Talk: Holger Jung trifft Peter Grandl

27. Januar 2016

Vintage-Sammler trifft Vintage-Sammler

Holger Jung (l), Peter Grandl (r)

Holger Jung (l), Peter Grandl (r)

„Treffen sich ein Hamburger und ein Münchner, sagt der Hamburger …“

Was zunächst wie ein Kalauer klingt, ist in Wirklichkeit ein Gespräch zwischen einem, der vor Jahren auszog, um Gitarren zu sammeln und einem, der sich dem Sammeln von Synthesizern verschrieben hat. Ob sich daraus ein interessantes und spannendes Gespräch entwickelt hat, darüber wage ich selbst nicht zu urteilen, aber so viel ist sicher, ich hatte selten so viel Spaß bei einem „Interview“ wie in diesem Fall.

Mit Holger Jung verbinden mich ebenso viele Dinge, wie uns auch trennen. Da wäre schon einmal die regionale Herkunft, wobei man Münchnern und Hamburgern gerne nachsagt, dass sie gar nicht so unterschiedlich seien. Dann liegt Holgers Leidenschaft bei Gitarren, meine hingegen bei Synthesizern. Seine Helden sind die Beatles und Jimi Hendrix, meine Kraftwerk und Vangelis.

Holger Jung

Und doch haben wir beide eine Leidenschaft: das Sammeln von Vintage-Equipment. Und was wir noch gemeinsam haben: Wir sind beides enthusiastische Musiker, aber sicherlich keine virtuosen Instrumentalisten. Aber was macht das schon? Am Ende des ausführlichen „Talks“, den Sie hier bei uns als mehrteiliges Video verfolgen können, kommen wir schließlich auch zu der Erkentnis, dass uns mit dem klassischen Briefmarkensammler mehr verbindet, als uns vielleicht lieb ist. Natürlich augenzwinkernd, aber mit einem Schuss Wahrheit.

Peter Grandl

Vielleicht noch ein Wort zu den Protagonisten:

Meine Wenigkeit ist Ihnen als regelmäßiger Leser dieser Plattform mittlerweile wohl vertraut. Ob Ihnen der Name Holger Jung sofort geläufig ist, wage ich zu bezweifeln.

Holger Jung, Jahrgang 1953, wird weder im Rolling Stone Magazin unter den 100 besten Gitarristen gelistet, noch ist er ein namhafter Gitarrenbauer. Holger Jung ist Markenspezialist – und das mit Leib und Seele. Gemeinsam mit Jean-Remy von Matt gründete er 1991 die Werbeagentur Jung von Matt, die inzwischen selbst zur Marke und zum Inbegriff der Deutschen Werbeagentur geworden ist.

Sixt Matt Jung

Nicht-Werbern sind sicher vor allem die berühmten SIXT-Anzeigen im Gedächtnis, in denen die beiden Gründer auch schon persönlich agiert hatten.

Und damit schließt sich auch der Kreis der Gemeinsamkeiten, denn auch ich bin Gründer einer Werbeagentur. Als sich durch einen gemeinsamen Bekannten zufällig die Chance ergab, Holger Jung persönlich kennenzulernen, wollte ich mir diese Gelegenheit auf gar keinen Fall entgegen lassen. Schließlich ist auch Holger für mich beruflich ein großes Vorbild, bislang als Werber – nun aber auch als Sammler, denn neben seiner beeindruckenden Gitarren-Sammlung nimmt sich meine Synthesizer-Sammlung eher bescheiden aus.

Mögen Sie nun genau so viel Spaß an unserer Unterhaltung haben, wie wir sie hatten, als wir dieses Gespräch im Januar 2016 in Hamburg bei Holger zu Hause führten.

Ihr Peter Grandl

PS:
Wer mit einem Video über Holgers Gitarrensammlung beginnen möchte, kann auch direkt auf die letzte Seite springen.

Forum
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    Micky  

    Sehr schönes Gespräch zweier sympathischer Menschen.
    Respekt, Herr Jung. Sie können reden.
    Ob sich da etwa die Erfahrung eines der besten Werber der Welt bemerkbar macht …, man weiß es nicht :)
    Tolle Gitarren, btw.

