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Test: Neural DSP Archetype Mateus Asato E-Gitarren Software

Individuelle Allzweckwaffe

14. November 2023

Mateus Asato Stand Alone

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Sie lassen einfach nicht locker, die Entwickler von Neural DSP. Bislang konnten uns nahezu alle Plug-ins der Finnen, die für Gitarristen existieren, überzeugen und nicht zuletzt hat Neural DSP selbst die Latte immer etwas höher gelegt. Zahllose Studioprofis haben ein oder mehrere der Plug-ins in ihren Workflow integriert und die Dunkelziffer der Gitarristen, die davon schwadronieren, dass nur der pure Amp der heilige Gral sei und die trotzdem heimlich die Plug-ins der Finnen nutzen, dürfte hoch sein. Nach John Petrucci, Cory Wong, Rabea Massad, Tim Henson, Tosin Abasi, Gojira, Tom Morello, Plini und Nolly Getgood bekommt nun auch Mateus Asato sein eigenes Software-Denkmal. Und bei der Gelegenheit hat die bislang äußerst bewährte Oberfläche der Software auch noch ein kleines Facelift bekommen.

Neural DSP Mateus Asato Software – Die Basics

Installation und Lizenzierung erfolgen problemlos per iLok, die Software installiert sich sowohl als Plug-in für alle gängigen DAWs, als auch als Standalone-Version. Nach einem Neustart der DAW ist das Neural DSP Mateus Asato Plug-in bereit, standalone funktioniert es sofort. Für alle Newbies hier: Was sonst noch benötigt wird, ist ein Audiointerface und ein paar Monitore oder gute Kopfhörer. Dann kann’s auch schon losgehen.

Neural DSP Quad Cortex
Neural DSP Quad Cortex
Kundenbewertung:
(245)

Grundsätzlich sind alle Software-Suiten von Neural DSP gleich aufgebaut. Im Hauptfenster wird jeweils einer der Slots angezeigt, die man ganz oben in der Top-Bar anwählen kann. Das Signal verläuft dabei von links nach rechts durch die einzelnen Slots. Ganz links befindet sich der Slot für die Pre-Effects, es folgt der Amp, die Cabsim, der EQ und dann die Post-Effects. Die Reihenfolge der Komponenten ist fix und nicht veränderbar.

Eine Reihe darunter befinden sich die In- und Output-Einstellungen für jedes einzelne Preset sowie der Preset-Browser. Ein Gate findet man hier ebenfalls. Die Transpose-Funktion kann die Gitarre bis zu 12 Halbtöne nach oben oder unten verstimmen. Ob und wie gut das funktioniert, klären wir später. Die Doubler-Funktion erzeugt einen fetteren, gedoppelten Stereosound.

Mateus Asato Top Bar

Oben im Fenster befinden sich die Auswahl-Buttons für die einzelnen Slots sowie der Preset-Browser und die I-/O Settings für jedes Preset

 

Mateus Asato Utility Bar

Utility Bar

In der Utility Bar befinden sich alle nötigen globalen Einstellparameter, der Tuner und das Metronom. Vor allem das Metronom ist eine Erwähnung wert, weil es ein äußert effektiver Sparringspartner ist. 16 Time-Signatures und noch mal 5 unterschiedliche Subdivisions für 5⁄8 und 7⁄8 stehen hier zur Verfügung. Die Anzahl der Schläge pro Beat ist dann per Rhythm-Button zusätzlich einstellbar. Das lässt definitiv keine Wünsche offen und bringt einen schnell an die Grenze des gepflegten Brainfucks.

Mateus Asato Metronom

Neural DSP Mateus Asato Plug-in – die Amps

Drei Amps mit jeweils einem eigenen Cabinet bilden wie immer die Basis. Der erste Amp ist ein Spezialist für cleane Vintagesounds und deckt auch den so beliebten Bereich des „Breakups“ ab. Der zweite Amp beschäftigt sich mit modernen Cleansounds mit viel Headroom und dürfte auch eine gute Basis für die virtuellen Pedale sein, während sich der dritte Amp als Spezialist für Mid- bis Highgain-Leadsounds präsentiert. Jeder Amp bringt ein eigenes Cabinet mit, Amps und Boxen lassen sich aber auch frei kombinieren.

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Beim optischen Design der Amps hat man sich wie üblich wieder mal allergrößte Mühe gegeben, jeder Amp ist ein Unikat. Der rosafarbene Zwerg zum Beispiel, der für die cleanen Sounds zuständig ist, scheint einem Lunchbox Amp Tribut zu zollen und hört auf den Namen „DC30“. Dementsprechend übersichtlich sind seine Regelmöglichkeiten, hier gibt es nur einen Power-Schalter und fünf Regler für den Sound. Dem Amp zugeordnet ist ein 2×12“ Cabinet.

