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Test: GRP A4 Analogsynthesizer, Teil-Modular mit Sequencer

20. April 2019

Neue Kleinauflage erhältlich

Vorwort der Redaktion:

Seit 2013 ist der GRP A4 Synthesizer auf dem Markt. Nicht nur optisch eine imposante Erscheinung, sondern auch klanglich und technisch ein Meisterwerk.
Wir freuen uns Euch mitteilen zu können, dass GRP-Italien nun eine kleine Neuauflage des Boliden auf den Markt gebracht hat. Hieber-Lindberg in München hat sich einige Exemplare der Neuauflage gesichert. Für 4.865,-Euro wechseln die Audio-Möbelstücke in München auf Wunsch den Besitzer. Versand und Mwst. sind im Preis inbegriffen.

Wer nicht ganz weiß, was ihn erwartet, hier vorab unser GRP A4 Test von Mic Irmer:

Groß, teuer und edel. Die GRP Synthesizer wurden bereits auf einschlägigen Synthesizer-Treffen vorgeführt. Nach der ersten Serie mit verschiedenen Ansätzen:

  • GRP A3ähnlich eines Minimoog,
  • GRP A6ähnlich eines doppelten Minimoogs und dem schon bombastischen
  • GRP A8ebenfalls ein Doppelkonzept welches dem A4 nahe kommt.

Günstig sind sie nicht. Auch kompakt sind sie nicht. Man wird sie wohl auch seltenst auf eine Bühne stellen. Italien ist als Land der Synthesizer nicht unbekannt. Bisher waren es jedoch vorwiegend kompakte Typen oder Zulieferer (Crumar/DNB, Siel/Kiwi, Elka, Fatar/Studiologic) mit großer Geschichte beim Thema String-Machines. Nach dem großen A8 hat man sich noch einmal zurück gezogen und ein neues Konzept ersonnen, welches ohne Bombast oder Doppelung auskommt, dadurch wird auch der Synthesizer günstiger. Der A8 hat klanglich in der Synthesizerszene Anklang gefunden, war jedoch vielen schlicht zu teuer (Einstiegspreis direkt lag bei 5700€, später im Vertrieb lag er zuletzt bei gut 7k€). Man hat das „Stereo-Konzept“ nun also überdacht und überlegt – welche Verbindungen braucht man im täglichen Gebrauch für 95% der erstellten Klänge wirklich. Heraus kam der GRP A4.

Strikt monophon und integriert in einem Holzgehäuse, welches auch ein großes Modulsystem beherbergen könnte. Das ist der A4. Herausgeführt ist tatsächlich nur die Steuerung des Sequencers und die Steuerspannung für die Stimme selbst. Der A4 hat MIDI und kann deshalb auch ohne analogen Hintergrund betrieben werden. Er ist für den ambitionierten Musiker gemacht. Auch der Preis ist nicht weniger ambitioniert. Lohnt es sich zu sparen?

 

Struktur des GRP A4

Der MIDI-Eingang an der Rückseite und eine USB-Buchse für Updates (nicht für MIDI) sind in einem edlen Holzgehäuse montiert. Extrem schwer ist der GRP A4 nicht, er basiert sogar auf SMD-Technik. Das sind deutlich kleinere Bauteile als die konventionelle Bauweise. Die komplette Platine passt auf die Rückwand des Gerätes und ist entsprechend sehr schmal. Den meisten Platz nimmt das interne Netzteil ein. So ist die Wahl der Form offensichtlich bewusst robust gewählt worden. DerKonstrukteur Paolo Groppioni hat sich die Arbeitsweise der meisten Musiker angesehen. Bewusst werden keine Patchkabel verwendet, sondern alle Verbindungen über Drehschalter hergestellt. Alle Baugruppen werden intern verkabelt. Die Struktur ist sehr klassisch, trotz der „modular“ anmutenden „Kastenoptik“.

