Test: sE Electronics V Kick, V Beat, V Clamp, Schlagzeugmikrofone

14. Juni 2019

Drum-Mikrofone für Studio und Bühne

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sE Electronics V Kick, V Beat, V Clamp, Schlagzeugmikrofone

sE Electronics V Kick und V Beat heißen die zwei neusten dynamischen Schlagzeugmikrofone der in Shanghai ansässigen Firma des Musikers und Dirigenten Siwei Zou. Erst Anfang des Jahres präsentierte sE Electronics seine zwei Neulinge bei der NAMM Show, nun sind sie seit Kurzem im Fachhandel erhältlich.

Während das V Kick für die Abnahme von Bass-Drums und anderen tieffrequenten Signalen bestimmt ist, kommt das V Beat an Snares und Toms zum Einsatz. Laut Hersteller wurde bei der Entwicklung der zwei Drum-Mics viel Wert auf klangliche Flexibilität und eine leichte Handhabung gelegt. Ob und wie gut sich beide Mikrofone in der Praxis im Studio behaupten soll der folgende Test nun zeigen.

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sE Electronics V Kick

sE Electronics V Kick und V Beat auf den ersten Blick

Die zwei Schlagzeugmikrofone machen einen äußerst widerstandsfähigen und langlebigen Eindruck: Beide haben ein leichtes, aber robustes Metallgehäuse (V Kick: 468 g, V Beat 347 g), das mit Zinkdruckguss legiert ist. Im Inneren schützt eine Schicht aus weichem Gummi die Technik und Kapselaufhängung vor Erschütterungen. Für die Körbe wird Federstahl verwendet, so dass die Gitter nicht oxidieren können.

Mit rund 6 cm Höhe und einer Tiefe von 13,5 cm (V Kick) und 11 cm (V Beat) ist ihr Format zwar nicht besonders klein, aber schön kompakt. Die Stativhalterungen und XLR-Anschlüsse verlaufen parallel zueinander, was dem platzsparenden Konzept zugutekommt. Zusätzlich sind sie in dem integrierten Drehgelenk eingelassen, was ein flexibles Ausrichten des Neigungswinkels erlaubt.

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sE Electronics V Beat

Beide Mikrofone haben eine Membran aus Aluminium in Verbindung mit einem Neodym-Magneten. Ihre Supernieren-Charakteristik soll störenden Seitenschall einzudämmen, um den Aufnahmebereich auf die abzunehmende Bass-Drum, Snare oder Tom zu konzentrieren. Bei den Kapseln handelt es sich um verschiedene Variationen der hauseigenen DMC7 Kapsel, deren Technik jeweils für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche angepasst wurde.

Während an dem V Beat keine Einstellungen vorgenommen werden können, bietet das V Kick auf der Rückseite gleich zwei Schalter, um das Klangverhalten zu verändern. Mit dem Linken lässt sich das gesamte Frequenzbild des V Kicks umformen: „Classic“ erzeugt einen runden, ausgewogenen Sound, wogegen „Modern“ die Bässe und Höhen stärker durch eine kräftige Absenkung der Mitten betont.

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Die vier Presets des V Kick

Zusätzlich kann mit dem zweiten Schalter der obere Frequenzverlauf beeinflusst werden. „Classic“ steht in diesem Fall für eine deutliche Akzentuierung zwischen 4 – 5 kHz, um mehr Präsens herauszuholen. „Modern“ löst stattdessen eine starke, durchgehende Anhebung ab 5 kHz aus, so dass die Transienten deutlich hervortreten.

Solche Filter-Presets werden oft in Bass-Drum Mikros eingebaut, allerdings nur selten – wie in diesem Fall – mit einer separaten Regelung für den Höhenanteil.

sE Electronics V Beat und V Kick

Frequenzverlauf der Presets

sE Electronics V Kick und V Beat in der Praxis

Wie so viele seiner Art, lässt das V Kick sich bequem handhaben. Sobald es an einem Stativ angebracht ist, kann das Mikrofon mit dem integrierten Drehgelenk nachträglich in einem Winkel von rund 150 Grad eingestellt werden. Anders als zum Beispiel bei dem Shure Beta 52A, ist der Umfang des V Kick so gering, dass es ohne Probleme durch ein 5 Zoll großes Schalloch passt.

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sE Electronics V Clamp

Auch das V Beat hat einen Neigungswinkel von rund 150 Grad und lässt sich genauso einfach bedienen. Wem die Entkopplung des Mikrofons mit einem separaten Stativ nicht so wichtig ist, sondern Wert auf eine platzsparende Lösung legt, kann für zusätzliche 39,- Euro die passende Aufhängung namens V Camp kaufen. Sie besteht aus einer kräftigen Kunststoffklemme, an der ein höhen- und seitenverstellbarer Haltestift angebracht ist, der das Mikrofon trägt.

