Test: Behringer Xenyx X1204 USB Kompaktmischpult

30. April 2020

Boutique-Qualität zum Schnäppchenpreis?

Test: Behringer Xenyx X1204 USB Kompaktmischpult Test: Behringer Xenyx X1204 USB Kompaktmischpult Test: Behringer Xenyx X1204 USB Kompaktmischpult

Behringer Xenyx X1204 USB Kompaktmischpult

Analoge Kleinmischpulte sind trotz aller Digitaltechnik nach wie vor angesagt. Klickt man auf der Thomann-Website auf die Rubrik Kleinmixer, erhält man 215 Treffer. Eines der bekanntesten und am häufigsten kopierten Kleinmischpulte ist das Mackie 1202 VLZ, das hinsichtlich der Features nahezu unverändert mittlerweile in der Version Mackie 1202 VLZ4 auf dem Markt ist. Eine Besonderheit dieses Mischpults war neben der robusten Fertigungsqualität und der herausragenden Klangqualität das ausgeklügelte Bus-Konzept. Behringer gehörte zu den ersten Herstellern, die dieses Konzept für ihre eigenen Produkte übernommen haben, was einen langen und öffentlich ausgetragenen Rechtsstreit nach sich zog. Mittlerweile ist die Zahl der Mischpulte, die mehr oder weniger an das Mackie-Design angelehnt sind, unüberschaubar groß und Mackie schaut seinerseits bei anderen Herstellern vorbei. Doch zurück zum Behringer Xenyx X1204 USB. Zu einem absoluten Kampfpreis wartet das Behringer Xenyx X1204 USB mit Features auf, die man noch vor kurzer Zeit erst in einer höheren Preisklasse vorgefunden hätte. Doch stimmt auch die Qualität? Schauen wir mal genauer hin.

Redaktion: Wir haben uns hier ein Modell von Behringer ausgesucht, dass schon etliche Jahre erhältlich ist und ganz beliebt zu sein scheint. Unser Autor Markus untersucht mit seiner wie immer professionellen Vorgehensweise, was man bei einem Preis von 145,- Euro bekommt.

Behringer Xenyx X1204 USB: Aus Onyx wird Xenyx

Dass es nach wie vor Parallelen zum Mackie-Design gibt, wird schon anhand der Behringer-Werbung deutlich, denn hier spricht man von „4 state-of-the-art, phantom-powered XENYX Mic Preamps comparable to stand-alone boutique preamps“. Bei Mackie heißt das „4 boutique-quality ONYX mic preamps“. Beide Hersteller geben sich also nicht gerade bescheiden, wenn es um die Qualität der Mikrofonvorverstärker geht. Diese schauen wir uns später noch etwas genauer an.

Die allgemeinen Features des Behringer Xenyx X1204 USB Mischpults:

  • Premium „ultra-low noise“ Mischpult mit hohem Headroom
  • Vier XENYX Mikrofonvorverstärker mit +48 Volt Phantomspeisung (gemeinsam schaltbar) in den Mono-Kanälen mit Low Cut bei 75 Hz und 18 dB pro Oktave Flankensteilheit
  • Zwei Stereo-Kanäle mit symmetrischen Line-Eingängen (TRS-Klinke) mit Pegelanpassung von +4/-10 dB
  • Zwei symmetrische Stereo-Aux-Returns (TRS Klinke)
  • Zwei unsymmetrische Aux-Sends (Klinke)
  • Stereo 2-Track Inputs und Outputs (RCA)
  • Kopfhörerausgang
  • FX-Fußschaltereingang
  • Zwei symmetrische Main-Ausgänge (XLR)
  • Zwei unsymmetrische ALT 3/4-Ausgänge (Klinke)
  • Zwei unsymmetrische Control-Room-Ausgänge (Klinke)
  • Vier Kompressoren im One-Knob-Design
  • „Britischer“ 3-Band-EQ
  • Zwei Aux-Sends pro Kanal, 1x Pre/Post-Fader schaltbar, 1x Post-Fader
  • Jeder Kanal mit Clip-LED, Mute-Schalter, Alt 3/4-Schalter, Solo- und PFL-Funktion
  • Zwei ALT 3/4 Subgruppen mit separaten Ausgängen
  • Effektprozessor mit 16 editierbaren Presets (Reverb, Delay, Chorus/Flanger, Pitch Shifter, Multi-FX), DSP mit 24 Bit, 40 kHz Samplingrate, 64/128-fach Oversampling
  • Tap-Tempo
  • Eigene LED-Ketten für den FX-Zweig und numerisches LC-Display für die FX-Programme
  • Zwei achtstufige LED-Ketten im Master
  • 2 In/2 Out USB-Interface (16 Bit, 48 kHz)
  • Control-Room-/Kopfhörerausgang mit flexibler Eingangsmatrix
  • Zehn logarithmische 60 mm Fader
  • Integriertes Schaltnetzteil
  • Beiliegende Rack-Winkel

Das sind ganz schön viele Features auf kleinem Raum.

