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7. Juli 2020

Überprüfende Messungen am RME ADI-2 Pro FSR

Hier auf Amazona wurde kürzlich ein Testbericht zum RME ADI-2 Pro FS R Audio-Interface veröffentlicht, in dem das Gerät zwar insgesamt gut abschneidet, jedoch kommt der Autor zu dem Schluss dass das Netzteil „bestenfalls zu Funktionsüberprüfung diene“, und man „stünde sich selbst gegenüber in der PFLICHT, eine hochwertige Stromversorgung gleich mit einzuplanen..“ Man beachte das geschriene Wort „Pflicht“, und diese Statements sind schon starker Tobak wenn man bedenkt dass RME ja nun ein etablierten Hersteller aus dem Profi-Bereich ist.

Ich gebe zu dass mich das als begeisterter RME-Nutzer (genau dieser ADI-2 Pro’s, sowohl zum Hören wie auch für Messungen aller Art) ziemlich verärgert hat weil mir sofort beim Anblick der Messungen klar wurde dass da was nicht stimmen kann, und die Aussagen des Amazona-Autors zum Hörtest konnte ich ebensowenig nachvollziehen (und ich habe meine ADI-2 Pro’s schon mit allen möglichen Stromversorgungen betrieben, inklusive auch 12V-Akkus).

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Es wäre ja alles in Ordnung wenn zumindest die gezeigten Messungen der Realität entsprächen, leider besteht aber der sehr begründete Verdacht dass bei den Messungen, die u.A. auch die schlechte Netzentstörung oder die mindere Qualität des Werksnetzteils zeigen sollen, etwas ziemlich schief gegangen ist und man gar nicht die Fehler des Interfaces oder seines Netzteils gemessen hat, sondern ein unerkannte andere Netzstörung im Aufbau oder der Verkabelung für diese Messung.

Ich halte daher eine Art Gegendarstellung zum originalen Testbericht für angebracht die auch nicht besonders kurz geraten ist da doch an verschiedenen Stellen ins Detail gegangen werden muss.

Die fraglichen Messungen des Autors

Es handelt sich zunächst um eine übliche Klirrmessung im Loopback-Verfahren in der vergleichsweise hohe Netzstörungen zu sehen sind, die kommentiert werden mit: „Bei einer Referenz-Lautstärke von +19 dBu sind die Eingänge im Loop bis 0 dBFS übersteuerungsfest. Bei 24 dBu Referenz-Lautstärke setzt die Übersteuerung bei -5 dBFS (Ausgangslautstärke) ein, verhält sich also exakt proportional zur +19 dBu Referenzlautstärke. Allerdings sind die Einstreuungen des mitgelieferten Netzteils bei 50 Hz schon bedenklich.“

Es wird folglich zudem festgestellt, dass das Gerät nicht übersteuerungsfest sei. Das kann auf keinen Fall stimmen denn selbstverständlich ist das Interface so ausgelegt dass Eingänge und Ausgänge kompatibel sind bei jedem gewählten Referenz-Pegel. Solange der Referenz-Pegel des A/D-Wandlerteils größer oder gleich eingestellt ist wie der des D/A-Wandlers, übersteuert das Interface niemals in einer Loopback-Messung. Jedoch kann man beim A/D-Wandler eine Verstärkung des bereits digitalisierten Signals von bis zu +6dB vornehmen, und wenn ein solche eingestellt war, wäre die Übersteuerung auch verständlich aber letztlich ein Bedienfehler. Es ist üblich, ein Gerät vor jedem Test auf den Werkszustand zurückzusetzen für definierte Ausgangsbedingungen, womöglich wurde das versäumt. Gerade bei einem Interface mit derart vielen Features und komplexen Möglichkeiten sollte man einen Werksreset immer machen. Oder der Fehler war gar noch viel simpler und der Referenz-Pegel des ADC wurde auf +19dBu belassen, während der DAC auf +24dBu umgestellt wurde?

Eine weitere dubiose Messung ist die Messung des Phasen-Frequenzgangs, kommentiert mit den Worten „Die Phasenlinearität weicht zwar deutlich von 0 Grad ab, ist aber zumindest für beide Kanäle exakt gleich.“, die aber ebenso fehlerhaft durchgeführt erscheint und dem Gerät einen vermeintlichen Fehler, nämlich deutliche Abweichung von „Ideal 0°“ attestiert. Auffällig ist hier vor allem die zu hohen Frequenzen zuerst nach oben wegrollende Phase, die dem Gerät schon eine deutliche Abweichung bei schon tiefen Frequenzen (ab 2kHz) unterjubelt.

Zuletzt gibt es noch eine sogenannte „Hammerstein-Messung“ die belegen soll dass das Interface „üppige harmonische Verzerrungen in den Höhen zeige“, auch daran sind erhebliche Zweifel angebracht. Auf die Hammerstein-Methode kann ich nicht konkret eingehen, das ist eine keineswegs verbreitete Messung die wohl nur von dem vom Autor verwendeten Programm (Plugin-Doctor) unterstützt wird, eine Internet-Recherche dazu fiel sehr dünn aus. Jedoch können auch mit anderen, etablierten Mitteln die postulierten starken Verzerrungen in den Höhen überprüft werden.

Alle Kontroll-Messungen wurden mit REW erstellt (Version 5.20 beta 55, https://www.avnirvana.com/forums/official-rew-room-eq-wizard-support-forum.10/), und es wurden u.A. zwei unabhängige Rechner (Win7/Win10, ASIO, USB) verwendet sowie ein weiteres ADI-2 Pro FS als unabhängiges Frontend für Messungen welche nicht im Loopback möglich sind.

Ich habe nun sogar (sinnlose) 26€ für das vom Amazona-Autor verwendete Programm „Plugin-Doctor“ (https://ddmf.eu/plugindoctor) ausgegeben um die Messungen direkter nachstellen zu können. Sinnlos deshalb, weil der Funktionsumfang äußerst bescheiden ist und vor allem weil das Programm bei mir sehr instabil ist und dauernd abstürzt.

Phasen-Frequenzgang

Messung von Markus Schröder:

Die Phase bei 10Hz soll lt. dieser Messung etwa 10° betragen, aber interessanter ist der ansteigende Phasenverlauf auf bis zu 45° (0.8 / 3.14 * 180°) vor dem steilen Abfall bei ganz hohen Frequenzen.