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    AMAZONA Archiv

    Wenn ich solche Sammlungen sehe, dann kommt mir als erstes der Gedanke „Schade um die vielen schönen Gitarren, die alle nicht (oder kaum) gespielt werden.“ Gitarren können sich im Klang durch häufiges Spielen erstaunlich entwickeln. Ob das nun daran liegt, dass das Holz sich einschwingt oder der Gitarrist sich auf die Gitarre einstellt, sei mal dahingestellt. Darüber hinaus empfinde ich persönlich in musikalisch intensiv-kreativen Zeiten ein zu viel an Equipment-Auswahl als blockierend. Das landet in solchen Phasen alles auf Ebay. Das befreit! Dann kann man sich ganz der Musik widmen anstatt dauernd übers Equipment nachzudenken.

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    Filterpad  AHU

    klasse Interview und ich teile eure Meinung zu 100 Prozent. Anhang: Es gibt natürlich spezielle Gitarrensounds, die in irgend einer Form stilprägend waren (bzw. sind), mit hohem Wiedererkennungswert. Wobei die Spielweise der Musiker ebenso dazu beigetragen hat: Santana, Ricky King oder Nile Rodgers wären hier zu nennen. Ein paar gespielte Töne und man kann es unmittelbar zuordnen.

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      AMAZONA Archiv

      Defintiv die drei besten Gitarristen dieser Galaxie. Ricky King spielt fast so gut Gitarre wie H.P. Baxter singt oder Stephan Remmler Synthie spielt…. :)

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        ukm   11

        als meine Tochter im Teenie-Alter war, gab es mal eine kurze „Ätsch Pi“ -Phase. Da ich den nicht kannte, sagte ich nur:Lass mal, der heißt bestimmt Hans.Peter.

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        Filterpad  AHU

        Ich gebe dir nicht unrecht! Aber wenn z.B. ‚Ritchie Blackmore‘ ein Solo spielt, höre ich nicht unbedingt heraus das „er“ dieses Solo spielt, wobei ich zugegeben mich auch nicht sehr mit ihm befasse.
        Enthusiasten/Fans hören das sicherlich sofort. ‚Ricky King‘ höre ich definitiv nicht öfter an. ;) Aber wenn er drei Töne spielt (je nachdem), dann höre ich sofort heraus das er das sein muss. Hier finde ich IMO den Wiedererkennungswert sehr hoch. Das gleiche gilt für die anderen erwähnten zwei. Bei der stiltypischen Funky-Guitar von ‚Nile Rodgers‘ finde ich das ebenso sehr auffällig und meine Meinung ist: Er spielt echt gut. :)

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    AMAZONA Archiv

    Jemand, der viel Gitarren kauft, auch solche, die künstlich in Klimaschränken gealtert werden (genau für solche Käufergruppen ;-) Er kann auch nicht spielen und ist auch nicht daran interessiert , einigermaßen die Stimmung der Gitarren zu halten. ich find das eher peinlich. Was um alles in der Welt soll daran interessant sein ? Jemand hat Geld und kauft wahllos Gitarren, mmh..

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      AMAZONA Archiv

      Wenn Du primär Musiker bist und er Sammler, hast Du die Antwort.

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      Tyrell  RED 111

      Ich sammle primär Vintage-Synthesizer und spiele nur selten darauf. Sie aber alle um mich zu haben, bereitet mir eine wahnsinns Freude. Was bitte ist denn daran verwerflich? Meinen ersten Kredit mit 18, habe ich für einen Synthesizer genommen, Auto war mir Wurst! Jetzt kann ich mir die Dinger endlich leisten – Auto ist mir immer noch Wurst ;-)

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    ISE500  

    Danke für dieses doch etwas erschreckende Zeitzeugnis … manche kriegen geldtechnisch einfach den Hals nicht voll … nicht auszudenken, was mit diesem Geld alles machbar wäre, während es doch hier nur dazu dient, ein Ego leicht zu kitzeln

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      lena  

      … manche kriegen geldtechnisch einfach den Hals nicht voll …“
      Wie ich weiter unten schon geschrieben habe: „Purer Neid“ der hier zwischen den Zeilen zu finden ist. ISE500: Du würdest dein (übriges) Geld also ausschließlich wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen. Und ganz nebenbei: Woher willst du wissen, ob Holger nicht jede Menge Geld spendet und wohltätige Zwecke unterstützt. Vielleicht gibt er nur einen Bruchteil seines Vermögens für seine Gitarren aus. Ich kenne Leute für die wäre so eine Sammlung nicht mal das Taschengeld. Aber rum motzen ist ja sooo schön!!!

