Test: Arturia AudioFuse Studio, USB-Audiointerface

11. Mai 2020

Das (fast) perfekte Audiointerface

arturia audiofuse studio test

Arturia AudioFuse Studio, USB-Audiointerface

Verehrter Leser, das AudioFuse Studio von Arturia ist die Desktop-Version des AudioFuse 8Pre, das ich hier getestet habe. Die Ausstattung ist fast dieselbe und es klingt auch gut. Und dann möchte ich Ihre Zeit auch gar nicht weiter beanspruchen und wünsche einen schönen Tag …s o ganz geht es so natürlich nicht!

Also das mit dem schönen Tag schon, aber so einfach ist das Ganze bei Arturia auch wieder nicht. Denn jedes der drei AudioFuse Produkte passt in ein bestimmtes Nutzerprofil und neben dem mobilen AudioFuse und dem 19“ 8Pre habe ich nun die Studioversion vor mir und ich darf Ihnen sagen, dass Arturia bei mir auch hier für anerkennendes Nicken gesorgt hat. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass man in Frankreich mit diesem Desktop-Gerät schon ganz nah an der Perfektion entlangschrammt. Klar, nobody is perfect, aber sie werden sehen, dass man hier schon genau hinschauen muss, um einen Verbesserungsvorschlag machen zu können.

Arturia_AudioFUse_Studio_Family

Arturia AudioFuse Studio – die Ausstattung

Die Eingänge

Das „Studio“ ist mit vier Discrete Pro Mikrofonvorverstärkern ausgestattet (XLR/TRS-Kombibuchsen an der Front) und verfügt dazu noch über vier weitere Line-Ins (4x Klinke auf der Rückseite). Dabei sind Line 5&6 auch optional als Phono-Vorverstärker zu betreiben. Außerdem haben wir vier Inserts und zwei optische Ausgänge (S/PDIF für eine ADAT-Erweiterung (8 digitale Eingänge mit bis zu 96 kHz Sample-Rate)).

Die Ausgänge

Hier haben wir ebenfalls zwei S/PDIF-Ausgänge und ein Stereopärchen AUX-Out, die übrigens gleichspannungsgekoppelt sind und man so auch ein Eurorack Synthesizer-System steuern kann. Dazu kann man das AudioFuse Studio mit seinen zwei Lautsprecherausgängen auch als Monitorcontroller verwenden.

arturia audiofuse studio test

Weitere Schnittstellen und Ports

Wir finden beim AudioFuse Studio Wordclock In&Out, MIDI In & Out als Miniklinke (die passenden Adapter auf DIN liegen dem Gerät bei) und einen integrierten USB-HUB mit drei USB-A-Ports und einem USB-C-Anschluss. Die Stromversorgung findet über ein externes Netzteil mit Drehverschluss statt. Das Gerät ist zwar optional auch über den USB-Port zu betreiben, aber dann werden einige Funktionen abgeschaltet. Diese Funktion ist aber für den mobilen Einsatz sehr praktisch.

Darüber hinaus bietet das Interface eine Talkback-Funktion mit integriertem Mikrofon und besitzt Anschlüsse für zwei – nein, eigentlich vier Kopfhörer. Denn auf der Vorderseite findet man je einen 3,5 mm und einen 6,3 mm Anschluss pro Kanal mit eigener Lautstärkeregelung. Faktisch kann man aber vier Kopfhörer anschließen und paarweise pegeln.

arturia audiofuse studio test

Und dann – sehr überraschend – verfügt das AudioFuse Studio noch über eine Bluetooth-Funktionalität: Toll, wenn man mal schnell was vom Handy auf die Monitore streamen möchte.

Bedienoberfläche

Die Oberfläche ist sehr übersichtlich und gibt keine Rätsel auf. Jeder Mikrofoneingang ist als Line- oder Instrumenteneingang (HI-Z) umschaltbar. Wir haben diskrete 48 V Versorgungsspannung, eine PAD-Funktion zum Herabsenken des Eingangspegels (-20 dB), eine Range-Funktion für die LED-Kette und eine schaltbare Phasenumkehr – alles pro Kanal.

Zur PAD-Funktion ist hinzuzufügen, dass ein langer Druck auf den PAD-Schalter den „Boost“-Modus aktiviert: Es handelt sich um einen speziellen Modus, der den eingehenden Mikrofonsignalen eine zusätzliche Verstärkung von 10 dB hinzufügt und nützlich sein kann, wenn Sie Mikrofone mit niedrigem Ausgangspegel verwenden (wie z. B. das beliebte Shure SM7B) oder sehr leise Klangquellen aufnehmen.

