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Marktübersicht: Amp Modeling Floorboards

13. Oktober 2019

Marktübersicht: Die besten Amp-Modeling Floorboards!

Amp Modeling Floorboard

Droht den klassischen Pedalboards das Aus? Sind Röhren- und Transistor-Amps bald ein Ding der Vergangenheit? Fest steht: Die Amp-Modeler kommen und man kann noch gar nicht abschätzen, wie sich das auf lange Sicht auswirken wird. Da wird im Netz zum Teil hysterisch diskutiert, während woanders so weitergemacht wird, als ob sich dieser Paradigmenwechsel gar nicht abzeichnen würde. Schwierig also zu sagen, wohin die Reise gehen wird. Und wie der Markt und die Hersteller reagieren werden.

Oft spielt eine ganz banale Kostenfrage die größte Rolle – mehrere tausend Euro für einen Amp auszugeben wird in der persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung immer öfter den grenzenlosen Möglichkeiten des Amp-Modelings gegenübergestellt. Früher war die Frage nach der Klangqualität immer auf Seite der klassischen Röhren- und Transistor-Amps. Doch in den letzten Jahren hat sich das geändert – dafür klingt es inzwischen einfach zu gut. Dabei meinte John Mayer zuletzt noch: „They’re good. They’re missing something, but they’re good.“ Geben wir der Sache also noch ein paar Jahre und müssen dann einräumen, dass es keinen objektiv wahrnehmbaren Unterschied mehr gibt? Ich bleibe skeptisch.

Ein Trend hat sich trotzdem vor allem in den letzten Jahren herauskristallisiert: Leistungsfähige Floorboards, die das Know-how und den Umfang der Modeler-Amps auf Board-Größe komprimieren – bei gleicher Leistungsfähigkeit und gleichzeitig größerem Spielkomfort. Gehört die Zukunft also den Floorboards? Schwer zu sagen. Ein paar Freaks, die mit Freuden ungeschickt Kabel unter einermPedalboard hindurchquetschen, wird es immer geben.

Wir haben euch eine Liste mit den wichtigsten Modeler- und Multieffekt-Floorbards zusammengestellt und ihre Charakteristiken, besten Eigenschaften und das Preis-Leistungs-Verhältnisse gegenübergestellt. Doch erstmal ein bisschen etwas grundsätzlich Wissenswertes über die Welt des Amp-Modelings.

Was genau passiert beim Amp Modeling?

Brechen wir es mal herunter: Beim Amp-Modeling wird das Gitarrensignal genommen und durch ein Programm prozessiert, das die physikalischen Eigenschaften real existierender Röhren-, Transistor- oder Solid-State-Amps mathematisch abbildet, um die Signalkurve des Eingangsignals auf die gleiche Weise zu beeinflussen, wie es das physikalische Vorbild tut. Die Verarbeitung des Signals erfolgt also digital und mathematisch. Dieser Prozess wird Digital Signal Processing (DSP) genannt.

Linear vs. non-linear Modeling

Auch auf die Gefahr hin, dass der technische Jargon und die mathematischen Details, die einem DSP zugrunde liegen, überfordernd sein können, wollen wir trotzdem mal einen Blick auf das Ganze wagen. Denn die digitale Abbildung des physikalischen Schwingungsverhaltens regulärer Verstärker ist eine ziemliche Herausforderung.

Woran liegt das? An dem grundlegend komplizierten Resonanzverhalten von Amps, vor allem im Tiefen- und Mittenbereich. Da werden verschiedene Frequenzen unterschiedlich laut wiedergegeben – non-linear eben – und nicht wie in „regulären“ Boxen linear im Sinne einer  Full-Range Flat-Response (FRFR). Je tiefer wir in Sachen Frequenzen gehen, desto höher ist die (wahrgenommene) Non-Linearität. Die Verzerrung der tieferen Frequenzen, die durch die Non-Linearität entstehen, variieren im Detail deutlich zwischen den Modellen und machen ihren Charakter aus. Diese adäquat abzubilden, kann nur gelingen, wenn das Schwingungsverhalten im Detail festgehalten wird. In einem wegweisenden Paper von David Yeh, Balázs Bank und Matti Karjalainen aus dem Jahre 2008, die sich darum bemühten, die gängige Qualität von DSPs zu verbessern, wurde die „Abbildung“ eines Verstärkers aufgebrochen in mehrere Messungen: acoustic, mechanical sowie electric responses eines Verstärkers sowie die linearen und non-linearen Input/Output-Verhältnisse des Signals. Raus gekommen sind vor allem in den letzten zehn Jahren immer realistischere Verstärker-Simulationen.

