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Test: Eventide H9 Max Dark Harmonizer, Multieffektpedal

17. November 2020

Das H9: One pedal to rule them all - still?

One pedal to rule them all – so selbstbewusst präsentierten Eventide ihren H9 Harmonizer vor fast sieben Jahren. Ein irres Ding – das stellte auch unser Mann Stephan Güte damals beim Test des Eventide H9 Harmonizer fest. Insgesamt kamen zwei Iterationen dazu – das H9 Core, die abgespeckte Variante, und H9 Max, das absolute Maximum an Features. Dieses Jahr im Februar brachten Eventide die sehr stylische Variante in mattem Schwarz raus – ein Grund für uns, das H9 noch mal zu besuchen – diesmal die Max-Variante – und uns die Frage zu stellen: Hält das H9 nach wie vor dem Test der Zeit stand?

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Ich persönlich schwöre beispielsweise nach wie vor auf den Timeline von Strymon – dieses Delay-Pedal hat mein Pedalboard nie verlassen und wird es voraussichtlich auch nicht. Dafür macht es zu viel richtig und hält auch mit modernsten Delays locker mit. Wie ist das bei den Eventide H9-Algorithmen? Bis heute kommt es recht häufig vor, dass man einen MIDI-Controller in Kombination mit dem H9 Harmonizer auf den Boards der Welt antrifft (interessanterweise scheint besonders die Djent-Szene einen „soft spot“ für das Multieffektgerät zu haben). Dabei hat das Pedal inzwischen einige Jahre auf dem Buckel – und die ihm zugrunde liegenden Algorithmen noch mehr. Wir wollen uns mal mit frischen Ohren an die Sounds heranwagen, sie im aktuellen Kontext beurteilen und uns auch im Detail anschauen, was die Max-Version in Schwarz so alles mit sich bringt im Gegensatz zu den anderen H9s.

Eventide H9 – Max, Core und Harmonizer

Um gleich im Vorfeld ein paar Missverständnisse auszuräumen, wollen wir uns ansehen, worin sich die Eventide H9 Variante im Grunde unterscheiden und was uns hier vorliegt. Wohlgemerkt greift hier immer das MaxOut-Prinzip des H9 Eventide Control App, mit der auch die niedrigste H9-Stufe der Reihe nach mit den von euch gewollten Algorithmen „gepimpt“ werden kann. Das ist spannend – und ein faires Angebot (wobei so fair auch wieder nicht – Mindestkauf sind 20 Algorithmen). Schauen wir uns das kurz an:

  • Eventide H9 Core: Die „niedrigste“ Stufe ist im Grunde das Hardware-Paket inklusive 25 Presets, aber keine Algorithmen. Hier zuzugreifen bedeutet im Grunde, dass ihr euch euer eigenes Custom H9 Modell mit der Control App zusammenstellen wollt – nicht unüblich.
  • Eventide H9 Harmonizer: Der Topseller, wenn man so will. Eine ordentliche Sammlung von Presets – 99 Stück, um genau zu sein, sowie 9 Effekt-Algorithmen.
  • Eventide H9 Max: Mehr Eventide geht nicht. Hier sind 50 Effekt-Algorithmen am Start und 99 Presets. Das werden wir uns jetzt genauer ansehen.

Eventide H9 Max – Bedienung des Multieffektpedals

In Sachen Bedienung geben sich die einzelnen Eventide H9 Pedale nichts. Die große Krux, der große „Geniestreich“ der H9 Pedale war von Anfang an die Einfachheit in der Bedienung. Die H9 haben ein paar Knöpfe, zwei Fußschalter und einen zentralen Regler. Das reicht und eröffnet eine riesige Welt, die bis heute in der Pedalwelt Relevanz hat. Ein paar Worte zur Bedienung an sich:

  • X, Y und Z: Diese drei schlicht betitelten Knöpfe decken die Preset- und Algorithmus-spezifischen Parameter ab. Darunter kann so ziemlich alles fallen – modulationstypische Parameter wie LFO-Rate, Delay-Größen wie Feedback – fällt alles darunter.
  • Hotknob: Wenn mehrere Parameter eines ausgewählten Presets/Patches gleichzeitig ändern lassen sollen, erledigt dies der Hotknob. Jedes Preset hat einen eigenen „Hotknob“, doch man kann ihn entsprechend seiner Vorstellungen anpassen.
  • Presets: Hier könnt ihr zwischen den 99 Presets aussuchen und euch mithilfe des zentralen „Steuerrads“ durchwählen.

