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Test: Roland MC-101, Groovebox

8. November 2019

Die brandneue Roland MC-101

roland mc 101

Roland MC-101, Groovebox

Nach der fulminanten Produktpräsentation in den Abbey Road Studios London steht sie nun endlich vor mir: das kleinste neue Familienmitglied von Rolands geschichtsträchtiger MC-Serie, die Roland MC-101. Den Test zur Roland MC-707 findet ihr HIER.

Zunächst einmal ist wohl alles beim alten geblieben: Vor mir steht eine portable, kleine und leichte Groovemachine, die sich augenscheinlich zunächst irgendwo zwischen Synthstrom Deluge und Novation Circuit einreiht. Roland produziert auch eine größere Version seiner neuesten Groovebox, diese nennt sich Roland MC-707, ist in ihrem Funktionsumfang zum kleineren Modell weitestgehend identisch, bietet aber ein größeres Display, mehr Performance-Tracks am Gerät und eine tiefgehendere Synthesizer-Engine. Die Roland MC-101 muss sich hier mit vier einzeln programmierbaren „Tone“- „Drum“- oder „Looper“-Spuren begnügen. Sowohl die Drum- als auch die Synthesizer-Tracks lassen sich mit eigenen Samples beladen, die verbaute Synthengine, die weitestgehend Preset-basiert ist, ist mit der der MC-707 in Umfang und Funktion absolut identisch. Schauen wir dem kleinen Kraftzwerg einmal genauer unter die Haube und beginnen dabei von vorn.

Tap it in: Step-Sequencer-Mode an der handlichen Roland MC-101

Verarbeitung und Äußerlichkeiten an der Roland MC-101

Die Roland MC-101 kommt in einer handlichen Box daher, die jedoch noch lange nicht erahnen lässt, wie handlich dessen Inhalt überhaupt erst mal ist: Mit ihren 224 x 132 x 61 mm passt die MC-101 in meine Mantelinnentasche. Gewicht ohne Batterien: 716 g! Ihr habt richtig gelesen, Batteriebetrieb des Gerätes ist möglich und anscheinend auch vorgesehen. Dieser Gedankengang ergab sich daraus, dass Roland im Lieferumfang zwar vier normale AA-Batterien beilegt, nicht aber ein Netzteil samt Kabel, um das Gerät über dessen USB-Buchse mit saubererem Strom versorgen zu können. Hierfür reicht allerdings auch das USB-Kabel eines Drittanbieters mit einem ganz normalen Handybrick – für die Steckdose. Wie dem auch sei, stecken die Batterien im Ladefach unten am Gerät, steht es stabil auf dem Tisch – hierzu tragen auch die extrem gut funktionierenden Gummifüße mit breiter Auflagefläche an der Unterseite bei – ohne die Batterien als Beschwerer würde mir die MC-101 wohl dennoch häufiger mal vom Tisch „fliegen“.

Steht vernünftig auf dem Tisch: Roland MC-101

Das Gehäuse der kleinen Jam-Station ist komplett aus recht dickwandigem Kunststoff gefertigt und setzt sich aus der Kopfplatte mit den darauf befindlichen Bedienungsparametern und einer Art Plastikwanne zusammen, welche die Seiten- und die Unterseite des Gehäuses darstellen. Haptisch ist das natürlich nicht die Welt, optisch sieht es auf den ersten Blick zufriedenstellend aus, bis man die ersten Fingerabdrücke auf dem halbglänzend beschichteten schwarzen Finish hinterlässt.

Das Wichtigste ist jedoch: Die Roland MC-101 macht einen recht robusten Eindruck. Was die vier auf der Oberfläche befindlichen Fader anbetrifft, so hat Roland hier gezaubert. Trotz der recht kurzen Gassen, der Positionierung recht nah aneinander und den kleinen Kappen fühlen sich die Fader absolut großartig an. Toller Widerstand, man kann richtig an ihnen reißen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, auch etwaige Feinmotoriker sollten damit zurecht kommen.

Etwas anders sieht es da leider schon bei den Pads aus. Diese geben physikalisch recht stark nach und lassen sich weit herunterdrücken, eher wie Drucktaster mit Gummioberfläche als richtige Pads, mit denen man etwas „straight in the box“ klopfen möchte – Anschlagsstärke ist hier leider entgegen des großen Bruders MC-707 auch nicht gegeben.

