Test: Sequential Pro 2 OS 1.4, Hybrid-Synthesizer

17. November 2018

Starkes Update für den kleinen Riesen

Mehr als vier Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem Sequential – damals noch unter dem Namen Dave Smith Instruments – den Pro 2 vorstellten. Und so staunte man nicht schlecht, als vor einigen Tagen das bislang umfangreichste Firmware-Update veröffentlicht wurde. Da der Testbericht zum Pro 2 beinahe genauso lange zurückliegt wie das Veröffentlichungsdatum des Hybrid-Synthesizers, ist dies Grund genug, sich die Firmware-Neuerungen genauer anzuschauen. Zunächst aber ein kurzer Rückblick auf den Entwicklungszeitraum seit 2014.

Eine kleine Firmware-Geschichte des Sequential Pro 2

Nach der Erstauslieferung im August 2014 blieb es erst einmal still um den Pro 2. Neben den üblichen Wartungsarbeiten, wie der Behebung von Bugs, folgte das erste große Firmware-Update etwa ein Jahr später. Version 1.2 ermöglichte die Deaktivierung der Notenspur des Sequencers (Spur 1). Dadurch ließ sich der Sequencer nun ausschließlich für klangliche Modulationen nutzen oder aber als komplexe Hüllkurve. Dies war nicht die einzige Neuerung in diesem Bereich: Ab sofort sendete der Sequencer MIDI-Start- und MIDI-Stop-Befehle und er ließ sich mithilfe eines Fußschalters starten oder stoppen. Auch die Daten einzelner Spuren konnten nun kopiert und in andere Spuren eingefügt werden. Ferner gab der Arpeggiator endlich MIDI-Noten aus.

Aufseiten der MIDI-Einstellungen ließ sich nun festlegen, dass MIDI-Start- und MIDI-Stop-Befehle ignoriert werden, auch wenn sich der Pro 2 im Slave-Modus befindet. Darüber hinaus kann man seit Version 1.2 ausgehende Clock-Signale über verschiedene Ausgänge senden: dem Standard-MIDI-Ausgang, MIDI-Ausgang 2 (standardmäßig Thru), beide MIDI-Ausgänge oder USB. Ferner zählten jetzt auch ausgehende Programmwechselbefehle zum MIDI-Vokabular des Pro 2.

Schließlich spendierte man dem Hybrid-Synthesizer im Spätsommer 2015 noch sechs weitere Modulationsziele, die zwar nicht gänzlich neu waren, aber entweder gleichartige Modulationsziele zur Einsparung von Modulationspfaden zusammenfassten (für die gleichzeitige Modulation aller Schwingungsformen und aller Delay-Zeiten) oder aber mehr Detailarbeit erlaubten, wie im Falle der oszillatorspezifischen Slop-Parameter. Und letztlich ist es seit Version 1.2 auch möglich, den Bildschirmschoner für das OLED-Display zu deaktivieren, was dann allerdings auf Kosten von dessen Lebenszeit geht.

Die im Frühjahr 2017 nachgereichte Firmware-Version 1.3 kam zwar in Sachen Features nicht so üppig daher wie das vorangegangene Update, brachte aber eine lang ersehnte Funktion: den paraphonen Sequencer-Modus. Obgleich man den Pro 2 schon immer im vierstimmigen paraphonen Modus spielen konnte, ließen sich bis zu dieser Firmware-Version keine paraphonen Sequenzen aufzeichnen und wiedergeben. Entschied man sich von nun an für den paraphonen Spielmodus, konnte man auch im Sequencer-Menü den entsprechenden Aufzeichnungsmodus aktivieren. Im paraphonen Sequencer-Modus bestimmt nicht mehr allein die erste Spur die Notendaten, sondern die ersten vier Spuren steuern unabhängig voneinander die Tonhöhen der vier Oszillatoren.

