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Test: Steinberg Nuendo 12, Digital Audio Workstation

Nuendo 12: Sprache ist alles!

13. Juni 2022
steinberg nuendo 12 test

Steinberg Nuendo 12, Digital Audio Workstation

Direkt nach Cubase kommt stets das Update für den großen Bruder, so auch diesmal: Steinberg Nuendo 12 steht zum Download sowie zum Kauf beim örtlichen Händler frisch in den Regalen. Nebst den Neuerungen aus Cubase stand das Thema Sprache und Dialog ganz oben auf der Agenda in Hamburg. Außerdem ist Nuendo 12 – nach Cubase und Dorico – die dritte Applikation aus dem Hause Steinberg, die auf den Dongle verzichtet – der Paradigmenwechsel geht weiter.

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Steinberg Nuendo 12

Lizenz-Update läuft problemlos …

Der erste Eindruck – Nuendo ohne Dongle

Die Installation von Steinberg Nuendo 12 ist wie beim Vorgänger organisiert: Die Komponenten lassen sich einzeln relativ komfortabel über den Steinberg Download Assistenten herunterladen und installieren. Da gibt es zwar Marktbegleiter, die das etwas „hübscher“ und übersichtlicher machen, das gehört allerdings in den Bereich der Geschmacksachen. Der große Unterschied bei der Installation ist, dass der Dongle mit der Version 12 auch in Nuendo Geschichte ist – Tschüss Dongle. Das Lizenz-Upgrade geht – wie bei Dorico 4 und Cubase 12 – genau so einfach wie zu Zeiten des eLicenser.

Steinberg Nuendo 12

Optisch präsentiert sich Steinberg Nuendo 12 wie sein Vorgänger keine Umgewöhnung – sehr gut. Der offensichtliche Unterschied: Der Splash-Screen ist nicht mehr in tristem Schwarz/Grau, sondern wieder etwas bunter: Hübsch, aber nicht der entscheidende Punkt.

Steinberg Nuendo 12

Während des Tests kam das Update zu Version 12.0.30, mit dem der Test abgeschlossen wurde

Im Dialog mit Steinberg Nuendo 12

Für dieses Update hat man das Thema Dialog in Hamburg in den Fokus genommen. In Steinberg Nuendo 12 steht ein neues KI-basiertes Dialogue-Detection-System zur Verfügung: Somit lässt sich eine Spur automatisiert schneiden und den Dialog freistellen. Die neue Dialogerkennung findet sich bei dem altbekannten Feature Stille suchen. Hier wurde nebst der Suche nach Stille (quasi ein „Offline Noisegate“) auch die Suche nach Sprache bzw. Sprechpausen integriert. Das funktioniert soweit auch ganz gut, allerdings darf der Hintergrund nicht zu „noisy“ sein, sonst werden leise Silben weggeschnitten. Ob nun das Dialogue-Detection-System die Arbeit erleichtert und ein echter Timesaver ist, hängt von der gestellten Aufgabe und dem angelieferten Material ab. Der Begriff System scheint jedoch nicht sonderlich gut zu passen. Es können zur Dialogerkennung nicht mal Parameter eingestellt werden. Auch die KI – die laut Steinberg dahintersteckt – lässt sich nicht auf den Dialog anlernen. Ein nettes Tool, aber kein Gamechanger.

Steinberg Nuendo 12

So wird Sprache freigestellt

Das Auto-Align-Tool ist bei Steinberg keine Neuigkeit – es hat bereits vor Längerem auch den Weg zu Cubase gefunden – und hätte gut und gerne einer grundlegenden Rennovation bedurft – wenn schon das Thema Dialog im Mittelpunkt steht. Es funktioniert zwar, kann aber den Spezialisten wie Revoice Pro nicht das Wasser reichen: Die Lösung aus dem Hause Steinberg wirkt daneben schon etwas schwach und liefert oft keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Steinberg betont auf Nachfrage, dass die eingebaute Align-Lösung nur für einfache Aufgaben konzipiert sei und die harten Nüsse dann an die externen Kollegen (Revoice Pro, Auto-Align Post 2 etc.) delegiert werden sollen. Für eben diese kleineren Aufgaben mag es ausreichen, ist aber schon längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Hier sollte deutlich nachgelegt werden, speziell wenn Dialog das große Thema im Update ist. Immerhin hat man die Zusammenarbeit zwischen Steinberg Nuendo 12 und Auto-Align Post 2 verbessert – ARA2 sei Dank.