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Das Kanal-Layout des Behringer Xenyx X1204 USB ist übersichtlich und gleicht bis auf wenige Details dem Mackie 1202 VLZ. Behringer setzt allerdings auf Fader statt Drehregler für die Kanallautstärke und integriert einen Effektprozessor sowie eine USB-Schnittstelle

Monokanal-Layout des Behringer Xenyx X1204 USB

Das Signal gelangt über den XLR- oder Klinkeneingang in einen der Monokanäle. Es folgen der beschriebene schaltbare Low-Cut bei 75 Hz mit 18 dB pro Oktave Flankensteilheit und der Gain-Regler mit einer Verstärkung von +10 bis +60 dB für den Mikrofoneingang und -10 bis +40 dB für den Line-Eingang. Weiter geht es mit dem One-Knob-Kompressor. Hier handelt es sich um einen programmabhängigen Kompressor, über dessen genaue Daten sich das Benutzerhandbuch und die technischen Daten leider ausschweigen. Der Regler bestimmt die Stärke der Kompression, eine LED zeigt an, wann das Signal den Threshold-Wert überschreitet und komprimiert wird.

Es folgt der 3-Band-EQ. Dessen drei Bänder greifen bei 80 Hz (Low, Shelving), 2,5 kHz (Mid, Peak) und 12 kHz (High, Shelving). Hier orientiert man sich exakt an den Einsatzfrequenzen des Mackie 1202 VLZ. Die Verstärkung/Absenkung beträgt ±15 dB Interessant ist, dass Behringer den EQ als „British EQ“ bezeichnen. Was auch immer diese Bezeichnung aussagen soll, sie steht im Allgemeinen für einen druckvollen mittigen Sound. Manchmal werden „British Style EQs“ auch als „musikalisch“ beschrieben. So formuliert man es auch in der Bedienungsanleitung:

„The circuitry of the British EQs is based on the technology used in the best-known top-of-the-line consoles and providing a warm sound without any unwanted side effects. The result are extremely musical equalizers which, unlike simple equalizers, cause no side effects such as phase shifting or bandwidth limitation, even with extreme gain settings of ±15 dB.“

All diese Aussagen werden schon lange Zeit kontrovers diskutiert und im Prinzip ist man sich einig, dass es keinen „British EQ“ gibt, denn die Equalizer der 60er und 70er, für die dieser Begriff steht, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Einen interessanter Fachartikel zum Thema „British EQ“ findet sich hier: www.musictech.net/features/ten-min-master-british-eq/

Nach dem EQ geht es weiter mit den beiden Aux-Bussen. Aux 1 ist Pre- und Post-Fader schaltbar, Aux 2 hingegen liegt immer Post-Fader im Signalweg und regelt standardmäßig erst einmal den Signalanteil zum integrierten Effektprozessor. Möchte man einen externen Effekt einbinden und schließt diesen an den Aux 2 Send und die Aux 2 Returns an, wird der integrierte DSP umgangen.

Es folgen der Panorama-Regler, der Mute-Schalter und schließlich der Kanal-Fader samt Solo-Schalter. Der Mute-Schalter besitzt eine besondere Funktion, die man sich schon vor vielen Jahren von Mackie abgeschaut hat: Das Signal wird nicht nur einfach stummgeschaltet, sondern gleichzeitig auf den ALT 3/4 Bus geroutet. In Abhängigkeit von der Position der Panorama-Regler gelangt das Signal entweder auf ALT 3 (Pan links) oder Alt 4 (Pan rechts). So können entweder Subgruppen gebildet werden oder auch bestimmte Signale nur über die ALT 3/4 Ausgänge ausgegeben werden. Schon bei meinem alten Mackie 1202 VLZ fand ich dieses Routing sehr clever, denn in Verbindung mit der Source-Matrix bekommt man weitreichende Routing- und Abhörmöglichkeiten.

