Test: Joué Board, MIDI-Controller

29. August 2018

Flexibel einsetzbar dank cleverem Konzept

joue board

Abseits der unzähligen Synthesizer- und Eurorack-Neuheiten auf der Superbooth haben wir auf der diesjährigen Superbooth auch den französischen Hersteller Joué kennengelernt. Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass unsere französischen Nachbarn oft und gerne etwas anders an ihre Produkte herangehen und hierdurch tolle Geräte entstehen können. Das Joué Board scheint einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Grund genug, sich diesen expressiven MIDI-Controller mal etwas näher anzuschauen.

Modularität ist angesagt

Bereits beim Auspacken kann das Joué Board gefallen und ruft die erste Verwunderung hervor. Nach einem expressiven MIDI-Controller sieht dieser 36 x 14 x 2 cm messende Korpus wahrlich nicht aus. Keine Taste, Button, Fader oder sonstiges in Sicht. Aufklärung gibt es, sobald man den Unterboden der Verpackung herausnimmt, denn hier hat der Hersteller insgesamt acht Silikonmatten verstaut, die das Joué Board zu dem macht, was es ist – ein MIDI-Controller.

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Das Prinzip des Joué Boards sieht folgendermaßen aus: Je nachdem welche Controller-Daten man steuern und modulieren möchte, legt man die entsprechenden und hierfür geeigneten Silikonmatten auf das Board drauf. Dabei wird weder etwas eingehakt noch eingeklickt, die Matten liegen einfach lose auf dem Board auf und werden nur durch den kleinen überstehenden Rand am Platz gehalten. Die Matten weisen unterschiedliche Layouts auf. Von der reinen Tastaturmatte über Fader-artige oder mit Handballen ausgestatteten Matten, bis hin zu 4×4 Pad-Matten ist alles dabei. Insgesamt gibt es drei unterschiedliche Größen der Matten, so dass zwischen einer und drei Matten auf dem Joué Board Platz finden.

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Das eigentliche Joué Board ist aus einem Holz/Kunststoff-Mix gefertigt und macht einen sehr soliden Eindruck. Es besteht aus zwei Teilen, unten der Holzkorpus, darin eingelassen ist der Kunststoffteil, in dem die Silikonmatten Platz finden. Vorder- und Hinterkante sind abgeschrägt, insgesamt macht das Board einen edlen Eindruck. Angeschlossen und mit Strom versorgt wird das Board über eine USB-C-Buchse, mehr Anschlüsse gibt es auch nicht. Und auch keine Bedienelemente. Lediglich eine LED gibt Auskunft darüber, dass das Board mit Strom versorgt ist und sich im aktiven Betriebszustand befindet.

Zum Lieferumfang des Joué Boards gehören die genannten Matten, ein USB-Kabel, Lizenzcodes für Bitwig 8 Track, Arturia Analog Lab 2 und ein kleiner Beilegzettel vom Hersteller, der darauf hinweist, dass man das Board unter Windows, OSX und iOS nutzen kann, sich vorab aber bitte den Joué Software-Editor herunterladen soll. Diesen findet man in der aktuellen Version 1.5 auf der Website des Herstellers, erhältlich ist er für OSX und Windows. Die Betriebssystemversionen 10.10 (OSX) und 8 (Windows) werden hierbei vorausgesetzt. Auf der Downloadseite von Joué findet man dann auch ein englisch/französisch-sprachiges Handbuch, Links zu Tutorial-Videos und weitere nützliche Informationen.

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Wie startet man mit dem Joué Board?

Ganz einfach: USB-Verbindung herstellen, die DAW (in unserem Fall Cubase auf dem Mac) erkennt das Board sofort als MIDI-Controller und schon kann es losgehen. Um das gesamte Potenzial des Boards auszunutzen, empfiehlt sich zunächst der Gang in den Software-Editor des Joué Boards. Dieser präsentiert sich wie folgt:

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Der Software-Editor unter OSX

In der linken Spalte des Software-Editors (Presets) findet man die acht zum Lieferumfang gehörenden Silikonmatten. Klickt man eine der Grafiken an, wird diese im mittleren Feld (Edition) groß dargestellt. Durch Klicken auf die einzelnen Elemente der Matte kann man diese mit unterschiedlichen MIDI-Controller-Befehlen belegen. Zur Sicherheit ist die Programmierung durch eine Lock-Funktion zunächst gesperrt. Entfernt man den entsprechenden Haken, kann man jedoch alles frei gestalten und programmieren. Je nach Art und Typ des Elements lässt sich beispielsweise die „Action“ bestimmen, d. h. soll ein Notenbefehl, ein Control- oder Program-Change-Befehl oder ein Pitchbend-Kommando ausgesendet werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, für jedes Element einen eigenen Kanal einzustellen, die Bandbreite (Range) der Werte zu begrenzen und weitere Parameter zu programmieren. Je nach Matte ist man also nicht auf bestimmte Werte oder Kanäle limitiert, sondern kann durchaus mehrere Empfänger mit unterschiedlichen Kanälen ansprechen.

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Angeschlossen und aktiv

So lässt sich beim 4×4 Drum-Pad beispielsweise entweder ein globaler MIDI-Kanal festlegen oder für jedes der 16 Pads ein unterschiedliche Kanal-, Noten- und Velocity-Wert einstellen.

Die Programmiermöglichkeiten sind hiermit allerdings noch nicht erschöpft, denn je nach Art der Matte lassen sich auch unterschiedliche Befehle für X-, Y- und Z-Achse der Bewegungen programmieren. Bestes Beispiel ist hierbei die Bubbles-Matte mit den vier nach oben ausgebeulten Halbkreisen. X- und Y-Achse stellen hierbei die Bewegungen links/rechts und oben/unten dar, auf der Z-Achse lässt sich programmieren, welche Art von Kommando beim Drücken auf den Halbkreis ausgesendet werden soll.

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Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    Prima. Die Entwicklung macht Spass. Ist auch mal ein Konzept, das mit ROLI mithalten könnte. Interessant wäre es, wenn der Hersteller einen grösseren Rahmen anbieten würde, der zwei oder drei grosse Matten aufnähme.

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    Emmbot  AHU

    Da wird bestimmt noch n größere Board kommen. Mal scheuen welche Module noch folgen.

    Das Board finde ich optisch schon sehr gelungen. Die Module würde ich mal in real sehen wollen die finde ich schon etwas bunt.

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    Numitron  AHU

    Yeah, endlich wieder etwas violettes.
    Kann mich an diese emubox erinnern, sonst fällt mir auf die schnelle nix ein.
    Wäre etwas für prince.
    Hoffentlich gibt es solche dinger mal günstiger.
    Die kleineren rolis sind nicht mehr so teuer, aber 25 tasten ist etwas wenig.

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    Son of MooG  AHU

    Das Board ist anscheinend kompakt genug, dass ich es auf meinem CME UF5 Master-Keyboard platzieren und dessen Performance enorm erweitern könnte. Schade, dass es keinen DIN MIDI-Out gibt; allerdings ist man bei der Bedienung ja eh auf einen Computer angewiesen. Die „Bubbles“ gefallen mir am meisten…

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    Filterspiel  AHU

    Für das Gebotene finde ich den Preis nicht mal so hoch. Ein Selbstbau auf dem Level würde mehrere Wochenenden schlucken und ob es dann wirklich geht, steht trotzdem in den Sternen.

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    BJack  

    Schon interessant was jetzt alles kommt nachdem wir so lange nur schwarze und weiße Tasten hatten.

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