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2. April 2022

Praxistest Roland JX-08 Boutique Synthesizer

Den Test der Redaktion zum Roland JX-08 findet Ihr HIER.

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Nachdem Roland den JX-08 als neuesten Spross der Boutique Reihe ankündigte, wurde ich insbesondere durch die bis zu 20 stimmige Polyphonie neugierig. Wie toll wäre es einen analogen Klang mit Akkorden und Sustain Pedal spielen zu können ohne in die Gefahr zu laufen, dass gehaltene Töne technisch bedingt nicht ausklingen und somit abgeschnitten werden.

Daher habe ich mir das Gerät kurzentschlossen bestellt und war ganz gespannt wie es sich unter meinen Fingern verhält.

Kurzer Vergleich zum Roland JX-8P / MKS-70

Die Struktur entspricht dem JX8P/MKS-70. Es stehen 2 Oszillatoren mit Standardwellenformen, ein stimmbares Hochpass, ein 24dB Tiefpassfilter und ein LFO zur Verfügung. Filter und Verstärker (VCA) werden über ADSR Hüllkurven angepasst. Diese sind recht flexibel auch für die DCO’s und dem Mixer zuweisbar. Sync und Cross-Modulation erzeugen schöne Obertöne und Schwebungen. FM und Pulsbreitenmodulation gibt es leider nicht.

Verbindung mit der DAW

Nach dem Auspacken war ich positiv über die Stabilität und Haptik der Fader und Schalter erfreut. Hier wackelt nichts. Der Widerstand ist so wie ich es brauche.

Also schnell mal über USB an den Rechner anschließen und loslegen. Hier die erste Überraschung: Es liegen keinerlei Kabel bei, kein USB, Kein Midi, nichts. OK, ich habe noch ein passendes USB-C auf B Kabel, das sollte dann funktionieren. Denkste, das Gerät ist nicht Class Compliant und benötigt einen spezifischen Treiber ! Was soll das denn ? Wir haben das Jahr 2022. Wo ist das Problem ohne eigenen Treiber auszukommen ? Na gut, Roland Webseite aufgerufen, download, Installation -> funktioniert.

Der JX-08 erscheint mit 8 Audioeingängen ! in der DAW (bei mit Logic).  An Eingang 1/2 wird das Gesamtsignal zur Verfügung gestellt, an 3/4 der Part A, an 5/6 der Part B und an 7/8 das externe Signal vom Mix-Eingang auf der Rückseite des Geräts. Das gefällt !

So, als nächsten Schritt die Bedienungsanleitung runterladen um in die Details eintauchen zu können ! Hier gibt es die nächste, für mich unverständliche Überraschung. Es gibt zwar eine einseitige deutsche Kurzanleitung, die ausführliche Referenz ist aber nur in Englisch verfügbar. Aha, sprechen neuerdings alle Musiker nur eine Sprache ? Da mein Englisch glücklicherweise ganz gut ist, sollte es zumindest für mich keine grosse Hürde darstellen. Aber was ist das ? Kein PDF ! Es wird auf eine Web-Seite verwiesen, auf der sich das Manual anschauen läßt. Was soll das denn ? Die Gestaltung ist durch eine rechte Navigationsleiste zwar gelungen, aber ich möchte in die Anleitung schauen können ohne mit dem Web verbunden zu sein. Liebe Rolander, so geht das nicht, bitte als PDF und in mehreren Sprachen.

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Der Klang des Roland JX-08 Synthesizers

Wie klingt das Gerät ? Für meine Ohren sehr gut. Die integrierten Effekte werten den analog warmen Grundsound zusätzlich auf. Es läßt sich wie erhofft beherzt in die Tasten greifen ohne eine Stimmenbegrenzung zu hören, wunderbar.

Im Audiobeispiel sind in 2 Durchläufen die gleichen gehaltenen Töne zu hören, einmal im ‚Single Mode‘ mit einem Sound und dann im ‚Dual Mode‘ mit zwei gleichzeitigen Sounds. Bei letzteren ist zu hören wie nach etwa 10 angeschlagenen Tasten der erste, hier tiefe, Ton wegfällt.  Im ‚Single Mode‘ stehen wie erwartet alle 20 Stimmen für einen Klang zur Verfügungen, was ausreichen dürfte.

Beim Wechsel von Sounds klingt der ‚alte‘ Sound entsprechend seiner Hüllkurve aus und wird nicht abgeschnitten. So soll es sein.

