Test: Soundbrenner Core Steel, Smart Watch für Musiker

21. August 2020

Wer nicht hören will, kann fühlen!

soundbrenner core steel

Soundbrenner Core Steel, Smart Watch für Musiker

Einigen von euch könnte die Firma Soundbrenner bereits ein Begriff sein, denn vor einigen Jahren kam diese junge Firma auf die Idee, einem Metronom nicht mehr nur audio-visuell Ausdruck zu verleihen, sondern auf eine andere Art der Wahrnehmung zu setzen. Auf Basis des von vielen Handys bekannten Vibrationsalarms erschuf Soundbrenner ein per Armband tragbares Metronom, das den Musiker den Beat wirklich spüren lässt. Die Vibration ist hierbei um ein Vielfaches stärker als von bekannten Produkten wie zum Beispiel einer Smartwatch, bleibt aber sehr präzise, so dass sich die einzelnen „Puls-Schläge“ klar erkennen lassen. Zudem besteht die Möglichkeit, den unterschiedlichen Zählzeiten auch unterschiedliche Vibrationsintensitäten zuzuordnen.

Vor drei Jahren stellten wir euch den Soundbrenner Pulse vor, die Erstentwicklung aus dem Hause Soundbrenner: Den Test dazu findet ihr hier.

Auch die neue Soundbrenner-Entwicklung, die Smartwatch Soundbrenner Core, arbeitet auf Vibration-Technologiesbasis, ist aber deutlich handlicher und so auch alltäglich sehr bequem als Musikerwerkzeug zu tragen. Erhältlich ist sie in zwei Ausführungen, einmal als Core-Version mit Kunststoffgehäuse, einmal als Core Steel Version mit Metallgehäuse. Für den Test stand mir die Core Steel Variante zur Verfügung.

Test Soundbrenner Piano

Erster Eindruck – was ist alles dabei?

Die Soundbrenner Box enthält die Smartwatch, ein Lederarmband, das Ladekabel, den Magnethalter für den Einsatz als Stimmgerät und – jeweils als „Bonus“ gekennzeichnet – einen Bodystrap (in zwei Längen) zum Tragen des Core z. B. als Brust- oder Beingurt, ein Silikonarmband, eine kleine Transporttasche mit Reißverschluss und ein Paar Gehörschutzstöpsel. Die Verpackung ist wie bei der Ersterscheinung übersichtlich, Apfel-like stylisch aufgemacht und spricht einen direkt an. Die hohe Wertigkeit des „Core“ zeigt sich schon beim Öffnen der Box.

Test core steel Soundbrenner Zubehör

Verarbeitung und Tragekomfort

Als durch und durch sehr hochwertig kann man die Verarbeitung der Soundbrenner Core Steel Smartwatch beschreiben. Das Gehäuse macht einen sehr stabilen Eindruck und wirkt in der Hand liegend zunächst recht schwer und groß, so dass ich dachte, die Uhr könne möglicherweise unbequem sein. Doch gerade mit dem Lederarmband trägt sie sich sehr angenehm. Sollte einen das zusätzliche Gewicht am Handgelenk doch mal stören, lässt sie sich durch eine leichte Rotation ganz schnell entfernen, wobei das Armband am Handgelenk verbleibt. Die magnetischen Halterungen, die die Uhr am Armband halten, sind ausreichend stark, um auch bei starker Bewegung nicht loszulassen. Man braucht also als Drummer keine Angst zu haben, dass sich die Uhr löst und in Richtung des Sängers fliegt und dort womöglich „dentalen“ oder sonstigen Schaden anrichtet. Auch das Ladekabel zieht sich fest an die Uhr, genauso  ist es mit dem Halter für die Stimm-Funktion an Gitarre, Bass oder Ukulele.

soundbrenner core steel test

Funktionen

Die Uhrzeit wird durch Kippen der Uhr in Blickrichtung angezeigt. Außerdem erscheint im Display das Datum und, im unteren Bereich, der Ladestand des Akkus. Dies ist in geschlossenen Räumen sehr gut ablesbar, jedoch im Tageslicht, besonders in der Sonne, nur noch schwer sichtbar. Das ist sehr schade, da ich für ein Produkt dieser Preisklasse, was ich alltäglich tragen würde, genügend Reserven erwarten möchte. Im Vergleich z. B. zu einer Apple Watch, die zwar auch undeutlich wird, aber ablesbar bleibt, ein Minuspunkt.