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Das Behringer Xenyx X1204 USB verfügt über 60 Millimeter Fader

Stereokanal-Layout des Behringer Xenyx X1204 USB

Die Stereokanäle verfügen über fast alle Möglichkeiten der Monokanäle. Es entfällt hier der Mikrofoneingang. Stattdessen sind zwei Line-Eingänge im Klinkenformat anzutreffen. Einen Gain-Regler gibt es nicht. Der Eingangsempfindlichkeit wird stattdessen über einen Schalter zwischen +4 dB und -10 dB umgeschaltet. Bis auf das Fehlen des One-Knob-Kompressors ist die Ausstattung ansonsten mit der Ausstattung der Monokanäle identisch.

Masterbereich

In der Master-Sektion des Behringer Xenyx X1204 USB befinden sich zunächst einmal die vier Fader für den ALT 3/4 und Main-Mix-Bus des Mischpults. Außerdem sind hier die Master-Aux-Sends und die Regler für die beiden Aux-Returns sowie den FX-Return zu finden. Zwei LED-Ketten zeigen den Pegel des Main-Mix-Busses an, eine kleinere LED-Kette den Pegel zum integrierten FX-Prozessor. Das ist gut gelöst, denn andere Pulte verfügen hier oft nur über eine Clip-LED oder sogar überhaupt keine Kontrollanzeige, sodass Verzerrungen nicht immer sofort dem FX-Eingang zuzuordnen sind. Sehen und Hören ist halt immer besser als nur Hören. Beide Daumen hoch.

Ebenfalls gut gelöst ist die Möglichkeit, die Aux-Sends per SOLO abhören zu können. Das ist eine Funktion, die noch nicht einmal bei Mackie zu finden ist. So hat man die Möglichkeit, in einen Aux-Mix hineinzuhören. Besonders im Studioumfeld ist das nicht ganz unwichtig, wenn man zum Beispiel für einen Sänger oder eine Sängerin den persönlichen Wohlfühlmix erstellen möchte, was wesentlich einfacher möglich ist, wenn man das hört, was der Musiker auch hört.

Beim FX-Return darf noch entschieden werden, ob dieser dem Main-Mix oder dem ALT 3/4 Bus zugeordnet werden soll. Außerdem kann die SOLO-Funktion von PFL SOLO (Pre-Fader-Listening) auf SOLO IN PLACE umgeschaltet werden. PFL ist wichtig für das Einpegeln von Signalen, per SOLO IN PLACE hingegen hört man das Signal inklusive aller Bearbeitungen nach dem Fader oder auch die Summe mehrerer Signale, bei denen der SOLO-Taster im Kanalzug gedrückt wurde. Der PFL-Bus ist immer mono, während es sich bei SOLO IN PLACE um einen Stereobus handelt. Bei SOLO IN PLACE werden zudem die Signale vom Main-Mix-Bus, ALT 3/4 und Tape-Input auf den Control-Room-Ausgängen stummgeschaltet. Bei PFL Solo ist nur die linke LED-Kette zum Einpegeln aktiv. Schön, dass wir hier beide Funktionen zur Verfügung haben.

Über die Source-Matrix lässt sich definieren, welche Signale auf den Control-Room/Phones-Ausgang gelangen. Auswählen lassen sich über drei Schalter die Signale von 2-Track/USB, ALT 3/4 und Main-Mix. Es lassen sich also auch alle Quellen gemeinsam auf die Abhöre schalten. Etwas seltsam ist, dass ausgerechnet der von Mackie bekannte Schalter „Assign to Main Mix“ bei Behringer fehlt. Nur so lässt sich nämlich der ALT 3/4 Bus als Subgruppe nutzen, was Behringer schließlich auch bewirbt.

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Behringer hat sich wie viele andere Hersteller auch vom Mackie 1202 VLZ inspirieren lassen. Der größte Unterschied: Das Mackie-Pult verfügt über eine erstklassige Verarbeitung und ein Metallgehäuse.

