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Test: ART Voice Channel, Mikrofon-Channelstrip

Er läuft und läuft und läuft ...

21. März 2022
art voice channel test

ART Voice Channel, Mikrofon-Channelstrip

Man hat zuweilen den Eindruck, dass auch die Studiobranche sich in Sachen Produktauswahl immer mehr Richtung Mode-Boutique orientiert. Kaum ein neues Produkt im Bereich Outgear oder Monitor, bei dem man nicht das Gefühl hat, dass knapp 365 Tage später die MK II Ausführung kommt und die Erstauflage unmittelbar um einen satten Prozentanteil abwertet. Aber es gibt sie noch, die Produkte, die sich bereits seit Jahren im stetigen Studioeinsatz befinden und deren Grundkonstruktion so praxisnah erstellt wurde, dass es bis auf winzige Details, die weder in der Optik, noch in der Funktion eine Änderung hervorrufen würden, irgendetwas in der Konzeption zu ändern gäbe. Eines dieser Produkte ist der ART Voice Channel, der als Channel Strip die wichtigsten Komponenten für eine Gesangsaufnahme in einem Gerät vereint.

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art voice channel test

Die Konstruktion des ART Voice Channels

Beim ART Voice Channel handelt es sich um einrn 2 HE Channelstrip, der nicht nur nahezu alle gängigen Regelmöglichkeiten eines Strips enthält, sondern neben der Tatsache, dass er über eine Class-A-Röhrenschaltung und auch noch über eine umfangreiche Anschlussperipherie auf der Rückseite des Gehäuses verfügt.

Der erste haptische Eindruck des in China gefertigten Produktes ist sehr gut. Mit einem Gewicht von fast 5 kg hinterlässt der ART Voice Channel einen recht massiven Eindruck, was eine lange Lebensdauer vermittelt. Dem Produkt liegen keinerlei Gummifüße für den Standalone-Betrieb bei, da sich der Hersteller ausschließlich auf den Rack-Betrieb konzentriert hat. Alle Regler, Schalter und Druckknöpfe laufen angenehm schwergängig, was gerade eine feinfühlige Regelung immens unterstützt. Die einzelnen Regelmöglichkeiten des ART Voice Channel sehen wie folgt aus:

1.) Eingangsbuchse / Preamp

Sowohl auf der Vorderseite, als auch auf der Rückseite befindet sich eine XLR/TRS-Input-Kombibuchse, was gerade im Rack-Betrieb sehr hilfreich ist. Dabei liegt der Regelbereich der Vorverstärkung im Mikrofonbereich bei 0 dB bis +60 dB, im hochohmigen Bereich bei +3 dB bis +40 dB. Hiermit lassen sich so ziemlich alle Mikrofontypen bis hinauf zu den leistungsschwachen Bändchenmikrofonen gut abdecken. Für sehr leistungsstarke Signale steht ein PAD-Schalter zur Verfügung. Dazu gibt es noch die Standards wie Phasendreher, Phantomspeisung und einen Low-Cut. Unterhab dieser Druckschalter befindet sich bereits die erste Besonderheit, des ART Voice Channels, die insbesondere bei dynamischen Mikrofonen seine Anwendung findet.

art voice channel test

Die Eingangsimpedanz des Kanals lässt sich stufenlos (!) von 150 bis 3 kOhm durchstimmen, was eine massive Auswirkung auf den Klang des Mikrofons mit sich bringt. Eine Impedanzwahl an sich ist keine große Besonderheit, aber einen stufenlos stimmbaren Eingangsbereich habe ich tatsächlich bisher noch nie an einem 19 Zoll Outgear Produkt gesehen.

2.) Kompressor / De-Esser

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Die Kompressorsektion verfügt über die Regelstandards Attack Time (250 uSec bis 100 ms), Release Time (100 ms bis 3 s), Threshold (-40 dB bis +20 dB) und einem Ratio von 1:1 (aus) bis hin zu 20:1. Der De-Esser lässt sich nach Zischlaut bis hinauf zu -20 dB einstellen, bei einer stufenlosen Frequenzwahl von 2,5 kHz bis zu 15 kHz.