Dieses Sequencer-Update ermöglichte nicht einfach nur die Erstellung von gleichbleibenden mehrstimmigen Sequenzen. Da sich für die vier Notenspuren – wie für alle anderen Spuren – individuelle Schrittlängen festlegen und sowohl Notenverbindungen als auch Pausen unabhängig voneinander setzen lassen, können mittels einer paraphonen Sequenz sehr schnell generative Pattern generiert werden, bei denen sich die erklingenden Notenereignisse ständig zueinander verschieben. Überdies wirkt sich die dadurch gesteigerte Komplexität auch auf angewandte Cross-Modulationen aus, da unter den einander modulierenden Oszillatoren sich fortwährend ändernde Frequenzverhältnisse auftreten können, die wiederum Einfluss auf den Klangcharakter haben.

Die Features der aktuellen Firmware-Version

Um eine wesentliche Erweiterung des Klangspektrums geht es auch in der aktuellen Firmware-Version. Zusätzlich zur bisher üblichen exponentiellen bzw. logarithmischen Variante der Frequenzmodulation bietet der Pro 2 unter dem neuen Betriebssystem nun auch lineare Frequenzmodulation. Hierzu gleich ein Klangbeispiel, in dem zuerst die exponentielle und anschließend die lineare FM-Variante auf Basis zweier identisch gestimmter Oszillatoren demonstriert wird. In beiden Fällen wird die FM-Intensität durch die gleiche Hüllkurve gesteuert:

Mit diesem Feature wurde Ende 2015 bereits der Prophet 12 nachgerüstet. Der zeitliche Verzug erklärt sich hier dadurch, dass man sich zunächst nicht sicher war, ob die Prozessorleistung des Pro 2 über die nötigen Reserven für dieses Update verfügt und eine Reihe von anderen Projekten Priorität hatten, so zum Beispiel die Entwicklung des Prophet Rev2 sowie des Prophet X.

Obschon das Sequential Team für den Einsatz linearer FM John Chowning konsultierte und das Feature mit Bezug auf Yamahas DX-Reihe bewarb, handelt es sich bei der FM-Variante des Pro 2 nicht um die Phasenmodulation beispielsweise eines DX7. Dies lässt sich leicht prüfen, indem man anstelle von Sinusschwingungsformen andere Schwingungsformen wie Dreieck oder Rechteck als Modulatoren verwendet. Bleibt man hingegen bei Sinusschwingungsformen, sind die Unterschiede zwischen linearer FM und Phasenmodulation kaum wahrzunehmen. Wer es genau wissen will, findet die genauen Unterschiede in diesem ausführlichen Artikel zu den verschiedenen Typen der Frequenzmodulation erklärt.

Ein weiterer Unterschied zum Klassiker DX7 besteht darin, dass einem beim Pro 2 nur vier anstelle von sechs Operatoren bzw. Oszillatoren zur Verfügung stehen. Im Gegenzug ist der Pro 2 sehr flexibel, wenn es um die Erstellung von Algorithmen geht. Standardmäßig moduliert Oszillator 2 den ersten Oszillator, Oszillator 3 den zweiten Oszillator, Oszillator 4 den dritten Oszillator und Oszillator 1 den vierten Oszillator. Über die Modulationsmatrix lässt sich jedoch jeder Oszillator durch jeden anderen und außerdem mit sich selbst modulieren. Durch die letzte Variante kann man also auch Feedbackschleifen programmieren. Doch nicht nur komplexe FM und Cross-Modulationen sind möglich. Dank der Hard-Sync-Option für alle vier Oszillatoren funktioniert auch synchronisierte FM, bei der der modulierte Oszillator gleichzeitig zum modulierenden Oszillator synchronisiert wird, was wiederum zur Vermeidung nicht harmonischer Obertöne beiträgt. Darüber hinaus sind die vier LFOs, die zwei zusätzlichen Hüllkurven sowie der Sequencer als Modulationsquellen nicht zu vergessen.

Links die standardmäßigen Frequenzmodulationspfade, rechts die neue FM-Variante im Oszillator-Menü.

