19. Mai 2015

MPC Renaissance – Inzwischen deutlich besser als ihr Ruf

 

MPC Ren

Dieser Erfahrungsbericht zur MPC Renaissance soll ein Gegenpol zu den zurecht ernüchternden Rezensionen sein, denn nach drei Jahren am Markt hat sich viel getan. Mein erster Erfahrungsbericht auf amazona.de zur MPC Renaissance ist vielleicht etwas speziell. Denn da ich sehr hochgradig sehbehindert bin, ist nicht jedes Instrument für mich geeignet. Trotz großem Wert auf Klang und Qualität muss ich daher der Bedienung einen wesentlich höheren Stellenwert beimessen. Aber zunächst mal ein kleiner Rückblick:

Als Hobbymusiker bin ich an elektronischer Musik sehr interessiert und habe mir über die letzten Jahre einige Instrumente zugelegt, die ich aber teilweise aufgrund von Bedienungsschwierigkeiten wieder verkauft habe. Als Anfang des letzten Jahrzehnts der Hype um Computermusik stark zunahm und manche Musiker der Hardware bereits das Aus prognostizierten, scheiterte ich an fehlender Zugänglichkeit von Programmen, so dass ich sogar die Lust am Musizieren verlor. Ich kaufte mir zwischenzeitlich ein großes Entertainer-Keyboard und konnte zumindest mein Bedürfnis zum praktischen Musizieren befriedigen, aber der Sequenzer war für mich unerreichbar. Später kamen noch weitere kleine Instrumente hinzu, denn als Hobby und ohne beruflichen Hintergrund machen hohe Investitionen für mich keinen Sinn, es sei denn, ich könnte die Instrumente bis ins letzte Detail beherrschen. Das mag etwas sparsam klingen, aber so manches verkaufte ich mit Verlusten, weil mir die Bedienung teils zu schwierig war. Der YAMAHA QY-70 sei mal als Beispiel angeführt, ein schön kompaktes und wunderbares Tool, das Display aber nicht beleuchtet und für mich eine absolute Barriere.

In Erinnerung an den QY-70 dachte ich Anfang 2013 mal wieder über Grooveboxen nach, die aufgrund der Übersichtlichkeit für den Live-Betrieb ja gut bedienbar sein müssten und sicher auch meine vorhandenen Instrumente ansteuern können. Ich kaufte mir somit eine Electribe EMX und ESX und schaltete diese zusammen, aber die Einschränkungen und der etwas aufwendige Austausch von Samples war nichts für mich. Dann sah ich zufällig im Netz die MPC Renaissance. Das Konzept war mir nicht fremd und was Akai da versprach, man könne die Software vollständig über den Controller bedienen, überzeugte mich. Zufällig war die ESX-1 defekt und musste ohnehin zurückgehen, da lag es nahe, auch die EMX-1 zurückzugeben und eine Alternative zu suchen. Da der Preis der MPC Renaissance auf dem Niveau beider Electribes lag und KORG den Vertrieb ohnehin eingestellt hat, war die Entscheidung schnell gefällt und kurze Zeit später erblickte eine MPC Renaissance das Licht meines Wohnzimmers.

Klangbeispiele
Forum
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    Kosh  

    hallo m-sound,

    super lesertest! zum einen faszinieren mich die einblicke in das leben eines stark sehbehinderten musikers mit all den dazugehörenden komplikationen und hürden, die du gewährst. ich finde es großartig, dass du dich dafür stark machst, auch hier die aspekte der barrierefreiheit einfließen zu lassen, und beglückwünsche dich aufrichtig zu den bisherigen erfolgen (display-darstellung in der software).

    zum anderen muss ich sagen, dass dein bericht sehr angenehm zu lesen ist, ja, regelrecht spass macht. gerade im vergleich mit so manch anderem leserbericht, den ich hier gelesen habe, muss ich dich für deinen schreibstil loben. die 5 seiten vergingen wie im flug. für deinen ersten bericht hier wirklich großartig, und ich bin gespannt auf mehr!

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    fno  

    Danke für Deinen umfangreichen und gut lesbaren Test aus anderem Blickwinkel, das ist wirklich eine Bereicherung! Und ehrlich, die für Dich notwendige „blinde“ Bedienbarkeit eines Geräts schadet auch den Adleraugen unter den Musikanten nicht. Hier dürfen Hersteller gerne von Deinen Erfahrungen profitieren und lernen. Ein „hohes Niveau an Stabilität“ beruhigt mich eher nicht, mich nerven Softwarehänger oder -abstürze, auch ein labiles Lautstärkepoti weckt nicht mein Vertrauen, aber möglicherweise handelt es sich hier um einen Exemplarfehler. Ich kann mich Kosh nur anschliessen und wünsche mir mehr von Dir zu lesen!

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      Stephan Merk  RED

      Hallo fno, das mit den Potis hätte ich vielleicht etwas präzisieren müssen. Die oben drauf sind absolut solide und dem Preis angemessen, ich sprach von den kleinen vorderen für Kopfhörer und Balance. Die sind ausreichend, bei mir halten sie jetzt zwei Jahre und ich nutze die MPC Ren auch als Kopfhörerverstärker zur Audiobearbeitung, aber sie hätten vielleicht etwas griffiger sein können. Nur ich stelle hier nicht die Ansprüche, wie an High-End Hifi-Komponenten, da ginge so etwas bei mir gar nicht. ;-) Zumal die Potis auch festsitzen, aber beim Drehen hört man schon eine gewisse Kanalverschiebung, wie das bei diesen kleinen so üblich ist.

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    Tyrell  RED 3

    Bin inzwischen ein großer Fan der MPC REN. Hatte alle bisher erschienen MPC´s (nach und nach), aber seitdem ich mir vor einem halben Jahr eine gebrauchte MPC REN gekauft habe, ist auch die letzte Stand-Alone MPC in der Bucht verkauft worden. Das habe ich bis heute nicht bereut!!!

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    TobyB  RED

    Hallo Stephan,

    sehr schön geschrieben!!! Die Art wie du schreibst, deckt sich mit deiner Musik!

    ToB

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      Stephan Merk  RED

      Hm, also da muss ich jetzt mal drüber nachdenken. Bei mir ist die Musik so flexibel wie meine Emotionen, das heißt ich mache hier keine Einschränkungen und konsumiere wirklich alle Stilrichtungen. Einziges Kriterium ist, dass mir die Musik gefällt und das Arrangement nicht meine Mindestanforderungen unterschreitet. ;-) Da ich aber nur Schlagzeug und Tasteninstrumente halbwegs beherrsche, habe ich mich in meiner Praxis zumindest darauf beschränkt. Aber ich versuche schon, sowohl beim Schreiben als auch beim Musizieren, die Leute schon mit halbwegs lesbaren und anhörbaren zu beglücken. :D

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    richard  AHU

    Kleiner Hinweiss zum Staubproblem, die Gummipads waren bei den meisten MPC´s schlecht mit Staubbesen oder Lappen zu reinigen und sammelten reichlich Schmutz. Aber mit Hilfe von Tesa bekommt man die recht einfach wieder sauber, einfach aufkleben und wieder abziehen, sollte auch bei den Seitenteilen funktionieren.

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      Stephan Merk  RED

      Ey, super Tipp! Also gleiches Prinzip wie bei der Haarentfernung. ;-) Es gibt doch auch inzwischen Reinigungstücher, die ähnlich den Staub da runterkriegen. Tesa dürfte da sicher auch keine Beschädigungen hinterlassen, weil ja nicht so stark klebend. Aber Paketband wäre da wohl zu viel des Guten.

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