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Test: Fender Classic 69 Tele Blue Flower, E-Gitarre

10. Oktober 2017

Power by the Flower!

Fans des Sounds und vor allem der Optik der Fender Telecaster kommen in unserem heutigen Test voll auf ihre Kosten. Denn mit der Fender Classic 69 Tele Blue Flower erreicht unsere Redaktion eine ganz besonders attraktive Ausgabe des Klassikers in einer limitierten Auflage. Das Motto der in Japan hergestellten Tele lautet ganz offensichtlich „Flower Power“, laut Hersteller ließ man sich beim Design durch die psychedelische Musikszene der späten sechziger Jahre inspirieren. Mal schauen, ob nicht nur die Optik, sondern auch der Rest der der Fender Classic 69 Tele Blue Flower inspirieren kann.

Fender Classic 69 Tele Blue Flower 1

Facts & Features

Neben der grandiosen Optik fällt sofort etwas Weiteres auf, nachdem man die Gitarre in die Hand nimmt – ihr erstaunlich niedriges Gewicht nämlich. Da hat man wohl ein besonders leichtes Stück Linde für den Korpus verwendet, dem Rücken dürfte das gefallen! Ansonsten ist der Body klassisch Telecaster: schlicht und einfach ein Brett und ohne irgendwelche Shapings rund herum. Die metallicblaue Lackierung mit dem Flower-Power-Muster bedeckt sowohl Vorder- als auch Rückseite des Korpus und verleiht der Fender Classic 69 Tele Blue Flower eine Optik, an der man sich kaum sattsehen kann. Damit dieser Genuss nicht gestört wird, sorgt ein durchsichtiges Schlagbrett nicht nur für ein durchgängig hübsches Erscheinungsbild, sondern natürlich auch für den Schutz der Decke gegen Kratzer.

Fender Classic 69 Tele Blue Flower backside

— Die Kraft der Blumen auch auf der Rückseite des Korpus —

Der Hals der Fender Classic 69 Tele Blue Flower

Fender Classic 69 Tele Blue Flower 1 neck

Ahorn ist das Material der Wahl für den Hals, der selbstverständlich aus einem Stück besteht und sauber in seiner Tasche im Korpus verankert wurde. Obwohl Fender das Halsprofil als „schlanke C-Form“ bezeichnet, ist hier schon eine gute Portion Fleisch greifbar. Ebenso, wie man es in den späten sechziger Jahren auf einer Tele zu spielen pflegte.

Ebenfalls populär war damals, dass man nicht nur die Halsrückseite, sondern auch gleich das Griffbrett mit lackierte. Das ist auch bei unserer Fender Classic 69 Tele Blue Flower nicht anders. Einige Spieler, besonders natürlich die Umsteiger, werden sich hier eine Eingewöhnungszeit gönnen müssen. Obwohl man sagen muss, dass das Polyesterfinish auch bei schweißnasser Greifhand nicht zum Kleben neigt und insbesondere den Fingern bei Bendings oder Vibratos keinen nennenswerten Widerstand leistet. Hier hat Fender ganz offensichtlich einen guten Mix aus Schutz des Holzes und Praxistauglichkeit hinbekommen. Und der Hochglanz des Halses steht der Gitarre ohnehin ganz ausgezeichnet!

Fender Classic 69 Tele Blue Flower Headstock

Die Bünde wurden vorbildlich eingesetzt und abgerichtet. Es handelt sich hier ausnahmsweise mal nicht um Bunddraht im Jumboformat, sondern tatsächlich um die berühmt-berüchtigten „Spaghetti-Bünde“, wie sie damals Ende der 60er gang und gäbe waren. Auch hier dürfte der eine oder andere Spieler, der mit diesem Bundformat bisher noch keinen Kontakt hatte, vermutlich eine Zeit der Eingewöhnung benötigen. Zumindest dann, wenn viel und oft Soli mit Lagenwechseln, Slides etc. gespielt werden. Reine „Akkorddrücker“ werden von diesem Umstand vielleicht noch nicht einmal Kenntnis nehmen, sich aber dennoch an der sauberen Intonation auf der gesamten Länge des Halses erfreuen.

Bei aller Begeisterung über die Qualität des Ahornhalses bleibt dennoch ein kleiner Wermutstropfen über – und das betrifft den Zugang zum Halsstab. Leo Fender hat ja in seiner Karriere eine Menge guter Dinge entwickelt, bei einigen fragt man sich jedoch, was sich dieses eigentliche Genie dabei gedacht hat. In den späten 60ern erschien in den Teles und Strats genau solch ein fragwürdiges Feature, nämlich das Verlegen des Zugangs zur Halseinstellschraube an den Halsfuß. Das bedeutet, dass bei einem nötigen Nachjustieren der Halseinstellschraube (Truss Rod) der Hals komplett vom Korpus gelöst werden muss, um überhaupt Zugang zur Schraube zu erhalten. Und dann ist auch hier nur eine ungefähre Einstellung möglich, denn bei gespannten Saiten ändern sich die Zugkräfte ja noch einmal deutlich und erst dann kann der Winkel des Halses wirklich erst beurteil werden. Ein ganz schön großer Aufwand für eine eigentlich in Sekunden erledigte Arbeit.