Drei Oszillatorenmit identischem Aufbau mit jeweils eigenem Suboszillator ermöglichen sechs Schwingungsformen. Um genug Raum für die Bedienelemente zu geben, hat der dritte VCO keinen Suboszillator. Neben Pulsbreitenmodulation ist auch eine Variation des Sägezahns zu einer Art „Pulsbreitenmodulation“ fähig. Damit wird auch der Sägezahnsound angereichert.

Zwei VCOs sind zum ersten Oszillator synchronisierfähig. Der Ringmodulator wird durch die letzten beiden VCO gespeist und kann alternativ durch das externe Audiosignal ersetzt werden. Außerdem können jeweils alle Oszillatoren durch andere VCOs moduliert werden. Eine Frequenzmodulation zwischen ihnen belegt einen von zwei Modulationsmöglichkeiten. Die andere Möglichkeit der Modulation ist fest dem ersten LFO zugedacht. Die Pulsbreite wird durch einen von zwei LFOs gesteuert. Der Klang der Oszillatoren ist brillant bis strahlend. Die Oktavlage reicht bis auf 64′ herunter und hinauf bis 2′. Diese Tatsache hilft, um effektiver FM-Klänge zu erstellen, denn extreme Frequenzverhältnisse sind dafür nützlich. Die Keyboard-Steuerung lässt sich für jeden Oszillator abschalten. Die tiefen Frequenzen sind jedoch einen Tick zu schnell, um als Vibrato-LFO genutzt zu werden. Alle Modulationsverbindungen mit Drehwahlschalter für die Quelle können auch invertiert werden.

Die Mischabteilungbietet für externe Signale, die drei VCOs, der Rauschgenerator sowie die beiden Suboszillatoren als auch für den Ringmodulator einen eigenen Knopf.

Die Filter

Ein Viertel des Bedienpanels ist für die beiden Filterzuständig. Ein Tiefpassfilter mit 6 bis 24 dB pro OktaveFlankensteilheit ermöglicht frische Sounds, die nicht nur „Moog“-Charakter haben müssen. Allerdings hat auch ein aktueller Moog heute solch eine Option. Der Grundsound ist eigenständig und hochwertig. Ein Multimode-Filtermit allen vier Filtertypen sorgt für weitere Bearbeitung des Klanges. Die beiden Filter können parallel oder seriell geschaltet werden. Konzipiert ist das Filter für eine gekoppelte Modulation, die so effektiv wie möglich angelegt ist. Gekoppelt bedeutet vor allem die Steuerung durch die dafür vorgesehene Hüllkurve. Zusätzlich ist jeweils die Modulation beider Filter getrennt über den ersten LFO möglich. Ebenso kann das Keytracking oder der Sequencer jeweils an die Filter angelegt werden. Für die Dynamiksteuerung sind zwei Schalter zuständig. Als freie Quelle für Modulationen steht pro Filter ein Wahlschalter zur Verfügung. Darunter sind auch die Oszillatoren. Dadurch lassen sich auch experimentelle „Filter FM“ Klänge erstellen. Mittels der Resonanz kann ein obertonreiches oder metallisches Klanggemisch durch das erste Filter kreiert und durch das zweite angemessen gefiltert werden.

