Test: Motu Ultralite MKIII Hybrid, Teil 2

17. Mai 2010

...jetzt auch USB

Vorwort: 2 Versionen 1 Interface

Da MOTU sein erfolgreiches UltraLite MKIII Audiointerface zunächst nur mit einer Fire-Wire Schnittstelle ausgesstattet hatt, dann aber die Version Hybrid zusätzlich mit einer USB-2.0 Schnittstelle bestückte, finden Sie einen Test des UltraLite MKIII in zwei Teilen.

Teil 1 behandelt die allgemeinen Features beider Varianten, Teil 2 geht bewusst auf die USB-Version ein.

Teil 2 – USB

Das Ultralite MKIII geht in die nächste Runde. MOTU spendiert dem Firewire-Interface im halben 19“-Format statt der zweiten FW-Buchse einen USB-Anschluss. Ansonsten ist das mobile Firewire-Interface mit dem Vorgänger Ultralie MKIII nahezu identisch.

Wie bei MOTU üblich, kann dieser kleine schwarze Kasten mit einer integrierten DSP-/Mischpult-Einheit dienen. Latenzfreies Monitoring mit Effekten ist somit auch hier möglich. Zwar bieten einige Interfaces sehr ausgefuchste DSP-Mixer, teilweise sogar ausgefuchster als die des MOTU (man denke hier nur an die Firefaces und Hammerfalls von RME oder die ONYX-Serie von Mackie), aber eine Effekt-Sektion ist -leider- immer noch nicht der Standard, schade – gut für MOTU.

Features:
Das Ultralite MkIII hat einiges für seine 500 Euro Straßenpreis unter der Haube:

  • bis zu 24Bit Auflösung
  • bis zu 192 kHz Abtastrate
  • zwei Mikrofon-/Instrument-Eingänge
  • 6x symmetrische Analogeingänge
  • 10x Ausgänge mit Klinkenbuchsen
  • 48V Phantomspeisung
  • S/PDIF-Ein/Ausgang
  • Kopfhörerausgang
  • theoretisch Stand-Alone als „Mischpult“ nutzbar
  • CueMix FX – Steuersoftware
  • DSP
  • LCD-Display
  • WDM/ASIO/CoreAudio-Treiber
  • AudioDesk Software für Mac
  • MIDI I/O
  • verbunden über USB 2.0 oder Firewire 400

192 kHz sind, ganz speziell in dieser Gewichtsklasse, noch lange kein Standard und die Dreingabe „AudioDesk“ macht aus einer „einfachen Soundkarte“ ein Produktionstool. Äußerlich hat sich zu dem Vorgänger aus dem Vorjahr nicht viel getan. Als „neues Feature“ wurde hauptsächlich die USB-Buchse installiert. Speziell nach dem Fireface UC, ist das nicht mehr der große Wurf. Insgesamt finde ich den „quasi Stillstand“ bei diesem Produkt sehr schade, wenig Verbesserung, obwohl, meiner Ansicht nach, das Ein oder Andere Not getan hätte: Die Oberfläche wäre deutlich aufgeräumt deutlich ergonomischer, wie das die Konkurrenz bereits (meist bei den „reinen“ USB-Interfaces) vormacht.

Praxis

Verbindung mit dem Rechner bekommt das Ultralite ganz bequem per Firewire oder USB2.0. Sollte die Bus-Power von Firewire hier nicht vorhanden sein (wie das bei Notebooks üblich ist), liegt ein Netzteil bei. Auch hier läuft das Interface an Mac und PC auf Anhieb, zumindest was den USB-Teil angeht. Via Firewire konnte ich an zwei Windows-Rechnern mit zwei FW-Chipsätzen (NEC und TI) keine Verbindung herstellen. Selbst der Support konnte mir nicht weiterhelfen. Zwar scheint Firewire etwas an Bedeutung zu verlieren, eine Funktion der Schnittstelle sollte doch wohl auch unter Windows möglich sein. Bei meinen Tests und Versuchen mit unterschiedlicher Firewire-Hardware beschlich mich jedoch der Eindruck, dass Firewire unter Windows weit seltener rund läuft als unter MacOS. Die properitäre Hardware/Software-Kombination mag durchaus ein Grund dafür sein.
Das Einschalten ist, wie beim Vorgänger, mit einem langen Druck auf das Volume-Rad zu bewerkstelligen. Ich persönlich mag solche Doppelbelegungen eher weniger. Auf die gleiche Weise wird dem Interface der Feierabend bekannt gegeben.