Phasenmessungen sind nicht ganz trivial und leben von der korrekten Position des Referenzpunktes auf der Impulsantwort. Zwar liefern die meisten Messprogramme brauchbare Startwerte**) aber man muss den Referenzpunkt fast immer von Hand so justieren dass keine Totzeit mehr in der Messung vorhanden ist. Hier sehen wir deutlich eine nicht kompensierte negative Totzeit, mit dadurch nach oben wegrollender Phase, bis der tatsächliche Phasengang die Oberhand gewinnt.

**) Die Totzeit einer Messung wird i.d.R. dadurch kompensiert, dass der Nullpunkt auf den höchsten Punkt der Pulsantwort gelegt wird. Dazu muss diese in höchster Genauigkeit (mit upsampling) vorliegen damit man überhaupt den Scheitel genau messen kann. Und das automatische Verfahren funktioniert sowieso nur zuverlässig auf symmetrischen Pulsantworten, andernfalls ist der Scheitelpunkt eben nicht automatisch der Punkt der gesichert keine Totzeit mehr hat.

Kontroll-Messung:

Setup :

  • Loopback-Messung mit XLR-Kabel
  • 96kHz Sample-Rate, ADC und DAC auf +19dBu Ref.Level
  • ADC Filter : Sharp (zwingend, d.h. ein linearphasiges Filter, damit keine zusätzlichen Phasenfehler durch den ADC entstehen)
  • DAC Filter : Sharp (linearphasig), und zum Vergleich SD Sharp (minimalphasig), es gibt noch vier weitere mögliche DAC-Filter die hier aber nicht weiter untersucht werden.

Bei hohen Frequenzen ergibt sich nun das erwartungsgemäße Bild:

Sharp erzeugt keinerlei Phasengang **)

SD Sharp erzeugt ein Wegrollen der Phase streng nach unten, passend zum Amplitudenverlauf

Die angezeigten Messwerte sind bei 20kHz abgetastet. Bei 20kHz hat das SD Sharp Filter einen tatsächlichen „Phasenfehler“ von -12°. Das ist absolut irrelevant und völlig unhörbar (da insbesondere beide Kanäle auch identisch sind).

**) Sowohl ADC wie DAC haben noch analoge Tiefpass-Filter, aber deren Grenzfrequenz liegt so hoch dass es hier noch keine Auswirkungen auf die Phase gibt. Deutlich sehen kann man deren Einfluss erst ab 176.4kHz oder 192kHz Sample-Rate.

Das leichte Wegrollen der Phase bei Frequenzen unterhalb von 20Hz ist allein der Phasengang des AC-gekoppelten ADCs. Der DAC-Zweig des ADI-2 Pro ist komplett DC-gekoppelt, wodurch ein Phasengang bei tiefen Frequenzen automatisch gar nicht erst vorhanden ist.

Kontroll-Messung mit Plugin-Doctor:

Das ist die Messung für beide Filter von ADC und DAC auf Sharp, also der linearphasigen Einstellung, deckt sich gut mit der REW-Messung.

Bei der Einstellung SD Sharp kommt aber dasselbe falsche Bild zustande wie in der Amazona-Messung und es lässt sich auch nicht ändern da der Referenz-Punkt nicht manuell verstellt werden kann und sowieso nur in ganzen Samples gemessen wird. Für genaue Phasenmessungen ist dieses Programm also nur bedingt geeignet.

Verzerrungen bei hohen Frequenzen

Messung von Markus Schröder („Hammerstein“):

Leider ist nicht genau klar was diese Hammerstein-Messung darstellt und wie der Algorithmus ist, es finden sich eher wenig Information dazu im Netz. Jedoch will dieser Plot wohl so interpretiert werden, dass die Verzerrungen zu hohen Frequenzen deutlich zunähmen, geradezu explosionsartig fast schon.

Kontroll-Messung:

Setup :

Messung mit einem zweiten, völlig autark betriebenen RME ADI-2 Pro FS (damit auch die sog. Spiegelfrequenzen oberhalb der halben Samplerate noch mit erfasst werden können)

  • DAC: 96kHz Sample-Rate, +4dBu Ref.Level
  • ADC: 192kHz Sample-Rate, +24dBu Ref.Level

Als Messmethode wurde die klassische Differenzton-Messung zweier nahe beieinander liegenden Töne mit gleichem Pegel verwendet, der DAC war dabei auf -0.1dBFS ausgesteuert, also maximaler Pegel des Digitalsignals.

Die gewählten Test-Frequenzen sind zum einen die dafür üblichen 19kHz und 20kHz, sowie zur Kontrolle dann bei jeweils 1/4tel (4750Hz+5000Hz) und 1/16tel (1187Hz+1250Hz).

Numerische IMD Ergebnisse:

  • 19kHz+20Khz : -99dB
  • 4750Hz+5000Hz : -113dB
  • 1187Hz+1250Hz : -113dB

Es ist ein leichter Anstieg von 14dB bei sehr hohen Frequenzen zu verzeichnen (auch direkt im Plot sichtbar als der Unterschied der höchsten Nadeln rechts vom Frequenz-Doublet). Von einem rasanten Anstieg kann aber nicht die Rede sein und auch die Absolutwerte bewegen sich in der Referenz-Klasse für solche Messungen.

Kontroll-Messung mit Plugin-Doctor (Loopback):

Nun kommen offenbar realistische Werte heraus, Schlüssel für die korrekte Anwendung von Plugin-Doctor für Hardware-Messungen ist die gleiche Einstellung der Sample-Raten für das Programm wie für das Interface, was der Amazona-Autor wohl übersehen hat trotz explizitem Hinweis im Handbuch des Programms.

Man beachte zudem die violette Linie G(1), die stößt in der Messung des Amazona-Autors oben am Bildschirm an, das hätte bereits ein Indiz sein müssen dass da was faul ist.