Etwas „gerade“ per Record-Overdub mit den Pads aufzunehmen, gestaltet sich für mich mit der MC-101 leider recht schwierig. Vom verbauten Record-Quantize oder der Post-Quantisierung muss man demnach auch Gebrauch machen. Diese liegen allerdings ein paar Menü-Schritte weit entfernt. Ist man gerade in der Performance-Situation und hat das Record-Quantize nicht aktiviert,  beispielsweise weil man sich etwas „Humanität“ im Pattern bewahren möchte, ist aber so „off“, dass man nachquantisieren möchte, so muss man erst einmal über eine Zweitfunktion via Taster-Kombi in das jeweilige Menü, danach zum entsprechenden Parameter scrollen, diesen anwählen, den Quantisierungsgrad in der Prozentzahl angleichen und dann wieder heraus aus dem Menü, bis es weitergehen kann.

Na klar, das Gerät ist klein und hier wurde großartig verkleinert, um den Funktionsumfang der großen MC-707 in das kleine Gehäuse zu zwingen, ein eigener Taster, wenigstens für dieses Menü, hätte für mich allerdings trotzdem noch gefehlt. So wie es hier gelöst wurde, würde es mich auf der Bühne mit Sicherheit rausbringen.

Klein, aber fein: Die Roland MC-101

Wie dem auch sei, was die Verarbeitung der restlichen Bedienparameter anbelangt, so kann man sich wirklich nicht beschweren. Die insgesamt sieben Drehpotentiometer sitzen alle vertrauenswürdig fest im Gehäuse und bieten aufgrund von dessen Riffelung an der Oberseite ordentlich Grip an der Pfote. Sämtliche restlichen Taster sind ebenfalls aus Gummi und fühlen sich völlig in Ordnung an, ebenso wie man es erwartet.

Die Performance Pads sind mit Multicolor-LEDs hinterlegt und können in verschiedenen Farben strahlen. Tun sie aber nur in den Menüs, wo man es eigentlich am wenigsten braucht. Hier wurde einiges verschenkt. Sind die vier Fader doch alle mit jeweils einer anderen frei wählbaren Farbe hinterlegt, hätte man mit der zur jeweiligen Spur passenden Farbhinterlegung prima verdeutlichen können, auf welchem der vier Tracks man sich gerade befindet.

Der einzige Modus, wo sie wirklich bunt blinken, ist der von Roland implementierte „Scatter“-Modus, eine Anreihung an per Pad aktivierbaren Multieffekten, eine extrem prominente Art „halb Mensch – halb Maschine“ Stutter-Spielerei, die viel Platz auf dem GUI einnimmt und den Taster unten rechts „klaut“, der meiner Meinung nach perfekt für das „Quantize“-Menü hätte dienen können. Irgendwie schade und für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Egal, wir schauen nach vorne.

Ein- und Ausgänge an der Roland MC-101

Vorne? Finden wir an der MC-101 praktischerweise einen Kopfhörerausgang als kleine Stereoklinke. Hinten befindet sich ein L/R-Ausgang in großer Klinke sowie MIDI In und Out für Clock und Daten. Jedoch ist das nicht alles: Per SD-Kartenslot lässt sich die MC-101 spielerisch um eine eigenen Samples erweitern – und zwar in absoluter Lichtgeschwindigkeit. Eine sehr gute Lösung.

Rechts daneben befindet sich die USB-Buchse, auch diese ist einiges zu leisten imstande: Sie kann MIDI senden und empfangen, sie kann als Strombuchse dienen, steckt man einen Stecker für die Steckdose an das USB-Kabel. Auch kann sie Audio: Besitzt der große Bruder, die MC-707, noch einen zusätzlichen physischen Audioeingang, um direkt in das Gerät aufnehmen zu können – wiederum um das Material im Nachhinein samplen zu können – so lässt sich die MC-101 über USB mit Audio beschicken.