Mateus Asato DC30

Mateus Asato DC30

Der „Modern Clean Amp“ ist schon etwas aufwändiger ausgestattet, neben der 3-Band-Klangregelung und einer Presence-Control kommt ein dreistufiger Mode-Switch in Spiel, der das Voicing des Amps ändert, indem er auf den Treble-Regler wirkt. Ein Fender-Style Boutique-Amp stand hier Pate und dieser Verstärker will am liebsten mit Singlecoils gefüttert werden. Ihm zur Seite steht ein 4×12“ Cabinet. Bezeichnenderweise heißt der Kerl „Lonestar“.

Mateus Asato Lonestar

Mateus Asato Lonestar

Als Lead-Amp finden wir einen schlichten Einkanaler mit einer Brightness-Schaltung und einem Shift-Button, der die Cutoff-Frequenz des Mittenreglers beeinflusst. „Shiva“ lautet Name und ich glaube nicht, dass das der Name Lady auf dem Amp ist …  Auch dieser Amp kommt mit einem 4×12“ Cabinet daher. Und das bringt uns direkt ins Herz der Software, die Cabinet Sektion.

Mateus Asato Shiva

Mateus Asato Shiva

Neural DSP Mateus Asato Software – die Cabs

Die drei verschiedenen Cabinets können jeweils mittels eines oder zweier virtueller Mikrofone abgenommen werden, hierzu stehen drei dynamische, vier Kondensator- und zwei Bändchenmikrofone zur Verfügung. Die Mikros können jeweils in Position und Entfernung verschoben werden, die Simulation des klassischen SM57 kennt auch die Position „Off-Axis“, was bedeutet, dass das Mikrofon nicht gerade auf den Speaker gerichtet ist, sondern angewinkelt aufgestellt wird. Nutzt man zwei Mikrofone, können diese untereinander in der Lautstärke angepasst und im Stereobild positioniert werden. Für den Fall eventuell Phasenprobleme kann die Phase des Signals jeweils gedreht werden.

Natürlich können hier auch Third-Party Impulse-Responses geladen werden, die man entweder schon auf dem Rechner hat oder die man im Internet kaufen kann. Impulse-Responses sind Dateien, die, vereinfacht gesagt, ein Abbild einer Boxen-Mikrofon-Kombination darstellen. So bietet etwa die Firma Celestion, die viele legendäre Speaker für noch legendärere Boxen gebaut hat, eigene IRs an, die die Speaker ins digitale Zeitalter befördern. Jeder Amp ist zunächst mit seiner zugehörigen Box verlinkt, ein Klick aufs Kettenglied befreit aber dann die beiden voneinander, sodass hier auch wild gemixt und ausprobiert werden kann.

Mateus Asato Mics

Neural DSP Mateus Asato Software – die Pre-FX

Vier Effektpedale stehen vor dem Amp zur Verfügung. Ein Compressor macht den Anfang in der Signalkette. Neben der Stärke der Kompression und der Lautstärke lassen sich noch der Mix und der Klangcharakter des Effekts beeinflussen. Es folgen zwei Overdrive-Pedale mit jeweils leicht unterschiedlicher Charakteristik. OD1 hat die Möglichkeit, die Mitten zu boosten, während OD2 über ein Lowpass-Filter verfügt. Das vierte Pedal kümmert sich um Modulationen. Drei Modi kann das Pedal, Chorus, Tremolo und Vibrato. An Regelmöglichkeiten stehen hier lediglich Speed und Intensity zur Auswahl, aber irgendwie reicht das ja auch.

Mateus Asato Pre FX

Hinter den Amps der Mateus Usato Software

Der Cabsim nachgeschaltet ist ein grafischer 9-Band-Equalizer, der massive Eingriffe in den Sound ermöglicht. Zusätzlich stehen hier noch ein High- und ein Lowpass-Filter zur Verfügung, deren Frequenz jeweils per Drehregler stufenlos und praxisgerecht einstellbar ist.

