7. Juli 2020

Überprüfende Messungen am RME ADI-2 Pro FSR

Hier auf Amazona wurde kürzlich ein Testbericht zum RME ADI-2 Pro FS R Audio-Interface veröffentlicht (https://www.amazona.de/test-rme-adi-2-pro-fs-r-usb-2-0-audiointerface), in dem das Gerät zwar insgesamt gut abschneidet, jedoch kommt der Autor zu dem Schluss dass das Netzteil „bestenfalls zu Funktionsüberprüfung diene“, und man stünde sich selbst gegenüber in der PFLICHT, eine hochwertige Stromversorgung gleich mit einzuplanen – ansonsten wäre das rausgeworfenes Geld!. Man beachte das geschriene Wort „Pflicht“, und diese Statements sind schon starker Tobak wenn man bedenkt dass RME ja nun ein etablierten Hersteller aus dem Profi-Bereich ist.

Ich gebe zu dass mich das als begeisterter RME-Nutzer (genau dieser ADI-2 Pro’s, sowohl zum Hören wie auch für Messungen aller Art) ziemlich verärgert hat weil mir sofort beim Anblick der Messungen klar wurde dass da was nicht stimmen kann, und die Aussagen des Amazona-Autors zum Hörtest konnte ich ebensowenig nachvollziehen (und ich habe meine ADI-2 Pro’s schon mit allen möglichen Stromversorgungen betrieben, inklusive auch 12V-Akkus).

Es wäre ja alles in Ordnung wenn zumindest die gezeigten Messungen der Realität entsprächen, leider besteht aber der sehr begründete Verdacht dass bei den Messungen, die u.A. auch die schlechte Netzentstörung oder die mindere Qualität des Werksnetzteils zeigen sollen, etwas ziemlich schief gegangen ist und man gar nicht die Fehler des Interfaces oder seines Netzteils gemessen hat, sondern ein unerkannte andere Netzstörung im Aufbau oder der Verkabelung für diese Messung.

Ich halte daher eine Art Gegendarstellung zum originalen Testbericht für angebracht die auch nicht besonders kurz geraten ist da doch an verschiedenen Stellen ins Detail gegangen werden muss.

 

Die fraglichen Messungen

Es handelt sich zunächst um eine übliche Klirrmessung im Loopback-Verfahren in der vergleichsweise hohe Netzstörungen zu sehen sind, die kommentiert werden mit: „Bei einer Referenz-Lautstärke von +19 dBu sind die Eingänge im Loop bis 0 dBFS übersteuerungsfest. Bei 24 dBu Referenz-Lautstärke setzt die Übersteuerung bei -5 dBFS (Ausgangslautstärke) ein, verhält sich also exakt proportional zur +19 dBu Referenzlautstärke. Allerdings sind die Einstreuungen des mitgelieferten Netzteils bei 50 Hz schon bedenklich.

Es wird folglich zudem festgestellt, dass das Gerät nicht übersteuerungsfest sei. Das kann auf keinen Fall stimmen denn selbstverständlich ist das Interface so ausgelegt dass Eingänge und Ausgänge kompatibel sind bei jedem gewählten Referenz-Pegel. Solange der Referenz-Pegel des A/D-Wandlerteils größer oder gleich eingestellt ist wie der des D/A-Wandlers, übersteuert das Interface niemals in einer Loopback-Messung. Jedoch kann man beim A/D-Wandler eine Verstärkung des bereits digitalisierten Signals von bis zu +6dB vornehmen, und wenn ein solche eingestellt war, wäre die Übersteuerung auch verständlich aber letztlich ein Bedienfehler. Es ist üblich, ein Gerät vor jedem Test auf den Werkszustand zurückzusetzen für definierte Ausgangsbedingungen, womöglich wurde das versäumt. Gerade bei einem Interface mit derart vielen Features und komplexen Möglichkeiten sollte man einen Werksreset immer machen. Oder der Fehler war gar noch viel simpler und der Referenz-Pegel des ADC wurde auf +19dBu belassen, während der DAC auf +24dBu umgestellt wurde?

Eine weitere dubiose Messung ist die Messung des Phasen-Frequenzgangs, kommentiert mit den Worten „Die Phasenlinearität weicht zwar deutlich von 0 Grad ab, ist aber zumindest für beide Kanäle exakt gleich.“, die aber ebenso fehlerhaft durchgeführt erscheint und dem Gerät einen vermeintlichen Fehler, nämlich deutliche Abweichung von „Ideal 0°“ attestiert. Auffällig ist hier vor allem die zu hohen Frequenzen zuerst nach oben wegrollende Phase, die dem Gerät schon eine deutliche Abweichung bei schon tiefen Frequenzen (ab 2kHz) unterjubelt.

