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Interview: Roger Linn, Comeback einer Legende

AMAZONA.de:
Die Drumsounds deines ersten Drumcomputers haben schließlich Geschichte geschrieben und waren Bestandteil unzähliger Hits in den Achtzigern. Erzähl uns, wer sie eingespielt hat.

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Roger:
Ich lud einen guten Freund namens Art Wood ein, ein Drummer aus Los Angeles. Er besuchte mich in meinem Tonstudio zu Hause, um eben ein paar Drum-Sounds aufzunehmen. Mit meiner Erfahrung als Tontechniker und meinem Sortiment an Mikros und sonstigem Audioequipment arbeitete ich daran, von jeder Drum die bestmögliche Einzelaufnahme zu bekommen.

Wir analysierten genau, welche Art Sounds damals populär war, das war in den späten Siebzigern. Wir entschieden uns dann für eine tiefe, hart gespielte Snare und eine ebenso hart gespielte Kick-Drum mit einem deutlich zu hörenden „Click“ in der Attack-Phase.

Die Instrumente spielte Art einzeln ein, und ich nahm sie direkt in den Computer auf. Wir probierten einige Drums und Aufnahmetechniken, bis uns das Ergebnis gefiel, welches der Computer wiedergab. Danach lachten Art und ich über die Tatsache, dass das die einzige Aufnahmesession war, für die er je gebucht worden war, ohne dabei auch nur irgendeinen Drumpart zu spielen.

LinnDrum

AMAZONA.de:
Welche Programmierungen konnte man denn bei dem ersten Prototyp schon vornehmen?

Roger:
Am Anfang erlaubte der Prototyp nur eine Step-Programmierung, was ich als sehr mühselig empfand. Ziel war schon eine Echtzeitprogrammierung der Drumbeats, statt Schritt für Schritt Noten einzugeben. Ich fand das aber sinnlos, solange das Timing nicht perfekt war. Um das Problem zu beseitigen, führte ich eine Zeitkorrektur ein (heute „Quantize“ genannt), um Timingfehler während des Spielens in Echtzeit zu bestimmen und durch den Computer ausgleichen zu lassen. Ich erfand außerdem ein Feature namens „Shuffle“ (heute „Swing“ genannt), um den 1/16 oder 1/8 Noten mehr menschlichen Touch zu verleihen. Mein Prototyp konnte damit nicht nur echte Sample-Drumsounds liefern konnte, sondern auch Real-Time- und Step-Programmierung ermöglichen. Mein Drumcomputer war endlich fertig.

AMAZONA.de:
Wann kam schließlich das Teil auf den Markt, und welchen Namen hatte es?

Roger:
1979 taufte ich mein Produkt LM-1 Drum Computer und verkündete seine Existenz der Welt. Die ersten Geräte wurden Anfang 1980 ausgeliefert – 5,000$ kostete jede LM-1. Ich finanzierte die Produktion, indem ich 50% Vorschuss von den Käufern nahm, und Musikerfreunde bauten die ersten Geräte mit mir bei mir zu Hause zusammen. Unter den ersten Käufern waren Stevie Wonder, Steve Winwood, Herbie Hancock, Prince, Michael Jackson und andere große Namen der Zeit. Es wurde nur eine Auflage von 500 Stück produziert, aber die waren alle in den Händen großer Stars.

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