Effektprozessor

Der 24 Bit Multieffektprozessor verfügt über 16 Programme. Da es nur ein numerisches Display gibt, wurde die exakte Bezeichnung auf dem Gehäuse abgedruckt. So machen das auch viele andere Hersteller und für so ein kleines Mischpult ist das auch zweckmäßig. Es finden sich sechs Hallprogramme (Hall, Room, Plate, Gated, Reverse), vier Programme in der Sektion Ambience/Delay (Early Reflections, Ambience, Delay, Echo), drei Modulationseffekte (Chorus, Flanger, Phaser), zwei Detune/Pitch-Algorithmen (Detune, Pitch Shifter) und zwei Kombinationseffekte (Delay + Reverb, Chorus + Reverb). Der Aufruf der Effekte geschieht über einen Push-Encoder: Programm auswählen, das Display blinkt, Encoder drücken, das Programm wird geladen. An dem betreffenden Encoder ist aber auch das Wort „Parameter“ zu lesen. Doch wie und was editiert man hier? Ich lade mir die aktuelle Version des Manuals von der Behringer-Website herunter. Immerhin gibt es überhaupt ein englischsprachiges Manual, bei dem nicht „Quick Start“ im Dateinamen steht. Doch genau diese Bedienungsanleitung ist ebenso lückenhaft wie alle seither gedruckten Quick-Start-Manuals. Es fehlen jegliche Informationen zu den Effektalgorithmen oder zu den versprochenen Editierfunktionen. Wird es tatsächlich als hilfreich erachtet, stattdessen unter der Rubrik Video ein offizielles Werbevideo und viele Amateur-Reviews, die auf YouTube erschienen sind, zu veröffentlichen? Immerhin konnte ich aufgrund meiner Erfahrungen mit ähnlichen Produkten darauf schließen, dass ein weiterer Druck auf den Encoder den Editiermodus aufruft. Es erscheint ein blinkender Punkt. Nun kann über den Encoder ein Parameter eingestellt werden. Doch welcher? Bei den Reverb-Algorithmen scheint es sich um die Halldauer zu handeln (1-10). Bei Delay um die Delay-Zeit (ebenfalls 1-10). Die Delay-Zeit kann auch über den Tap-Taster eingestellt werden. Die kryptischen Zahlenwerte, die dann angezeigt werden, erschließen sich mir allerdings nicht. Bei den Modulationseffekten lassen sich Werte zwischen 1 und 99 einstellen. Ob das nun aber Depth ist oder die LFO-Geschwindigkeit? Hier hilft nur das Ausprobieren. Klarer ist es beim Pitch-Shifter, die Werte von -12 bis +12 deuten auf Halbtonschritte hin. Spaß macht das so nicht. Um den entsprechend veränderten Wert zu speichern, muss mehrere Sekunden lang auf den Encoder gedrückt werden.

Ein absolutes „No Go“ ist der FX-Signalflow des Behringer Xenyx X1204 USB: Schaltet man einen Kanal per Mute-Schalter stumm, bleibt der Effekt dennoch unvermindert hörbar.

Die Effektqualität ist guter Durchschnitt. Hier darf keiner Wunder erwarten. Für den Gig in der Kneipe reicht es aber. Für Aufnahmen würde ich auf Plug-ins setzen. Aber was man hat, hat man halt, man muss es ja nicht nutzen.

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Der Netzanschluss für das integrierte Netzteil, der Schalter für die Phantomspeisung, symmetrische XLR-Main-Outs sowie zwei leider unsymmetrische ALT 3/4-Ausgänge und ebenfalls unsymmetrische Control-Room-Ausgänge sind auf der Rückseite zu finden

Recording mit dem Behringer Xenyx X1204 USB

Wie der Name schon andeutet, besitzt das Behringer Xenyx X1204 USB einen USB-Anschluss für die Aufnahme und Wiedergabe von Signalen über einen Computer. Mit 16 Bit und 48 kHz sowie USB 1.1 ist das Interface jedoch nicht so ganz auf der Höhe der Zeit. Für den schnellen Mitschnitt zwischendurch oder das Einspielen von Pausenmusik von einem Computer reicht es jedoch. Aufgenommen wird der Main Bus mit allen Effekten. Möchten man aufgenommene Signale abhören und währenddessen weitere Signale aufnehmen, geschieht das über die Source-Matrix. Drückt man hier den roten 2-Tr/USB-Schalter und den Main-Mix-Schalter, hört man über die am Control-Room-Ausgang angeschlossene Studioabhöre oder den Kopfhörer am Phones-Ausgang das aufgenommene Signal und gleichzeitig das eigene Instrument, das nun aufgenommen werden soll.