Was ist eine Impulse Response?

Liest man ja ständig – die vielen IRs, die in einem Modeling-Amp oder –Floorboard stecken. Was heißt das konkret? Das Signal, das transformiert wird, legt einen Weg vom Eingang zum Ausgang zurück. Der Grad der Veränderung zwischen beiden ist abhängig von dem Medium, in diesem Falle der Gitarrenbox. Mithilfe eines Testsignals, das heißt konkret, eines Sinus-Sweeps, wird die Impulsreaktion durch sämtliche Frequenzbereiche aufgezeichnet. So entsteht ein Abbild des Resonanzverhaltens der Gitarrenbox, die nun mit einem Mikrofon aufgezeichnet wird. Dieser Prozess des „Capturing“ wird auch „Faltung“ genannt.

Impulse Response bezeichnet also den Charakter der Cabinet- bzw. der Gitarrenbox und hat erst mal nichts mit dem Amp zu tun. Eine Gitarrenbox fungiert über bzw. unter einer bestimmten Frequenzgrenze als Low- oder High-Cut-Filter und beeeinflusst damit maßgeblich das Signal, das aus dem Amp kommt. Für die Qualität solcher IRs sind mehrere Einflussebenen wichtig: Zum einem, wie kontrolliert und detailliert die Faltung vonstatten gegangen ist und zum einem – im digitalem Rahmen – wie detailliert die Abtastrate der Frequenzen sowie die Bit-Tiefe ausfallen. Ist es sinnig, von einem Sample in diesem Zusammenhang als ein digitales Band eines EQs zu reden? Das würde nämlich bedeuten, dass man im Grunde hier in den digitalen Sphären mit ungemein diffizilen EQs arbeitet – und strenggenommen stimmt das auch. Die meisten Cabinet Impulse Responses setzen sich darüber hinaus nicht nur durch den eingefangenen Boxen-Sound zusammen, sondern berücksichtigen auch die Positionierung des Mikrofons sowie die Rauminformationen. Wohl gemerkt werden während einer Faltung bzw. während des „Capturing“ einer Gitarrenbox nur lineare Ereignisse festgehalten. Die nicht-lineare Informationen zur Verzerrung oder Kompression im Rahmen einer DSP bezieht das Programm aus der Amp-Emulation.

Viele Floorboards besitzen also eine grundlegend umfangreiche Auswahl sowohl an emulierten Amps als auch an IRs. Der qualitative Unterschied bestimmt sich zumeist daraus, wie viel Aufwand bei der Faltung bzw. beim Capturing betrieben wurde. Die Abtastraste bei den meisten Floorboards beträgt 2048 Samples – da geben sich die meisten Floorboards nicht viel, wobei es auch da Unterschiede zu verzeichnen gibt. Worin sich die wichtigsten und besten Floorboards unterscheiden – das erfahrt ihr nun hier.

 

Die besten Amp Modeler – Boss GT-1000

Das Boss GT-1000 ist nicht das einzige Floorboard der Kultfirma, aber das umfangreichste. Boss entwickelten eigens für die GT-Reihe eine spezielle DSP und ergänzten diese mit dem Boss Tube Logic Konzept, die am eindrucksvollsten bei den Katana Amps zum Einsatz kommt und einen ungemein warmen Röhrensound reproduziert. Ein 32 Bit AD/DA-Wandler, eine Samplingrate von 96 kHz und eine Bit-Tiefe von 32 Bits sorgen dafür, dass das Gerät beispielsweise auch beim Einspeisen in eine DAW oder ins Mischpult über den XLR-Out hervorragend klingt.

