Green Box: Crumar GDS & DK Synergy II+, Digitalsynthesizer

9. Januar 2021

GDS, Synergy und das Warum eigentlich (nicht)?

Crumar GDS & DK Synergy II+, Digitalsynthesizer

DK Synergy

Aller Anfang ist einfältig

Am Anfang war die Freiheit der Unkenntnis, unbegrenzte Euphorie unter Ausschluss der Kompetenz in der Sache – auch kurz Jugend genannt. Synthesizer waren damals en vogue und mir ging es dabei nicht anders. Da ich damals schon sehr Computer-affin war, dachte ich, es sei eine gute Idee, einen Sequential Max zu meinem C64 zu kaufen und mit dem entsprechenden Interface und Software die Welt von 1984 zu verändern. Es kam dann doch anders und dieses damals hochmoderne Equipment musste nach kurzer Nutzung 1985 einem Moog Prodigy nebst einer Fostex X15 weichen. Warum? Weil die Jugend ungeduldig ist, gerne ihren Kram mit sich herumschleppt und das tiefgehende Befassen mit Geräten dieser Art gerne unterlässt. Wie viele andere war ich ein Knopfdreher, der nach dem Prinzip Zufall und Wirkung arbeitete.

Crumar GDS & DK Synergy II+, Digitalsynthesizer

Crumar KS GDS Complete

Obwohl arbeiten kann man das eigentlich nicht nennen, spielen im weiteren Sinne kommt der Sache näher. Schon damals kam ich in musikalischen Kontakt mit Till Kopper und der setzte mir einen Floh in den Kopf genannt Crumar General Development System oder kurz GDS. Klaus Schulze hatte einen, daher musste das System auch das Beste seit der Erfindung von Toastbrot sein. Till hat mir damals langwierig erklärt, wie das System theoretisch funktioniert. Warum auch immer hat sich in meinem Kopf dieses Ding festgesetzt – ohne Sinn und Verstand, aber den braucht man auch nicht, wenn man jung ist, denn merke: Um alt und weise zu sein, musste man früher jung und doof sein.

Crumar GDS & DK Synergy II+, Digitalsynthesizer

Crumar KS GDS Keyboard

War so, ist so, bleibt so.

Erste Gehversuche  mit der additiven Klangsynthese

Meine ersten Berührungspunkte mit der additiven Klangsynthese hatte ich 1986 mit einem Seiko Keyboard aus dem Bestand von Till, was er mir später verkaufte. Nicht dass ich damit viel zustande gebracht habe, aber es ermöglichte mir die Einsicht, dass der Schlüssel zum Erfolg bei der additiven Synthese Envelope-Generatoren sind und davon viele. Denn erst wenn Dynamik in die Obertöne kommt, passiert was. Der Seiko konnte das indirekt, in dem man drei Spektren ineinander übergehen lassen konnte. Das war manchmal spannend, aber Kontrolle sieht anders aus. Und da ich nun älter wurde, schwand der Spieltrieb und steigerte sich der Kontrollwahn – beste Voraussetzungen für eine Karriere in der IT-Industrie, aber schlecht für den Seiko.

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Crumar KS GDS System Unit

Es wird professionell(er)

Der Seiko ging 1988, ein PPG Wave kam 1993 und 1994 dann noch einer und noch ein Waveterm … Parallel arbeitete ich damals in einem Mainzer Audiounternehmen, das einen Crumar GDS, Baujahr 1979 besaß und ich durfte daran arbeiten, oft und viel. Wobei durfte, auch mit musste ergänzt werden sollte. Es gesellten sich später einige Kawai K5 und 1996 sogar ein Kurzweil 150 FS dazu, aber der GDS hatte etwas, was die anderen nicht hatten: Er klang einfach saugut. Die eigentliche Arbeit mit ihm war aber – um Till mal wieder zu zitieren – schmerzhaft! Ja, auf dem Keyboard des GDS gab es Schieberegler und Potentiometer, aber die eigentliche Magie passiert auf dem Text-Terminal, was an dem dicken CP/M Host hing. Die Software nannten sich SynHCS, was ein Akronym für Synergy Host Control System war und bis heute ist. Bis zu 32 Obertöne freifliegend, die man alle gegeneinander verstimmen konnte, daher konnte der GDS auch FM. Dazu Envelope Generators mit 16 (!) Stages, Modulatoren en masse, da konnte der PPG mit seinen Wavetables nicht mithalten. Aber ebenbürtig, was die Unzuverlässigkeit betrifft.