Arturia_AudioFUse_Studio_front

Dazu sehr sämig laufende Gain-Regler und eine „Listen“-Funktion, die das Pre-Fader-Signal für jeden analogen Eingang hörbar macht.

Der Volume-Regler, der leicht gerastert läuft, besitzt einen mehrfarbigen LED-Kranz, der den aktuellen Pegel (blau) und den Output-Level (grün) anzeigt. Darunter findet man auch die DIM-Funktion, Mute und einen Mono-Knopf, um seinen Mix z. B. auf Phasenprobleme zu überprüfen.

Ganz rechts dann die Umschalter für Speaker A/B: In der kostenlosen AudioFuse Control Center Software kann man dazu einstellen, ob der Output für die Monitorausgänge separat oder gemeinsam geregelt werden soll. Darunter dann noch die Option für die drei Mixe (Main, CUE 1, CUE 2).

Arturia_AudioFUse_Studio_Apollo

Unter dem großen Volume-Regler dann noch die erwähnten Phones-Pegelregler und die Routings zu den CUE-Mixes. Sehr gut: Auch die Phones-Mixe können mono abgehört werden.

Alle Funktionen des Arturia Interfaces besitzen eine gut ablesbare Kontrol-LED und oben rechts wird dazu noch Auskunft gegeben, ob die interne Clock arbeitet und wie die digitalen Interfaces konfiguriert sind (ADAT oder S/PDIF).

Die USB-LED leuchtet, sobald die Verbindung zum PC eingerichtet ist – das Gerät funktioniert aber auch autark ohne Computer. Oben rechts dann der Bluetooth-Knopf zur Aktivierung der kabellosen Verbindung (übrigens inklusive aptX- und AAC-Support) und – wie man es häufig bei Arturia schon gesehen hat: Einmal oben links auf das „A“ Logo drücken und schon startet die AudioFuse Control Center Software, die es kostenlos für Microsoft und Mac gibt und die noch weitere Konfigurationsmöglichkeiten bietet.

Arturia_AudioFUse_Studio_Software

Wie auch die 8Pre Rackversion unterstützt der D/A-Wandler 192 kHz / 24 Bit und bietet so ausreichende Zukunftssicherheit. Im Lieferumfang sind neben zwei verschiedenen USB-Kabeln (mit USB-A oder USB-C Port) und dem Netzteil, die erwähnten MIDI Adapter enthalten. Dazu liegt jedem Gerät ein individuelles Messprotokoll bei und dann gibt es noch ein sehr schönes Software-Paket: Die Arturia AudioFuse Creative Suite, die wirklich ganz hervorragende Plugins beinhaltet. So findet man neben drei verschiedenen Preamp-Simulationen auch ein MOOG Filter, einen 1176er Style Kompressor, ein Tape-Delay und das tolle Rev PLATE-140 Reverb, das wahnsinnig gut klingt.

Arturia_AudioFUse_Studio_Tastatur

Messwerte des Interfaces

In Sachen Messwerten gibt sich Arturia auch keine Blöße: Ein Signalrauschabstand von -129 dBU und ein Dynamikumfang von knapp 119 dB sind sehr überzeugend und auch bei Tests mit recht leisen Bändchen- oder Kondensatormikrofonen kann man ein nur sehr geringes Rauschen bei hohen Gain-Werten wahrnehmen. Übrigens ist das Gerät USB-Class-Compliant und wird vom Mac ohne Treiber gefunden. Für Windows findet man auf der Website die aktuellen Treiber.

Arturia_AudioFuse_Studio_Messung

In Sachen Latenzen liegt Arturia mit dem USB-2 Interface im guten Mittelfeld. An meinem iMac i5 von 2019 mit 24 GB RAM bekomme ich bei 96 kHz und 128 Samples eine Roundtrip Latenz von 8,9 ms (4,3 ms am Ausgang). Bei 48 kHz sind es 14,9 ms (5,7 ms am Ausgang).