Zu Beginn des Tests war das Anbringen der Klemme am Rand einer Snare oder Tom sehr schwerfällig. Die Lösung für dieses Problem ist letztendlich recht einfach, man darf nicht zu zaghaft mit der V Clamp umgehen, sondern muss die Kunststoffklemmen kräftig biegen, dann geht das Anbringen und Abnehmen relativ leicht von der Hand. Ist die Halterung schließlich montiert, sitzt die V Clamp wie angegossen.

sE Electronics V Beat und V Kick

V Clamp an einem Standtom

Schon beim Auspacken der Testmikros fällt ein Detail auf, das leider recht häufig bei Produkten aus China erscheint: Beide Mikrofone verbreiten einen beißenden, chemischen Kunststoffgeruch. In der Regel verfliegen diese Ausdünstungen nach ein paar Tagen des Lüftens, allerdings nicht in diesem Fall. Selbst nach einer Woche riecht der Aufnahmeraum unverändert penetrant nach Chemikalien. Darüber hinaus musste leider festgestellt werden, dass sich dieser Geruch nach dem Aus-, Einpacken oder Montieren der Mikrofone sogar auf die Hände überträgt.

sE Electronics V Kick und V Beat – Klang

Durch die zwei unterschiedlichen Klangeinstellungen des V Kick, ergeben sich insgesamt vier verschiedene Preset-Kombinationen. Für diesen Bericht wurden alle vier Optionen in drei gängigen Mikrofonpositionen an einer Bass-Drum ausprobiert: Einmal in ca. 2 cm Abstand zum Schlagfell auf Höhe des Schlegels, dann in der Mitte der Bass-Drum und zuletzt klassisch am Schallloch des Resonanzfells. Natürlich hat jede der Mikrofonpositionen ihren eigenen Charakter, der aber zusätzlich durch die Filteroptionen stark beeinflusst werden kann.

sE Electronics V Beat und V Kick

V Kick in der Praxis

Die daraus resultierende Klangvielfalt ist erstaunlich. Das sE Electronics V Kick hat grundsätzlich ein überaus schnelles Ansprechverhalten mit einem stets kräftigen und klar definierten Low-End. Die „Modern“-Presets erzeugen einen typischen mid-scooped Sound, der sehr unnatürlich und überzüchtet wirkt, aber genau das richtig Maß an Aggressivität für Metal- und Rock-Produktionen liefert. Auch die „Classic“-Einstellungen machen ihrem Namen alle Ehre, wobei „Classic“ nicht mit „Vintage“ verwechselt werden darf. Dafür sind die Anhebungen im Bassbereich und vor allen Dingen in den oberen Mitten noch viel zu kräftig und modern.

Die Klangbeispiele zeigen auch, dass nicht jede Mikrofonposition sich mit allen Presets verträgt, wobei das aber immer eine Frage des Geschmacks oder der angestrebten Stilrichtung ist.
Die Beschriftung der Klangbeispiele erklärt sich wie folgt: Die Form der globalen Frequenzeinstellung wird zuerst genannt und die Art des Höhen-Presets als zweites.

Für den Test des sE Electronics V Beat wurden separate Aufnahmen mit einer Snare und drei Toms in jeweils zwei unterschiedlichen Mikrofonpositionen erstellt: Einmal in einem 45 Grad Winkel mit ca. 3,5 – 4 cm Abstand und anschließend im rechten Winkel zum Schlagfell in einer Distanz von ca. 2 cm.

Wie gewohnt ist die Attack in der 90 Grad Position deutlich stärker und der Nachklang kürzer, während bei der 45 Grad Ausrichtung die Ein- und Ausschwingphase der Trommel ausgewogener und natürlicher wiedergegeben wird.

sE Electronics V Beat und V Kick

V Beat in der Praxis

An den Toms machten die drei V Beat Schlagzeugmikrofone eine wirklich gute Figur. Sie haben, genau wie das V Kick ein überaus schnelles Ansprechverhalten, was sich an Hand von schnellen Attacks und sauber ausgeprägten Transienten zeigt. Darüber hinaus sind die unteren Mitten und der komplette Bassbereich stark betont, wobei es sich um einen bewusst eingesetzten Nahbesprechungseffekt handelt. Erst mit einem Abstand von 10 – 15 cm lässt dieser hörbar nach – eine Distanz, die sich mit der V Clamp kaum erreichen lässt.