Um in die verschiedenen Funktionsebenen der Soundbrenner Core zu kommen, drückt man einmal den größeren Knopf am Rand der Uhr. Über den drehbaren, umlaufenden Ring des Gehäuses steuert man durch die Menüpunkte. Um einen Menüpunkt anzuwählen, drückt man wiederum die größere Taste am Rand der Uhr. Um zurückzugelangen, drückt man den kleinen Knopf und gelangt mit jedem Tastendruck jeweils wieder eine Ebene höher. Es lässt sich in der Software auswählen, ob die Bedienknöpfe rechts oder links getragen werden sollen.

soundbrenner core steel test

Das Prinzip ist auf allen Ebenen gleich. Man „entert“ den Menüpunkt mit der großen Taste und gelangt mit jedem weiteren Tastendruck eine Ebene tiefer. Genau so funktioniert es anders herum, um das Menü wieder zu verlassen.

Das Menü ist dabei folgendermaßen aufgebaut: Metronom, Tuner, Timer, Stoppuhr, Einstellungen.

Die Metronom-Funktion

Drückt man die größere Taste, erscheint als erster Menüpunkt die Metronom-Funktion. Ein weiterer Tastendruck gibt den Zugang zur vielseitigen Welt des Timings und ihren Sub-Divisionen frei.

Links oben erscheint das Tempo, präzise in BPM mit Kommastelle dargestellt. Ein Doppelklick mit zwei Fingern startet und beendet die Metronomfunktion. Lustig brummt der Soundbrenner auch sofort ordentlich los. Das ist im ersten Moment ungewohnt, da der Impuls schon wirklich stark ist. Es empfiehlt sich, das Armband recht eng zu tragen, da die Übertragung der Vibration so deutlicher zu spüren ist.

Drei Möglichkeiten stehen dabei zur Verfügung, um das Tempo zu ändern. Zunächst wählt man den Wert „Tempo“ über die große Taste an. Dieser blinkt nun und ist hell hinterlegt. Der drehbare Außenring der Uhr dient dann zur Einstellung des gewünschten Wertes. Für eine gute Kontrolle vibriert „Core“ bei jedem Beat-Wechsel aufwärts oder abwärts. Über die Tap-Funktion mit drei Fingern lässt sich ebenfalls das Tempo einstellen. Funktioniert anstandslos und auf Anhieb.

Die dritte Möglichkeit ergibt sich in Kombination mit der Soundbrenner App. Das in der App gewählte Tempo synchronisiert sich sofort mit der Uhr, natürlich auch anders herum. Ist die Kopplung zwischen App und „Core“ hergestellt (Bluetooth Verbindung), arbeitet alles zuverlässig synchron. Leider entsteht eine Latenz zwischen „Core“ und Audioklick (kommt etwas früher als „Core“) der Metronom App, was etwas irritierend ist, wenn man beides gleichzeitig nutzt. Hier müsste nachgebessert werden, z. B. durch einen einstellbaren Zeitversatz der Uhr.

Die kostenlose Soundbrenner App ist auch im Standalone-Betrieb ein sehr nützliches, vielseitiges Tool. Hier kann man sie herunterladen: Soundbrenner App

Test Soundbrenner App

Drückt man ein weiteres Mal den größeren der beiden Taster am Rand der Uhr, lässt sich die Taktart wählen, danach die „Sub-Division“, also welche Notenwerte (Einteilung) dem Takt zugrunde liegen sollen.

