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Test: Tone2, Saurus, Software-Synthesizer

6. Juni 2012

Software Synthesizer

Die kleine und feine Software-Schmiede Tone2 aus München hat vor kurzem einen neuen „Analog Synthesizer“ (sic!) vorgestellt. Am Saurus ist natürlich rein gar nichts analog, er tut halt nur so. Und ob er das glaubhaft hinkriegt, soll der folgende Test zeigen.

Den Saurus gibt’s als PC- und Mac-Version mit 32 und 64bit Unterstützung, als VST- und AU-Plug-in. Zusätzlich läuft er auf dem PC auch standalone. Die Installation ist simpel: Plug-in runterladen und eine spezielle Datei (mit der schönen Endung .t2k) in den Plug-in Ordner (resp. VST Ordner bei PCs) legen. Fertig.

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Der Saurus gibt sich klassisch analog - Holzwangen inklusive

Der Saurus gibt sich klassisch analog – Holzwangen inklusive

Oszillatoren

Die Oszillatorsektion ist üppig ausgestattet mit je zwei Oszillatoren und Suboszillatoren, jeweils mit acht Schwingungsformen. Die Pulsbreite wirkt auf alle Schwingungsformen und lässt aus Sägezahn eine Double Saw entstehen, morpht Dreieck zu Sägezahn, Sinus zu Rechteck und Rechteck zu Puls. Dies alles ist klanglich fein abgestimmt und meistens musikalisch sinnvoll einsetzbar. Klarer Fall: Dieses Plug-in wurde mit den Ohren programmiert.

Tone ist eine kleine Bass/Höhen-Klangregelung, also eigentlich ein Filter, und eignet sich sehr gut, um einem Basssound etwas mehr tieffrequenten Druck zu verleihen oder einem Pad eine sphärische Leichtigkeit.

Mit F/A Noise reguliert man eine Frequenz- oder Amplitudenmodulation durch einen Rauschgenerator. Der Effekt reicht von zarten Verzerrungen bis zu Modulationen der härteren Art, wobei es (zumindest für meine Ohren) stets ein bisschen digital klingt.

Sync steht steht für die allseits bekannte und beliebte harte Oszillator-Synchronisation, und Ringmod steuert die Lautstärke des Ringmodulators, an dessen Eingängen die Signale beider Oszillatoren (samt Suboszillatoren) anliegen. Die Oszillatoren lassen sich in der Modulationsmatrix (und nur dort) stummschalten und zwar folgendermaßen: Als Quelle wählt man einen konstanten Wert („Const“), schraubt diese auf minus unendlich und routet diesen Modulator auf das Modulationsziel Osc1 Volume. Persönlich finde ich diese Vorgehensweise etwas umständlich, das klassische „ein Volumepoti pro Oszillator“ Design (kombiniert mit On/Off Schaltern) wäre mir lieber gewesen.

Die üppige Oszillatorsektion

Die üppige Oszillatorsektion

Die Tonhöhe wird von zwei Tune- und einem Detune-Regler definiert. Erstere sind fürs Grobe zuständig und steuern die Frequenz im Bereich zwischen minus zwei und plus eine Oktave – in gerasterten Schritten (Terz, Quarte, Quinte, Sext, kleine Septime, Oktave). Detune bietet plus/minus einen Ganzton, in einzelnen Centschritten (also von – 100 bis +100 Cent).

Drift simuliert die unperfekte Stimmung analoger Oszillatoren, so dass diese in der Tonhöhe etwas schwanken. Der Effekt lässt sich nur ein- und ausschalten und ist … nun ja … eher subtil.

Phase ist ein interessanter Regler, der ansonsten nur selten bei Synthesizern anzutreffen ist (z.B. in der Software Steuerung des Minitaur). Hier werden die eigentlich frei schwingenden Oszillatoren synchronisiert, so dass sie mit jedem Tastenanschlag ihren Schwingungszyklus an der jeweils gleichen Stelle beginnen, was insbesondere für Bässe interessant ist.