Allerdings zeigt die Software auch innere Unstimmigkeiten, bei 192kHz oder 48kHz statt 96kHz ergeben sich folgende, anders ausfallende Plots:

Das spricht nicht unbedingt für eine stabile Analyse, denn es sollte schon immer ein sehr ähnliches Bild zustande kommen (Verzerrungen skalieren generell nur mimimal mit der Sample-Rate), hier ergeben sich aber deutlich Abweichungen, und besonders im Bass sieht das sehr seltsam verschieden aus, je nach Sample-Rate. Die Zweitonmessung gibt unabhängig von der Sample-Rate dagegen immer die praktisch gleichen Werten aus, genauso wie eine reguläre Klirrmessung mit einem einzelnen Sinussignal.

Verzerrungen/Brummstörungen

Messung Markus Schröder:

Während die Oberwellen des 500Hz-Messtons noch OK aussehen (aber etwas zu hoch sind und in der Verteilung nicht ganz stimmen da wohl auch Verzerrungen des ADC mit dazu kamen), ist der deutlich sichtbare Netzbrumm auffällig. Es sind zudem nur ungerade Oberwellen von 50Hz zu sehen, also 150Hz und 250Hz, jedoch keine 100Hz, 200Hz usw.

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Das deutet auf eine direkte 50Hz-Netzeinstreuung in die Kabel hin (oder sonstwo in das nicht näher beschrieben Setup, außer dass es Loopback ist). Jedes Netzteil beinhaltet immer die Gleichrichtung der Netzspannung, bei einen Schaltnetzteil vor dem eigentlichen Spannungswandler, bei einem normalen nach dem Wandler (der dort der Netztrafo ist). Das erzeugt immer deutlich höhere Anteile an etwaiger Restwelligkeit bei 100 Hz als bei 50Hz, letztere sind im Normalfall sogar völlig abwesend.

Ein weiteres Indiz für Einstreuungen außerhalb des Geräts ist der „Dreck“ bei 16kHz und 20kHz. Die 50Hz-Störung wird vom Amazona-Autor aber dem Netzteil zugesprochen bzw. dem Wandler selbst, der diese nicht unterdrücken würde, dem Anschein nach.

Kontroll-Messung:

Setup :

  • Loopback-Messung mit XLR-Kabel
  • 96kHz Sample-Rate
  • ADC +24dBu Ref.Level, DAC auf +4dBu Ref.Level um dessen Einfluss klein zu halten
  • ADC Filter : Sharp
  • DAC Filter : Sharp
  • Rechner : LapTop im Netzbetrieb, Win10, ASIO, USB

 

Es ergibt sich ein ziemlich vorbildlicher Verlauf von mit der Ordnung kleiner werdenden Oberwellen.

Entscheidend ist aber die völlige Abwesenheit von Netzstörungen.

Kontroll-Messung mit Plugin-Doctor:

Auch damit sehen wir keinerlei Netzstörungen (erwartungsgemäß). Hier laufen DAC und ADC beide auf +19dBu und deshalb sehen wir hier wieder mehr Klirr.

Hinweis: die Rauschflure dieser beiden Messungen sind nicht direkt vergleichbar. Zum einen wegen unterschiedlicher FFT-Größen und zum anderen weil in der Kontroll-Messung mit REW noch 20dB Abschwächung vorliegen womit das Rauschen des messenden AD-Wandlers dazukommt bzw. sogar dominant wird (zugunsten aber des geringeren Klirrs).

Durchgriff der Stromversorgung auf den Analog-Ausgang

Im Amazona-Test wird dem Netzteil eine schlechte Note ausgestellt, vermutlich auch ausgelöst durch die oben gezeigte Verzerrungsmessung mit deutlich sichtbaren Netzkomponenten.

Diesem Vorwurf wurde nun genauer nachgegangen, indem der Durchgriff des Netzteils auf den Analog-Ausgang mit maximal möglicher Messtiefe ermittelt wurde. Dazu wurde aber keine Loopback-Messung verwendet weil der ADC ebenso gestört werden könnte wie der DAC und sich die Störungen summieren würden, im schlimmsten Fall könnten sie sich sogar auslöschen.

Stattdessen wurde ein zweiter ADI-2 Pro, diesmal das etwas ältere FS-Modell, als Mess-Frontend verwendet. Die USB-Verbindung wurde über einen Intona USB 2.0 Isolator galvanisch vom Messrechner getrennt, die Stromversorgung des Interface wurde ebenfalls auf maximale galvanische Trennung ausgelegt mit einem speziellen DC/DC Wandler mit Medizinal-Spezifikation. Die Nullmessung zeigte nicht den Hauch von Netzstörungen des Mess-Frontends, das nun für das zu testende Interface praktisch unsichtbar war, elektrisch.

Das Test-Interface, also der ADI-2 Pro FSR, lief mit +24dBu Ref.Level um die Verstärkung im Analogteil so groß wie möglich zu machen, damit also dort am empfindlichsten für etwaige Netzeinstreuungen zu sein. Die Verbindung zum Messinterface erfolgte über eine kurze XLR-Leitung. Als Betriebsart wurde AD/DA auf 48kHz gewählt weil USB nicht angeschlossen war jedoch sichergestellt sein sollte dass das Interface wandelt. Der Ref.Level des ADC wurde auf +24dBu eingestellt und der Eingang kurzgschlossen, und der Pegel auf -93.8dB eingestellt, dem kleinsten mögliche Wert.

Der Mess-ADC lief auf +4dBu, also mit 20dB Verstärkung resultierend. Sample-Rate war 48kHz und die FFT-Größe betrug 4Millionen Punkte, damit ist die Frequenzauflösung sehr groß, aber vor allem der Rauschflur der FFT extrem niedrig. Das breitbandige (20Hz…20kHz) Restrauschen des ADI-2 Pro FSR beträgt 12uV, aber die FFT hat ihren „Boden“ erst bei etwa 10nV, d.h. man noch Frequenzen gut erkennen die nur 1/1000tel des Pegels des Rauschens haben (diese Rauschunterdrückung einer FFT der Größe N ist 10*log(N/2), das sind hier 63dB == Faktor 1400).

Das blaue Spektrum ist vom Werksnetzeil, das rote wurde mit dem schlechtesten klassischen 50Hz-Trafonetzteil gemacht das ich bei mir noch finden konnte, ein ganz einfaches „12V/800mA“-Ding mit ungeregelter, also unter Last stark rippelnder Ausgangsspannung, diente Anfang der 2000er als Stromversorgung eines Netgear-Printer-Servers (Model PWR-012-381, https://amberone-shop.de/Original-Netzteil-Netgear-PWR-012-381-fuer-PS111W-Print-Server-Output-12V-800mA).

