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Alles über MPE Controller wie Linnstrument, Eigenharp & MPiano

23. Mai 2018

Neue Horizonte für Klangdynamik

Zu Beginn der elektronischen Keyboard-Ära waren bereits das Modulations- und Pitch-Wheel zwei Controller zur dynamischen Beeinflussung der gespielten Klänge, die geradezu euphorisch gefeiert wurden. Schon bald kamen neuen Controller hinzu wie Aftertouch oder der berührungsempfindliche Ribbon-Control. Doch die Suche nach immer noch mehr Eingriffsmöglichkeiten in den gespielten Klang hat bis heute nicht nachgelassen. Das neue Zauberwort lautet MPE-Controller und steht für Multidimensional Polyphonic Expression. Zwei Vertreter dieser Gattung haben wir bereits in einem eigenen Special mit Anwender-Erfahrungen, Soundbeispielen und Interviews vorgestellt:

ALLES ÜBER ROLI SEABOARD & CONTINUUM FINGERBOARD“ (Bitte anklicken um den Artikel zu lesen)

In dem folgendem Artikel möchten wir das Thema um weitere Vertreter der Gattung MPC-Controller ergänzen. Und auch hier lassen wir wieder Anwender im Interview zu Wort kommen und liefern zahlreiche Klangbeispiele. Wir beginnen mit dem außergewöhnlichen LinnStrument. Die großer Variante des LinnStrument haben wir übrigens bereits HIER getestet. Ein Test der kleinen LinnStrument 128 folgt demnächst, das aktuell für 999,- Euro zu haben ist.

Ausgedacht und entwickelt wurde es von keinem Geringeren als Industrielegende Roger Linn. Seine berühmte LinnDrum hat ihn schon in den 80er Jahren rund um den Globus bekannt gemacht und seit einiger Zeit widmet er sich der Konzeption und Entwicklung völlig neuartiger Instrumente. Herausgekommen ist dabei bislang das LinnStrument.

LinnStrument von Roger Linn

Ganz neue Wege beschreitet Roger in Sachen Look, Spielfeld sowie Handhabung und sämtliche Aspekte sind vor allem eins: Anders! Wer sich also für diesen Controller interessiert, sollte zunächst alle möglichen Informationen darüber beschaffen und sich mit den Features befassen. Da hier kein Software Synthesizer mitgeliefert wird, ist diese Info-Phase von besonderer Bedeutung. Es spielt nämlich eine Rolle, ob Sie alle Systemvoraussetzungen von der Computerplattform bis zum Tonerzeuger bereits besitzen oder noch mal in die Tasche greifen müssen für entsprechende Zukäufe. Allerdings gibt es zumindest eine kleine Hilfestellung herstellerseits in Form von Bitwig 8-Track. Die Nutzungslizenz fordert man bei ihm via Website per Email an. Dort finden Kaufinteressenten und LinnStrument Besitzer auch jede Menge Zusatzhinweise und FAQ Infos. Das ist auch nötig, denn intuitiv erschließt sich einem das LinnStrument nicht gerade.

Als Gesprächspartner habe ich diesmal zwei Musiker ausgewählt, beide hatten sich schon in der Kommentarstrecke beim LinnStrument Testbericht geäußert.

Über das LinnStrument habe ich mich zunächst mit dem Österreicher Robert Kastler unterhalten. Er ist Musiker, Arrangeur und Komponist, spielt mehrere Instrumente, ist klassisch ausgebildeter Pianist und hat eine lange Referenzliste mit Bands und Musikprojekten. Bei Interesse lesen Sie einfach mal die Info Seite auf seiner Homepage, den Link finden Sie am Ende des Artikels.

Robert Kastler

Klaus:
Welche Instrumente spielst du außer dem LinnStrument noch und was war der Anlass, es zu kaufen?

Robert:
Ich komme vom Klavier und Akkordeon, dann ging’s über Fender Rhodes und Minimoog D zu allen Tasteninstrumenten. Spiele auch gerne Drums. Die Entwicklung vom LinnStrument habe ich von Anfang an verfolgt, da ich schon immer sämtliche Saiteninstrumentalisten um ihre Tonbearbeitungsmöglichkeiten beneidet habe. Es gab ja anfangs mehrere Designstudien, unter anderem auch eine Variante mit wechselbaren Layouts mit Tasten, Pads, Grid, die mir sehr gut gefallen hätte, aber Roger Linn hat sich dann auf das Grid-Layout festgelegt. Sein Video mit einem Prototypen hat mir gut gefallen, das LinnStrument war eine konsequente Weiterentwicklung davon und ich suchte eine Herausforderung und Inspiration.

Klaus:
Bitte erzähle ein wenig über Deine Erfahrungen mit dem LinnStrument, und auch über die Lernkurve.