Leider hat man hier eine große Chance vergeben: Warum kann man nicht statt des Main-Mix das ALT 3/4-Signal per USB aufnehmen? Auf analogem Wege ist das nämlich über die ALT 3/4-Ausgänge durchaus möglich, nur eben über das eingebaute USB-Interface nicht. So wird leider viel Potential verschenkt.

Praxis

Für den Praxistest habe ich mein gutes altes Shure SM58 bemüht, denn nicht jeder Mikrofonvorverstärker günstiger Mischpulte kommt gleich gut mit diesem recht pegelschwachen Kandidaten zurecht. Nicht so das Behringer Xenyx X1204 USB. Es hat auch nach Einstellung eines guten Arbeitspegels noch genügend Luft nach oben. Das Mikrofon klingt ohne Bearbeitung ordentlich auf meinem zur Kontrolle an den Kopfhörerausgang angeschlossenen Beyerdynamic DT770 Pro Kopfhörer. Nach der ersten Reglerbewegung am EQ ändert sich das schlagartig. Der High-Shelf-Regler sollte eigentlich Frequenzen oberhalb von 12 kHz anheben und so Signale luftiger klingen lassen. An meinem Mackie 1202 VLZ geht das auch sehr gut. Nicht jedoch beim Behringer Xenyx X1204 USB. Hier klingt es scharf und unangenehm in den Höhen. S-Laute und Konsonanten knallen dermaßen, dass ich mir schon bei geringer Anhebung der Höhen den Kopfhörer herunterreißen möchte. Ähnlich verhält es sich beim Low-Shelf. Es dröhnt und von Druck keine Spur. Lediglich das Peak-Filter bei 2,5 kHz scheint seinen Job einigermaßen gut zu erledigen.

Ich entschließe mich, der EQ-Sache auf den Grund zu gehen und mache einige Messungen. Die Messungen unterstreichen das Gehörte eindrucksvoll: Während bei ausgeschaltetem EQ alles sehr linear ist, greift der High-Shelf schon weit, weit unten in das Geschehen ein. Bei maximaler Anhebung reicht er runter bis 600 Hz. Ähnlich ist es beim Low-Shelf. Dieser beeinflusst bei maximaler Anhebung Frequenzen bis hinauf zu 1 kHz. Natürlich relativiert sich das etwas bei geringerer Anhebung, dennoch ist der Effekt in beiden Fällen mehr als deutlich hörbar. Auch das Peak-Filter bei 2,5 kHz bestätigt sich als recht breit angesetzt, was allerdings auch erheblich musikalischer klingt als ein schmales Filter, denn durch die Festfrequenz lässt es sich ohnehin kaum für gezielte Korrekturen einsetzen. Für meine Ohren ist dieser EQ jedenfalls kaum zu verwenden. Insbesondere mit dem Höhenregler sollte man sehr, sehr vorsichtig umgehen.

Den trotz Stummschaltung des Kanalzugs weiterklingenden Hall hatte ich bereits erwähnt. Nervig ist auch, dass abseits des Main-Mix-Ausgangs die Klinkenausgänge für ALT 3/4 und Control-Room unsymmetrisch ausgeführt sind. Selbst günstige Studiomonitore verfügen heutzutage über symmetrische Eingänge.

Immerhin geht das Einschalten der Phantomspeisung geräuschlos vonstatten, das bekommen andere Kandidaten in dieser Preisklasse häufig nicht so gut hin.

Der Kompressor geht sehr gutmütig zu Werke. Dreht man ihn stark auf, erhöht sich die Lautstärke des Signals deutlich und in Pausen wird das Rauschen hervorgehoben. Das ist recht typisch für One-Knob-Kompressoren. Für eine leichte Glättung des Pegels reicht ein solcher Kompressor jedoch vollkommen aus. Effektbearbeitungen sind allerdings nicht seine Sache.