Der Saurus ist wahlweise ein monophoner, acht- oder sechzehnstimmiger Synthesizer. Besonderes Augenmerk verdient der achtstimmige Modus („oldpoly 8“), eine Hommage an die ganzen Propheten, Jupiter und Polysix: Wird eine bereits gespielte Note nochmals angeschlagen, so wird ihr die gleiche Synthesizerstimme zugeordnet und die Hüllkurven in a soft way neu getriggert. Laut Bedienungsanleitung sei der Klang less muddy, was ich bestätigen kann – ein hörbarer, doch eher subtiler Unterschied zum 16-stimmigen Modus.

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Gilde wirkt nur monophon und zwar entweder bei jeder neu gespielten Taste („mono“) oder nur bei gebundenen Tönen („legato“).

Das Filter

Sechs Filtercharakteristiken bietet der Saurus: Tief-, Hoch- und Bandpass mit 12dB pro Oktave resp. Tiefpass, Kerbfilter und ein sogenanntes Formantfilter mit 24dB. Die Resonanz reicht bis zur Eigenschwingung und pfeift ordentlich aus den Studiomonitoren. Drive steht für eine (eher dezente) Übersteuerung des Filtereingangs. Soft ist eine weitere Referenz an die Analogen der 70er Jahre und lässt die Resonanz etwas weicher erklingen. Die Frequenzmodulation des Filters greift dezent ein, die Verzerrungen wirken harmonisch und dennoch kühl. Die filterinterne Rückkopplung Feedback ergibt einen ähnlichen Effekt wie die Resonanz, indes mit mehr tieffrequenten Nebengeräuschen – eine Art pulsierendes Grollen.

Filter und LFOs

Filter und LFOs

Modulation

In Sachen Hüllkurven bietet der Saurus ein Dreiergespann an ADSR Envelopes, die – wie könnte es auch anders sein – fest mit der Filter Cutoff bzw. dem VCA verknüpft sind, während die Dritte als Bonus zu betrachten ist und jedem erdenklichen Ziel zugewiesen werden kann. Die Zeiten reichen von ultraschnellen 1ms bis 22 Sekunden, was wohl für die meisten Anwendungen reichen sollte. Kurze Attack-Zeiten gehen mit einem markanten Knacken der Hüllkurven einher, was bestimmt spannend klingt, doch manchmal auch nerven kann.

Die LFOs gibt’s im Doppelpack, mit jeweils vier Schwingungsformen (Dreieck, Rechteck, Sägezahn, Zufall) und einem Frequenzbereich von 0,06 Hertz (was einem Zyklus von etwa 15 Sekunden entspricht) bis 440 Hz. Sie lassen sich zum Tempo der Host Software synchronisieren und in ihrer Phasenlage stufenlos einstellen.

In den insgesamt drei Modulationsmatrizen kann so ziemlich jede denkbare Quelle mit einem Ziel verknüpft werden, mit jeweils positiver oder negativer Amplitude. Insgesamt 15 Verknüpfungen sind möglich, wobei ein Modulationsbus selbst als Ziel einer weiteren Modulation angesteuert werden kann, um ganze Kaskaden an Modulationen zu verschalten. Zudem lassen sich über den Hilfsbus X Modulationswerte filtern und quadrieren für exponentielle Modulationen, was beispielsweise für Hüllkurven interessant ist.

Ist der Saurus also modular? Nein, leider nicht. Denn in Sachen Audiosignalfluss gibt sich der Saurus eher konservativ. Hier gilt das klassische Schema VCO-VCF-VCA, und daran kann nicht gerüttelt werden.

Modulationsmatrix

Modulationsmatrix

Die Modulationsquellen des Saurus: Decay ... ms verweist auf eine interne Minihüllkurve mit festen Decaywerten

Die Modulationsquellen des Saurus: Decay … ms verweist auf eine interne Minihüllkurve mit festen Decaywerten

Effekte

Interne Effekte gehören heute zum guten Ton eines Plug-ins, beim Saurus sind dies ein Stereo Chorus, Hall, Delay (wahlweise auch als Ping Pong) und eine virtuelle Röhre. Qualitativ machen sie einiges her: die Röhrensimulation sorgt für analoge Verzerrungen und klangliche Überraschungen, der Chorus bringt Wärme ohne zu eiern, und der Hall klingt transparent. Die Parameter beschränken sich auf das Nötigste; mit wenigen Mausklicks schraubt man sich den passenden Effekt hin.