Der direkte Zugang zu den beiden Chorusvarianten des JX-8P dicken den Sound wunderbar an. Alternativ zum Chorus läßt sich ein anderer Effekt aus einer Liste von 15 Effekten auswählen bei denen insbesondere die Delays gefallen. Zu den ‚anderen‘ Effekten gehört auch der Boss CE-1 Chorus. Leider habe ich keinen Weg gefunden diesen alternativ auf einen der Standard Buttons ‚Chorus 1‘ oder ‚Chorus 2‘ zu legen. Er ist nur als dritter Effekt (beide Chorus Tasten drücken) verfügbar.

Beim ‚Schrauben‘ kommt der digitale Ursprung zum Vorschein. Alles ist sehr präzise. Die einzelnen Sektionen reagieren gefühlt autark. Dies ist keinesfalls negativ gemeint, nur etwas ungewohnt. An einem rein analogen Synthesizer operiert es sich immer am ganzen Organismus, hier deutlich mehr an einer Sektion. Der resultierende Sound ist beim Spielen einwandfrei, was entscheidend ist.

Eigenheiten des Roland JX-08

Ich spare mir nun die einzelnen Komponenten der Synthese im Detail zu beschreiben. Hierzu gibt es bereits zahlreiche Informationen. Ich möchte statt dessen einige Eigenarten erwähnen welche mir aufgefallen sind.

Fangen wir mit dem Pegel der Werkssounds über USB an: Diese liegen bei maximal 25% Vollausschlag. Hm, eine bisschen wenig. Hier war Roland sehr vorsichtig um eine digitale Übersteuerung zu vermeiden. Schauen wir uns die Parameter an welche die Lautstärke bestimmen, so sind das eine ganze Menge:

Da gibt es zunächst einen Level-Regler pro Patch, dann den VCA Level Regler und dann die einstellbare Intensität der beiden Oszillatoren im Mixer. Anpassungen diese Parameter erhöhen zwar den Ausgangspegel, aber es verbleibt immer noch eine Menge Luft nach oben. Welcher Parameter beeinflusst sonst noch die Lautstärke ? Richtig, die Anschlagdynamik. Hier lässt sich der Einfluss auf VCA, (natürlich auch VCF), und der Lautstärke der VCO’s (Mixer) einstellen. Leider ist dies nur über 4 Werte (0,1,2,3) möglich. Null bedeutet hier keinen Einfluss. Bei 3 muss man schon sehr stark in die Tasten drücken um etwas zu hören. Es verbleiben daher nur 2 für mich sinnvolle Werte, die aber oftmals nicht passen. Hier bitte dringend von einer 2 bit auf eine 3 bit Adressierung wechseln. Ein Wertebereich von 0-7 sollte dann passende Einstellungen erlauben.

Es gibt zwar noch die Möglichkeit die ‚Härte‘ der Tastatur über einen weiteren Parameter global festzulegen, hilft aber nicht die zu grobe Rasterung zu kompensieren.

Durch Anpassung all dieser Parameter bekomme ich schließlich den Pegel in meine DAW welche ich gerne hätte.

Hier wird klar, dass die Bedienung etwas Erfahrung benötigt. Einsteiger sind da sicherlich schnell überfordert.

Erweiterungen gegenüber dem Vorbild Roland JX-8P

Im englischen Manual finden sich einige Parameter die positiv überraschen.

So läßt sich der Wertebereich einiger Parameter (LFO RATE, VCF CUTOFF FREQ, VCF RES and VCF ENV) des originalen JX8P erweitern bzw auf das Original bewusst beschränken.

Dann findet sich ein Parameter um die Änderungscharakterisitik des LowPass Filters anzupassen. Es werden 3 Charakteristiken angeboten welche nach meinem Gehör die Kurve des Cutoff Reglers (eher linear oder exponentiell) ändern. Dadurch wirkt der Klang beim direkten Umschalten unterschiedlich hell. Eine Erklärung von Roland gibt es hierzu leider nicht. Hier lohnt es sich einfach mal umzuschalten.

Ein weiterer Parameter läßt das Gerät altern (deteriorated effect) . Was hier ungenauer wird bleibt ein Geheimnis der Roland Programmierer.

Die Kurve der Tonhöhenänderung durch Portamento läßt sich zwischen JX8P, linear und nicht linear (2 Varianten)  wählen.

Im Audiobeispiel wird nach dem Durchlaufen 2 Töne jeweils der Typ geändert.