Logic X Latenz

Die Verarbeitung

Hier habe ich nichts zu kritisieren: Alle Schalter, Regler und Buchsen sind stabil und mit guter Rückmeldung. Das Gerät bleibt auch im Dauerbetrieb sehr kühl und auch optisch macht es mit dem stylischen orangefarbenen Zierring am Boden einiges her. Das Gehäuse besteht aus Metall und hat die Maße 26,5 x 16,0 x 7,2cm (B x T x H) und wiegt fast 3 kg.

arturia audiofuse studio test

Die AudioFuse Control Center Software

Arturia hat sich mit der Software viel Mühe gegeben, die umfangreiche Ausstattung des AudioFuse Studio sehr übersichtlich und bedienerfreundlich zu gestalten. Alle Funktionen der Hardware werden praktisch latenzfrei gespiegelt und die Software gibt schnell Auskunft über die gewählten Einstellungen. Das Fenster des AFCC ist zwar nicht frei skalierbar, aber zumindest in 5 % Schritten zu vergrößern oder zu verkleinern.

Über die Hardware hinaus kann man im AFCC noch einige zusätzlichen Funktionen einstellen, wie den S/PDIF-Typ, Clock-Settings, Ground-Lift, Loopback-Funktion, Bluetooth und vieles mehr. Dies im Detail zu beschreiben, würde hier jeden Rahmen sprengen – das deutschsprachige Handbuch gibt aber sehr gute Auskunft über alle Detailfunktionen und -Einstellungen.

Wirklich nichts zu meckern?

Ich hätte hier gerne echtes USB-3 oder USB-C gesehen, denn intern arbeitet das AudioFuse Studio noch mit USB-2 und so sind die Latenzen des Gerätes zwar gut, aber nicht mit den Thunderbolt Kollegen zu vergleichen. Außerdem hätte ich gerne noch eine Mute-Funktion pro Kanal und nicht nur global, aber das ist eher eine Sache der persönlichen Präferenzen.

Im Vergleich zum „kleinen“ Einsteiger AudioFuse wäre noch der Mini-Mixer zwischen USB und Direct-Input schön gewesen – viele nutzen diese Option immer wieder gerne.

Nur der Vollständigkeit halber: Arturia verbaut keine internen DSPs – das ist aber eine Philosophie und kein Nachteil. Somit sollte man immer ein Auge auf der Prozessorlast und den Latenzen bei CPU-hungrigen Plugins haben. Aber das kennt man bei Focusrite & Co. ja auch.

Der Klang

Da die Verstärker- und Wandlertechnologie im AudioFuse Studio identisch mit der 8Pre Rackmount-Version ist, verweise ich auf die in diesem Test durchgeführten Klangbeispiele. Trotzdem möchte ich Sie hier noch mal auf die in dieser Klasse außergewöhnlichen klanglichen Eigenschaften dieser Arturia Geräte hinweisen.

Die Discrete-Pro-Preamps haben eine sehr gute Feinzeichnung, herausragende Dynamik und eine tolle räumliche Abbildung. Die Arturias spielen definitiv schon Richtung Universal Audio Apollo Liga und ein Vergleich zwischen dem AudioFuse Studio und den UA Apollo X4 ist mehr eine Ausstattungsfrage (UA mit integrierten DSPs, Thunderbolt etc.) als eine Klangfrage. Das ist für mich schon ein echter Ritterschlag für die Arturias, zumal das AudioFuse Studio etwa halb so teuer ist wie das vergleichbare Universal Audio X4.

Ich habe auch meinen ehrwürdigen Rega Planar 3 Plattenspieler an den AudioFuse Studio angeschlossen auch hier kann ich dem eingebauten Phone-Preamp einen sehr guten Klang attestieren. Und selbst die Bluetooth-Wiedergabe lief immer zuverlässig und ohne Abbrüche und in verblüffend guter Qualität.

Klassisches Hi-Res-Audio zur Beurteilung der Wandler hat mir einige angenehme Abende beschert. Es ist immer wieder eine Freude, die anspringende Dynamik und saubere Abbildung des musikalischen Kontext beim Arturia wahrzunehmen. Mühelos gelingt die Beurteilung der Transienten, das tonale Gleichgewicht der ausklingenden Instrumente und die Tiefen- und Breitenstaffelung des Tracks. In der Tendenz hell, aber nie übertrieben kann ich das Studio allen empfehlen, die hochwertiges Mixing, Mastering und auch nur Konsumieren von Tonträgern suchen.

