Test: Dreadbox Murmux Semi-Modular & Initiate, Analogsynthesizer

Abgesehen von der eigenwilligen Hüllkurve gibt es bei der Bedienung keine Schwierigkeiten, es sind ja auch nicht all zu viele Regler oder Schalter vorhanden. Positiv ist, dass der Pegel bei fast allen Einstellungen gleich bleibt, nur wenn die Resonanz voll aufgedreht wird, muss man auf den Gain seines Audiointerfaces aufpassen. Doch ansonsten agiert der Synthesizer so ausgewogen, dass man sich einen Kompressor sparen kann. Mit Initiate arbeitet man sehr zielstrebig und erhält schnell den gewünschten Klang.

Initiate back

MIDI-Update

Momentan ist die MIDI-Steuerung derart rudimentär, dass noch nicht einmal Daten von einem Pitch Wheel verarbeitet werden. Von Dreadbox erhielt ich die Auskunft, dass es im Herbst ein Update geben soll, dass vom Anwender leicht selber zu installieren ist. Dann werden auch Pitch- und Modulationsrad erkannt, der MIDI-Kanal, derzeit auf 1 festgelegt, soll wählbar sein und möglicherweise wird der Spielbereich eine zusätzlich Oktave erhalten.

Ansteuerung via MIDI oder CV/Gate

Ansteuerung via MIDI oder CV/Gate

Fazit

Da ich die beiden Dreadbox Murmux Synthesizer nur unter Vorbehalt testen konnte, bleibt die es bei einer vorläufigen Wertungsvergabe (siehe Sterne). Doch auch in diesem Zustand konnten die beiden Geräte durchaus begeistern. Semi Modular ist ein recht flexibler Synthesizer, der vor allem mit seinem (HP)-Filter einen eigenen Charakter herausstellen kann. Initiate definiert sich als Synthesizer mit Gradlinigkeit, der ein begrenztes, aber hochwertiges Klangpotential generiert.
Die Dreadbox Murmux Synthesizer haben durch die Handfertigung und das extravagante Äußere fraglos Charme, doch schlägt sich das auch in einem höheren Preis nieder. Da hat speziell Initiate einen nicht einfachen Stand. Der konzeptionell ähnlich Moog Minitaur hat mehr Ausstattung, Speicherplätze, deutlich bessere MIDI-Implementation (einschließlich CV-to-MIDI) und ist derzeit für ganze 200,- Euro weniger zu haben. Außerdem tummeln sich viele weitere Analogsynths im unteren Preissegment: Vermona Mono Lancet, MFB Kraftzwerg MKII, Waldorf Pulse 2 etc.
Etwas souveräner steht Semi Modular da, denn als Halbmodularer hat er momentan kaum direkte Konkurrenz. Im weiteren Sinne könnte man die Tastatursynthesizer Korg MS20 mini (deutlich günstiger) oder MS20 Kit (deutlich teurer), vielleicht auch MFB Dominion 1 in Betracht ziehen, doch die strukturellen Unterschiede sind hier schon weitergehend.
Alles in allem sind die Dreadbox Murmux Synthesizer zwar kein must-have, aber sicherlich eine gute Wahl, wenn man einen charakterstarken Analogsynth sucht. Sofern alle Verbesserungen seitens des Herstellers wie versprochen inzwischen umgesetzt wurden (das sollte man unbedingt vor dem Kauf abchecken!), ist ein Antesten durchaus empfehlenswert.

Plus

  • kräftiger, charaktervoller Sound
  • flexible Möglichkeiten, markantes Hochpassfilter (Semi Modular)
  • schnelles Handling, satter Bass (initiate)
  • sauber klingender Ausgang

Minus

  • langsame Hüllkurven
  • derzeit nur rudimentäres MIDI (Update ist angekündigt)
  • etwas kritisches Preis-Leistungs-Verhältnis (Initiate)

Preis

  • Murmux Semi-Modular 1.089 Euro
  • Murmux Initiate 699 Euro
  • Semi-Modular Tragetasche 139 Euro
  • Initiate Tragetasche 99 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Trotz der genannten Schwächen/Fehler muss ich feststellen, dass die Dinger nicht nur ungeheuer sexy aussehen, sondern auch sehr eigen (und das meine ic durch und durch positiv) klingen.
    Insbesondere das Soundbeispiel „Initiate Sync“ finde ich richtig groß. Talking Synth!

  2. Profilbild
    NEK-X

    Hi :)

    Schöner ausführlicher Bericht ! Danke dafür !
    Da ich „grundsätzlich“ die einfachen, direkten und effektiven Dinge liebe, war mir der Initate gleich ins Auge (und ins Herz) gefallen. Bei einem Kollegen konnte ich das Gerät auch schon eine Weile austesten, und bin von der einfachen Struktur, dem netten rustikalen Äusseren sowie von dem fetten warmen Sound begeistert.
    Irgendwie hat die Kiste Charakter und ist kein Vergleich mit den Fliesband-Reisschüsseln aus Fernost …
    Lediglich eine vollwertige ADSR-Hüllkurve für den Amp und eins zwei kleine Modulationsfeatures stünden auf meiner Wunschliste…

    Wens interessiert, es gibt mittlerweile eine kleine „Emulation“ , aus meiner Feder, die ein wenig über den Funktionsumfang des Initate hinaus geht,ohne allerdings die ansonsten strenge Struktur allzuweit „auszudehnen“

    Ist nebenbei bemerkt mein diesjähriger Beitrag zum kvr-DC 2014:

    http://www.....-easytoolz

    Weiterhin frohes Schrauben
    NEK-X aka easytoolz.de

  3. Profilbild
    Jauly

    Sehr gut geschriebener Test!

    2 Fragen:

    Warum ist eine loopbare Hüllkurve unpraktikabel? Ich widerspreche: Man bekommt somit eine Key-Trigger Modulation, was für Bässe oft wichtiger ist als freilaufende LFOs.

    Warum ist es praktisch für alle aktuellen Hersteller analoger Synthesizer so schwer, schnelle, knackige Hüllkurven zu bauen, wo doch genau das ein Plus eines analogen Synthesizers zum digitalen Modell wäre?

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