Fazit

Beim Behringer Xenyx X1204 USB handelt es sich um ein typisches Kleinmischpult. Es eignet sich mit kleineren Abstrichen für kleinere Gigs oder für das Recording zuhause. Abstriche machen muss man beim EQ und beim Routing der Effekte. Schade, denn der Klang ohne den EQ ist durchaus ansprechend. Die vollmundig versprochene Boutique-Qualität bekommt man jedenfalls nicht. Der USB-Anschluss ist nicht auf der Höhe der Zeit und die Effekte werden in klanglicher Hinsicht von Plug-ins oder den Haus und Hof Effekten der gängigen DAWs übertroffen, was aber auch für die Konkurrenz gilt. Stichwort DAW: Wer möchte, kann sich auf der Behringer Website ein Software-Paket für den eigenen Rechner mit einigen Effekten, Plugins, Plugin Host und Audacity herunterladen. Für die ersten Gehversuche in der digitalen Audiowelt am Computer sollte das reichen. Unterm Strich ist das Behringer Xenyx X1204 USB ein Einstiegsmodell, das einfache Aufgaben klaglos erledigt, jedoch auch schnell aufgrund seiner Schwächen wie dem EQ oder dem Effekt-Routing den Wunsch nach einem besseren Modell aufkommen lässt. Als Audiointerface Ersatz taugt es aufgrund von USB 1.1 nur bedingt. Interfaces in gleicher Preisklasse bieten erheblich mehr. Alternativen gibt es viele, die dafür aber in der Regel auch in der nächsthöheren Preisklasse spielen. Genannt seien zum Beispiel das Soundcraft EFX 8 oder Signature 10 oder Signature 12 MTK, Mackie Pro FX10 V3 oder die diversen Mischpulte von Alto. Umschauen und ausprobieren lohnt sich bestimmt. Unterm Strich bleibt, nicht zuletzt aufgrund der viel zu vollmundigen Werbeversprechen, die am Ende nicht gehalten werden können, ein gemischtes Gefühl. Doch der Preis ist definitiv heiß.

Plus

  • reichhaltige Ausstattung
  • ALT 3/4 Bus
  • SOLO IN PLACE
  • Verarbeitung gemessen an der Preisklasse
  • Meter für den FX-Eingang im Master
  • Klang (ohne EQ)
  • Preis

Minus

  • EQ
  • FX klingen trotz Mute weiter
  • USB 1.1
  • ALT 3/4 Bus nicht auf den Master routbar (Subgruppen-Funktion)
  • Bedienungsanleitung lückenhaft

Preis

  • 145,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Das Gerät gibt es unverändert seit Februar 2010, ist also schon zehn Jahre und zwei Monate im Verkauf. Geräte mit USB 2.0 gab es ab 2002 (WIKI).
    Es ist aber unverändert beliebt, siehe Verkaufsrangliste für Kleinmixer, Platz 3 (T).
    Um so erstaunlicher das es erst jetzt einen Test darüber gibt.
    Bei zukünftigen Tests sollte der Fairness gegenüber dem Hersteller das Alter nicht verschwiegen werden und vielleicht auch gleich am Anfang des Tests stehen.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Stimmt. Ist mir nicht aufgefallen, wenn ich auf die Thomann Website geschaut hätte. Ich war zu sehr damit beschäftigt, mich wieder einmal über die extrem lückenhafte Bedienungsanleitung zu ärgern. Hätte mir aber auffallen können, denn es gibt für diesen Mixer immerhin außer dem Quick Start Manual online noch eine Bedienungsanleitung. Bei keinem neueren Gerät ist das so. Im Manual stand keine Revision, habe gerade noch einmal geschaut, sonst wäre mir das wahrscheinlich auch aufgefallen. Aber im Prinzip ist das auch egal, denn der Mischer wird immer wieder so beworben als wäre er gerade erst erschienen und scheint ja auch nach wie vor gekauft zu werden. Deshalb wahrscheinlich auch der Testvorschlag durch die Redaktion.

  2. Profilbild
    Dave the Butcher  AHU

    Ich hoffe dass sich die Fertigungsqualität gebessert hat. Ich hatte zu Beginnzeiten einen Familienangehörigen, den ich 2 – 3 mal normal auf den Tisch gestellt habe und die Lötstellen beinahe aller Potis / Fader waren abgegangen. Daher rührt meine grundlegende Skepsis gegenüber B. Mein Mackie hat keine Macken.

  3. Profilbild
    neolein

    Ich benutze seit etwa 8-10 Jahren das XENYX1002FX (mit +48V), also den kleinen Bruder des 1204 und 1202.
    Damit mache ich (für meine Ansprüche) gute Gesangs Aufnahmen mit

    – einem BM-800 Kondenser am XLR Channel1
    – einer Cinch Verbindung vom Tape out zur externen Behringer U control UCA202
    – den U control über USB zum ASUS Rog Laptop mit Cubase Elements
    – zum Abhören ein Creative Fatal1ty Headset am U control

    Das System ist minimalistisch, aber äusserts stabil, sehr langebig und sehr flexibel. An das Pult kann ich beliebige Instrumente anschließen.