Zuletzt gibt es noch eine sogenannte „Hammerstein-Messung“ die belegen soll dass das Interface „üppige harmonische Verzerrungen in den Höhen zeige“, auch daran sind erhebliche Zweifel angebracht. Auf die Hammerstein-Methode kann ich nicht konkret eingehen, das ist eine keineswegs verbreitete Messung die wohl nur von dem vom Autor verwendeten Programm (Plugin-Doctor) unterstützt wird, eine Internet-Recherche dazu fiel sehr dünn aus. Jedoch können auch mit anderen, etablierten Mitteln die postulierten starken Verzerrungen in den Höhen überprüft werden.

Alle Kontroll-Messungen wurden mit REW erstellt (Version 5.20 beta 55, https://www.avnirvana.com/forums/official-rew-room-eq-wizard-support-forum.10/), und es wurden u.A. zwei unabhängige Rechner (Win7/Win10, ASIO, USB) verwendet sowie ein weiteres ADI-2 Pro FS als unabhängiges Frontend für Messungen welche nicht im Loopback möglich sind.

Ich habe nun sogar (sinnlose) 26€ für das vom Amazona-Autor verwendete Programm „Plugin-Doctor“ (https://ddmf.eu/plugindoctor) ausgegeben um die Messungen direkter nachstellen zu können. Sinnlos deshalb, weil der Funktionsumfang äußerst bescheiden ist und vor allem weil das Programm bei mir sehr instabil ist und dauernd abstürzt.

Forum
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    Willemstrohm  AHU

    Hat was von ’nem Loriot Sketch.

    Eine 9-seitige Ausarbeitung darüber, dass Kabel Messfehler verursachen können. Dafür dann auch mal nebenher satte 26 € verballert.
    Kannste Dir nicht ausdenken, so etwas.
    All das nur, um im Streit in der virtuellen Badewanne die Gummiente schwimmen zu lassen.

    Vielen Dank für die Erheiterung, Herr Müller-Lüdenscheidt.

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      KSTR  

      Nee, eine 9-seitige Ausarbeitung darüber, dass ein redaktioneller Fachartikel-Schreiber mE eine Sorgfaltspflicht hat, bei der Breitenwirkung die ein Testbericht haben kann und soll. Bei einem privaten Blog oder Forumsbeitrag oder auch Stammtischgespräch mag das ja anders aussehen.

      Es geht nicht darum dass einem mal ein gelegentlicher Fehler durchrutscht, sondern darum dass das hier bei fast allem passiert ist, man nichts hinterfragt hat und damit auch nicht den Zweck von Messungen verstanden hat, nämlich objektive Fakten zu vermittlen. Dazu müssen sie halt dummerweise a) zumindest einigermaßen richtig sein und folglich dazu auf Plausibilität überprüft werden, und b) dann richtig interpretiert werden statt in’s Blaue hinein irgendetwas zu mutmaßen.

      So, und um das zu vermitteln ist ebenso Sorgfalt gefordert und Hintergrundwissen bereitzustellen, hat sich jetzt nicht vermeiden lassen, auf welches Konto darf ich Ihnen die Zeitstehl-Entschädigung überweisen?

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        Willemstrohm  AHU

        Nun denn.
        Lassen Sie mal stecken. Hat mich ja amüsiert – und das ersparte Geld könnten Sie in Farbe investieren, um Ihren Keller bunt zu streichen.
        Soll gute Laune machen. ;-)
        Wenn Sie mit solch einer Leidenschaft Musik produzieren, wie Sie hier über die Netzteile von Audio-Interfaces sinnieren, dann ist Ihnen ein Jahrhundert-Hit gewiss.
        Mit frdl. Grüßen
        O. P. A. Hoppenstedt

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          gs06

          Also ich würde es eher als einen schlechten Witz empfinden, wenn jemand auf der „Grundlage“ fragwürdiger Messungen ein Produkt schlecht bewertet und auf einen derart detaillierten Hinweis nicht mit erneuten Messungen und einer entsprechenden Replik oder Korrektur des ursprünglichen Artikels reagiert. Ich möchte dem Autor dieses Beitrags daher ausdrücklich für seine umfangreichen Bemühungen um Aufklärung danken.