Fender Classic 69 Tele Blue Flower pickup

— Unglückliche Positionierung des Zugangs zum Truss Rod —

Besser hat es Leo Fender später bei den Music Man Gitarren gemacht, die zwar auch die Schraube am Halsfuß besitzen, dort jedoch mit einer großen Öffnung und einer gelochten Rändelschraube gerade zu luxuriöse Möglichkeit bietet.

Hardware und Pickups der Fender Classic 69 Tele Blue Flower

Ganz traditionell geht es bei der Fender Classic 69 Tele Blue Flower auch in Sachen Hardware und Pickups zu. Am Hals sitzt ein „Vintage Style Singlecoil“ in einer hübsch verchromten Blechverkleidung, am Steg treffen wir auf das gleiche Modell, allerdings mit offen liegenden Polepieces. Gesteuert werden die Tonabnehmer wird ganz traditionell über einen Dreiwegeschalter und ein Volume- und Tonepoti, die zusammen auf einer verchromten Blende untergebracht sind. Alle drei Bedienelemente, der Schalter und die zwei Regler, sind von sehr guter Qualität: Der Schalter rastet laut knackend ein, die Potis laufen mit idealem Drehwiderstand und absolut frei von Spiel auf ihren Achsen.

Nach der Sache mit dem Halseinstellstab treffen wir bei der Brücke auf ein weiteres Sorgenkind – den Vintage Style Tele Steg, so lautet die offizielle Bezeichnung. Hauptmerkmal dieser Brücke ist die Tatsache, dass sie über nur drei Saitenreiter verfügt. Bei aller Liebe zur Tradition: Ohne Erfahrung und einer Menge Geduld und Fingerspitzengefühl steht dem Besitzer hier beim Einstellen der Oktavreinheit eine knifflige Aufgabe bevor. Meiner Meinung nach hätte man an dieser Stelle besser eine vollwertige Brücke verbaut, die Telecaster hatte während ihrer Bauzeit durchaus Alternativen anzubieten.

Dennoch ist die Qualität der montierten Hardware insgesamt betrachtet beeindruckend gut, davon möchte ich auch die Vintage-Mechaniken an der Kopfplatte nicht ausnehmen! Die funktionieren nämlich nicht nur gut, sondern sehen dank der dicken Chromschicht auch unheimlich gut aus! Sie hielten unsere Flower-Tele während der Testdauer bestens in Stimmung und erlauben zudem ein sauberes und präzises Stimmen.

Zwischenzeugnis

Die Fender Classic 69 Tele Blue Flower sieht nicht nur gut aus, sie fühlt sich auch sehr gut an! Nach der ersten genauen Begutachtung gibt es hinsichtlich der Verarbeitung nichts zu bemängeln. Ganz im Gegenteil, denn vom Look & Feel ist faktisch kein Unterschied zu einer Tele aus amerikanischer Produktion zu bemerken. Wie es mit dem Sound und der Performance aussieht, werden wir jetzt antesten.

Sound & Praxis mit der Fender Classic 69 Tele Blue Flower 

Zunächst einmal ein Lob an die Leute bei Fender, die für das finale Set-up der Instrumente verantwortlich sind! Unsere Classic 69 Tele Blue Flower lässt sich nämlich „Out of the Box“ dank einer bequemen Saitenlage bestens bespielen! Eingewöhnungszeit erfordert, wie bereits beschrieben, der komplett lackierte Hals mitsamt dem Griffbrett und nicht zu vergessen das doch recht kräftige Halsprofil, das virtuose Spieler eher abschrecken dürfte. Aber die Tele ist nun mal eine Rock ’n‘ Roll Gitarre und das macht sie im Sound auch ganz klar deutlich!

Brillant, strahlend und durchsetzungskräftig klingt die Flower-Tele, dazu kommt ein gutes Sustain, sodass Akkorde und auch einzeln gepickte Töne den nötigen Support erhalten. Nicht ganz so überzeugend erscheint das Attack, hier macht sich offensichtlich der Lindekorpus mit seinem etwas trägeren Ansprechverhalten gegenüber den Modellen aus Esche oder Erle bemerkbar.

Die folgenden Klangbeispiele wurden mit einem Orange Micro Dark Amp, einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box und einem AKG C3000 Mikrofon aufgenommen.

In Klangbeispiel 1 zunächst beide Pickups mit einem Cleansound. Steg und Halspickup ergänzen sich wie immer prima – so auch bei dieser Tele.

Klangbeispiel 2 zeigt den Cleansound des Stesinglecoils mit Country-Blues-Akkordspiel. So kennt man die Tele, knackig und mit strahlenden Höhen geschmückt!

Nun der Singlecoil am Hals mit einem unverzerrten Sound. Der Klang ist schon o.k., ein wenig mehr Dampf dürfte es aber gerne noch sein.