Noch ein Tastendruck weiter gelangt man in die dynamische Gestaltung. Jeder Schlag hat eine dreistufige dynamische Einteilung, was bis zur 16tel-Auflösung pro einzelnem Schlag möglich ist. So lassen sich auch komplexe Grooves erstellen. Macht auf jeden Fall Spaß und ist ein Erlebnis. Im alltäglichen Leben reicht an und für sich ein Viertel-Klick, aber „Core“ inspiriert zu Experimenten!

Die Farbe des jeweiligen Beats lässt sich ebenfalls frei bestimmen, das hilft nicht nur dabei, die „Eins“ zu finden.

Stimmgerät

Um die Soundbrenner Uhr als Stimmgerät (Tuner) zu nutzen, muss man zunächst ein Magnet (im Lieferumfang) am Instrument befestigen. Um eine bestmögliche Schwingungsübertragung zu erzielen, empfiehlt es sich, diesen an der Kopfplatte (sofern vorhanden) anzubringen. Im Falle meines Headless Basses war es allerdings etwas schwierig, eine geeignete Stelle zu finden.

Schlägt man dann eine Saite an, erkennt die Soundbrenner Core die Schwingung und zeigt sehr präzise an, wo die Stimmung der Saite liegt. Leider wird der Ton nicht sehr lange angezeigt und das Display wird schnell wieder schwarz. Man muss also häufig anschlagen, was die Stimmprozedur etwas schwierig macht. Ganz ausgereift ist die Funktion somit noch nicht. Gerade beim Bass erscheint der angespielte Ton noch kürzer als bei einer Gitarre, da muss man beim „Kurbeln“ wirklich schnell sein. Auch hier sehe ich also noch Verbesserungsbedarf.

Dezibel-Meter

Das Dezibel-Meter soll warnen, wenn ein voreingestellter Wert überschritten wird, beispielsweise um Gehörschäden zu vermeiden. Gute Sache, wie ich finde. Gerade bei jungen Musikern, die Lautstärkebelastungen vielleicht unterschätzen, erinnert der Alarm daran, doch besser mit Gehörschutz zu üben und zu proben.

Die Auslösung des Alarms lässt sich (nur) über die App (de-) aktivieren. „Core“ misst dazu permanent die Umgebungslautstärke und alarmiert, wenn bestimmte Tagesrichtwerte erreicht sind. Die Richtwerte sind in unterschiedlichen Lautstärkestufen unterschiedlich schnell erreicht. Zum Beispiel erträgt man (laut WHO) Lautstärken bis 80 dB bis zu 5,5 Stunden täglich, wohingegen Belastungsgrenzen bei Werten von über 95 dB nach 10 Minuten erreicht sind. Sicher treffen diese Werte nicht auf jeden Menschen gleich zu, aber es dient vielleicht dazu, die eigene Sensibilität zu schulen und ein Gefühl für Gehörbelastungen zu entwickeln, bevor es zu ernsthaften Gehörschäden kommt. Der ausgelöste Alarm ist dabei sehr deutlich zu spüren.

Test Soundbrenner Uhr

Timer

Ein weiteres nützliches Tool ist der Timer. Nimmt man sich eine Übungseinheit vor, kann man die Zeit getrost vergessen und sich ganz dem Üben hingeben. Soundbrenner Core erinnert einen sicher daran, die Kaffeepausen einzuhalten.

Stoppuhr

Eine Stoppuhr ist auch integriert. Möchte man der Welt also Paganinis Caprice 24 in Rekordtempo darbieten, lässt sich das weltmeisterliche „Geflitze“ zeitlich dokumentieren. Auf jeden Fall lässt sich die Uhr auch in anderen alltäglichen Situationen gut nutzen, sei es bei der Fahrradtour oder einer Wanderung. Auch nach längerer Zeit trägt sie sich sehr angenehm.

Einstellungen

Der letzte Menüpunkt führt zu den Einstellungen Flugmodus, Bluetooth, Smartphone Benachrichtigungen (neu), Werkseinstellungen, ID und Seriennummer – gerade die Integration der Smartphone Nachrichten-Anzeige direkt auf der Uhr macht Musikern die Entscheidung zwischen anderen Smartwachtes und der Soundbrenner Cor“ doch recht leicht.