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        undertheecho  

        Vielen Dank für die Richtigstellung. Ich konnte beim besten Willen nicht glauben was der Autor im ursprünglichen Test gemessen hatte. Mein Wissen in Sachen Elektrotechnik und Physik begrenzt sich auf Basiswissen. Ich kann diesen Darstellungen hier zu 90% folgen. Ich hatte bereits zum Test des ADI 2 Pro FS angemerkt, dass der Teil zu den Messungen gestrichen werden soll. Das würde ich als Riesenstatement von Amazona empfinden. Es handelt sich bei dieser Plattform zwar um eine Community und kein Wissenschaftsmagazin, aber hier werden Produkte beurteilt und ich würde es schade finden, wenn eine Firma wie RME oder auch andere Hersteller aufgrund von (Mess-)Fehlern Umsatzeinbußen gerade in diesen schwierigen Zeiten erleiden. Herr Schroeder macht einen guten Job hinsichtlich der Beschreibung seiner subjektiven Höreindrücke, aber bei den Messungen hat er sich wohl verhauen. Danke an KSTR für die Zeit, Mühe und die 26 Euro.

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      wolftarkin  

      Ich find deine Kommentare meistens amüsant. Und reichlich. ;-)
      An der Stelle, und gleich wieder an erster Stelle in dem Falle nicht. Besonders in Verbindung mit dem ursprünglichen Test und den Schlussfolgerungen.
      Ich hoffe, du nimmst mir die Bemerkung nicht übel.

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      Fredi  

      Hallo Willemstrohm,

      ich finde Deine Bemerkungen zu diesem Artikel etwas zynisch und – ehrlich gesagt – nicht besonders zielführend.

      KSTS hat sich extreme Mühe gegeben, die Behauptung von Markus Schroeder zu verifizieren oder zu falsifizieren, dass der Klang des Audiointerfaces mit dem eigenen Netzteil „schwurbelig“ und „seelenlos“ ist, mit dem Black Lightning (Akkunetzteil) aber „imposant“.

      Ich hatte damals auch kommentiert und fand das Ganze etwas „esoterisch“, weil das nach dem mir bekannten Stand der Technik einfach nicht besonders plausibel ist (und ich bin damals offenbar von sehr konservativen Annahmen ausgegangen, man wird alt ;-). Es gab damals insgesamt eine intensive Diskussion und auch durchaus Zustimmung, dass man so etwas durchaus heraushören könnte.

      Daher ist die Messreihe von KSTS extrem instruktiv, sie überzeugt mich, auch wenn ich leider nicht die komplette Elektrophysik dahinter verstehe. Sein Aufwand war nicht unerheblich, und es nimmt eben auch den Voodoozauber aus der Diskussion raus im Stil von „Hey, ich benutze jetzt vergoldete Kabel, das bringt echt megamäßig Sound, musste Dir anhören!!“.

      Danke Klaus, ich bin ein neuer Fan von Dir!

      Gruß Fredi

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    Vati  

    Hallo KSTR,
    ich bin beeindruckt, Hät ich jetzt nicht erwartet , das da noch was von Dir kommt. Kann diesem Forum hier nur gut tun. Vielleicht gibt es in Zukunft dadurch einen Qualitätssprung im Studioforum.
    Grüße von Vati

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    MichFisch00  

    Hallo KSTR,

    so würde ich mir Tests immer wünschen. Danke für den sicher nicht unerheblichen Aufwand, der dahinter steckt. Das ist auch messtechnisch extrem lehrreich. Habe beim Durchlesen einiges dazugelernt, um auch zukünftige Tests anderer Autoren in diesem Umfeld besser beurteilen und einordnen zu können. Top!

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    KrauTronicA  

    Hallo Klaus,
    ich schließe mich hier dem allgemeinen Tenor an: Vielen Dank für den Aufwand, den Du in diese Messungen und Gegendarstellung gesteckt hast! Das gilt insbesondere für die ausführlichen und fundierten technischen (Zusatz-)Erklärungen. Dito für die expliziten Nachmessungen mit dem PluginDoctor und dem Vergleich zu Deinem eigenen Setup.

    Der Abschnitt bzgl. Netzteile, Ableitströme und Brummeinstreuungen/-schleifen hat mich auf ein paar Gedanken und Fragen gebracht. Deshalb ein zweiter separater Kommentar, da meine Beobachtungen in diesem Zusammenhang bzgl. (Audio-)Verkabelung durchaus von Interesse sein dürften [aber mit Sicherheit nicht Nobelpreis-verdächtig sind ;-)].
    Bin offen für feedback und dankbar, falls ich das Thema „Ableitströme“ zu sehr einseitig in Richtung Schutzkontakt/-leiter auslege. Eine Diskussion kann hier ja allen weiterhelfen.