Robert:
Die Lernkurve für einen Keyboarder wie mich ist schon sehr steil und ich muss mir eigentlich immer noch jedes Stück einzeln erarbeiten, übe aber auch nicht wirklich. Ich verwende das LinnStrument am liebsten ohne Y- und Z-Achse, also nur polyphones Pitch Bend auf der X-Achse und normale Anschlagsdynamik. Das funktioniert wirklich super und ermöglicht ausdrucksstarkes Spiel mit unabhängigen Bends und passenden Vibratos mit beliebiger Frequenz. Sehr schön. Sobald ich aber Y- und Z-Achse aktiviere, ist es mit der Kontrolle vorbei. Dann spielt das LinnStrument mehr mit mir als umgekehrt. Durch die bauartbedingt geringen Wege schaffe ich es kaum, die Y-Achse für Auf/Ab, zum Beispiel für Filter Cutoff, oder die Z-Achse mit Druck für Aftertouch oder auch Volume musikalisch sinnvoll zu steuern. Das geht mir dann meist alles zu ruckartig, ganz zu Schweigen von einer unabhängigen Kontrolle der 3 Achsen. Also etwa ein Vibrato ohne Cutoff- oder Lautstärkeänderung. Für diese zusätzlichen und lediglich monophonen Echtzeitsteuerungen verwende ich dann doch lieber die Last Row Function beim LinnStrument, also die unterste Reihe sendet dann einen MIDI-Controller oder ein externes ModWheel. Zusätzlich zum Pitch Bend funktioniert für mich noch am ehesten die Drucksteuerung mit Poly oder Channel Pressure von Synthparametern, Distortion etwa, oder das Hinzufügen von Intervallen. Release Velocity funktioniert gut, ist mir aber nicht ganz so wichtig.

Klaus:
Wo setzt Du das LinnStrument ein: Bühne, Studio, oder beides?

Robert:
Zuhause. Ab und zu ein kleiner Gig mit Keith Emerson Moog-like Solo oder so.

Klaus:
Gibt es Dinge, die Du beim LinnStrument besonders magst und auch welche, die Dir weniger gefallen? Hast Du Tipps für potentielle Käufer?

Robert:
Das meiste habe ich ja schon erwähnt. Dass das LinnStrument keine eigene Tonerzeugung besitzt und man einen Rechner dafür braucht, dürfte ja klar sein. Es funktioniert aber auch perfekt mit einem iPad, mit Kabel. Nur vier Presets, um die gesamten Einstellungen inklusive Splits abzuspeichern, sind mir eindeutig zu wenig. Es lässt sich zwar schnell umkonfigurieren, trotzdem hätte ich gerne viel mehr. Und man sollte sie auch benennen können, das wird aber schwer zu realisieren sein. Grundsätzlich macht mir das LinnStrument aber sehr viel Spaß, obwohl ich von den 3D-Funktionen, also gleichzeitige Kontrolle der verschiedenen Achsen, mehr erwartet habe. Vielleicht liegt es aber auch an mir und andere Musiker können besser damit umgehen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    fritz808  

    „MPE-Controller und steht für Multidimensional Polyphonic Expression“
    … braucht man das wirklich? die standard-controller wie wheels, aftertouch, fußpedale etc. müssen erst mal richtig beherrscht werden und sorgen am ende bereits für sehr ausdrucksstarke darbietungen.

    • Profilbild
      k.rausch  RED

      Der Hinweis ist völlig berechtigt. Dieser Artikel war ursprünglich ein 2-Teiler über MPE und die entsprechenden Instrumente. Im Outro wurde als Diskussionsbasis für den musikalischen Gegenentwurf das komplette Arsenal Standard Controller Wheels, Ribbon, Foot Control usw. thematisiert. Dieser Teil wurde jedoch kürzlich abgetrennt, weil er bei MPE etwas untergegangen ist und nicht die angemessene Aufmerksamkeit bekam. Hier findest Du also „MIDI: Aftertouch, Ribbon, Breath, Mod-Wheel, Joystick und mehr“ samt zugehöriger Audio Tracks: https://www.amazona.de/midi-aftertouch-ribbon-breath-mod-wheel-joystick-und-mehr/

    • Profilbild
      Panta Flux  

      Ja, natürlich braucht man MPE! Alleine schon, weil ich es gerne hätte. :-D … im Gegensatz zu den ganzen Standard-Controllern, auf die ich liebend gerne verzichte, weil sie beim Spielen eine eigentlich ganz einfache Sache unnötig verkomplizieren.

      Die Frage hieße auf Gitarrenspieler übertragen: „Verschiedene Spiel-, Anschlag- und sonstwas-Techniken … braucht man die? Kann man nicht jede Saite einfach durch einen Mechanismus gleichmäßig zupfen (Cembalo) und dann durch externe Controller für Ausdruckstärke sorgen?“ ;-)

      Wenn das Haken Continuum nicht so preisintensiv wäre, hätte ich das hier schon längst im Einsatz.

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