3.) Expander / Gate

Oberhalb der Kompressor/De-Esser-Funktion befindet sich eine LED-Anzeige, die über das Audiosignal der wahlweise zu aktivierenden Expander- oder Gate-Schaltung informiert. Über einen Druckschalter wählt man die Funktion, über die Threshold-Regler regelt man den Grad der Bearbeitung aus (bis +20 dB).

4.) Tube Voltage

Wie bereits erwähnt, befindet sich bei dem ART Voice Channel eine 12AX7 Röhre im Signalweg, die je nach Ansteuerung eine deutliche Sättigung ermöglicht. Um den Klang noch mehr variieren zu können, lässt sich die Spannung der Röhre zwischen „Normal“ und „High“ über einen Druckschalter umschalten. Aber Achtung, die Röhre benötigt ein paar Sekunden, um ihren Spannungszustand zu ändern, daher nicht wundern, wenn sich der Klang nicht unmittelbar nach dem Schaltvorgang ändert.

5.) EQ

In der Tat kommt auch die EQ-Sektion des ART Voice Channel sehr umfangreich daher. Neben einem Bassregler (wahlweise 50 Hz / 150 Hz) und einem Höhenregler (wahlweise 5 kHz / 15 kHz) bietet das Produkt zwei semiparametrische Mittenbänder, die wie die Shelving-EQs (+/-12 dB) arbeiten und von 100 Hz bis 3 kHz bzw. 500 Hz bis 15 kHz durchstimmbar sind. Zusätzlich kann gewählt werden, ob der EQ Post- oder Pre-Kompressor laufen soll. Mit einem Bypass-Schalter wird der EQ bei Bedarf komplett aus dem Signalweg genommen.

Der Master-Bereich zeigt über ein großes VU-Meter und eine LED-Kette den Ausgangspegel an, während der Mastervolume-Regler von minus unendlich bis +20 dB das Signal verstärkt. Allein die Auflistung der Werkzeuge lässt erahnen, wie viel man tatsächlich mit dem ART Voice Channel in Sachen Klangvielfalt erarbeiten kann.

art voice channel test

Welche Anschlüsse bietet der ART Voice Channel?

Wer jetzt glaubt, das sollte es gewesen sein, hat die Rückseite des ART Voice Channel noch nicht gesehen. Der Samplerate-Wahlschalter lässt erahnen, was das Gerät vor allem im digitalen Bereich auf der Pfanne hat. Zum einen kann man im analogen Bereich den Mikrofon-Preamp separat abgreifen und das Signal noch mal über einen FX-Loop mittels Y-Kabel weiter bearbeiten. Richtig glänzen kann der ART Voice Channel aber über die folgenden digitalen Anschlüsse:

  • Samplerates von 44,1 – 192 kHz
  • ADAT
  • S/PDIF optisch und koaxial
  • AES/EBU und USB
  • Word Clock I/O

Dazu gibt es noch zwei A/D-Einschleifwege und zwei analoge, symmetrische Ausgänge in Form von XLR und TRS. Wenn man sich jetzt noch einmal den Ladenpreis von vergleichsweise nur 666,- Euro ins Gedächtnis ruft, bietet der ART Voice Channel allein von der Ausstattung her schon ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Für die Zahlen-Nerds, hier noch ein paar Messwerte:

Frequency Response:

  • Analog In to Analog Out: 12 Hz to 100 kHz +0, -1 dB
  • Analog In to Digital Out: 12 Hz to 20 kHz +0, -1 dB @ 44,1 kHz Samplerate
 – 16 Hz to 42 kHz +0, -1 dB @ 96 kHz
  • THD: 1 kHz < 0,015 % typical
- 20 to 20 kHz < 0,033 % typical

Equivalent Input Noise:

  • Mic/Line: -130 dBu, Input shorted, Max gain, “A” weighted
  • Instrument: -105 dBu, Input shorted, Max gain, “A” weighted

art voice channel test

Der ART Voice Channel in der Tonstudio-Praxis

Ich persönlich war schon immer ein großer Freund von selbsterklärenden Bedienoberflächen. Das kontraproduktive Um-Die-Ecke-Denken einiger Hersteller hatte für mich noch nie etwas mit Kult, sondern meistens mit einer schlechten Produktentwicklung zu tun. Umso mehr erfreute mich die Oberfläche des ART Voice Channels, da man hier nun wirklich nicht ein einziges Mal überlegen oder nachdenken musste, bevor man mit der Arbeit beginnen konnte.