Der obere Rand des Plots entspricht praktisch der maximalen Ausgangsspannung bei +24dBu (12.3Vrms). Die höchste Spitze bei 100Hz mit dem Drecks-Netzteil liegt bei gerade mal knapp 300nV, das sind fast acht(!) Zehnerpotenzen (160dB) unter dem maximale Nutzsignal. Auch 300nV sind noch völlig im RMS-Rauschflur vergraben, d.h. diese 0.3uV mit 50Hz würde man auf dem Oszilloskop in dem Restrauschen von 12uV überhaupt nicht erkennen können, und genauso ginge es dem Ohr könnte man denn die angeschlossenen Lautsprecher oder Kopfhörer überhaupt soweit aufreißen dass das Rauschen deutlich hörbar würde. Nur diese spezielle Messung an der Grenze des technisch Machbaren zeigt die 50Hz- und 150Hz- Komponenten überhaupt auf.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten dass der RME ADI-2 Pro wirklich 100% immun ist auf seine Versorgung, genau so wie es im Handbuch heißt: „[…] Daher erreicht der ADI-2 Pro seine technischen Daten selbst mit weniger optimalen Netzteilen. Oder in anderen Worten: die Wahl der Stromversorgung ist unkritisch.“

Auswirkung des Netzteil-Ableitstroms auf das resultierende Brummverhalten je nach gewählter Kabelverbindung

Um die mikroskopischen Größenordnungen weiter zu verdeutlichen in denen wir uns hier bewegen, wurde abschließend die Verschlechterung eines „gemessenen“ Brummverhaltens allein durch unpassend gewählte Kabel untersucht.

Das RME-Werksnetzeil ist ein sehr typisches kleines Schutzklasse-II Schaltnetzteil mit ebenso typischem Netzableitstrom. Auch normale Trafonetzteile haben Ableitströme aber bei Schaltnetzteilen ist dieser von der Oberwellen-Zusammensetzung heikler, da nicht allein die 50Hz dominant sind.

Wenn dieser Ableitstrom auf einem Kabelschirm fließt, erzeugt er dort einen Spannungsabfall. Selbst wenn der Sender das Kabel am Eingang kurzschließt, sieht der Empfänger diesen Spannungsabfall wenn es sich um ein unsymmetrisches Kabel handelt, während beim einem symmetrischen Kabel der Empfänger den Spannungsabfall wieder heraus subtrahiert. Vor allem längere unsymmetrische Kabelverbindungen sind daher heikel wegen der zusätzlich in ihnen entstehenden Brummstörungen.

Hier sehen wir die Ausgangsspannung des FSR, wenn er über ein 1.5m XLR- oder ein 1.5m RCA-Kabel mit dem Mess-Frontend (dem FS) verbunden ist. Der FSR floated dabei, d.h. sein Masse-Ruhepotential würde allein vom Werksnetzteil bestimmt, wenn sonst nichts angeschlossen wäre. Das Messinterface ist hat dagegen seine Audio-Masse auf Schutzerde gelegt bekommen, damit fließt der volle Ableitstrom des Netzteils über den Kabelschirm nach Schutzerde, das ist das worst-case Szenario. Beim RCA-Kabel (eher mittelmäßiger Qualität) sehen wir allein durch diese ungünstige Kabelverbindung ein zusätzliches Brummen das um den Faktor 10 höher ist als das Restbrummen des FSR schon mit dem Schrott-Netzteil! Aber auch dieses Brummen liegt immer noch RMS-Rauschflur vergraben, was die absoluten Größenverhältnisse weiter klarstellen sollte.

Eine wichtige abschließende Bemerkung zum Thema Ableitströme: Wenn das Interface so wie üblich direkt über USB an einen Rechner angeschlossen wird, bestimmt dieser das Ruhepotential und damit den Ableitstrom hin zu z.B. einem Verstärker. In fast allen Fällen wird also der tatsächliche Ableitstrom auf dem Kabelschirm gar nicht vom RME-Netzteil allein bestimmt, sondern aus der Kombination der Netzteile, wobei i.d.R. das Rechner-Netzteil dominiert. In jedem Fall aber kommt bei einer reinen Loopback-Messung, wenn also das Audio-Kabel an beiden Seiten am Interface angeschlossen ist, ein Ableitstrom niemals zustande und scheidet somit als aus als Ursache der Störungen in der Messung des Amazona-Autors (davon ausgehend, dass nicht etwa eine geerdete Patchbay oder dergl. verwendet wurde).

Aber eine Loopback-Messung kann bereits ähnlich „schlecht“ aussehen wenn man statt eines guten XLR-Kabels ein längeres normales oder gar mäßiges RCA- oder Klinkenkabel nimmt, weil dort oft die Abschirmung nicht 100% dicht ist und das reicht bereits für in Messungen ausreichend sichbaren Einstreuungen.

Latenzen

Unter Windows mit ASIO bekommt man folgende Roundtrip-Latenzen (gemessen mit https://oblique-audio.com/rtl-utility.php):

48kHz:

  • 3.5ms (32 Samples)
  • 4.8ms (64 Samples)
  • 7.5ms (128 Samples)

96kHz:

  • 2.5ms (64 Samples)
  • 3.8ms (128 Samples)
  • 6.5ms (256 Samples)

192kHz:

  • 2.1ms (128 Samples)
  • 3.4ms (256 Samples)
  • 6.1ms (512 Samples)

In allen Fällen ergibt sich eine streng lineare Abhängigkeit von der Buffer-Größe, sprich wenn man die Latenzen als Y-Werte und die Buffer-Größen als X-Werte in ein Diagramm einträgt, ergeben sich Geraden (die aber nicht durch den Nullpunkt gehen).

Eine Stichprobe mit Adobe Audition bestätigt diese Werte, bei 96kHz/128 Samples berichtet der Treiber 330 Samples Delay, gemessen wurde 369 Samples (beides lt. obigem Utility), und in Audition sehe ich dann genau die Differenz von 39 Samples (0.4ms) bei einer Record-While-Playback Aufnahme weil Audition die vom Treiber gemeldete Latenz kompensiert.

