Test: Korg MicroPiano mobiles Mini-E-Piano

25. Mai 2011

Mobiles Mini-Digitalpiano

Das Korg MicroPiano verschlägt einen nach dem ersten Öffnen der Verpackung zunächst einmal in seine Jugend zurück. Snoopy und sein virtuoser Klavierfreund Schroeder kommen einem direkt wieder ins Gedächtnis, wenn man das kleine Piano zum ersten Mal sieht. Der Hersteller Korg stellt mit seinem neuen Produkt ein Digitalpiano im Kleinformat vor. Was wirklich in dem Peanuts-Flügel steckt, soll der folgende Test klären.

Optik & Ausstattung

Optisch erstrahlt das MicroPiano entweder im edlen schwarzen Klavierlack,in einem brillanten Rot oder auch mit weißem Klappdeckel. Zum Vergrößern, die Bilder bitte anklicken:

So oder so ist das Piano ein echter Hingucker, der jedem direkt ins Auge springt und Ausrufe à la „Ach, ist das süß!“ oder „Was ist das für ein Kinderspielzeug?“ hervorruft. Doch wie so oft im Leben zählen die inneren Werte und da braucht sich das MicroPiano wahrlich nicht zu verstecken.

Wir haben uns die schwarze Variante schicken lassen.

Ausgestattet ist der kleine Flügel mit 61 Tasten im Mini-Format, die sich einigermaßen passabel spielen lassen. Schön ist, dass die Tastatur mit einer Anschlagsdynamik ausgestattet ist. Aufgrund der Größe der Tasten (baugleich zu den anderen Micro-Produkten von Korg) braucht man von einem richtigen Druckpunkt nicht zu sprechen, da jede ausgewachsene Person nicht viel Kraft braucht, um die Tasten herunterzudrücken. Entgegen anderer Hersteller hat es Korg jedoch geschafft, das Ganze nicht als Kinderspielzeug aussehen und anfühlen zu lassen, sondern wirklich eine Mini-Synthesizer Tastatur zu verbauen. Natürlich darf man hier keine vollwertige Synthesizer- oder gar Hammermechanik-Tastatur erwarten, dafür sind die Tasten einfach zu klein bemessen und Erwachsenen-Hände zu groß. Die insgesamt fünf Oktaven umfassende Tastatur reicht jedoch für ein passables Spiel aus.

Mini-Tastatur mit Spielgefühl?

Die Anschlüsse des Pianos liegen allesamt auf der Rückseite des rund 78 x 29 x 14 cm großen Gehäuses. Hierzu zählen neben dem obligatorischen externen Netzteil auch die Anschlüsse für einen Kopfhörer (Mini-Klinke) und ein Sustain-Pedal. Klappt man den Deckel des Flügels auf, finden sich hier noch ein Batteriefach (6x AA Batterien für rund 15 Stunden Laufzeit) und die wenigen Bedienelemente samt einer kleinen LED, die den Betriebszustand anzeigt. Der Batteriebetrieb lädt bei insgesamt nur 5,2 kg dazu ein, das Gerät unter den Arm zu nehmen und auf der nächsten Party für Stimmung zu sorgen. Die Leistung der internen Lautsprecher reicht dafür leider nicht aus, was bei den Abmessungen und dem Gewicht des MicroPianos jedoch auch nicht verwundert. Abhilfe schafft hier nur der Anschluss an externe Aktivboxen oder eine richtige PA. Gerade mal drei Bedienelemente plus Volume-Regler reichen aus, um das Piano zu bedienen. Wie alles am MicroPiano ist auch der Volume-Regler klein ausgefallen, da dieser zusätzlich jedoch noch ein wenig im Gehäuse versenkt ist, ist das Drehen am Regler wirklich eine Kunst für sich und nichts für grobe Finger.

Anschlüsse des Korg microPiano

Sounds & Phrasen des microPiano

Wie bereits am Anfang erwähnt, kann das MicroPiano jedoch nicht nur optisch überzeugen. Die insgesamt 61 Sounds stammen vor allem aus dem Bereich der Tasteninstrumente und umfassen vorwiegend Klänge von akustischen und elektrischen Pianos, Mallets (Vibraphone, Marimba etc.) Orgeln und einigen Streichinstrumenten. Die wahren Klangeigenschaften lassen sich beim MicroPiano jedoch erst erfassen, wenn man die internen Lautsprecher umgeht und sich den Sound über Kopfhörer oder eine externe Anlage anhört. Schnell erkennt man, dass die Klangerzeugung des kleinen Digitalpianos auf den Sounds der größeren Korg Geräte beruht und sich das MicroPiano klanglich nicht zu verstecken braucht. Insgesamt 120 Stimmen Polyphonie (60 bei Stereosamples) sorgen dafür, dass keine angeschlagene Taste ungehört bleibt. Die Anwahl der Klänge erfolgt mit Hilfe des Sound-Buttons, der gleichzeitig gedrückt mit einer der 61 Mini Tasten jeweils einem bestimmten Klang zugewiesen ist.