Fazit

Ein tolles Ding, vollgepackt mit nützlichen (und vielleicht auch weniger nützlichen) Funktionen ist die Soundbrenner Core Smartwatch.

Sie ist bequem zu tragen und arbeitet zuverlässig. Die hochwertige Konstruktion lässt auf lange Lebensdauer hoffen. Die Arbeit mit dem Vibrationsmetronom ist zunächst gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber nach einer Weile ziemlich gut. Drummer haben es durch den großen Bewegungseinsatz manchmal etwas schwer, den Impuls wahrzunehmen, doch bei anderen Instrumenten ist dies kein Problem.

Etwas Übung erfordert es dennoch, sich auf das „Fühlen“ statt „Hören“ einzulassen. Nach einer Weile macht Core richtig Spaß und man möchte sie im alltäglichen Musikerleben nicht mehr missen.

Plus

  • hoher Tragekomfort
  • sehr vielfältige Metronom-Einstellungen
  • hochwertige Verarbeitung
  • umfangreiches Zubehör
  • empfängt Nachrichten z. B. WhatsApp
  • kostenlose Metronom-App

Minus

  • Stimmfunktion reißt früh ab
  • Latenz zwischen App und Uhr
  • im Sonnenlicht schwer ablesbar

Preis

  • Core: 194,- Euro
  • Core Steel: 291,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Green Dino  AHU

    Hab gerade mal die App aufgemacht (war eine der ersten Apps, die ich auf dem Smartphone hier installiert hatte, deshalb krieg als ich „treuer Kunde“ auch einen 70$ Gutschein für die Steelcore Variante, 50$ für Core – also wer Interesse an dem Teil hat sollte man in die App schauen^^)

    Die Soundbrenner App lässt sich ja zu Midi Clock und Ableton Link synchronisieren (das wollte ich in der App nachschauen), schade, dass ihr das nicht getestet hattet.
    Wenn Latenz zwischen App und Uhr besteht würde die App als Clockquelle ausscheiden (solange das nicht behoben ist).
    Eventuell könnte man mit sowas wie der ERM Multiclock die Clock verschieben, aber dann müsste die Latenz absolut konstant bleiben.

    Man kann die Clock in der App soweit ich weiss nicht verschieben (könnte nachgereicht werden, dann könnte man zumindest so „ohne Latenz“ zu Midi synchronisieren). Naja, so muss man halt tappen und per Hand angleichen…jedesmal wieder, wenn man das Tempo ändert… -_-

    Die Uhr wäre ja auch z.B. für Synthesizer- und Grooveboxspieler interessant, bei Transitions z.B. muss man nicht zählen oder aufs Lauflicht schauen…
    Ich hatte sogar mal überlegt sowas zu bauen, tja, jetzt gibts das ja dann.

  2. Profilbild
    Dave the Butcher  AHU

    „Im alltäglichen Leben reicht an und für sich ein Viertel-Klick“

    Das sehe ich völlig anders, wir spielen sehr viel 6/8, 5/8, 7/8, eine Nummer sogar 9/8. Ich finde ungerade Taktarten „ziehen“ viel stärker, treiben nach vorn. Wenn die Uhr das nicht liefern könnte wärs ein absolutes nogo.

    Schön wäre eine Synchronisation mit den neuen MPCs, das muss ich mal auschecken.

    Aber schon recht verlockend das ding.

  3. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Bräuchte man jetzt nicht, aber gefällt mir richtig gut! Da hat sich mal jemand Gedanken gemacht wie man das Thema Smart-Watch sinnvoll (und stilvoll) für Musiker umsetzt. Gerade in Proberäumen oder für Dirigenten stelle ich mir das sehr nützlich vor. Preis geht meiner Ansicht nach auch in Ordnung.

  4. Profilbild
    Numitron  AHU

    Gute Idee, aber ich finde es überteuert.
    Um 300€ kann man sich zb eine nette seiko holen und die zeigt die Uhrzeit an.

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