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Test: Bricasti M7


Bricasti M7

Als die neue amerikanische Firma Bricasti auf der NAMM 2007 ihr erstes Produkt – einen neuen HighEnd Hardware Hall- vorstellte, brodelten umgehend die Gerüchteküchen hoch, da sich die beiden Entwickler Brian Zolner und Casey Dowdell als ehemalige Mitentwickler Lexicons outeten. Kaum ist die Auslieferung ein paar Tage angerollt, tummeln sich auch schon die ersten Lexicon PCM91s auf ebay. Manch einer behauptet gar, es handle sich um einen 960L-Killer und Brian und Casey hätten in ihrer Zeit als Lexicon-Entwickler die Hardware-LexiChips "reverse engineert", um sie in DSP-Code zu portieren. Ohne wirklich hinter die Kulissen schauen zu können, könnte das Ausscheiden von Brian und Casey der Grund dafür sein, warum es bis dato keinen PCM91 Nachfolger auf Basis eines 960L gibt. Was an diesen Gerüchten dran ist, werden wir in den folgenden Zeilen lüften.

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Model 7

Durchstöbert man das Internet oder hört sich in der Szene um, so gibt es kaum einen, der nicht vom Klang des neuen M7 ins Schwärmen gerät. Lediglich in einem Forum lästert man, wahrscheinlich ohne es je wirklich gehört zu haben. Immerhin sind bis vor drei Wochen nur 14 Geräte nach Europa geliefert worden und die Auslieferung rollt erst jetzt richtig an. Sicher loben es viele ebenso, ohne es gehört zu haben. Ein Hype eben. Unten in den Beispielen können Sie sich aber selber ein Klangbild machen, welches Sie -versprochen- sicher nicht enttäuschen wird.

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Aufbau

Doch zunächst kommen wir kurz auf die Hardware zu sprechen. Das M7 ist sehr robust in einem Edelstahl-Gehäuse untergebracht, welches von einer gefrästen Aluminium-Frontplatte in sehr schlichtem Design aufgehübscht wird.

Die Bedienelemente fassen sich allesamt höchstwertig an, so sind das Poti und der Encoder beide fest verschraubt und beide machen einen äußert langlebigen Eindruck.

Das Display mutet hingegen etwas vintage an und erinnert mit der roten Floureszenz etwas an die Lexicon LARC, ob Ode oder nicht lesen Sie im Interview. Für den analogen Eingang steht ein 11-stufiges Poti zur Gainanpassung zur Verfügung. Die Parameter-Justage erfolgt über einen nicht gerasterten, sehr leichtgängigen Encoder und auch der Powerschalter ist interessanterweise ein Drehschalter. Alle Bedienelemente, auch die Taster, sind aus Aluminium gefertigt.

Rückseitig finden wir je zwei analoge XLR Ein- und Ausgänge, einen XLR AES3 Ein- und Ausgang, sowie je einen weiblichen und männlichen Sub-D 9-Pin Anschluss für die M10, eine Ende des Jahres von Bricasti vorgestellte Remote für bis zu vier M7, die dann auch als Surround-Quartett oder -Trio arbeiten können.

Die MIDI Schnittstelle liegt derzeit leider noch fast brach. Wie man also vor einem Betriebssystem-Update seine Daten sichern soll, ist fraglich. Ebenso gib es hierdurch auch keine Möglichkeit, das M7 über einen MIDI-Controller fernzusteuern, was ich sehr bedauere. Hoffentlich lässt sich Bricasti nicht dazu hinreißen, dem Anwender eine solche Funktion vorzuenthalten, um ihre M10-Remote besser verkaufen zu können!

Im Inneren findet das geschulte Auge drei getrennte Platinen für die Stromversorgung, die DSPs und die AD/DA-Wandler, was spontan die Idee hervorruft, sich ein M7 Modell ohne analoge Ein- und Ausgänge zu einem günstigeren Preis zu wünschen. Denn die Wenigsten werden das M7 im Studio heute noch analog betreiben. Das ADA Board ist sehr aufwändig gestaltet und mit AD8510 OpAmps, gleich zwei AD1955 sowie einem AKM5394 und mehreren Relais zur Schaltung der Eingangslautstärke in 2 dB Stufen ausgestattet.

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Klangbeispiele

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    Moritz

    Seit langem mal wieder ein Test der kein Blatt vor den Mund nimmt. So wünsche ich mir das. Vor allem das Interview ist aufschlußreich und widerlegt die meisten Gerüchte, sehr gut!

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    Mirco Dalio

    Guter Testbericht. Haben Sie auch Klangbeispiele von dem Lexicon 960L und Quantec? Ich hätte den den M7 gerne im Vergleich gehört.

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    Holger Siedler

    Kommentar ist soweit OK. Bezüglich der frühen Reflexionen, die hier etwas kritisiert werden, bin ich anderer Ansicht. Genau diese Umsetzung der Klangverdichtung vor dem eigentlichen Hall ist hier nahezu genial gelungen und im Verbund der anderen Teilalgorythmen
    dichter und natürlicher als TC-6000 sowieo… als auch 960.

