Test: Pioneer Se-Monitor 5, Studiokopfhörer

4. Februar 2019

Hoch geschlossen, sehr gut

Pioneer Se-Monitor 5

Pioneer Se-Monitor 5

Mit dem Pioneer Se-Monitor 5 Kopfhörer, der mit geschlossener Bauweise konzipiert ist, mischt der Global Player im Hi-Res-Audiobereich mit. Das Pioneer Sortiment in Sachen Kopfhörer umfasst für den Hi-Res-Audiobereich mehrere Modelle, die für unterschiedliche Anwendungen konzipiert sind. Neben dem Pioneer Se-Monitor 5 Kopfhörer muss der Pioneer SE-Master 1 erwähnt werden, der noch mehr in Richtung Studio-Referenz geht.

Allgemeines zum Pioneer Se-Monitor 5

Um einen möglichst guten und breit aufgestellten Test zu realisieren, habe ich insgesamt drei High-End-Kopfhörer der Rubrik „geschlossen“ im Test. Dieser Test möchte jedoch keinen Vergleich herstellen, sondern das Modell als Einzelstück beleuchten.

Im Studio nutze ich neben der eingemessenen Raumakustik passive Verdade Nahfeld-Monitore ohne zusätzlichen Subwoofer. Diese sind meine Referenz in Sachen Abhöre. Da ich jedoch sehr viel und gerne mit Kopfhörer arbeite, ist neben den Monitoren meine zweite Referenz ein halboffener Beyerdynamic T1, der mit Tesla Technik gefertigt ist und der für mein Empfinden sehr neutrale Klangbilder produziert. Der T1 kommt meinem Eindruck zu im Raum gehörter Musik und Sprache sehr nahe. Dieser Vergleich vom im Raum gehörtem Audio zu per Kopfhörer gehörtem Audio gilt der entscheidende Teil dieses Tests. Die Links zu den anderen Tests könnt ihr hier finden:

Pioneer Firmenprofil

Der japanische Hersteller Pioneer blickt mittlerweile auf eine über 80-jährige Firmengeschichte zurück. Wiedergabe von Hi-Fi-Klängen sowie originalgetreuer Klang steht auf der Fahne des Unternehmens, das als Global-Player geführt wird. Es werden sowohl Consumer -als auch Hi-End-Kunden angesprochen, die Produktpalette erstreckt sich recht breit in Sachen Audio-Equipment.

Die Technik des Pioneer Se-Monitor 5

Ein ohrumschließender geschlossener Kopfhörer, mit 5 mm Treibern, 40 Ohm Impedanz bei einer Empfindlichkeit von 99 dB und einer Nennbelastbarkeit von 1.000 mW machen den Se-Monitor 5 auch für mobile Signalquellen interessant. Das klingt gefühlt schön laut für unterwegs. Im Studio mit einem ordentlichen Kopfhörerverstärker kann dann auch die Wiedergabe von 5 bis 85.000 Hz angegangen werden, man kann sich ja einen Leihdackel besorgen, der die hohen Frequenzen wahrnehmen kann. Spaß beiseite, das ist schon eine extrem breite Range, die der Pioneer abdeckt, das menschlich Durchschnittsohr steigt wohl bei 17-18 kHz aus, der Pro Tools Signal-Generator kann noch nicht mal unter 20 Hz einen Ton generieren, hier wurde also nicht gespart. Mit 500 g Gewicht, 480 g + Kabelgewicht, sitzt der Kopfhörer zwar nicht als Leichtgewicht, aber doch äußerst passend auf dem Kopf des Testers. Meine potenzielle Hutgröße ist 63, somit engt mich einer der schon anprobierten Kopfhörer ein, doch das einfach wie geniale stufenlos arretierbare System passt sich jeder Kopfform an und verdient sich dadurch ein dickes Lob an den Konstrukteur.

Ständige Weiterentwicklung, Forschung mit neuen Baumaterialien und neuartige Konstruktionsmethoden zur Reduzierung der Resonanz. So bewirbt der Hersteller die Hauptelemente, die dem Se-Monitor 5 klangneutrale Eigenschaften bescheinigen sollen. Der Se-Master 1 konnte schon mit ähnlicher Couleur aufwarten. Leider geht man auf der Herstellerseite nicht allzu sehr auf die technische Bauweise des Kopfhörers ein, doch kann man vom Bildmaterial schon den Aufbau dieses dynamischen Kopfhörers erkennen.

Wenn wir die Ohrschale definieren, findet sich der 55-mm-Wandler, der aus einer mit Kupfer ummantelten Aluminium-Schwingspule besteht. Zellstoff-Nanofasern komplettieren neben dem Magneten das Innenleben. Wegen der sehr hohen Materialdichte der Fasern kann der Se-Monitor 5 die schon erwähnten Frequenzen übertragen. Vibrationen werden durch eine Magnesiumlegierung des Gehäuses und der Membranaufhängung quasi eliminiert, das Vollkorbsystem mit fest verschraubtem Innenleben begünstigt und ermöglicht die klangneutralen Eigenschaften des Kopfhörers.