Diese „inneren“ (im Interface selbst entstehenden) Latenzen noch mal zusammengefasst:

  • 48kHz : 38 Samples (0.8ms)
  • 96kHz : 39 Samples (0.4ms)
  • 192kHz : 33 Samples (0.17ms)

Der Amazona-Autor kommt auf seinem Mac zu ganz anderen, deutlich höheren Werten für die Roundtrip-Latenzen und spricht von „eher inkonsistentem Verhalten, was wohl an der FPGA-Bearbeitung läge“. Das konnte hier allerdings nicht beobachtet werden.

Weitere kleine Ungereimtheiten im Testbericht

Zur Bandbreite des Analogeingangs:

„Je nach Sampling-Frequenz liegt das untere Ende des Frequenzumfangs bei

  • 5 Hz (bei 44,1 kHz)
  • 3 Hz (bei 96 kHz)
  • 2 Hz (bei 192 kHz)
  • 1 Hz (bei 768 kHz)“

Da sollte man schon die Messbedingungen mit dazu schreiben, damit nicht der falsche Eindruck aufkommt das Interface hätte mit steigender Samplerate eine tiefere untere Grenzfrequenz, was ein sehr unübliches Verhalten wäre. Im RME Handbuch steht daher auch:

  • Frequenzgang @ 44,1 kHz, -0,1 dB: 5 Hz – 20.5 kHz
  • Frequenzgang @ 96 kHz, -0,5 dB: 3 Hz – 45,5 kHz
  • Frequenzgang @ 192 kHz, -1 dB: 2 Hz – 92,7 kHz
  • Frequenzgang @ 384 kHz, -1 dB: < 1 Hz – 124 kHz
  • Frequenzgang @ 768 kHz, -3 dB: < 1 Hz – 180 kHz

Zu den Einstellmöglichkeiten:

„Im Nicht-USB-Betrieb (im HiFi-Umfeld) gibt es einen direkten Zugriff auf eine +/-6 dB Höhen- und Bassanpassung“.

Die Bass- und Höhen-Steller gibt es in jeder Betriebsart (außer DSD, und bei extrem hohen Sample-Raten).

Zum Lautstärke-Steller:

„Die Lautstärkekontrolle im ADI-2 Pro FS R ist im übrigen ausschließlich digital“.

Stimmt nicht ganz, denn es werden auch analoge Verstärkungsfaktoren verändert, zumindest wenn die Auto-Ref.Level Option für die Ausgänge bzw. Kopfhörer eingestellt ist. Auf dem Line-Out (XLR) sind es vier Stufen, auf den Kopfhörer-Ausgängen zwei.

Das hat den Zweck, den D/A-Wandler selbst immer im möglichst hohen Aussteuerungsbereich zu halten was bei einer ausschließlich digitalen Lösung nicht der Fall wäre.

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Fazit
Es sieht alles sehr danach aus, als ob dem Amazona-Autor bei den Messungen des ADI-2 Pro FSR einige unbemerkte Fehler unterlaufen sind (einzig die Frequenzgang-Messung erscheint korrekt), vor allem lagen wohl nicht näher erkannte Brummstörungen im Aufbau oder der Verkabelung vor.

Das wurde anschließend falsch interpretiert und dann dem Gerät bzw. seinem Netzteil als Mangel attestiert. Die an sich bestehende Möglichkeit dass das Netzteil eventuell defekt war ist sehr unwahrscheinlich, aber selbst wenn würde das nicht das gezeigte Fehlerbild in der Größenordnung erzeugen wie die Amazona-Messung erfordern würde.

Tatsächlich aber kann man dem Interface bescheinigen, in geradezu spektakulär guter Weise selbst mit absolut minderwertigen Netzteilen zurecht zu kommen, und mit dem Werksnetzteil ist nicht mal ein Hauch von Brummstörungen nachweisbar. Lediglich bei sehr unsachgemäßer Einbindung in einen Geräteverbund kann man ein Verschlechterung der Daten erzwingen aber der Fehler entsteht nach wie vor nicht im Interface selbst, sondern in den Audio-Kabeln.

Schlussendlich finden sich etliche Messungen im WWW vom ADI-2 Pro und ADI-2 DAC, die beide sehr ähnlich sind und beide das gleiche Netzteil verwenden. Nirgends ist da eine Brummstörung zu sehen:

https://www.audiosciencereview.com/forum/index.php?threads/rme-adi-2-fs-version-2-dac-and-headphone-amp-review.13379/

https://www.audiosciencereview.com/forum/index.php?threads/loopback-measurement-of-rme-adi-2-pro-fs-black-edition.10834/

https://archimago.blogspot.com/2018/10/measurements-rme-adi-2-pro-fs-as-dac.html

Beim Hörtest des Amazona-Autors steht meinerseits leider ebenso zu vermuten, dass womöglich ein Setup-Fehler die Ursache war für die wahrgenommenen Defizite des Werksnetzteils, unter der Annahme natürlich dass die verschiedenen Hörereignisse auch tatsächlich allein durch verschiedene Ohrsignale zustande kamen und nicht etwa durch andere Beeinflussungen, allen voran Voreingenommenheit durch die (nicht korrekten) Messergebnisse, falls diese vorab ermittelt wurden. Auch höre ich selbst mit verschiedenen Netzteilen selbst absolut keinerlei Unterschied, was aber nicht unbeding etwas heißen muss ... ;-)

Klaus Strohhaecker,

Berlin, Juli 2020
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Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Hat was von ’nem Loriot Sketch.

    Eine 9-seitige Ausarbeitung darüber, dass Kabel Messfehler verursachen können. Dafür dann auch mal nebenher satte 26 € verballert.
    Kannste Dir nicht ausdenken, so etwas.
    All das nur, um im Streit in der virtuellen Badewanne die Gummiente schwimmen zu lassen.

    Vielen Dank für die Erheiterung, Herr Müller-Lüdenscheidt.

    • Profilbild
      KSTR  

      Nee, eine 9-seitige Ausarbeitung darüber, dass ein redaktioneller Fachartikel-Schreiber mE eine Sorgfaltspflicht hat, bei der Breitenwirkung die ein Testbericht haben kann und soll. Bei einem privaten Blog oder Forumsbeitrag oder auch Stammtischgespräch mag das ja anders aussehen.