Crumar GDS & DK Synergy II+, Digitalsynthesizer

Der DK Synergy Synthesizer

Daher verirrte sich irgendwann in 1997 ein Synergy II+ Baujahr 1983 in das Studio, das seit 1981 in Serie produzierte Folgeprodukt des GDS. Gleiche klangliche Fähigkeiten, gleiche Burr-Brown 16 Bit Stereo-Wandler (wir befinden uns technisch in den späten 1970ern zu den frühen 1980ern), aber ein 6-Oktaven-Keyboard mit notwendigsten Controls, für damalige Verhältnisse ein super Keyboard und  dazu einen Kaypro 2 Computer mit seriellen Verbindung zum Synergy, letzterer schon mit MIDI ausgestattet. Und was soll ich sagen? Er klingt genau so, alle Klänge des GDS erklangen auch auf dem Synergy 1:1, die Arbeit mit SynHCS ist genau so schmerzhaft wie mit dem GDS, aber es läuft stabiler, was allerdings nicht den Rückschluss erlaubt, es läuft stabil.

Dafür hat man ein 50 kg Keyboard, was super ein Rhodes ersetzen kann, sowohl von der Bespielbarkeit als auch dem avisierten Bandscheibenschaden des Besitzers als auch einen tragbaren PC mit dem professionellen Betriebssystem CP/M (wer hier Sarkasmus vermutet, hat denn Zynismus noch nicht für sich entdeckt).

Alle PPGs gingen, mein Synergy blieb. Viele Maschinen kamen, (fast) alle gingen sie wieder, auch die Qualitätsheizung aus New England. Sie hatte mehr Stimmen, aber kam klanglich nicht heran. Aber mollig warm im Studio war es im Sommer wie Winter.

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Um die Maschinen aus dem Crumar/Digital Keyboards Umfeld zeitlich einordnen zu können, hier nachfolgend ein kleiner Überblick:

1971 Baubeginn des Bell Labs Synthesizer, betriebsbereit ca. 1974
1978 Herstellung des ersten Crumar General Development Systems (GDS)
1981 Beginn der Serienfertigung des Synergy I (noch ohne weitreichenden Editiermöglichkeiten)
1983 Beginn der Serienfertigung des Synergy II+ (mit MIDI und GDS gleichen Editiermöglichkeiten)

1983 Yamaha bringt den DX7 auf den Markt

1984 oder 1985 Insolvenz der Firma Digital Keyboards
1986 Die Nachfolgefirma Mulogix bringt den 19″ Expander Slave 32 raus, kompatibel zum Synergy
1988 Mulogix schließt (es ist bis heute unklar, ob die Firma insolvent oder an Yamaha verkauft wurde – wahrscheinlich beides)

Wer mehr zur Geschichte der „Alles Machine“ und dem GDS erfahren möchte, wird hier fündig: 

The Synergy Experience

Dabei ist die Arbeit mit einem Synergy keine wirkliche Freude am Anfang. Es gibt keine Regler zum Schieben und improvisieren ist schon mal gar nicht. Das eingebaute Keyboard lädt zum Spielen und Spielenkönnen ein. 1 Euro für jeden Hänger der Software bei der seriellen Kommunikation mit dem Synergy und ich bräuchte die Bank nur zum Geldabholen. Aber mit der Erfahrung kommt irgendwann auch Wissen. Bläsersounds brauchen White Noise am Anfang nur gaaaanz kurz – ja der Synergy hat Noise, nicht nur Sinus … und auf einmal versteht man, warum ein Envelope-Generator 16 Stufen haben muss! Weniger ist unbrauchbar, ganz klar. Wie viele Obertöne brauche ich denn? Verwende ich 32, dann ist der Synergy monophon. Gelobt sei, dass bei geschickter Verwendung der einzelnen Obertöne – die eigentlich freifliegende Oszillatoren sind – und der Modulatoren sowie der Envelope-Generatoren (frei aus der Serie: ich baue mir meine Algorithmen selbst) ich eine Frequenzmodulation erreichen kann, wo ich bereits mit 2-3 Oszillatoren sehr viel erreichen kann, zum Beispiel achtstimmige Polyphonie. Und das mit einer Dynamik, bei der kein DX7 mithalten kann, 16 Bit sei Dank. Da kratzt nichts, kein Aliasing … ja, der gemeine Vintage-Fetischist ist jetzt raus, denn genau das will er ja. Gut für dessen Rücken, weil ein DX7 mit 17 kg deutlich angenehmer zu tragen ist und man Yamaha eins wirklich zugutehalten muss: Sie haben ihre Instrumente für die Ewigkeit gebaut. Ein Qualitätsbewusstsein, was dem Synergy fehlt. Nicht, dass er schlecht ist, aber er ist einfach schwer und damit sind Unfälle vorprogrammiert.