Das luftige Klanggefühl wird unter anderem durch Diffussoren im Inneren der Doppelkammer erzeugt, die einen gewissen Prozentsatz der aufgebauten Energie umleiten, abmildern und zerstreuen. Wie auch im Studio ist eine hundertprozentige Direktschallquelle schwer zu verarbeiten, es fühlt sich nicht natürlich an. Mit diesem Prinzip der Streuung macht der Se-Monitor 5 ein extrem aufgeräumtes Klangbild und gibt dem Producer wie dem Consumer gleichermaßen alle Möglichkeiten, den Sound zu bestimmen und zu erleben. Alleine das ist schon ganz weit oben auf dem Wunschzettel für einen Kopfhörerkauf.

Da der geschlossene Pioneer Se-Monitor 5 so klangneutral arbeitet, kann ich gleich zu meinen Höreindrücken auf Seite 2 einladen.

-- Pioneer Se-Monitor 5, Adapter --

Pioneer Se-Monitor 5, Adapter

Klassik Orchester: Ravel, Bolero, Einspielung Orchestre de la Suisse Romande, CD Edition DDD

Eindruck Se-Monitor 5: Der Hallraum des Orchesters ist je nach Instrumentenposition in der 12 Uhr Position vorrangig wahrnehmbar, füllt gefühlt nicht ganz die komplette Breite im Panorama aus, sie endet etwas oberhalb des Gehörgangs, andere Kopfhörer ziehen dasselbe Signal bis runter zu den Ohrläppchen. Die Panoramazeichnung aller Instrumente des Orchesters wird definiert und sauber wiedergegeben, alle Frequenzen sprechen gleichermaßen schnell an, dynamische Faktoren wie Spitzen des Blechs und der Streicher werden verhallt im Raum eingebettet und klingen homogen. Die Aufnahme wirkt trotz des geschlossenen Systems luftig, der Hallraum klingt sehr ehrlich.

Eindruck im Raum: Das Klangerlebnis im Raum ist natürlich ein anderes, da der Schall auch von hinten wahrgenommen wird, man fühlt sich mehr im Konzert eingebettet.

Jazz, Fusion: Marcus Miller, Panther, CD The Sun don’t lie

Eindruck Se-Monitor 5: Definierte schnelle Bässe, weiche Höhen, breite Mitten, die Kompression der BD und der Synthie Elemente direkt eingebettet hörbar, der Shaker ist weich und doch satt perkussiv zu hören, alle Panoramaparameter sind fein abgestuft nachzuvollziehen. Die Hallräume und Delays werden exzellent dargestellt. Melodielinien einzelner Instrumente, die sich in einigen Frequenzen überlagern, können problemlos zugeordnet werden, ein Traum für den Producer.

Eindruck im Raum: Der Track umfliest den Hörer, gerade was im Panorama und im Tiefbass passiert, das kann der Kopfhörer gegenüber dem Raum nicht zu 100 % wiedergeben.

Pop: Seal, Crazy, CD 1991

Eindruck Se-Monitor 5: Analoge und synthetische Drums sind schön voneinander zu unterscheiden, Sequencer und wandernde Signale von den Keys und den Gitarren sind fein gezeichnet wahrnehmbar, die Gesangsspitzen der s-Laute sind angenehm ohne zu zischen da. Die eingesetzten Mehrstimmigkeiten, die den Song so reizvoll machen, erlebt man plastisch und ausgewogen. Hallräume und einzelne Modulationseffekte, beispielsweise der Gitarren, sind sehr gut luftig dargestellt. Einzig der Tiefbass-Anteil macht nicht so viel Alarm, wie er es sollte.

Eindruck im Raum:

Seals Pop Masterpiece erfüllt den Raum noch mehr um einen herum, der Kopfhörer macht in den Mehrstimmigkeiten enorm Spaß, der Raum ist da nicht so direkt. Die s-Laute verwischen etwas mehr im Hallanteil bzw. mit der gesamten Produktion. Und da ist noch der Tiefbass, der im Raum präsenter ist. Trotzdem möchte ich den Track immer wieder hören und zwar über den Kopfhörer.

Funk, Fusion, Soul, Pop: Earth, Wind and Fire, September, CD Greatest Hits 1978

Eindruck Se-Monitor 5: eine Band in Vollbesetzung mit allen Extensions, die man nur haben kann. Und plötzlich ist das Panorama der Aufnahme bis am Ohrläppchen angekommen, na also, es geht doch. Präzise gespielt und extrem aufgeräumt gemischt, jedoch trotzdem im Stil der Zeit oder besser gesagt zeitlos, denn der Song funktioniert noch heute ohne Remix & Co. Egal auf was man sich konzentriert, der Kopfhörer gibt es preis. Mehr noch, ein paar leichte Unsauberkeiten des Blechs bei 1,25 min Spielzeit habe ich im Raum nicht wahrnehmen können. Beachtlich.