Der Klang des Filters ist eine moderne Filterkonstruktion. Gemeint ist die Möglichkeit, den Pegel für beide Filter getrennt zu regulieren oder sogar wahlweise auf Sättigung umzuschalten. Regelbare Verzerrung mit dem gleichen Knopf ist der Schlüssel für die Klänge, die analoge Klangerzeugung heute so beliebt macht. Damit sind nicht nur sehr ästhetische schöne Klänge möglich, sondern auch wunderbar krachige oder sehr hochwertige Noise-Wände. Auch subtile Verzerrung ist kein Problem für den GRP A4. Generell sind alle Bereiche dieses Synthesizers in allen Punkten erwähnenswert hochwertig. Der Klang ist angezerrt oder brutal verzerrt, wenn er es soll. Ohne besondere Einstellungen kann er jedoch auch wunderschön und butterweich klingen. Man benötigt deutlich weniger externe Effekte, um den Klang individueller klingen zu lassen, da bereits intern genug Variation angeboten wird, um alle synthetischen Klangwünsche zu bedienen. Damit ist er erstaunlich praktisch für die Produktion geeignet. Dies bezieht sich auf die Tatsache, dass die wenigen Handgriffe stets guten Grundklang zur Folge zu haben scheinen. Zumindest im Test war es fast schwerer, unbenutzbares Gebrumpfe zu erzeugen. Der A4 ist in weiten Bereichen ein einziger Sweet Spot. Ja, natürlich sind FM Klänge auch fies. Dies ist kein Juno 60 (der wegen des Fehlens sämtlicher Schrägklangfähigkeit für jeden geeignet schien und dementsprechend ebenfalls ein Sweet-Spot-Synthesizer ist). Für all das Gebotene scheint wirklich alles mit wenig Zufall stets schnell brauchbar zu klingen. Das scheinbare Etikett eines teuren Vorzeigesynthesizers ist mit der Nutzung jeder Bautruppe an so vielen Stellen so praxisnah und brauchbar, dass ein Produzent sich mit ihm auch als reines Effizienzwerkzeug auseinander setzen sollte. Es könnte sich amortisieren.

Zwei Hüllkurven

Die Hüllkurven des GRP A4 sind loopbar. Damit lassen sich ungewöhnlich komplexe Verläufe mit einem Analogsynthesizer herstellen. Die Struktur der Filterhüllkurveist als „AHDSTR-Typ“auch komplexer als die meisten heutigen Digital-Synthesizer. Es wird keineswegs nur der Attack und Decay-Bereich wiederholt, wenn der Loop aktiviert wurde. Stellt man die Zeiten recht kurz ein, so ist die Modulation im Loop-Mode sogar schnell genug, um einen Eindruck eines FM-Synthesizern zu erhalten. Schnelle Modulationen scheinen also seine Stärke zu sein. Durch die vielen Segmente ist diese Hüllkurve nicht weniger als eine frei justierbare fließende komplexe LFO Schwingungsform. Allein durch diese Möglichkeiten lassen sich komplexe Texturen und Drones aufbauen, die normalerweise einen Sequencerverlauf vermuten lassen. Einziger echter Kritikpunkt mag die fehlende Modulation der Hüllkurve durch die Anschlagdynamik bleiben. Der absolute Einfluss der Hüllkurve sowie die Polarität ist hingegen vorbildlich getrennt regelbar. Dadurch umgeht man die Problematik bei Nutzung von Hochpass-Filtertypen.

Die Lautstärkehüllkurvebietet ähnliche Möglichkeiten, jedoch fehlt ihr das Hold-Segment.
Ein Hüllkurven-Folger kann über seine Gate-Trigger Funktion auch die Hüllkurve neu auslösen. Dies gilt für beide getrennt. Ein externer Drumloop oder ein akustisches Instrument kann dem GRP somit eine Rhythmusstruktur vorgeben. Er ist deshalb auch eine hochwertige „Effektbox“.

Zwei LFOs und Sample & Hold

Die beiden LFOs des GRP A4 sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Der zweite LFO bedient individuell jede Basisfunktion (Tonhöhe, Pulsbreitenmodulation, Filter und Lautstärke) und ist für jede dieser Abteilungen getrennt regelbar. Außerdem ist dieser LFO auch für verschieden schnelle Modulationen geeignet. Dafür steht der in allen Sektionen pro Funktion genau ein Mal zur Verfügung stehende Wahlbereichsschalter bereit. Über das Modulationsrad oder den Aftertouch kann eine weitere Quelle als Modulator herangezogen werden.