Die Kategorien der Sounds orientieren sich an den einzelnen Oktaven der Tastatur. So findet man auf den Tasten der untersten Oktave ausschließlich akustische Klaviersounds, auf der zweiten nur E-Pianos usw. Ein Überblick über alle Sounds gibt das gedruckte Handbuch. Leider gibt es aufgrund eines fehlenden Displays oder ähnlichem keine Möglichkeit, den aktuell angewählten Sound zu erkennen, so dass sich der Nutzer allein auf sein Erinnerungsvermögen der zuletzt gedrückten Taste verlassen muss.

Batteriefach bei geöffnetem Deckel (rechte Seite)

Wie bereits erwähnt ist die Qualität der Sounds wirklich sehr gut. Vor allem der Hauptklavierklang mit dem simplen Namen „Grand Piano“ gefällt mir sehr gut. Im Klavierbereich finden sich neben diesem noch Sounds für weitere Stile, bspw. ein Jazz Piano oder Honky Tonk, ebenso wie eine Kombination aus Piano und Streicher. Im zweiten Tastaturbereich von unten finden sich diverse E-Piano Variationen, die teilweise bereits mit schönen Tremolo- oder Chorus-Effekten versehen sind. Leider können diese Effekte in keinster Weise an- und ausgeschaltet bzw. gar bearbeitet werden. Der Spieler muss sich hier mit den Vorgaben des Herstellers zufrieden geben. Gerechterweise sei aber gesagt, dass die Einstellungen und der Effektanteil für die meisten Einsatzgebiete des MicroPianos wohl vollkommen in Ordnung gehen. Im dritten Bereich des Digitalpianos finden sich alle Mallet-Klänge, sprich Vibraphon, Marimba, Celesta oder auch Steel Drums. Abgerundet wird die Soundpalette mit diversen Orgeln, Streichern / Glockenklängen im oberen Bereich der Tastatur.

Korg hat dem MicroPiano jedoch nicht nur die beschriebenen Sounds beigelegt. Als kleines Schmankerl hat der Hersteller auf insgesamt 25 schwarzen Tasten zum jeweiligen Sound passende Phrasen abgelegt, die chromatisch über fast die komplette Tastatur mit einer Note „abgefeuert“ werden können. Von „schweren“ Wagner-ähnlichen Klavierphrasen, über typische Latin Piano Licks bis hin zu Harfen-Glissandi ist alles vertreten. Bei den meisten Phrasen kann man die oberen 1-2 Oktaven für das eigene Spiel nutzen – ein schönes Gimmick, an der die ganze Familie Spaß haben wird.

Blick auf die Bedienelemente und Lautsprecher

Extras & Zielgruppe

Außer einer Transpose-Funktion und 40 Demosongs gibt es ansonsten nichts weiter am MicroPiano zu entdecken. Die Demosongs lassen wie in allen Geräten die Highlights der Sounds erstrahlen. Dabei erklingen oftmals bekannte Lieder wie Arabesque von Claude Debussy, der türkische Marsch von Mozart, Air von Johann Sebastian Bach oder der altgediente Entertainer von Scott Joplin.

Die abschließende Frage des Tests lautet sicherlich: Wer braucht denn nun das Micropiano und wie setzt man es am Besten ein? Der Hersteller Korg hat bereits mit den anderen Produkten der Micro-Serie (MicroKorg, Sampler und Station) bewiesen, dass Mini-Keyboards und Synthesizer durchaus ihre Berechtigung haben und teilweise sehr erfolgreich in den verschiedensten Produktions- und Live-Bereichen eingesetzt werden. Das MicroPiano ist somit eine logische Weiterentwicklung dieses Bereiches und man kann vermuten, dass es sich ebenso gut verkaufen wird. Als ernsthafter Ersatz für ein Digitalpiano ist es sicherlich nicht konzipiert und auch nicht geeignet, obwohl zumindest die Qualität der Sounds dafür absolut ausreichen würde. Schade ist, dass Korg entgegen der anderen Produkte der Micro-Serie im MicroPiano keine MIDI-Schnittstelle integriert hat. Die Verbindungsmöglichkeit zu anderen Geräten wie Computer / Sequenzer bzw. größeren und besseren Tastaturen würde das Einsatzgebiet des kleinen Flügels  erheblich vergrößern.

Fazit

Stylisch ist es ,und klanglich ein richtiges Vorzeigeteil. Erinnert es am Anfang noch an den Flügel des Snoopy-Kumpanen Schroeder, erkennt man schnell, dass im MicroPiano ein gutes Digitalpiano im Mini-Format steckt. Einzig allein die sehr kleine Tastatur, die fehlenden MIDI-Anschlüsse sowie der zu klein geratene Volume-Regler schränken das Einsatzgebiet des MicroPianos ein wenig ein. Ansonsten ein wirklich gelungenes Produkt, was richtig eingesetzt viel Freude bereiten wird. Der Preis von rund 300,- Euro geht dabei vollkommen in Ordnung.

Plus

  • qualitativ hochwertige Klänge
  • kompaktes und handliches Gerät

Minus

  • fehlender MIDI-Anschluss
  • sehr kleiner Volume-Regler

Preis

  • Straßenpreis: 299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Hätte das MicroPiano zumindest einen MIDI-In, könnte ich mir einen Einsatz als Piano-Expander mit Not-Tastatur vorstellen. So, wie es jetzt ist, finde ich es einfach nur lächerlich!

    • Profilbild
      yapyap

      Für 295 Euro einen vollwertigen MIDI-Expander zu erwarten, ist sicher weitaus lächerlicher.

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