    Für den Fall eines alten Key oder Synths mit lediglich MIDI Anschluss, habe ich einen MIDI to USB Adapter, der sehr gut funktioniert.

    Der Gain auf Channel 1 ist sehr vorsichtig zu genießen, er rauscht sehr hörbar das stimmt. Nach Lesen dieses Artikels habe ich es aber mal ohne versucht und es funktioniert.

    Was ich noch nicht geschafft habe, dafür bin ich veilleicht zu sehr Laie, über dasMic am Headset Gesang aufzunehmen, über das Line IN auf Channel 2.

    Der grüne Stecker vom Fatal1ty ist für das U Control, der Rote sollte Signale an den Channel 2 geben schafft er aber anscheinend nicht, auch wenn ich den Gain auf Max stelle.

    Der XENYX hängt am Netzteil und 3-pol Mini DIN Stecker, und hat leider KEINEN Power Schalter. Vielleicht hänge ich mir noch einen Kippschalter dazwischen.

  4. Profilbild
    Vati  

    Seltsamer Test.
    Mit einem SM58 ein Mixer testen ?
    Sprache oder Gesang dann nur mit dem DT770 beurteilt oder auch über PA / Monitor Boxen ?
    Mal eine andere Tonquelle eingespielt?
    Bass und Höhenfilter greifen tatsächlich schon sehr früh in das zu bearbeitende Frequenzspektrum ein. Ist halt Shelving mit breiter Auslegung. Den einen gefällts und der andere kann damit nichts anfangen. Und bis zu 15db ist eben auch heftig. Das ist aber keine Schwäche.
    Wenn die Aufgabenstellung war, ein 10 Jahre altes Behringer Teil in die Tonne zu treten, ist das jetzt gelungen, hätte man dann aber schon vor 9 Jahren machen können.
    Grüße von Vati

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Hallo,
      schade, dass Du das seltsam findest. Das SM58 ist das Mikrofon mit den weltweit höchsten Verkaufszahlen und gehört zu den am meisten von Hobbymusikern und Profis genutzten Mikrofonen. Gerade die älteren SM58 (von denen ich zwei Stück besitze) haben einen recht geringen Output und erfordern wesentlich mehr Gain als zum Beispiel mein Sennheiser e945 oder mein Neumann-Gesangsmikrofon. Man kann damit sehr gut Mikrofonvorverstärker testen und es gehört deshalb fest mit zu meiner Testroutine. Natürlich gehört auch der Test an Lautsprechern mit dazu. In Corona-Zeiten kann ich das nicht mit einer PA machen, sondern es passiert dann halt mit der Studio-Abhöre und einem Kopfhörer. Die „Tonquellen“ sind auch immer gleich. Musik, Sprache/Gesang – teils live, teils aus der Konserve. Es sind bei mir auch immer die gleichen Titel, so kann ich gut vergleichen. Der Auftrag war nicht, das Mischpult in die Tonne zu treten. Warum auch? Es ist ein fairer Test – übrigens mit dem Vergleich zum noch älteren Originals von Mackie. Gleiche EQ-Eckfrequenzen, gleiches Layout – erheblich bessere Verarbeitung und Ausführung der Features und tatsächlich mit guten Vorverstärkern. Wer sich „Boutique“ auf sein Produkt schreibt, muss sich auch daran messen lassen. Meine Meinung.

      • Profilbild
        neolein

        Das Mackie 1202 hatte ich auch, vor dem Behringer, irgendwann hatten mich die Features am Behringer dann so gereizt (FX, Routing, EQ), dass ich zugeschlagen hatte.
        Allerdings war die Audioqualität beim Macki um Welten besser, bei der Anhebung des Gain gabe es quasi kein Rauschen.
        Dafür war es preislich allerdings auch in einer anderen Liga.

  5. Profilbild
    Hein Bloed  

    Dumme Frage: Üblicherweise mischt man als Homerecorder den ganzen komponierten Krempel innerhalb der DAW. Macht es Sinn, dafür ein Hardware-Mischpult einzubinden, z.B. weil Analog doch besser als Digital klingt?
    Wenn ja, wie realisiert man das technisch (Verkabelung mit Audio-Interface, Zuordnung Kanäle)?