Modeling Amp Verstärker Floorboard

Aber das zentrale Kaufargument für den Boss GT 1000 dürfte jedoch die fortschrittliche „MDP“-Technologie sein, besonders fortschrittliche DSP-Algorithmen, die bei den Amp-Simulationen und der Effekt-Riege zum Einsatz kommt. Was hebt das „Multi-Dimensional-Processing“ von anderen DSPs ab? Eine detailliertere Analyse der Verzerrung, zum Beispiel. Obertonstruktur, Frequenzgang und Pegel werden allesamt vom MDP gesondert optimiert. Auch fein: Die MDP-Technologie sorgt auch bei der Komprimierung von Sounds dafür, dass nur die Obertöne komprimiert werden und das Tonfundament nicht ausdünnt. Klingt verdammt organisch, das Ganze.

Man kann trotzig immer wieder darauf verweisen – Boutique klingt besser als Boss, aber die Boss-Pedale haben einen Charakter, der von Millionen Spielern geschätzt wird. Und dann in einem Floorboard die über das „Multi-Dimensional-Processing“ prozessierten Effekte große Teile des Boss-Katalogs zur Verfügung zu haben – äußerst verlockend. Ein absoluter Klassiker also.

  • USB, MIDI, Line-Out
  • externe Kontrolle über Expression- oder Wahlschalter möglich
  • Bluetooth
  • als Audiointerface nutzbar
  • Preis: 885,- Euro
  • Thomann

Amp Modeling Floorboards – Headrush Pedalboard

Das Headrush Pedalboard ist eine eigene Bank und ging – ein bisschen undankbar – im Rahmen des Kemper- und Axe FX-Hypes ein wenig unter. Dabei mischen Headrush schon seit geraumer Zeit im DSP-Dschungel mit. Es ist einer der wenigen Floorboards/Modeling-Amps, die mit einem Vier-Kern-Prozessor auskommen und besitzt eins der vielleicht coolsten Alleinstellungsmerkmale unter den Floorboards: die Drag- and Drop-Funktion des Touchscreens.

Man kann sich über die Flexibilität der digitalen Signal-Ketten noch so freuen. Manchmal sitzt man trotzdem da und dreht minutenlang an zwei Rädchen, um sich in einem Menü mit mehreren Tabs zu orientieren. Das kann mühselig sein und genau da reagierten Headrush und lieferten ein Drag & Drop-Display, mit dem sich auf kinderleichte, Desktop-orientierte Art und Weise Pedals, Amps, Preamps und mehr in die Signalkette einfügen lassen. Funktioniert in der Praxis erfahrungsgemäß tatsächlich super und erleichtert so einiges.

Amp Modeling Verstärker Floorboards

Hinzu kommt die umfangreiche Hardware des Headrush Pedalboards: großes Expressionpedal, zwölf Fußschalter für die Speicherplätze, FX-Loop, MIDI In/Out, USB-Anschluss, Kopfhöreranschluss, XLR-Ausgänge mit Ground-Lift-Switch für das Eliminieren von Geräuschen sowie zwei TRS-Klinkenausgänge für Line- oder Verstärkersignal. Mit den 24 Bit liegt er in Sachen Verarbeitungstiefe unter einigen Konkurrenzprodukten, doch es gibt genug Stimmen, die der Meinung sind, dass sich das zumindest auf der Bühne nichts gibt.

  • 15 Boxen, 10 Mikrofone, 33 Verstärker, 6 Verzerrer, 7 Reverb/Delay, 5 EQs, 11 Modulationen
  • erweiterbar durch Custom-IRs
  • als Audiointerface nutzbar
  • Drag & Drop-Funktion des Interfaces
  • Preis: 895,- Euro
  • Thomann

 

Multieffekt Pedale und Floorboards – Fractal Audio FM3

Fractal Audio ist eine Firma, an die man gar nicht vorbeikommt, wenn man sich mit der Welt des Modelings vertraut macht. Dass man nicht sofort registriert, dass es sich neben Kemper um den weltweit vielleicht am meisten respektierten Namen handelt, dürfte mitunter daran liegen, dass der europäische Vertrieb der Firma immer noch nicht hinreichend geklärt ist.

