Test: Electro Harmonix Mainframe, Bitcrusher-Pedal

8. Dezember 2020

Bitcrusher-Mainframe für Gitarre und Drum-Machines

Nachdem die typischen Modulationspedale wie Phaser, Flanger und Tremolo sich für viele Gitarristen vor allem in den letzten Jahrzehnten ein bisschen abgenutzt haben, begann man, in die Richtung neuer Soundquellen zu schielen. Die Sparte der Synthesizer-Pedale ist dahingehend sehr vielversprechend – man tut inzwischen alles, um die Gitarre nicht wie eine Gitarre klingen zu lassen. Pedale wie das Source Audio C4, das Hologram Electronics Infinite Jets, das Meris Enzo sind in der Hinsicht bereits kleine Meilensteine gewesen.

Doch abseits von Ringmodulatoren oder neuartigen Synthesizer-Pedalen hat sich die Gitarrenwelt einem weiteren, synthetischen Feld zugewandt, das vor allem in der Modularwelt Bedeutung hat: Bitcrushing ist vor allem für experimentelle Musikgenres sehr interessant. Wir hatten zuletzt den Meris Ottobit Jr. im Test – eins der besten Bitcrusher-Pedale überhaupt, das jedoch ein halbes Vermögen kostet. Es bleibt mal wieder an EHX hängen, das Pedal für jedermann auf den Markt zu bringen. Als der Mainframe angekündigt wurde, dachte ich mir: passt, denn ein brauchbares Bitcrushing-Pedal für den kleineren Geldbeutel gibt es bis auf ein paar Ausnahmen nicht wirklich. Das Panel sah einfach aus, die Idee hinter dem Mainframe scheint simpel, aber spannend genug.

EHX Mainframe Bitcrushing Pedal für Gitarre & Bass

Okay, also für ein Synthesizer-fähiges Pedal ist das Mainframe natürlich aufgrund seines fehlenden MIDI-Anschlusses ganz klar beeinträchtigt. Aber das ist nicht das Ende der Welt: Der Mainframe ist eben in erster Linie für Gitarre gedacht, wird von uns aber im Hinblick auf Drum-Machines dann im Praxisteil ebenfalls ausführlich untersucht. Nicht wenige Gitarristen dürften sich bei dem Effekt nichtsdestotrotz am Kopf kratzen und denken: Wozu brauche ich so was?

Klar ist, diese Arcade- und LoFi-Sounds wollen – das gilt auch für Modulation – wohlüberlegt eingesetzt werden. Auf dem Bass finden die Bitcrushing-Sounds traditionell eher ihr Zuhause – die Verzerrung durch klassisches Bitcrushing besitzt im tieferen Frequenzbereich mehr Biss. Doch wer seine Gitarre in einen monophonen Sägezahn verwandeln will, kann über klassisches Bitcrushing da hinkommen. Auf dem Pedalboard funktioniert das speziell in Kombination mit Delay und Reverb ziemlich gut – eine leicht reduzierte Sample- und Bit-Rate können ein verzerrtes Klangbild interessant einfärben. Ganz zu schweigen von den degenerierten Lo-Fi-Sounds, die für einen Vintage- und Old-School-Touch sorgen können. Hat also definitiv seine Daseinsberechtigung, das Ganze.

Der EHX Mainframe kommt – typisch für Electro Harmonix – verarbeitungstechnisch einwandfreiem Zustand daher. Das Gerät besitzt bis auf die Buchse für den 9 Volt Stecker auf der Stirnseite nur drei Anschlüsse: 6,3 mm Klinke für Ein- und Ausgang sowie einen Expression-Anschluss. Fehlendes MIDI wurde bereits erwähnt. Dass die Firma davor nicht zurückschreckt, bewies man ja bereits mit dem Mod Rex. Sei’s drum

Electro Harmonix Mainframe – Bit-Rate und Sample-Rate

Also – die 90er-Jahre Arcade-Sounds werden traditionell mit der Reduktion der Sample- und Bit-Rate erreicht. Was der Mainframe schon mal anders macht als viele andere Bitcrusher: Bei der Reduktion der Samplerate bleibt die Tonhöhe gleich. Normalerweise verändert sich diese bei der Reduktion – gehört quasi zum Effekt dazu, kann aber zu unschönen Tonverschiebungen führen, vor allem, wenn man polyphon spielt. Der Mainframe besitzt einen Samplerate-Tuning-Mode: Mit der doppelten Betätigung des Fußschalters erreicht man eine zweite Bedienebene. Hier wird der Samplerate-Regler zu einem Pitch-Regler, der es erlaubt, ein Intervall oberhalb des Gitarrensignals einzustellen – von Unison zu bis zu 4 Oktaven ist da einiges dabei.

Doch darüber hinaus ist das Pedal mit den „typischen“ Bitcrushing-Parametern bestückt:

  • Volume: Hier wird die Lautstärke des Output-Signals eingestellt.
  • Blend: Das Verhältnis von Dry- und Wet-Signal kann hier eingestellt werden.
  • Bit Depth: Die Bitrate des Signals kann hierüber von 24 Bit auf 1 Bit reduziert werden.
  • Sample Rate: Die Reduktion der Samplerate kann hierüber von 48 kHz auf 110 Hz bewerkstelligt werden.