Crumar GDS & DK Synergy II+, Digitalsynthesizer

Sein bevorzugtes Habitat ist das Studio. Wenn man diesen dann noch überarbeitet (Netzteil tauschen gegen eine Spezialversion von Hideaway Studios), dann verstummt auch das letzte Lüfterrauschen und übrig bleibt nur der Wohlklang des Synergy – oder besser der Synergys. In der vor DAW-Zeit war der Hang zum Zweit- oder Dritt-Synergy verbreitet, um diverse Arrangements brauchbar einzuspielen. In der Regel ging das auch mit einem und vielen Spuren, aber die waren früher teuer. Ich hatte jedenfalls nur acht auf Schnürsenkel und da musste vieles auf zwei Spuren passen, zum Beispiel das komplette Synthesizer-Arrangement.

Crumar GDS & DK Synergy II+, Digitalsynthesizer

Ist heute zum Glück vorbei. DAWs können so viel so preiswert und gut sein, dass auch ich mich von meinem analogen Studio 2017 getrennt habe. Spät, aber doch. Das hat naturgemäß auch die Anzahl an Synergys in Studios verringert. Kein wirkliches Problem, ich mache es wie Peter Grandl und habe einen dieser Synergys in meinem Büro. Warum? Weil ich es kann.

Frei nach Loriot: Ein Leben ohne Synergy ist machbar, aber sinnlos. Wie in einer Ehe ist der Anfang hart, aber die Dauerhaftigkeit danach beruhigend und sehr belebend.

Gut zu hören ist das auch auf den zwei Alben des Autors, Eigenlob stinkt, aber klingt oft nicht schlecht.

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Bilderquellen:

  • Crumar GDS Keyboard: Dani Wilson
  • DK Synergy Fotos: Sandra Seifen
  • restliche Bilder: Lutz Haller

Der DK Synergy on YouTube

 

Forum
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    bluebell  AHU

    Sehr interessant. Ich kann es kaum fassen, dass ich mich an den Synergy nicht erinnern kann. Ich bin musikmachmäßig ein Kind der späten 70er und und war fleißiger Fachblattleser. Ist der Synergy komplett an mir vorbeigegangen, oder habe ich ihn einfach vergessen? Auch der Crumar GDS sagt mir nichts, obwohl ein Crumar Multiman-S mein erstes Keyboard war, ich die Marke also durchaus auf dem Schirm hatte. Das umso mehr, als dass ich ein Jahr brauchte, um die Quelle gelegentlicher Rauschattacken zu finden: ein Widerstand, der nicht durch die Platine gesteckt war und nur sachte auf dem Lötauge auflag. Nachlöten und durchstecken hat das Problem nachhaltig gelöst.

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      Lutz Haller  RED

      Der Synergy war vor allem in Nordamerika ein Erfolg, aber insgesamt wurden 652 Stück gebaut plus sieben GDS. Dann kam der DX-7 und überschwemmte den Markt mit ganz anderen Stückzahlen. Dazu kam in der Zeit von 1980 bis 1985 der sehr kräftige Dollarkurs verglichen zur DM, was in dieser Zeit amerikanische Instrumente (Digital Keyboards war eine amerikanische Firma) in Deutschland sehr teuer machte. Und der Synergy war schon damals in US Dollar nicht billig. Kurzum der Synergy ist in Europa daher nicht wirklich verbreitet.

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    Brot-Cast

    Kann mich ganz schwach erinnern, ihn irgendwo mal gesehen zu haben… aber richtig auf dem Schirm hatte schien nicht mehr. Danke für die Story.

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    PaulusS  

    Sehr schöner und kurzweiliger Bericht zu den Maschinen, die schon zur hochpreisigen Liga gehörten.
    Vor allem endlich mal ein paar gute Fotos vom Crumar GDS, den ich bisher auch nur von winzigen Jpegs her kannte. Das war reinste VIP-Ware, deshalb kann ich mir auch gut vorstellen, dass sowas an den meisten Menschen vorbeigegangen ist.