Entsprechend schnell und einfach lies sich der Sound finden, den ich bereits in meinem Kopf ausgearbeitet hatte. Alle Regler machten genau das, was ihre Beschriftung offeriert, allerdings mit teilweise unterschiedlichen Intensitätsgraden.

Wie klingt der Voice Channel?

Generell kann man dem ART Voice Channel einen leicht färbenden Charakter attestieren, der aber weit von Produkten entfernt ist, die auf einer reinen Röhrenschaltung basieren. Einen dezent verdichtenden Charakter hat das Produkt jedoch auch in der kompletten Standby-Schaltung, was sich aber nicht auf die Klangqualität auswirkt.

Neben einem gut und einfach funktionierenden Kompressor sind mir klanglich vor allem zwei Punkte aufgefallen. Zum einen bietet der EQ trotz der umfangreichen Regelmöglichkeiten insgesamt einen guten, aber wenig spektakulären Klang. Der gesamte Regelbereich ist seinem Einsatzgebiet entsprechend eher dezent angelegt, jedoch fehlt meines Erachtens das ultimativ „Feine“, das die nächst höhere Liga bietet. Bitte nicht falsch verstehen, der ART Voice Channel klingt für den genannten Ladenpreis wirklich gut, halt nur nicht spektakulär.

ART Voice Channel

ART Voice Channel

Kundenbewertung:
(55)

Was mich hingegen überzeugt hat, ist die High-Voltage-Schaltung, die in der Tat nicht nur die zusätzlich erwartete Verdichtung mit sich bringt, sondern dem Gesangssound mehr Fundament hinzufügt. Der Klang wird ordentlich „angedickt“ und gewinnt massiv an Durchsetzungsvermögen, was sich wahrscheinlich auch im Mastering Massaker vieler Rock- und Metal-Produktionen durchsetzen wird.

Insgesamt muss man dem ART Voice Channel eine sehr gute Wertung zukommen lassen, gerade wenn es um die all-in-one Lösung geht. Insbesondere ambitionierte Projektstudios sollten von dem umfangreichen Detaillösungen profitieren, gerade wenn es um möglichst wenig „Wandlungs-Weg“ innerhalb des Signalflusses geht.

ART Voice Channel Test

ART Voice Channel im Einsatz

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Fazit

Mit dem Voice Channel führt ART einen preiswerten, rundum gelungenen Channelstrip in seinem Portfolio, der nicht umsonst als einer der größten Umsatzbringer des Unternehmens gilt. Mit einem übersichtlichen Aufbau, guter Verarbeitung, interessanten Detaillösungen und einer umfangreichen digitalen Verwaltung bietet ART ein Multifunktions-Tool, das primär Gesangs-, aber auch andere Aufnahmen binnen kurzer Zeit für das Recording vorbereitet und optimiert.

Es hat in der Tat seinen Grund, warum das Produkt schon so lange auf dem Markt ist!

Plus

  • Vielseitigkeit
  • Verarbeitung
  • Anschlussperipherie
  • variable Röhrenspannung

Preis

  • 666,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    jeffvienna

    Danke für dein feinen Bericht und die Hörbeispiele! Bei letzteren ist mir allerdings ein unüberhörbares Grundrauschen aufgefallen, das sich vom ersten zum letzten Hörbeispiel steigert. Liegt das am verwendeten Mikro oder kommt es vom Preamp?

    • Profilbild
      Axel Ritt RED

      @jeffvienna

      Mir ist während des Tests kein übermäßiges Rauschen beim Produkt aufgefallen, von daher kann ich dir leider nicht sagen, woher das von dir wahr genomme Rauschen stammen kann.

      Vielleicht ist es die Röhrenschaltung, sollte dem aber so sein, liegt sie meines Erachtens unterhalb der Wahrnehmensschwelle bei einem praxisgerechten Einsatz.

        • Profilbild
          Axel Ritt RED

          Dann kann es u. U. so sein, dass das Produkt deinen Ansprüchen nicht genügt.

          Ich für meinen Teil konnte in meiner Studioumgebung keine Beeinträchtigung des Signals im Rahmen des normalen Einsatzes vernehmen.