Jeder einzelne Parameter kann über ein Expression-Pedal angesteuert werden. Oberhalb der Filtersektion ist ein EXP-PRESET-Knopf. Hierüber kann ein Preset gespeichert werden – ja, leider in der Tat eben nicht mehr. Dafür ist aber auch die Speicherung einer Heel-/Toe-Position für das Expression-Pedal möglich.

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Das Mainframe besitzt eine eigene Filtersektion. Über einen Kippschalter kann man zwischen Low-, High- und Band-Pass wählen und innerhalb des jeweiligen Filter-Modus den Range der Frequenzen sowie ihren Peak mit den Reglern der Filtersektion einstellen. Doch das Pedal kann mehr: Es besitzt eine bereits angedeutete zweite Bedienebene. Wenn man den Fußschalter gedrückt hält und den EXP/Preset-Knopf betätigt, schaltet man diese frei. Die zweite Ebene des Sample-Reglers haben wir bereits erwähnt. Doch darüber hinaus kann der Bit-Depth-Regler beispielsweise in einen reaktiven Modus versetzt werden. Das heißt: Unabhängig von der Lautstärke wird die gleiche Anzahl an Bits rausgehauen – der Effekt orientiert sich an der Amplitude des Input-Signals. Fixed-Bits sorgen dafür, dass leise Signale weniger Bits haben, laute Signale klarer sind. Hier sind dynamischere Spielvarianten möglich. Auf der zweiten Ebene kann das Filter noch mal zusätzlich nachjustiert werden durch den Freq-Regler und der Peak-Regler kontrolliert Input-Gain auf der zweiten Ebene. Der Mainframe kann hierüber eine harte Clipping-Distortion ins Signal mischen.

Der Sound des EHX Mainframe Bitcrusher für Gitarre

Worauf es jetzt ankommt, ist die Praxis. Taugt der Sound genug, um für das Pedalboard attraktiv zu sein? Die fast fehlenden Preset-Möglichkeiten sind ein definitiver Wermutstropfen, aber vielleicht haut der Sound das raus. Wir speisen den Mainframe über den Revv G20 in das Interface und dann in die DAW. Darüber hinaus klären wir die Frage, was der Mainframe bei Drum-Maschinen so leistet.

 

Bitcrusher ist für Gitarre ein zweischneidiges Schwert. Fast war ich verlockt, neben ein paar Beats noch Reverb und Delay dazwischen zu schalten, aber das wäre wahrscheinlich nicht zielführend gewesen. Lo-Fi-Sounds brauchen Kontext, um wirken zu können. Für sich selbst genommen sind sie eben manchmal an der Grenze des guten Geschmacks.

Nichtsdestotrotz arbeiten wir mit Lowpass- und Highpass-Filter und probieren mit der Bit- und Samplerate aus, was in Sachen Sound drinnen ist. Fakt ist: Der Mainframe ist „dreckig“, durchaus dreckiger als manch andere Bitcrusher. Der Regelweg der Samplerate ist nach hinten seltsam verkürzt, das führt dazu, dass man speziell mit dem Expression-Pedal ein Gefühl dafür entwickeln muss, ab wann der Sound wegbricht – das macht der doppelt so teure Ottobit definitiv besser. Die Zerrsounds, die man dem Mainframe entlocken kann, kratzen an hartem Fuzz-Clipping, gehen jedoch darüber nicht hinaus. Es ist ein Soundshaping-Tool, eins das es erlaubt, mit den Lo-Fi-Sounds bestimmte Passagen zu garnieren oder Stimmungen zu erzeugen (besonders das Highpass-Filter eignet sich hierfür gut).

Der Lehle Splitter oder der Red Panda Splitter erlauben es, eine Gitarre mit einem Synthesizer oder einer Drum-Maschine parallel zu schalten. Und hier glänzt der Mainframe im Gegensatz zur Gitarrenaktion richtig – speziell die Filter-Sweeps funktionieren ziemlich gut. Das Highpass-Filter eignet sich hervorragend, um Kontraste zu schaffen, die dann durch tiefe Frequenzen durchbrochen werden. Lädt zum Ausprobieren ein und macht definitiv mehr Spaß als erwartet. Wir nutzen hierbei die Volca Beats-Maschine. Für ein „kleines“ Budget von knapp über 300,- Euro kann man sich hier also eine bissige Beat-Station zusammenkleistern, die im Grunde bemerkenswert flexibel ist.

Fazit

Nischeneffekt für Nischensounds? Ein Stück weit muss man sagen: ganz klar, ja. Der Bitcrusher-Effekt braucht den richtigen Kontext, um glänzen zu können. In der Hinsicht ist der Mainframe keine Ausnahme. Seine Filter-Optionen und Expression-Funktionen machen das Gerät zu einem guten „Standard“-Bitcrusher, dessen manchmal hässliches Clipping ein bisschen weicher ausfallen könnte, der aber auch problemlos brauchbare Vintage-, Lo-Fi- und Arcade-Sounds erzeugt.

Plus

  • guter Allrounder
  • weiter Frequenzbereich
  • Expression-Anschluss

Minus

  • Klangbild bisweilen sehr harsch
  • kein MIDI
  • Regelweg der Sample-Rate nicht ganz gleichmäßig

Preis

  • 179,- Euro
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