Schade ist, dass die Effektparameter nicht über die Modulationsmatrix steuerbar sind, könnte man ja so z.B. den Hallanteil über die Hüllkurve formen oder die Verzerrung mit der Anschlagsstärke koppeln. Mit wenig Aufwand hätte man das klangliche Potential des Saurus erheblich steigern können.

Um die Sounds anzudicken bietet sich nebst dem Chorus auch die Unisono Schaltung an, mit deren Hilfe man die Oszillatoren wahlweise doppelt oder vierfach zum Klingen bringen kann, mit stufenlosem Detune (hier Spread genannt). Mittels Panorama verteilt man die Stimmen im Stereobild und wird mit wohlig breiten Klängen belohnt

Nur das Nötigste an Parametern: die Effekte des Saurus

Nur das Nötigste an Parametern: die Effekte des Saurus

Arpeggiator

Kommen wir zum wohl komplexesten Modul des Saurus: dem Arpeggiator, der gleichzeitig als 16 Schritt Sequenzer fungiert. Pro Schritt wählt man Velocity und Notenwert (aus einer chromatischen Skala, also „7“ ist eine Quinte, „12“ eine Oktave etc.). Ferner lassen sich zu jedem Schritt verschiedene Modulatoren der ursprünglich gespielten Töne programmieren, +1 spielt die nächst höhere Note eines Akkordes, +2 die übernächste etc. Klingt simpel und ist doch ziemlich verwirrend. Alles, was nach organisiertem Zufall klingen soll, ist schnell eingestellt, doch wünscht man sich zur Abwechslung ein klares Arpeggio, das sagen wir mal zwei Oktaven hoch und wieder runterläuft, wird die Programmierung zur Geduldsprobe. Ein kleiner Up Down Modus – ich hab’s schlicht nicht hingekriegt. So fällt mein Fazit des Arpeggiators gemischt aus: vielseitig und wenig intuitiv. Sorry.

Der Parameter Swing bringt ternäres Feeling und klingt dennoch ein bisschen steif, was auch daran liegen mag, dass sich zwar die Längen der Noten verändert, nicht jedoch deren Betonung.

Parameter des Arpeggiators

Parameter des Arpeggiators

Klang

Wie klingt er denn, der Saurus? In einem Wort: vielseitig. Beim Durchsteppen der Presets ist man immer wieder erstaunt, welch unterschiedliche Klänge mit zwei Oszillatoren und einem Filter möglich sind. Der Arpeggiator sorgt für ordentlich Bewegung in den Sounds, das Filter packt kräftig zu, die Modulationsmatrix lässt kaum Wünsche offen und die kleine und feine Effektsektion gibt dem Saurus den letzten Schliff.

Seine Stärken liegen eher bei zeitgenössischen, digitalen Klängen, denn ganz so analog, wie er sich gibt, klingt er nicht – zumindest im Direktvergleich zu einem Moog MG-1. Dabei hat der Saurus allerhand interessante Klänge zu bieten, nur eben die echt „analogen“ kriegt er nicht so sauber hin. Im Gegensatz zu seinen Vorbildern klingen pure Schwingungsformen eher dünn, so dass man gerne Gebrauch der Unison Schaltung macht, was aber automatisch mit einem leichten Chorus-Effekt einhergeht.

Rauschen sucht man auf der Bedienoberfläche übrigens vergeblich. Wer den (versteckten) Rauschgenerator aktivieren möchte, tut dies in der Modulationsmatrix und steuert den Parameter Noise Volume an. Eine etwas umständliche Lösung einer simplen Funktion klassischer Synthesizer.