Die Anschlüsse sind hinten angebracht, mit Ausnahme eines Mikrofon/Instrumenten-Anschlusses und der Kopfhörerbuchse. Kaum einer wird ein Rack sein eigen nennen, in dem man 1/2 19“-Geräte verbauen kann und daher liegen allerhand Schrauben, Schablonen und Adapter mit bei um das erworbene Stückchen Hardware mit dem heimischen Rack zu verheiraten. Bei so manchem Hersteller hätten diese Untensilien eine eigene Artikelnummer und einen eigenen Preis – sehr gut. Selbstverständlich ist das Ultralite mit Phantomspannung ausgerüstet. Noch beim Vorgänger wurden Kippschalter für Phantompower und der Vordämpfung angebracht. Diese waren derart eng platziert, dass die Bedienung, speziell in einer hitzigen Jam-Session, eine ganze eigene Challange darstellt. Hier hat MOTU dazugelernt und eine ganz passable Lösung ersonnen: Mit einem einfachen Druck auf den Drehgeber/Poti zur Vorverstärkung (Trim-Poti) wird die Vordämpfung ein- bzw. ausgeschaltet. Schafft man es den Druck länger (2 Sekunden) durchzuhalten, so wird man mit dem Ein- bzw. Ausschalten der Phantomspannung belohnt. Das ist eine klar bessere Lösung als die Kippschalter aus der Dampflok.

Latenzfreies Monitoring mit Hall und EQ

Latenzfreies Monitoring mit Hall und EQ

Die vier Drehgeber, mit welchen sich die internen Mischpult-Optionen direkt am Gerät steuern lassen, sind immer noch dicht beieinander. Dies erfordert sehr spitze oder auch sehr dünne Finger.
CueMix FX, die Software zur Steuerung des MOTU, ist nicht sehr intuitiv (wie hier mehrfach zu lesen war). Die ausgiebige Lektüre des Handbuches, welches durchweg einen guten Eindruck macht, ist also nötig. Prinzipiell kann das Interface mit der PC/Mac-Software die komplette Control-Room-Sektion eines Mischpultes überflüssig machen! Sogar Surroundmonitoring sowie  TalkBack/ListenBack ist mit Boardmitteln machbar. Eine solche werksseitige Ausrüstung ist alles andere als üblich, selbst bei größeren Interfaces.

So schön ist es ohne Kippschalter

So schön ist es ohne Kippschalter

Ein wenig unglücklich finde ich in der Praxis, dass der eine Mikrofon/Instrumenten-Anschluss auf der Front zu Hause ist, während die restlichen Anschlüsse auf dem Heck Ihr Lager aufgeschlagen haben. Sinn macht diese Konfiguration allerdings, wenn der Front-Mikrofon-Anschluss als TalkBack-Anschluss Verwendung findet? Speziell bei einer Rackmontage finde ich diesen Ansatz nicht ganz so gut, da die Verkabelung dabei etwas unaufgeräumter ausfällt.

Fazit

Die Audioqualität des Ultralite MKIII geht absolut in Ordnung, hier kann das kleine Interface punkten. DAS Kaufargument bei solcher Hardware, denn Dreingaben wie AudioDesk (genauere Beschreibung im Test des reinen Firewire-Vertreters) können immer nur ein „Zuckerl“ sein. Mit einem MacBook könnte das Ultralite MKIII via USB eine kleine „Wunderwaffe“ für einfache mobile Recording-Anwendungen sein. „AudioDesk“ ist für mich als „AddOn“ ein echter Schnäppchenfaktor. Leider kommen nur Mac-User in den Genuss dieser Software. Für PC-User dämpft das, meiner Ansicht nach, klar das Preis/Leistungsverhältnis. Auch dass es hier scheinbar nicht so einfach via Firewire anzubinden ist – komisch. Der Mac hat im Pro-Sektor die Nase vorn, allerdings nutzen die meisten Hobbyisten und Semi-Professionellen-Anwender verstärkt den PC, daher wäre eine Portierung von „Audiodesk“ und eine Optimierung des Firewire-Supports (NEC-Chipsätze werden derzeit wohl gar nicht unterstützt) ein klarer Schritt in die richtige Richtung.