      Es geht nicht darum dass einem mal ein gelegentlicher Fehler durchrutscht, sondern darum dass das hier bei fast allem passiert ist, man nichts hinterfragt hat und damit auch nicht den Zweck von Messungen verstanden hat, nämlich objektive Fakten zu vermittlen. Dazu müssen sie halt dummerweise a) zumindest einigermaßen richtig sein und folglich dazu auf Plausibilität überprüft werden, und b) dann richtig interpretiert werden statt in’s Blaue hinein irgendetwas zu mutmaßen.

      So, und um das zu vermitteln ist ebenso Sorgfalt gefordert und Hintergrundwissen bereitzustellen, hat sich jetzt nicht vermeiden lassen, auf welches Konto darf ich Ihnen die Zeitstehl-Entschädigung überweisen?

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Nun denn.
        Lassen Sie mal stecken. Hat mich ja amüsiert – und das ersparte Geld könnten Sie in Farbe investieren, um Ihren Keller bunt zu streichen.
        Soll gute Laune machen. ;-)
        Wenn Sie mit solch einer Leidenschaft Musik produzieren, wie Sie hier über die Netzteile von Audio-Interfaces sinnieren, dann ist Ihnen ein Jahrhundert-Hit gewiss.
        Mit frdl. Grüßen
        O. P. A. Hoppenstedt

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          gs06  

          Also ich würde es eher als einen schlechten Witz empfinden, wenn jemand auf der „Grundlage“ fragwürdiger Messungen ein Produkt schlecht bewertet und auf einen derart detaillierten Hinweis nicht mit erneuten Messungen und einer entsprechenden Replik oder Korrektur des ursprünglichen Artikels reagiert. Ich möchte dem Autor dieses Beitrags daher ausdrücklich für seine umfangreichen Bemühungen um Aufklärung danken.

        • Profilbild
          Markus Galla  RED

          Willemstrohm, warum so angriffslustig? Dieser Lesertest ist sehr fundiert und offensichtlich hat hier jemand richtig Ahnung vom Messen elektronischer Geräte und auch davon, wie man die Messergebnisse richtig interpretiert. Als Amazona-Autor und Autor anderer Magazine (darunter viele Jahre Tools 4 Music) bin ich ständig damit konfrontiert, dass eine Messung zur Objektivierung angebracht ist (wenn auch nicht gefordert). Ich habe jedes Mal ein ungutes Gefühl, weil ich an der SAE damals (als alles noch so fein analog war) alles gelernt habe, aber nicht das Messen und Interpretieren der Messungen. Heute kann jeder mit wenig Aufwand mit Software und einem Interface messen. Das bedeutet aber leider auch, dass Fehler passieren – so wie offensichtlich in diesem Fall. Ich nutze deshalb Messergebnisse immer dann, wenn sie das von mir Gehörte unterstreichen. Präsentieren sie mir etwas, was ich nicht höre, verwerfe ich sie als fehlerhaft. Oder ich ziehe Vergleichsgeräte heran und teste sie unter gleichen Bedingungen. Im Zweifelsfall bleibt die Messung weg oder ich frage Freunde, die das gelernt haben, wie sie das sehen (bei der Tools haben wir einen echten Experten, der auch Geräte reparieren kann und hochwertiges Equipment hat). Ich würde den Leserartikel durch einen Lektor überarbeitet als Test veröffentlichen. Jedem Autor unterlaufen mal Fehler und ein Klarstellung ist kein Beinbruch.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Vielen Dank für die Richtigstellung. Ich konnte beim besten Willen nicht glauben was der Autor im ursprünglichen Test gemessen hatte. Mein Wissen in Sachen Elektrotechnik und Physik begrenzt sich auf Basiswissen. Ich kann diesen Darstellungen hier zu 90% folgen. Ich hatte bereits zum Test des ADI 2 Pro FS angemerkt, dass der Teil zu den Messungen gestrichen werden soll. Das würde ich als Riesenstatement von Amazona empfinden. Es handelt sich bei dieser Plattform zwar um eine Community und kein Wissenschaftsmagazin, aber hier werden Produkte beurteilt und ich würde es schade finden, wenn eine Firma wie RME oder auch andere Hersteller aufgrund von (Mess-)Fehlern Umsatzeinbußen gerade in diesen schwierigen Zeiten erleiden. Herr Schroeder macht einen guten Job hinsichtlich der Beschreibung seiner subjektiven Höreindrücke, aber bei den Messungen hat er sich wohl verhauen. Danke an KSTR für die Zeit, Mühe und die 26 Euro.

    • Profilbild
      wolftarkin  AHU

      Ich find deine Kommentare meistens amüsant. Und reichlich. ;-)
      An der Stelle, und gleich wieder an erster Stelle in dem Falle nicht. Besonders in Verbindung mit dem ursprünglichen Test und den Schlussfolgerungen.
      Ich hoffe, du nimmst mir die Bemerkung nicht übel.

    • Profilbild
      Fredi  

      Hallo Willemstrohm,

      ich finde Deine Bemerkungen zu diesem Artikel etwas zynisch und – ehrlich gesagt – nicht besonders zielführend.

      KSTS hat sich extreme Mühe gegeben, die Behauptung von Markus Schroeder zu verifizieren oder zu falsifizieren, dass der Klang des Audiointerfaces mit dem eigenen Netzteil „schwurbelig“ und „seelenlos“ ist, mit dem Black Lightning (Akkunetzteil) aber „imposant“.

      Ich hatte damals auch kommentiert und fand das Ganze etwas „esoterisch“, weil das nach dem mir bekannten Stand der Technik einfach nicht besonders plausibel ist (und ich bin damals offenbar von sehr konservativen Annahmen ausgegangen, man wird alt ;-). Es gab damals insgesamt eine intensive Diskussion und auch durchaus Zustimmung, dass man so etwas durchaus heraushören könnte.

      Daher ist die Messreihe von KSTS extrem instruktiv, sie überzeugt mich, auch wenn ich leider nicht die komplette Elektrophysik dahinter verstehe. Sein Aufwand war nicht unerheblich, und es nimmt eben auch den Voodoozauber aus der Diskussion raus im Stil von „Hey, ich benutze jetzt vergoldete Kabel, das bringt echt megamäßig Sound, musste Dir anhören!!“.

