Djent Metal: Sound, Equipment und Geschichte

22. Januar 2019

Djent - wie eine neue Stilistik entstand

Djent Metal: Sound,Equipment und Geschichte

Djent Metal: Sound,Equipment und Geschichte

Die Geschichte des Djent Metal, der aktuell „jüngsten“ Strömung des Metals, unterscheidet sich durchaus von der Geschichte vieler anderer Strömungen. Grundsätzlich gilt: Um die Historie des Metals nachzuvollziehen, muss man nicht selten mehrere Jahrzehnte zurückgehen. Der Heavy Metal gebar über die Jahre hinweg so viele untergeordnete Genres, dass einem durchaus die Übersicht flöten gehen kann. Power Metal ist nicht gleich Heavy Metal, Neo Thrash Metal ist klar von Metalcore abzugrenzen, Grindcore ist nicht gleich Death Metal und selbst im Black Metal gibt es neben der Symphonic Sparte auch rohe, „true“ Vertreter. Oft also hat es man mit dem mühseligen Abgrenzen von Nischen zu tun. Selten aber hat sich in den letzten Jahren eine eigene neue Strömung im Metal herauskristallisiert, die es verdient, dass eine völlig neue Schublade aufgemacht wird.

Djent Metal

Equipment Djent Metal

Djent Metal ist so eine neue Schublade. Klar, dass man klanglich mit anderen Subgenres verwandt ist, lässt sich nicht vermeiden – die Nomenklatur des Metal, so könnte man argumentieren, ist über alle Bereiche hinweg irgendwie dann doch ähnlich. Was Djent Metal jedoch so besonders macht, ist die Tatsache, dass es sich um einen grundlegend neuen Oberbegriff für eine ganze Reihe von Bands handelt.

Was ist Djent Metal? Gewissermaßen eine Weiterentwicklung, wenn nicht sogar Vollendung einer zentralen Zutat des Metals: Brutalität. Würde man den meisten anderen Kategorien zwei, drei oder mehr Klangfarben zugestehen, würde das beim Djent Metal anders aussehen: Eine einzige, dominierende Klangfarbe gibt es hier: Schwarz. Das Metal Riffing wurde hier auf seine Essenz herunter gebrochen, ein thrashiger, nicht selten an die Breakdown-Charakteristik des Metalcores orientierter Groove, der sich alle Mühe macht, einem den Kopf abzuschrauben. Ein stark komprimierter Sound auf sieben- und achtsaitigen Gitarren, der mindestens auf Dropped-B Stimmung daherkommt und dabei stets eine anspruchsvolle Rhythmusfraktion im Rücken hat. Djent Metal ist also the new kid on the block, wenn man so will – versiert, dissonant, brutal, und vor allem groovy as hell.

Wir wollen uns die Geschichte und vor allem das Equipment ansehen, mit dem der Sound des Djent Metal erreicht wird und inwiefern Equipment Djent Metal ausmacht. Denn auch wenn der Djent recht jung ist – alleine in Sachen Equipment lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Schwedischer Wahnsinn

Djent Metal

Es scheint irgendwie eine Regel zu sein, dass wegweisende Bands, die mitunter verantwortlich für das Zustandekommen neuer Rubriken oder Schubladen sind, im Nachhinein nichts damit zu tun haben wollen. Als Journalist konnte man sich seinen Presse-Spot oder seine fünf Interviewminuten mit Kurt Cobain versauen, wenn man das Wort Grunge nur in den Mund nahm und auch Kyuss hassten es, als Stoner Rock bezeichnet zu werden.

„Es tut uns sehr leid, das Genre geschaffen zu haben.“ – so der Wortlaut von Marten Hagström, Gitarrist der schwedischen Band Meshuggah, die, so will es zumindest der gängige Kanon, als so was wie die Gottväter des Djent Metal gelten. Lieber Marten – es sei Dir verziehen!

Die Legende besagt nämlich, dass der andere Gitarrist von Meshuggah, Fredrik Thordendal, einem Journalisten auf die Frage seinem Sound mit dem Laut „dj – dj – dj“ antwortete. „You know? that’s we want. That push. That…dj..dj dj dj.“ Übersetzt bedeutete das: Ein komprimierter, klinischer Punch, der die messerscharfen, brutalen Rhythmen von Meshuggah transportieren konnte.