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    Wellenstrom  AHU

    Ja, gut …. als Junge, der aus’m Arbeitermilieu mitten im Kohlenpott kommt, hab‘ ich da auch ’ne Meinung zu, und für manche Extravaganzen fehlt mir da das Verständnis. Man lernt da ja eher Sparsamkeit und knallharten Pragmatismus im Umgang mit Mitteln und Materialien. Sowas behält man dann auch im gesetzteren Alter bei. Andererseits ist es schon nachvollziehbar, dass gewisse Instrumente auch ’nen ästhetischen Reiz haben und man sich an deren Anblick erfreuen kann. Nachvollziehbar, dass diejenigen, die es sich leisten wollen und können, solche „Objekte“ sammeln.
    Zum 1. Video fällt mir beim Anfangsstatement zu Radio Luxemburg, Radio Caroline und den Beatles ein schöner Song von Godley & Creme ein. Alles drei drin (Beatles zum Teil – Paul McCartney singt das „Get Well Soon“)
    https://www.youtube.com/watch?v=mKizfO5fAbk

    Grauselig, dieser Boom mit den „geageden“ Gitarren. Läuft das immer noch? Dachte, so allmählich wäre es out.

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      ISE500  

      man stelle sich geeagete synths vor :) klar ist es verständlich, wenn jemand sich an einem haptisch perfekten gegenstand erfreut, aber leider treibt das sammler movement ja auch die preise in die höhe. trotzdem finde ich es in diesem falle hier übertrieben, soviele geräte scheinbar „spielbereit“ aufzuholstern – das ist doch schade, daß man da nicht mehr in die tiefe geht und wenigstens ein paar von den geräten richtig spielt.

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        Wellenstrom  AHU

        Jo, ´timmt. Aber vielleicht wird der Mann ja 300. Dann besteht noch ’ne gewisse Chance, dass die alle mal angespielt werden. :-)
        Für ’ne reine Hinguckersammlung finde ich das jetzt eher unspektakulär. Viele optisch langweilige Akustikklampfen, viel in Sachen Strat und Paula… rein desigtechnisch gibbet da schon Spektakuläreres, was man sich so an die Wand hängen kann.

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    lena  

    Tolles Interview. Sehr sympathisch die beiden. In der Richtung dürft als Video auf amazona ruhig mehr geschehen.
    Und an die Kritiker: Was ist daran so schlimm, dass Sammler ihr Geld ausgeben für Musikinstrumente. Ist es jetzt schon verwerflich, Geld zu haben. Wie anders kann man das sonst verstehen? Da schwingt einfach viel Neid mit.

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      Wellenstrom  AHU

      Och, nee… mal wieder die Neidkeule. WIrklich kein gutes Argument. Glaube nicht, dass hier bei auch nur einem einzigen Kommentar Neid der Antrieb war, ’ne Kritik zu formulieren. Fehlendes Verständnis trifft es da doch eher.
      Schlimm ist am Sammeln gar nix. Was die Sammlung an sich anbelangt, sagt sie mir z.B. einfach nicht zu… da wäre ich z.B. sehr viel extravaganter drauf (wenn ich denn in dem Umfang sammeln könnte/würde). Allein in Sachen Design würde ich mir da ganz andere Kaliber hinhängen. Weniger Paulas, nix Geagedes und keine (für mich) langweilig anmutenden Akustikklampfen.
      Ansonsten hat es hier pmm mit einem Satz an sich schon auf den Punkt gebracht. Einer, der primär Musik macht, sieht die Sache wohl generell anders als ein in erster Linie leidenschaftlicher Sammler. Muss man mit leben und tolerieren…. aber bitte nicht gleich mit der klassischen Neiddebatte argumentieren. Den Usern hier ist es doch latte, ob der Mann nun 2, 20 oder 200 Gitarren sein Eigen nennt. Aber ’ne Meinung hat man nun mal dazu.

  8. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    Aber bei all dem „Gemeckere“…… das Gespräch der beiden Jungs ist wirklich gut. Denn darin erkennt man auch ein Stück weit sich selbst…. egal, ob Musiker, Sammler oder „hybrid“ unterwegs. Die Erkenntnisse sind ja allesamt richtig.

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