Nun zu den verzerrten Sounds. Wie bei fast jeder Gitarre mit Singlecoil-Pickups sollte man auch bei der Classic 69 Tele auf die Dosierung achten. Angezerrte Sounds klingen hervorragend und typisch nach Tele, bei mehr Gain jedoch verderben auch hier unschöne Nebengeräusche den Spaß. In Klangbeispiel 4 hören wir die Flower-Tele nun mit einem angezerrten Sound auf dem Stegpickup – wunderbar klar und differenziert im Sound.

Abschließend in Klangbeispiel 5 ein Crunchsound mit dem Halspickup, dem auch hier etwas die Puste fehlt. Nicht das er unbrauchbar wäre, es mangelt nur eben etwas an Biss und Dynamik.

— Es gibt sie auch noch in Rot … —

Fazit

Der Schein trügt nicht! Die Fender Classic 69 Tele Blue Flower ist eine absolut hochwertig verarbeitete und sehr gut klingende Tele, daran bleiben nach dem Test keine Zweifel. Minuspunkte gibt es keine zu vergeben, allenfalls Kompromisse zu machen bzw. sich ein wenig Eingewöhnungszeit mit dem Instrument zu gönnen. Die Kompromisse betreffen die Brücke mit ihren nur drei Saitenreitern, die ein Einstellen der Oktavreinheit zum Geduldsspiel werden lässt und den umständlichen Zugang zum Halseinstellstab, der eine Justierung ähnlich aufwendig macht. Die Eingewöhnungszeit trifft hauptsächlich auf den Hals zu, der nicht nur ein recht kräftiges Profil aufweist, sondern durch seine Lackierung  zunächst ein anderes Spielgefühl erfordert.

Die echten Fans der Fender Tele wird das aber vermutlich nicht aufhalten, um dieses limitierte Schmuckstück ihr Eigen nennen zu können. Wir würden die Fender Classic 69 Tele Blue Flower auch am liebsten gar nicht mehr hergeben!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • typischer Tele-Twang-Sound
  • wunderschöne Optik
  • Leichtgewicht

Minus

  • Zugang zum Truss Rod
  • Brücke mit nur drei Saitenreitern

Preis

  • Ladenpreis: 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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      AMAZONA Archiv

      Da gibt es noch einen mit Stacheldraht eingegossen, den finde ich auch ganz schön.

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    AMAZONA Archiv

    Hahaha…. nee, ne…. klingt ja richtig blumig. Aber bei dem Design müsste man erstmal zum anderen Ufer rüberrudern und Emily Erdbeers MarmeLALAdenband beitreten. Kopfkino – stelle mir gerade vor, wie sich das zarte Pflänzchen mit ’ner Black Metal Band auf der Bühne präsentiert.
    Schön eingespielt, aber leider häufig übersteuert (Front PU Clean)

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      fkdiy  

      So Richtung Grindcore kann man das aber schon wieder bringen. Total ironisch natürlich. ;)

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        Jau, die Gitarre hätte wunderbar in das Video zu dem Song „No Rain“ von Blind Melon reingepasst. Jedenfalls kam mir da jetzt die Assoziation.

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          Stephan Güte  RED

          Und am End´steht plötzlich Kerry King von Slayer mit dem Teil da … macht doch meine arme Tele nicht so fertig! :D

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            AMAZONA Archiv

            LOL… nee, das Dingen ist ja mit Sicherheit gut verarbeitet und so, keine Frage, klingt auch…. aber optisch eben sehr, äh, nennen wir es mal schweziell…

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      Rekardo Rivalo

      Und, was hat das Design mit dem anderen Ufer zu tun? Verstehe ich nicht!
      Irgendwie scheint hier manch einer schlecht sozialisiert zu sein. Wirklich schade!

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    Hein Bloed  

    Ausgehend von den Kommentaren, scheint die Mehrheit der – hier anscheinend ausschließlich männlichen – Gitarristen unter hormoneller Unterversorgung und gemindertem Selbstbewußtsein zu leiden. Anders kann man sich „was für eine Mädchen-Punkrockband“, „zum anderen Ufer rüberrudern“ oder „schweziell“ nicht erklären.
    Übt nur weiter in euren Pink-Floyd-Coverbands und wundert euch, warum der Nachwuchs lieber mit Volcas spielt, als sich mit einer B.C. Ritch in eurer Schrebergartenbude einzufinden und läppisch rumzuposen.
    Das ist alles so gar nicht Punkrock.
    Ansonsten, schöner Text, schöne Tele (die Rote ist noch ein bischen mehr sophisticated) und die schmalen Bünde scheinen nicht zu schaden . in den Soundveispielen schnarrt nix. (Was auch nicht Punkrock ist)

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      AMAZONA Archiv

      Hahaha, da macht einer seinem Namen wieder mal alle Ehre…. war klar, dass ein weichgespülter und humorloser Lutscher den Rächer der Witwen und Waisen spielen will. Lächerlich!

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        Hein Bloed  

        7 Minuten bis zur ersten Antwort: getroffene Hunde, Bellen und so.
        Jetzt aber noch mal ganz schnell das Solo von David Gilmore üben!^^

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