Daran sind zwei Dinge anders als in anderen Synthesizern ausgeführt:
Die Anordnung der Modulationsquellen zusammen mit Rechteck oder Dreieck wirken unlogisch kombiniert. Definitiv wird jedoch eine feste Schwingung verwendet, wenn die Modulationsquellen gewählt werden. Ist das nicht der Fall, lassen sich die beiden anderen Wellentypen einsetzen.

Die Modulationsquellen sind ungewöhnlich für einen LFO. Es sind VCOs, Rauschen oder Sample & Hold. Sie machen eine deutlich komplexere Modulationsstruktur möglich. Richtig, der GRP glänzt erneut mit FM-artigen Modulationsmöglichkeiten. Im Bereich der Sample & Hold Schaltung kann unabhängig von der hier gewählten Einstellung eine andere Wellenform des LFOs ausgewählt werden als im LFO Bereich selbst. Dadurch können verschiedene Schwingungsformen des selben LFOs verwendet werden. Der erste LFO ist konventioneller aufgebaut. Seine Symmetrie (Pulsbreite) und Phase kann moduliert werden. Der Geschwindigkeits-Wahlschalter ist nur dem LFO2 vorbehalten, dennoch ist er recht schnell. Der bereits erwähnte Sample-and-Hold-Generator kann auch rosa Rauschen verarbeiten, während im Oszillator-Bereich ausschließlich weißes Geräuschwerk zur Verfügung steht. Er ist damit der einzige, der aus dem zweiten LFO eine andere Schwingungsform geliefert bekommen kann als der Rest, der vom LFO beliefert wird.

MIDI

liefert Aftertouch, die Modulationsrad-Stellung sowie das Pitchbending aber auch die Anschlagdynamik. Die MIDI-Clock kann vom Sequencer und dem ersten LFO genutzt werden, um im Gleichschritt mit einem externen Sequencer laufen zu können. Um den Klang einfach und schnell interessant zu machen, ist ein Auto-Panning verbaut worden, welcher einen eigenen Takt-Generator hat oder dem ersten LFO folgen kann.

Sequencer

Zweifellos als eigenes Gerät geeignet wäre der ausgefuchste Step-Sequencer des GRP A4. Auf den ersten Blick ist er ein Zwei-Spur-Sequencer. Jede Spur hat jeweils eigene Trigger-Schalter. Wie bei einem Lauflicht-Sequencer (ähnlich TR808, Electribes) können pro Schritt die Hüllkurven ausgelöst werden. Bei anderen Sequencern müssen hierfür weitere „Spuren“ geopfert werden. Alle Sequencer sollten heute solche Triggerspuren haben. Auch über Steuerspannungen kann der Sequencer analog gesteuert werden und entspricht den Möglichkeiten aktueller Analog-Step-Sequencer. Zudem kann er einmalig oder für immer als Schleife durchlaufen. Wie in frühen Human League Stücken (z.B. Album „Reproduction“), kann man damit durchaus interessante Musikstrukturen bauen. Außerdem kann die Taktungs-Symmetrie und damit die „Zählweise“ verändert werden. Das ist das Verhältnis zwischen der Gate- und der Pausenlänge. Das ist schon bei anderen Sequencern möglich gewesen. Zum Beispiel im Roland System 100 Sequencer 104.

Die A4-Sequencer Spezialitäten sind jedoch dreierlei:

Anhand einer Zeitbasis kann der Sequencer relativ zum Haupt-Tempo schneller oder langsamer laufen. Die schnellste Relation ist ein Verhältnis von 1/32 pro Viertel. Die MIDI Clock ist dabei das Referenz-Tempo.

Die Abspielrichtung kann vorwärts, rückwärts oder in drei Formen pendelnd arbeiten. Auch das Anspringen eines zufälligen Schrittes gehört zum Repertoire des GRP-Sequencers.

