Test: Black Lion Audio B12A MK3, Mikrofonvorverstärker

23. Dezember 2020

Die Raubkatze zeigt Zähne

black lion audio b12a mk3 test

Black Lion Audio B12A MK3, Mikrofonvorverstärker

Diesmal ist der kleine Vorverstärker Black Lion Audio BLA B12A MK3 bei mir zu Gast – und ich möchte gleich zu Anfang mal eine Lanze brechen und zwar für den Hersteller Black Lion Audio, denn – so rein emotional – wird der US-Hersteller rund um CEO Nate Biederman irgendwie unterschätzt. „Die bauen doch nur Sachen nach,“ höre ich immer wieder oder: „Das sind doch die, die das Audiozeugs modifizieren, oder?“ Zumeist höre ich aber: „Kenn ich nicht!“ sind Und das ist schade, denn ich habe schon einiges von denen in meinem Studio gehabt und jedes Mal dachte ich mir, dass die Sachen a) preiswert, b) gut verarbeitet und – das Wichtigste: c) wirklich gut klingen. Astreine Messwerte, innovative Technik und ein sehr sympathischer amerikanischer Stil. So wie man es beispielsweise von Tesla kennt. Höchste Professionalität verbunden mit einer Spur Humor und am Ende auch immer ein gutes Ergebnis. So war es mir zuletzt eine sehr große Freude, den B172A Kompressor von Black Lion Audio im Studio zu haben, den ich auch heute noch gerne empfehle!

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Diesmal darf ich mich über den kleinen Vorverstärker BLA B12A in der neuesten Entwicklungsstufe Mark 3 freuen. Und genau das tue ich schon, wenn ich das Gerät auspacke. Eine coole, sehr professionelle Verpackung und immer (!) ohne Anleitung. Wie bitte? Na ja, da ich die Sachen meist direkt frisch aus der Fertigungshalle bekomme, sind die meist noch nicht mit dem Benutzerhandbuch fertig. Da aber die Geräte auch in der Regel selbsterklärend sind, stellt das im Test auch normalerweise kein Problem dar. Also dann: Was ist der Black Lion Audio B12A MK3? Wie ist er und wie klingt er?

BLA B12A MK3: Verarbeitung und Ausstattung

Der Black Lion Audio B12A ist ein Single-Channel-Vorverstärker für Mikrofone und Instrumente (Hi-Z) in der 500,- Euro Klasse. Für die aktuell aufgerufenen 489,- Euro darf man schon einiges verlangen, denn in diesem Preissegment herrscht dichtes Gedränge. Bei meinem Test der 500,- Euro Preamps im Februar 2020 durfte ich Kandidaten testen, die mit einem vollen Ausstattungspaket glänzten. Ein Focusrite ISA One, mit seinem fetten VU-Meter oder ein Warm Audio TB12 mit trickreicher Klangschaltung haben da schon toll vorgelegt. Der Black Lion Audio ist da eher vergleichbar mit einem Preamp von FMR. Sehr reduzierte Ausstattung und volle Konzentration auf den Klang.

Preamptest_FMR_front

So findet man am Black Lion Audio B12A MK3 auch nur einen Power-Schalter, eine 48 Volt Speisung, einen Phasenumkehrschalter und eine PAD-Funktion zur Pegelabsenkung. Dazu einen Gain-Regler (der wirklich super sahnig läuft) und einen HI-Z Instrumenteneingang, der über einen Schalter aktivierbar ist.

Black_Lion_Audio-B12A_front

Die Rückseite ebenso – oder noch viel mehr überschaubar. Ein TRS-Out und ein XLR-In. Dann eine rein analoge und mit einem Schraubendreher zu bedienende Ground-Schraube und – was ich wirklich schade finde – eine Buchse für ein externes Steckernetzteil. Leider auch ohne Steckerverriegelung und irgendwie auch besser für einen 99,- Euro Bluetooth-Speaker geeignet. Nein, Mr. Biederman: Für 489,- Euro bitte auch ein Netzteil beilegen, das zumindest etwas wertiger aussieht. Über die Funktion kann ich nicht klagen – das Gerät hat hier im Studio bestens funktioniert, aber im Kapitel „Bang for the buck“ kann das Netzteil nicht punkten.

Black_Lion_Audio-B12A_back

Dafür ist die Verarbeitung des Gehäuses superb: Hochwertige Schalter, alles bombenfest und perfekt sitzend und auch die Buchsen sind in bester Qualität. Eine Freude ist auch das tolle BLA-Logo, das man aber auch irgendwie mit einem Totenkopf verwechseln kann und das sehr hochwertig auf die Deckplatte gedruckt wurde. Leider wird man das nicht so oft sehen, denn das Gerät wurde im Half-Rack-Format konzipiert: Es können also zwei dieser Preamps in eine 1 HE, 19″ Einheit geschraubt werden. Allerdings wurde auf eine Stereofunktion (Linking) verzichtet. Zwei BLA B12A MK3 sind also immer Doppel-Mono.

Was mir persönlich fehlt, ist ein Mute-Schalter, denn gerade bei Mic-Preamps kann man hier manchmal die Speaker (oder das Trommelfell) vor der Zerstörung retten. Und was auch schade ist: Der Black Lion Audio B12A MK3 gibt keinerlei Feedback. Keine Skalierung am Gain-Regler (es werden immerhin 70 dB Dynamik angegeben) und keine einzige LED, die einem ein optisches Feedback gibt, ob man schon im Distortion-Bereich ist oder wie heiß man den Preamp anfährt. Ja, ein erfahrener Toningenieur mag das hören, aber warum so elitär, wenn sogar FMR seinen Preamps eine rote Peak-LED spendiert?