    Irgendwie reizen mich dann eher die aktuellen Technologien, die sich mit modernen Rechnern realisieren lassen. Ich habe selbst auch lange mit winzigen Displays gearbeitet und irgendwann hatte ich die Schnauze voll. Da freut man sich über ein schönes großes Display am Rechner.

    Lassen sich die alten Maschinen auch mit modernen Rechnern steuern? Wahrscheinlich werden dazu alte Schnittstellen benötigt.

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      Lutz Haller  RED

      Man kann den Synergy mit einer stabil arbeiteten seriellen Schnittstelle RS232 mit 9600 Baud ansteuern. Das Funktionsprotokoll ist gut dokumentiert, aber bisher hat sich niemand die Mühe gemacht, SynHCS auf ein anderes Betriebssystem zu heben. Und CP/M Emulationen laufen schlecht, was externe Schnittstellen betrifft. Die Synergy II+ haben aber Midi und es gibt von Hideaway Studios ein Custom Midi Interface für die serielle Schnittstelle. Aber einen Synergy spielt man ja besser selbst ;)

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    iggy_pop  AHU

    „Um alt und weise zu sein, musste man früher jung und doof sein.“

    Ich hätte nie gedacht, daß ich noch so jung bin. Dabei dachte ich immer, ich könne niemals so alt werden, wie ich mich fühle…

    Robert Schroeder hat anscheinend auch früher mal den Synergy eingesetzt, neben Schulzes GDS — ich muß Robert beizeiten mal fragen, was aus diesem Synergy geworden ist (vielleicht war es ja sogar der von ASK? Im ASK-Studio hat damals schließlich auch Bernd Scholl sein erstes Album aufgenommen, 1981/82).

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      qwave   1

      Du meinst sicherlich den Bernd Scholl aus Flörsheim der mit „Tales Of Fantasy“ 1981 seine erste Veröffentlichung hatte und nicht den Bernd Scholl der sich „moonbooter“ nennt. And den ersteren werden sich sicherlich hier nur wenige erinnern. Habe von ihm einige Veröffentlichung vom ersteren und war mal in Stuttgart in einem Kaufhaus sein „Roadie“.

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        iggy_pop  AHU

        Genau den meine ich — der andere Bernd Scholl dürfte zu dem Zeitpunkt noch mit Matchbox-Autos gespielt haben.

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    gaffer  AHU

    Unterhaltsam geschrieben, Lutz, sehr gut. Ja, ich erinnere mich noch gut an den kurzfristigen GDS Hype. Schulze fiel da grundsätzlich auch. Aber da gabe es neue Säue die durchs Dorf getrieben wurden. End Siebziger Prophet 5 z.B.

    Diese Firma ist ein typisches Beispiel für gute Ideen und schlampige Ausführung. Damals bauten sie in Japan schlicht in einer anderen Liga, konnten dafür keine (bedienbare) Software. CP/M war ja mal eine professionelle Umgebung, dass das nicht so bleibt, war klar. Als ich den ersten „Computer“ hatte (ZX81) war CP/M der King. Auch Bit one/99 hat mir gefallen, nicht alles, klar, aber grundsätzlich. In der Band hatte wir damals auch so ein Multi Dingens von Crumar, dessen Name ich vergessen habe.

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      Lutz Haller  RED

      Danke für das Lob. Crumar Italien hat die digitale Geschichte damals nicht weiter verfolgt und analoge Boliden (BIT Serie), String Keyboards (Stratus undCo) und Orgeln gebaut. Der Synergy war da auf einem anderen Weg, einen Synthesizer zu erschaffen, der JEDEN Klang erzeugen kann – Stichwort natürliche Klänge. Sampling gab es damals auch, aber der notwendige Hauptspeicher war damals irre teuer und in Sachen Dynamik können Sampling auch heute nur mit massiven Speicheraufwand (Mulitsampling auch im Dynamikbereich) gegenhalten. Im Synergy werkelten ein Z80 und ein paar KB Speicher, das wars. Galt Anfang der 1980iger als Zukunftstechnologie, aber der Verfall der Speicherpreise führte zu einem anderen Verlauf der Geschichte.