Das ist es im Groben – erstaunlich, dass es bei dieser „einfachen“ Bedienung so zum Kultobjekt geworden ist. Oder vielleicht deshalb? Wie gesagt, fasziniert es mich immer wieder darüber nachzudenken, weshalb manche Pedale Kultfaktor entwickeln und manche nicht – Einfachheit und Intuition dürften da eine Schlüsselrolle spielen. Und beim H9 ist das Verhältnis Vielfalt und Bedienung großartig – effizienter geht es fast nicht, da haben Pedale mit zwei Bedienebenen ganz klar das Nachsehen. Der linke Bypass-Schalter kann auch Presets laden, der rechte Schalter kann auch als Tap-Tempo fungieren. Doch das Herz ist ganz klar der schwarze Zentralregler. Er kann Presets aussuchen, Preset-Parameter einstellen, Tempo einstellen und mehr.

Der Eventide H9 Max besitzt Stereo-Input und Stereo-Output und insgesamt fünf 6,3 mm Klinken. Einen Anschluss für ein Expression-Pedal gibt es ebenfalls, einen USB-Anschluss sowie MIDI-In und MIDI-Thru. Der USB-Anschluss dient zur Bedienung der Control-App. Ich will mich jetzt nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, aber ich bin recht sicher, dass Eventide die ersten waren, die ihr Multieffektgerät mit einer Bluetooth-fähigen Control-App ausgestattet hatten. Ehe Source Audio beispielsweise auf diesen Zug aufsprangen – Eventide machten es vor.

Mit dem Ribbon-Control könnt ihr quasi im Schnelldurchlauf neue Presets hierüber basteln und das Ganze per Bluetooth an euren H9 senden. Auch MIDI-Settings lassen sich hierüber ein bisschen schneller handhaben. Und auch eine bis heute gerne gesehene Tatsache: Wer einmal einen H9 erwirbt, hat kostenlosen Anspruch auf jeden zukünftig im Online-Store neu erscheinenden Algorithmus. Was Eventide mit dem H9 gemacht haben, war wahrscheinlich das Prinzip Multieffektgerät vorzugreifen.

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Doch ist das Gerät in einer Zeit, in der jedes zweite Multieffektgerät mit integrierten Cab-Simulationen, digitalen Amps und analogen Transformatoren arbeitet, noch zeitgemäß? Die große Vielfalt des H9 Max schöpft sich aus den Factor-Pedalen und dem Space:

Da zeigt sich: Modulierte Reverb-Typen, Pitch-Variationen, Modulationen und Delay-Typen: alles unter einem Hut quasi. Vor einer ganzen Weile war das noch eine atemberaubende Nummer und fuhr für sich genommen der Konkurrenz davon. Doch seitdem Lin6 mit dem HX Stomp, seit Headrush mit ihren Multieffektboards und Mooer sowieso ihre Modeling-Boards mit einer riesigen Vielfalt an Modulationen, Reverbs und Delays versehen haben (neben den Cab-Simulationen), ist der Stellenwert solcher klassischer Multieffektgeräte nicht mehr der gleiche. Worauf es ankommt, ist der Sound. Haben die Algorithmen der H9 Max den Test der Zeit bestanden? Das überprüfen wir jetzt in der Praxis.

H9 Max Dark Test – das ist der Sound des Multieffektgeräts

Gleich vorweg: Ich persönlich war nie Nutzer des Eventide H9, aber das hatte den Grund, dass ich gerade dabei war, mich in das Thema Gitarrenpedale einzufuchsen, als es rauskam. Einschüchternd war das Teil, trotz seiner Einfachheit war die schiere Anzahl an Sounds erschlagend und auch die Idee dieser Control-App war damals noch ein bisschen, nun ja … gewöhnungsbedürftig.

Ein paar Jährchen sind ins Land gezogen, der Markt hat nachgezogen. Wie eingangs erwähnt: Modeling-Floorboards bieten vieles von dem, was der H9 bietet und noch mehr. Source Audio haben die Idee des Editors übernommen und noch mal auf die Spitze getrieben. Am ehesten vergleichbar ist der H9 von seinem Soundangebot her vielleicht mit dem Boss GT-1000 – doch auch das ist wiederum ein Multiboard. Das H9 ist bei diesem Ausmaß an Features und Sounds ungemein platzsparend – da fällt mir im unmittelbaren Vergleich nur der HX Stomp ein, der auf so kleinem Raum soviel bietet. Also – wo lässt das den Eventide H9? Im Mittelfeld oder darüber hinaus?