Der absolute Clouzur Bildung von komplexeren Verläufen ist die Wahl, wie der Sequencer springen soll. Normalerweise würde er von 1 bis 16 gerade durchlaufen. Es ist jedoch hier möglich, dass er jeweils einen Schritt zurück macht, um danach zwei Schritte nach vorne zu springen. Vielleicht war der Erbauer zur Inspiration zu Besuch in einer Dark Wave Tanzveranstaltung der achtziger Jahre? Neben drei verschiedenen Sprungweiten-Mustern kann pro Schritt auch ein doppelter Trigger innerhalb des gleichen Schrittes ausgegeben werden. Ein Schritt kann bis zu vierfach Noten auslösen. Dadurch entsteht ein Roll- oder auch Ratchet-Effekt, wie man ihn von wirklich gut ausgeklügelten Grooveboxen kennt (Electribe Serie).

Der GRP A4 in der Ausstellung vom Hieber-Lindberg in München

Mit diesen Möglichkeiten kann eine Sequenz effektiv länger sein, ohne sich zu wiederholen. Sie wirkt bei Weitem nicht, als hätte man nur 8 bzw. 16 Schritte zur Verfügung. Der GRP ist der erste, der versucht, das klassische Step-Prinzip etwas komplexer und interessanter zu machen, ähnlich wie es im Modulbereich „Make Noise“ machen (Hersteller des „Réné Matrix-Sequencers“ / Info: www.makenoisemusic.com/rene.shtml).

Neben den Trigger-Schaltern pro Step kann jeder Schritt als Ende der jeweiligen Sequencer-Zeile (End Step) oder zum Überspringen (Skip) definiert werden. Beide Zeilen haben eine eigene Quantisier-Funktion, um Tonhöhen exakt chromatisch zu spielen und können unterschiedlich lang sein. Ebenso können die Spannungsbereiche der beiden „Spuren“ in 3 Stufen angepasst werden, um extremere oder auch feinere Modulationsverläufe zu erreichen. Außerdem können die Spannungen externen Synthesizern angepasst werden. Die beiden Spuren können auch zu einer 16-Step-Sequenz verlängert werden.

Die Steuerung der einzelnen Baugruppen-Bereiche (VCOs, Filter, …) kann direkt im Sequencer über 3 Busse erledigt werden. Dabei ist der dritte Bus eine Mischung der beiden Spuren, während A und B schlicht den jeweiligen Spuren entsprechen. Das kann pro Filter und VCO und für die Pulsbreitensteuerung jeweils separat aufgeschaltet werden. Besonders wichtig ist die getrennte Steuerung der drei Oszillatoren. So ist der Sequencer perfekt für die Klangsteuerung geeignet. FM, Sync, Ringmodulation bilden komplexe Obertonstrukturen in Abhängigkeit von der Stimmung der beteiligten Oszillatoren. An den Zielen gibt es gelegentlich Sequencer-Schalter, die meist als Zusatzoption gedacht sind. Außerdem sollen bei Steuerung durch den Sequencer nicht zu viele Modulationsquellen verloren gehen. Für die LFOs muss man dafür den Hauptquellenschalter verwenden. Die Triggerbarkeit der Hüllkurven bringt sehr viele nützliche und auch rhythmisch interessante Ergebnisse im Vergleich zu Sequencern ohne Trigger-Schalter im Lauflicht-TR808-Stil.

Es wäre sicher hilfreich, wenn noch eine Hüllkurve mehr vorhanden wäre für Sync- oder FM-Steuerung. Auch schlicht für einen LFO als Tempo-Steuerung oder als Alternative zur Filterhüllkurve für das zweite Filter wäre das prima gewesen, da man nun einmal nicht an die Einzelbaugruppen von außen heran kommen kann. Die Triggerung der Hüllkurven kann auch über den Gate-Bereich des Hüllkurven-Folgers oder dem Sequencer erfolgen. Wie schon erwähnt, jedoch nicht oft genug zu betonen ist, dass damit mittels externer Geräte wie etwa einer Groovebox und dem GRP allein bereits aufwendige Rhythmen und Klangstrukturen machbar sind. Ein guter Kollege für ihn könnte beispielsweise Elektrons Octatrack sein.