 

Fazit

Das Arturia AudioFuse Studio ist bis oben hin vollgepackt mit Features und auch sehr praktischen und guteinsetzbaren Funktionen. Es ist hervorragend verarbeitet und bietet mit der AudioFuse Creative Suite nicht nur ein „Me Too“ Software-Paket, sondern wirklich sehr hochwertige Plugins. Die Discrete-Pro-Mikrofon- und Line-Verstärker sind rauscharm, extrem dynamisch und überhaupt zeichnet das gesamte Gerät wirklich sehr fein und bietet eine herausragende klangliche Qualität.

Man sieht, dass die Franzosen in die AudioFuse Baureihe viel Fokus legen und somit ist es für mich definitiv auch ein Best Buy – auch wenn bei mir noch USB-3 oder Thunderbolt auf der Wunschliste stehen.

Plus

  • sehr guter Klang
  • tolle Ausstattung
  • hochwertiges Softwarepaket
  • sehr gute Verarbeitung

Minus

  • leider nur USB-2

Preis

  • 899,- Euro
Forum
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    index  

    …USB 2 reicht für dieses Interface…sehe ich nicht unbedingt als Minuspunkt. An meinem Digiface USB hängen 4 Adats-Interfaces, das hat auch nur USB2…

    • Profilbild
      gaffer  AHU

      Bei USB 3 statt 2 würde ich Jörg auch widersprechen. Bei 2 verschiedenen Schnittstellen statt einer nicht. Ich würde den Minuspunkt eher bei der Latenzzeit sehen, das geht besser in dieser Preisklasse. Sonst scheint das ein sehr interessantes Interface zu sein.

  2. Profilbild
    Hectorpascal  AHU

    Weitere Minuspunkte: Wenig Routingmöglichkeiten bzw. zu wenige CUE-Mixe und kein Adat-Mode. Wollte es als Monitorcontroller in mein RME einbinden und bin trotz Support gescheitert. Beim 8pre ist im Adat-Mode quasi alles sofort tacko.

  3. Profilbild
    Dimension D  

    Schöner aufschlussreicher Test. Danke. Find das Gerät auch sehr interessant aber die Latenz bei 48khz und 128 buffer mit 14,9 ms find ich in der heutigen Zeit einfach viel zu gross.
    Selbst mein steinaltes Fireface 400 schaft ein Roundtrip bei den Werten von 8,27 ms auf Windows.

  4. Profilbild
    harrymudd  

    ‚Ich hätte hier gerne echtes USB-3 oder USB-C gesehen…‘
    wird jetzt auch schon USB3 gefälscht…:)
    USB-C sagt nichts über die Technik aus – ist nur eine Steckernorm.

  5. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Ich meld mich kurz zu Wort, damit ihr das vielleicht besser nachvollziehen könnt. Für die aufgerufenen 899,- Euro könnte im Gerät durchaus ein modernerer Standard, als USB-2 sein. Somit ist das für mich der einzige wirkliche Kritikpunkt. Bei einem USB-C Interface (da meinte ich im Kontext Thunderbolt 3) oder zumindest einem USB 3.1 Interface wären auch die Latenzen besser.
    Aber generell würd ich auf die Latenz-Werte eh nicht viel geben: Eine moderne DAW kompensiert die sowieso. Und ich habe festgestellt, dass die von DAW zu DAW auch meist unterschiedlich sind.
    Und @Hectorpascal: Die Routingmöglichkeiten werden im Handbuch ja beschrieben. Wenn man sich das Gerät zulegt und dann feststellt, dass es zuwenig ist, hat man sich für das falsche Gerät entschieden :-).

    • Profilbild
      Hectorpascal  AHU

      Ja dafür gibt es die Rückgabe. ;) Das der Adat-Mode fehlen würde und die CUE-Mixe nicht ausreichen, damit hätte ich nicht gerechnet. Es wurde quasi der Treiber des kleinen Audiofuse adaptiert ohne den zahlreichen Anschlüssen am Studio gerecht zu werden. Du kannst somit nicht mal den Adat-Mode „simulieren“, weil 2 Cues nur 4 Kanäle abdecken. Aus dem Handbuch kann man übrigens nicht alles ableiten, auch lag zum Zeitpunkt meines Kaufs noch keins vor. Auch werden Features häufig noch nachbearbeitet. Schade eben daß die praktische Desktopform nicht die Features vom 8pre (Adat-Mode) hat. Es wäre für mich perfekt gewesen.

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