Hierfür muss man sich dann einen „Looper“ anstelle der Drum- oder Tone-Engine auf eine seiner vier Spuren laden. Wie zu erwarten tut das Editing der jeweiligen Samples am kleinen Display ohne Visualisierung etwas weh, aber es funktioniert! Links neben der USB-Buchse befindet sich noch ein Kippschalter zum Ein- und Ausschalten. Praktischerweise läuft das Gerät weiter und wechselt automatisch auf Batteriebetrieb um, wenn man das Stromkabel zieht. Live? Bombensicher. Aber nun folgt endlich der Blick unter die Haube!

Ein und Ausgänge der Roland MC-101

Die Engines und der Sequencer der Roland MC-101

Zur Ausstattung der einzelnen Spuren gibt es wie bereits erwähnt verschiedene Engines: Tone, Drum, Drum+Comp und Looper.

Spur 1 lässt lediglich die Beschickung per Drum-Engine zu. Diese lässt einen zunächst aus den internen Presets à la 808, 909, „Trance Kit“ oder „Techno Kit“ wählen oder aus Kits und Scenes anderer Projektdateien, die dann auch eigene Kits beinhalten können, die man sich unter Zuhilfenahme der SD-Karte in Samples auf das Gerät gezogen hat.

Die 16 Drumpads symbolisieren die 16 One-Shot-Sounds, die pro Kit in eine Spur geladen werden können. Der Austausch einzelner Sounds des Kits ist ebenfalls per Tasterkombination zu realisieren. Doch jetzt wird es interessant: Per Druck auf Shift und die jeweilige Spurnummer lässt sich einstellen, ob die Soundquelle lediglich für den gerade aktiven Clip der Spur aktiv ist oder ob sie die gesamte Spur über auf allen Clips aktiv sein soll. Entscheidet man sich für ersteres, lässt sich für einen weiteren Clip derselben Spur tatsächlich auch ein anderer Sound einstellen – was die MC-101 auf Anhieb gleich einmal um einiges stärker macht.

Pro Spur lassen sich 16 Clips erstellen, die maximale Step-Länge des Sequencers beträgt 128 – und das vollpolyphon! Verschiedene, frei einstellbare Taktmaße pro Spur: Gewährleistet. Top. Das ist mehr als nur brauchbar und Polyrhythmen sind der kleinen MC somit auch bei Weitem kein Fremdwort. Das funktioniert im Übrigen auch in den anderen Modi Tone und Looper. Alle Einzelsamples lassen sich hinreichend editieren, pannen, in der Lautstärke angleichen und mit einem Filter belegen. Der Modi Drum+Comp stellt eigentlich dasselbe in Grün dar, außer dass hinter dessen Ausgang noch ein detailliert einstellbarer Multiband-Kompressor werkelt.

Klein und handlich: Roland MC-101

Spur 2 der Roland MC-101 lässt im Gegenzug zu Spur 1 lediglich die Beschickung per „Tone“-Engine zu. Warum diese nicht als „Synth“-Engine tituliert wurde, erschließt sich leider gleich nach dem ersten Ausprobieren: Von hier aus gelangt man in Subgruppen gestaffelte Preset-Ordner – von Synth-Bass über Recorder bis Flute. Über 800 verschiedene Sounds findet man hier übersichtlich gestaffelt. Zwar werkeln hier intern Rolands frisch revidierte state-of-the-art VA und PCM Syntheseraumschiffe unter der Haube, davon mitbekommen tut man allerdings bis auf den Klang genau gar nichts.

Das einzige, was sich an den Sounds an sich editieren lässt, sind Amplifier-Envelope, Filter-Cutoff und Resonance sowie Portamento-related-stuff. Dafür aber 21 verschiedene Parameter am Multiband-Kompressor? Was ist denn da los, Roland. Das tut in der Seele weh. Zumal: Wenn hier dieselbe Engine wie im Jupiter Xm aktiv ist – ist er nur teurer, weil mehr Funktionen abrufbar sind? Ist die MC-101 nur günstiger, weil Bedienfunktionen künstlich eingeschränkt wurden? Ja.