Das FM3 ist auf dem Weg und wird mit Spannung erwartet. Auch wenn es in Deutschland und Europa nicht einfach ist, ein Fractal Audio Gerät in die Hände zu bekommen, werden wir von AMAZONA.de uns trotzdem um einen Test bemühen. Fractal Audio haben – ähnlich wie Kemper, Boss und andere Konsorten – ihre eigene DSP für das Amp-Modeling entwickelt, die sogenannte ARES-DSP, die in Sachen Qualität im FX Axe III gipfelte. Das FM3 soll mit genau dieser Technologie ausgestattet sein. Selbst die subtilsten Unterschiede und Eigenheiten von Röhrenamps werden hier eingefangen und abgebildet – ein Topgerät also für „echte“ Nerds. Was zudem für den FM3 sprechen sollte, ist der unglaubliche Umfang des kompakten Floorboards. 265 Amp-Modelle treffen hier auf die gesamte Kollektion der Impulse-Responses des Axe FX III – über 2200 Stück. Und auch ansonsten scheint es sich hier um eine Floorboard-Version des inzwischen kultigen Axe-FX III-Racks zu handeln. EQs, Modulationseffekte, Delays, Reverbs, Kompressoren, Drive-Pedale – alles mit dabei. Organisiert werden die Presets in sogenannten Szenen und können auch in Echtzeit mit Expression-Pedalen verändert werden. Ich persönlich bin wahnsinnig gespannt, wie das FM3 einschlagen wird und ob es dem Kemper Floorboard Konkurrenz machen kann. Geplant ist es für Anfang 2020, kosten dürfte es zwischen 1300 und 1600 Euro.

  • Kopf­hörer­ausgang, MIDI In, Out/Thru, Stereoausgänge
  • 48 kHz S/PDIF-Ausgang.
  • Stereo-TRS-Eingängen und ¼″ (6,35 mm Klinke) Humbuster-Ausgänge
  • FX-Loop kann als Stereo-Effektschleife oder für Hilfszwecke verwendet werden, wie z. B. das
  • 4×4 USB-Audio
  • Hersteller

 

Die besten Modeling Amps – Hotone Ampero

Der Hotone Ampero besetzt die untere bzw. mittlere Preisklasse unter den Modeling-Floorboards – gerne übersehen, da man entweder gleich in der Kategorie Schlachtschiff denkt oder eben in der Kategorie Mini-Floorboard. Kritikpunkte des Hotone Amperos sind beispielsweise eine gerne angedichtete Latenz und Verzögerungen beim Umschalten zwischen den Presets. Dafür geben die Hi-Gain-Sounds ordentlich was her. Denn auch die billigen Floorboards können einigermaßen vernünftige Ambient-Sounds abbilden – Resonanz und Dynamik von Mid- bis High-Gain: Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Und da macht der Hotone Ampero für seine Preisriege eine gute Figur, wenn auch die preisliche Referenz, das Boss GT-1, in dem Rahmen eine teilweise bessere Figur macht. Die Verarbeitung des Signals läuft mit 24 Bit ab.

Ein großer Nachteil des Hotone Ampero ist konstant eingestellte Dauerkompression des Signals, die es ermöglicht, distinktive Klangbilder deutlicher voneinander abzugrenzen, aber gleichzeitig die Spieldynamik nicht unerheblich einschränkt. Dafür hält sich die Geräuschkulisse auch im High-Gain in Grenzen und es gibt ordentliches Sustain – egal, ob Low-, Mid- oder Hi-Gain.