Steinberg Nuendo 12

Der Hub sieht (fast) aus wie immer

Die Warp-Funktionen wurden auf den Stand von Cubase 12 gebracht und leisten im Dialog-Editing ebenso treue Dienste, gerade wenn bei der Aufzeichnung mit mehreren Spuren bzw. Mikrofonen gearbeitet wurde. Spezielle Dialog-Funktionen fürs Warpen gibt es nicht, was vollkommen in Ordnung geht.

Viele Mitbewerber von Nuendo haben kein integriertes ADR-Taker-System, so muss diese Funktionalität mit externen Programmen/Plug-ins umgesetzt werden. Einige dieser Systeme sind preislich ähnlich gelagert wie Nuendo oder rufen sogar höhere Preise auf. EdiCue – eines der günstigeren – soll bspw. für deutlich über 600,- Euro auf den heimischen Rechner kommen und wird in Steinberg Nuendo 12 speziell supportet, aber der Reihe nach:

Steinberg Nuendo 12

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Mit diesem Update wurde der interne ADR-Taker stark angepasst. Steinberg selbst spricht von grundlegender Überarbeitung. Immerhin wurden etliche Shortcuts und ein paar Funktionen hinzugefügt, welche die Bedienung des Takers vereinfachen: So lassen sich ADR-Marker auf Tastendruck aus der Auswahl von einem oder mehreren Audio-Parts setzen. Auch ist nun der Import und Export von Netflix TTAL-Dateien möglich. TTAL steht für Timed Text Authoring Lineage und enthält Text- und Timing-Informationen, die beim Nachsynchronisieren (Dubbing) und Erstellen von Untertiteln genutzt werden (können). Ein eigener Script-Editor, den man als eigenes Programm zur Dialog-Eingabe, das man an Kunden verschicken könnte, fehlt Nuendo leider noch immer. Ob hier aus Hamburg noch etwas kommen wird, darf (vorerst) bezweifelt werden, da es genügend Mitbewerber-Tools für solche Aufgaben gibt. Dafür wurde die ADR-API in Richtung anderer ADR-Taker-Systeme geöffnet:

Der direkte Austausch mit EdiCue 4 ist mit Nuendo möglich. Dank Netzwerkfunktionalität auch, wenn EdiCue auf einem anderen Rechner (und anderem Betriebssystem) läuft. Mangels EdiCue-Lizenz konnte diese Funktionalität hier nicht getestet werden, diese Software ist derzeit (noch?) die einzige ADR-Software, die den Austausch via ADR-API ermöglicht, hoffentlich kommt da noch mehr.

Steinberg Nuendo 12

Ganz schön immersiv

Seit ein paar Jahren hat man im Hause Steinberg das 3D Audio – pardon – Immersive Audio Thema auf der Agenda. Mit Nuendo 11 kam die vollständige Dolby Atmos Funktionalität in Nuendo und selbst mit Cubase 12 kann jeder und jede einen entsprechenden Mix fahren. Nicht vergessen sollte man dabei jedoch, dass dazu ein entsprechendes Lautsprecher-Array von Nöten ist und ein passendes Audiointerface, das genügend Ausgänge bietet. Die Regelung des Abhörpegels kann auch in Nuendo erfolgen – dem Controlroom sei Dank. Wenn jedoch keine Option auf ein entsprechendes Lautsprecher-Setup besteht, kann dieses im Kopfhörer virtualisiert (binaural) werden. Wir haben solche Lösungen hier bereits vorgestellt. Nuendo bietet schon seit der Ambisonics-Unterstützung diese Möglichkeit an. Für den Kopfhörer-Mix wurde nun das Headphones-Match-Plug-in beigelegt, das den Frequenzgang von 387 Kopfhörern kennt und diesen entsprechend kompensieren kann. Eine große Datenbasis, die hoffentlich noch erweitert wird. Ein Teil der „üblichen Verdächtigen“ sind natürlich bereits verfügbar. Allerdings fehlt der eine oder andere Studio-Klassiker von einigen Herstellen (bspw. HD280 Pro, ATH-D40 …). Klar muss sein, dass – wenn ein Kopfhörermodell – starke akustische Schwächen aufweist (fehlender Frequenzgang kann nicht mit EQs kompensiert werden), es nicht möglich ist, dieses vollständig zu korrigieren. Wenn jedoch professionelle oder auch semiprofessionelle Modelle zum Einsatz kommen, sollte die Kompensation einen guten Dienst leisten können.