Die Toms profitieren in diesem Fall sehr von der kräftigen Betonung der unteren Frequenzen, die für ein vollmundiges und warmes Fundament sorgen.

sE Electronics V Beat und V Kick

V Beat und V7 X mit der DMC7 Kapsel

Schwieriger gestaltete sich dagegen das Zusammenspiel von dem V Beat mit einer Snare. Da die für diesen Test verwendete Pearl Masters Custom Snare recht tief gestimmt war und eine ausgeprägte singende Resonanz hatte, klingen die Aufnahmen etwas dumpf. Der kräftige Bassbereich und die unteren Mitten wirken übertont, worunter die Präsenz und Höhen leiden. Dadurch disqualifiziert sich das V Beat aber nicht grundsätzlich als Snare-Mikrofon, da es einer hochgestimmten und zu grellen Snare genau das richtig Maß an Entschärfung und Fülle verleihen kann.

Während des Tests stand zusätzlich ein sE Electronics V7 X zum Vergleich zur Verfügung, das inzwischen einen guten Ruf als Allround-Instrumenten-Mikrofon hat.

Genau wie das V Kick und V Beat, ist auch das V7 X mit einer Variante der DMC7 Kapsel ausgestattet.

sE Electronics V Beat und V Kick

sE Electronics V Beat vs. V7 X

Bei den Snare-Aufnahmen kamen das V Beat und V7 X in nahezu gleicher Position zum Einsatz, so dass ein 1:1 Vergleich möglich ist. Das Resultat mit dem V7 X wirkt in diesem Fall heller, offener und vor allen Dingen ausgewogener. Besonders drastisch sind die Unterschiede in der 90 Grad Position: Während das V7 X das Frequenzbild immer noch ausgeglichen darstellt, verfremdet das V Beat deutlich den Klang und gibt den Bassbereich und die unteren Mitten überbetont und unproportional wieder.

Genau umgekehrt wäre das Verhalten beider Mikrofone bei einer hochgestimmten, hellen Snare. In diesem Fall wäre das V7 X wahrscheinlich zu scharf, während das V Beat für einen ausgewogenen, vollmundigen Klang sorgen würde.

Klangbeispiele

Schlagzeuger: Christoph Eggener
Schlagzeug: Pearl Masters Custom Maple Shell
Snare: Sonor Special Edition

Mikrofone:
sE Electronics 1 x V Kick, 4 x V Beat und 1 x V7 X

Preamps:
Studer 962

RME Fireface 800
Pro Tools

Die Klangbeispiele wurden nicht weiter nachbearbeitet, nur die Lautstärke wurde entsprechend ihrer Spitzenwerte angepasst.

Fazit

Das sE Electronics V Kick und V Beat sind zwei gute Schlagzeugmikrofone für Studioanwendungen. Beide haben eine robuste Konstruktion und lassen sich bequem handhaben, vor allen Dingen das V Beat ist in Kombination mit der dazugehörigen V Clamp Halterung platzsparend und trotzdem äußerst gelenkig.

Sowohl das V Kick als auch das V Beat überzeugen durch ein schnelles Ansprechverhalten, hohe Rauscharmut und ein solides, modernes Klangbild.

Mit dem V Kick unterbreitet sE Electronics ein überaus flexibles Bass-Drum Mikrofon, das dank seiner vier unterschiedlichen Filter-Presets klanglich sehr vielseitig ist. Neben warmen, ausgewogenen oder völlig überzüchteten, modernen Bass-Drum Sounds bietet das V Kick durch seine separate Justierung der hohen Frequenzen eine Flexibilität, die man nur bei wenigen Mikrofonen (Telefunken M82, AKG D12 VR) dieser Art findet.

Auch das V Beat hat einen überzeugenden Sound. Seine starke Bassbetonung ist besonders bei der Abnahme von Toms nützlich, da sofort ein kräftiger, vollmundiger Sound entsteht. Je nach Art und Stimmung einer Snare kann das V Beat auch an dieser Stelle gute Ergebnisse liefern, allerdings ist die Bassbetonung bei einer eh schon tiefgestimmten Snare schnell zu dominant. In diesem Fall empfiehlt es sich das sE Eletronics V7 X, da es einen deutlich helleren Klang hat.

Zu guter Letzt bleibt als einziges Manko nur der anhaltende, beißende Chemiegeruch, an dem sE Electronics dringend arbeiten sollte.

Plus

  • schnelles Ansprechverhalten
  • solide, langlebige Verarbeitung
  • klanglich flexibles Bass Drum Mikrofon

Minus

  • V Beat ist nicht für jede Snare geeignet
  • anhaltender, beißender, chemischer Geruch

Preis

  • Ladenpreise:
  • sE Electronics V Kick: 219,- Euro
  • sE Electronics V Beat: 159,- Euro
  • sE Electronics V Clamp: 39,- Euro
Klangbeispiele
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