    Grüße, KrauTronicA

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    KrauTronicA  

    Hallo zusammen,
    im Zusammenhang mit Ableitströmen ein paar interessante Beobachtungen bzgl. üblicher Netzteile im Kunststoffgehäuse mit Schutzkontaktanschluß (Schukostecker und Kaltgerätebuchse). Hab‘ mir mal ein paar von meinen Dingern (Laptop; Synthesizer) geschnappt. Messung Schutzkontakt gegen den Masseanschluß des Niederspannungsausgangs (Netzteil dabei natürlich nicht ans Stromnetz angeschlossen!). Tja, war ebenso verblüfft wie amüsiert über die Varianten:
    1) Vollständige galvanische Trennung; also keinerlei Verbindung Schutzkontakt und Masse Ausgang
    2) Hochohmige Verbindung (1MOhm) Schutzkontakt und Masse
    3) Schutzkontakt und Masse direkt verbunden – was mich bei einem Kunststoffgehäuse doch etwas überrascht hat (da von den VDE Richtlinien m.E. nicht zwingend notwendig; aber zusätzliche Sicherheit)

    Fall 3) ist natürlich gerade im Audiobereich interessant und evtl. kritisch, denn die Masse vom Netzteil liegt an allen Masseanschlüssen von Eingangs- und Ausgangsbuchsen des versorgten Geräts an. Hier können in Verbindung mit einem weiteren Gerät Brummschleifen über das Stromnetz (Schutzkontakt) auftreten, wenn das zweite Gerät ebenfalls mit so einem Netzteiltyp betrieben wird.
    Beispiele:
    * Laptop und USB-Kabel zum AD/DA-Wandler
    * Verstärker / Aktivboxen mit Netzanschluß mit Schutzkontakt

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      KSTR  

      Dummerweise ist auch Fall 1) uU kritisch, weil die Messung mit dem Ohmmeter nichts über die Koppelkapazität im Netzteil aussagt.

      Bei Schaltnetzteilen liegt über dem internen HF-Trafo nämlich ein EMV-Kondensator (mit 1nF bis 2.2nF, typischerweise), der damit aber die Primär- mit der Sekundärseite verbindet. Und die Primärseite liegt auf halb- oder vollweggleichgerichteter Netzspannung ggü. Schutzerde, deshalb hat der Ableitstrom 50Hz und alle Oberwellen.

      Bei einem Trafonetzteil ist es die Kapazität zwischen den Wicklungen, die ist bei kleinen Trafos niedrig und es liegt eben nur (ein Teil der) normalen Netzspannung an, also fast nur 50Hz, die als reiner „Brumm“ gehört viel gutmütiger sind als das „Gebritzel“ vom Schaltnetzteil.

      Im Fall 2) versucht man, einen Teil des Ableitstroms schon im Netzteil loszuwerden, denn idR ist dem 1 Megohm ebenso noch ein Kondensator parallel-geschaltet, so 100nF oft, und damit viel größer als die Koppelkapazität und entsprechend schließt es fast allen Ableitstrom kurz.

      Wenn alle Welt symmetrische Verkabelung verwenden würde und diese überall auf die richtige Sende- und Empfangselektronik stieße, wäre für Fall 3) ebenso alles in Ordnung.

      Bei unsymmetrischen Verbindungen bleibt einem nur, die Masse der Audio-Verbindung möglichst niederohmig zu machen (Kabel mit sehr gutem Schirm), oder extra Massekabel.

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        KrauTronicA  

        Hallo Klaus,
        Danke für das Detail bei 1) und 2) mit dem „EMV Koppel-Kondensator“ zwischen Primär- und Sekundärseite des HF-Trafos. Schönes Beispiel für die Feinheiten, die so (leider) in (Prinzip-) Schaltbildern nur selten sichtbar sind.
        Mit Blick auf das Thema hier sehe ich (mit meinen Worten) zwei – frequenzabhängige – Nebenwirkungen:
        a) Der (lastabhängige) ripple (mit dessen Harmonischen) nach der Gleichrichtung auf der Primärseite wird also über dieses Koppel-C zu einem gewissen Teil auf den Sekundärkreis (Niederspannung) übertragen. Das ist zwar Gleichtakt für die Ausgangsspannung, aber damit zappelt schon mal das Massepotential des versorgten Geräts gegenüber einem anderen, unabhängig versorgten Gerät.
        b) Es kann zudem eine kapazitiv gekoppelte Erdschleife entstehen. Zwar ist diese für einen „50Hz Netzbrumm“ noch einigermaßen unempfindlich (da nur einige nF Koppel-Kapazität). Für höhere Harmonische der 50Hz und generell alle hochfrequenten Störungen ist diese Schleife aber deutlich sensitiver.