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    nativeVS  AHU

    Gibt es gute anhalte wie viele GDS denn nun wirklich produziert wurden und welche urpsruenglichen und heutigen besitzer die systeme haben?

    Wendy besitzt ihres anscheinend noch, das Schulze system ging an Brian Kehew (mit der Hideaway restoration) und ich dachte irgendwann mal etwas ueber das Franke system gelesen zu haben (hat Dan das nicht auch restoriert?).
    Ich wuerde annehmnen, dass Aphex Twin wahrscheinlich auch eines besitzt/besass.

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      Lutz Haller  RED

      Es wurden sieben GDS gefertigt, das System von ASK wurde 2007 verschrottet (aus Unwissenheit) und nur das Keyboard hat überlebt. Die anderen sechs Systeme befinden sich in Privathand, in der Mehrzahl Sammler. Auch ich habe mich von meinem getrennt, die Versuchung war am Ende zu groß und musikalisch vermisse ich ihn nicht, da man mit einem Synergy II+ das gleiche machen kann, nur zuverlässiger und vor allem leiser: ein GDS hat in der Zentraleinheit laute Lüfter.

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      iggy_pop  AHU

      Schulze -> Kehew (?); Franke -> Keyboard vor ein paar Jahren auf eBay verkauft; Wendy Carlos; ASK-System; Stoney Stockells System, das jahrelang bei ihm im Keller eingemottet stand. Danach wird die Luft dünn (und das ASK-System hat mich sehr überrascht, weil ich davon gar nichts wußte und es damals auch nicht im Stöwe-Fundus in der Kaserne stand, dafür aber sieben oder acht PPG 340/380…)

      Wobei ich nicht sicher bin, daß das Schulze-System tatsächlich an Brian Kehew gegangen ist — Dani Wilson wollte nicht so recht mit der Sprache raus, für wen dieses System restauriert wurde, daher gehe ich mal davon aus, daß das Kehew-System woanders herkam und das Schulze-Teil an den Richard gegangen ist (mal wieder).

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    Findus  

    Spannender Bericht, danke! Ich konnte den Synergy II vor vielen Jahren :-) im Musikfachgeschäft anspielen und war vom Klang und der Tastatur total begeistert. Leider blieb der Synergy jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten. Schade, dass die innovative Klangarchitektur nicht weiterentwickelt wurde.

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    Henrik Fisch  AHU

    Sehr spannend: Endlich mal ein ausführlicher Artikel über dieses Gerät. Vielen lieben Dank dafür.

    Genau wie der Autor war ich immer neugierig auf den »Crumar GDS« und zwar auch noch aus dem selben Grund: Klaus Schulze hatte einen, also musste das Ding spannend sein. Ich war damals absolut und völlig baff von seinem Album »Trancefer«, wo das Ding hinten abgebildet ist (glaube ich).

    Ich war mit einem Kumpel – damals noch in Hamburg – auf eben jenem Konzert und ich meine mich erinnern zu können, dass das CP/M-Terminal auf der Bühne stand. Auf jeden Fall war aber der Yamaha CS-80 dabei, während der Moog-Schrank fehlte (vermutlich um die Logistik nicht noch weiter ausufern zu lassen). Hach, was für herrliche Zeiten.

    Mich würde noch interessieren, was die Möhre damals gekostet hat, ist aber auch nicht so wichtig.

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      iggy_pop  AHU

      Der GDS ist auf der Audentity zu sehen — hinten auf der Trancefer fällt das Mellotron Mk. 5 ins Auge: „Alta, dit vakoof ik nie, weeste, da stehen der Mini Moog und der Odyssey so jut druff.“

      Vier Wochen später hatte es Jörg Strawe, nochmal vier Wochen später schleppten Cosmic Hoffmann und ich das Ding in den Keller.

      In seinen, nicht meinen.

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        Henrik Fisch  AHU

        Danke für die Gedankenkorrektur. 🙂

        > „Alta, dit vakoof ik nie, weeste, da stehen der Mini Moog und der Odyssey so jut druff.“ Vier Wochen später hatte es Jörg Strawe, nochmal vier Wochen später schleppten Cosmic Hoffmann und ich das Ding in den Keller. In seinen, nicht meinen.

        😂👍😂

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    lightman  AHU

    Synths mit eigenem Computer dran fand ich schon immer gut, die waren für mich als Computerfan damals sehr reizvoll, wenngleich nicht bezahlbar. Heutzutage würde ich so ein Trumm lieber nicht mehr verwenden wollen, da ist zuviel drin, was kaputtgehen kann und teils schwer zu ersetzen ist.