Nachfolgend zunächst einige Annäherungen an klassische FM-Sounds, die ausschließlich mithilfe von Sinus-Oszillatoren erstellt wurden. Darunter eine 4-Operator-Version eines E-Pianos, das natürlich nur von theoretischem Interesse ist, insofern wohl kaum jemand in der Praxis dazu geneigt sein wird, einen monophonen E-Piano-Sound zu verwenden. Dann folgt eine 3-Operator-Variante eines FM-Basses sowie ein auf zwei Operatoren basierender Glockenklang. Wie in allen nun folgenden Klangbeispielen, wurden keine externen Effekte genutzt.

Die letzten drei Klangbeispiele sollen selbstverständlich nur einen rein demonstrativen Zweck erfüllen und erheben keinerlei Anspruch darauf, perfekte Kopien von DX7-Sounds zu sein. Sie dienen allein dem Vergleich mit Sounds, die man gemeinhin mit der FM-Synthese assoziiert.

Anschließend noch ein paar weniger beschränkte Beispiele. Zunächst ein Sound, der aus vier Sinus-Operatoren besteht. Oszillator 3 moduliert Oszillator 2, Oszillatoren 2 und 4 modulieren Oszillator 1 und Oszillator 4 moduliert sich selbst. Danach ertönt ein weiterer 4-Operator-Sound mit einem Trägerpaar und einer digitalen Schwingungsform, die kein Sinus ist. Schließlich folgt eine paraphone Sequenz, basierend auf Sinusoszillatoren, die in einem unterschiedlichen Oktavverhältnis zueinanderstehen. Alles, was im Folgenden durch Oszillatoren, LFOs und Hüllkurven moduliert wird, findet allein auf dem Level des Oszillatormoduls statt. Das heißt, hier sind ausschließlich Parameter wie Frequenzmodulation, Amplitudenmodulation, Oszillatorfrequenzen und Schwingungsformvariationen (Shape Mod) betroffen. Einzig im letzten Beispiel wurde Gebrauch vom Hochpassfilter gemacht, um die tiefen Frequenzen zu akzentuieren.

Klangbeispiele
Forum
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    Worldmuka

    Macht ja Neugirig das Update – Super Bericht – Mega … nur woher bekomme ich das Hilfsprogramm um es mit Mac zu installieren? Der Link von DSI Seite zu SysEx Librarian zeigt error an…also Sackgase…hab im Netz gesucht …aber ich finde keine Software oder Info, wie ich die Datei mit USB übertragen könnte. Die Übertragung mit Soundkarte würde auch gehen, nur nicht mit jeder. Meine presonus wird jedoch nicht reklamiert…wollte es aber direkt über den Mac machen …wenn ich wüsste wie?? :) …danke für die Hilfe schonmal im voraus… lg tom

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    Worldmuka

    Danke Mike,… ich hab´s geschafft :) …iss alles gar nicht so schwer…ich hab jetzt nicht mehr den direkt vergleich, weil man nach einem Update ja nur noch die eine Variante des Sounds hat, aber der Pro2 klingt doch jetzt auch besser?! Oder bilde ich mir das jetzt nur ein? … Ob es jetzt nur durch die Delays kommt bin ich mir nicht sicher – die kann man jetzt quälen bis zum Anschlag und extreme Sprünge machen die Delays auch mit! Wahnsinn!!! Die bleiben dem Sound treu, vorher musste man die schon mit Fingerspitzengefühl benutzen…das was kein kleines Übel. Ich hatte Gestern Abend irre Spaß einiges auszutesten… freue mich schon auf die Probe heute Abend. Das ganze Teil klingt jetzt feiner und hochauflösender …oder ich hab ein Placebo Effekt…kann auch gut sein?! lg tom

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      Mike Hiegemann  RED

      Schön, dass das mit dem Update geklappt hat. Und ja, im Low-Feedback-Modus hat man mit den Delays mehr Spielraum. Grundsätzlich anders klingt der Pro 2 jedoch im Ganzen nicht. Ich denke, hier wirken sich eher ein paar positive Änderungen auf den Gesamteindruck aus.

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