    • Profilbild
      Coin  AHU

      Ein Mischpult ergibt nur mit externem Equipment Sinn.
      Ich habe zum Beispiel keins, weil ich nur mitm Notebook und
      Audiointerface arbeite.

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      Markus Galla  RED

      Das macht heute keinen Sinn mehr. Analoges Outboard wie EQs, Kompressoren und Effekte wird einfach per Interface in die DAW eingebunden. Ein anderes Thema ist die analoge Summierung, die davon ausgeht, dass am oberen Ende der Gain-Skala sich ein analoges Signal anders verhält als ein digitales. Summieren bedeutet Addition und addiert man viele digitale Signale mit Vollaussteuerung, kommt man auch bei 24 Bit schnell an die 0 dB FS. Reduziert man dann in allen Kanälen die Pegel, reduziert man auch Auflösung. Hier setzt das analoge Summieren an, bei dem die Signale aus dem Interface analog zusammengemischt und dann die Summe wieder digitalisiert wird. Das können die Gruppen vor dem finalen Mix sein, aber auch die Einzelsignale für einen Drum Bus. Man nutzt hier sozusagen den Sweetspot. Dangerous Music bauen gute Summierer.

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        Marco Korda  AHU

        Genau. Für’s reine Homerecording und gemessen an den Ansprüchen dürfte das Summieren nicht immer sinnvoll sein. Der Einsatzzweck ist zu berücksichtigen.

        Summierer sind mehr oder weniger auch „nur“ Mixer. Dangerous Music machen tolle Sachen. SPL wäre noch zu nennen, auch Tegeler hat was, mit Röhren. Da kann man ein neues Kapitel aufschlagen. Und irgendwie passt das nicht zu dem genannten Behringer-Mixer hier. Das ist dann nun doch mal ne ganz andere Liga. Trotzdem ein schönes Thema :-)

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          Coin  AHU

          Und wenn man an der Soundkarte noch Eingänge frei hat,
          dann kann man immer noch Geräte anschließen.
          Ganz ohne Mixer.

        • Profilbild
          Markus Galla  RED

          Ganz genau. Wenn man noch irgendwo den genannten Mackie 1202 VLZ herumstehen hat, kann man den prima als Summierer missbrauchen, zumal die Kanäle 1-4 über Inserts verfügen. Über den ALT 3-4 Bus, der einen eigenen Ausgang hat (alles symmetrisch), kann man dann sogar verschiedene Bus-Kompressoren einschleifen, bevor es wieder zurück ins Interface geht. Das ist definitiv die günstigere Lösung als ein Dangerous Music Summierer. Ich habe das vor einiger Zeit mal ausprobiert. Das Ergebnis klingt doch deutlich anders, besonders, wenn man den Mixer sehr heiß anfährt. Für das Bilden einer Drum-Gruppe ist das eine Alternative zur digitalen Summierung. Und bei Mackie hält sich das Rauschen tatsächlich in Grenzen.

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            Marco Korda  AHU

            Hmmm. Da ich ein Mackie-Mischpult als auch einen Summierer habe, mache ich vielleicht mal eine Leserstory draus :-). Bin interessiert, ob das Mackie-Signal das ähnlich oder genauso gut hinbekommt wie der „Profi“-Summierer

            • Profilbild
              Markus Galla  RED

              Wäre doch mal interessant. Wichtig wären dann auch Messungen, also mit REW oder FuzzMeasure oder so mal einen Sinus-Sweep auf einen der Eingänge geben und am Ausgang wieder abgreifen. Interessant ist, wie sich beide bei Vollaussteuerung verhalten und wie das summierte Signal aussieht, wenn man auf allen Eingängen mit maximalem Pegel reingeht. Man müsste dann die Verzerrungen am Ausgang messen und schauen, wie sich die Obertöne verhalten, die generiert werden.

  6. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Solche Klein-Mixer werden ja auch gerne von Keyboardern genutzt, wo die Klangregelung und die Mic-Amps nicht so wichtig sind. Ich selber nutze drei unterschiedliche Behringer Mixer (und einen Korg KMX-8), die seit Jahren einwandfrei arbeiten…

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Das ist richtig. Ich würde da aber eher spezialisierte Line-Mischer empfehlen, die dann gar nicht erst über eine Klangregelung verfügen. Jedes Bauteil im Signalweg verändert immer auch den Klang, selbst dann, wenn die EQs ausgeschaltet bleiben. Es gibt kaum Geräte, die tatsächlich einen Hard Bypass haben.

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