    Auf der anderen Seite klingt der GDS wirklich gut und ist wohl nach wie vor in Produktionen verwendbar, insofern haben die Italiener damals vieles richtig gemacht.

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    swissdoc  RED

    Sehr schöner Bericht über ein inspirierendes Instrument, dem sich ja so manche mit Haut und Haaren verschrieben hat. La Carlos natürlich.
     
    Meine Synergy Geschichte geht etwa so. 1985 Abitur, etwas Geld verdienen, davon Casio CZ1000 kaufen und mit Keyboards 07.1985 in den Fachmagazin-Kreis eintreten. Zuvor gelegentlich Fachblatt in der Stadtbibliothek FFM gelesen. Musikalien etc. gab es nur in der Zentrale, aus Sachsenhausen eine Weltreise für einen Bub und gefährlich, musste man doch an ein paar Rotlicht-Häusern vorbei. Ein Zufallskauf war dann Sound Check 12.1985 mit einem heftigen Dreiseiter zum Synergy II Plus von Klaus Ploch.
     
    In Jungspund-Allmachts-Phantasie stellte ich mir vor, wie ich dieses System locker meistern würde, Computern konnte ich ja (C64) und Formeln waren auch kein Problem (Mathe und Physik Leistungskurs). Jeder nur denkbare Klang sollte mir gelingen. Gut, dass mein alter Herr weder die DM 28.500 für ein GDS noch die DM 15.000 für einen Synergy II Plus incl. Kaypro II locker machen wollte (nein, ich habe nicht mal gefragt), ich wäre ja sowas von baden gegangen.
     
    In Kufstein konnte ich dann mal einen spielen und war masslos enttäuscht, weil kein Lexicon 224 oder ähnliches dahinter hing.

    Till kann evtl. noch etwas über einen privaten Hardware-Nachbau berichten, der bei einem seiner Treffen kurz vorgestellt wurde.

  11. Profilbild
    mdesign  

    schöner bericht, informativ und humorvoll. macht freude!

    die frühen digitalen habe ich kaum auf dem schirm. wieder was gelernt.

  12. Profilbild
    swissdoc  RED

    Ach ja, das mit dem Burr-Brown 16 Bit Stereo-Wandler ist sicher ein Irrtum. Ich denke, das ist der damals recht übliche BB PCM54HP, was auch mit den Leiterbahnen und Kondensatoren auf den Online verfügbaren Bildern (leider in low-res only) entspricht. Es wird aber einfach Links und Rechts wechselnd DA gewandelt und analog demultiplexed.
     
    Wenn man sich aber das Bild vom DAC Board bei Aaron D Lanterman ansieht, so fällt der Aufwand auf, der dort getrieben wird. Übertrager für die Symmetrierung und eine dedizierte Spannungsversorgung direkt auf dem DAC Board. Leider auch eine Menge Tantal-Elkos, die man im Auge behalten sollte, schliessen sie doch gerne mal kurz.

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      Lutz Haller  RED

      Also in allen fünf Synergies, die ich besitze, befinden sich Burr Brown Wandler, die im Internet kursierenden Schaltbilder sind oft falsch. Ich habe die kompletten Servicemanuals zu allen Revisionen mit handschriftlichen Anmerkungen von Stockerell persönlich. Ich will aber nicht ausschließen, dass es in den letzten gebauten Modellen zu Änderungen kam – Stichwort Einsparungen – da gibt es auch minimale Bordänderungen. Und Recapping ist immer ein Thema, nicht nur bei Synergies – bei meinen alles gemacht.

    • Profilbild
      Lutz Haller  RED

      Aber da hat der Doc natürlich recht, der Stereoeffekt entsteht durch Multiplexing des 16 bit Mono Signals des vorhandenen Burr-Brown.

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        AMAZONA Archiv

        Herrlich geschrieben! Wunderbar humorvoll. Schon der erste Satz, in dem der Autor ‚Jugend‘ erklärt, hat mich gepackt.
        Wenig Technik-Bla-Bla, dafür viel Historisches, einiges über Spielbarkeit und Gefühl. Mal was anderes. Mir gefällts.
        Die Videos geben einen guten Einblick in die (für mich überraschend abwechslungsreichen) Klangwelten des Synergys.
        Den Prodigy hatte ich auch mal. Das war mein Einstieg in die Synthi-Welt. Ich war aber so blöd und hab ihn später verkauft.