Djent Metal

Die Bedeutung von Meshuggah für den Djent Metal kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie erkannten auch als erste, wie sehr Equipment Djent Metal ausmacht. Die Jungs aus dem beschaulichen, schwedischen Umea sind eine der bedeutendsten Metalbands der letzten zwanzig Jahre. Die eher noch traditionellen Klänge der None-EP und dem ersten Full Length Album „Destroy, Erase, Improve“ bestanden vor allem aus thrashigem Riffing und dem an James Hetfield erinnernde Gesang des Sängers Jens Kidman. Dann kam „Chaosphere“ – 1998 erschien das Album und definierte die Brutalität des Metals neu. Vieles an der Platte war wegweisend – das unglaubliche Drumming von Tomas Haake, synkopische Palm-Muted Riffs in klinischem Soundgewand und die psychopathische Intensität von Jens Kidman. „We are proud of this one“, sagte Tomas Haake in einem Interview 2011. „It was the perfect bland of madness“ – Wahnsinn plus Methode, diesmal in Vollendung.

Wie so oft also sind die wegweisenden Impulse einer Strömung des Metals also nicht in den Staaten lokalisiert, auch wenn die Szene dann dort anfing zu wachsen und zu explodieren. Es dauerte nicht lange, und die Bezeichnung „Djent“ wurde zum absoluten Hasswort. Immer mehr wurde darüber diskutiert, ob bei so engen, stilistischen Eingrenzungen überhaupt von einem eigenen Genre gesprochen werden konnte. Tosin Abasi von Animals as Leaders brachte es auf den Punkt, als er die Diskussion und das Genre auf eine einfache Formel herunterbrach: „Ein Genre entsteht dann, wenn sich mehrere Bands durch gemeinsame Merkmale auszeichnen.“

Die Rolle des Internet für den Djent

Eben genau das ist der springende Punkt: Gemeinsame Merkmale. Grundsätzlich galt nämlich bislang: Das Zustandekommen eines Genres hängt von vielen Faktoren ab, aber einer, der aus der Geschichte bislang nicht wegzudenken war, war der der räumlichen Nähe. Bands entstehen lokal, so war das zumindest bislang. Ob Palm Desert, Seattle oder Bay Area: Das Miteinander und der rege Austausch zwischen Bands und Musikern vor Ort macht einen großen Teil der Art aus, wie ein Genre seine Nomenklatur fand. Nicht so jedoch beim Djent Metal. .

Djent Metal ist nämlich eine der Strömungen des Metals, die im Zeitalter des Internets groß wurden. Über verschiedene Plattformen und Foren fanden sich Brüder und Schwestern im Geiste, die gleichermaßen von Meshuggah inspiriert waren oder ihre Riffs und Rhythmen auf Online Portalen veröffentlichten – der Djent Metal war also eine der ersten Strömungen des Metals, die vor allem durch überregionale Kollaborationen zu Stande kam.

Djent Metal

Beispiel gefällig? Die Foren von Harmony Central brachten viele talentierte Köpfe zusammen. Acle Kahney von Tesseract beispielsweise stieß hier auf Julien Perrier, der für zwei Jahre die Vocals der Band übernehmen würde. Eine weitere Bank des Djent Metal wurde die Band Periphery, und auch hier spielte das Internet eine bedeutende Rolle in der Popularität der Gruppierung: Über MySpace (R.I.P.) und Youtube schaffte es die Band, zunehmend auf sich aufmerksam zu machen und so ein Following aufzubauen, das groß genug war, um erste Touren zu unternehmen. Paul Ortiz, der mit seinem Projekt The Chimp Spanner für wichtige Impulse sorgte, erkannte entsprechend richtig, dass das Abtun des Djent Metal als reines Internet-Phänomen zu kurz griff: „Egal wie klein, egal wie unbedeutend: Wenn du was kannst und willst, dass die Welt deine Band hört – alle Optionen sind auf dem Tisch.“

Ob Equipment Djent Metal alleinig ausmacht, sei dahingestellt. Aber viele Ideenträger waren am Anfang alleine. Entsprechend waren für die Frühzeit des Genres siebensaitige Gitarren ebenso wichtig wie vernünftige Software und Interfaces, die Home-Recording möglich machten. Enter – The Toontrack.

Tombs, Snares, Sounds, Bits

Überregionale Kollaboration erforderte natürlich, dass jede Person mit entsprechenden Ideen in der Lage war, diese auch festzuhalten. Während es für Gitarren genug Softwares gibt, die in der Lage sind, authentische Sounds zu emulieren, brachte erst die Drumkit from Hell Software des Herstellers Toontrack den nötigen Rumms mit, um für Bands wie Meshuggah oder auch viel kleinere Gruppierungen überhaupt in Frage zu kommen. Dass Equipment Djent Metal also überhaupt erst ermöglichte, stimmt, aber vor allem waren es die Softwares und DAWs.

Equipment Djent Metal

Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.