Des Weiteren lässt sich der Hotone Ampero durch IRs von Drittanbietern erweitern, besitzt einen Drumcomputer (der sich leider nicht per Fußschalter on-the-go quasi ein- oder ausschalten lässt), ein Stimmtgerät sowie einen integrierten Looper mit einer Aufnahmezeit von bis zu zwei Minuten. Viele Regler hat der Ampero ebenfalls nicht: Volume, Menu, Value, dafür aber eine Touchscreen-Bedienung. Auch fein: die integrierte Akustikgitarren Simulation „Black Tech“.

  • 244 Effekte, 64 Amp-Modelle, 60 Cab-Modelle, 100 Pedale
  • 100 Drum-Patterns
  • USB, MIDI, Line-Out, Kopfhöreranschluss
  • 2x XLR für Stereo-Output
  • Preis: 399,- Euro
  • Thomann

 

DSP basierte Modeling Pedale – Line6 Helix LT

Ein Klassiker unter den Floorboards. Line6 gehört zu den DSP-Herstellern der ersten Stunde – schon 1996 erschien der erste Modeling-Verstärker der Firma, das AxSys 212. Das Line6 Helix LT war eine der ersten richtig eindrucksvollen Universallösungen für Gitarristen und genießt bis heute einen großartigen Ruf. Woran liegt das?

Modeling Amp Verstärker Floorboard

Man merkt, dass hier ein Gerät von Gitarristen für Gitarristen hergestellt wurde. Beispielsweise lassen sich interne Einstellungen eines Presets per Snapshots mit einem einzigen Befehl ändern, es gibt endlose Flexibilität hinsichtlich der Signalkette, die einfach beliebig wie sonst was angeordnet werden kann, sowie berührungsempfindliche Fußschalter für mögliche Swell- oder Oszillationseffekte. Auch dabei ist selbstredend einrn FX-Loop für den Fall, dass man auf ein paar reguläre Pedale in seiner Signalkette nicht verzichten möchte. Prinzipiell arbeitet das Line6 Helix LT mit der Komponentenmodellierung – bei der die Besonderheiten der verbauten Bauteile der originalen Verstärker maßstabsgetreu nachgestellt werden. Kein Alleinstellungsmerkmal, aber trotzdem ein erfreuliches Addendum des Ganzen: die Möglichkeit, umfangreich per MIDI anzusteuern sowie die Möglichkeit, IRs von Drittanbietern auf das Helix zu laden. Ein tadelloser Allrounder also, das mithilfe des USB-Ports auch als Audiointerface genutzt werden kann. Darüber hinaus wirkt sich die Komponentenmodellierung äußerst gut auf die Qualität der Amp-Modelle aus: Bis heute gilt deren Dynamik, Anschlagverhalten und Resonanz in der Preisklasse als unerreicht.

  • 50 Gitarren-Amps, 12 Bass-Amps, 37 Boxen, 104 Effekte und 16 Mikrofone
  • bis zu 2 Expression-Pedale
  • 2 Sends und 2 Returns für Effektschleifen
  • Kopfhörerausgang
  • 6,3 mm Klinken- und XLR-Ausgang mit Ground-Lift
  • Preis: 888,- Euro
  • Thomann

 

Multieffekt Pedale und Floorboards – Mooer GE 300

Das Mooer GE 300 ist das Aushängeschild der chinesischen Firma Mooer und – nun ja, nicht der Kemper-Killer, als der er langwierig im Vorfeld angekündigt wurde. Gleich vorweg: Als eins der wenigen Pedalboards auf dieser Liste ist das Mooer GE 300 neben dem Kemper Stage Floorboard in der Lage, Tone Capturing zu betreiben. Doch dass das nicht so gut klappt, erläuterte ich in meinem Test des Floorboards. Die Stärke des GE 300 und das definitive Alleinstellungsmerkmal ist das leistungsstarke Synth-Modul im Pedalboard mit drei Oszillatoren und Signalwegen, deren Pitch und Filter unabhängig voneinander eingestellt werden können. Das klingt verdammt gut – und ist nicht unbedingt etwas, das man von einem Multieffekt- und Modeling-Floorboard erwarten würde.