        Danke für den tollen Bericht. Hat viel Spaß gemacht, ihn zu lesen und anschließend die Videos zu schauen.

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    wolf gang

    Vielen Dank für den interessanten Bericht. Zu den Alben, auf denen ein Synergy zum Einsatz kam, zählt auch „The Nightfly“ von Donald Fagen aus dem Jahre 1982. Gut zu hören z.B. auf dem Stück „The Goodbye Look“ als Mischung zwischen Marimba und Vibraphon, oder auf „I.G.Y“ als Mundharmonika ab 2:55.

    Ich habe noch ein Exemplar der Synergy-Hauspostille „Digital Keyboard News“ aus dem Februar 1983, das ich bei Interesse scannen kann.

  14. Profilbild
    0gravity  

    Haben eigentlich die Synergy Platten von Larry Fast aus den 70ern was mit dem Gerät zu tun oder war das eine zufällige Namensgleichheit?

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      iggy_pop  AHU

      Larry Fast war alles andere als erfreut, als Digital Keyboards den Namen „Synergy“ für ihre Geräte verwendeten, da „Synergy“ zu diesem Zeitpunkt bereits sein eingetragenes Warenzeichen war und niemand vorher mal bei ihm nachgefragt hatte.

      Noch Jahre später war er ziemlich angesäuert, wenn man ihn auf „seine“ Firma und „seine“ Synthesiser ansprach, und m. W. hat Fast nie selbst einen Synergy besessen bzw. verwendet, sondern lediglich das Hal Alles System, welches auf dem „Games“-Album von 1979 zum Einsatz kam.

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        Lutz Haller  RED

        Gibt es für diese Darstellung einen Nachweis ? Ich frage deshalb, weil Larry einen DK Synergy sein Eigen nannte und auch benutzte. In unserem Austausch konnte ich zum Thema „angesäuert“ nichts entnehmen – was bei Amis aber auch oft nicht viel heisst. Daher würden ein wenig Hintergrund dazu helfen.

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          iggy_pop  AHU

          Es gab irgendwo ein Interview mit einem amerikanischen Fanzine, wo er sinngemäß sagt „die Leute fragen mich immer…“ und „die haben den Namen verwendet, ohne mich zu fragen“ — ich meine, es wäre Dreams Word gewesen, Anfang der 1990er.

          Von einem Synergy in seinem Rig weiß ich nichts, das ist für mich eher Emu 2 und Memorymoog auf den späteren Alben, und DX-7 sowieso. Live habe ich ihn mal vor gut zwanzig Jahren mit einem Kurzweil K2000 gesehen.

          Da der gute Larry nicht besonders fast ist, was seine Veröffentlichungen angeht, sind die gear lists sicherlich auch nicht immer topaktuell.

          Er wolte mir jedenfalls nicht seinen 360 Systems Frequency Shifter verkaufen.

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            Lutz Haller  RED

            Dann wäre das in der Tat intellektueller Diebstahl vom allerfeinsten. Obwohl es immer Lücken in Gebrauchsmusterregistrierungen gibt, die das ganze legal machen – was es am Ende aber nicht richtig macht. Larry Fast war im Bell Labs Umkreis ein Insider und da hätte man eine andere Lösung finden müssen. Danke für die Info.

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          0gravity  

          Auf den 3 Platten von Synergy die ich besitze und die ich nach einer kleinen Suchaktion wiedergefunden habe (Sequencer, Cords, Games) ist in der Equipmentliste jeweils „The Synergy System“ aufgeführt. Neben all den anderen namhaften Verdächtigen.

          • Profilbild
            iggy_pop  AHU

            Ja, das war Larrys selbstgebaute Routing Matrix für Trigger und CV, mit dem er die Oberheim Sequenzer auf diverse Geräte routen konnte — alle drei Alben sind insgesamt aus der Zeit lange vor dem DK Synergy, und die hier verwendete Nomenklatur dürfte sicherlich mit zur allgemeinen Verwirrung beigetragen haben.

            Larry Fast hatte lange, bevor er selbst als Musiker aktiv wurde, eine Effektdose für Rick Wakeman gebaut, die u. a. im Innencover der „Six Wives“ und anderen zeitgenössischen Bildern von Weckmann zu sehen ist..

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