Wir speisen den Sound in Stereo in den Audient Sono und bearbeiten sonst nichts in der DAW außer ein bisschen Multiband-Kompression. Wir schalten auch keinen Amp dazwischen, sondern begnügen und damit, die Sounds möglichst unangetastet und pur wiederzugeben. Und auch einer alten „Legende“ nachzugehen: Im Laufe der Jahre beschwerten sich immer wieder Spieler über eine kaum wahrnehmbare, aber trotzdem vorhandene Latenz des H9. Das lässt sich (von meiner Seite und bei meinem Setup zumindest) nicht bestätigen – das H9 besitzt meines Erachtens nach keinerlei wahrnehmbare Latenz.

Das gilt beispielsweise für die hervorragend klingenden Synthesizer-Algorithmen des Pitchfactor, deren Tracking meines Erachtens problemlos mit neueren Pedalen wie dem Enzo oder dem Boss SY-1 mithält. Der Shimmer des Eventide Space ist bis heute einer der am dynamischsten agierenden Shimmer-Engines überhaupt – lebendig, klanglich stark. Die recht neue Pitch-Fuzz Engine macht einiges her, besitzt ebenfalls hervorragendes Tracking. Und die Bucket-Bridgade inspirierten, analogen Delay-Typen klingen nach wie vor zeitgemäß. Was auffällt: Panning-Funktionen besitzt der H9 erstaunlich wenige und das ist – gelinde gesagt – schade. Ein Panning-Tremolo oder ein paar mehr Optionen, das Stereo-Panorama ein nach Belieben einzustellen, sind über die Hardware nicht möglich. Das trübt die Freude, die Stereo vor allem im Hinblick auf Delay machen kann. Stichwort „Circular“- oder „Cascading“-Delays – da hat vor allem Meris im Hinblick auf das Stereo-Klangbild ganz klar die Nase vorne. Aber auch Modulationen wie Tremolo und auch Flanger sind im Stereo ein Vielfaches von ihrem Mono-Klangbild wert, wenn sie sich über das Panorama angemessen und dynamischer verteilen lassen.

Wir wagen darüber hinaus eine Kombination des H9 Max mit zwei Synthesizern: Wir speisen sowohl das Moog DFAM als auch das Malekko Manther gleichzeitig in die Stereoeingänge des Pedals ein und probieren uns vor allem durch die Pad-Sounds, die sich unter die Sequenzen legen, nehmen aber auch die Fuzz-Engine zur Hand und treiben die Sounds auf die Spitze. Die H9-Algorithmen werden in der Hinsicht zweifelsohne ihrem Ruf gerecht und harmonieren phänomenal gut mit dem Charakter der beiden Synthesizer.

 

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Fazit

Das Eventide H9 ist und bleibt eine verlässliche Bank für sich – die Möglichkeiten des „Maxing out“ und die regelmäßigen Updates im Online-Store machen das Gerät nach wie vor zu einer Anschaffung fürs Leben. Doch man muss vorsichtig sein: Bestimmte innovative Impulse haben Eventide bereits nicht wahrgenommen. Auch wenn die Klangtiefe und das Tracking tadellos sind, ist die Stereo-Kapazität durch fehlendes Panning und Panorama-Flexibilität auf unzeitgemäße Weise eingeschränkt. Und Fakt ist: Das H9 bezieht sein Fundament aus vier Effektpedalen, die bereits zehn Jahre auf dem Buckel haben. Klingt also alles ein bisschen … eingestaubt? So weit braucht man nicht zu gehen. Aber ein bisschen was ist da dran – die H9-Engines tun vieles, aber überraschen tun sie inzwischen sicherlich nicht mehr.

Fakt ist, würden Eventide das Thema Stereo-Panning ein bisschen ernster nehmen und mit neuen Algorithmen (beispielsweise granulares) Neuland betreten und mehr experimentieren, wäre dem H9 geholfen. Ansonsten droht das Gerät tatsächlich, in fünf Jahren noch mehr von seiner Relevanz einzubüßen. Das dürften nicht alle so sehen, denn Fakt ist auch: So viele (wenn auch gewöhnliche) Hall-, Delay-, Modulations- und Pitch-Sounds auf so engem Raum gibt es nach wie kaum irgendwo. Den Test der Zeit also bestanden? Ja – aber die Konkurrenz hat das H9 in Sachen Einfallsreichtum inzwischen überholt.