Mateus Asato EQ

Den Abschluss des Signalweges bilden ein Delay und ein Reverb, die beide, im Gegensatz zu allen anderen Archetype Softwares, bei denen diese Effekte in Pedalform vorliegen, aus zwei Rack-Einheiten bestehen. Die mit „Echo“ betitelte Delay-Einheit simuliert ein Bandecho mit drei Tonköpfen. Mittels des Mode Select Schalters können entweder der dritte, der erste und der dritte, der zweite und der dritte oder alle drei Heads aktiviert werden. Per Sync-Button wird festgelegt, ob das Delay frei der Einstellung des Time-Reglers folgt, ob es zur DAW synchronisiert werden soll, oder ob man die Delay-Zeit manuell eintappen möchte. Neben der Breite des Stereoeffekts sind – und das ist großartig – noch die Modulation des Delay-Signals und die Sättigung des Bandes einstellbar.

Mateus Asato Post FX

Die Reverb-Einheit verfügt über zwei Modi, Hall und Plate, wobei letzter moderne Studioqualität liefert, Hall orientiert sich dagegen an beliebten Vorbildern aus den 80ern. Per Slider sind Pre-Delay, Decay und Mix, sowie ein High- und ein Lowpass-Filter regelbar. An Regelmöglichkeiten mangelt es also wirklich nicht. Jetzt muss das Ding nur noch klingen.

So klingt die Mateus Asato E-Gitarren Software

Die Software bringt locker 160 Presets mit, die sowohl von Mateus Asato selbst, als auch von Neural DSP sowie 15 weiteren Cracks wie Rabea Massad oder Mark Lettieri stammen. Beim ersten Durchhören fällt mir sofort auf, dass die Presets von Mateus Asato in meinen Ohren die schwächsten sind. Das mag aber damit zusammenhängen, dass er eben einen sehr speziellen, individuellen Sound hat und das ist ja auch gut so. Hier spielt die Hörgewohnheit natürlich eine entscheidende Rolle, wer Mateus‘ Sound mag, wird sicherlich direkt im siebten Himmel schweben.

Um das Potenzial der Software zu ergründen, nehme ich mir zunächst die Amps pur vor. Jeder Amp behält die ihm zugewiesene Box, die Abnahme erfolgt immer mittels eines SM57 und eines Ribbon 121, die ich beide in die Mitte gemischt habe. Ich schalte mich jeweils durch ein paar Pickup-Kombinationen meiner Ibanez AZ226, alle Regler der Amps stehen auf 12 Uhr, mit Ausnahme des Gain-Reglers des DC30, der kommt zunächst clean an eure geschätzten Ohren. Was hier direkt auffällt, ist die unglaublich gute Qualität der Sounds, hauptsächlich im so kritischen Breakup-Bereich.

Zeit für ein paar Effekte. Ich löse mich gerade ganz bewusst von den Werks-Presets. Den bzw. die benutzten Effekt(e) habe ich jeweils im Namen der Klangbeispiele verewigt, den benutzten Amp ebenfalls.

Die Transpose-Funktion ist extrem nützlich und arbeitet bei Einzelnoten bis +/- 12 Halbtöne extrem sauber bei schnellem Tracking. Bei Akkorden wird’s irgendwann unsauber, aber da habe ich auch nichts anderes erwartet. Vier Halbtöne nach unten sind aber wirklich noch sehr gut nutzbar, nach oben kann ich bis 5 HT noch gute Ergebnisse erzielen. Der Doubler macht einen extrem fetten Sound, der für sich allein großartig klingt, im Mix aber eventuell problematisch werden könnte.

Zum Schluss noch ein paar Werks-Presets, die die Leistungsfähigkeit der Mateus Asato Software gut wiedergeben.

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Fazit

Sie schaffen es immer wieder, mich zu beeindrucken. Neural DSP hat mit der Mateus Asato Software mal wieder ein brandheißes Eisen im Feuer. Mich überzeugt die Qualität der einzelnen Amps genauso, wie die grandios musikalisch agierenden Effekte. Vor allem Delay und Reverb sind echte Oberklasse. Betrachtet man den Preis von 119,- Euro für diese Software, muss man sich ernsthaft fragen, wie man eine solche Soundvielfalt sonst reproduzieren will. Ich kann nur empfehlen: Ladet euch die Demoversion und probiert in Ruhe 14 Tage aus. Je länger man sich mit den Möglichkeiten beschäftigt, desto genialer erscheint einem die konsequente Umsetzung der rein digitalen Lösungen. Check it out!

Plus

  • Sound
  • Flexibilität
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • -

Preis

  • 119,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mofateam

    Wenn ich in meiner DAW auf dem Laptop arbeite, gibt es nichts Schöneres als Plugins, die mir mit fotorealistischen GUIs von glühenden Röhren, Rackohren oder in diesem Fall Klinkenbuchsen, VU-Metern, Tragegriffen und Frontbespannung den wertvollen Bildschirmplatz vollmüllen. Im Ernst, was soll dieser zweifelhaft geschmackvolle Eye-Candy-Mist?