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    ralf

    also ich hab den m7
    und er ist mit abstand das beste hallgerät auf dem markt, wer was anderes sagt hat halt keine ahnung oder ein defektes gehör.
    verglichen mit den 1000 anderen reverb-boxen am markt, ich rede nicht von plugins, die haben eh keine chance gegen gute hardware
    ist der m7 ein traum !

  9. Profilbild
    psv-ddv ••••

    Super bericht, ich schliesse mich der Bewertung des Autors voll an. das gilt auch für die mittlerweile erhältliche „V2“ Firmware.
    Ich hatte den M7 bereits zwei mal für einige Wochen als Demo im Studio, da ich ihn mir anschaffen wollte. Beide Male habe ich ihn zurückgeschickt, da er mir zu weichgespült klingt. Wie ein Lexicon mit Zuckerguss drüber. Das führe ich auf die im Bericht erwähnte Gestaltung der ERs zurück. Realistisch klingen die nicht wirklich. Für meine Anwendung überhaupt nicht schlimm, das Bricasti M7 klingt ohne Zweifel sehr gut, entspricht aber letztendlich einfach nicht meinem Geschmack. Als Vergleichsreferenzen waren bei mir PCM96,92,82, 480L,224xl,224,QRS, Yardstick2496, RMX16, AKG ADR, Altiverb am Start.
    @Ralf: 1000 „reverb-boxen“ hatte ich leider nicht zur Verfügung. Aber gut, daß ich jetzt weis, dass mein Gehör „defekt“ ist. :)))

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      pmm AHU

      > Als Vergleichsreferenzen waren bei mir PCM96,92,82, 480L,224xl,224,QRS, Yardstick2496, RMX16, AKG ADR, Altiverb am Start.

      Das nenne ich einmal einen Vergleich. Da fehlt nicht viel. Beim AKG bin ich mir jetzt nicht sicher, welches ich letztens bei swissdoc hören durfte. Dessen Klang war ein Traum. Bestimmt nicht für jede Anwendung geeignet, aber solo einfach wunderschön. Den M7 fand ich so lala, müsste ich aber im Mix hören. Da finde ich z.B. das Roland R-880 unterbewertet.

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        psv-ddv ••••

        Ja, Hallvergleiche finde ich super spannend. Gerade algorithmische Hallgeräte klingen ja eher hyperrealistich als realistisch und sind für mich auch voll im Bereich Klangkunst anzusiedeln. Daher ist die alte, raue Digitaltechnik dem Hallklang auch oft eher förderlich als der heutige blitzsaubere 24/96 delta-sigma Klang.
        Das AKG das Du bei Swissdoc gehört hast wird ein ADR68k gewesen sein. Weitere Hallgeräte hat AKG meines Wissens nach nicht gebaut. Das Teil klingt in der Tat wunderschön. Luftig und offen. Definitiv ein Geheimtipp. Mit dem R-880 bin ich nie warm geworden, vielleicht bin ich Rolandmässig vorbelastet. Das SRV330 war mein erstes richtiges Hallgerät, hat mich aber enttäuscht. Es konnte dem internen Hall meines ASR10 Samplers nie das Wasser reichen. Das R-880 muss ich mir bei Gelegenheit nochmal in Ruhe anhören.
        Das M7 funktioniert im Mix schon sehr gut, auch wenn es nicht den grossartigen Mix-Verschmelzungs-Effekt liefert wie das 480L. Das M7 ist mittlerweile auf so gut wie allen Hollywood Produktionen zu hören. Aber genau wie früher beim 480L will man seine Produktion ja vielleicht nicht unbedingt mit dem o8-15 Hallstandard glattbügeln, auch wenn er gut funktioniert.

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        swissdoc RED

        Peter hat bei mir in der Tat ein AKG ADR68K gehört. Und zwar den Hall-Algoritmus, der gemäss Internet Wissen stark auf dem Lexicon Hall-Algoritmus aufbaut. AKG hat noch einiges an Hallgeräten produziert, allerdings analoge Feder-, Platten- oder Folien-Geräte. Auch wurde zumindest ein Halltank im OEM Bereich vertrieben (Swissecho 2000 mit AKG BX-15 Tank). Das ADR68K sollte man aber eher Ursa Major zurechnen, es handelt sich vermutlich um eine verbesserte Version des 8×32.

        In Sachen Bricasti hat Peter ein Plate-Preset gehört und da ich das Gerät erst kurz mein Eigen nennen darf, bin ich noch nicht so vertraut mit der Kiste. Allerdings haben ihm die paar Presets vom PCM-92 dann doch besser gefallen.

        Kennt jemand die Midi-Specs vom M7? Es gibt ja ein VST zum Fernsteuern und wie es scheint, hat Bricasti die Commandos nicht dokumentiert und versucht so offenbar dieses VST zu promoten, oder die Kunden zur Remote zu treiben, die witzigerweise die Menubedienung einfach nur kopiert und keine Regler bietet, wie das die meisten anderen Remotes so tun.

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    psv-ddv ••••

    Korrekturen, ich war wohl heute morgen noch etwas neben der Tasse. Wollte sagen: „Weitere Digitalhallgeräte hat AKG meines Wissens nach nicht gebaut.“ Analog gibt es da natürlich Einiges.
    Verleichsreferenzen waren PCM96, PCM91 und PCM81, etc.pp. Ein PCM82 gibt es nicht. sorry.

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Test: Bricasti M7

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