Steinberg Nuendo 12

Dolby Atmos in Nuendo 12

Die binaurale Lösung ist inzwischen direkt in den Renderer für Dolby Atmos integriert. So lässt sich der Mix bequem über den Kopfhörer erstellen. Steinberg selbst spricht hierbei davon, dass diese Lösung die „nötige räumliche Exaktheit“ zur Verfügung stellt. Die Einlassungen von Steinberg konnten im Test nicht ganz nachvollzogen werden. Die binaurale Lösung rangiert sehr deutlich hinter den Marktbegleitern und erlaubte im Test praktisch keine korrekte 3D-Ortung. Auch das Nachschalten von 3rd-Party-Lösungen wie bspw. den Spatial Audio Designer konnte nicht realisiert werden, schade. Generell: Die binauralen Lösungen werden immer besser und liefern gute bis sehr gute Ergebnisse. Klar sollte auch sein, dass diese Lösung kein echtes Lautsprecher-Array ersetzen kann, schon gar nicht ohne Head-Tracking.

Der Dolby Atmos Setup-Assistent in Steinberg Nuendo 12 ist in der Lage, einen kanalbasierten Mix (bspw. 5.1-Mischung) zu konvertieren, so dass in diesem Falle nicht „bei null“ gestartet werden muss. Beim Test hat das funktioniert, aber nicht ganz reibungslos: So mussten ein paar Einstellungen von Hand „gerettet“ werden. Wer erwartet, dass mit einem Klick auf den Setup-Assistenten aus einem 5.1-Mix ein Atmos-Mix wird, wird enttäuscht. Prinzipbedingt ist das auch kaum sinnvoll von einem solchen Assistenten zu leisten. Dolby Atmos ist ein objektbasiertes System und die üblichen 5.1 (7.1) Mischungen sind kanalbasiert. Das ist ein vollkommen anderes Konzept. Trotzdem: Ein nützliches Feature ist dieses allerdings trotzdem. Die Verbesserungen im binauralen Bereich wurden auch in den AmbiDecoder übertragen.

Das Setup des Dolby Atmos Mixes war nicht immer ganz fehlerfrei. So funktionierten Zuweisungen zu Beds und Objekten nicht immer richtig. Auch der Kanalpegel wurde bei Kanälen nicht mehr angezeigt, wenn diese in den Atmos-Mix integriert waren. Nach dem ersten Update mit dem Dolby Atmos Feature sollten solche Kleinigkeiten behoben sein. Generell schien die Performance von dieser Nuendo-Version eingeschränkt: Alle paar Sekunden fror im Test die Oberfläche (und die Anzeige der Controller) für ein paar Sekunden ein. Audio- und Video-Playback blieben davon ungestört. Auf demselben Rechner läuft Cubase Pro 12 komplett flüssig und ohne irgend ein Problem. Sicherlich eine Besonderheit des Testsystems, die trotzdem nicht unerwähnt bleiben sollte.

Steinberg Nuendo 12

Der neue Raiser ist schon aus Cubase bekannt

Für iOS und Android ist von Sound Particles der Space Controller OSC als immersive Panning-Tool verfügbar. Dieses lässt sich nun direkt in Steinberg Nuendo 12 nutzen, hübsche Idee. Leider schlägt diese iOS/Android App mit 149,- Euro zu Buche. Regulär wird ein Preis von 199,- Euro aufgerufen. Diese Version stand zum Test nicht zur Verfügung und die kostenlose Version (ohne OSC im Namen) lässt sich mit Nuendo nicht verbinden. Sehr schade. Ob knapp 200,- Euro für ein solches Hilfsmittel gerechtfertigt sind, ist ein Thema für einen anderen Test.

Steinberg Nuendo 12

Auch der FX Modulator ist bereits aus Cubase 12 bestens bekannt

Was gibt es noch in Steinberg Nuendo 12?