Eindruck im Raum:

Der Song klingt im Raum etwas retrolastiger, fast flacher zum Kopfhörer-Vergleich. Natürlich hat das dann auch mehr Dynamik und Spannung, doch kann ich vom Eindruck her die raumgreifende rundherum Räumlichkeit zu moderneren Produktionen nicht ganz herstellen. Der Se-Monitor 5 lässt den Song moderner klingen. Ich denke, das ist dem etwas pumpigeren E-Bass geschuldet.

Prog Rock: Yes, State of Play, CD Talk 1994

Eindruck Se-Monitor 5:

Sehr gute Wahrnehmung der Hallräume. Der Tiefbassanteil, den ich bei diesem Track in den Himmel loben möchte, könnte gerade durch das geschlossene System etwas mehr Dampf haben, der Tiefbass ist stereo abgebildet, jedoch lösen andere Kopfhörer den Tiefbass auch gerne wie eine Kinnlasche kieferumgreifend auf. Das wird beim Pioneer nur angedeutet. Damit das nicht falsch verstanden wird, der Track über den Kopfhörer zu hören, macht irre viel Spaß, doch wenn man binnen weniger Wochen viele Kopfhörer zum Testen hat, beginnt unweigerlich der Vergleich.

Eindruck im Raum:

Frequenzmäßig kaum zu unterscheiden, nur das Raumerlebnis der Tiefbässe ist voluminöser im Bauch zu spüren.

Metal: Slayer, Discible 2001

Eindrücke:

Das mittenbetonte Gitarrenbrett ist gegenüber dem Eindruck im Raum genau so da, bei klarer Zuordnung der Sounds. Slayer trennt die Gitarren scharf links rechts im Panorama. Das konsequente Aufteilen beider Gitarren auf links und rechts stört mich beim Kopfhörer, der Raum macht das Zusammenspiel lediglich homogener. Der Se-Monitor 5 trägt den Bass gefühlt gut klebend an die Gitarre ran, leider sind Slayer Produktionen immer recht leise gemischt, was den E-Bass Anteil angeht. Aber wenn es nun mal so vom Producer gewollt ist, dann ist das so. Die Drums feuern sowohl im Raum als auch auf dem Kopfhörer gewaltig los, lediglich die Becken sind im Kopfhörersignal leicht hintergründig, der Raum macht das offener. Und jetzt der eigentliche Refrain: God hates us aaaaall !!!

-- Verdade vs Pioneer Se-Monitor 5 --

Verdade vs Pioneer Se-Monitor 5

Pioneer hat wechselbare Ohrpolster in der Schatulle eingepackt, das ist ein feiner Zug, denn das hochwertige Kunstleder liefert mehr Bässe und mildert die spitzen Höhen leicht ab im Verhältnis zum Veloursbezug der Standard-Ohrpolster. Es ist wie alles im Leben Geschmacksache, wer sich für welche Variante entscheiden möchte, schön ist die Auswahl dazu zu haben.

-- Pioneer Se-Monitor 5, zwei Paar Ohrmuscheln ab Werk --

Pioneer Se-Monitor 5, zwei Paar Ohrmuscheln ab Werk

Fazit

Der Pioneer Se-Monitor 5 ist eine Allzweckwaffe mit allen Vorzügen der geschlossenen Bauweise. Hoher Tragekomfort macht das lange Musikhören oder professionelle Arbeiten kurzweilig. Eine Box und optisch passende Adapter würden ein fast vierstellig veranschlagtes Produkt noch deutlich aufwerten. Der Se-Monitor 5 saugt sich gefühlt am Ohr fest und man möchte ihn so schnell auch nicht mehr absetzen. Für meinen Geschmack gibt der Pioneer eine Referenz fürs Studio ab. Unbedingt checken. Noch eine Bitte: Jeder hört individuell und hat unterschiedliche Anforderungen, bitte schreibt eure Meinungen.

Plus

  • Tragekomfort
  • perfekte stufenlose Verstellmöglichkeit
  • beiliegende austauschbare Ohrmuscheln, die auch Einfluss auf den Sound haben
  • Ausgewogenheit aller Frequenzen
  • Allzweckwaffe in allen Genres, Musik und Sprache

Minus

  • Kabeladapter unschön
  • keine Aufbewahrungs- bzw. Transportbox ab Werk mitgeliefert

Preis

  • Ladenpreis: 979,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Sehr guter Test, vielen Dank. Ich habe eine Schwäche für so HiFi-Sprech ohne Esoterik, well done. Da nach unserer Meinung zum Produkt gefragt wurde: nie würde ich ein Pioneer-Teil mit so einem Preisschild nur angucken, die Marke ist für mich nach der Nexus-Reihe preisleistungstechnisch verbrannt. Einfach nur frech, diese Preise, egal wie gut dieser Kopfhörer auch sein mag.

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