Hinweis: 
Mein Demogerät war bereits wieder auf der Rückreise, weshalb diese Demos von nicht von mir erstellt wurden – mit bestem Dank.

Der GRP A4 on YouTube

Fazit

GRP ruft immerhin weit über 4k€ für seinen GRP A4 auf. Das ist selbst für monophone analoge oder modulare Synthesizer viel. Noch darunter liegen analoge Komplettsynthesizer wie der Macbeth M5, der zudem auch noch modular ist. Ebenso könnte man den alten ARP 2600 als Alternative anführen, wenn man ihn für gut den doppelten Preis heute noch bekäme und er zwei Filter hätte. Einen Nichtmodularen dieser Klasse muss man lange suchen. Man findet ihn vielleicht unter den Raritäten vergangener Zeiten.

Tatsächlich ist jedoch nicht die Struktur mit den drei Oszillatoren und den beiden Filtern nebst Sequencer der geniale Schachzug. Es ist vielmehr grundsätzliche der Klang und die Arbeitsgeschwindigkeit. Er ist definitiv nicht einem der bekannten Klassiker ähnlich, er stellt vielmehr eine gute Alternative dar. Er klingt definitiv nicht weniger edel als beispielsweise ein Tinysizer oder der Vermona Perfourmer. Trotz der verdächtigen Kaskaden-Filtertypen handelt es sich nicht um Moog, Oberheim oder anderen Herstellern nachempfundenen Filtern oder Oszillatoren. GRP hat seine eigene Ästhetik mit strahlend-knarzigen Oszillatoren und weichen und sehr anpassbaren VCFs. Wichtige Argumente für ihn sind der sehr gut gelungene Sequencer und die für diese Gattung und der analogen Technik extrem seltenen Loophüllkurven, welche für Ambient und Drone-Musiker genau so interessant sein könnte wie für IDM, Pop oder Noise- und Industrial-Kreative. Der Grund ist, dass der A4 grundsätzlich stets hochwertig klingt und mit wenigen Handgriffen Gutes und zudem wenig „Ausschuss“ liefert.

Er kann auch im weniger weichen Umfeld punkten. Die an so vielen Stellen hohen Modulationsgeschwindigkeiten inklusive der Loop-Hüllkurven lassen interessante Klänge entstehen. Es ist trotz des hohen Preises lohnenswert, sich diesen Synthesizer anzusehen, sofern man oft genug mit dem Synthesizer im Studio arbeitet oder sogar professionell arbeiten muss oder will. Schade ist nur, dass man die Baugruppen nicht einzeln abgreifen oder steuern kann und man immer mit dem Gesamtsystem arbeiten „muss“. Es eignet sich sehr für eine aufwendige analoge Nachbearbeitung. Er benötigt wenige Hilfseffekte, um erfolgreich zum Ziel zu kommen. Das einzige Manko bleibt eigentlich nur, dass man es eben nicht modular und in jedem Detail ansteuern kann. Das muss das Gerät durch seinen hervorragenden Klang und seine Nutzbarkeit in allen Grenzbereichen der Musik ausgleichen. Es scheint dies zu 96.76% auch zu schaffen. Für den Rest braucht man Modularsynthesizer.

Plus

  • absolut herausragender Klang
  • FM Möglichkeiten
  • loopbare und komplexe Hüllkurven
  • Sequencer-Sprung-Konzept mit Trigger-Schaltern

Minus

  • keine Möglichkeit, einzelne Baugruppen anzusteuern oder abzugreifen
  • hoher Preis

Preis

  • 4400,- Euro (Ladenpreis 2013)
  • 4.865,- Euro (Ladenpreis 2019)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dr.a

    WOW klingt phantastisch. nur leider viel zu teuer für mich. bei mir wird’s nur für einen waldorf, maximal für einen kleinen dave smith reichen :-)