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      @mofateam Nun ja, die meisten DAWs haben die Möglichkeit, die Grafik abzuschalten und das Plugin auf die Bedienelemente zu reduzieren. Ich persönlich komme mit realistischen Grafiken bei der Soundeinstellung schneller und besser zurecht. Später beim Mix reichen mir auch die reduzierten Grafiken. Irgendwie isst das Auge aber schon mit 😀

  2. Profilbild
    t.goldschmitz RED

    Danke für den Test!
     
    Ich selber nutze Cory Wong schon lange und mag die NeuralDSP Sachen sehr – ABER: Nur dezent eingesetzt. Ich wollte deswegen bei der Community anfragen.
     
    Beim Beispiel 17: Mateus-Asato-Edge-Of-Breakup-Glassy-Clean ab Sekunde 0:11 bis 0:14.
     
    Hört da noch jemad das totale Aufbrechen des Klangs? Daran meine ich immer zu erkennen, dass es sich um Software handelt. Das gleiche habe ich mit Cory Wong auch. Immer wenn zu sehr gepusht wird, zerbröselt der Sound komplett. Oder ist das einfach Einbildung?
     
    Wie empfindest Du das Jan?

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      @t.goldschmitz Hui, Adlerohren 😄
      Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Da sind aber viele Faktoren im Spiel, möglicherweise habe ich da auch in der Eile einfach das Interface etwas zu hart angefahren. So etwas rächt sich dann auch schnell. Im Kontext mit anderen Instrumenten ist das wahrscheinlich dann aber kein Thema mehr.

      • Profilbild
        t.goldschmitz RED

        @Jan Steiger Also mich springt das förmlich an… Ich schätze das würde ich in jdem Kontext hören. Tatsächlich habe ich letztens etwas gehört, wo ich genau das auch wahrgenommen hatte – innerhalb eines MIxes, also im Kontext.
         
        Vlt. bin ich auch einfach überempfindlich? Wenn man mit Röhrenamps aufwächst ist das halt so eine Sache 😉
         
        Vielen Dank für das Feedback!

    • Profilbild
      PLan9

      @t.goldschmitz Ich höre da nichts. Was meinst du mit „das totale Aufbrechen des Klangs“

      • Profilbild
        t.goldschmitz RED

        @PLan9 Hm, ich finde das sehr deutlich an dieser Stelle. Wie soll ich das beschreiben? Es ist, als wenn etwas an eine harte Grenze herankommt und kommplett dort abgeschnitten wird. Jan hat es ja bestätigt.
         
        Und nochmal: Ich nutze NuralDSP selber und finde die Software/Klang großartig 🤟 bis eben auf solche Grenzbereiche.
         
        Danke für das Feedback!

  3. Profilbild
    DIGITAL-BOHEME

    Gibt es da vielleicht irgendwo einen Vergleich mit Guitar Rig 7 von N.I.?
    ich kann da gar nix im Text zu finden? Mir scheint dieser Version hier wesentlich übersichtlicher zu sein, aber auch lohnend?

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      @DIGITAL-BOHEME Ich bemühe mich gerade um eine Testversion von Guitar Rig 7. Dann wird es wohl auch mal einen Vergleich geben. Ich kann dir aber jetzt schon sagen, dass die Plugins von NDSP wesentlich organischer klingen. Dafür hat GR abgefahrenere Effekte 🙂

    • Profilbild
      ollo AHU

      @DIGITAL-BOHEME Das hier sieht mir eher aus wie Softubes Amp-Room. NI Guitar-Rig (ich habe Version 6) mag bei dem ein oder anderen Sound-Modul vielleicht nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit zu sein, bietet aber wesentlich mehr. Damit kann man den Sound komplett durch die Mangel nehmen. Als Software um mal ein paar Gitarrenklänge aufzuhübschen ist das eigentlich unterfordert, das ist eher als ein Teil der Klangerzeugung anzusehen und das nicht nur bei Gitarren. Guitar Rig ist auch geil auf Vocals und vorallem Synthesizern. Eben so eine Art modularer Effektbaukasten.

      • Profilbild
        DIGITAL-BOHEME

        @ollo Das hat mir mal geholfen. Vielen Dank für deine Einschätzung. Dann bleibe ich experimental doch eher beim Rig, auch wenn ich mir die Trial Version herunter geladen habe. Danke euch für euren Text.

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