Das fühlt sich alles, denkt man mal etwas fester darüber nach, mehr als nur suboptimal und unmusikalisch an. Die MC-707 bietet weitreichendere Editing-Funktionen für die Synth- bzw. Tone-Engine. Als kleines Plus im Gegenzug dazu, lassen sich auch Samples in die Tone-Engine laden und polyphon spielen und aufnehmen – auch auf diesen kann man dann vom VA-Lopass-Filter Gebrauch machen. Layering pro Spur? Fehlanzeige.

Die Tracks 3 und 4 lassen sich mit allen verfügbaren Engines ausstatten. So kann hier beispielsweise auch die letzte, noch nicht erklärte Engine – der Audio Looper – zum Einsatz kommen. Wie bereits erwähnt, lässt sich dieser über USB mit Audio aus dem Rechner beschicken, kann aber ebenfalls intern das Gerät sampeln. Hier lässt sich auswählen, ob man den Looper mit dem Master-Out oder lediglich einer der Einzelspuren beschicken möchte. So kann man, möchte man noch mehr Spuren einjammen, das Summensignal in der Länge von maximal 128 Steps beispielsweise auf den vierten Kanal aufnehmen und kann die restlichen drei dann wieder von Neuem nutzen, um weiter auf dem vorhandenen Material aufbauen zu können.

Der Looper unterstützt ebenfalls Pitch-Shifting, außerdem ist hier ein Time-Stretching-Algorithmus verbaut, der automatisch analysiert und bei Tempoänderungen alles tut, was er soll.

Die Roland MC-101 schräg von hinten

Pro Spur gibt es einen frei einstellbaren parametrischen Equalizer und extrem spannende und recht weitreichende Optionen zu Manipulation der einzelnen vier Sequenzen: So lassen sich diese beispielsweise auch invertieren oder pro Spur ein anderer Shuffle-Wert einstellen, pro Spur eine andere Skala (beispielsweise spielt Spur 1 in 16teln, Spur 2 in punktierten 1/8 (!!!)) und verschiedene Step-Längen – ziemlich genial.

Doch damit nicht genug. Neben verschiedenen Ratchet-Modes pro Step (à la Flams und Sub Steps) lässt sich im Sequencer über den als „MTE“ betitelten Parameter tatsächlich auch eine Note-Probability pro Step einstellen! So lässt sich von 0-100 % einstellen, ob der einprogrammierte Befehl ausgeführt wird oder nicht. Das in Kombination mit den „Sounds pro Clip“ à la „Elektrons Parameter Lock für Arme“ kann man der MC-101 extrem vielseitige und lebendige Patterns entlocken.

Apropos: Die neben den vier Fadern befindlichen vier „Performance Potis“ lassen sich alle frei mit den in der jeweiligen Engine vorhandenen Parametern belegen. Mit diesen kann man danach einerseits in Echtzeit die Parameter in der Performance beeinflussen, andererseits lassen sich mit diesen dann auch Automationen fahren, die pro Clip aufgenommen werden können. Beispielsweise das Portamento lässt sich hier auch abgreifen, so kann man sich Glides in die Sequenz „einmogeln“. Doch damit nicht genug. Greift man per Tasterkombination auf den sogenannten Motion-Designer zu, kann man mit diesem vorgefertigte Automationskurven auf die jeweiligen Control-Potis legen. Etwa im Stile der Motion-Sequencer aus Native Instruments Massive und auch hier wieder pro Pattern.

Es ist beinahe nicht greifbar, wie performant der Sequencer dieser kleinen Box auf den zweiten Blick eigentlich ist. Vor allen Dingen im direkten Kontrast zur extrem limitierten Klangerzeugung, das ist beinahe Deluge/Elektron Niveau. Okay, vielleicht nicht ganz, aber hier geht schon einiges. Ganz zu schweigen von der regelrechten Armada an Effekten.

roland mc 101

Multieffekte und Scatter der Roland MS-101

Insgesamt sage und schreibe 90 verschiedene Effekte gibt es bei der MC-101 für Master- und Einzelspuren. Pro Spur gibt es noch zwei Effekt-Returns für Reverb und Delay. Es gibt Enhancer, Kompressoren, Speaker-Simulation, Overdrive, wirklich alles, was das Herz begehrt – und alle Effekte klingen wirklich überzeugend.