        • Profilbild
          tomk  AHU

          Was hindert dich persönlich daran mit einer Maultrommel nen Hit zu machen?
          Hand aufs Herz! Nur 11€, kein Konsum mehr.
          Nur du und die Maultrommel … ;)

          • Profilbild
            Coin  AHU

            Mensch Tom, Du sollst richtig auf meine Frage antworten ^^
            Zeig mir doch mal so einen Maultrommelhit.
            .
            Ich wollte nur von Dir hören, dass man für nen Hit keinen 4k Synth braucht.
            Jedenfalls ich nicht.
            .
            Aber nach meiner Erfahrung, wollen sich einige Personen
            damit qualitativ gute Musik erkaufen.
            Nur das funktioniert nicht.
            Was ich bisher von Besitzern solcher Flagschiffe gehört
            habe, war eher langweilig.
            Ich meine dann muss man auch was liefern!

  2. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Da muss man ja schon richtig in die Tiefen der Klangsynthese eindringen. Ich mache das zwar auch mit meinem VA-Synth (und auch mit meinen VSTs) aber ich denke das ist kein Vergleich zu dieser (klanglich tollen) Maschine. Kann man diesen Synthesizer auch bedienen wenn man die Grundeinstellungen der Klangsynthese kennt (OSC, LFO, ADSR) aber keine Ahnung von richtigen Synthesizer-Modulen hat?

  3. Profilbild
    DocNoize

    Dem Testbericht kann ich mich nur anschließen. Der A4 ist eine überausgelungene Kiste. Fehlende Flexibilität (gegenüber Modularsystemen) habe ich eher selten vermißt. Tatsächlich wundert man sich zwischen all den Möglichkeiten ein wenig, dass eine anschlagdynamische Steurung der Filterhüllkurve nicth möglich ist. Auch ein paar andere banal erscheinende Modulationen sind nicht möglich: Steuerung des Mixers oder Modulation der Resonanzen. Ein wenig ein Dorn im Auge ist, dass die Pulsbreite des Sequencers im 2*8 Modus nicht durch die Zweite Sequencerspur geregelt werden kann. In einer E-Mail hat der Macher mir allerdsings verraten, dass er an eienen externen Sequencer denkt, der eben diese Fähigkleit besitzt.

    Eine – überraschende – Funktion lässt der Bericht aus (oder habe ich das überlesen?): Man kann über eine Sequencerspur die Geschwindigkeit des selben steuern. Recht abgefahren.

    Hier noch ein wenig Audiomaterial – mein erster Kontakt mit diesem Prunkstück:
    A4 Sequences

  4. Profilbild
    Klangzaun

    Vielen Dank für den Test.

    Neben Überzeugungsarbeit vor dem Kauf ist er auch nach dem Kauf immer noch eine tolle Informationsquelle.

    Da Musik eher oldschool-mäßig von der Berliner Schule inspiriert ist, stellt der GRP A4 genau das richtige Instrument für mich da. Hier kann man wirklich tolle sich verändernde Sounds/Sequenzen basteln.

    Ich habe den Kasten seit 2 Wochen hier im Studio und kann jetzt schon sagen, dass er bleiben wird.

    Obwohl ich noch an der Oberfläche der Möglichkeiten kratze, gelingt es irgendwie schon jetzt überzeugende Ergebnisse zu basteln. Es bleibt dabei immer nachvollziehbar und logisch. Auf Fotos oder Skizzenblätter kann ich wohl verzichten. Lediglich schöne Sequenzen zur Filtermodulation notiere ich mir kurz.

  5. Profilbild
    SynthNerd  

    die Optik macht schon richtig Lust und der Sound noch mehr …

    …. von diesem Synth werde ich träumen …

    ……….. und mich dann vielleicht mit dem A2 begnügen …..

    ………………… aber wozu der Geiz? Das letzte Hemd hat keine Taschen…. ;-)

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