ein Kommentar von Iggy? Wollte gerade antworten, da war er plötzlich verschwunden. Huhu, wo bist Du?

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        costello  RED

        Jetzt sehe ich Deinen Kommentar auch wieder, noch durch den Link ergänzt. Vielen Dank! :-) Völlig legitim, dass Du ein wenig Essig in den SS-30-Wein schüttest. Ich hatte Dich ja ohnehin schon als „Zeuge der Anklage“ im Artikel genannt. Tatsächlich hat das Instrument einige Limitierungen (gerade bei den Hüllkurven), die nicht sein müssten. Speziell bei der Länge von Attack und Release ist der SS-30 wirklich etwas eingeschränkt. Beim Detuning habe ich das beim Bass sehr stark gemacht, das klingt dann vielleicht etwas arg verstimmt. Bei der Violine habe ich die Schwebungen dagegen dezent eingesetzt und ich finde das wirkt schon sehr Synthesizer-mäßig. Und die Tiefe des Chorus? Wie gesagt, es kann eigentlich gar nicht genug schwurbeln. Ob man nun ein E-1010 noch dranhängt, oder ein SPX-90, ein Roland-Chorus. Etwas Sirup kommt immer gut. Das RS-202 mag ich auch sehr gern, auch ein String mit Charakter.

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          iggy_pop  AHU

          „Und die Tiefe des Chorus? Wie gesagt, es kann eigentlich gar nicht genug schwurbeln. “
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          Genau das ist die Crux — der SS-30 hat für mich nie genug geschwurbelt (dafür das Solina viel zu viel, dito der Multiman-S). Da half kein Dimension D, kein CE-1 (und ein 1010 habe ich leider bis dato noch nicht dingfest machen können).
          .
          Die Limitierungen, die den Nutzen des Gerätes für mich einschränken, sind auch für mich der Grund, die aktuellen Marktpreise mehr als nur in Frage zu stellen. So toll klingt er für mich einfach nicht, daß ich dafür Preise jenseits von 500 Euro rauszutun bereit wäre.
          .
          Barbara Dickson ist übrigens Schottin, böser Fehler.

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            costello  RED

            Was den Preis angeht, bin ich absolut bei Dir. Deshalb hebe ich das im Fazit auch nochmal hervor, dass das Liebhaberpreise sind, die ich als die-hard-Fan von Ultravox zu zahlen bereit war. Solange ein Performer und Logan unter 500 Euro zu haben sind, ist das für jeden, der einfach nur einen tollen String-Sound haben will, sicher die bessere Wahl. Für Roland-Strings werden allerdings inzwischen auch schon Liebhaber-Preise verlangt ;-)

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              iggy_pop  AHU

              Man muß Ultravox- oder Midge Ure-Fan sein, wenn man den SS-30 haben muß, kein Zweifel.
              .
              Meine Prägung liegt da allerdings etwas anders, da bin ich eher Elka Rhapsody 610…

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                costello  RED

                Das Elka Rhapsody 610 ist gewissermaßen die Schnittmenge von Ultravox und Jarre, Christopher Franke, Peter Baumann und auch Klaus Schulze.

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                  iggy_pop  AHU

                  Für mich sind es die letzten drei Herren, die ich für meine Prägung verantwortlich mache (wobei Schulze nur recht kurzzeitig den Elka einsetzte, so um die „Timewind“ herum — aber das reichte wohl schon).

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    Synclavier  

    Hallo Costello, das ist ein herrlicher und leidenschaftlich geschriebener Testbericht. Danke dafür! Die Soundbeispiele (vor allem das erste ;-) ) sind allesamt wunderbar. Ich habe ein Faible für String-Sounds. Den SS-30 hatte ich interessanterweise aber gar nicht auf den Schirm.

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      costello  RED

      Das erste Beispiel „squonkt“ so schön, nicht wahr? ;-) Mir geht’s genauso – diese durch Frequenzteilung erzeugten Strings sind einfach wunderbar. Mit einem Polysynthesizer geht das natürlich auch. Aber oft geraten Oberheim- oder Prophet-Strings auch zu dick.

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    Son of MooG  AHU

    Die Solina-Strings (und Brass) hatte ich ja schon auf der Heimorgel, dann als Leihgerät. Den SS-30 kannte ich noch nicht, danke für den Artikel und die Klangbeispiele…

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      costello  RED

      Ich denke, dass den SS-30 viele noch nicht kennen werden. Die Crumar, Logan/Hohner- und Solina-Teile sind viel verbreiteter, auch die Elka- und die Roland-Strings bekommt man hin und wieder angeboten. Yamahas SS-30 war da immer ein Außenseiter. Erst mit der SK-Serie haben sie dann Breitenwirkung erzielt. Aber die Strings der SK-Multikeyboards klingen komplett anders.

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        iggy_pop  AHU

        Das stimmt, und die Streicher des SK-30 fand ich auf Anhieb überzeugend — manchmal ärgere ich mich, nicht den SK-30 gekauft zu haben, den ein Freund von mir vor einigen Jahren für sehr kleines Geld loswerden wollte.