      Danke Klaus, ich bin ein neuer Fan von Dir!

      Gruß Fredi

  2. Profilbild
    Vati  

    Hallo KSTR,
    ich bin beeindruckt, Hät ich jetzt nicht erwartet , das da noch was von Dir kommt. Kann diesem Forum hier nur gut tun. Vielleicht gibt es in Zukunft dadurch einen Qualitätssprung im Studioforum.
    Grüße von Vati

  3. Profilbild
    MichFisch00  

    Hallo KSTR,

    so würde ich mir Tests immer wünschen. Danke für den sicher nicht unerheblichen Aufwand, der dahinter steckt. Das ist auch messtechnisch extrem lehrreich. Habe beim Durchlesen einiges dazugelernt, um auch zukünftige Tests anderer Autoren in diesem Umfeld besser beurteilen und einordnen zu können. Top!

  4. Profilbild
    KrauTronicA  RED

    Hallo Klaus,
    ich schließe mich hier dem allgemeinen Tenor an: Vielen Dank für den Aufwand, den Du in diese Messungen und Gegendarstellung gesteckt hast! Das gilt insbesondere für die ausführlichen und fundierten technischen (Zusatz-)Erklärungen. Dito für die expliziten Nachmessungen mit dem PluginDoctor und dem Vergleich zu Deinem eigenen Setup.

    Der Abschnitt bzgl. Netzteile, Ableitströme und Brummeinstreuungen/-schleifen hat mich auf ein paar Gedanken und Fragen gebracht. Deshalb ein zweiter separater Kommentar, da meine Beobachtungen in diesem Zusammenhang bzgl. (Audio-)Verkabelung durchaus von Interesse sein dürften [aber mit Sicherheit nicht Nobelpreis-verdächtig sind ;-)].
    Bin offen für feedback und dankbar, falls ich das Thema „Ableitströme“ zu sehr einseitig in Richtung Schutzkontakt/-leiter auslege. Eine Diskussion kann hier ja allen weiterhelfen.

    Grüße, KrauTronicA

  5. Profilbild
    KrauTronicA  RED

    Hallo zusammen,
    im Zusammenhang mit Ableitströmen ein paar interessante Beobachtungen bzgl. üblicher Netzteile im Kunststoffgehäuse mit Schutzkontaktanschluß (Schukostecker und Kaltgerätebuchse). Hab‘ mir mal ein paar von meinen Dingern (Laptop; Synthesizer) geschnappt. Messung Schutzkontakt gegen den Masseanschluß des Niederspannungsausgangs (Netzteil dabei natürlich nicht ans Stromnetz angeschlossen!). Tja, war ebenso verblüfft wie amüsiert über die Varianten:
    1) Vollständige galvanische Trennung; also keinerlei Verbindung Schutzkontakt und Masse Ausgang
    2) Hochohmige Verbindung (1MOhm) Schutzkontakt und Masse
    3) Schutzkontakt und Masse direkt verbunden – was mich bei einem Kunststoffgehäuse doch etwas überrascht hat (da von den VDE Richtlinien m.E. nicht zwingend notwendig; aber zusätzliche Sicherheit)

    Fall 3) ist natürlich gerade im Audiobereich interessant und evtl. kritisch, denn die Masse vom Netzteil liegt an allen Masseanschlüssen von Eingangs- und Ausgangsbuchsen des versorgten Geräts an. Hier können in Verbindung mit einem weiteren Gerät Brummschleifen über das Stromnetz (Schutzkontakt) auftreten, wenn das zweite Gerät ebenfalls mit so einem Netzteiltyp betrieben wird.
    Beispiele:
    * Laptop und USB-Kabel zum AD/DA-Wandler
    * Verstärker / Aktivboxen mit Netzanschluß mit Schutzkontakt

    • Profilbild
      KSTR  

      Dummerweise ist auch Fall 1) uU kritisch, weil die Messung mit dem Ohmmeter nichts über die Koppelkapazität im Netzteil aussagt.

      Bei Schaltnetzteilen liegt über dem internen HF-Trafo nämlich ein EMV-Kondensator (mit 1nF bis 2.2nF, typischerweise), der damit aber die Primär- mit der Sekundärseite verbindet. Und die Primärseite liegt auf halb- oder vollweggleichgerichteter Netzspannung ggü. Schutzerde, deshalb hat der Ableitstrom 50Hz und alle Oberwellen.

      Bei einem Trafonetzteil ist es die Kapazität zwischen den Wicklungen, die ist bei kleinen Trafos niedrig und es liegt eben nur (ein Teil der) normalen Netzspannung an, also fast nur 50Hz, die als reiner „Brumm“ gehört viel gutmütiger sind als das „Gebritzel“ vom Schaltnetzteil.

      Im Fall 2) versucht man, einen Teil des Ableitstroms schon im Netzteil loszuwerden, denn idR ist dem 1 Megohm ebenso noch ein Kondensator parallel-geschaltet, so 100nF oft, und damit viel größer als die Koppelkapazität und entsprechend schließt es fast allen Ableitstrom kurz.

      Wenn alle Welt symmetrische Verkabelung verwenden würde und diese überall auf die richtige Sende- und Empfangselektronik stieße, wäre für Fall 3) ebenso alles in Ordnung.

      Bei unsymmetrischen Verbindungen bleibt einem nur, die Masse der Audio-Verbindung möglichst niederohmig zu machen (Kabel mit sehr gutem Schirm), oder extra Massekabel.

      • Profilbild
        KrauTronicA  RED

        Hallo Klaus,
        Danke für das Detail bei 1) und 2) mit dem „EMV Koppel-Kondensator“ zwischen Primär- und Sekundärseite des HF-Trafos. Schönes Beispiel für die Feinheiten, die so (leider) in (Prinzip-) Schaltbildern nur selten sichtbar sind.
        Mit Blick auf das Thema hier sehe ich (mit meinen Worten) zwei – frequenzabhängige – Nebenwirkungen:
        a) Der (lastabhängige) ripple (mit dessen Harmonischen) nach der Gleichrichtung auf der Primärseite wird also über dieses Koppel-C zu einem gewissen Teil auf den Sekundärkreis (Niederspannung) übertragen. Das ist zwar Gleichtakt für die Ausgangsspannung, aber damit zappelt schon mal das Massepotential des versorgten Geräts gegenüber einem anderen, unabhängig versorgten Gerät.
        b) Es kann zudem eine kapazitiv gekoppelte Erdschleife entstehen. Zwar ist diese für einen „50Hz Netzbrumm“ noch einigermaßen unempfindlich (da nur einige nF Koppel-Kapazität). Für höhere Harmonische der 50Hz und generell alle hochfrequenten Störungen ist diese Schleife aber deutlich sensitiver.