Einen guten Eindruck macht die Verarbeitung. Die verbauten Komponenten erscheinen wertig. Besonders positiv fallen die durchweg symmetrischen Eingänge auf.

Für Mac-User scheint mir das Interface, dank der Software AudioDesk und der scheinbar unkomplizierteren Nutzung des Firewire-Ports, attraktiver als für PC-Anwender. Wer wirklich nie mehr Ein- bzw. Ausgänge braucht als die, die das Interface zur Verfügung stellt und auch nicht kompatibel zu Wordclock und ADAT sein will/muss, könnte mit diesem Interface glücklich werden.

Plus

  • AudioDesk (nur für Mac)
  • Wandler, Preamps
  • Qualität der DSP-Engine (bis auf Hall)
  • latenzfreies Monitoring mit Effekten im Interface möglich
  • kompakte Bauweise
  • Produkt-Design teilweise verbessert

Minus

  • Firewire-Support für Windows-Rechner

Preis

  • UVP: 575,99 Euro
  • Straßenpreis: ca 500 Euro
Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Hallo Florian!

    Mit Interesse habe ich Deinen Testbericht gelesen und möchte dazu ein paar Anmerkungen machen.

    Im Falle des Ultralite ist auf der Rückseite einfach keinen Platz mehr für die zweite XLR/Klinke-Kombibuchse. Bei meinen eigenen Motu-Interfaces (828 Mk II und Mk III) sitzen ja sogar zwei Buchsen auf der Frontplatte, was für meine Anwendungen auch nicht so optimal ist. Wer die Recordings eher im kleineren Rahmen macht, wird den vorderen Zugang aber vielleicht sogar schätzen, da hier die Instrumente bzw. Mikrofone schnell an- ab- und umgesteckt werden können.

    Gegen Aufpreis kann man die mitgelieferte Software „Audio Desk“ auf den „Digital Performer“ upgraden. Diesen verwende ich seit 10 Jahren im Studio, ist ein absolutes Super-Audio-/Midiprogramm, dass sich vor Logic und Cubase nicht zu verstecken braucht. Nachteil: Alles nur englisch! Allerdings ist der deutsche Support (Klemm Music) bei Fragen recht fix und kann per Email oder Telefon helfen.

    Musikalische Grüsse

    Siegfried Schöbel

  2. Profilbild
    ueleu

    — Produktdesign nichts für mittlere bis große Finger

    Nur zwei Minus??? Ich habe kleine Finger und kann die rechten vier Drehregler trotzdem nur mit akrobatischen Verrenkungen bedienen. Die Regler 5mm witer auseinander wie auf der linken Seite und es währe gut.

    Ich habe „nur“ den Vorgänger, also das Ur-UltraLight. Was nervig ist: Man muss das Gerät explizit per Hand ein- und ausschalten. Klasse währe hier eine Funktion, wenn das Netzteil angestöpselt ist, dass die Stromzufuhr über den Firewire-Bus abgeschaltet wird. Und dieses unpraktische Druck-Taster-Ein-Aus-Dreh-Poti durch eines mit einem einrastenden DruckSCHALTER ersetzt wird. Dann könnte man das Gerät mit allen anderen Gerätschaften gemeinsam über die schaltbare Steckdosenleiste ein- und ausschalten. Bisher heißt es sehr oft: Mist, schon wieder nicht ausgeschaltet oder blöd, einschalten vergessen …

    Bei einem 500 Euro Gerät sollte so etwas besser gelöst sein.

    Also Strom-Management ein weiteres Minus.

    Aber sonst ein wirklich gutes Teil. Mit einer echten Meterbridge mit eigener Anzeige für jeden Kanal … im Micro-Format :-)

    Sonnige Grüße
    Udo

  3. Profilbild
    frizz

    hi,
    das Gerät ist im Prinzip toll, macht aber in MacOsX/Macbook selbst beim Abspielen einfacher Stereo-Soundfiles üble Audio-Aussetzer. Sofern MOTU nicht irgendwann mit einem funktionierenden Treiber aufwarten kann, bleibt das Gerät für nicht brauchbar. Sehr traurig. Vielleicht funktioniert’s ja in Windows, aber bei Mac: Vorsicht ! Unbedingt vor Kauf ausprobieren.
    Gruss
    frizz

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Hallo Frizz!