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    TobyB  RED

    Hallo Costello,

    ich bin ja bei der Headline heute morgen erschrocken, werden jetzt Blank und Jones für ihre schrägen Remixe von Kultbands gefeiert. Aber dann viel der Groschen. Ich mag die Kiste auch, sie klingt eigen. Aber in den richtigen Händen(z.b. Deinen) wie ganz großes Kino. Sauber. Ich hab für diesen Sound auch ein Faible, siehe Streichfett. Auch hier ein Gerät, das man mögen muss und mit ihm arbeiten, er schenkt dir nicht. Die Demos sind Spitze.

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      costello  RED

      Ultravox curated by Blank & Jones? Oh Jammer und Graus, oh drohend Ungemach! Aber ganz so schlimm kam es dann zum Glück ja nicht :)) Danke Toby für Dein Lob in Cinemascope. Ja klar, den Streichfett habe ich bewusst nochmal reingenommen. Das ist ja eine sehr gute Alternative, wenn man gelegentlich mal ein paar gepflegte Streicher dazuhaben will. Oder GForce, wenn’s nicht unbedingt Hardware sein soll.

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        TobyB  RED

        Hallo Costello,

        Blank & Jones haben es auch mit Frankie versucht und Propaganda. Aber Ultravox war echt gräusliger Mist. Kann man machen muss man aber nicht. Also ich mag den Solina nicht, Crumar, Logan und Hohner noch weniger. Neulich auf dem Musikerflohmarkt in der Batschhkapp lag wieder eine Solina. Der Dialog mit dem Verkäufer war ungefähr so, hängst so einen ein EHX Effekt ran und dann klingt das wie bei Jean Michel Jarre. Dann lieber den Yamaha :-) Also ich loope manchmal klassisch mit Tape Streicher auch mit dem Streichfett, bischen Rhythmus unter und dann ab dafür. Das bringt dann noch mal analoge Farben.

  12. Profilbild
    L. Lammfromm  

    Tolle und mit großer Synthesizerliebe erstellte Klangbeispiele – und überhaupt: Ein sehr lesenwerter Vintagegeräte-Bericht.
    .
    Toll, toll, toll!

  13. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    So, der Test hat mich jetzt auch mal wieder scharf darauf gemacht, ein Ultravox Album zu hören (Vienna). Höre natürlich jetzt auch mal genauer hin in Sachen SS-30 ;-)

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    solartron  

    Witzig (Tütensuppen…) geschriebener umfangreicher Artikel mit viel Insider-Knoff-Hoff und Hintergrund-Anekdoten (so mag ich das…).
    Gute Link-Liste und Sound-Beispiele.

    Weiter so – etliche Däumchen hoch! :)

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      costello  RED

      Hallo Solartron, danke für Dein nettes Feedback!
      In Deinem Profil ist ganz viel wunderbares Vintage Gear aufgeführt, davor steht aber „ehemaliges Equipment“. Bist Du inzwischen auf Software umgestiegen?

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        solartron  

        Hallo costello, nein – nur immer wieder gekauft und verkauft. Platz- und Zeit-Probleme.
        Alles im Keller „eingemottet“.
        Ausserdem startet meine „ex-Equipment-Liste“ in den 70ern… (Ich war so etwa 12, als ich den SH-2000 – als „Orgel-Aufsatz“ – zu Weihnachten bekam… ;) )

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      costello  RED

      Hallo Martin, das Instrument auf dem Foto müsste ein CP-35 sein. Das anschlagdynamische Wahnsinns-E-Piano von Yamaha. 73 Tasten. Der SS-30-Stringsynthesizer hat aber denselben Look.

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    AMAZONA Archiv

    Moin Costello…. stolpere gerade im Zuge meiner Recherchen, die auch Magazine betreffen, darüber, dass Dave Formula auch den SS-30 String-Synth benutzt/e. Ist ja auch ein genialer Keyboarder. Macht auch heute noch hörenswertes Zeugs. Da steckt in etwa auch als Keyboarder die gleiche Genetik drin wie bei Billy Currie. Gibt da einige Parallelen… waren ja auch beide Teil von Visage.

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      costello  RED

      Hi Wellenstrom, Dave Formula gehört zu meinen absoluten Lieblingskeyboardern. Magazine waren eine tolle Band und Alben wie Real life (mit Shot by both sides) oder Secondhand Daylight (mit Permafrost) sind echte Perlen der Post-Punkära. Dave hat ja übrigens irgendwann seinen Odyssey gegen den Creamware Prodyssey eingetauscht, den ich auch habe und sehr schätze. Übrigens: In meinem ARP Pro Soloist-Beitrag strotzt zwar alles nur so von Genesis-Bezügen. Aber eine kleine Referenz an Dave gibt’s da auch beim Klangbeispiel „ARP Trumpet“. Vergleich‘ mal mit dem Song Definitive Gaze auf Real Life ;-)

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        AMAZONA Archiv

        Jo, war mir im Test aber nicht aufgefallen. Hatte Magazine bis dato auch nur eher oberflächlich mal gehört. Wird sich aber definitiv ändern. Real Life heute mal komplett reingezogen. Spielten da ja schon musikalisch in ’ner eigenen Liga.

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