Black_Lion_Audio-B12A_schraeg

BLA B12A MK3: Die Geschichte

Ja, auch der B12A ist ein Nachbau – genau genommen eine Hommage an den 312A von API, aus dem wiederum der 312 von BEA entstand. Dieser wird gerne in einem Atemzug mit dem Neve 1073 genannt, alles Preamps, die gerne als Mikrofonvorverstärker für Gitarre und Gesang verwendet werden. Der überwiegende Tenor lautet: Nimm den 312, wenn du Präsenz und strahlende Mitten suchst. Der Neve 1073 wird eher als dicker und wärmer beschrieben und dieser sehr allgemeinen Einordnung kann ich auch folgen. In Gitarrensprache: Der 312 ist die Strat, also hell und klar, während der 1073 eher die Les Paul unter den Preamps ist: Dicke Humbucker für vollen Sound. Von der Schaltungstechnik ist der 312 auch etwas einfacher gehalten, während Rupert Neve deutlich mehr „Engineering“ in seine 1073 gesteckt hat.

Kurzum: Die Schaltungstechnik, die im Black Lion Audio B12A MK3 steckt, ist absolut legendär und wird in den etablierten Studios dieser Welt regelmäßig eingesetzt.

Black_Lion_Audio-B12A_innen

Saubere Verarbeitung (hier noch die Mk2 Version)

Der Klang

Ich habe den B12A direkt in meinen Universal Audio Apollo TWIN X gesteckt und sowohl mit dessen internen, prozessorunterstützten Preamps verglichen, wie mit dem superben SSL SiX, der mir ein treuer Begleiter im Studio geworden ist. Ich habe meine E-Gitarre in meinen Tests entweder direkt über HI-Z angeschlossen oder habe über ein Shure SM57 und meinem VOX AC15 aufgenommen. Digital floss das Signal dann in Universal Audio LUNA und dies wurde als unkomprimierte WAV-File (96 kHz) ausgegeben. Als Gitarre habe ich meine B&G Little Sister verwendet und zwar nur mit dem Hals-Pickups (P90).

Black_Lion_Audio-B12A_Headphone

Überraschend für mich: Sowohl der Black Lion als auch der Universal Audio TWIN X klingen auf Augenhöhe. Während man zwischen dem Apollo und dem BLA über den Hi-Z Eingang nur sehr wenig Unterschiede hört, klingt im direkten Vergleich der SSL SiX doch um einiges wärmer und kraftvoller  (Superanalogue Channelstrip ohne Kompressor oder EQ). Aber auch das Kopf an Kopf Rennen mit dem Apollo TWIN X spielt auf einem sehr hohen Niveau: der BLA 12A ein wenig klarer und dynamischer und der Apollo etwas runder.

Dann der Vergleich über den MIC-Preamp mit dem Shure SM57 und auch hier ein ähnliches Bild: Der SSL SiX mit dem runden, vollen Klang, reich an Oberwellen, ohne dabei dumpf zu wirken. Die anderen beiden Kandidaten etwas schlanker und heller im Timbre.

SSL-SiX_table

Auf meinem Studiotisch

Insgesamt also ein Patt zwischen dem Apollo und dem BLA 12A, während der (deutlich teurere) SSL die Nase im direkten Vergleich vorne hat.

Interessant dann noch der High-Gain-Bereich des BLA 12A und hier war ich wirklich überrascht: tolle Verzerrung, für einen klassischen analogen Preamp außerordentlich gut und eine echte Alternative zu einem aufwendigen Setup mit Combo und Mikrofonen. Weder der SiX noch der Apollo konnten so eine schöne Verzerrung abliefern. Erst als ich im TWIN die Unison Preamps aktivierte, konnte ich ein vergleichbares Ergebnis erreichen. Ich freue mich immer sehr, wenn die analoge Technik hier vorlegt!

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Als Conclusio hat mich auch hier der Black Lion Audio nicht enttäuscht. Die kleinen Unzulänglichkeiten, wie das sehr einfache Netzteil und die magere Ausstattung werden mit einem sehr guten und klaren Klangbild mehr als aufgehoben. Ich freue mich auf weitere Black Lion Geräte und kann nur empfehlen, diese einmal auszuprobieren!

Fazit

Black Lion Audio hat mit dem BLA B12A MK3 wieder mal gezeigt, dass sie ihr Handwerk verstehen. Das schwarze Kästchen ist nicht nur gut verarbeitet, sondern klingt auch wirklich sehr gut. Ganz besonders ist dabei seine High-Gain-Fähigkeit zu erwähnen, die auch anspruchsvolle Gitarristen zufriedenstellen wird. Die Ausstattung ist dabei sehr spartanisch und somit sehr nahe am Vorbild, wobei ich für den Preis auch gerne einen Mute-Schalter oder eine Peak-Anzeige gesehen hätte.

Aber alles in allem: Ein sehr hochwertiger Preamp, der sich gut in der 500,- Euro Klasse behaupten kann!

Plus

  • sehr guter Klang - auch im High-Gain-Bereich
  • gute Verarbeitung
  • sehr rauscharm

Minus

  • spartanische Ausstattung
  • nur ein einfaches Steckernetzteil
  • kein Benutzerhandbuch (zum Testzeitpunkt)

Preis

  • 489,- Euro
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