 

Plus

  • Sounds nach wie aussagekräftig
  • tadellose, einfache Bedienung
  • erweiterbar durch Online-Store
  • gutes Tracking, gute Klangtiefe

Minus

  • enttäuschendes Stereo-Verhalten
  • Algorithmen zum Teil eingestaubt

Preis

  • 681,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    zeitlos  

    Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass, wenn man ein Eventide H9 Max besitzt, alle (!) 50 Effekt-Algorithmen von seinem Eventide-Konto auf bis zu 2 Cores (389€) übertragen kann und so 3 H9 Max zur Verfügung hat

  2. Profilbild
    gs06  

    Wieso „angestaubt“? Das Gerät ist ein Klassiker und so etwas nennt man doch heute „vintage“! :-)

  3. Profilbild
    Organist007  AHU

    „Auch wenn die Klangtiefe und das Tracking tadellos sind, ist die Stereo-Kapazität durch fehlendes Panning und Panorama-Flexibilität auf unzeitgemäße Weise eingeschränkt.“

    Kann ich so nicht bestätigen. das gerät ist ein zeitloser Klassiker.

  4. Profilbild
    [P]-HEAD  AHU

    Vintage? Angestaubt? Also, den EIndruck habe ich überhaupt nicht. Der Klang und die Möglichkeiten sind meiner Meinung nach noch immer sehr sehr gut.

  5. Profilbild
    Sudad G  

    Der Klang ist aber trotzdem nach wie vor sehr gut. Man darf nicht vergessen, dass Eventide ja schließlich den Eclipse auch noch verkaufen möchte. Da geht dann alles hinsichtlich des Stereo-Verhaltens.

  6. Profilbild
    wunderkorg

    der klang zweifelsohne spitze
    angestaubt, da ist schon was dran ,mal ehrlich, der shimmerhall und alle anderen spektakulären hallsachen sind schon so inflationär im einsatz dass ich mich nicht traue die noch zu nutzen. für kurze halls fand ich ihn nie überragend, aber vielleicht hab ich einfach nicht den dreh raus bei dem.

    das einzige was mich an dem beeindruckt waren die h949, 919 etc emulationen aber die machen nur richtig spass mit den reglern. (also dann pitchfactor) das rumdaddeln auf dem iphone , ipad hat mich an dem ding eher genervt.

  7. Profilbild
    Shedayya  

    Was wäre denn ein offensichtlicher Konkurent? Bin schon sehr angetan von den Möglichkeiten des H9‘s, aber bin etwas überfordert mit dem Angebot des Marktes.

  8. Profilbild
    Aljen  

    Wenn jemand schon im Anlauf behauptet, eher einem Gerät von Strymon zugeneigt zu sein, muß er schon sehr willensstark sein, um weiter im Text über ein Eventide völlig objektiv und frei von Vorurteilen bleiben zu können. :-) Egal wie sachlich, fachlich und sprachlich gut der Autor ist: Emotionen schlagen irgendwann doch durch.
    Die alten Dualismen. Canon vs. Nikon, Audi vs. BMW, Birdy vs. Brompton, Pelikan vs. Montblanc usw. Auf diesem Niveau sind jeweils beide Konkurrenten immer sehr, sehr gut. Beide haben irgendwelche Schwächen, die entsprechend hervorgeholt werden können. Auf so hohem Niveau ist die Luft dünn, der Atem wird kurz.
    Für so ein Intro ist der Artikel auch nach langer Zeit immer noch wirklich lesenswert!
    Ich genieße meinen H9 nach wie vor. Immer mal wieder! So eine Zauberkiste mit dieser Klangqualität gibt es nicht so oft für das Geld. Natürlich ist es ein Universalgerät, das muss jeder schon vom geistigen Ohr behalten. Spezialisierte Geräte mit so einem Kombi zu vergleichen ist natürlich möglich, aber nicht immer zielführend. Zumal Strymon meines Wissens kein ähnlich vielseitiges Pedal im Programm hat.
    Am besten beides kaufen und verwenden.

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