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Fazit

Der Tone2 Saurus Software-Synthesizer ist ein eigenständiges Instrument, mit Ecken und Kanten und einer erstaunlichen Klangfülle. Er macht ordentlich Spaß, bietet einen vielseitigen und komplexen Arpeggiator und ist erstaunlich ressourcenschonend. Sein Preis geht in Ordnung, obwohl z.B. der U-He ACE für weniger Geld mehr bietet.

Grafisch ist soweit alles im grünen Bereich, der Synthi sieht elegant und ansprechend aus. Doch wäre es schön, wenn man das ziemlich üppig dimensionierte Fenster verkleinern könnte, denn auf dem Laptop lässt der Saurus nicht viel Platz neben sich.

Punktabzüge gibt’s u.a. für die Bedienungsanleitung, die zwar meist gut geschrieben ist, doch einiges gänzlich weglässt (z.B. schweigt sie sich darüber aus, wie man die Regler eines Midi-Controllers den wichtigsten Parametern zuweist.)

Mein abschließendes Fazit: gut gemachter Software-Synthesizer, solide programmiert, doch nichts Weltbewegendes.

Plus

  • Modulationsmatrix
  • vielseitiger Arpeggiator
  • Klang

Minus

  • kein polyphones Glide
  • Effektparameter nicht über die Modulationsmatrix steuerbar
  • zwar gut geschriebene, doch unvollständige Bedienungsanleitung

Preis

  • 99,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    4damind  

    Ich war ziemlich schnell von dem sehr restriktiven Demo genervt. Markus hat zwar angekündigt das in einem Update die Demozeit etwas verlängert wird… Aber wie es so schön heisst: der erste Eindruck zählt.

    Viele vergleichen den Saurus mit dem U-HE Diva aber die beiden kann man eigentlich nicht wirklich vergleichen. Diva spielt da schon in einer anderen Klasse, was man sich allerdings auch mit einem sehr hohen Resourcenbedarf erkauft. Hier stellt sich dann eher oft die Frage der Benutzbarkeit wenn nach einem gespielten Akkord schon die CPU am Limit ist :D

    Saurus ist schon eher für „Butter und Brot“ Sachen geeignet, allerdings gibt es natürlich einige Synth von denen man gleiches sagen kann. Also so richtig ist der Funke bei mir jetzt nicht über gesprungen. Die Amazona Bewertung von „gut“ finde ich angemessen.

    • Profilbild
      Nostradamus

      Diva geht seit der letzten Version deutlich schonender mit den Ressourcen um. Also wenn du bereits mit einem gespielten Akkord am Limit bist, solltest du mal darüber nachdenken, auf halbwegs aktuelle Hardware umzusteigen.

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        AMAZONA Archiv

        Das kann ich bestätigen. Die aktuelle Diva läuft auf meinen recht aktuellen i7 Macs selbst im Divine Modus unproblematisch mit mehreren Instanzen und Stimmen. Ich glaube kaum, das sich da die Anschaffung eines „Saurus“ noch lohnt, es gibt sowieso viel zu viele Softsynthesizer. Zumal man mit Diva auch in den Draft Modus umschalten kann, für Brot und Butter.

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          AMAZONA Archiv

          Klanglich bewegt sich DIVA eh in einer eigenen Liga.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ein Synth der die Welt nicht braucht… wo ist die Innovativität geblieben ?

  3. Profilbild
    freeldr77  

    Ich glaube, dieser Synth kommt einfach ein bisschen zu spät.
    Das Einsatzgebiet dürfte doch schon von Sylenth und Dune längst abgedeckt sein, für die es zudem (besonders beim Sylenth) auch Presets wie Sand am Meer gibt.

  4. Profilbild
    MoonUnit

    Keine Ahnung,
    aber bei den vielen billigen Hardwares-Snthesizer
    (Shruti, Evolver, Minitaur, etc … ) hab ich keine Ahnung wer das braucht.
    Auch ein DIVA reizt mich einfach gar nicht.

  5. Profilbild
    markusd

    Hätte vor 3-4 Jahren vielleicht noch jemanden ködern können. Angesichts der u-he DIVA muss ich meinen Vorrednern recht geben: Das ist derzeit das Maß aller Dinge, wenn es um subtraktive VA-Synths geht.

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