Der JX-08 erweitert durch die beschriebenen Parameter die klanglichen Möglichkeiten des Originals, was mir persönlich zusagt.

Wie sieht es mit der Bedienbarkeit aus?

Grundsätzlich erfordert das rudimentäre LED basierte Display etwas Einarbeitungszeit. Die verwendeten Kürzel sind nur selten selbsterklärend. Öfters verwendete Parameter prägen sich mit der Zeit ein, für selten verwendete Optionen hilft nur ein Blick in die Anleitung. Ach ja, die gibt es nur Online :(

Gerade bei den Effekten mit ihren bis zu 16 Parametern wird es schnell frustrierend. Einfach rumspielen führt hier schon mal zu Variationen auf denen ich zielgerichtet nicht gekommen wäre. Trotzdem würde ich mich hier sehr über einen Software Editor freuen. Gerade diese nicht alltäglichen Einstellungen ließen sich dann bequem aus der DAW durchführen.

Die sehr kleinen Mehrfach-Schalter fördern die Feinmotorik und rasten hörbar in die Positionen ein. Das ist etwas fummelig, funktioniert aber ganz gut.

Ich hätte mir separate ADSR Schieberegler für VCA und VCF gewünscht. Der geringe Platz setzt hier ein natürliches Limit. Insgesamt ist die Aufteilung aus meiner Sicht gelungen. Es braucht schon etwas Erfahrung so viele Funktionen auf so engen Platz unterzubringen.

Um den Aufstellwinkel des Geräts etwas zu erhöhen habe ich mir eine einfache kostengünstige Lösung mit wenigen Teilen aus dem Baumarkt geschaffen. Die hierzu passenden Aussparungen liefert Roland schon mit.

Die Anschlüsse des JX-08

Die Rückseite hat erfreulicherweise echte Midi Buchsen. Der Mini Klinken Ausgang läßt sich über ein Y-Kabel gut mit einem Mischer verbinden. Wer möchte kann das Gerät über ein Akku-Power-Pack auch auf der Wiese betreiben. Zum Einspielen kleiner Step-Sequenzen reicht dann sogar die eingebaute ‚Tastatur‘ über die ersten 13 Drucktaster.

Zum Basteln von Sounds gefällt mir besonders der ‚Manual‘ Taster, welcher alle Einstellungen auf die aktuellen Positionen der Fader, Schalter und Knöpfe setzt.

Und hier eine Ergänzung durch die Redaktion:

AMAZONA-Leser „Diskonaut“ hat auf seinem YT-Channel „Wine&Synths“ ein wunderbares Vergleichvideo produziert, dass wir Euch nicht vorenthalten wollen:

Soundvergleich: Roland JD-08 vs Roland JD-X8P

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Fazit
In Summe ein klanglich überzeugendes Gerät mit bis zu 20 Stimmen und wenig Platzbedarf. Sounds lassen sich über die wertigen Schieberegler und Drehknöpfe gut anpassen. Was die Freude deutlich schmälert ist der notwendige Treiber, die reine Online Bedienungsanleitung nur in englisch, der eingeschränkte Wertebereich zum Einfluss von Velocity und Aftertouch und die Einschränken bei den Chorus 1/2 Buttons. Hier darf Roland gerne nachbessern.
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Filterpad AHU

    Sehr schön gemacht Strato. Leicht verständlich und eigene Bilder mit Aufwertung des Gerätes (Holzleiste). Dem ist nichts hinzuzufügen.

  2. Profilbild
    Garfield Modular

    Hallo Stratosphere,

    Herzlichen Dank für den interessanten Artikel!

    Ich konnte meine Augen nicht glauben wenn du geschrieben hast das es kein PDF Handbuch zum JX-08 gibt. Geschaut auf der Roland Website, es gibt tatsächlich kein PDF davon, unglaublich! :-(

    Nah ja, sonst aber ein cooler Synth! :-) Vielen Dank für deinen Bericht und viele Grüße, Garfield.

  3. Profilbild
    HOLODECK Sven

    Auf einen JX-08 Ersatz zum Original habe ich lange gewartet und ihn gleich bei Verfügbarkeit erstanden. Mensch Mensch klingt der breit. Some Norwegians say it’s a dead grandmother, aber ich bin happy mit dem Sound. Sogar die Bedienung haut hin. Bis auf die schlecht deutbaren Kürzel im Segment „Display“ hab ich nix zu meckern. Im Gegenteil. Bevor ich los mir eine, meiner zahlreichen StromAudioWandler versuche eine weiche, breite, schimmernde Fläche zu bauen, Dreh ich die beim JX-08 fix ein, in a minute.
    Da ich das Original nicht physisch kenne und Vergleiche unglücklich machen, habe ich mit dem Teil eine Wunschlücke gefüllt.