Per Druck auf den Taster ganz unten rechts am Gerät gelangt man in den schon kurz angerissenen „Scatter“-Modus, mit dem sich anhand von multiplen Algorithmen und Effekt-Kombinationen seine Master- oder eine andere Einzelspur punktuell „stuttern“ und „zerglitchen“ lässt. Standardmäßig kommen hier acht verschiedene Effekte in jeweils zwei verschiedenen Auslegungsarten zum Einsatz, die per Druck auf die jeweiligen Pads triggerbar sind. Diese lassen sich tatsächlich jedoch auch alle einzeln und komplett nach eigenem Gusto einstellen und kombinieren – was allerdings unter Verwendung der vielen Second-Funktionen und des kleinen Displays kein Zuckerschlecken darstellt.

Für den Master gibt es Helferchen wie Enhancer und Multiband, womit man sich sein Signal auch wirklich gekonnt und effektiv „rundschleifen“ und zu einem sehr vollendet klingenden Summensignal gelangen kann. Doch wie klingt das?

Jetzt wird’s bunt: Scatter-Mode an der Roland MC-101

Klang und Nutzbarkeit des Roland MC-101

Gleich zu Anfang: Klar, wir sind hier mit dem kleinen Bruder des Hauptgerätes, der MC-707, unterwegs. Deswegen müssen wir aufgrund des Downsizings wie bereits erwähnt einige Zweitfunktionen in Kauf nehmen. Etwas zu viele sind es meiner Meinung nach schon, aber trotzdem gestaltet sich der Umgang mit der Roland MC-101 einfach und selbsterklärend.

Einige Parameter, wie beispielsweise die der Quantisierung, hätte man aber mal besser am Gerät selbst per Taster unterbringen können. Hier geht in der Live- oder Jam Situation deutlich zu viel Zeit und Muße verloren. Trotzdem ist man recht schnell unterwegs und es geht gut.

Der Drum-Sequencer funktioniert wie er soll und macht Spaß, nur muss man auch hier wieder von Menü zu Menü springen, wenn man beispielsweise nach der Kick die Snare ins Lauflicht „tasten“ möchte. Da bietet es sich schon eher an, das von Hand per Pattern-Recording und Druck auf das jeweilige Pad aufzunehmen. Das wiederum würde aber deutlich besser funktionieren, wenn die Pads etwas reaktiver wären. Mit den hier verbauten trifft man zwar noch gut genug, um nachher alle auf die richtigen Steps quantisieren zu können, aber mehr ist auch nicht drin.

Sequenzen gerade von Hand einzuspielen, gestaltet sich recht schwer mit den Pads, die einen recht weiten Weg in das Gehäuse zurücklegen müssen, drückt man sie. Sie fühlen sich eher an wie Taster. Improvisierte Sequenzen „im flow“ zu erzeugen, gestaltet sich mit anderen Geräten wie Novations Circuit deutlich einfacher. Dennoch, die MC-101 kann so viel, gerade was ihren Sequencer anbelangt.

Es ist ein Jammer, dass hier so ein Monstrum von Sequencer verbaut ist, mit dem man aber kaum das machen kann, wofür er eigentlich prädestiniert sein sollte. Also beispielsweise Filter-Envelopes pro Step einstellen, vielleicht sogar im Parameter-Lock Style andere Parameter der Synthesizer manipulieren. Es ist alles da, sogar Probabilities-pro-Step gibt es.

roland mc 101

Auch klanglich hat die MC einiges zu bieten und gerade in Kombination mit den Stutter- und Master-Effekten und den Clips und Scene Launches kann man hier echt ganze Musikstücke rausholen – zumindest aus dem Summenausgang. Es fühlt sich dazu auch noch gut an, sie steht vernünftig auf dem Tisch und man kann sie überall hin mitnehmen.

Es wirft sich lediglich die Frage nach der Zielgruppe auf. Für ein Spaßgerät für die Mittagspause oder den Anfänger, der schnell einfach irgendwie coolen Sound haben möchte, kann es deutlich zu viel. Für den Profi reicht es aber auch nicht. Es macht sehr viel Spaß, mit der MC-101 zu arbeiten und gerade das Erstellen von Drumpatterns über mehrere Spuren mit verschiedenen Taktmaßen kann die MC-101 richtig zum Singen bringen.