Es belegt das obere Mittelfeld der Preisklassen. Mit 699,- Euro ist es durchaus billiger als ähnlich dimensionierte Floorboards der Konkurrenz. Die Kontrolltasten für die Signalkette vereinfachen so einiges – Synth, Compression, Wah Wah, Distortion, Amps, Cabinets, Equalizer, FX B, FX Loop, Delay, Reverb und Volume. Ein farbiges, sehr fein aufgelöstes Display und unzählige Anschlüsse machen das Mooer GE 300 für diesen Preis fast unschlagbar. Ein 3,5 mm Stereo-Aux-In, zwei FX-Loops, zwei XLR-Ausgänge, zwei Monoklinken, USB-Anschluss, Ground/Lift-Switch für Rausch-Elimination und mitgelieferten 256 Factory-Presets sind auch mit dabei.

  • Tone-Capture-Funktion
  • 108 Amp-Simulationen, 43 Impulse-Responses, 164 Effete
  • Looper mit 30-minütiger Aufnahmezeit
  • 3-stimmige Synth-Engine
  • Preis: 699,- Euro
  • Thomann

Modeling Verstärker Pedalboards – Kemper Profiler Stage Floorboard

Kemper hat nicht lange gefackelt – nach dem wegweisenden Head und dem Rack entwickelte die deutsche Firma ihr Floorboard, das bei uns ebenfalls ausführlich getestet wurde. Und im Vergleich zu vielen anderen Floorboards ist das Kemper Profiler Stage Floorboard mehr oder minder deckungsgleich mit den Head/Rack-Vorläufern. Keine integrierte Endstufe, dafür aber die beispiellose und beste Profiling/Tone-Capturing-Funktion, die es auf dem Markt gibt. In Sachen Sound bekommt man ebenfalls die gewohnte Kemper-Qualität – mehr aber nicht. Das ist der einzige, immer wieder fallende Kritikpunkt zum Kemper Profiler Stage Floorboard: Dass es zwar den (endstufenlosen) Racks und Heads in Sachen Features und Klang in nichts nachsteht, aber keine Floorboard-spezifischen Alleinstellungsmerkmale besitzt. Dies könnten mitunter eine Steuerung per App oder Bluetooth sein, Aspekte, in denen Kemper sicher schon bald nachrüsten wird.

Tatsache ist: Wer Kemper liebt, für den ist in Sachen Performance und Praktikabilität das Profiler Stage Floorboard ideal. Performances, Rigs und Parameter können problemlos mit dem Fuß gesteuert werden. Die Liste der Anschlüsse ist lückenlos, wenn man so will: zwei Sends und zwei Stereo-Returns für externe Effekte, Main-Out L/R in XLR- und Klinkenausführung, Monitor L/R (Klinke), S/PDIF-Ein- und Ausgänge, gleich vier Expression- und Fußschalteranschlüsse, MIDI In und Out (DIN) sowie zwei USB-Anschlüsse. Das Kemper Profiler Stage Floorboard ist von allen anderen Floorboards auf dieser Liste das vielleicht umfangreichste und flexibelste, aber eben auch das teuerste – der Ferrari unter den Floorboards, wenn man so will.

 

Modeling Amps Floorboards – Atomic Amplifire 12

Hierzulande ist der Name Atomic Amplifire den meisten nicht geläufig. Dabei gilt die DSP des Unternehmens als eine der besten überhaupt. Die hauseigenen IRs gelten als äußerst aufwendig zusammengestellt und speziell in den Staaten haben die Atomic Amplifire Floorboards einen inzwischen legendären Stand.