      Mir kpl. unverständlich, da Motu ja einer DER Hersteller für Interfaces für den Mac ist. Wäre es nicht möglich, dass eine falsche Sync-Einstellung dafür verantwortlich ist?

      Ist mir selber mal passiert und ich hatte dann die ähnlichen Symptome.

      Mit musikalischen Grüssen

      Siegfried Schöbel

      • Profilbild
        frizz

        hi Siegfried,
        ich hab sämtliche techn. Checks + Konstellationen incl. neuer Festplatten, Geräte-Test bei Klemm, neues System, Foren etc etc. ausprobiert: nix zu machen mit Macbook 2.16GHz System 10.5.8. (Auf Wunsch Details)

        Sync auf intern, Aussetzer bei simplem Abspielen eines Audiofiles, USB u. FW.
        Das normale Abspielen ohne MOTU: keine Probleme.

        Falls du noch eine Möglichkeit im Ärmel hast,…bin für alles offen.
        Ansonsten hoffe ich auf einen neuen Treiber, in ferner (?) Zukunft.
        Leider ist das UltraLite, was die Features angeht, nicht mit einem anderen Produkt ersetzbar.

        Herzliche Grüsse
        frizz

        • Profilbild
          DietmarB  

          Mit einer nicht vorhandenen Aussage über Deine Umgebung und Einstellungen wird Dir keiner wirklich helfen können. Ich tippe mal auf ein Benutzerproblem.

          Was viele falsch machen, ist, das Interface auf die höchste Samplerate zu stellen und dann auf eine externe USB-Platte aufzunehmen oder von dieser abzuspielen, die womöglich noch am gleichen USB hängt wie das Interface selbst. Kein Wunder, daß das dann aussetzt, und das hat nichts mit dem Treiber zu tun, sondern mit der Unbedarftheit des Benutzers. Firewire kratzt sowas nicht, USB schon.
          Bei Macbooks haben die beiden USBs unterschiedliche Busse, daher also Interface und externe andere USB-Sachen an verschiedene Ports packen, außerdem die Samplerate runterstellen. Wer bei der Wiedergabe eine Samplerate einstellt, die höher ist als die des Aufnahmematerials, wird nur unnütz Buslast erzeugt, aber nix gewonnen. Daher: Samplerate zum Aufnehmen höherstellen, bei der Wiedergabe auf CD-Standard. Die Einstellungen bei Audio-MIDI-Setup gelten nur fürs System, die Anwendungen haben ihre eigenen Einstellungen, sodaß man da nicht ständig rumstellen muß.

    • Profilbild
      Steppenwolf  

      Also ich nutze dieses Interface mit dem aktuellsten Mac Os X und habe damit nie probleme gehabt bisher.

      Das einzige worauf man achten muss ist dass man während des Betriebs nicht die USB/Firewire Verbindung trennen darf, das macht das Gerät nicht mit und kann Fehler verursachen.
      Wenn man das beachtet läuft alles super und ohne die geringsten Probleme. :)

      Meiner Meinung nach ist der einzige Konkurrent von diesem Audio-Interface wie es ist RME, was auch wieder teurer sein dürfte.

      Gruß
      Steppenwolf von Mensch

  4. Profilbild
    Steppenwolf  

    Ich versteh immer nicht warum da alle um die Potis rumfassen wollen, ich bedien die von vorne mit den Fingerkuppen und hab nie Probleme damit, selbst bei größeren Wertänderungen hat man sich nach meinem Empfinden relativ schnell durchgeschraubt.

    Wie fasst ihr die Dinger an dass es so schwierig ist?

  5. Profilbild
    Mr. MeloD

    Hallo Florian,

    ist das Motu vom Klang her besser als das Focusrite 8i6? Habt ihr Erfahrung mit dem M-Audio c600 oder ist dieses auf jeden Fall klanglich unter dem Motu und dem Focusrite anzusiedeln?

    VG
    Fabian

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