Die Tone-Engine ist allerdings in Retroperspektive zum avancierten Rest der Maschine ein ziemlicher Witz. Hier wurde einiges verschenkt, was für mich persönlich absolut unverständlich ist. Die günstigere Konkurrenz, der Novation Circuit, bietet zwei sechsstimmige VA-Synth-Engines, die voll und ganz programmierbar sind. Hier dran hätte man sich orientieren sollen, nicht an künstlich erschaffenen Downsizing-Limitierungen dem großen Bruder MC-707 gegenüber. Es macht Spaß, aber aufgehen tut es für mich nicht.

Fazit

So bleibt die MC für mich leider ein reines Spaßgerät – das sich natürlich auch gut und gerne im Produktions- und Livekontext einsetzen und verwerten lässt. Der Sequencer ist stark und über MIDI lassen sich auch andere Geräte mit Daten versorgen. Das Gerät ist wohldurchdacht konzipiert worden und es fühlt sich gemessen an seiner Größe wirklich tadellos an.

Gemessen an seinem Funktionsumfang ergeben sich aber leider einige Umstände, die für mich absolut nicht nachvollziehbar und pure Verschwendung sind. Gemessen am Markt und den meisten verbauten Parametern der MC hätte man hier eine absolute Nummer 1 draus machen können – und vielleicht lassen sich ja sogar in zukünftigen Updates über die USB Buchse die Einzelspuren der MC-101 abgreifen?

In diesem imaginären Update ließe sich dann von Roland mit Sicherheit auch per Mausklick die Synth-Engine freischalten, die man hier künstlich weggemogelt hat. Hätte man uns wenigstens einmal die Parameter zur Kontrolle der Filter- und Pitch-Envelope gelassen – aber nein – dafür reichen die 500,- Euro Anschaffungspreis dann leider doch nicht. Unsportlich? Unmusikalisch. Für das, was es kann, ist das Spaßgerät gemessen am Markt auch noch recht teuer, 50,- bis 100,- Euro weniger wären hier meiner Meinung nach beim Verkaufspreis angemessen. Die Roland MC-101 ist eine großartige Jamstation, die dem Nutzer eine Menge schnellen Spaß bereiten kann – aber enttäuschen tut sie trotzdem.

Plus

  • Spaß
  • Klang
  • Haptik größtenteils
  • Sequencer

Minus

  • Synth-Engine künstlich limitiert
  • etwas viele Second-Funktionen

Preis

  • 498,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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      Vincent  RED

      hehe dank dir. ;) ja das jammen damit macht schon bock. und die „große“ 707 ist eh super.

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    toneup  RED

    Ich kann mich dem nur anschließen, hab meine 101 zurückgeschickt und auf eine 707 Upgegraded. Für mich die richtige Entscheidung. Was hat man von der gut klingenden Synth Engine wenn man sie nicht editieren kann. Eines der größten Mankos. Bei der 707 muss man zwar Menü Diving betreiben, aber durch das größere und graphikfähige Display geht das trotzdem gut von der Hand. Vielleicht denkt Roland da nochmal drüber nach. Für den Studiogebrauch wäre eine Steuerung über ein Plugin ja auch noch eine Möglichkeit. Viel Potential verschenkt. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

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      xhanibalx  

      Mal ne andere Frage.

      Da du die 707 besitzt, lassen sich bei einem Drumtrack die unterschiedlichen Drums im Track auch im Volume anpassen? Habe bei alles Videos bisher nichts davon gesehen. Einmal wurde für die Hi Hat sogar ein extra Dumtrack angelegt um das Volume zu verändern.