          • Profilbild
            bluebell AHU

            Ich höre es auch. Es setzt mit dem Gesang ein und hört mit ihm auf. Als wäre ein Noise Gate eingebaut oder wie Quantisierungsrauschen. Vielleicht wurde das Signal digital abgegriffen, und es ist der Wandler?

            Im Gesamtmix wird es nicht stören, im Gegenteil. Man könnte es mit künstlich erzeugten Obertönen verwechseln und den Gesang als luftig empfinden.

            • Profilbild
              dflt

              ich höre es genau so (sogar einfach auf dem ipad, also sehr deutlich). vor allem im letzten beispiel. hinzu kommt ein leichtes fiepen. und bei sekunde 9 brechen alle störgeräusche plötzlich ab. ehrlich gesagt, würde mich das im mix ggf. schon stören.
              evtl. ist auch was bei der wandlung in mp3 schief gegangen oder beim hochladen… alles kein ding, aber mich würde es schon interessieren, ob das nun wirklich teil des voice channels ist (was sehr schade wäre) oder ob das an etwas anderem liegt.

                • Profilbild
                  dflt

                  du meinst „es könnte theretisch sein, dass eine winzige Oxidation an einem Kontakt ein Nebengeräusch erzeugt hat“?

                  sorry, aber für jemanden, der seit über 40 jahren unfehlbarer profi-musiker mit weltweiten charthits und unzähligen festival-auftritten und sowieso allen auf amazona.de überlegen ist, ist das eine ziemlich schwache aussage bzw. aufnahmekette…

                    • Profilbild
                      dflt

                      irgendwie nehm ich dir das nicht ab… aber ernsthaft diskutieren ist mit dir ja nicht möglich. sarkastisch funktioniert auch nicht. belassen wir es dabei und ich muss dann wohl ab sofort alle deine artikel ignorieren. wollte hier wirklich unvoreingenommen rangehen, aber wieder wurden alle erwartungen bestätigt… alles gute dir!

          • Profilbild
            TheTick123

            Ich verstehe nicht, was du mit „keine Beeinträchtigung im Rahmen des normalen Einsatzes“ meinst. Soll das heißen, es rauscht zwar, aber das hört man nachher sowieso nicht, da es im Noisefloor untergeht?

            • Profilbild
              Axel Ritt RED

              Ich meine, dass ich kein Rauschen im Rahmen des normalen Einsatzes wahrnehmen konnte.

              Das bedeutet, dass der Nebengeräuschpegel für mein Empfinden innerhalb einer Produktion vernachlässigbar ist. Ich lege meinen Fokus auf andere Elemente, daher hat das Produkt eine sehr gute Bewertung bekommen.

            • Profilbild
              Axel Ritt RED

              Aber um deine Frage direkt zu beantworten, wahrscheinlich wird es die Signalkette vom Mikrofon zum Preamp gewesen sein. Ich habe eben noch mal den Signalfluß überprüft, es könnte theretisch sein, dass eine winzige Oxidation an einem Kontakt ein Nebengeräusch erzeugt hat.

              Aber wie gesagt, für mich innerhalb des Einsatzbereiches nicht relevant.

  2. Profilbild
    Armin Bauer RED

    Ich denke, dass Axel eine Methode verwendet hat auf die ich auch manchmal in Ermangelung eines Sängers oder Instrumentalisten zurück greife:
    – Abspielen eines Samples aus der DAW
    – Aufzeichnen mit Mikro vor den Studiomonitoren
    Für mich hört sich das Störsignal eher so an, als wäre es schon im Sample mit drin, der Rest am Ende ist das Rauschen der Monitore.
    Der ART oder die Verkabelung dürfte eher nicht der Verursacher sein.

  3. Profilbild
    MusicChest

    Ob Rost, rauschendes Sample, oder berauschter Langhaartester,…dies alles ist an Professionalität nicht zu überbieten.

  4. Profilbild
    gaffer AHU

    Gehen wir mal aus dem Persönlichen raus, ich fand, dass ART schon Jahrzehnte unter dem Radar geflogen ist. Immer mal wieder hatten die ein Produkt, das günstig UND clever war. Womöglich war auch Schlechteres darunter, aber einige ihren Produkte hatten für mich einfach das beste Preis/Leistungsverhältnis.

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