Selbstverständlich kann Nuendo mit allen Neuerungen aufwarten, die bereits in Cubase 12 Einzug gehalten haben. Die neuen Plug-ins Raiser, FX-Modulaor sowie der verbesserte ARA2-Support sind selbstverständlich hier zu finden. Es sei an dieser Stelle auf den entsprechenden Testbericht zu Cubase 12 verwiesen.

Steinberg Nuendo 12

Der API-Zugriff für ADR

Auch die Überarbeitungen beim Logical Editor und Input Transformer sind in Nuendo 12 zu finden. Schade ist auch hier: Steinberg hat keine echte Skript-Schnittstelle implementiert, wie diese von Konkurrent Reaper oder auch vom hauseigenen Dorico her bekannt ist. Hier sehe ich Handlungsbedarf! Außerdem lassen sich etliche Dinge gar nicht mit einem Shortcut belegen oder gar automatisieren. Wer viel mit ARA-Plug-ins arbeitet, wird schon darüber geflucht haben, dass eine Zuweisung nicht via Tastaturbefehl möglich ist, sondern nur mit der Maus. Zwar könnte mit Touch Portal oder Auto Hot Key ein solcher „Shortcut“programmiert werden, das kann aber nur eine Notlösung sein. Hier muss die Programmierabteilung in Hamburg noch mal in Klausur, denn das kann so nicht bleiben!

Steinberg Nuendo 12

Steinberg Nuendo 12

Supervision wird auch in Nuendo weiter ausgebaut. So sind – neben VU-Metern – auch LEQ(a) Messungen integriert. Sehr gut, das bieten bei Weitem nicht alle Meter- bzw. Metering-Plug-ins. Leider lassen sich diese Erweiterungen (Effekt-Plug-ins und Supervision) nicht außerhalb von Nuendo nutzen. Das ist eine unglückliche Entscheidung, da so ein Kaufargument für Nuendo – nämlich die Vollausstattung – nur für Nuendo selbst gilt, aber schon in WaveLab oder einem Programm eines Marktbegleiters, damit Schluss ist – schade! Das schmälert eben dieses Kaufargument.

Steinberg Nuendo 12

Neues Metering in Supervision

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Fazit

So fulminant wie das letzte Nuendo-Update fällt das diesjährige sicher nicht aus; der Dolby Atmos-Support stellte durchaus eine Spitzmarke dar, die nicht so leicht zu toppen ist – schade, dass sinnvolle Arbeiten hier nicht durchgeführt wurden. Trotzdem kann sich das Nuendo 12 Update sehen lassen, da die ganzen Workflow-Verbesserungen (Logical Editor, Audio Warp Verbesserungen etc.) aus Cubase 12 auch hier zu finden sind. Etwas schade ist, dass die bereits in Cubase 12 bemängelten „Altlasten“ noch nicht behoben sind, auch Auto-Align dürfte in der Ergebnisqualität gerne verbessert werden.

Die neuen Optionen fürs Dialog-Editing sprechen für sich. Wer viel mit Dialog und Narration (in Film und Game) arbeitet, sollte hier zugreifen. Alle anderen sollten einen sehr genauen Blick auf dieses Update werfen.

Plus

  • Betrieb ohne Dongle möglich
  • neues Limiter-Plug-in Raiser, das auch Atmos-BED-Konfigurationen unterstützt
  • phasenkohärentes AudioWarp
  • Akkord-Erkennung in Audiomaterial
  • neues MIDI-Remote-System
  • Stabilität mit neuem Kopierschutz
  • native M1-Unterstützung
  • neue Visualisierungen für Supervision
  • ADR-Taker etwas verbessert und Öffnung der API zu anderen Tools (derzeit nur EdiCue)
  • Downmix mit Lt und Rt möglich (ProLogic "kompatibel")

Minus

  • Dongle auch nicht optional nutzbar
  • "Altlasten" nicht (in Gänze) behoben (siehe Cubase 12 Test)
  • noch immer keine (LUA-)Script-Schnittstelle verfügbar
  • Performance im Test eingeschränkt
  • Dolby Atmos Features noch nicht zu 100 % ausgereift

Preis

  • Vollversion: 989,- Euro
  • Update von Nuendo 11: 195,- Euro
  • EDU-Version: 499,- Euro
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