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        Dude79

        Hey xhanibalx.
        Das geht und ist ganz einfach. Wenn du im Drum Track bist, Shift und das Pad mit dem entsprechenden Sound anwählen. Dann kannst du Lautstärke, Delay/Reverb, Tuning und anderes für die einzelnen Parts des Drum-Tracks editieren. Du kannst sogar das Sample editieren und Start-/Endpunkt anpassen und vieles mehr. Die englische Anleitung von Roland auf den Seiten 45-47 erklärt das sehr gut :-)

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    penishead  AHU

    Schade, das Roland keinen Clock Ein- und Ausgang spendiert hat. Somit bleibt die Konnektivität für Eurorack und Volca und weitere Konserten aussen vor. Schade schade schade! Hätte ich mir gut als kleine externe Drumstation fürs Eurorack vorstellen können. Wobei die Volca Drum hier wahrscheinlich mehr Sinn machen würde, und das für weniger Piepen! Ja, das Prinzip von der 307 zu nehmen und dann einfach etwas ausklammern, und den Preis zu reduzieren ist nicht sehr elegant. Gerade wenn das sowieso im Code enthalten ist, aber nur aus Marketinggründen zu deaktiveren ist wirklich unschön. Probiere ich mal aus, wenn die Kiste für 349 EUR über den Tisch geht.

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    Dude79

    Vielen Dank für den tollen Test. Ich bin froh das ich mir direkt die MC-707 gekauft habe. Die Synthese-Engine und die Möglichkeiten diese zu editieren sind schon echt gut und umfangreich, trotz Menü-Divings aber gut zu handlen. Und ich kann mich nur anschließen. Der Sequemzer ist sehr gut gelungen. So viel Flexibilität ist spitze.
    Zum Thema Polyrhythmen: Cool wäre es, wenn man innerhalb des Drum-Tracks je Part unterschiedliche Patternlängen verwenden könnte. Oder hab ich da nur was verpasst und das geht? Mal gespannt, was zukünftige Updates noch alles bringen.

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      Vincent  RED

      dank dir fürs lesen. :)
      bzgl patternlängen innerhalb eines traxx hab ich zur zeit des tests nichts gefunden… vielleicht kann und die community weiterhelfen? wäre ziemlich cool, wenn das ginge.
      gruß vince

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    Maxi  

    Vielleicht etwas speziell: Ich habe mir die Kiste primär als Ersatz für den Roland XV-3080 geholt. Bereue es keineswegs. Die erwartete Soundpalette ist weitgehend vorhanden, die hat mir wirklich gefehlt. Mit dem aktuellen Betriebssystem kann man übrigens via USB die vier Spuren separat in die DAW routen. So ist die MC-101 sogar um einiges praktischer als der XV-3080. Dagegen spricht das wirklich billig wirkende Gehäuse inkl. der Bedienungselemente, unabhängig von der tatsächlichen Stabilität. An dieser Stelle finde ich das Gerät dann auch etwas überteuert. Auch die notwendige USB-Treiberinstallation ist eher ein Minuspunkt. Wer aber den klassischen Roland-Sound mag, kommt hier auf seine Kosten („Never chase a ghost“, schon klar …). Wie der Test gut rüberbringt, ist die MC-101 weit mehr als ein Soundmodul + FX + Sequencer, sondern eine extrem vielseitige Groovebox, mit der man sich alle möglichen Anwendungen vorstellen kann. Die 707 hat bei der Bedienung bestimmt viele Vorteile, wäre mir aber zu sperrig. Für Sounddesigner sollte Roland als Kompromiss eine Editor-Software nachliefern …

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    Kybernaughty  

    Vielen Dank für den Test!
    We design the future -They clone the past ;) mächtiger
    Sequenzer aber bescheidene Klangformung klingt für mich nach OP-Z – kann der MC101 Sequenzer denn all seine Tricks nicht über MIDI ausgeben? Denn Synths hätt ich mehr als genug… wobei ich mir auch eine Editorsoftware gut vorstellen könnte. Womöglich wäre die MC101 als portabler Sequenzer doch schon ihr Geld wert?
    Viele Grüße

  6. Profilbild
    Kro

    Hallo! Ich bin kompletter Neuling im Bereich „elektronische Musik selber machen“ und zur Zeit noch auf der Suche nach dem richtigen Einstieg. Ableton Live und ein Akai mpk2 habe ich bereits. Jetzt möchte ich mir aber noch eine Groove Box dazu holen. Könnte mir jemand leicht verständlich erklären, wo genau die Unterschiede zwischen MC-101, MC-707 und TR-8S liegen und welches Teil für den Einstieg am geeignetsten ist?

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