        Korrekt ;-) ?

        Zugegeben, ich mußte selbst erstmal genauer überlegen, wo genau dieses „EMV Koppel-C“ (und weitere) hier denn platziert werden müssen und wie es wirkt.

        Als kurze Doku und für interessierte Hardcore-Freaks deshalb noch ein Anhang bzgl. der EMV-Wirkung dieses Koppel-Cs ;-).

        Grüße, KrauTronicA

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        KrauTronicA  

        Zusatz
        Grundsätzlich wird bei Schaltnetzteilen der Strom durch eine Spule oder HF-Trafo geschaltet. Nun ist so eine Spule gerne mal ein unverstandenes Wesen und bestraft Elektrotechniker (bei Nichtbeachtung) für das harte Abschalten des Stroms mit hohen Spannungsspitzen („Selbstinduktion“), die einem den Tag so richtig verderben und andere Bauteile schnell ins Jenseits befördern können.
        Um’s einfach zu halten: die Spule versucht beim Abschalten immer den Stromfluß aufrecht zu erhalten („der Strom durch eine Spule kann sich nicht schlagartig ändern“). Dabei entsteht eine u.U. hohe Überspannung an dem Ende der Spule, das an den Schalter angeschlossen ist.
        Der EMV Koppel-C übernimmt hier nach meinem Verständnis primär den Stromfluß der Spule während der Schalter öffnet. Dadurch gibt es einen stetige(re)n Stromfluß und somit geringere Harmonische / EMV-Störungen (das erwünschte Ziel!). Daneben dürfte er helfen die Höhe der (Selbst-) Induktionsspannung zu begrenzen – den Schalter freut‘s.
        Aber: wohin am besten mit diesem Strom? Wird dieser Kondensator an die richtige Stelle im Sekundärkreis angeschlossen, hilft er dort sogar dem HF Trafo beim Laden des Pufferkondensators auf der Sekundärseite. Für den Rückweg braucht’s aber weitere EMV-Cs sowohl im Primär- & Sekundärkreis, die „mittig“ an Schutzerde liegen – da haben wir den Salat.

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    AMAZONA Archiv

    Ein Artikel den ich mir mit Sicherheit noch mehrfach durchlesen werde und dabei noch was lernen kann. Sehr strukturiert gedacht und geschrieben, wobei ich höchsten Respekt vor dem Fachwissen und der korrekten Durchführung habe. Wenn so ein Artikel Geld kostet bin ich bei jeder Crowdfunding-Aktion dabei um das am Leben zu halten. Danke lieber KSTR für die „Erdung“ im ganz untechnischen Sinne.

  7. Profilbild
    oboe

    Vielen Dank an BEIDE Autoren der Tests zum RME!

    Vorweg: auch ich bin RME-Fanboy und habe den ersten Bericht etwas ungläubig gelesen, denn RME ist bekannt dafür, messtechnisch hervorragende Ergebnisse zu produzieren. Klanglich gibt es – zugegeben – noch Luft nach oben. Aber wenn man einen neutralen, zuverlässigen Preamp haben möchte, dann finde ich RME dafür sehr empfehlenswert.

    Auch wenn nun die Überprüfung des ersten Artikels andere Ergebnisse zum Vorschein gebracht hat: ich bin beiden Autoren dankbar für ihre Mühe und die Artikel. Zum Einen Kompliment an Amazona und deren Autoren, die eben nicht alles hypen, was einen bekannten Namen trägt, sondern da sehr kritisch herangehen: bitte unbedingt weiter so! Fehler in der Messkette erkennen, dafür muss man sehr viel und spezifische Erfahrung haben. Wem ist das nicht auch schon passiert, dass man Mist gemessen hat? Selbst wenn einen das Ergebnis gewundert hätte: in der Überprüfungsmessung muss man eben auch selbst Erfahrung und Sachverstand haben. Deshalb danke für den 2. Artikel, denn bei mir hätte ebenso die Gefahr bestanden, Einstreuungen von außen nicht zu identifizieren und somit zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen, wie der erste Autor.
    Wieder etwas gelernt.

    Danke Euch Beiden für die Arbeit und die Veröffentlichungen!

  8. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Hallo Klaus,

    vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Artikel. Ich wünschte mir nun, dass Amazona.de für alles was mit Messungen zu tun hat, dich hinzuzieht, da hätte ich gleich ein besseres Gefühl :-).

    Das soll die Amazona-Redaktion nicht abwerten, im Gegenteil – ich steh‘ voll auf Euch :-D

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