Modeling Amp Verstärker Floorboard

Das Aushängeschild ist das Atomic Amplifire 12. Zwölf Fußschalter, 2 symmetrische Ausgänge, Aux-Input und Stereo-FX-Loop, zwei Klinken für Expression-Pedale, MIDI-In, -Out, -Through und Stereo-Kopfhörerausgang – und das alles für knapp 700 Dollar. In den amerikanischen Foren wird heiß diskutiert, ob die Amp- und Verstärker-Simulationen von FX Axe, die man für doppelt soviel Geld bekommt, wirklich soviel besser als die von Atomic Amplifire klingen. Wer sich die Sample-Raten ansieht, mit denen das Atomic Amplifire 12 im Gegensatz zu den Fractal Audio IRs arbeitet (1024), könnte argumentieren, dass da was dran sein muss. Doch die öffentlich zugänglichen Klangbeispiele sind ungemein stark – und machen neugierig darauf, ob Atomic Amplifire ihren Weg auf den europäischen Markt finden werden. Die schiere Masse, die Fractal Audio mitunter auch in das FM3 gepackt zu haben scheinen, findet man bei Atomic Amplifire nicht. Auch nicht dabei beim 6er und 12er Floorboard sind Tone Capturing Funktionen oder eine Endstufe. Doch die Qualität der Zerren speziell hat durchaus was für sich und kann hier nachempfunden werden:

Modeling-Verstärker Floorboards – FRFR Boxen

Wer möchte, dass der integrale Charakter der Verstärker-Simulationen und Impulse-Responses möglichst unverfälscht das Ohr des Zuhörers erreicht, ist auf aktive Full-Range-Boxen angewiesen. Diese besitzen einen linearen Frequenzgang und verfälschen die simulierte Gitarrenbox nicht – für Nutzer von Amp-Modelern also eigentlich eine unverzichtbare Anschaffung. Da die meisten Modeler Floorboards ohne Endstufe auskommen, sollte zusätzlich noch an eine externe Endstufe gedacht werden. Eine Auswahl guter und für Modeling-Amps geeigneter Aktivboxen findet Ihr hier:

 

 

Forum
  1. Profilbild
    camarillobrillo  

    Mensch, Leute, lasst doch bitte die Theoriebezüge lieber weg, statt allerhand durcheinander zu wirbeln und schlussendlich falsch darzustellen…

    „Da werden verschiedene Frequenzen unterschiedlich laut wiedergegeben – non-linear eben – und nicht wie in „regulären“ Boxen linear im Sinne einer Full-Range Flat-Response (FRFR).“

    Nein, Linear ist hier eben nicht im Sinne eines linearen Frequenzganges einer FRFR zu verstehen. Mit linearen Filtern/Modellen kann man höchst nichtlineare Frequenzgänge erzeugen. Es geht beim Nichtlinearen Modelling darum, Verzerrungen zu modellieren – undzwar des Signals, nicht des Frequenzganges.

    Bei David Yeh, Balázs Bank und Matti Karjalainen ging es auch *nicht* um Amp-Modelling, sondern um Lautsprecher-Modelling. Das hat mit dem Amp-Modelling wenig zu tun. (Jedenfalls habe ich kein Paper von denen gefunden, dass sich um Amp-Modelling kümmert.)

    „Capturing“ wird schließlich auch nicht „Faltung“ genannt. Faltung ist schlicht eine mathematische Operation. Es gibt also auch kein „während der Faltung“.

    • Profilbild
      SynthUndMetal  

      Nichtlineares Modelling scheint mir dann nichts anderes zu sein, als die Nachbildung von realen und fiktiven Röhrenkennlinien. Es wird also lediglich eine nichtlineares Verstärkungsverhalten berechnet, welches dann als Konsequenz die Obertöne des Signals beeinflusst. Und wenn man irgendwas völlig abgedrehtes als Kennlinie wählt kommt ein WMD Geiger Counter heraus.

  2. Profilbild
    Andthom03

    Der Kemper Profiler Stage kann leider qualitativ überhaupt nicht überzeugen. Der erste ging zurück, weil ein Fussschalter bereit nach kurzer Zeit nicht mehr funktionierte. Jetzt habe ich Ersatz bekommen, und wieder geht nach zwei Tagen ein Fussschalter nicht mehr. Dass finde ich für ein Gerät dieser Preisklasse schlicht und einfach inakzeptabel.

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