        Korrekt ;-) ?

        Zugegeben, ich mußte selbst erstmal genauer überlegen, wo genau dieses „EMV Koppel-C“ (und weitere) hier denn platziert werden müssen und wie es wirkt.

        Als kurze Doku und für interessierte Hardcore-Freaks deshalb noch ein Anhang bzgl. der EMV-Wirkung dieses Koppel-Cs ;-).

        Grüße, KrauTronicA

      • Profilbild
        KrauTronicA  RED

        Zusatz
        Grundsätzlich wird bei Schaltnetzteilen der Strom durch eine Spule oder HF-Trafo geschaltet. Nun ist so eine Spule gerne mal ein unverstandenes Wesen und bestraft Elektrotechniker (bei Nichtbeachtung) für das harte Abschalten des Stroms mit hohen Spannungsspitzen („Selbstinduktion“), die einem den Tag so richtig verderben und andere Bauteile schnell ins Jenseits befördern können.
        Um’s einfach zu halten: die Spule versucht beim Abschalten immer den Stromfluß aufrecht zu erhalten („der Strom durch eine Spule kann sich nicht schlagartig ändern“). Dabei entsteht eine u.U. hohe Überspannung an dem Ende der Spule, das an den Schalter angeschlossen ist.
        Der EMV Koppel-C übernimmt hier nach meinem Verständnis primär den Stromfluß der Spule während der Schalter öffnet. Dadurch gibt es einen stetige(re)n Stromfluß und somit geringere Harmonische / EMV-Störungen (das erwünschte Ziel!). Daneben dürfte er helfen die Höhe der (Selbst-) Induktionsspannung zu begrenzen – den Schalter freut‘s.
        Aber: wohin am besten mit diesem Strom? Wird dieser Kondensator an die richtige Stelle im Sekundärkreis angeschlossen, hilft er dort sogar dem HF Trafo beim Laden des Pufferkondensators auf der Sekundärseite. Für den Rückweg braucht’s aber weitere EMV-Cs sowohl im Primär- & Sekundärkreis, die „mittig“ an Schutzerde liegen – da haben wir den Salat.

  6. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ein Artikel den ich mir mit Sicherheit noch mehrfach durchlesen werde und dabei noch was lernen kann. Sehr strukturiert gedacht und geschrieben, wobei ich höchsten Respekt vor dem Fachwissen und der korrekten Durchführung habe. Wenn so ein Artikel Geld kostet bin ich bei jeder Crowdfunding-Aktion dabei um das am Leben zu halten. Danke lieber KSTR für die „Erdung“ im ganz untechnischen Sinne.

  7. Profilbild
    oboe

    Vielen Dank an BEIDE Autoren der Tests zum RME!

    Vorweg: auch ich bin RME-Fanboy und habe den ersten Bericht etwas ungläubig gelesen, denn RME ist bekannt dafür, messtechnisch hervorragende Ergebnisse zu produzieren. Klanglich gibt es – zugegeben – noch Luft nach oben. Aber wenn man einen neutralen, zuverlässigen Preamp haben möchte, dann finde ich RME dafür sehr empfehlenswert.

    Auch wenn nun die Überprüfung des ersten Artikels andere Ergebnisse zum Vorschein gebracht hat: ich bin beiden Autoren dankbar für ihre Mühe und die Artikel. Zum Einen Kompliment an Amazona und deren Autoren, die eben nicht alles hypen, was einen bekannten Namen trägt, sondern da sehr kritisch herangehen: bitte unbedingt weiter so! Fehler in der Messkette erkennen, dafür muss man sehr viel und spezifische Erfahrung haben. Wem ist das nicht auch schon passiert, dass man Mist gemessen hat? Selbst wenn einen das Ergebnis gewundert hätte: in der Überprüfungsmessung muss man eben auch selbst Erfahrung und Sachverstand haben. Deshalb danke für den 2. Artikel, denn bei mir hätte ebenso die Gefahr bestanden, Einstreuungen von außen nicht zu identifizieren und somit zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen, wie der erste Autor.
    Wieder etwas gelernt.

    Danke Euch Beiden für die Arbeit und die Veröffentlichungen!

  8. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Hallo Klaus,

    vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Artikel. Ich wünschte mir nun, dass Amazona.de für alles was mit Messungen zu tun hat, dich hinzuzieht, da hätte ich gleich ein besseres Gefühl :-).

    Das soll die Amazona-Redaktion nicht abwerten, im Gegenteil – ich steh‘ voll auf Euch :-D

  9. Profilbild
    Alcudi

    Ich war zuerst auch Feuer und Flamme für das Gerät. Aber allein schon die viel zu wenigen Digitaleingänge beim REM Adi2 DAC hielten mich bisher davon ab. Und schon gar nicht kommt so ein No-Go wie eine Kabelpeitsche in Betracht.

    In vielen Reviews (nicht nur auf amazona) kommt zutage, dass hier vor allem Meßwert-Fetischisten werkeln. Die wollten mir schon in den 80ern erzählen, was Sache ist.. DIN 45500.. lach.

    Einziges Argument ist der Equalizer. Der alledings mies realisiert wurde, es gibt nämlich keine Software zum Einstellen. Womit man wohl allein ist unter den Herstellern, die das anbieten.

    Ich werde mir mal die Geräte von Hifi Akademie ansehen. Oder wenn ich doch auf den EQ verzichte, dann gleich einen richtig guten DAC, nämlich einen Mytek. Die messen nicht nur, sondern hören sich ihre Geräte auch an.

    Und siocherlich schleusen die auch nicht ihre Mitarbeiter anonym in Foren ein, was ich ja besonders peinlich fand. Ähnliche Leistung bekomme auch bei Topping für den halben Preis, wenn ich keinen Wert auf Kopfhörer lege.

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