  4. Profilbild
    8 Bit Fighter

    Im Vergleich zum Original fehlen beim Jx-08 Parameter wie Cross Mod 2 ( Sync + Cross ) , Filter-Modulation durch Mod-Wheel und Detune im Unisono. Roland hat sich für weniger Synthese und mehr Stimmen entschieden, weil der Prozessor zu schwach ist.

    • Profilbild
      FairlightCX

      So ist es. Auch, wenn diese Funktionen nicht entscheidend sind, mir würden sie fehlen, hatte das Original gut 10 Jahre. Und außerdem gibt es das hervorragende und kostenlose PG8X-Plugin, welches den JX8P hinreichend emuliert. Warum man hier 400 Euro für einen schwachbrüstigen Controller mit netter Oberfläche (mehr ist es ja nicht) ausgeben soll, erschließt sich mir nicht. Und dass er nicht mal als Controller für das Original taugt, zeigt mal wieder die Kurzsichtigkeit und Geringschätzung bei Roland für ihr Erbe.

    • Profilbild
      Stratosphere

      Filter Modulation durch ModWheel ist versteckt in den Part-Settings als MLFO = Parameter 11 (einstellbar von -63 bis +63). Ein Detune im Unisono habe ich in der Tat nicht gefunden, allerdings ist das / der ? Unisono mehrstimmig spielbar ! Roland scheint hier das Oszillatormodell zu ändern, was schon ne tolle Sache ist. OK, ist dann nicht mehr das was der Musiker unter Unisono versteht, aber für mich eine Bereicherung. Mit dem Parameter zum Altern des Geräts ändert sich auch der Charakter des Unisono. Cross Mod 2 darf Roland gerne nachliefern. Ist ja noch Softwareversion 1.02.

      • Profilbild
        8 Bit Fighter

        Parameter 11 bezieht sich lediglich auf LFO-Depth für Modulationsrad. Damit kannst du das Filter nicht direkt steuern, sondern nur die LFO-Stärke beeinflussen.

  5. Profilbild
    sadfrog

    Daumen hoch für den Test, sehr schön.

    Daumen runter für das Gerät…..
    Typischer Roland-Move: KEIN original value indicator. Besonders mit den 2 Envelopes die sich die gleichen Bedienelemente teilen: 6 Minus Minus Minus….
    wer konzipiert einen Speicherbaren Synth ohne Möglichkeit die patches dann auch zu erforschen oder später zielsicher bearbeiten zu können – ganz egal ob Klon oder nicht? Was intersiieren mich da 20 oder 100 Stimmen. Blackbox. Rohes Konzept, einfach…..roh, roooooooh
    Es ist fast so als wolle Roland Einen überzeugen auf Software umzusteigen. (Guck doch nur wie KURZ die Regler sind und wieviel PLATZ darüber auf dem Gerät ist…)

    Was mich interessieren würde und im Handbuch nicht zu finden war: gibt es zumindest eine Parameter catch Funktion bei den doppelbelegten Envelope-Fadern?

    Ich wette dass die größte Verfehlung aller Roland Boutiques auch hier zu finden ist, zumindest wird in Produkt-Info und Handbuch ganz unauffällig dazu geschwiegen: USB class compliance!

    Keine Ahnung was es mit Roland ist dass sie es einfach nicht schaffen mit so viel Erfahrung und Ressourcen diese absoluten Basics eines zu erfüllen.

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        Was ist eine Catch Funktion? Habe diesen Begriff bis dato bei Synthesizern noch nie gehört. Ich danke schon mal im voraus für die Antwort und mache stattdessen ein Like bei der Antwort.

        • Profilbild
          sadfrog

          Manchmal wird es auch Parameter-Pickup genannt.

          Wenn z.B. der Decay im Patch voll aufgedreht ist und der Fader am Gerät aber auf 0 steht dann würde ein Bewegen des Faders den Decay erst dann beinflussen wenn ich ihn einmal voll aufdrehe und somit den im Patch eingestellten Wert treffe oder „abhole“.

          Also quasi das Gegenteil vom Parameter Jump wo ein Bewegen des Faders den Decay Wert brutal springen lässt.

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